Montag, Juli 09, 2007

Die Bnei Noach

B"H

Nicht jeder, der sich entschliesst, nur noch an den EINEN G - TT zu glauben, muss sogleich zum Judentum konvertieren. Sich den Kirchen zu entsagen und statt an Trinitaeten an nur einen allmaechtigen G - tt, der die Welt erschuf und unser Dasein lenkt, zu glauben, muss nicht automatisch bedeuten, Jude werden zu muessen.

Jeder sollte vor dem Schritt der Konversion zum Judentum (des Giur) zuerst einmal in Erwaegung ziehen, ein Noachide (Ben Noach) zu werden oder sich zumindest mit diesem Begriff auseinandersetzen. In Europa sind die Noachiden leider noch recht unbekannt, wogegen sie in den USA zu einer grossen Bewegung geworden sind. Nicht jeder, der an nur einen G - tt glaubt ist dafuer gemacht, sich die 613 juedischen Mitzwot und ein juedisches Leben aufzuladen. Die sieben Gesetze fuer die Noachiden ermoeglichem es jedem einzelnen, sein Leben ganz normal und ohne groessere Einschraenkungen oder Aenderung seiner Identitaet weiterzuleben.

Fuer die Mehrheit der Konvertiten zum Judentum waere es besser, sie waeren Noachiden geworden, denn ohne die Einhaltung der Mitzwot haben sie im Judentum kaum etwas verloren. Umso mehr moechte ich einmal die juedisch - halachische Seite der Bedeutung der Noachiden im Judentum darstellen.

Die Noachidischen Gesetze erhielten ihren Namen aufgrunddessen, dass die gesamte Menschheit von Noach und seinen Soehnen abstammt. Nachdem Noach mit seiner Familie die Arche verliess, machte G – tt einen neuen Bund mit den Menschen. Der Bund beinhaltete unter anderem auch, dass von nun an Fleisch gegessen werden durfte.
Im Talmud Sanhedrin 56a - b heisst es, dass Noach das siebte und letzte Gesetz der sieben Noachidischen Gesetze bekam. Die vorherigen sechs hatten schon Eva (Chava) und Adam im Paradies erhalten.

Die Noachidischen Gesetze sind in der Gemara des Talmud Traktates Sanhedrin 56a verankert und lauten:

1. Die Einrichtung von Gerichten

2. Der Name / die Namen G – ttes duerfen nicht geschaendet oder einfach nur sinnlos verwendet werden.

3. Goetzendienst ist verboten. Heisst, man verpflichtet sich nur an einen einzigen G – tt glauben, ohne jegliche Trinitaeten, Stellvertreter oder Soehne.

4. Sexuelle Perversionen sind verboten.

5. Mord ist verboten.

6. Diebstahl ist verboten.

7. Ein Organ, Blut oder ein Gelenk von einem lebenden Tier zu entfernen und zu verzehren ist verboten.

Die Gemara fuegt noch das Verbot der Sterilisation und des Wahrsagens hinzu.

Wer diese sieben Gesetze auf sich nimmt, der ist automatisch ein gerechter Nichtjude (righteous Gentile) und hat einen Platz in der kommenden Welt (Olam Habah) (siehe Talmud Sanhedrin 105a). Im Judentum glauben wir, dass jeder gerechte Mensch einen Platz in der kommenden Welt hat. Egal ob Jude oder Nichtjude. Niemand wird ausgeschlossen.

Des weiteren brauchen die Noachiden auch keinen Shabbat halten. Laut der Mishna Berurah (Hilchot Shabbat) ist es ihnen erlaubt, am Shabbat fuer ihre Zwecke zu arbeiten. Allerdings kann ein Jude ihnen nicht auftragen etwas fuer ihn zu arbeiten oder zu tun.

Die Halacha genauso wie der Talmud Shabbat besagt, dass ein Nichtjude niemals den Shabbat ganz einhalten darf (halachisch), sondern nur ein Jude. Woertlich heisst es, dass es schlimmer ist, wenn ein Nichtjude den Shabbat einhaelt als das ein Jude den Shabbat brechen wuerde. Demzufolge wird der Nichtjude bei einer etwaigen Einhaltung des Shabbats haerter bestraft als ein Jude, der den Shabbat nicht einhaelt.
Auch muss sich ein Noachide nicht an die Koschergesetze (Kaschrut) halten. Beispiel: Er darf durchaus Fleisch essen, welches nicht rituell geschaechtet worden ist (Talmud Yevamot 48b).

Laut Talmud Yevamot 48b erhaelt ein Noachide, wenn er in Israel lebt, den Status eines Ger Toshav, was heisst, dass er in Israel unter den Juden leben darf. An dieser Stelle muss ich allerdings darauf hinweisen, dass diese Regelung heutzutage NICHT gilt, denn unser Innenministerium hat da etwas andere Bestimmungen. Zu talmudischer Zeit jedoch war es durchaus der Fall, dass ein Ger Toshav in Israel leben durfte.

Keine juedische Gruppe ist dermassen mit der Promotion ein Noachide zu werden beschaeftigt, wie die chassidische Gruppe Chabad (Lubawitsch). Bei Chabad erfahrt ihr alle Einzelheiten zum Thema, siehe Link oben.

Ein beruehmter Ben Noach (Noachide) macht ab und an Schlagzeilen in Israel. Es handelt sich dabei um den amerikanischen Archaeologen Vendyl Jones, der frueher glaeubiger Christ war, doch sich dann den Noachiden zuwandte. Seine Kinder konvertierten alle zum Judentum und leben heute in Israel. Vendyl Jones selbst will nicht konvertieren, denn als Archaeologe hat er sich auf die Ausgrabungen von Tempelreliqien spezialisiert. u.a. fand er die Ketoret (Gewuerze zur Opferung) aus dem Tempel und es gelten verschiedene Halachot, dass gewisse Tempelreliquien in bestimmten Faellen nur von Nichtjuden angefasst werden duerfen. Dies bezieht sich auf die Zeit, in der wir keinen Tempel haben.
Als Vendyl Jones die Ketoret fand, durfte nur er die Gewuerze entzuenden und schauen, ob es sich bei dem Fund wirklich um die Ketoret handelte. Juden duerfen ohne Tempel keine Ketoret zuenden, denn dies bedeutet fuer uns eine g – ttliche Todesstrafe (siehe Talmud Keritot).

Ein Noachide kann zum Judentum konvertieren, aber sollte er sich danach entscheiden, doch lieber wieder nur Noachide zu sein, so ist dies unmoeglich (siehe Mishna Thora – Sefer Shoftim – Kapitel 10 vom Rambam). Halachisch bleibt ein Jude immer ein Jude, egal welcher Religion er sich zuwendet.

Kommentare:

  1. Jakobo11:06 AM

    Hi Miriam:

    Was ich nicht verstehe, ich meine weil
    Du von einer Bewegung schreibst. Sind
    nicht eigentlich alle Nichtjuden Noachide?
    Ich meine die 7 Gesetze gelten ja auch
    für alle Nichtjuden. Und genauso wie
    sich ein Jude entscheiden kann die
    Mitzwes zu erfüllen, kann sich ja auch
    ein Nichtjude entscheiden die 7 Gesetze
    zu erfüllen. Oder habe ich da was nicht
    verstanden? Ich frag auch nach, weil Du
    gemeint hast dass sich da Chabad sehr
    einsetzt. Ich finde das etwas seltsam.
    Was machen die genau?

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  2. Dorothea Techentin11:36 AM

    Danke fuer Ihren interessanten Bericht! Wir sind Bnei Noach in Deutschland und haben eine Webseite angefangen: www.kinder-noah.de

    Leider ist das Thema hierzulande noch sehr unbekannt und wir wollen versuchen, dies zu aendern.

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  3. B"H

    @Jakob

    Um ein Noachide zu sein, kann man nicht an J. glauben !!!
    Man muss sich schon entscheiden, nur an den EINEN G - TT zu glauben, wie ich in dem Artikel schrieb. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt bei den Noachiden !!!

    @Dorothea
    Ich werde Ihren Link mit in den Beitrag stellen.

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  4. Anonym4:32 PM

    Nun, als Ben Noah ist man dann irgendwo im Limbus.

    Man hat aber seine Spiritualität und will auch in der Gemeinschaft mit Gott reden: in die Synagoge kommen, regelmäßig beten, Shabbat und Feiertage feiern usw. Letztendlich eine Identität haben.

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  5. B"H

    Als Ben Noach kann mehr sehr wohl seine eigene Identitaet haben. Ich selbst kenne jemanden, der damit keine Probleme hat.

    Wie gesagt, um Jude zu sein, gehoeren noch ein paar andere Dinge dazu, ausser zu beten und Feiertage zu feiern. Dafuer wiederum sind viele nicht bereit und da sind die Noachiden eine sehr gute Alternative.

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