Montag, April 09, 2012

Chametz an Chol HaMo’ed Pessach

B"H

Bei all dem Putztrubel vor Pessach kann es schnell passieren, dass ein Jude Chametz (verbotenes Getreide sowie Getreideprodukte an Pessach) übersieht. Wie schnell ist eine Nudel irgendwo dazwischen gerutscht und selbst beim Schrankabrücken wurde sie übersehen und nicht weggeputzt. Dann kommt Pessach und plötzlich, während der Zwischenfeiertage (Chol HaMo’ed), wird die Nudel gefunden. Chametz im Haus an Pessach ? Was dann ?


Photo: Miriam Woelke

Das Buch OZAR HAMO’ADIM (eine Sammlung allerlei Pessach – Halachot und Stories) gibt Antwort: 

Ein Jude, der an Pessach beim Putzen Chametz übersehen hat und es zufällig während der Pessach – Feiertage findet, sage beim Anblick sofort: Baruch … ascher kidischanu be’Mitzwotav ve’ziwanu al Bi’ur Chametz. Dies ist der Segen, den wir normalerweise wenige Stunden vor Pessachbeginn beim Verbrennen des letzten Chametz sagen und demzufolge hatte der Jude damit schon seinem gesamten Chametz – Besitz abgesagt.

Sonntag, April 08, 2012

Kabbalistisches zur Omer - Zählung (Sefirat HaOmer), Teil 1


Die Zählung des Omer - Sefirat HaOmer


B"H

Wie bereits erwähnt, befinden wir uns seit gestern abend in der Periode der Omer – Zählung. Das Zählen des Omer (Sefirat HaOmer) beginnt am zweiten Tag von Pessach und endet mit Schavuot (als G – tt den Juden am Berg Sinai die Thora gab). Nun kann man die Zählung als "althergebracht" ansehen. Ein biblisches Gebot, welches mir heute nicht unbedingt etwas sagt. Die jüdische Kabbalah hingegen betrachtet die Omer – Zählung als einen Tikun (Seelenkorrektur). Rabbi Moshe Chaim Luzzatto (RAMCHAL genannt) berichtet im Buch "Kitzur HaKavanot" von wesentlich tieferen Bedeutungen des Omer. Unter anderem, dass jede der sieben Wochen während der Zählung, für eine bestimmte SEFIRAH steht. Die ZEHN SEFIROT dienen der Kabbalah als Symbolik, mit der, u.a., G – ttes Eigenschaften zu deuten versucht werden. Ohne diese Symbolik könnten wir, z.B., nicht die Welterschaffung ausdrücken. Von G – ttes unendlicher Weisheit (Chochmah), die wir als Menschen gar nicht zu fassen in der Lage sind. "G – ttes Weisheit" – was sollen wir uns da vorstellen, wenn wir lediglich in der Lage sind, unsere Weisheit als Beispiel voranzusetzen. 

Die erste Woche im Omer ist die Woche der SEFIRAH Weisheit (Chochmah). Mit jeder Nacht des Zählens erfüllt ein Jude (vorausgesetzt er zeigt die richtige Absicht) eine Seelenkorrektur und kann sich dadurch auf eine höhere Stufe bewegen. Der RAMCHAL schreibt, dass dies in jeder Nacht des Omer geschieht. 

Die Kommentare dürften für viele Leser ziemlich kompliziert klingen und ich muss zugeben, dass ich selbst nicht in der Lage bin, den gesamten Text des Rabbi Moshe Chaim Luzzatto zu verstehen. Wahrscheinlich erst nach anderweitigen Definitionen und Kommentaren. Kurz gesagt geht es in diesen sieben Wochen der Zählung darum, uns zu perfektionieren, um an Schavuot die Thora in Empfang zu nehmen. Das ist es, was Juden an jedem Schavuot erneut tun: Die Thora von G – tt in Empfang zu nehmen. 

Links:


Die ZEHN SEFIROT, Teil 2

Samstag, April 07, 2012

Die Zählung des Omer - Sefirat ha'Omer

B"H

Die Zählung des Omer ist ein biblisches Gebot aus dem Buch Leviticus (Vayikra) 23:15.

Warum beginnen wir das Omer erst am zweiten Tag von Pessach zu zählen ?
Rabbi Moshe Chaim Luzzatto (Ramchal) schreibt in seinem Buch Kitzur HaKavanot:
"Der Tikun (Seelenreparatur) für den ersten Tag ist die Seder und ab dem zweiten Tag erreichen wir in dem Moment, in dem wir das Omer zählen, den gleichen hohen Tikun wie bei der Seder. So steigern wir uns in den sieben Wochen des Zählens bis hin zu Schavuot (dem Wochenfest), an dem wir die Thora empfangen".

In chassidischer Literatur wird das Zählen des Omer als unsere innere Reise beschrieben, die uns spirituell auf den Empfang der Thora an Schavuot vorbereitet.
Aus dem gleichen Grund bekamen die Israeliten nach ihrem Auszug aus Ägypten nicht sofort die Thora, sondern erst nach sieben weiteren Wochen. Auch sie mussten sich erst spirituell von Ägypten (negativen Einflüssen) lösen, um an Schavuot von G - tt die Thora zu erhalten.

Zwischen Pessach und Lag Be'Omer - 33. Tag des Omer (ein Feiertag, auf den ich noch ausführlicher eingehen werde) gelten folgende Regeln:

Es finden keine Hochzeiten statt, es darf sich weder rasiert noch dürfen die Haare geschnitten werden.

Diese Zeit wird zusätzlich als eine ernsthafte Zeit der Besinnung gesehen, starben doch in der Zeit 24.000 Schüler des Rabbi Akiva. Als Grund für deren Tod nennt der Talmud das Vergehen der Laschon HaRa (üble Nachrede). Die Schüler des Rabbi Akiva hätten auf einem sehr hohen relig. Level sein sollen, doch stattdessen sprachen sie schlecht übereinander.

Historiker haben darüber eine ganz andere Meinung. Rabbi Akiva war ein Bewunderer Bar Kochbas und unterstützte dessen Aufstand gegen die Römer. Aufgrunddessen unterstützten auch die Schüler Bar Kochba militärisch und wurden Soldaten.
24.000 Schüler fielen im Kampf gegen die Römer.

Wer das Zählen des Omer am Abend vergessen sollte, kann dies tagsüber nachholen. Allerdings ohne den Segen zu sagen.

Heute abend (Samstag) wird der 1. im Omer gezählt !!!

Noch eine wahre Geschichte zu Pessach:

Einmal kam eine Frau zu einem berühmten amerikanischen Rabbiner und fragte, ob sie bei der Seder den Wein gegen Milch austauschen könne. Sie wäre so arm, dass sie sich den Wein für die Pessach – Seder nicht leisten kann. Der Rabbi überlegte, gab ihr 300 Dollar bar auf die Hand und sagte zu ihr, dass sie von dem Geld Wein kaufen solle. Glücklich ging die Frau heim.

Die Ehefrau des Rabbis fragte hinterher ihren Gatten, warum er der Frau soviel Geld gab. Weniger hätte doch vollkommen für den Weinkauf gereicht. Der Rabbi antwortete seiner Frau, dass man auch sehen muss, was hinter die Fassade der Menschen steht. Natürlich hätte eine geringere Summe für den Weinkauf ausgereicht, doch die Frau wollte bei der Seder den Wein durch Milch ersetzen. Heisst, sie hatte auch kein Fleisch zu essen (siehe Kaschrut), nur war sie zu beschämt auch das zu erwähnen. Von den 300 Dollar kann sie sich nun eine gesamte Seder leisten.

Viele Menschen erzählen nur einen kleinen Teil ihrer Problemen, die sie wirklich haben und der Zuhörer sollte imstande sein, auch hinter die Kulissen zu schauen.

Ich wünsche allen weiterhin schöne Zwischenfeiertage - Moadim Le'Simcha !!!!

Die Schüler des Rabbi Akiva und das Omer

B"H

In der Zeit von Pessach bis hin zum 33. Tag im Omer (Zählperiode von Pessach bis Schavuot) ist es üblicherweise Brauch, weder Musik zu hören, noch sich die Haare zu schneiden oder zu heiraten. Der 33. Tag nach Beginn der Omer - Zählung wird "Lag Ba'Omer" genannt und normalerweise auf unterschiedliche Art und Weise gefeiert. Unter anderem ist "Lag Ba'Omer" auch der Todestag des berühmten kabbalistischen sowie talmudischen Rabbis, Rabbi Schimon Bar Yochai. Rabbi Schimon war einst einer der berühmtesten Schüler des Rabbi Akiva ben Yosef.

Ständig wird uns gelehrt, dass die Zeit der Omer - Zählung eine Zeit der Trauer ist und wir von daher keine Musik hören oder heiraten sollen. Der Talmud Traktat Yevamot 62b lehrt uns, dass in genau der Zeit von Pessach bis zum 33. Tag des Omer (Lag Ba'Omer) 24.000 Schüler des Rabbi Akiva an einer Seuche starben. Unsere Weisen (Mefarschim) geben als Grund für die Seuche "Laschon Harah - Üble Nachrede" an. Keiner der Schüler habe mehr den anderen beachtet und stattdessen gemeint, er sei besser als alle anderen. Die Gemeinsamkeit und der Respekt fehlten, obwohl sie auf einem extrem hohen Level gewesen sein sollten. Demgemäß fiel auch ihre Strafe härter aus.

Historiker weisen jedoch noch auf einen ganz anderen und sehr plausiblen Grund hin. Die Schüler seien nicht aufgrund einer ausgebrochenen Seuche verstorben, sondern ganz einfach weil Rabbi Akiva sie gegen die römischen Besatzer kämpfen ließ. Wie vielen bekannt sein dürfte, war Rabbi Akiva ein glühender Verehrer Bar Kochbas und sah in ihm sogar den Meschiach. Als Bar Kochba im Krieg fiel, wurde Rabbi Akiva bewußt, dass er sich geirrt hatte, denn ein Toter kann kein Meschiach sein.

Es besteht absolut kein Zweifel daran, dass die Zeit bis zum Lag Ba'Omer eine Trauerperiode ist, aber trotzdem bestehen viele Leute vielleicht auf dem falschen Grund. Wer weiß ….

Freitag, April 06, 2012

Chag Sameach - Happy Passover


 Das Verbrennen des letzten Chametz am Pessachmorgen - Bi'ur Chametz in Bnei Brak (2011)

Photo: Miriam Woelke
B"H 

Nach all der Putzerei bleibt nur noch eines übrig: Nämlich allen Juden ein frohes und gesundes Pessach zu wünschen ! Auf meinem englischen Blog hatte ich innerhalb dieser Woche ungewöhnlich viele Hits auf einen früheren Artikel, der sich mit dem FEIERTAGSZWANG beschäftigt. Gerade jetzt wieder vor Pessach zieht es viele Juden in die Depression, eben weil sie am Sederabend (heute abend) allein sind. 

 Ich denke, dass Chabad einen großartigen Job verrichtet, denn heute abend werden fast überall in der Welt Sederabende durchgeführt. So auch in Israel, wobei hierzulande viele orthodoxe Synagogen öffentliche Sedern zelebrieren. 

Wer keinen Sederplatz hat, der sollte sich einen schönen Abend daheim machen. Mit guten Essen, der Haggada und einem Stück Mazzah. 

Happy Passover & Chag Sameach !

Mittwoch, April 04, 2012

Putzen

B"H

Dieser Tage halte ich daheim Pessach - Putz und deswegen bleibt der Blog momentan etwas leer. Spätestens am Samstag abend wird sich das wieder ändern.:-)

Pessach - Essenspakete für die Bedürftigen

B"H

Pessach in Jerusalem: Haredische (ultra - orthodoxe) Wohltätigkeitsorganisationen händigen Essenspakete an Bedürftige aus.




Alle Photos HIER !

Pessach - Putz


Koschere Pessach - Kekse hergestellt aus Kartoffelmehl oder Kokos.

Photo: Miriam Woelke
B”H 

Dieser Tage läuft nicht viel außer dem großen Pessach – Putz. Übrig gebliebene Nudeln und Mehl habe ich bereits entsorgt, doch der Küchenschrank muss noch ausgewaschen werden. Dazu schreit meine riesige Büchersammlung nach "Abstauben". 

Zahlreiche relig. Juden gehen ihre Bücher sogar Seite für Seite durch, um sie zwecks Pessach abzustauben. 

Ein weiterer Tipp, den viele übersehen mögen: Die Zahnbürste auswechseln !

Montag, April 02, 2012

Mazza - Backen ohne Geschlechtertrennung

B"H 

Das Backen der Mazzot ist eine Mitzwah für jeden Juden und der mittelalterliche Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria, betrachtet das Backen der Pessach – Mazzot sogar als Tikun (Seelenkorrektur). 

Das Photo zeigt eine Mazze – Bäckerei in Israel. Hier arbeiten Männer und Frauen zusammen und niemand schreit nach Geschlechtertrennung.


Ist der Schauspieler JACK NICHOLSON Jude ?

B"H

Ist der Hollywood Star JACK NICHOLSON Jude ?

John Joseph (Jack) Nicholson wurde am 12. April 1937 in New York geboren. Seine Mutter war das Showgirl June Frances Nicholson und sein Vater, Donald Furcillo, war italienischer Abstammung und ebenso im Show Business. Angeblich soll Furcillo bereits verheiratet gewesen sein als er June Frances ehelichte und wurde der Bigamie beschuldigt. Allerdings muss Furcillo nicht unbedingt Jack Nicholson’s Vater gewesen sein, denn Biographen bringen ebenso andere Männer mit ins Spiel. 

Die Mutter June Frances war irischer Abstammung. Jack Nicholson wurde römisch – katholisch erzogen und ist kein Jude.

Pessach - Vorbereitungen in Jerusalem

B"H

Heute verbrachte ich einige Stunden in Jerusalem und machte dabei ein Photos, die zeigen, wie sehr die Stadt mit den Vorbereitungen für das am Freitag abend beginnende siebentägige Pessach (Passover) beschäftigt ist. Jerusalem ist anders und steht ein jüdischer Feiertag an, dann kommt Atmosphäre auf. Eine Atmosphäre, die in unserem Land einmalig ist.


Einkauf auf dem Jerusalemer Machane Yehudah Markt.




Nusskekse, die nur an Pessach verkauft werden. Mir schmecken sie total gut, doch an Pessach selbst sind sie für aschkenazische Juden KIDNIYOT. Bedeutet, sie werden, aufgrund ihrer Zutaten, nicht gegessen. Sephardische Juden hingegen essen sie sehr wohl, denn die Sepharadim kennen den Brauch der Kidniyot (keine Hülsenfrüchte an Pessach) nicht.



Diese Kekse werden von allen gegessen und sind Kidniyot - frei. Kokoskekse, die ich einfach nur trocken und widerlich finde. Aber wem es schmeckt ...




Unterschiedliche Mazzot im Machane Yehudah Markt



Aufgrund des hohen Preise essen viele Familien nur bei der Pessach Seder (am Freitag abend) handgemachte Mazzot. An den anderen Pessach – Tagen werden die billigeren maschinengefertigten Mazzot verzehrt.



 Wer noch Chametz (verbotenes Getreide / Getreideprodukte an Pessach) daheim hat und es nicht wegwerfen will, der kann es an allen möglichen Stellen symbolisch verkaufen. Mehrere haredische (ultra - orthodoxe Juden) boten heute auf dem Machane Yehudah Markt den Verkauf des Chametz an und das obere Bild zeigt ein Poster zum Verkauf. Das Poster ist von der chassidischen Gruppe Belz.



Jeder Jude soll eine Pessach Seder haben und die oberen beiden Poster mit den Telefonnummern bieten bedürftigen Juden Essen zur Seder. 



Am Schabbat Square bei Mea Shearim heute morgen. 

Copyright / Photos: Miriam Woelke

Bild des Tages


Gesehen an der Kreuzung der beiden Stadtteile Mea Shearim - Ge'ulah (Jerusalem). Beide Stadtteile werden ausschliesslich von Haredim (ultra – orthodoxen Juden) bewohnt. Die "übersprühte" Aufschrift in der Mitte lautet TEL AVIV. Was hier eine Anspielung auf Tel Avivs säkuleren Lebensstil ausdrücken soll.:-)

Photo: Miriam Woelke

Die PESSACH STORY


Samstag, März 31, 2012

To – do – List für Pessach

B"H 

Diese Woche geht es so richtig los, denn am Donnerstag abend ist schon BEDIKAT CHAMETZ. Eine traditionelle Zeremonie, in welcher obligatorisch das Haus nach Chametz abgesucht wird, eingeleitet durch einen speziellen Segen. Mindestens zehn kleine Chametzteilchen werden in Papier eingewickelt und im Haus versteckt. Dann wird mit Kerze oder Taschenlampe danach gesucht, eingesammelt und am nächsten Morgen beim BI’UR CHAMETZ, der Verbrennung des letzten Chametz, vernichtet. Hört sich alles furchtbar kompliziert an, ist es aber nicht. Außerdem sind sämtliche Segen und Gebete (wie zum BI’UR CHAMETZ) im PESSACH MACHZOR (Pessach – Gebetbuch) enthalten.

Bevor die letzten Stunden vor dem Fest anbrechen, muss ich allerdings noch wie wild putzen. Küchenschrank ausräumen und auswaschen. Mein letztes Mehl loswerden und die Kidniyot (Dosen mit Erbsen oder Mais) wegstellen. Aschkenazische Juden hegen den Brauch, keine Hülsenfrüchte zu essen und so gibt es an Pessach keinen Mais, keine Erbsen oder Bohnen. In Israel muss ganz besonders aufgepasst werden, denn das Land ist voller sephardischer Juden und die essen an Pessach Hülsenfrüchte. Da Kidniyot sowohl als auch in diversen Gewürzen und allem Möglichen enthalten sind, sollte jeder auf die Label schauen, ob, zum Beispiel, die Würste im Supermarkt frei von Kidniyot sind.

Aufgrund des Auszuges aus Ägypten ist es Juden lt. der Thora verboten, an Pessach Chametz zu verzehren. Kein Getreide und dessen Produkte. Die eigene Wohnung muss frei von jedem Getreide sein und wer davon recht viel besitzt und es nicht gerade wegwerfen will, der kann es an bestimmten Stellen verkaufen. MECHIRAT CHAMETZ wird dies in der Fachsprache genannt. Derzeit sehen wir überall Yeshiva – Studenten (relig. Schulen) sitzen, welche, gegen einen Unkostenbeitrag, dem Verkäufer eine kleine Urkunde ausstellen, dass sein Chametz verkauft worden ist. Zwar darf der Verkäufer das Chametz in der Wohnung behalten – in einer extra Tüte, weggesperrt in einem Schrank – doch gehören tut es ihm an Pessach gar nicht mehr. Im ganzen Land findet dieser CHAMETZ – VERKAUF statt und kann sogar online getätigt werden. Insbesondere Lebensmittelhersteller wie Bäckereien verkaufen ihr Chametz.

Traditionell übergeben dieser Tage die beiden Oberrabbiner Israels einem drusischen Geistlichen die Urkunde des Verkaufs. Damit ist das gesamte Chametz aller Juden in der Hand der Drusen. Dies geschieht symbolisch, doch wird somit das Verbot der Thora etwas umgangen. Wenn Pessach vorbei ist, wird umgehend das Chametz wiederverwendet und es geht in den Besitz des rechtmässigen Eigentümers über. Ebenso werden nach Pessach in der Lebensmittelbranche / in Geschäften Urkunden des Rabbinates ausgehängt, dass dieses Unternehmen sein Chametz an Pessach verkauft hatte. War das Chametz nicht verkauft worden, so ist es für den Genuss nicht mehr koscher und sollte weggeworfen werden. Wer in einem Laden kauft, der das Chametz nicht verkauft hat, sollte ein paar Wochen warten, bis er wieder in dem Laden einkauft. In der Hoffnung, dass bis dahin das unkoscher gewordene Chametz aufgebraucht ist.

Ich selber putze ganz normal für Pessach und drehe nicht vollkommen durch, wie andere Leute. Viele legen ihre gesamte Küchenanrichte und die Schränke mit Aluminiumfolie aus. Ich tue das nicht. Zahlreiche Juden benutzen an Pessach anderes Geschirr. Eigens angeschafft für das Fest. Ebenso andere Töpfe. Andere wiederum lassen ihre Töpfe mit kochend heissem Wasser ausbrennen. Hinzu kommt der Einkauf. Pessach ist ein teures Fest und wer gute Mazzot will, der muss investieren. Familien mit Kindern fällt das schwer und so gibt es lediglich bei der Pessach – Seder am Freitag abend die teuren handgefertigten Mazzot und an den restlichen Tagen reguläre.

Tausende Israel haben an Pessach Urlaub und es ist die Zeit der Ausflüge. Wenn nicht ins Ausland, dann im eigenen Land. Zimmer und Hotels sind ausgebucht und Parks, Museen, das Tote Meer und sämtliche Sehenswürdigkeiten werden vor dem Massenandrang fast auseinanderplatzen. Ich muss an den Tagen arbeiten, doch werde ich versuchen, an den Zwischenfeiertagen (Chol HaMo'ed) mindestens einmal nach Jerusalem zu kommen.

Pessach steht ebenso für einen Tag der ALIYAT HA’REGEL nach Jerusalem. Zu Tempelzeiten gingen die Juden aus dem ganzen Land an Pessach, Schavuot sowie an Sukkot nach Jerusalem, um Opfer darzubringen. Bis heute sehen viele Juden es als Verpflichtung an, während dieser Feiertage wenigstens einen Tag in Jerusalem zu verbringen.

Was fehlt noch ? Bis Freitag muss ich unbedingt noch ein Paket MAZZA SCHMURAH auftreiben, denn ich esse an Pessach keine normalen Mazzot, sondern eine Art Mazzot, die während des Herstellungsprozesses besonders überwacht wurde. Zwar ist die SCHMURAH teurer, doch dafür schmeckt sie besser und ist nicht so trocken wie die normale Mazza.


 Mazza Schmurah

Photo: Miriam Woelke



PHOTOS AUS BNEI BRAK (APRIL 2011)



April 2011: "Bi'ur Chametz – das Verbrennen des letzten Chametz" wenige Stunden vor Pessachbeginn im Herzen von Bnei Brak. Nahe der Rabbi Akiva Street.



Viele religiöse Juden haben den Brauch, ihren Lulav von Sukkot zusammen mit dem Chametz wenige Stunden vor Pessach zu verbrennen. Ich sah unheimlich viele Haredim (ultra – orthodoxe Juden), die ihren Lulav zum Feuer mitbrachten. Ebenso wie jene Besen, mit welchen die Weiblichkeit das Haus pessachrein machte.

Chametz repräsentiert symbolisch betrachtet unsere eigene Yetzer HaRah (die schlechte Seite in einem jeden von uns) und mit dem Verbrennen drücken wir ebenso symbolisch aus, dass wir uns von der schlechten Yetzer befreiten.






Hier wird öffentlich Geschirr (Kelim) kascher le’Pessach gemacht. Dies geschieht anhand einer speziellen Prozedur,bei welcher das Geschirr in kochend heisses Wasser getaucht wird.


Das kochend heisse Wasser.



Der Vater der Mädels im Hintergrund brachte seine Kidduschbecher vom Schabbat zum Kaschern.



Weiteres Kaschern.

Copyright / Photos: Miriam Woelke

Freitag, März 30, 2012

Haredische Welt - Parashat ZAV


Pessach kommt



Der neue Vorsitzende der KADIMA Partei in dieser Woche: Sha'ul Mofaz an der Kotel (Klagemauer)

Donnerstag, März 29, 2012

Parashat ZAV - פרשת צו



B"H

Gedanken zur Thoralesung für diesen Schabbat, der gleichzeitig "Schabbat Hagadol - Der große Schabbat (vor Pessach)" genannt wird

"ZAV" bedeutet, wie u.a. auch der Ramban (Nachmanides, 1194 - 1270) kommentiert immer eine Eile, eine bestimmte Mitzwah auszuführen. "JETZT SOFORT" - dies gilt genauso für alle zukünftigen Generationen.

Der chassidische Rabbi Avraham Joshua Heschel, schreibt in seinem chassidischen Kommentar "Ohev Israel":

Der Mensch sündigt und beschädigt auf diese Weise seine Seele. Die Opfergabe, die nach einem Vergehen im Tempel stattfand, bringt die Seele des Menschen anhand des erbrachten Opfers G - tt näher.
Dies jedoch nur, wenn der Mensch seine negativen Taten aufrichtig bereut und Besserung gelobt.

Rabbi Heschel weiter:


Die Bedeutung der Opferung liegt gleichsam in der Erzielung der Gnade G - ttes und Seiner Vergebung. Anhand der Opferung wird eine persönliche Nähe zu G - tt erstellt und die eigene Seele erinnert sich an ihren Ursprung. Somit kommt es zu einer Vereinigung G - ttes und der Seele.


Was wir niemals vergessen sollten ist, uns auf unseren Ursprung zu besinnen. Wo kommen wir eigentlich her und was ist der wesentliche Bestandteil unseres Daseins ? Nicht unser Körper, sondern vielmehr die Seele; die Seele, die kein Mensch in der Lage ist zu orten geschweige denn zu definieren oder zu beschreiben.

Es heißt im kabbalistischen Buch ZOHAR, dass allein G - tt entscheidet welche Seele in unseren Körper kommt. Vor der eigentlichen Geburt eines Menschen geht die Seele symbolisch betrachtet für einige Zeit ins Paradies und darauf eine bestimmte Zeit in jene Welt, welche für Juden nicht das Konzept anderer Religionen, die "Hölle" ist, sondern eher ein Zustand, in welchem die Seele in einer Art Twilight hängt und G - tt nicht erreicht. Kommt die Seele auf die Erde in den Körper eines Menschen, so kennt sie ihren Ursprung und beiderlei Seiten, welche sie nach dem Tode des Menschen erwarten könnte, denn sie war zur Veranschauung ja schon einmal dort.

Was uns das zoharische Konzept genau sagen will ist, dass die Seele gar nicht aus ihrem perfekten Ursprung heraus auf die Erde will. Einmal in einem Körper angekommen wird sie alles daran setzen, den Menschen zum Positiven zu beeinflussen, um an ihren Ursprung (G - tt) zurückzukommen. Sprich, der Mensch soll Gutes tun, damit die Seele nach dem Tode des Körpers wieder zu G - tt aufsteigt. Der Mensch und sein Körper jedoch folgen nicht immer dem Willen der Seele und so kommt es, dass der Körper mehr auf Materialismus steht als die Seele. Der Körper dringt darauf, seine materiellen Bedürfnisse (Essen, Trinken, gut leben, usw.) zu befriedigen und der Mensch gibt nur allzu gerne nach. Unkoscheres Essen, Verhalten wider der Thora, etc. sind die Folge und die Seele erleidet somit einen Schaden. Nach dem Tode wird sie dann sozusagen gereinigt oder reinkarniert.

Um den Juden eine Anleitung zum Leben in der unseren materiellen Welt zu geben, gab G - tt ihnen die Thora, den Nichtjuden gab Er die Sieben Noachidischen Gesetze. Unsere Aufgabe besteht darin, diese Welt anhand der richtigen Nutzung unseres ebenso von G - tt gegebenen "Freien Willen" positiv zu meistern. Bei der Opferung aufgrund von Vergehen steht die opfernde Person vor G - tt selbst und legt Rechenschaft ab. Eine Umkehr zum Guten kann (fast) immer erfolgen.

Mittwoch, März 28, 2012

Die Suche nach dem Chametz in uns selbst


"OZAR HA'MOADIM" – Eine Sammlung mit den Kommentaren vieler gelehrter Rabbiner. Ich habe das Buch erst in dieser Woche in Bnei Brak (bei Tel Aviv) erstanden und muss sagen, der Kauf hat sich gelohnt.

Photo: Miriam Woelke

B"H 

Im Buch enthalten sind die Pessach – Gesetze, "Hilchot Pessach" aus dem "Schulchan Aruch - Code of Jewish Law", die "Hilchot Pessach" aus der "Mischna Berura", Pessach – Kommentare aus dem kabbalistischen Buch ZOHAR sowie Pessach – Kommentare zahlreicher chassidischer Rabbiner / Kommentatoren wie dem Bnei Yissachar, dem Baal Shem Tov, dem Maggid von Mezritch, Chesed le'Avraham, Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye, Noam Elimelech, Beer Mayim Chaim, Ma'or veShemesh, dem Sfat Emet. Am Ende des Buches werden eine ganze Reihe Minhagim (Bräuche von Rabbinern) aufgelistet.

Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye, dem berühmten Anhänger des Baal Shem Tov:
Bereits mehrere Wochen vor Pessach beginnen Abertausende Juden mit dem Pessach – Putz daheim. Juden ist es an den Pessach – Tagen verboten, Chametz zu besitzen und so wird jeder Krümel Weizen, Hafer, Gerste, Spelt oder Roggen weggeschrubbt. Das Haus muss rein und Chametz – Frei sein. Putzen bis zum Unfallen.

Bevor Pessach so richtig beginnt, sollten wir uns einmal hinsetzen und uns darauf besinnen, wie wir unser eigenes persönliches Chametz in uns loswerden. Im Judentum steht Chametz symbolisch für die HaRah (die negative Seite in einem Jeden von uns) und unsere Aufgabe besteht darin, eben diese Yetzer zu überkommen und nicht jedem Drang nachzugeben. In der Nacht vor Pessach, wenn wir normalerweise das traditionelle “Bedikat Chametz – Die Suche nach dem letzten Chametz" durchführen, sollten wir uns die Zeit nehmen, auch das Chametz in uns selber suchen.

Halacha: Raubkopien

B"H

Ist es erlaubt, CDs zu kopieren oder selbstgebrannte Musik CDs bzw. DVDs zu kaufen oder zu vertreiben ? Was, wenn ich mir etwas aus dem Internet herunterlade ? Ist das gemäss der jüdischen Halacha erlaubt ? 

Der im Jahre 1986 verstorbene Halacha – Experte, Rabbi Moshe Feinstein, legte seinerzeit fest, dass das Kopieren von Musik oder Filmen verboten ist. Die Begründung dafür lautet, dass der Erzeuger der Musik oder des Filmes durch das Kopieren seines Produktes Geld verliert. Diese Regelung gilt ebenso für Schmuck, Musik, Kunst oder Bücher. 

(Siehe Igrot Moshe, Orach Chaim, Vol. 4 Siman 40:19). 

Zusätzlich macht sich der Raubkopierer des Diebstahls schuldig. Vor allem dann, wenn es um Copyrights geht.

Dienstag, März 27, 2012

Koschere Nudeln für Pessach

B"H

Vor noch nicht allzu langer Zeit regten wir uns alle noch auf, dass an Pessach keine Nudeln verzehrt werden dürfen. Als Weizenprodukt sind Nudeln an den sieben Pessachfeiertagen CHAMETZ. Bedeutet, sie gehören in die Kategorie verbotenes Getreide an Pessach. Wie bekannt ist es Juden an Pessach untersagt, Getreideprodukte wie Hafer, Spelt, Roggen, Weizen oder Gerste zu verzehren. Alles daraus Erzeugte gilt als CHAMETZ und somit verboten. Für aschkenazische Juden bleibt an Pessach eh nicht viel zum Essen übrig außer Fisch, Fleisch, Kohl, Kartoffeln, Karotten, Eier oder Zwiebeln. Sephardische Juden hingegen kennen all die aschkenazischen Bräuche nicht und essen teilweise Reis. Aschkenazen ist der Reisverzehr an Pessach lt. eines mittelalterlichen Brauches untersagt, sephardische Juden hingegen essen Reis. Darunter Kurden, Perser oder Iraker. Marokkaner essen teilweise keinen Reis an Pessach. Ferner ist es sephardischen Juden erlaubt, Kidniyot zu essen. In diese Kidniyot – Sparte fallen insbesondere Hülsenfrüchte wie Mais, Erbsen, Bohnen, Humus aus Kichererbsen und alles, was aus diesen Lebensmittel hergestellt wurde. Auch die Kidniyot gehen auf einen Brauch zurück. Nach all den Beschwerden des Essensmangel aschkenazischer Juden, existiert seid Jahren Kuchen, der an Pessach erlaubt ist, denn er ist mit Mazze – oder Kartoffelmehl gebacken. Koscher für Pessach also.

Als ich heute abend im Supermarkt einkaufte, sah ich doch glatt koschere Nudeln für Pessach ! Wie das ? Indem sie aus Reis angefertigt worden sind. Reis wiederum bedeutet Kidniyot und nur sephardische Juden kommen in den Genuß. Allerdings sah ich ebenso koschere Nudeln für Pessach ohne Kidniyot – Zusätze.

Hier ein paar Einkaufsimpressionen von heute abend. 
Ort: Der MEGA Markt in der Dizengoff Street / Ecke Pinsker in Tel Aviv.


Koscher für Pessach !



Koschere Nudeln für Pessach



Mit Kidniyot und hergestellt aus Reis.



Für die Suppe und koscher für Pessach.



Wein für die Pessach Seder



Mazzot



Kekse koscher für Pessach. Vorwiegend aus Kartoffelmehl gebacken.

Photos: Miriam Woelke

Kein Zweifel: Pessach ist einer der teuersten jüdischen Feiertage und viele jüdische Familien in Israel können sich das kostspielige Essen einfach nicht leisten und sind daher auf Geld – und Essensspenden angewiesen. Einschliesslich vieler haredischer (ultra – orthodoxer) Familien in Mea Shearim sowie in Bnei Brak.
Eine dieser Spendenorganisationen ist die im ultra – orthodoxen Mea Shearim (Jerusalem) anzutreffende: "LINAT HA'CHESED" der chassdischen Gruppe Toldot Avraham Yitzchak. Vor zwei Jahren war ich dort und interviewte einige der Chassidim.

Link: 

Tour durch Bnei Brak