Dienstag, November 08, 2011

Tel Aviv, Jerusalem, Tel Aviv, Jerusalem ...


Jerusalem, Jaffa Road

Photo: Miriam Woelke
B"H 

Es hat etwas gefehlt. Obwohl ich ganz sicher nicht super und perfekt fromm bin, gibt es dennoch gewisse Dinge im Leben, auf die ich nicht verzichten will. Kaschrut (koscheres Essen), jüdische Feiertage und Schabbat, zum Beispiel.

Innerhalb der letzten Jahre konnte ich mich nie so richtig entscheiden, wo ich leben will. Alles Geld der Welt würde mir dieses Problem nicht lösen können. Tel Aviv, der Norden oder Jerusalem ? Um es kurz zu machen: Ich bin in letzter Zeit so ziemlich herumgekommen. :-)))

Es wäre völlig falsch, Jerusalem und Tel Aviv miteinander zu vergleichen, denn beide Städte besitzen ihren eigenen individuellen Charakter. Hätte ich genügend Geld, dann würde ich zwei Wohnungen mieten. Eine in Jerusalem und die andere in Tel Aviv. Je nachdem wie meine Stimmung ist, könnte ich mich dann in an den entsprechenden Ort begeben. Leider wäre die Lösung etwas zu teuer und obwohl ich, bis auf Weiteres, keinerlei finanzielle Not erleide, sind zwei Apartments dann doch zuviel.

Da sich in diesen Wochen so einiges in meinem Leben verändert, entschied ich mich eine neue Bleibe zu suchen. Die derzeitige Wohnung ist zu winzig und dazu recht teuer. Vielleicht nicht zu teuer für die Gegend, doch wenn ich die Quadratmeterzahl anschaue, dann sicherlich. Die Mieten in Tel Aviv sind unbeschreiblich hoch. Vorhin schaute ich mit einem Freund durchs Internet und wir fanden eine kleine Wohnung angeboten für 1000 Schekel. Nur mal so aus Spaß an der Freud schauten wir uns das dazu eingescannte Photo an und fielen fast in Ohnmacht. Ein Rattenloch mit einem alten ranzigen Bett darin und der Vermieter schämt sich noch nicht einmal für solch eine Offerte.

Die Frage ist: Wo fühle ich mich am wohlsten ?
Antwort: Keine Ahnung. Ich liebe zwei Städte und fühle mich in beiden zuhause

Die beste Schabbatatmosphäre der Welt aber existiert nur in Jerusalem. Nichts ist schöner als an einem Freitag nachmittag die Atmosphäre des anstehenden Schabbat auf dem Machane Yehudah Markt zu geniessen. Den CD Shop, der da “Schalom Aleichem” rauf und runterspielt. Die blonde aufgetackelte Frau, die da ihre Borekas (Blätterteig mit Käse, Kartoffelbrai oder Pilzen) versucht an den Mann zu bringen und pausenlos ruft “Borekas Cham, Borekas Cham – Heisse Borekas !” All das ist einzigartig und in Tel Aviv habe ich kaum jemals eine Schabbatatmosphäre verspürt.

Zum Zweiten vermisse ich die chassidischen Tische von Mea Shearim. Gut Bnei Brak hat auch etwas, doch Mea Shearim ist es nun einmal nicht.

Andererseits werde ich die Tel Aviver Mentalität und die unendlichen Freiheiten vermissen. Die Stadt ist hochgradig kosmopolitisch und Jerusalem dagegen ein Dorf. Zu viele Haredim (ultra – orthodoxe Juden) in Jerusalem ? Manchmal fühle ich schon den Hauch eines Ghettos.

Um es kurz und präzise zu sagen: Ich habe mich entschlossen, nach Jerusalem zurückzuziehen. Meine vielen Freunde dort tragen einen wesentlichen Teil zu der Entscheidung bei. Klar ist es eine Herausforderung, in diesen Wochen ausgerechnet nach Jerusalem zu ziehen. Immerhin klopft gerade der Winter in Israel an die Türe und allein gestern war es in Jerusalem saukalt. In Tel Aviv sind die Winter viel milder, in der Hauptstadt jedoch muss man sich richtig warm anziehen

Ich werde Tel Aviv wie sonst etwas vermissen, aber es gibt ja Busse und ich kann jederzeit einen Besuch einschieben!

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