Donnerstag, Juni 09, 2011

Parashat Beha'alotcha - פרשת בהעלותך


Eine Nachbildung der Tempelmenorah, welche gegenüber der Kotel (Klagemauer) in Jerusalem ausgestellt ist. Laut dem RAMBAM (Maimonides) schaute die Menorah jedoch SO aus.

Photo: Miriam Woelke

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat


Wortdefinition:  Beha’alotcha = Wenn Du anzündest

Nachdem die Israeliten in Parashat Ki Tisa das Goldene Kalb (Egel HaZahav) bauten, trug ihnen G - tt auf, das Tabernakel (Mischkan) zu bauen. Vor allem in der Kabbalah wird das Mischkan als ein Tikun (Seelenreparatur) betrachtet. Darüber hinaus wird der Tag der Einweihung des Mischkan sogar als Tag der Welterschaffung kommentiert. Alles im Mischkan vorhandene steht im direkten Bezug auf die Welterschaffung (u.a. Rabbeinu Bachya in seinem Thorakommentar).

Nach der Beschreibung des Mischkans bekamen die Israeliten die Mitzwot (Gebote) für den Tempeldienst.

Am Anfang der Parasha trug G - tt Moshe auf, seinem Bruder Aharon auszurichten, wie die Menorah (der siebenarmige Leuchter im Mischkan) auszusehen habe. Nämlich geformt aus einem einzigen Stück Gold und die Arme sollen sich demjenigen Arm in der Mitte zuwenden. Alle spirituellen und mentalen Kräfte eines Juden sollen sich G - tt (symbolisch in der Mitte der Menorah) zuwenden. Die Levi'im (Leviten) nehmen einen Sonderstatus im Tempeldienst ein. Einen Status, der sich im Dritten Tempel und nach der Ankunft des Meschiach fortsetzen wird.

Hätte es nicht den Bau des Goldenen Kalbs und somit einen Rückfall in den Götzendienst gegeben, die Welt täte heute anders ausschauen. G - ttes ursprünglicher Plan war es nämlich, die Israeliten direkt in das "Gelobte Land" zu führen, in dem sie die gesamte Thora sofort hätten einhalten können. Die Juden hätten sich auf dem höchsten spirituellen Level befunden und wären ab sofort eine Vorbild für alle anderen Nationen gewesen (Rabbi Samson Raphael Hirsch). Aber leider kam alles anders und bis heute sind wir mit verschiedenen Tikkunim (Seelenkorrekturen) beschäftigt, um den Meschiach zu bringen.

In dieser Thoraparasha finden wir schon allein optisch etwas ganz Außergewöhnliches. Die Sätze in 10:35 sowie 11:1 sind in recht seltsamen Klammer gefaßt, welche aussehen wie der Buchstabe NUN ( ) im Hebräischen. Der Inhalt der zwei Verse sind Moshes Aussprüche sobald sich die Israeliten samt Bundeslade in Bewegung setzten oder sobald sie ein neues Lager aufschlugen.

Unzählige Thora - Kommentatoren lassen uns ihre Auslegungen über die Bedeutung der beiden Klammern wissen. Laut Raschi, dem Chizkuni sowie Rabbeinu Bachya zeigen uns die Klammern an, dass die Sätze Moshes eigentlich falsch platziert sind. Rabbeinu Bachya sagt, dass der Klammerinhalt ursprünglich in BaMidbar (Numbers) 2:17 hätte stehen müssen. Auch Raschi und der Chizkuni sehen die Sätze innerhalb der Klammern besser in BaMidbar platziert, wo beschrieben wird, wie die Stämme durch verschiedene Flaggen repräsentiert waren.

Alle Kommentatoren sind sich einige darüber, dass diese Verse ein separates Buch in der Thora darstellen. Diese Meinung basiert auf einer Gemara im Talmud Traktat Shabbat 116a. Dort heißt es, dass sämtliche Kapitel vor den Klammern eigene Bücher darstellt genauso wie die der Thorainhalt nach dem Text in den Klammern. Demnach gibt es nicht nur die fünf Bücher Moshes, sondern sieben Bücher in der Thora. Darüber hinaus geben das kabbalistische Buch Zohar und die Chassidut in Beer Moshe exzellente Erklärungen für den Text in den zwei Klammern. Laut Zohar stehen die Klammern für die Schechinah (Anwesenheits G - ttes), welche immer mit Israel verbunden ist. Und der Beer Moshe schreibt, dass eine besondere Einheit gebildet wird. Juden und G - tt wenden sich immer gegenseitig zu, genau wie die Klammern.

Nach all den Wundern, die G - tt für die Israeliten seit dem Auszug aus Ägypten vollbracht hatte, begannen erneut die Beschwerden. Das Manna (Man) sei keine ausreichende Nahrung und man wolle Fleisch essen.

Zuerst einmal stellt sich die Frage: Wer genau beschwerte sich wirklich ? Wie ich schon in einigen Parashot zuvor erklärte, zogen nicht nur die Juden aus Ägypten aus, sondern mit ihnen eine Bevölkerungsgruppe, die Erev Rav (Mixed Multitude) genannt wird. Die Erev Rav waren ägyptische Konvertiten zum Judentum, die nur aus Eigennutz den jüdischen Glauben annahmen. Viele von ihnen waren einfach nur Sklaven und da sie gehört hatten, dass G - tt die Juden einmal aus Ägypten herausführen wird, schlossen sie sich dem jüdischen Volk an. Religiöse Motive gab es keine. Diese Erev Rav hatten in der Wüste nicht den gleichen Status wie die Israeliten und begannen jederzeit neu das Volk aufzuwiegeln. Erst mit dem Bau des Goldenen Kalbes und nun wurde sich über das Essen beschwert.

G - tt gab den Israeliten das Manna als eine Art spirituelles Essen für die Seele (Neshama), welches sie auf einen höheren Level bringen sollte (Rabbi Yitzchak Luria in "Likutei Torah"). Das Manna repräsentiert die spirituelle Nahrung in "Olam Habah, der Kommenden Welt" (Sha'arei LeShem) .

Im Judentum haben wir das Konzept der Olam Habah nach dem Tod, aber auch nach der Ankunft des Meschiach. Nach dem Tod steigt eine jede Seele auf zu G - tt, wird gerichtet und bekommt ihren Platz in der Seelenwelt. Die einen näher bei G - tt und andere wiederum sind weiter entfernt. Das Judentum schließt niemanden aus der Olam Habah aus, wie andere Religionen, wo es heißt, dass nur der, der glaubt, einen Platz bei G - tt findet. Laut Talmud Sanhedrin kann jeder Mensch seinen Platz in Olam Habah erreichen und wir lernen dies von Bilam, wo die Gemara fragt, warum er keinen Platz bekommt. Heißt, wenn die Frage überhaupt erst aufkommt, dann gibt es auch für Nichtjuden eine Olam Habah (Kommende Welt).

In unserer heutigen Zeit ist Olam Habah eine reine Seelenwelt und nach der Ankunft des Meschiach wird diese auch hier in unserer Welt stattfinden, wenn sich die Menschen auf einem perfekten spirituellen Level befinden. Vor allem der Ramban (Nachmanides, 1194 - 1270) sowie der Rambam (Maimonides, 1135 - 1204) streiten sich um die Bedeutung der Olam Habah. Sind wird nur noch rein spirituell oder eher materiell ? Der Rambam sagt, dass wir genauso essen und trinken wie immer, der Ramban sagt das Gegenteil. In einer Gemara (rabbinischen Diskussion) im Talmud Traktat Berachot lehrt Rav, dass in Olam Habah weder gegessen noch getrunken wird. Es gibt keine Eifersucht, keinen Hass oder Rivalitäten, sondern alle wenden sich nur noch der Anwesenheit G - ttes (der Schechinah) zu.

Das Manna selbst war ein weißer Koriander - Flaum, der den jeweiligen Geschmack annahm, welchen der Verzehrende sich gerade erträumte. Allmorgentlich lag das Manna auf dem Tau und die Leute mußten es nur einsammeln (außer am Shabbat). Für die Gerechten fiel das Manna genau vor ihrem Zelt, für die regulären Leute fiel es außerhalb des Lagers und die Schlechten mußten weit hinausgehen, um ihr Manna aufzulesen (Gemara im Talmud Traktat Yoma 75a).

Wie weiß eine Person, welches ihr Manna ist ? Warum gehen die Schlechten nicht einfach zu den Zelten der Gerechten und lesen das Manna auf ? Es heißt, dass nur derjenige das Stück Manna aufsammeln konnte, für den es bestimmt war. Ergriff jemand das falsche Manna, blieb es am Boden kleben. Das Manna war ein reines Wunder, denn es wurde vollkommen vom Körper absorbiert und es gab keine auszuscheidenden Überreste (Gemara im Talmud Yoma 75b).

Für Halacha - Interessierte: Der Segen über das Manna hieß nicht "HaMozi Lechem Min Ha'Aretz, sondern HaMozi Lechem Min HaShamaim".

Warum schlossen sich die Israeliten der Erev Rav an und beschwerten sich ständig ? Warum weinten sie zu G - tt ?
Nachdem sie gerade die Thora bekommen hatten, begannen sie einige Dinge im Leben zu vermissen, die laut Thora von nun an verboten waren. Zum Beispiel war es zuvor üblich gewesen, dass jeder jeden in der Familie heiraten konnte und plötzlich war das verboten. Die Israeliten jedoch hatten sich an gewissen Perversitäten der ägyptischen Kultur gewöhnt und sahen nicht unbedingt ein, warum sie jetzt auf alle Freuden im Leben verzichten sollten.
Sie begannen zu trauern und sahen sich als eine Art lebender Toter, die von nun an auf alles verzichten müssen. Kein unkoscheres Essen mehr, keine Perversitäten und viele andere halachische Regeln. Plötzlich sahen sie ihr Leben als vertan und beschuldigten G - tt sie darum beraubt zu haben.

Bis heute kommen immer wieder die gleichen Missinterpretationen auf. Wenn jemand religiös wird und sich entschließt, nach der Thora zu leben, dann betrachten ihn seine Mitmenschen als ob er alle Lebensfreuden verliert und von nun an nur noch ein einseitiges langweiliges Leben führt. Aus irgendeinem Grund denken viele Leute, dass Religiöse auf ein tolles Leben verzichten und die Religion sie einzwänge. Jeder, der religiös lebt, weiss, dass dem nicht so ist. Sobald ein Jude nach der Thora lebt und deren Sinn zu verstehen lernt, sieht er sein Leben als bedeutungsvoller an als jemals zuvor und versteht nicht mehr, wie er einmal ohne die Thora leben konnte.

Gegen Ende der Parashat wird uns von der berühmten Begebenheit mit Miriam berichtet. Aharon und seine Schwester Miriam sprachen über ihren jüngeren Bruder Moshe. Kurz gesagt sprachen die Beiden in negativer Art und Weise darüber, dass sich Moshe rein räumlich von seiner Frau Zippora getrennt hatte. Keineswegs haben sie sich scheiden lassen, sondern Moshe trennte sich räumlich von ihr, da sein hochgradiger spiritueller Level (z.B. sprach er ständig mit G - tt) nicht mehr in weltliche Belange wie ehelicher Sex passte). Raschi kommentiert hierzu, dass Miriam das Gespräch mit Aharon BEGANN, denn die Thora listet sie als erstes auf:

"Va'tedaber Miriam veAharon be'Moshe …"

"Miriam und Aharon sprachen über Moshe …"


Was veranlasste Raschi zu der Schlußfolgerung ?
Obwohl Miriam eine Prophetin war, so war Aharon aufgrund seiner Cohen HaGadol (Hohepriester) - Stellung wesentlich wichtiger als seine Schwester. Weiterhin lautet das Verb im Thoratext "Va'tedaber". Diese Verbform im Hebräischen weist auf eine Frau im Singular hin. Hätte sich die Thora auf beide Geschwister bezogen, so wäre die korrekte Verbform "Va'idabru" gewesen. Hier jedoch bezieht sich das Verb "sprachen" auf ein einziges weibliches Wesen; in diesem Falle auf Miriam.

Sowohl Miriam als auch Aharon stimmten Moshes Verhalten gegenüber Zippora nicht gerade zu. Er (Moshe) hätte sich nicht von seiner Frau trennen dürfen. Immerhin spreche Moshe nicht nur mit G - tt, sondern ebenso mit seinen weltlichen Geschwistern. Ergo, sei er sehr wohl in dieser materiellen Welt. Wieso sich dann also von Zipporah aufgrund der hohen Spritualität trennen ?

G - tt sah die Diskussion der Geschwister als "Laschon HaRah - üble Nachrede" und bestrafte Miriam, die das ganze inszeniert hatte, mit "Tzarah - einer besonderen Form von Aussatz".
Die berühmte Frage hierbei ist, WARUM G - tt das tat, denn die Geschwister Moshes hatten es im Grunde nur gut gemeint. Keineswegs verfolgten sie mit ihrer Diskussion böse nachteilige Absichten. Warum also wurde Miriam mit dem Aussatz bestraft und warum war es "Laschon Harah" ? Auf dem israelischen haredischen (ultra - orthodoxen) Radiosender "Kol BaRamah" hörte ich einen Rabbiner folgendes sagen:
Wenn wir in die Parashat Bereschit (Genesis) im Buch Genesis und damit auf die Erschaffung von Adam und Eva (Chava) schauen, berichtet uns die Thora:

"Va'izer A - do - nai E - lo - him et Ha'Adam Afar min Ha'Adamah va'ipach be'afaw Nishmat Chaim va'yihi HaAdam le'Nefesh Chaya".

"Und G - tt (der Originaltext listet zwei Namen G - ttes auf) formte den Menschen aus dem Staub der Erde und blies in seine Nasenlöcher die Seele des Lebens. Und der Mensch wurde zur lebenden Seele".

Kurz gesagt, der Mensch erhielt seine Seele direkt von G - tt eingehaucht. Somit ist die Seele quasi ein Teil G - ttes in uns und wir sollten sie nicht mit unseren Vergehen negativ beeinflussen.

Es heißt, dass jeder Mensch in seinem Leben nur eine gewisse Anzahl an Worten von G - tt zur Verfügung gestellt bekommt. Danach muss er sterben. Dieses Statement soll, mit anderen Worten zum Ausdruck bringen, dass wir alle unsere Worte sorgsam nutzen und nichts Überflüssiges (Lästereien) von uns geben, denn so nutzen wir unsere Wortanzahl im Leben ab. Andererseits gibt es "Laschon HaRah", die gesagt werden muss und andere, auf die man verzichten sollte.

Rabbi Yaakov Kuli schreibt in seinem Kommentar "Yilkut Me'am Lo'ez":
Warum erzählt uns die Thora von der Begebenheit Miriam ? Um uns aufzuzeigen, was üble Nachrede alles verursachen kann.

Miriam sprach mit Aharon, da sie hoffte, dieser werde mit Moshe reden und diesen auf sein inkorrektes Verhalten (Miriam nannte es "inkorrekt") hinweisen. Allerdings machte Miriam hierbei den Fehler, Moshes Prophezeihungsfähigkeiten mit jenen unserer Vorväter zu vergleichen. A la "Avraham habe sich ja auch nicht von Sarah getrennt. Moshe Prophezeihungen und seine Art, mit G - tt zu kommunizieren, waren wesentlich anderer Natur und bis dahin, sowie seither, nie mehr existent. Moshe bewegte sich auf dem allerhöchsten Level bezüglich der Kommunikation mit G - tt. Wie die Vorväter erhielt er G - ttes Anweisungen nicht nur im Schlaf, sondern real von Angesicht zu Angesicht und zu jeder Tageszeit. Viele Thorakommentatoren wie Rabbeinu Bachya listen auf, wie genau sich die Prophezeihungen des Moshe von denen der Vorväter sowie späterer Propheten unterschieden.

Es gibt Dinge im Leben, die müssen gesagt werden und man kann nicht nur laut herausschreien "Laschon HaRah, Laschon HaRah", weil sich manche weigert, zuzuhören. Kriminelle müssen der Polizei gemeldet werden, etc. Dennoch gibt es anderweitige Angelegenheiten, bei denen der Moment etwas zu sagen eher unpassend oder im dem Moment Schaden hervorrufen kann.

Woher wussten eigentlich Moshe und Bezalel, wie das Mischkan oder, in diesem Fall, die Menorah, auszusehen hatten. Zwar erfahren wir, dass G – tt ihnen die Gegenstände sowie das Tempelbesteck beschrieb, doch woher wussten Moshe und Bezalel die Herstellungsdetails ? Die Antwort darauf lautet, dass beide im Moment der Beschreibung G – ttes die Gegenstände als eine Art Vision oder Prophezeihung vor sich sahen.

Schabbat Schalom

Die haredische (ultra - orthodoxe) Welt in dieser Woche

Mittwoch, Juni 08, 2011

Talmud Schabbat 88: G – tt hielt den Berg Sinai über die Juden, Teil 1


Thoratext

Photo: Miriam Woelke

B”H

In Israel ist Schavuot, das Wochenfest, heute abend zuende gegangen; in der Diaspora hält es dagegen noch bis morgen abend (Donnerstag) an. 
Wenn wir von Schavuot (übersetzt: Wochen) sprechen, dann bezieht sich fast alles auf die THORA, denn die wurde ja an diesem Tag am Berg Sinai von G – tt an die Juden gegeben. Der Talmud liefert ein paar sehr interessante Insights zur Thora und was am Berg Sinai geschah. Dazu ein kleiner Einblick hier und weitere folgen in den nächsten Tagen.

Der Talmud Traktat Schabbat 88a listet ein paar Teachings auf, die ursprünglich aus der Aggadah stammen. Mitunter geht es dabei um die Aussage, dass als die Juden am Berg Sinai standen, G – tt den Berg anhob und G – tt die Juden mit dem Berg bedeckte. Bedeutet, dass die Juden sich innerhalb des Berges befanden. Dabei sagte G – tt: “Wenn Ihr die Thora annehmt, gut, aber falls nicht, werdet Ihr hier unter dem Berg begraben !”

Wenn wir uns diese Talmudaussage aus der Aggadah anschauen, müssen wir beachten, dass die Aggadah sowohl als auch der Talmud vieles in symbolischer Form wiedergeben. Wörtlich dürfen wir es also nicht nehmen, sondern als metaphorischen betrachten. Viele Aussagen, die recht merkwürdig klingen, hegen die Absicht, uns etwas ganz anderes mitzuteilen und bedienen sich als Mittel zum Zweck der Symbolik.

Wie kann G – tt den Berg Sinai hochheben und diesen einfach über die Juden stellen wie einen Hut ? Und warum wandte G – tt diese Methode an bzw. warum zwang Er die Juden zur Annahme der Thora ? Immerhin hatten die Juden doch schon bekundet, dass sie die Thora haben wollten (siehe Exodus – Sefer Schmot 24:7). 

Teile der Antwort finden wir im Talmud wie in der Kabbalah. Als G – tt zu den Juden sprach, so tat er das zu Beginn öffentlich und jeder Jude vor dem Berg Sinai hörte G – ttes Stimme. Wobei diese Aussage ebenso wieder symbolischer Natur ist und vielmehr bedeutet, dass die Juden die Stimme G – ttes sozusagen in ihrer Seele vernahmen. Die Kabbalah berichtet uns, dass sobald G – tt den ersten Satz aussprach, die Seelen der Juden die Körper verliessen. So einflussreich war das Erlebnis auf die Juden vor dem Berg Sinai. In anderen Worten: Sie schafften es nicht, G – ttes Worte zu vernehmen, da sie einfach nicht dazu in der Lage waren. Ihre Seelen verliessen zeitweilig die Körper und es bestehen Meinungen, dass die Menschen so starben, doc him selben Moment erweckte sie G – tt wieder zum Leben. 

Die Juden hatten zuvor akzeptiert, die Thora anzunehmen. Dann aber unterwarf G – tt sie einer Art Zwang, die Thora anzunehmen. Warum ? Die Tosafot kommentieren dazu, dass die Juden nach dem Schockerlebnis am Berg Sinai (als ihre Seelen die Körper verliessen) sie eventuell ihre Meinung geändert haben könnten.

Die Midrasch kommentiert, dass die Juden bereit waren, die schriftliche Thora zu akzeptieren, doch mit der mündlichen Thora (der heutigen Mischna des Talmud), hatten sie so ihre Probleme. Die Mischna (Gesetze) verlangen ein immenses Studium und wer weiss, wie er was machen soll, der muss sich anstrengen, die entsprechenden Mitzwot zu erfüllen. Ist das nicht alles zu aufwendig ? Der Ramban (Nachmanides) erklärt, dass die Juden bereit waren, die Mitzwot in Israel zu erfüllen, jedoch nicht in der Diaspora, in der sie sich zu dem Zeitpunkt befanden. Später, zu Zeiten Mordechais und Esthers in Babylon, waren die Juden bereit, auch die Thoramitzwot in der Diaspora anzuerkennen und der Talmud Schabbat gibt uns zu verstehen, dass es zur Zeit der Purimereignisse war als die Juden die Thora voll und ganz akzeptierten und annahmen.

Der Maharal von Prag kommentiert, dass wenn die Juden die Thora abgelehnt hätten, die Welt wieder zu ihrer alten Form vor dem Erschaffungsprozess zurückgegangen wäre. Bedeutet: Hätten die Juden zu G – tt gesagt, dass sie keine Thora wollen, wäre die Welt vernichtet worden und zum Zustand des Tohu vor der Welterschaffung zurückgekehrt. Allein die Thora macht die Welt aus und die Juden waren dafür vorgesehen, diese zu akzeptieren und die Thoragesetze zu erfüllen. Wäre das in die Hose gegangen, hätte die Welt ihren Sinn und Zweck verloren und somit zum Zustand des Tohu zurückgekehrt.

Anmerkung: In der jüdischen Kabbalah steht TOHU für die Gedankenwelt G – ttes und nicht für eine materielle Form oder Erschaffung.


Photo: M. Day


Nun muss man sich zwangsläufig die Frage stellen, ob G – tt am Berg Sinai die Juden nicht allzu sehr in ihrem “Freien Willen” beeinflusste, wenn er sie sozusagen zwang, die Thora zu akzeptieren, damit die Welt nicht den Bach hinunter ging. Andererseits hatten die Juden immer noch ihren “Freien Willen”, denn G – tt gab ihnen die Wahl.

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Teil 2 folgt morgen !

Der Talmudtext aus dem Traktat 88a ist keineswegs einfach zu verstehen noch zu erfassen und wenn Ihr dazu Fragen habt, stellt sie !

Infos zu SCHAVUOT

B"H

FRUMLIFE nennt ein paar weitere Details zu SCHAVUOT (dem WOCHENFEST). In einfachem Englisch verfasst und recht interessant.

Dienstag, Juni 07, 2011

Chag Sameach - Happy Shavuot !


Gesehen in Jerusalem

Photo: Miriam Woelke

B”H

Ursprünglich wollte ich noch viel mehr zum heute abend beginnenden Schavuot schreiben und sammelte gestern unzählige Informationen. Ich las in wer weiss wie vielen Büchern und machte endlose Talmudkopien. Die Zeit lief dann davon und was ich tun werde ist, nach dem Feiertag (ab Mittwoch / Donnerstag) noch weitere Schavuot – Themen anzusprechen.

Bis dahin einen schönen Feiertag, Yom Tov und Chag Sameach !

Montag, Juni 06, 2011

Die innere Bedeutung von Schavuot (Erhalt der Thora)


B"H

Morgen abend (Dienstag) beginnt Schavuot, welches wir in Israel nur einen Tag lang feiern (bis Mittowch Abend). Im Ausland dagegen werden zwei Tage eingehalten.

Wortdefinition: SCHAVUOT bedeutet übersetzt WOCHEN !

Am 6. des jüdischen Monats Sivan erhielten die Israeliten am Berg Sinai von G - tt die Thora. In der Thora werden wir von G - tt mehrere Male darauf hingewiesen, dass sie für alle Ewigkeiten gültig sein und durch nichts anderes ersetzt werden wird. Für G - tt und die Thora existiert keine Zeit (siehe das chassidische Buch "Bnei Yissachar"). Beide sind zeitlos und unabhänging von ihr, im Gegensatz zu uns. Nach dem Vorfall mit Eva und Adam im Paradies (Gan Eden) änderte G - tt den menschlichen DNA und machte uns zeitabhängig und somit sterblich.

Was ist aber heute mit uns, die nicht beim Empfang der Thora am Berg Sinai live dabei waren ? Wie verhalten wir uns an jenem Feiertag ?

Zuerst einmal gibt es im Judentum das Konzept, dass alle jüdischen Seelen, die jemals erschaffen wurden und in Zukunft erschaffen werden, am Berg Sinai anwesend waren. Wir alle haben dort die Thora empfangen, auch die Konvertiten zum Judentum. Bevor die Thora an das jüdische Volk gegeben wurde, fragte G - tt alle anderen Völker, ob sie nicht die Thora haben wollen, doch die Völker lehnten ab, denn lt. Thora ist es verboten zu morden, zu stehlen, die Ehe zu brechen etc. Jene Angewohnheiten wollten die Völker nicht aufgeben (siehe Midrasch). Einzig und allein die Juden (Israeliten) sagten: "Na'aseh ve Nishma - Wir werden tun und hören". Die Juden waren von Anfang an bereit, die Thora einzuhalten ohne die genauen Bedingungen zu kennen (Midrasch).

Der Vilna Gaon kommentiert, dass G - tt nur die Oberhäupter der anderen Völker befragte und diese ablehnten. Innerhalb der Völker gab es dennoch einfache Leute, welche die Thora gerne empfangen haetten. Laut dem Vilna Gaon sind diese Seelen die heutigen Konvertiten zum Judentum.

Wie bereiten wir uns am besten auf Shavuot vor ?

Zuerst einmal sollten wir die Thora verinnerlichen und nicht davon ausgehen, dass es sich um irgendein Buch aus der Antike handelt, welches mir heutzutage nichts mehr zu sagen hat. Rabbi Me'ir Weiner sagte bei einem Schiur (relig. Vortrag), dass jeder einzelne die Thora so sehen muß als ob sie zu ihm spreche. Nur zu ihm selbst. Diese Auffassung macht es uns vielleicht leichter die Bedeutung des Shavuot in unserer Zeit zu verstehen. Jeder sollte sich spirituell auf Schavuot vorbereiten, denn es handelt sich um einen Feiertag, an dem wir sehr hohe spirituelle Level erreichen können. Weiterhin stellt Schavuot einen Chizuk, eine seelische Stärkung, für alle Generationen dar (siehe "Kuntres Dibrot Kodesh" der chassidischen Gruppe Toldot Avraham Yitzchak).

Für alle nachfolgenden Generationen (nach Moshe) besteht auf alle Ewigkeiten die Mitzwa des Thorastudiums (Bnei Yissachar). Im Judentum haben wir unterschiedliche Konzepte darüber, wie wir die Thora lernen. Angefangen vom Peschat, welches ein "oberflächliches" Lernen ohne tiefere Ergründung darstellt. Aber die Thora ist viel mehr als wir aus dem eigentlichen Text herauslesen. Unsere Aufgabe ist die tiefe Ergründung der Thora einschließlich ihrer Halachot (halachische Gesetze).

Während des Morgengebetes (Schacharit) an Schavuot (Montag früh) werden drei zusätzliche Lesungen eingefügt: Die Zehn Gebote, die wir stehend hören, das berühmte Gebet AKDAMOT von Rabbi Meir ben Yitzchak (11. Jahrh.) und die Megillat Ruth, das Buch Ruth.

Bei "Akdamot" handelt es sich um eine liturgische Poesie, die uns von G - ttes Erschaffung der Erde bis hin zur kommenden Welt (Olam HaBah) führt. Die Verse sind alphabetisch geordnet (nach dem hebrä. Alphabet) und geantwortet wird nach dem Satz mit dem Wort TA תא, welches aus den Buchstaben Tav ת und Aleph א besteht. Aleph א ist der erste und das Tav ת der letzte Buchstabe des hebräischen Alphabetes. Das Wort TA תא beinhaltet demnach die gesamte Thora mit all ihren Buchstaben und zeigt uns auf, dass das Thorastudium unendlich ist.

Das Buch Ruth wurde vom Propheten Samuel verfaßt (Talmud Bava Batra 14b sowie der Kommentator Raschi). Warum lesen wir ausgerechnet das Buch Ruth (Megillat Ruth) an Schavuot ?

Ruth war eine Vorfahrin König Davids und dieser wurde an Schavuot geboren und er verstarb an Schavuot. Es heißt, dass nur Zaddikim (Gerechte) an ihrem Geburtstag sterben.

Da wir mit Ruth eine der wichtigsten Konvertitinen zum Judentum haben, ist Schavuot gleichzeitig ein Tag der Konvertiten. Zeit seines Lebens wurde König David von vielen Leuten ausgelacht und verspottet, war er doch ein Nachfahre einer Moabiterin und keiner geborenen Jüdin.

Wir erinnern uns: Die Moabiter und die Ammoniter (heute Jordanien) gehen aus der fatalen Beziehung mit Lot und seinen beiden Töchtern hervor. Vor der Zerstörung Sodom und Gomorrhas flüchtete Lot mit seinen Töchtern, Lot betrank sich und hatte ein Verhältnis mit beiden Töchtern. Jede von ihnen bekam einen Sohn, von denen der eine Ammon und der andere Moav hieß.

Unserer mündlichen Gesetzesüberlieferung (der Mischna im Talmud – mündliche Gesetzesüberlieferung G- ttes an Moshe am Berg Sinai) zufolge, dürfen Juden keine männlichen Nachfahren der Ammoniter bzw. der Moabiter heiraten. Weibliche Nachfahren dagegen sind erlaubt (Talmud Yevamot 76b). Demzufolge gab es für die Juden keinen Grund König David als Bastard zu bezeichnen, denn für seinen Vorfahren Boaz war es gesetzlich in Ordnung, Ruth zu ehelichen. Dennoch litt König David Zeit seines Lebens unter dem Spott "kein richtiger Jude zu sein" und würde er heutzutage zum Rabbanut (Oberrabbinat) gehen, könnte es ihm durchaus passieren, hinausgeschmissen zu werden.

Aber eben aus jeder Beziehung von Ruth der Moabiterin und Boaz sehen wir, dass beide die Vorfahren des Meshiach sind. Hätten wir nicht eher angenommen, dass der Meshiach aus einer perfekten Verbindung kommen sollte ? Vielleicht ist es notwendig, dass auch ein Meshiach einige Leichen im Keller haben sollte, was ihn nur allzu menschlich macht.

Aber nicht nur König David starb an Schavuot, sondern auch der Begründer des Chassidismus, der große Baal Shem Tov. Dieser starb in der Nacht an Schavuot und viele chassidische Gemeinden feiern seine Yahrzeit (Todestag) mit speziellen Events. In der Chassidut überhaupt wird in der Nacht an Schavuot sehr großer Wert auf Tikkunim gelegt, Gebete, mit denen wir unsere Seelen (Neschamot) auf höhere Level bringen.

Weltweit werden Tausende von Juden die Nacht durchlernen. Vor allem in Jerusalem ist es ein beliebter Brauch, von Vortrag zu Vortrag zu gehen. Fast alle Synagogen oder relig. Programme bieten Vorträge aller Art an. Überwiegend mit dem Thema des Empfangs der Thora am Sinai und dessen heutige Bedeutung.

Seitenweise veröffentlichen die Tageszeitungen Listen mit Adressen, bei denen man lernen kann. Die Vorträge sind kostenlos und es werden Erfrischungen gereicht. Morgens gegen 4.00 Uhr machen sich die meisten Jerusalemer auf den Weg zur Klagemauer (Kotel). Es ist jedes Jahr ein herrliches Schauspiel wenn mitten im Morgengebet die glutrote Sonne über dem Tempelberg aufgeht.

Vorab schon einmal: Chag Sameach - einen schönen Feiertag !!!!

Talmud und Midrasch zur "Megillat Ruth - Buch Ruth"

B"H

Morgen abend (Dienstag) beginnt Schavuot; ein biblisches Fest, an welchem die Juden am Berg Sinai die Thora erhielten. Unzählige Fakten kann man über Schavuot berichten. Viel Kabbalistisches, die Midrasch gibt einiges her, die Kommentatoren, die Thora selbst, aber auch der Talmud. An dieser Stelle will ich mich vorerst auf den Talmud beziehen.

Am Mittwoch, dem eigentlichen Schavuot – Tag wird in den Synagogen das "Buch Ruth – Megillat Ruth" gelesen. Warum gerade Ruth ?

Weil sie eine Vorfahrin des König David war (ihr Sohn Oved war Davids Großvater) und dieser an Schavuot geboren wurde und ebenso verstarb. An Schavuot standen alle Israeliten am Berge Sinai und erhielten die Thora. Erst mit dem Erhalt der Thora wurden sie zu einem eigenen Volk und konvertierten mit der Annahme der Gesetze G – ttes zum Judentum. Ab dem Zeitpunkt handelte es sich bei ihnen um das Jüdische Volk.

Auch Ruth, die Moabiterin, konvertierte zum Judentum. Nicht so, wie dies heutzutage der Fall ist; mit Auswahlverfahren und Beit Din (rabbinischem Gericht). Ruth konvertierte einzig und allein durch ihre ehrliche Aussage, dass der G – tt ihrer Schwiegermutter Noami auch der ihre sei. Ohne wenn und aber und mit allen Konsequenzen. Dadurch wird gerade Ruth als die perfekte Konvertitin gesehen. 

Bis heute mag man meinen, dass gerade Schavuot das "Fest der Konvertiten zum Judentum" sei, doch die Realität schaut etwas anders aus. Zwar berichtet die "Jerusalem Post" alljährlich von einigen israelischen Konversionskursen, doch ist das Interesse der Israelis nicht besonders hoch, denn das Konvertitenthema geht mittlerweile den meisten ziemlich auf die Nerven. Und ich will hier nicht wieder neu beginnen, die Skandale aufzulisten. Vielmehr geht es um den Talmud und und die Midrasch sowie dessen Lehren über Ruth, König David und Naomi.

Die "Megillat Ruth" beginnt mit dem Bericht, wie Elimelech, seine Frau Naomi und die Söhne Machlon und Kiliyon die Stadt Bethlehem aufgrund einer verheerenden Hungersnot verliessen und ins Land Moav abwanderten. Im Talmud Traktat Bava Batra 91a wird in der Gemara (rabbinische Diskussionen) die Frage gestellt, wann man Israel verlassen darf, um woanders zu leben. Und wie fast jedesmal im Talmud bekommen wir nur Teilantworten. Eine Meinung lautet, dass wir Israel nur verlassen dürfen, um woanders zu leben, wenn die Preise so drastisch angestiegen sind, dass ein hiesiges Überleben kaum mehr möglich ist. Eine andere Meinung lautet, dann, wenn es nichts mehr zu kaufen gibt. Dennoch, sollte es immer noch Weizen zu kaufen geben, besteht wiederum ein Bleibegrund.

Thora, Talmud sowie die jüdische Halacha legen äußersten Wert darauf, dass ein Jude in Israel lebt. Unter anderem, weil nur hier ein unbeschreiblich hoher Level der Seele (Neshama) erreicht werden kann, denn nur im Lande Israel ist es einem Juden möglich, alle erforderlichen Mitzwot einzuhalten. Viele Thoramitzwot gelten im Ausland nicht und zeigen nur in Israel Wirkung (z.B. Schemittah – das 7. Jahr, in welchem die Landwirtschaft brachliegt). Außerdem werden Gebete in Israel besser und schneller akzeptiert als jene aus der Diaspora, denn hier steigen die Gebete sofort zu G – tt hinauf und gehen nicht erst Umwege wie nach Israel und dann nach Jerusalem und dann zu G – tt. Und der Talmud sowie der erste aschkenazische Oberrabbiner Kook (Kuk) lehren, dass die Luft in Israel weise macht. Was heißt weise ? Hier sind wir einfach zu ganz anderen Leveln fähig, wohin gegen wir im Ausland immer irgendwelchen Blockaden unterliegen.

Der Kommentator Raschbam wirft einen interessanten Punkt ein.
Er nämlich sieht einen Juden, der Israel verläßt als jemanden, der sich bis zu einem gewissen Grad selbst von den Thoramitzwot entfernt, denn er kann ja nicht mehr alle Mitzwot erfüllen. Der Ramban (Nachmanides) hingegen zeigt mehr Verständnis für die "Abwanderer" und sagt, dass es erlaubt ist, Israel zu verlassen, denn man darf sich auf keinen Fall selbst ruinieren.

Die Gemara in Bava Batra fährt fort mit dem Tode der beiden Söhne Machlon und Kiliyon. Hier scheint es als erwiesen, dass Elimelech für seine Abwanderung bestraft wurde, indem seine Söhne verstarben. Und gemäß der Midrasch Rabbah war Elimelech nicht irgendjemand in Bethlehem gewesen, sondern ein angesehener wohlhabender Mann der Provinz. Der Grund, warum er sich entschloß, Israel zu verlassen, war keineswegs der Hunger. Vielmehr wollte er seinen Besitz zusammenhalten. Er befürchtete ganz einfach, dass nun alle Armen zu ihm kommen und herumbetteln. Da wanderte er doch lieber nach Moav ab. Die Midrasch betrachtet dieses Verhalten als den Grund für den frühen Tod seiner Söhne.

Die Midrasch Rabbah fährt fort mit der Beschreibung der Indentität der Schwestern Ruth und Orphah. Beide nämlich waren die Töchter des Moabiterkönigs Eglon, und Eglon wiederum war ein Nachfahre des Balak; jener, der in der Wüste die Israeliten verwünscht haben wollte.

Als Elimelech verstarb, wollte seine Witwe Naomi wieder in die Heimat, nach Bethlehem, zurückkehren. Ihre Schwiegertöchter Ruth und Orphah machten sich mit ihr auf den Weg und unterwegs bat Naomi die beiden wieder nach Moav zurüchzukehren. Orphah ging zurück und Ruth blieb bei Naomi. Es heißt, dass Orphah später einen Sohn mit dem Namen Goliath gebar. Jener Goliath der gegen König David kämpfte und unterlag, war eigentlich ein Verwandter Davids.

Aufgrund ihres Verhaltens verdiente sich Ruth eine Vorfahrin des Meschiach zu sein. Ausgerechnet eine Moabiterin, denn den männlichen Moabitern ist es in alle Ewigkeiten verboten in das Jüdische Volk einzuheiraten. Bei den Moabiterfrauen hingegen ist es erlaubt. Rabbi Mordechai Machlis warf in einem Schiur einmal die Frage auf, warum nicht König Saul (Sha'ul) zum Meschiach wurde. Vielleicht, so der Rabbi, muß selbst der Meschiach einige Leichen im Keller haben und Sha'ul war zu perfekt. Wir lernen also, dass nicht jeder, der so ungemein perfekt ist, auch immer in die erste Wahl kommt. Auch Leute mit einem nicht so tollen Background haben Chancen und das lernen wir von Ruth und David. Beide wurden zu Lebzeiten von den Juden verspottet. So war sie die Moabiterin und er kein richtiger Jude. Richtiger Jude schon, doch nicht laut dem Spott der Mitmenschen.

Es heißt, dass der Meschiach nach seiner Ankunft mit seinem einzigartigen Geruchssinn feststellen wird, wer tatsächlich Jude ist und wer nicht. Viele mögen überrascht sein, die Wahrheit zu erfahren. Manche, die so fest glaubten, so toll und perfekt zu sein, könnten sich am Ende ganz unerwartet woanders wiederfinden. Und nicht immer muß der Meschiach aus einer tollen Familie kommen oder ein großer chassidischer Rebbe sein. Vielleicht sollten wir auch einmal einen Blick auf die kleinen Leute werfen und nicht immer nur auf bekannte Persönlichkeiten. Die unbekannte Moabiterin Ruth hat uns dies gelehrt.

Die Thora trägt eine äußere und innere Kleidung


Thora mit Rashi - und Arizal (Rabbi Yitzchak Luria) Kommentar

Photo: Miriam Woelke
B”H

Das kabbalistische Buch ZOHAR (veröffentlicht im Jahre 1290) lehrt, dass all die Stories in der Thora (von Adam und Eva, Noach, Avraham bis hin zu Moshe) zwar ein wichtiger Bestandteil sind, um uns die Herkunft des jüdischen Volkes zu verdeutlichen; dennoch bilden die Erzählungen lediglich die “äußere Kleidung” der Thora. Unsere Aufgabe ist es dagegen, nach dem inneren und verborgenen Kern zu suchen. 

Vergleichen wir die “äußere Kleidung” der Thora mit einem Menschen, der nur auf die Kleidung anderer Leute schaut und sie danach richtet. Kleider stehen für Äußerlichkeiten, sagen jedoch noch nicht allzu viel über den inneren Kern, sprich “die Seele” aus. Wenn wir einen Menschen kennen lernen, so sollten wir ihn nach seiner Seele beurteilen und nicht nach seinen Markenjeans !

Genau so verhält es sich mit der Thora: Wir lesen und lernen die Erzählungen in ihr, doch bedeutet dies noch lange nicht, dass wir den inneren Kern, sprich die Seele der Thora, gefunden und verstanden haben !
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Im Judentum verstehen wir unter der Thora die Fünf Bücher Moses. Die Propheten sind kein Bestandteil der Thora.

Yahrzeit des Baal Shem Tov

B"H

Das morgen abend beginnende jüdische Feiertag "Schavuot" (Wochenfest) steht nicht nur für die Yahrzeit (Todesgedenktag) des König David, sondern auch der chassidische Meister Baal Shem Tov verstarb an dem Feiertag.

Der Baal Shem Tov verstarb am 6. Sivan (im Jahre 1760 gemäss des weltlichen Kalenders).

Sonntag, Juni 05, 2011

Schavuot Stories

B"H

Schavuot, das Wochenfest, steht vor der Tür. In der Schavuotnacht von Dienstag auf Mittwoch werden Tausende Juden die Nacht durchlernen. Thora, religiöse Vorträge aller Art, alles ist geboten. Der “Tikkun Le’il Schavuot” ist in jüdischen Kreisen sehr populär und selbst säkulere Juden aus Tel Aviv eilen in der Schavuotnacht von Vortrag zu Vortrag. Allgemein ist Schavuot der Tag, an welchem G – tt am Berg Sinai (Har Sinai) den Juden die Thora gab.  

Der Talmud Traktat Schabbat 88 lehrt, dass die Juden damals am Har Sinai die Thora nicht vollständig freiwillig annahmen, sondern eher aus Furcht vor G – tt. Was würde denn geschehen, sagten sie NEIN zu G – tt ? Nein, wie wollen die Thora nicht. Komplett verinnerlicht haben die Juden die Thora erst zu Zeiten als Haman die Ausrottung der Juden plante und Esther und Mordechai alles ins Lot brachten.

Schavuot ist ein freudiger Feiertag und tollen relig. Vorträgen (Schiurim). In Jerusalem ist es Tradition, am Shavuot Morgen bzw. in der Nacht zur Kotel (Klagemauer) zu gehen. Erst durchlernen und dann morgens um 4.00 oder 5.00 Uhr zur Kotel zum Schacharit (Morgengebet).

In früheren Jahren bin ein ein paar Mal wach geblieben, habe durchgelernt und war an der Kotel. Der Nachteil aber war, dass nach dem Morgengebet der Tag gelaufen war. Mit letzter Kraft schleppte ich mich ins Bett, wo ich dann den Rest des Feiertages verbrachte. Seither lerne ich nicht mehr durch, sondern gönne mir Schlaf.


Ein berühmter Schavuot – Brauch ist es, an dem Feiertag Milchspeisen zu verzehren. Seien es nun Käsekuchen, Milch, Joghurts oder Lasagne.

Und wie in jedem Jahr stelle ich mir wieder die Frage, ob ich für Schavuot bereit bin. Das unterschwellige eigene Hinterfragen, ob man denn auch bereit ist, die Thora zu empfangen. An die Antwort denke ich vorerst einmal nicht:-)

Aber Schavuot ruft in mir noch ganz andere Gedanken hervor. Nämlich die Erinnerung an mein schlimmstes Schavuot überhaupt, welches ich einmal im haredischen (ultra – orthodoxen) Stadtteil Kiryat Mattersdorf in Jerusalem verbrachte. 

Es war Schavuot im Jahre 1997 und zu der Zeit lernte ich noch auf einer nationalreligiösen Yeshiva. Allerdings schon mit einem Hang in die haredische Richtung. Einige Schülerinnen eines haredischen Seminars für Neureligiöse (geborene Juden, die erst im späteren Verlauf des Lebens religiös werden) hatten mich für Schavuot eingeladen. Und das in ihr Seminar im Jerusalemer Haredi – Stadtteil von Kiryat Mattersdaorf.

Zuerst wollte ich nicht so recht, denn dort hinzugehen, zu übernachten und den ganzen Schavuottag dort zu verbringen, war mir etwas zuwider. Schliesslich waren die Girls dort voll auf dem Ultratrip und ich war mir nicht sicher, ob ich das durchhalte. Letztendlich ging ich dann doch, denn schlimmstenfalls konnte ich zufuss heimkehren, da mein Seminar nicht allzu weit entfernt lag. 

Ich ging nach Kiryat Matterdorf hinüber und schon auf dem Weg merkte ich, dass ein Virus im Anmarsch war. Ich fühlte mich kotzübel und als ich in der Yeshiva ankam, musste ich mich erst einmal hinlegen. Der Plan aber war, abends zu Familien zum Essen zu gehen. 

Mir war nur noch speiübel und sonst passiert mir so etwas eigentlich nie. AlIe Girls waren total nett und ich lag auf meinem frisch gemachten Bett. Der Gesundheitszustand besserte sich nicht; eher das Gegenteil war der Fall. Fieber und das Gefühl, sich jede Sekunde übergeben zu müssen. All das ruinierte mein Schavuot. 

Dann kam auch noch eine deutsche Frau, welche sich als meine “Mitbewohnerin” des Zimmers im Ultraseminar herausstellte, ins Zimmer. Den Feiertag sollten wir im selben Zimmer nächtigen und das erste, was sie tat war, das Zimmer auf Muktze – Gegenstände zu filzen. 


Unter “Muktze” versteht man Gegenstände, deren Benutzung am Schabbat oder Feiertag verboten ist. Zumindest sollte man sie außer Sichtweite räumen, um keine Gefahr zu laufen, sie unabsichtlich zu benutzen. In die Muktze – Kategorie fallen verschiedene elektronische Geräte oder Kugelschreiber. Die Deutsche erspähte dann auch gleich ein paar Stifte auf einem Tisch und schon ging der Zoff los. Dabei waren es weder meine Stifte, noch hätte ich sie benutzt. 

Mein Feiertag wurde immer schlimmer und ich wäre am liebsten auf die Toilette gezogen, wo ich den Kopf in der Kloschüssel vergrabe. Die Deutsche dagegen verkündete, sie habe eine Familie zum Essen organisiert und da gehen wir heute abend hin. Keine Widerrede, denn wir müssen hier eine Schavuot – Mitzwah erfüllen. 

Ich schleppte mich also zu der Familie und unterwegs erklärte mir die Deutsche Einzelheiten zu den Leuten. Ich kann mich weder an Gesichter noch Namen erinnern. Nur soviel: Die Familie war sehr nett. Litvische Haredim, glaube ich. Mitbekommen habe ich kaum etwas, da ich nur noch darauf achtete, nicht in die Kidduschbecher zu kotzen. Eines jedoch weiss ich noch: Es wurde Lasagne serviert und ich aß ein kleines Stück. Die beste Lasagne, die ich je hatte. Nur schade, dass ich so gut wie gar nichts runterbrachte. Ich glaube, ich schlief am Tisch ein und irgendwann stolperte ich wieder ins mein Bett im Seminar.

Die Deutsche verkündete, wir müssen in der Nacht aufstehen, um früh an die Kotel zu gehen, aber das schaffte ich nicht und schlief durch. Als ich aufwachte, war die Hälfte der Girls schon an der Kotel und die daheimgebliebene Hälfte hockte herum und las eifrig Tehillim (Psalmen). Mir war immer noch übel und ich hatte Fieber. Als ich die Mädels da sitzen sah, reichte es mir und ich wollte nur noch weg. Sie zeigten sich besorgt, ob ich den Heimweg denn alleine schaffe, aber ich wollte um jeden Preis weg. Weg von all den Regeln, der stickigen Atmosphäre, dem guten Benehmen und dem Gruppenzwang. 

Zurück in meinem Yeshiva Wohnheim sah ich anderes. Die Girls redeten unbeschwert und es gab kein “Mach dies, mach das”. Ich ging ins Bett, wachte nach ungefähr einer Stunde auf und war fast geheilt. Das Fieber war heruntergegangen und die Übelkeit war entschwunden. Zwar war ich noch recht schwach, aber das Schlimmste war überstanden. Kaum zu glauben !

Es war das erste Mal als mir auffiel, dass jemand so furchtbar perfekt sein kann und alles super hinbekommt. Das ganze Schabbat – und Feiertagsprogramm rauf und runter einhält und noch darüber hinaus. Manchmal jedoch wünschte ich mir ein wenig mehr Rachmunes (Gnade, Erbarmen, Geduld) mit jenen, die da weniger perfekt erscheinen und nicht gerade dem Idealbild entsprechen. Wir alle besitzen unser individuelles Potential und sollten es nutzen. Mein Potential ist aber nicht das der deutschen Mitbewohnerin im Zimmer, die mich da zur Lasagne schleppte und mein Potential besteht ebenso wenig darin, den gesamten Tag Psalmen zu lesen.

The MACCABEATS im Weissen Haus

B”H

Youtube macht Stars ! Dies jedenfalls erfuhr die jüdische Cappella Group mit ihrer Chanukkah – Version “Candlelight” vor etwas mehr als einem halben Jahr. Seither sind die MACCABEATS so etwas wie Stars in israelisch – religiösen und in den USA. 

Ursprünglich handelt es sich bei den Gruppenmitglieder um jüdisch – orthodoxe Studenten der amerikanischen

Jetzt war die Gruppe im Weissen Haus und dazu erschien gleich ihr aktuelles Video. Ob sie jedoch den Erfolg von "Candlelight" nochmal wiederholen können ?

Schavuot kommt

B”H

Am Dienstag abend beginnt Schavuot (das Wochenfest). Die jüdische Welt feiert den Erhalt der Thora von G – tt am Berg Sinai (Har Sinai). 

Von Dienstag abend bis Mittwoch abend feiert Israel Schavuot und die Diaspora hängt noch einen zweiten zusätzlichen Tag (Donnerstag) dran.

Ein traditioneller Schavuot – Brauch ist der Verzehr von Milchprodukten. In Deutschland herrscht ja allgemein Ehec – Gefahr, in Israel hingegen nicht. Ab morgen beginnt der Run auf Milchprodukte aller Art, wobei Käsekuchen und Käse überhaupt die wichtigsten Rollen einnehmen. Es ist anzunehmen, dass, pünktlich zum Feiertag, die Preise für richtig guten Frischkäse direkt vom Händler wieder einmal saftig ansteigen. Jedenfalls vor dem Fest.

Dieser Tage plane ich einige Artikel zum Schavuot. Private Stories wie Chassidisches und wie was gefeiert wird. Insgesamtes ist der Feiertag ein freudiges Ereignis und wer kann, sollte ihn in Jerusalem begehen. Ich kann leider nicht und werde mich in Tel Aviv nach relig. Vorträgen umschauen. Immerhin werde ich am Tag vor Schavuot in Jerusalem sein.

Samstag, Juni 04, 2011

Leserfrage: Was bedeutet MACHON auf Deutsch ?

B”H

Ein Blogleser googelte die Frage, was denn das hebräische Wort MACHON auf Deutsch heisse.

Hier die Antwort: MACHON bedeutet INSTITUT.

Donnerstag, Juni 02, 2011

Rabbi Yitzchak Ginzburgh zur Thoralesung NASSO



Der Chabad (Lubawitscher) Rabbi Yitzchak Ginzburgh zur Thoralesung NASSO an diesem Schabbat.


Vokabeldefinition: TESCHUVA = UMKEHR ZU G - TT

Rosh Chodesh SIVAN - ראש חודש סיון

Photo: Chabad.org

B"H

Morgen (Freitag) beginnt der neue jüdische Monat SIVAN (Rosh Chodesh Sivan). Den ganzen morgigen Tag über feiern wir Rosh Chodesh Sivan und dadurch ergeben sich einige Veränderungen (Zusätze) in den täglichen Gebeten. So fügen wir, u.a., im Birkat HaMazon (Blessing after the Meal - Segen nach dem Brotessen) das "Yaale Ve'Yavo sowie den Segen für Rosh Chodesh ein.


Jeder neue jüdische Monat steht gleichzeitig auch für einen Neubeginn in unserem Leben. Jeden Monat, ja, sogar täglich, haben wir die Möglichkeit, unser Leben zum Positiven zu verändern. Vor allem der Sivan repräsentiert einen Neubeginn, bekamen wir doch in dem Monat die Thora am Berg Sinai. Die Israeliten erhielten die Thora am Schabbat (Talmud Schabbat 88) und begannen somit ihr Leben völlig neu.

Das kabbalistische Buch "Sefer Yetzirah" (The Book of Creation) lehrt, dass jeder jüdische Monat einen Buchstaben, ein menschliches Organ, ein Sternzeichen, einen israelitischen Stamm und einen Sinn repräsentiert.
Der Buchstabe des Sivan ist das Zain ז. Im Hebräischen steht jeder Buchstabe gleichzeitig auch für eine Zahl und Zain steht für die Zahl 7. Im Judentum bedeutet die Sieben immer eine Vollständigkeit. Heißt, etwas ist vollkommen. G - tt erschuf die Welt in sechs Tagen und am siebten Tage ruhte Er. Die Erschaffung war demnach am siebten Tage komplett. Die Sieben des Buchstaben Zain drückt die Vollständigkeit aus, denn die Juden waren 49 Tage nach dem Auszug aus Ägypten würdig, die Thora zu erhalten. Genauso wie der Erschaffungsprozeß komplett war, so waren dies die Juden mit dem Erhalt der Thora.

Der israelitische Stamm des Sivan ist der Stamm Zevulon. Die Mitglieder Zevulons waren erfolgreiche Geschäftsleute und mit ihrem erwirtschafteten Gewinn versorgten sie den Stamm Yissachar. Zwischen beiden Stämmen bestand diese besondere Verbindung: Yissachar lernt Thora und Zevulon kümmert sich um die Geschäfte und versorgt finanziell Yissachar.

Auch heute finden wir genügend Beispiele für solch ein Vorgehen. Wenn ein Geschäftsmann nicht viel Zeit zum Thoralernen aufbringen kann, er jedoch Geld an religiöse Lehrinstitute (u.a. Yeshivot) spendet, dann wird ihm das genauso angerechnet als habe er selbst Thora gelernt.

Das menschliche Organ des Sivan ist der linke Fuß und der Sinn ist das Gehen. Das Gehen drückt Fortschritt und Dynamik aus. Wir bewegen uns in eine andere Richtung fort, nämlich in die der Thora. Das Sternzeichen sind die Zwillinge, die wiederum symbolisch für Moshe und Aharon stehen.

Der Feiertag des Sivan ist natürlich Schavuot (das Wochenfest). Schavuot begehen wir am 6. Sivan, welcher in diesem Jahr auf den 8. Juni fällt. Am Dienstag abend (7. Juni) beginnt Schavuot und nach dem abendlichen Festessen ist es Tradition, die ganze Nacht durchzulernen. Wer sich in Jerusalem befindet, der besucht am frühen Morgen (ca.4 oder 5 Uhr) die Kotel (Klagemauer) zum Morgengebet Schacharit. Tausende Juden werden durchlernen und in Israel, besonders in Jerusalem, werden kostenlose Programme angeboten. 


Wer als Tourist in Israel weilt, der sollte wissen, dass Dienstag somit nur ein "halber" Wochentag ist und die Busse ihren Verkehr am späten Nachmittag einstellen. Genauso wie die Geschäfte früher schliessen. Ab Mittwoch abend (8. juni) geht, zumindest in Israel, alles wieder seinen geregelten Gang.

Chodesh Tov - Eine guten, erfolgreichen und gesunden Monat Sivan !!!!

Parashat NASSO - פרשת נשא


Photo: Mark Rothko

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Parashat Nasso ist ungewöhnlich lang und enthält viele verschiedene Mitzwot (Gesetze). In der Regel wird Nasso entweder am Schabbat vor oder nach Schavuot gelesen. Schavuot (das Wochenfest), der Tag, an dem die Juden am Berg Sinai von G - tt die Thora erhielten, feiern wir in der kommenden Woche am Dienstag abend sowie am Mittowch. In der Diaspora wird der Donnerstag als zweiter Feiertag angehängt !

Zu Beginn der Parasha wird Moshe von G - tt angewiesen, die Gershoniter zu zählen. Levi (der Sohn des Vorvaters Yaakov) hatte drei Söhne, Gershon, Kehat und Merari. Kehat war der Vater von Amram und Amram wiederum war der Vater von Miriam, Aharon und Moshe. 

Die Nachfahren der drei Söhne von Levi wurden mit unterschiedlichen Aufgaben bezüglich des Auf - u. Abbau des Mischkans (Tabernakel) betraut. Die Kehaniter trugen die besonders heilige Objekte wie die Menorah oder die Bundeslade (Aron) durch die Wüste. Dagegen trugen die Geshoniter sämtlich Vorhänge aus dem Mischkan, aufgrunddessen man annehmen könnte, dass die Kehaniter wichtiger waren.
Rabbi Moshe Feinstein kommentierte hierzu, dass kein Mensch eine niedrigere Aufgabe oder Bedeutung hat als andere. Manager sind nicht wichtiger als Hausmeister oder Büroangestellte. Jeder hat seine bestimmte Aufgabe im Getriebe, ohne die nichts funktionieren könnte. Genauso ist die hiesige Welt zu betrachten. Wir alle wurden von G - tt individuell mit unseren ganz bestimmten eigenen Aufgaben erschaffen.

Die Thora fährt fort mit der Beschreibung, dass unreine Personen für eine gewisse Zeit außerhalb des israelitischen Camps verweilen müssen. Danach folgt die Beschreibung der ehebrecherischen Ehefrau (Sotah), des Nazir und der Segen der Cohanim (Tempelpriester), um nur einige der vielen Mitzwot zu nennen.

Die Parasha erzählt uns von einer für uns heute recht seltsam klingenden Prozedur. Eine Ehefrau, welche ihren Mann betrogen hat, soll das sogenannte "Mei Sotah - das bittere Wasser" trinken. Der Talmud Traktat Sotah geht sehr ausführlich auf das Thema ein. 
Wenn eine Ehemann seine Frau verdächtigt, eine Affäre mit einem anderen Mann zu haben, dann muss er sie zuvor warnen, nicht mehr mit diesem Mann zu sprechen, geschweige denn ihn zu teffen. Die Warnung muß in der Anwesenheit von mindestens zwei Zeugen erfolgen (Talmud Sotah 2a). Ignoriert die Frau die Warnung ihres Mannes und fährt mit ihren eventuellen Vergehen fort, werden Zeugen geladen. Bestätigen die Zeugen, dass Frau Sowieso sich mit jenem Mann trifft, so kann der Ehemann seine Frau nach Jerusalem zum Tempel bringen lassen. Entweder gesteht sie vor dem Sanhedrin (bestehend aus 71 Richtern) ihre Vergehen oder sie streitet alles ab.

Gesteht sie den Ehebruch, so kann sich der Mann scheiden lassen. Streitet sie alles ab, verabreichen ihr die Cohanim (Tempelpriester) das bittere Wasser (Talmud Sotah 7a). Sollte sich die Frau von vornherein ganz weigern nach Jerusalem zu gehen, hat der Ehemann das Recht sich scheiden zu lassen. Allerdings besteht dabei der Nachteil für die Frau, dass sie ggf. niemals ihre Unschuld beweisen kann.

Angenommen die Frau brach die Ehe, streitet jedoch vor den Sanhedrin alles ab und ihr wird das bittere Wasser verabreicht. Wie genau sah die Prozedur aus ?

Die Frau wurde von den Cohanim an eine bestimmte Stelle im Tempel geführt, sie mußte ihre Kopfbedeckung vom Haar nehmen und ihre Kleider wurden zerrissen. Dieses Verfahren allein war schon beschämend für die Frau. Auf einen Zettel wurde zweimal der gleiche Name G - ttes geschrieben (siehe das kabbalistische Buch ZOHAR) und sobald einer der beiden verschwand oder auch nicht, zeigte das u.a. die Schuld bzw. Unschuld der Frau an.

Die Gemara (rabbinische Diskussionen) im Talmud Sotah 26b schliesst allerdings Frauen, welche ein sexuelles Verhältnis mit einem Tier hatten aus. Derlei Frauen brauchen keine Sotah - Prozedur durchlaufen genauso wenig wie jene Frauen, die Sex mit einem Minderjährigen hatten (siehe ebenso den RASCHI Kommentar). In diesen Fällen dürfte eine sofortige Ehescheidung bzw. anderweitige rabbinische Bestrafungen erfolgen. Der Rambam (Maimonides), 1135 - 1204, legt in seiner Mischna Thora / Hilchot Sotah 1:6 fest, dass nach seiner Auffassung das Alter des Minderjährigen unter 9 Jahren sein muss. Ab dem neunten Lebensjahr wäre ein Junge geschlechtsfähig. Der Rambam beruft sich bei seiner Festlegung auf zahlreiche Midraschim.

Bei dem bitteren Wasser handelte es sich um Wasser aus dem Kiyor (Becken im Tempel) vermischt mit etwas Erde vom Boden vor dem Allerheiligsten (Azarah). Die Frau trank es aus einer neuen Tonschale. Wenn die Frau das Wasser trank und es stellte sich keinerlei Wirkung ein und sie blieb am Leben, bedeutete dies ihre Unschuld. Wenn sie schuldig war, blähte sich ihr Magen auf und sie starb einen qualvollen Tod. Das bittere Wasser war die einzige g - ttliche übernatürliche Strafe in dieser Welt. Alle anderen Vergehen wurden halachisch durch die Sanhedrin geahndet und auch bestraft.

In der Midrasch Tanchuma gibt es die berühmte Story von der ehebrecherischen Frau, welche versuchte, die Sanhedrin zu betrügen. Sie schickte einfach ihre Zwillingsschwester um das bittere Wasser zu trinken. Wie erwartet, starb diese nicht, denn sie war unschuldig. Als die Zwillingsschwester mit der guten Nachricht zu ihrer ehebrecherischen Schwester heimkam, küßte sie die Schwester vor Freude. Das bittere Wasser, was noch auf ihren Lippen war, tötete jedoch die schuldige Schwester.

Warum gibt uns G - tt in seiner Thora solch ein Gesetz und was bedeuten unsere Vergehen für uns und Ihn ?

Im Falle des Ehebruchs sieht das kabbalistische Buch "Shushan Sodot" einen Bruch zwischen G - ttes Willen und dem menschlichen Handeln. G - tt hat ein bestimmtes Ehepaar zusammengeführt, welches eine Einheit bildet, und ein Ehepartner zerstört diese Einheit. Mit unseren halachischen Vergehen beschädigen wir nicht nur unsere Neschama (Seele), sondern genauso die "oberen spirituellen Welten". Jedes einzelne Vergehen entfernt uns immer mehr von G - tt. Im Talmud Sotah 3a lesen wir, dass kein Mensch sündigt bis ihn ein "Ruach Schtut (dummer Gedanke)" überkommt. Manches wollen wir eigentlich gar nicht tun, da wir genau wissen, dass es falsch ist, doch irgendwie überfällt uns ein Gedanke, dass alles nicht so schlimm wäre und wir es eh nie wieder tun.

Im Judentum heißt es, das ein Vergehen gleich das andere nach sich zieht (Averah goreret Averah). Sobald wir einmal beginnen, hören wir nicht mehr auf und denken, dass es ja eigentlich erlaubt sei (Talmud Sotah 22a). Hat man sich erst einmal an ein Vergehen gewöhnt, so wird alles als erlaubt angesehen und es kommt kaum noch zu einer Teschuvah (Umkehr), so die Talmudkommentatoren Rashi und RIF. Das Schlimme dabei ist, dass sich Außenstehende auch noch dazu verleiten kann, etwas zu tun, was sie gar nicht wollen.

Der Ishbitzer Rebbe sagt, dass wir nicht zulassen sollen, dass fremde Gedanken unser Leben beherrschen. Wie der Nazir schwört, sich von diversen Unreinheiten und vom Alkohol fernzuhalten, so sollten wir nicht allen Verführungen des Lebens erliegen und uns in niedrige spirituelle Level katapultieren.

Rabbi Samson Raphael Hirsch sieht im Ehebruch der Sotah ein Verlassen des moralischen Weges eines Menschen. Niemand sündigt, wenn er nicht gerade in dem Moment, wenn auch nur zeitweilig, das wahre Konzept des Lebens verliert.

Jedoch stelle ich mir diesbezüglich die Frage, ob nicht ein gewisses Verständnis für einen Ehebruch aufkommen kann, wenn die Ehe eh nicht mehr läuft und ernsthaft von Scheidung geredet wird. Die Halacha sieht in dem Falle erst eine Scheidung vor bevor es überhaupt zum Sex mit einem anderen Partner kommen kann. Und dies wiederum, lt. Judentum, erst nach einer erneuten Heirat, denn außerehelicher Sex ist untersagt.

Anmerkung: Im Judentum ist es, im Gegensatz zum Christentum, nach einer Scheidung durchaus erlaubt, wiederzuheiraten. Wollen dieselben Parteien nach ihrer Scheidung nochmals heiraten, dann kann diese erneute Hochzeit nur dann stattfinden, wenn die Frauen zwischenzeitlich mit keinem anderen Mann verheiratet war (nach der Scheidung). Ansonsten darf jede der geschiedenen Partei ein zweites Mal heiraten.

Der Ramban (Nachmanides), 1194 - 1270, stellt in seinem Thorakommentar die Frage, warum uns die Thora erst von der ehebrecherischen Frau (Sotah) berichtet und danach vom Nazir (Jemand, der auf bestimmte Zeit dem Wein abschwört, keinen Leichnam berühren darf, sich nicht die Haare schneidet und auch sonst noch einige Regelungen auf sich nimmt, um sich zu perfektionieren und G - tt näherzukommen). Übrigens ist ebenso eine Frau in der Lage, den Schwur eines Nazirs auf sich zu nehmen !

Wer eine ehebrecherische Frau in ihrer Pose sieht, halte sich von ihr fern und trinke keinen Wein, denn Prostitution und Wein können einer Person das Herz stehlen und somit geht man derjenigen Frau auf den Leim.

Natürlich heißt es im Judentum immer wieder, dass jeder Mensch die Möglichkeit zur Teschuva (Umkehr) nutzen kann. Manchmal muß man sehr tief fallen, um danach viel höher aufzusteigen (so die Chassidut). Doch ein ganz tiefer Fall verursacht häufig so tiefe Depressionen, dass derjenige sich für unwürdig zur Teschuva fühlt und erst recht abstürzt. Dies ist die schlimmste Depression, welche einem wiederfahren kann und trotz allen Chaos sollten wir jeden neuen Tag mit neuem Optimismus begegnen. Zumindest sollten wir versuchen, dies zu tun.

Schabbat Schalom

Ein Nana - Breslover Chassid im Machane Yehudah Markt in Jerusalem


Ein Nana - Breslover auf Jerusalems Machane Yehudah Market. Ein wahrlich nicht seltener Anblick !

Photo: Miriam Woelke

Links:

The Heart of the Jewish People


Jerusalem feiert seinen YOM YERUSHALAIM


Jerusalems "March of the Flags – Marsch der Flaggen" am Mittwoch nachmittag dieser Woche.

Alle Photos HIER !

B"H

Jerusalem feierte seinen 44. Jahrestag der Befreiung und Wiedervereinigung, nachdem die Jordanier die Stadt seit 1948 besetzt hielten. Nachdem Israel den Sechs – Tage – Krieg im Juni 1967 gewonnen hatte, gehörte Jerusalem wieder ganz den Juden. Inklusive der Oberhohheit auf dem Tempelberg. Nach vielen Jahren waren Juden endlich wieder in der Lage den freien Zugang zur Klagemauer (Kotel) zu geniessen.

Leider gab der linke Politiker und damaliger Verteidigungsminister Moshe Dayan den Moslems (damals nannten sich die Palästinenser noch Araber und nicht Palästinenser) den Schlüssel zum Tempelberg (Har HaBait). Zwar ist Israel bis heute für das Gebiet verantwortlich, doch insgeheim herrscht die moslemische Tempelwache “Wakf” akribisch über das Territorium um den Felsendom und die Al Aksa Moschee. 

Zurecht mag man sich fragen, was passiert wäre, hätte Moshe Dayan Mut bewiesen und die Araber vom Tempelberg geschmissen. Sehe unser Land heute anders aus ?

Viele Male hörte ich, wenn Leute sich beschweren, dass Dayan ja wohl einen Schaden hatte; den Arabern den Tempelberg wieder einzuräumen und sie da zu belassen. Das sei doch absoluter Schwachsinn gewesen. Andererseits sage ich mir, dass es vielleicht nicht an der Zeit war, dass die Juden den Tempelberg wieder ganz für sich einnehmen. Anscheinend war Moshe Dayan ein Werkzeug G – ttes, welcher da andere Pläne hatte und es weder an der Zeit für den Tempelberg noch für Meschiach war.

Heutzutage steht der Yom Yerushalaim für den Tag des nationalreligiösen Movements samt deren Flaggenparade durch die Stadt bis hin zur Klagemauer.

Der Marsch kennt eine Geschlechtertrennung und üblicherweise laufen die nationalrelig. Mäer vorweg. Singend, tanzend und Fahnen schwenkend. Danach folgt das weibliche Geschlecht mit denselben Tätigkeiten. Ja, nationalreligiöse Mädels tanzen öffentlich, was haredische (ultra – orthodoxe) Frauen niemals vor männlichem Publikum tun würden.

Selbstverständlich ist Jerusalem stolz auf seine Wiedervereinigung, doch die Frage, die bleibt ist, wielange dieser Zustand noch anhält, wenn da Netanyahu mit Obama über die Stadt kungelt. Mag ja sein, dass Jerusalem sich bald wieder geteilt wiederfindet.

Irgendwie wurde ich in Jerusalem nie das Gefühl los, dass die Stadt eh geteilt war und blieb. Hier die Araber, da die Juden. Die Palästinenser können sich frei in der Stadt bewegen, Juden dagegen bleibt dies verwehrt. Nicht viele Juden wagen sich in arabische Stadtviertel, denn man ist nicht willkommen. Viele Male werden wir verflucht, beschimpft oder es finden brutale Übergriffe seitens der Araber statt.


Das Damaskus Tor in Ost - Jerusalem
Photo: Miriam Woelke

Auch ich hege keine besonders guten Gefühle, wenn ich mich denn einmal in der Gegend des Damaskus Tores aufhalte. Auf dem Territorium der Hamas und ihrer Fangemeinschaft. Das Tor selbst weist eine antike jüdische sowie römische Historie auf, aber fühlen wir uns heute tatsählich zu dem Ort verbunden ? Die nationalrelig. Organisation "Ateret Cohanim" kauft im Verborgenen Immobilien von verkaufswilligen arabischen Besitzern, welche ihren Grundbesitz unter Lebensgefahr an Juden veräußern. Finden die arabischen Brüder das heraus, geht es dem moslemischen Verkäufer an Leib und Seele.

Trotz aller Vorsätze kommt es mir dennoch so vor als habe Jerusalem seine Teilung niemals richtig überwunden geschweige denn aufgegeben.

Mittwoch, Juni 01, 2011

Debatte: Rabbiner und Christlicher Geistlicher


Rabbi Hirsch Perez Chajes, der Gemeinderabbiner von Wien




Photos: Miriam Woelke
B”H

Das Grab des Rabbiners Hirsch (Hebräisch: Zvi) Perez Chajes fand ich eher zufällig auf dem Tel Aviver Trumpeldor Friedhof. 

Rabbi Chajes wurde im Jahre 1876 in Brody (heute Ukraine) geboren. Später arbeitete er als Rabbiner in Florenz. Von 1918 bis zu seinem Tod im Jahre 1927, diente er als Gemeinderabbiner in Wien. Nach seinem Tod wurde seine Leiche nach Palästina überführt und auf dem Trumpeldor Friedhof begraben.