Montag, Juli 28, 2008

Neue haredische Proteste

B"H

Die israelische Supermarktkette "Schefa" ist nach wie vor mit einem haredischen (ultra – orthod.) Bann versehen. Wie ich schon mehrere Male in der Vergangenheit berichtete, gehört "Schefa" zur "Dor – Alon Gruppe", welche ebenso die Supermarktkette "AM:PM" besitzt. Und genau der "AM:PM" ist das eigentliche Problem, denn die Filialen haben am Schabbat geöffnet. Wer heute durch Tel Aviv oder das benachbarte Ramat Gan geht, der findet fast an jeder Straßenecke eine dieser Filialen. Die Produkte sind im Wesentlichen koscher, doch die Öffnungszeiten am Schabbat halt nicht.

Die "Schefa" – Kundschaft besteht zum größten Teil aus Haredim oder den Nationalreligiösen und es war der litvische geistige Führer, Rabbi Eliyashiv, der den Bann zusammen mit dem Rebben der Chassidut Gur, Rebbe Yaakov Aryeh Alter, ausrief:
Solange "AM:PM" am Schabbat verkauft, bleibt der Bann auf den noch so haredischen "Schefa" bestehen.



Der "Schefa" - Markt


Es entzieht sich meiner Kenntnis, wie das "Schefa" – Management mit den finanziellen Verlusten fertig wird. Manchmal vergessen wir alle sogar das Thema und es ist unklar, ob der Bann noch aktuell ist oder nicht. Vor zehn Tagen war ich in Bnei Brak und dort wurde mir mehr als klargemacht, dass der Bann nichts an Aktualität verloren hat. Warnende Poster überall an den Hauswänden. Man solle bloß nicht bei "Schefa" einkaufen.

Lokalzeitungen in Tel Aviv berichteten neulich von einem weiteren haredischen Bann. Eine andere unkoschere Ladenkette ("Tiv Ta'am") wolle neben einem haredischen Stadtteil (in Tel Aviv) eine neue Filiale eröffnen. "Tiv Ta'am" ist mehr als unkoscher, denn dort wird schon jahrelang Schweinefleisch verkauft. Besitzer ist meines Wissens nach immer noch der russ. – israel. Milliardär Arkadi Gaydamak.

Die haredische Bevölkerung dagegen sieht ihre Immobilienpreise in Gefahr. Welcher Haredi will denn noch ein Haus in einer Gegend kaufen, in der Schweinefleisch über die Ladentheke geht ?

Der ganz aktuelle Fall kommt aus Haifa. Dort erwägen haredische Rabbiner einen Bann auf die lokalen EGGED – Busse, denn einige von ihnen fahren am Schabbat durch die Stadt. Haifa entschied sich erneut für einen kleinen Busverkehr am Schabbat, was nichts Neues darstellt, denn dies wird schon jahrelang so gehandhabt. Laut der Fahrgäste stören die Busse ja niemanden, denn sie durchqueren keine haredischen Gebiete.

Meine Absicht besteht nicht darin, die Seite der Haredim oder die der Gegenseite zu ergreifen, doch habe ich ein paar Fragen.
Warum sprechen die Haredim erst dann einen Bann (Cherem) aus, wenn es schon fast zu spät erscheint bzw. die Sache schon ins Rollen gekommen ist ? Warum nicht viel eher ?

"Tiv Ta'am" verkauft schon jahrelang Schweinefleisch und niemand sagte ein Wort.

"AM:PM" hat schon jahrelang am Schabbat geöffnet, doch niemand regte sich groß auf.

Einige Busse in Haifa sind schon jahrelang am Schabbat in Betrieb, aber Beschwerden blieben weitgehend aus.

Wo waren bisher all die Beschwerden und die Anstandspolizei ? Wird erst immer reagiert, wenn es haredische Stadtteil betrifft.
Wo bleiben die wilden Demos und der Bann auf "The Kingdom of Pork Factory" nahe des Tel Aviver Busbahnhofes ? Wo sind all die Demos gegen die unkoscheren Läden in der Jerusalemer Agrippas Street hin ? Warum wird sich erst jetzt beschwert ?

Ist der Grund wieder einmal nur die Politik, wie so oft zuvor ?

Kommentare:

  1. "Die haredische Bevölkerung dagegen sieht ihre Immobilienpreise in Gefahr."
    Umso besser: dann können sich mittellose junge Kollel-Paare wieder leichter eine Wohnung leisten.

    Wenn das der Hauptgrund ist, dann muss man die Eröffnung der Tiv-Tam Filiale eindeutig befürworten!!!

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  2. B"H

    Na, Du bist aber heute sarkastisch drauf.:-)

    Glaubst Du allen Ernstes, dass junge haredische Paare in diese Gegenden ziehen, selbst wenn die Wohnungen billiger sind ?
    Was wuerde dazu wohl die Schulleitung sagen, bei der eventuelle Kinder einmal eingeschult werden ?

    Nein, ganz im Ernst: Niemand, ausser saekuleren, wuerde dorthin ziehen. Und genau die will man dort nicht !

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  3. Also ich verstehe jetzt nicht ganz: Wenn eh keine Chareidim dort wohnen, warum fühlen sie sich dann gestört?

    Wenn Chareidim dort wohnen und die Immobilienpreise sinken - umso besser.

    Und wenn sowieso nur Chareidim drum herum wohnen, dann hat der Laden wahrscheinlich nicht so viel Kundschaft.

    Aber: wenn die Chareidim jetzt probieren, einem Stadtteil, der traditionell weniger orthodox war, ihre Gesetze aufzuzwingen, dann wird das wahrscheinlich Verärgerung und Feindseligkeit (und anti-religiöse Gefühle) auslösen...

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  4. B"H

    Das ist es ja gerade; es wohnen Haredim dort und die wollen sich nicht durch Schweinefleisch und Saekularismus ihre Atmosphaere rauben lassen. :-)

    Was wuerdest Du denn sagen, wenn neben Dir eine Disco aufmacht ?

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  5. Erstens kann man das nicht ganz vergleichen, für den Fall, dass die Disco Lärmemissionen hat.

    Zweitens: Wenn das bewilligt wird und mich stört, dann ziehe ich um.

    Ich verstehe schon, dass das unangehmen ist, aber ich kann anderen nicht mein Gesetz aufzwingen.

    Drittens: Ich kann nicht dort hinziehen, wo eine Disco ist, und dann verlangen, dass sie geschlossen wird, weil sie mich stört.

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  6. B"H

    Das eigentliche Problem besteht doch darin, dass in Israel Schweinefleisch verkauft wird. Genau das ist der Skandal dabei. Und das hat jetzt nichts mit "Willen zufzwingen" zu zu, sondern mit G - tt.

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  7. Jetzt, wo so viele nicht-jüdische Gastarbeiter in Israel wohnen, ist es durchaus gerechtfertigt, dass sie mit diesem Produkt versorgt werden.

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  8. B"H
    hallo girls weiter so ich liebe und geniesse eure diskussionen ;-))
    @shoshi charedische=nicht gerade sehr guenstig ich wollte in eine hinziehen aber dir preise sind so ueberteuert cih weiss nicht ein mal von wo die das geld dafuer auftreiben???? labriut
    besser chardios als arabuschkis
    und auch miriam hat recht weil es ist sehr schwer wenn man fuer die kinder eine gute schule suchen will
    wo mein sohn jetzt geht talmud thora wollte man uns zuerst sehen noch befor was geht
    und eines kann bzw geht noch immer nicht in meinem (grusinischen) dickschaedel nur weill ich nicht immer hut trage oder schwarz weiss anhabe bin ich weniger religioes???
    als junior eltern sprechtag hatte hat es meine frau nicht verstanden die damen ha znuim mit riesen peruecke die wahrscheinlich besser ausschaut als ihre haare und die bekleidung tztztzttztztztz wo ist da die ziniut ich mag was der raw muzzaffi dazu sagt zanua awal lo zanua meine frau traegt keine peruecke und auch keine enge bekleidung da kommen als frau manchmal zweifel auf und sie hat recht wie habe\n solche muetter bnei tora???
    koennt ihr mir das erklaeren ?
    wie die sich benemmen die kinder manchmal als ob es keine erziehung gibt oder wenn ich auf geula oder strauss unterwegs bin muesst ihr das erleben kommt ein chassid vorbei gleich wegschauen weil ich ja ein schwarzer bin und wolmoeglich auch ein roscha!!!
    hahahahahahahahahahahahahah
    dann tu ich ihnen absichtlich an die vorbeigehen damit sie ja mein behaartes gesicht gut sehen
    grus
    itzchak
    was zuviel geschirieben

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  9. B"H

    Hallo Yizchak,

    was wuerde wohl Avraham heute sagen, wenn er durch Mea Shearim ging und all die Streimel sehe ???? :-))))

    Schabbat Schalom

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