Freitag, November 20, 2009

Schabbat Schalom




B"H

"Totmüde" - so lautet mein derzeitiger Gemütszustand. Der Wetterwechsel, zu lange im Internet gesurft, keinen ausreichenden Schlaf, all das macht einen fertig. Der November ist eh ein trister Monat. Immerhin hat der jüdische Monat Kislev begonnen, was uns jedesmal einen Hauch von Chanukkah, Sieg sowie Spiritualität übermittelt.
Zumindest dann, wenn ich wach bin bzw. wenn mir nicht die Augen zuklappen.

Was wir von der dieswöchigen Thora Parasha Toldot lernen ist, nicht aufzugeben. Unsere Vormütter waren unfruchtbar und gebaren erst nach langer Zeit Kinder. Eine Zeit, in der unendlich viel gebetet worden ist und sie nie aufgaben.
"Hoffnung" so lautet das Stichwort nicht nur in Bezug auf Chanukkah und den Sieg über die Hellenisten. Der Talmud lehrt uns, dass wir selbst dann nicht die Hoffnung aufgeben dürfen, wenn uns der Feind die Schwertklinge an den Hals hält. Immer kann sich alles zum Guten wenden. Was wäre der Mensch ohne die Gabe der Hoffnung ?

Allerdings besinnen sich die meisten Leute immer nur auf G - tt, wenn es ihnen gerade einmal wieder miserabel geht. Aber um das Licht am Ende des Tunnels zu finden, suchen viele die falschen Richtungen. Ich will hier nicht wie ein Prediger klingen, doch sollten wir uns nicht stets auf den Ursprung konzentrieren ? Darauf, wer uns erschuf und warum.
Auf denjenigen, den wir als "G - tt" betiteln.

Stehen die Zeiten schlecht, sind wir schnell dabei, uns an Ihn zu erinnern und nach Hilfe zu rufen. Jeder kann es ruhig zugeben: Man kann noch so säkuler oder atheistisch sein, befindet man sich in Schwierigkeiten und ist hilflos, denkt ein jeder schnell an G - tt.
In guten Zeiten hingegen vergessen wir Ihn schnell wieder.
"Wozu G - tt und wozu beten ?"

Dabei lehrt uns der Talmud, dass wir G - tt für alles Positive sowohl als auch für alles NEGATIVE, was uns wiederfährt, danken sollen.
Man stelle sich selbst als winzigen kleinen Punkt in einem unendlichen Universum vor. Noch so klein, sind wir dennoch alle Teil eines Ganzen; eines g - ttlichen Planes. Deswegen mache sich niemand kleiner als er ist.

"Shabbat Shalom - Gut Schabbes" an alle Leser !

Donnerstag, November 19, 2009

Rebbe Israel Hager (Ahavat Israel) in Karlsbad






Der Vishnitzer Rebbe Israel Hager (Ahavat Israel), 1860 - 1936, in Karlsbad.
Karlsbad war offensichtlich schon in fruehen Jahren antisemitisch eingestellt. Im Gegensatz zu Marienbad.


Aus Wikipedia:

Yisroel Hager was born on August 20, 1860. He was the firstborn son of Rabbi Boruch Hager. He married the daughter of Rabbi Meir Horowitz of Dzikov. In 1875 he moved to his father-in-laws house and studied at great length with his brother-in-law Rabbi Yehoshua of Dzikov. 3 years later he returned to Vyzhnytsia and became very close to his grandfather, Rabbi Menachem Mendel Hager. In 1893 he was appointed as rebbe in Vyzhnytsia. The young rebbe invigorated new life into the chassidus and it attracted many more followers from the surrounding provinces. He established many Talmud Torahs and also a yeshiva to which he appointed his son Rabbi Menachem Mendel as rosh yeshiva. When the First World War broke out he was forced to move to Grosswardein. He lived there until his death in Oradea on 2 June 1936[1]. In 1949, his remains were transferred to Israel and re-interred in Zichron Meir. His sons were Reb Menachem Mendel of Visheve, Reb Chaim Meir, who inherited his fathers position in Grosswardein; Reb Eliezer of Vyzhnytsia; Reb Boruch of Siret and Reb Shmuel Abba who died young. He also had six daughters.

Mike Oldfield: "In the Beginning - Am Anfang"

B"H

Ich bin ein Fan der irischen Sängerin ENYA sowie von dem englischen Musiker MIKE OLDFIELD. Die Lieder "Man in the Rain" oder "Moonlight Shadow" von Mike O. sind meine absoluten Hits.

Hier ein brillianter Song von Mike Oldfield zur Welterschaffung:

Parashat Toldot - פרשת תולדות


Photo: Gil Gilad


B"H


Die Thoralesung für diesen Schabbat


In der letzten Parashat Chaye Sarah verstarben erst Sarah und später auch noch ihr Gatte Avraham. Wir wir wissen, hinterließ Avraham mehrere Kinder. Zuerst zeugte er mit Sarahs Sklavin Hagar den Ishmael, danach bekamen er uns Sarah den gemeinsamen Sohn Yitzchak und nach Sarahs Tod heiratete Avraham abermals. Keturah hieß seine neue Frau, von der die Midrasch sagt, dass es sich bei ihr um Hagar handelte. Mit der Letzteren bekam Avraham weitere Kinder, welche er später gen Osten fortschickte. Heutzutage wird allgemein angenommen, dass aus dem Grunde viele fernöstliche Völker einige ursprünglich jüdische Ideen beibehalten haben.


Am Ende von Chaye Sarah werden die Nachkommen Ishmaels aufgelistet und es wird ganz deutlich hervorgehoben, dass die Mutter Ishmaels Hagar ist. Das Ende der vorherigen Parasha sowie der Beginn der dieswöchigen sind fast identisch. Beide Male erfolgt eine Auflistung der Generationen. Zuerst die von Avraham und danach die seines Sohnes Yitzchak. Beim genauer Betrachtung jedoch fällt ein ganz gravierender Unterschied auf, der nur in der hebräischen Originalsprache ersichtlich ist. Während in der vorherigen Thoralesung die Nachfahren Ishmaels aufgelistet sind, wird das Wort "Generationen - Toldot" ohne den dazugehörigen Buchstaben VAV ו geschrieben. In der aktuellen Parashat Toldot dagegen, ist das VAV vorhanden. Thorakommentatoren interpretieren diese Tatsache so, daß bei der Auflistung Ishmaels etwas imperfekt war; es fehlte die Perfektion. Wogegen bei Yitzchak mit dem vorhandenen Buchstaben eine Perfektion eingetreten war.


Die kabbalistische Midrasch "Sefer Seder HaDorot" ist bekannt für ihre Liebe zum Detail und so erfahren wir, dass Lot, der Neffe Avrahams, im Alter von 142 Jahren verstarb. Yitzchak war zu dem Zeitpunkt 39 Jahre alt.


Der Beginn von Parashat Toldot mag etwas seltsam klingen. "Und dies sind die Generationen von Yitzchak, dem Sohn Avrahams, Avraham gebar Yitzchak".
Wieso wird an der Stelle zweimal das Gleiche gesagt ? Es reicht vollkommen zu erwähnen, dass Yitzchak der Sohn des Avraham war.
Nach der Geburt von Yitzchak gab es seitens der Umwelt ziemlich viel Getuschel darüber, ob Avraham wirklich der leibliche Vater sein kann. Jahrelang hatten er und Sarah keine Kinder und dann kam plötzlich Avimelech daher. Ob Sarah da wohl nicht eine Affäre hatte und nicht eher Avimelech auch der Vater des Yitzchak ist ? G - tt aber entwickelte einen Plan, um allen klarzumachen, daß Avraham der genetische Vater ist, indem Yitzchak seinem Vater aufs Haar glich. Dies ging sogar soweit, dass wenn Vater und Sohn nebeneinander standen, die Mitmenschen nicht wußten, wer wer von beiden ist und sie ständig verwechselten (siehe u.a. den Ramban - Nachmanides).


Gab es da nicht den Altersunterschied, aus dem schon allein hervorging, wer Vater und wer Sohn ist ?


Hierzu klärt uns die Gemara im Talmud Traktat Bava Metziah 87a auf, die da lehrt, dass es bis zur Zeit Avrahams keine äußerlichen Zeichen der Alterung gab. Viele würden sich den Zustand heute wieder zurückwünschen, anstatt viel Geld für nutzlose Cremes gegen Hautalterung zum Fenster hinauszuwerfen. Avraham und seinem Sohn gingen die ewigen Verwechselungen jedoch so auf die Nerven, dass Avraham G - tt bat, etwas zu unternehmen. Und so wurde äußerlich gealtert.


Sarah durchlebte ein trauriges Schicksal, indem sie lange Jahre auf ein Kind warten musste. Der Frau Yitzchaks, Rebekka (Rivka) wiederfuhr das gleiche Schicksal. Auch sie war vorerst unfruchtbar, aber im Gegensatz zu seinem Vater heiratete Yitzchak keine weitere Frau. Als er sie heiratete, war er 40 Jahre alt und ganze 20 Jahre wartete das Paar auf ein Kind. In der Mishna (mündl. Gesetzesüberlieferung von G - tt an Moshe am Berg Sinai) im Talmud Traktat Yevamot 64a heißt es jedoch, dass bei einem Ehepaar, welches zehn Jahre verheiratet ist, und sich keine Schwangerschaft einstellt, der Mann sich von der Frau scheiden lassen muß. Ein Mann nämlich hat die Pflicht, sich fortzupflanzen und muß mindestens eine Tochter und einen Sohn zeugen. Bei den Haredim (Ultra - Orthod.) gibt es ab und an Meinungen, dass der Mann zwei Töchter und zwei Söhne zeugen muß). Bei einer Kinderlosigkeit ist der Mann also außerstande, seine biblische Pflicht zu erfüllen. Die Mischna schreibt vor, dass sich der Mann entweder scheiden lassen oder eine zweite Frau heiraten muß.


Folgendes ist zu der Mischna hinzuzufügen:


Zuerst einmal wird offiziell nicht angenommen, dass die Frau unfruchtbar ist, sondern eher, dass sie sehr wohl in der Lage ist, Kinder zu gebären. Aus irgendwelchen Gründen habe dies jedoch nicht stattfinden sollen und so kann es theoretisch sein, dass sie in einer weiteren zweiten Ehe mehr Glück hat (Raschi). Sollte dagegen bekannt sein, dass der Ehegatte steril ist, dann muß er sich nicht scheiden lassen. Ist wiederum die Frau steril und ihr Zustand ist allgemein bekannt, dann ist der Ehemann gezwungen, sich unverzüglich scheiden zu lassen. Selbst noch vor Ablauf der zehn Jahre. In dem Falle dürfte die Frau unter gar einen Umständen eine zweite Ehe mit einem Mann eingehen, der seine biblische Pflicht noch nicht erfüllte.


Sollte das Ehepaar, aus welchen Gründen auch immer, eine Trennung verweigern, dann kann ein Beit Din (rabbinisches Gericht) eine Scheidung herbeizwingen (siehe hierzu auch den Traktat Ketubot 77a). In der Realität sieht es aber so aus, dass dieses Verfahren seit Jahrzehnten nicht mehr angewandt wird. Ganz einfach aus dem Grund, weil die Rabbiner Streitereien in den Gemeinden befürchten.


Warum aber wartete Yitzchak ganze 20 Jahre ab und nicht die vorgeschriebenen 10 ?


Ebenso heißt es in Yevamot 64a, dass Yitzchak unfruchtbar war und er davon wußte. Den gesamten Zeitraum über gaben beide nicht die Hoffnung auf ein eigenes Kind auf und beteten zu G - tt. Schließlich wurde ihr Wunsch erhört und Yaakov und Esav (Esau) kamen auf die Welt. Die Thora will an dieser Stelle gleichzeitig uns sagen, dass wir niemals die Hoffnung aufgeben sollen. Es gibt sogar eine talmudische Verpflichtung selbst in den letzten Sekunden vor dem Tod nicht aufzugeben und die Hoffnung zu bewahren. Niemals sollten wir selbst in den auswegslosigsten Situationen aufgeben und genau das lernen wir von unseren Vorvätern.


Zum leidlichen Thema des Verhältnisses zwischen Yaakov und seinem Bruder Esav (Esau) schrieb Rabbi Samson Raphael Hirsch einen geradezu revolutionären Kommentar. Rabbi Hirsch ist der Meinung, daß die Eltern, in dem Falle Rivka und Yitzchak, rechtzeitig die unterschiedlichen Charaktäre ihrer Kinder erkannt haben müßten. Esav war eher der "Wilde", der viel Auslauf brauchte und Yaakov dagegen bevorzugte das Lernen.
Rabbi Hirsch sagt, dass jedes der Kinder gemäß seiner individuellen Natur hätte erzogen werden müssen. Einen Esav steckt man nicht in eine Schule, wo er den ganzen Tag über stillsitzen muß, sondern sucht andere Perspektiven. Vielleicht hätte sich demnach Esav in einen besseren Menschen verwandelt als brutal zu rebellieren. Des Weiteren hatte beide Elternteile ihre persönlichen Vorlieben für jedes der Kinder.


Rabbi Hirsch klagt weder Rivka noch Yitzchak einer falschen Erziehung an, doch zeigt er allgemein auf, wie man eventuell einen negativen Verlauf hätte verhindern können. Andererseits kann natürlich das Argument gebracht werden, dass G - tt anscheinend alles so geplant hatte und Esav der Großvater eine Amalek hatte werden müssen, um das jüdische Volk erst in die Diaspora zu treiben, nur um später die eigentliche Ge'ulah, sprich das messianische Zeitalter, und den eigentlichen Zweck der Welterschaffung herbeizuführen.


Schabbat Schalom und einen guten neuen Monat Kislev - שבת שלום וחודש טוב

Diese Woche war die Zeit knapp

B"H

In dieser Woche liess ich den Hamantaschen - Blog etwas schleifen, denn meine Zeit war etwas knapper bemessen. Aus diesem Grund bin ich noch nicht einmal zum Schreiben einer neuen Thora Parasha gekommen und werde für diesen Schabbat eine ältere in den Blog stellen.
"Ältere ?"
Naja, alt ist die Thora nie, denn es gilt ja alles nach wir vor.


Zu den Bildern aus Marienbad und Karlsbad:
Ich erhalte diese von einer Privatperson und viele Leute freuen sich über die Veröffentlichungen in diesem sowie auf meinem englischen Blog. Zu beiden Orten will ich einiges erklären, denn nicht jedem ist bekannt, dass einstmals chassidische Gruppen wie Nikolsburg in der Tschechei beheimatet waren bzw. die Rebbes auf Kur nach Marienbad und auch Karlsbad fuhren. Wie mir besagte Privatperson berichtete, war Marienbad viel weniger antisemitisch eingestellt als Karlsbad, wo es schon im Jahre 1850 Protest wegen jüdischer Häuseraufkäufe aufkamen.

Grüsse aus Marienbad



Vom 19. Jahrhundert bis zur Nazizeit war das tschechische Marienbad ein Anlaufpunkt für unzählige chassidische Rebbes genauso wie für wohlhabende europäische Geschäftsleute und andere Persönlichkeiten.

Zur Geschichte Marienbads noch mehr im Verlauf der Zeit. Leider wird über die einstige Vergangenheit kaum mehr etwas berichtet und heute macht Marienbad nur mehr auf Kurort. An den Bilder aber sind viele Juden aus aller Welt interessiert.

Mittwoch, November 18, 2009

Die religiöse Welt und die israelische Armee

B"H

Zurück in Tel Aviv wollte ich einige Einkäufe im Dizengoff Center erledigen. Das "Center" ist neben den Azrieli Towers die bekannteste Shopping Mall der Stadt. Nach den Einkäufen wollte ich mich in einem Kino über die Uhrzeiten eines Filmes informieren, denn mit Freunden plante ich den gerade gestarteten Film "2012" anzuschauen. Ich liebe Katastrophenfilme, weil dabei  das Popcorn noch am bestenmeckt.

Ob der Film sein Geld nicht wert sei ?
Eines ist sicher: Der jüdischen Religion zufolge wird unsere Welt nicht am 21. Dezember 2012 verschwinden. Stattdessen kommt zuerst der Meschiach und auf alles Weitere dürfen wir gespannt sein. Obwohl es in der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Sanhedrin unterschiedliche Meinungen gibt, wielange unsere Welt existieren wird, wissen wir mit keiner absoluten Sicherheit, ob die Welt nach der Ankunft eines sterblichen Meschiach auf ewig bestehen bleibt oder letztendlich alles von G - tt zerstört wird und demzufolge alles wieder an einen Ur - Status Quo zurückkehrt. Nämlich, dass außer G - tt keinerlei Existenz mehr vorhanden ist.

Aber zurück zum Dizengoff Center:
Als ich herauskam, sah ich zu meiner rechten eine neu eingerichtete Filiale der israelischen Buchhandlungskette "Steimatzky". Was dabei meine Aufmerksamkeit erregte, war das preiswerte Buchangbot. Jedes Buch sollte nur 20 Schekel (ca. 4 Euro) kosten. Ein Spottpreis für Bücher in hebräischer Sprache, denn normalerweise kosten diese um die 90 Schekel (ca. 18 Euro).


Bei Büchern werde ich eh schwach und so ging ich in den Laden hinein. Nach kurzem Wühlen fand ich zwei tolle Bücher und ich bin recht stolz auf meine Errungenschaft. Beide handeln von relig. Israelis und der Armee (IDF - Israel Defense Force).

Mein Bücherkauf beschränkt sich fast nur auf jüdisch - relig. Literatur und selbst wenn ich einmal Lust auf einen Roman habe, lande ich doch immer wieder bei der Religion. Wenn ich Bücher kaufe, dann englische in englischer Sprache und Werke von israelischen Autoren auf Hebräisch. Die zwei Bücher, die ich heute kaufte, sind in hebräischer Sprache, doch geben genauso die Titel in englischer Sprache an. Ob sie jemals übersetzt worden sind, kann ich jedoch nicht sagen.

Das erste Buch beschreibt die allerersten Gründerjahre der "Nachal HaCharedi - haredische - ultra - orthodoxe Armeeeinheit". Dies war Mitte der 90iger Jahre und damals waren die Mitglieder noch richtige Haredim. Leider hat sich das heute gegeben, denn es sind zuviele Nationalrelig. in die Einheit gedrungen. Das folgt, dass die Haredim nicht mehr in die Einheit wollen, denn die Mentalität zu den Nationalrelig. ist zu unterschiedlich. Ganz zu schweigen vom relig. Background und der Erziehung.

Das Buch von David Zoltan handelt von den Schwierigkeiten eines haredischen Soldaten, im Nachhinein einen Ehepartner zu finden bis hin zum familiären Umfeld. Für Haredim ist es nicht leicht, sich überhaupt für den Dienst an der Waffe zu entscheiden, denn all das bringt Kosequenzen mit sich. Ebenso wird in dem Buch das Schicksal des Shmulik Greenfeld, einem Toldot Aharon Chassid, beschrieben.

Auf dem Klappentext heißt es, dass jeder Israeli dieses Buch lesen sollte. Dem kann ich nur zustimmen. Der englische Titel lautet "The Yarmulke and the Helmet - The Story of the First Ultra - Orthodox Army Unit". Der Autor ist David Zoltan. Das zweite Buch ist von Asael Lubotzky, einem ehemaligen nationalrelig. "Hesder" Studenten, welcher seine Teilnahme und Erlebnisse des letzten Libanonkrieges darlegt: "From the Wilderness and Lebanon".

Diese zwei Bücher erwiesen sich als dermassen interessant, dass ich letzten Endes auf den Film pfiff und mich stattdessen ans Lesen machte.

"Barchi Nafshi" - Zum Monatsbeginn KISLEV

Dienstag, November 17, 2009

Demonstration gegen den Jerusalemer "Scheitel" Markt



B"H

Haredische (ultra - orthodoxe" Frauen kamen zum "Scheitel (Perücke)" Markt in Jerusalem und was erwartete sie dort ? Eine Demonstration gegen das Tragen von Perücken verheirateter haredischer Frauen.

Ich werde noch viel mehr zum Thema verfassen, denn ich besitze einen Haufen Material dazu von der chassidischen Gruppe Toldot Aharon !
Viele verheiratete haredische Frauen bedecken ihr Haar mit einer Perücke, was von ebenso zahlreichen haredischen Richtungen entschieden abgelehnt wird. Einige davon lehnen lediglich das Tragen einer Perücke aus nichtjüdischem Haar ab, andere wiederum sind bereit, die Perücken zu verbrennen. Das Tragen einer Perücke würde Zures (Zarot, Probleme) über das jüdische Volk bringen.


Hier einige Photos von der Demo:



Gegen das Tragen von Perücken hergestellt aus nichtjüdischem Haar.




Benötigt sie wirklich einen Scheitel (Perücke) ?




Die Polizei ist auch schon da.




Die Kundschaft lässt sich nicht beeinflussen.


Alle Photos gibt es hier zu sehen:



Mehr Infos zur jüdischen Frau und ihrer Kopfbedeckung HIER !

Montag, November 16, 2009

Sadigura Rebbes in Marienbad



Rebbe Mordechai Sholom Yosef Friedman (1897-1979) Rabbi von Sadigura Przemyszl war einer der wichtigsten Redner bei Kenessio Gedaulo, hier im Gespäch in Marienbad, andere Personen nicht bekannt, leider ...




Oberes + unteres Photo:
Rebbe Mordechai Sholoms Sohn, der derzeitige Sadigura Rabbi Avrohom Yaakov Friedman (Israel) mit seinem Sohn - Yisroel Moshe Friedman (Golders Green, London) und mit seinem Enkel Sholom Friedman besuchten Marienbad in März 2008, und noch mit ca 160 Begleiter aus ca 7 Ländern.






Die heutige Synagoge der Chassidut Sadigura in Bnei Brak (bei Tel Aviv).

Rosh Chodesh KISLEV


B"H


Heute abend (Montag) feiern wir den Beginn des neuen jüdischen Monat Kislev. Dienstag und Mittwoch sind danach die Tage des eigentlichen  Rosh Chodesh Kislev.


Ein neuer Monat stellt jedesmal aufs Neue auch für uns persönlich einen Neubeginn in unserem Leben dar, was uns gleichzeitig immer wieder motiviert, alles besser machen zu wollen.


Fast am Ende des Kislev beginnt das Chanukkah - Fest und in Jerusalem essen wir schon seit jetzt die traditionellen Sufganiot (Krapfen, Berliner), welche uns bewußt machen, dass Chanukkah vor der Tür steht. Suganiot mit allen erdenklichen Füllungen; von der einfachen Marmelade über die Karamelcreme bis hin zum Eierlikör. Alles ist zu haben.


Kislev ist der Monat der "Sicherheit" und des "Vertrauens in G – tt". Die kämpfenden Chashmonaim (Hasmonäer) gegen die griechische Besatzung gaben niemals ihr G – ttvertrauen auf und besiegten so den götzenanbetenden Feind. Gleichzeitig ist Kislev aber auch der Monat des "Schlafes", welcher von Kabbalisten als passives G – ttvertrauen bezeichnet wird. G – tt wird immer über Israel wachen.


Aus dem kabbalisitschen Buch "Sefer Yetzira – The Book of Creation" geht hervor, dass jeder jüdische Monat einen bestimmten Buchstaben, einer Farbe, einem israelitischen Stamm, einem menschlichen Sinn sowie eines Organes symbolisiert.


Die Farbe des Kislev ist blau – violet.
Der Buchstabe ist das SAMECH ס . Die Form des Samech ist ein Kreis, der für die Allgegenwärtigkeit G – ttes steht.
Das Sternzeichen des Kislev ist der Schütze.
Der israelitische Stamm ist Benjamin.
Der menschliche Sinn ist der Schlaf. Wenn jemand das absolute G – ttvertrauen besitzt, dann hat er positive Zukunftsträume, was sich gleichzeitig auch an seiner positiven Lebenseinstellung im Alltag zeigt.
Das menschliche Organ ist der Bauch, der ebenso eine Verbindung zum Schlaf darstellt.
Das chassidische Buch "Bnei Yissachar" verfügt über eine Reihe genialer Insights zum Kislev. Hier eines davon:
Laut Kabbalisten und Chassidim handelt es sich bei dem Licht an Chanukkah um jenes Licht, welches das erste von G – tt geschaffene Licht nach der Welterschaffung (Or HaGanuz) symbolisiert. Dieses Or HaGanuz wurde nach Beendigung des Erschaffungsprozesses von G – tt verborgen und bis heute können wir es nur anhand des Thorastudiums zum Scheinen bringen. An Chanukkah jedoch ist es offensichtlich.


Freuen wir uns auf den neuen Monat Kislev und das baldige Chanukkah – Fest. Der Abend des 12. Dezember ist der erste Tag des Chanukkah - Festes. In diesem Jahr fallen der erste und der letzte Tag auf einen Schabbat !

Chodesh Tov – Einen guten Monat Kislev an alle Leser.

Die "Jüdische Presse" zu Rabbiner Joshua Buchsbaum (1921)



Die "Jüdische Presse" vom 16. Dezember 1921:
Rabbiner Joshua Buchsbaum wird Oberrabbiner von Galanta.

Für all jene Leser, die sich für die jüdische Vergangenheit in der Slowakei interessieren !

3000 Chabad - Shlichim in New York

B"H

Chabad begeht dieser Tage sein traditionelles jährliches Treffen aller "Shluchim - Shlichim - Chabad - Repräsentanten in aller Welt" in Crown Heights / New York.


Sämtliche weltweite Repräsentanten vor dem Haus (770) des verstorbenen letzten Lubavitcher Rebben z"l.


Alle Photos sind hier einzusehen:

Sonntag, November 15, 2009

G - tt gab uns Himmel und Erde



Der Mond 

B"H

Wissenschaftler der NASA haben nun Wasser auf dem Mond entdeckt. Riesige Vorkommen gäbe es, doch frage ich mich zur gleichen Zeit, wie lange die denn reichen, wenn wir Menschen tatsächlich auf den Mond ziehen ? Oder hat schon jemand von Regenschauern auf dem Mond gehört ?

Da unser Planet dermassen kaputt und zerstört ist, denken Wissenschaftler schon seit langem an eine Alternative, die da lautet: Wir ziehen um !
Ins All, auf einen anderen Planeten; vornehmlich Mars oder Mond. Dieser Umzug ist wahrlich keine weit hergeholte Illusion mehr, denn irgendwann hat die Erde abgewirtschaftet und was dann ?

Soweit hält bisher nur der Mars unseren hohen Lebensanforderungen stand. Kann es jedoch wirklich eine wahre Alternative sein, unseren Planeten herunterzuwirtschaften, um sich dann einen neuen Planeten als Zuhause zu suchen ? Glaubt jemand ernsthaft, dass die Menschheit daraus lernt und wir umsichtiger werden ? Was werden wir ? Planetennomanden ? Und wer täte das neue Land auf dem jeweiligen Planeten aufteilen ? Obama, die UNO, die EU, Kommunisten, Kapitalisten, der Papst oder ein Oberrabbiner ?

Lasst uns einfach einmal den Mars betrachten:
Wer will dort leben und wie ? In einer unterirdischen Stadt hausen, um allein schon den wilden galaktischen Stürmen zu entkommen ? In einer dünnen Atmosphäre ohne jedes magnetische Feld um uns somit dem freien Fall von Asteoriden aussetzen ?

Oder der Mond mit seiner Temperatur von - 152º Celsius ? Dies lässt sogar Alaska zur tropischen Insel werden. Die Mondoberfläche ist mit unzähligen Kratern übersät, verursacht von einschlagenden Asteroiden aus dem All. Kein magnetisches Feld = kein Schutz vor allen einfliegenden Dingen aus dem Universum. Des Weiteren liegt der Mond ganze 384,403 km von der Erde entfernt, aber immerhin ist es der einzige Planet, auf den je ein Mensch seinen Fuss setzte.

Egal, wie kaputt unser Planet sein wird, ich bleibe HIER !
G - tt gab uns diesen einen Planeten, weil dieser perfekt für unsere menschlichen Lebensbedürfnisse ist. Eine optimale Atmosphäre, Jahreszeiten, Wasser sowie ein magnetisches Feld, um uns, u.a., vor Asteoriden weitgehend zu beschützen.
Ohne Zweifel ermöglichen uns die Wissenschaft und die fortgeschrittene Technologie alles bisher Erdenkliche, aber anstatt nach einem neuen Zuhause Ausschau zu halten, sollten wir lieber versuchen, unser "altes" in den Griff zu bekommen. Und wer sagt, dass G - tt überhaupt je einen anderen Planeten für die Menschheit vorsah ?

Backrezept: SUFGANIOT zu Chanukkah


Photo: Kumah


B"H

Am Abend des 11. Dezember beginnt das jüdische Chanukkahfest.
In Israel sind sie schon seit Kurzem im Handel, die traditionellen Sufganiot (Krapfen, Berliner). Je nach Füllung kosten sie zwischen 3 - 6 Schekel (ca. 60 Cent 1,20 Euro).

Hier erst einmal ein Rezept aus unserer Bäckerei:

1 kg Mehl (Vollkornmehl)

Eine dreiviertel Tasse Zucker

1 Teelöffel Salz

2 Eier

2 Eßlöffel Cognak

Eine halbe Tasse Olivenöl

60 g Hefe

Das ist alles. Man kann die Sufganiot ganz normal im Backofen backen. 20 Minuten lang bei 160 Grad. Meistens aber werden die Sufganiot in einer Pfanne oder einem Topf voll Olivenöl gedünstet. Heisst, sie müssen darin schwimmen. Die Füllung wird hinterher reingespritzt. In der Bäckerei verwenden wir überwiegend Dattel - Apfel - Füllung.
Je nachdem kann man die Sufganiot noch mit Olivenöl, Puderzucker, Honig, etc. bestreichen.

Der Cognak verursacht übrigens, dass das Olivenöl vom Teig besser aufgesaugt wird.

Viel Spaß beim Backen und gutes Gelingen !!!


Samstag, November 14, 2009

Rebbe Yissachar Dov Rokeach (I) in Marienbad



Marienbad Kurliste vom Juni 1916




Der Belzer Rebbe Yissachar Dov Rokeach (I) in Marienbad










Unten: Brief des Schriftstellers Franz Kafka an seinen Freund und Schriftstellerkollegen Max Brod. Kafka beschreibt sein Zusammentreffen mit dem damaligen Belzer Rebben Yissachar Dov Rokeach (I).


Der derzeitige Rebbe der Chassidut Belz heisst ebenfalls "Yissachar Dov" und deswegen wird zwischen dem ersten und dem zweiten Yissachar Dov unterschieden.


Der erste Rebbe Yissachar Dov Rokeach war der Vater von Rebbe Aharon Rokeach, seinem Nachfolger. Der derzeitige Belzer Rebbe Yissachar Dov ist der Neffe von Rebbe Aharon und der Enkel des ersten Yissachar Dov.



18. Brief an Max Brod [Briefkopf: Marienbad, Schloß Balmoral und. Osborne, Mitte Juli 1916]


[Zum Briefkopf hinzugeschrieben: Wieder in der vollen Halle, es lockt mich. ]


„Lieber Max, danke für die Benachrichtigung, sie traf mich an einem Kopfschmerzentag, wie ich ihn wenigstens hier gar nicht mehr erwartet hätte. Trotzdem lief ich gleich nach dem Essen hin.

Ich werde das Ganze nur beschreiben, mehr als das, was man sieht, kann ich nicht sagen. Man sieht aber nur allerkleinste Kleinigkeiten und das allerdings ist bezeichnend, meiner Meinung nach. Es spricht für Wahrhaftigkeit auch gegenüber dem Blödesten. Mehr als Kleinigkeiten kann man mit bloßem Auge dort, wo Wahrheit ist, nicht sehn.


Zunächst war Langer unauffindbar. Es sind dort einige Häuser und Häuserchen zusammengedrängt, auf einer Anhöhe, die eine Verbindung der Häuser, die einem Besitzer gehören, nur durch halb unterirdische Treppen und Gänge zuläßt. Die Namen der Häuser sind zum Verwechseln eingerichtet: Goldenes Schloß, Goldene Schüssel, Goldener Schlüssel, manche haben zwei Namen, vorn einen und hinten einen andern, dann wieder heißt die Restauration anders als das zugehörige Haus, auf den ersten Anlauf kommt man also nicht durch. Später zeigt sich allerdings eine Ordnung, es ist eine kleine, nach Ständen geordnete Gemeinde, eingefaßt von zwei großen eleganten Gebäuden, Hotel National und Florida. Der goldene Schlüssel ist das ärmlichste.


Ich war also um ½8 vor dem Hotel National, in dem er wohnt. Langer erwartete mich. Es regnete selbst für diese Regenzeit außerordentlich stark. Gerade zu dieser Stunde hatte es vielleicht in den letzten 14 Tagen nicht geregnet. Langer behauptete, es werde gewiß aufhören, aber das tat es nicht, sondern regnete noch stärker. Langer erzählte, nur einmal habe es bei der Ausfahrt geregnet, im Wald dann aber gleich aufgehört. Diesmal hörte es aber nicht auf.


Wir sitzen unter einem Baum und sehen einen Juden mit einer leeren Sodawasserflasche aus dem Haus laufen. Der holt Wasser für den Rabbi, sagt Langer. Wir schließen uns ihm an. Er soll Wasser aus der Rudolfsquelle holen, die dem Rabbi verordnet ist. Leider weiß er nicht, wo die Quelle ist. Wir laufen im Regen ein wenig irre. Ein Herr, dem wir begegnen, zeigt uns den Weg, sagt aber gleichzeitig, daß alle Quellen um 7 geschlossen werden. »Wie können denn die Quellen geschlossen werden« meint der zum Wasserholen Bestimmte und wir laufen hin. Tatsächlich ist die Rudolfsquelle geschlossen, wie man schon von weitem sieht. Es ändert sich nicht, als man trotzdem näher geht. »Dann nimm Wasser aus der Ambrosiusquelle« sagt Langer »die ist immer offen.« Der Wasserholer ist sehr einverstanden und wir laufen hin. Tatsächlich waschen dort noch Frauen die Trinkgläser. Der Wasserholer nähert sich verlegen den Stufen und dreht die schon ein wellig mit Regenwasser gefüllte Flasche in den Händen. Die Frauen weisen ihn ärgerlich ab, natürlich ist auch diese Quelle seit 7 Uhr geschlossen. Nun so laufen wir zurück. Auf dem Rückweg treffen wir zwei andere Juden, die mir schon früher aufgefallen sind, sie gehn wie Verliebte neben einander, schauen einander freundlich an und lächeln der eine die Hand in der tief hinabgezogenen Hintertasche, der andere städtischer. Fest Arm in Arm. Man erzählt die Geschichte von den geschlossenen Quellen; die zwei können das nicht begreifen, der Wasserholer begreift es nun wieder auch nicht und so laufen die drei ohne uns wieder zur Ambrosiusquelle. Wir gehn weiter zum Hotel National, der Wasserholer holt uns wieder ein und überholt uns, außer Atem ruft er uns zu, daß die Quelle wirklich geschlossen ist.


Wir wollen, um uns vor dem Regen zu schützen, in den Flur des Hotels treten, da springt L. zurück und zur Seite. Der Rabbi kommt. Niemand darf sich vor ihm aufhalten, vor ihm muß immer alles frei sein, es ist nicht leicht, dies immer einzuhalten, da er sich oft überraschend wendet und es nicht leicht ist, im Gedränge schnell genug auszuweichen. (Noch schlimmer soll es im Zimmer sein, da ist das Gedränge so groß, daß es den Rabbi selbst in Gefahr bringt. Letzthin soll er geschrien haben: »Ihr seid Chassidim? Ihr seid Mörder.«) Diese Sitte macht alles sehr feierlich, der Rabbi trägt förmlich (ohne zu führen, denn rechts und links von ihm sind ja Leute) die Verantwortung für die Schritte aller. Und immer wieder ordnet sich die Gruppe neu, um ihm freie Blickrichtung zu geben.


Er sieht aus wie der Sultan, den ich als Kind in einem Doréee-Münchhausen oft gesehn habe. Aber keine Maskerade, wirklich der Sultan. Und nicht nur Sultan, sondern auch Vater, Volksschullehrer, Gymnasialprofessor u. s. f. Der Anblick seines Rückens, der Anblick der Hand, die auf der Hüfte liegt, der Anblick der Wendung dieses breiten Rückens - alles das gibt Vertrauen. Auch in den Augen der ganzen Gruppe ist dieses ruhige glückliche Vertrauen, das ich gut ahne.


Er ist mittelgroß und recht umfangreich, aber nicht schlecht beweglich. Langer weißer Bart, außergewöhnlich lange Schläfenlocken (die er auch an andern liebt; wer lange Locken hat, für den ist er schon gut gestimmt; er lobt die Schönheit zweier Kinder, die der Vater an den Händen führt, er kann aber mit der Schönheit nur die Locken meinen). Ein Auge ist blind und starr. Der Mund ist schief gezogen, es sieht gleichzeitig ironisch und freundlich aus. Er trägt einen seidenen Kaftan, der vorn offen ist; einen starken Gurt um den Leib; eine hohe Pelzmütze, die ihn äußerlich am meisten hervorhebt. Weiße Strümpfe und, wie L. sagt, weiße Hosen.


Der Belzer Rabbi Yissachar Dov Rokeach und sein Sohn Aharon Rokeach, und Begleitung verlassen das Hotel „Goldenes Schloss“, die Aufnahme vor dem „Haus Magdeburg“, im Hintergrung „Goldenes Schloss“, Fotografie ~1916-1920.


Vor dem Verlassen des Hauses vertauscht er den Silberstock mit dem Schirm. (Es regnet immerfort gleichmäßig stark und hat bis jetzt ½11 Uhr noch nicht aufgehört.) Der Spaziergang (zum erstenmal keine Ausfahrt, offenbar will er die Leute nicht im Regen in den Wald hinter sich ziehn) beginnt jetzt. Es gehn etwa 10 Juden hinter und neben ihm. Einer trägt den Silberstock und den Sessel, auf den sich der Rabbi vielleicht wird setzen wollen, einer trägt das Tuch, mit dem er den Stuhl abtrocknen wird, einer trägt das Glas, aus dem der Rabbi trinken wird, einer (Schlesinger, ein reicher Jude aus Preßburg) trägt eine Flasche mit dem Wasser der Rudolfsquelle, er hat sie offenbar in einem Geschäft gekauft. Eine besondere Rolle spielen im Gefolge die vier Gabim (oder ähnlich), es sind die »Nächsten«, Angestellte, Sekretäre. Der oberste der vier ist, wie Langer behauptet, ein ganz besonderer Schuft; sein großer Bauch, seine Selbstgefälligkeit, sein schiefer Blick scheinen dafür zu sprechen. Übrigens darf man ihm daraus keinen Vorwurf machen, alle Gabim werden schlecht, die dauernde Nähe des Rabbi kann man nicht ertragen, ohne Schaden zu nehmen, es ist der Widerspruch zwischen der tieferen Bedeutung und der ununterbrochenen Alltäglichkeit, die ein gewöhnlicher Kopfnicht ertragen kann.


Der Spaziergang geht sehr langsam vorwärts.
Der Rabbi kommt zunächst schwer in Gang, ein Bein, das rechte, versagt ihm ein wenig den Dienst, auch muß er anfänglich husten, achtungsvoll umsteht ihn das Gefolge. Nach einem Weilchen scheint es aber kein äußeres Hindernis zu geben, wohl aber beginnen jetzt die Besichtigungen und bringen den Zug jeden Augenblick zum Stillstehn. Er besichtigt alles, besonders aber Bauten, ganz verlorene Kleinigkeiten interessieren ihn, er stellt Fragen, macht selbst auf manches aufmerksam, das Kennzeichnende seines Verhaltens ist Bewunderung und Neugierde. Im Ganzen sind es die belanglosen Reden und Fragen umziehender Majestäten, vielleicht etwas kindlicher und freudiger, jedenfalls drücken sie alles Denken der Begleitung widerspruchslos auf das gleiche Niveau nieder. Langer sucht oder ahnt in allem tiefem Sinn, ich glaube, der tiefere Sinn ist der, daß ein solcher fehlt, und das ist meiner Meinung nach wohl genügend. Es ist durchaus Gottesgnadentum, ohne die Lächerlichkeit, die es bei nicht genügendem Unterbau erhalten müßte.


Das nächste Haus ist ein Zanderinstitut. Es liegt hoch über der Straße auf einem Steindamm und hat einen durch ein Gitter eingefaßten Vorgarten. Der Rabbi bemerkt einiges zum Bau, dann interessiert ihn der Garten, er fragt, was das für ein Garten ist. Ähnlich wie etwa der Statthalter vor dem Kaiser in ähnlichem Fall sich benehmen würde, rast Schlesinger (hebr. Sina genannt) die Treppe zum Garten hinauf, hält sich oben gar


Eintrag Franz Kafkas in die Kurliste, wohnhaft im „Schloß Balmoral“ 1916, Felice Bauer ist hier als Helene Bauer eingetragen, wollte sie unerkannt bleiben? Eher wurde der Name falsch abgeschrieben ... :
nicht auf, sondern rast sofort (alles im strömenden Regen) wieder herunter und meldet (was er natürlich schon gleich anfangs von unten erkannt hat), daß es nur ein Privatgarten ist, der zu dem Zanderinstitut gehört.


Der Rabbi wendet sich, nachdem er nochmals den Garten genau angeschaut hat, und wir kommen zum Neubad. Hinter dem Gebäude, wohin wir zuerst kommen, laufen in einer Vertiefung die Röhren für das Dampfbad. Der Rabbi beugt sich tief über das Geländer und kann sich an den Röhren nicht satt sehn, es wird Meinung und Gegenmeinung über die Röhren ausgetauscht.

Das Gebäude ist in einem gleichgültigen unkenntlichen Mischstil aufgebaut. Die unterste Fensterreihe ist in laubenartige, aber vermauerte Bogen eingebaut, welche im Scheitel einen Tierkopf tragen. Alle Bogen und alle Tierköpfe sind gleich, trotzdem bleibt der Rabbi fast vor jedem der 6 Bogen der Breitseite besonders stehn, besichtigt sie, vergleicht sie, beurteilt sie und zwar von der Ferne und Nähe.


Wir biegen um die Ecke und stehn jetzt an der Frontseite. Das Gebäude macht großen Eindruck auf ihn. Über dem Tor steht in goldenen Lettern »Neubad«. Er läßt sich die Inschrift vorlesen, fragt, warum es so heißt, ob es das einzige Bad ist, wie alt es ist u.s.w. Öfters sagt er, mit dem besondern ostjüdischen Staunen: »Ein schönes Gebäude«.


Schon früher hat er öfters die Dachtraufen beobachtet, jetzt da wir eng am Gebäude (wir haben die Front schon einmal auf der gegenüberliegenden Straßenseite passiert) zurückgehn, macht er eigens einen Umweg, um zu einer Dachtraufe zu kommen, die in einem durch einen Hausvorsprung gebildeten Winkel herunterführt. Es freut ihn, wie das Wasser drin klopft, er horcht, schaut die Röhre entlang nach oben, betastet sie und läßt sich die Einrichtung erklären“. (Hier bricht der Brief mitten im Brief bogen ab.)


die Benachrichtigung: Über die Anwesenheit des Belzer Rabbis - »jetzt wohl der Hauptträger des Chassidismus«, wie Kafka schreibt (F 666) - in Marienbad. (Das Städtchen Belz in Galizien war seit fast hundert Jahren der Sitz einer Dynastie chassidischer tsaddikim.)


Langer: Georg (Jiří) Mordechai Langer (1894-1943), Angehöriger einer assimilierten, tschechischsprechenden Prager Familie, war 1913 nach Belz aufgebrochen, wo er sich dem Anhang des Rabbis anschloß. Dieser »Westjude, der sich den Chassidim assimiliert hat« (T 468), hatte Kafka 1915 kennengelernt und blieb viele Jahre lang mit ihm befreundet. Siehe hierzu vor allem Ritchie Robertson, Kafka. Judaism, Politics, and Literature, Oxford 1985, S. 176-178

Holtzberg Yahrzeit

B"H

In dieser Woche feiern wir Rosh Chodesh KISLEV, den Beginn des jüdischen Monat KISLEV. Chanukkah naht und ich will nicht gerade die neue Woche mit schlechten Nachrichten beginnen.
Trotzdem muss ich erwähnen, dass wir ebenso in dieser Woche die Yahrzeit (Todesgedenktag) des im vergangenen Jahr ermordeten Chabad - Ehepaares Holtzberg begehen.

Rabbi Gavriel und seine Frau Rivka, wie ihre Gäste im Chabad House in Mumbai / Indien, wurden von pakistanischen Terroristen kaltblütig ermordet. Nicht nur das: Die Terroristen betrieben sogar Leichenschändung. Seit einiger Zeit kursiert selbst ein Photo davon im Internet.