Sonntag, August 17, 2008

WALMART und die Definition von Halacha

B"H

Beim Se'udat Shlishit (der dritten Schabbatmahlzeit) sprach Rabbi Mordechai Machlis ein kompliziertes halachisches Thema an und niemand der anwesenden Gäste (einschließlich des Rabbis selbst) konnten eine befriedigende Antwort finden. Vielleicht weiß ja jemand von den Lesern hier Rat bzw. kann einen Vorschlag machen.

Die Story lautet folgendermassen:

Beim Gang zur Klagemauer (Kotel) berichtete jemand dem Rabbi, dass ein Freund von ihm in den Staaten regelmäßig eine bestimmte Prozedur unternimmt.
Der Discounter Walmart bietet seinen amerikanischen Kunden einen ganz speziellen Kundendienst. Jeder Kunde, der ein Elektrogerät ersteht, kann dieses innerhalb von 30 Tagen ohne Angabe von Gründen wieder zurückgeben und der volle Anschaffungspreis wird ihm von Walmart erstattet. Natürlich geht der Handelsriese davon aus, dass nur diejenigen Kunden diesen Schritt unternehmen, die einen Defekt an dem Gerät entdecken. Andererseits kann diese Art des Kunderservices auch ausgenutzt werden.

Der Bekannte des Rabbis berichtete also, dass ein Freund von ihm, der noch dazu jüdisch – relig. ist, jedesmal vor dem Urlaub eine Kamera etc. bei Walmart kauft. Mit seiner Frau fährt er dann in den Urlaub, benutzt, die / das Gerät /e, nur um sie / es gleich danach wieder an Walmart zurückzugeben und den Kaufpreis zu erhalten. Weiterhin sehe dieser relig. Freund darin keinen Verstoß gegen die Halacha. Dazu kommt, dass er sich sogar einem Walmart – Manager anvertraut habe. Leider ist der genaue Inhalt dieses Gespräches nicht bekannt.

Die Frage tut sich auf, ob diese Art des Verhaltens tatsächlich mit der Halacha im Einklang liegt.

Besagte relig. Person rechtfertigt sich mit zweierlei Maß.
Zum einen ist Walmart so reich, dass ihnen dieser Verlust nicht unbedingt weh tut. Zum anderen bietet Walmart selbst ja diesen Service an und muß demnach automatisch davon ausgehen, dass die Kundschaft den Kundendienst ausnutzt.

Mehr als zehn der Anwesenden bei Rabbi Machlis debattierten heftig und sahen die Angelegenheit wider jeder Halacha (mich eingeschlossen). Der Rabbi jedoch versuchte, wie immer, "Kav Sechut – Benefit of a Doubt", gelten zu lassen. Wenn der Kunde schon zur Reklamation erscheint, dann muß er ggf. bei Walmart einen langen Gang in die Elektroabteilung in Kauf nehmen. Dabei passiert er Hunderte von anderen Regalen und sieht vielleicht hier und da andere Gegenstände, die er kaufen will. Somit macht Walmart zusätzliches Business und verliert durch den Umtausch kein Geld.

Andererseits kann Walmart die zurückgegebene Ware nicht mehr als brandneu verkaufen, sondern nur noch als gebraucht. Einer der Anwesenden gab ferner zu bedenken, dass Walmart ja inzwischen seine Politik geändert habe, denn der reklamierende Kunde muß nun seinen Namen und Adresse hinterlassen. Insgesamt kann er nur dreimal reklamieren und danach geht nichts mehr.

Trotz all der Pros und Cons konnten wir uns nicht auf etwas Halachisches einigen bzw. dem Rabbi fiel keine genaue halachische Quelle ein, aus der man das Verhalten rechtfertigen oder ablehnen könnte. Was Rabbi Machlis jedoch tat war, einen Fall aus dem Talmud Traktat Bava Metziah, wo jemand eine professionelle Spedition beauftragte, Weinfässer zu transportieren. Die sogenannten professionellen Arbeiter entpuppten sich jedoch als nicht ganz so beflissen und liessen die Ware fallen und ruinierten so den Wein. Dennoch mußte der Auftraggeber den Arbeitern den Lohn erstatten.

Vielleicht hat ja jemand aus der Leserschaft weitere Ideen.

Kommentare:

  1. Ich habe leider keine Idee, aber das "Andererseits kann Walmart die zurückgegebene Ware nicht mehr als brandneu verkaufen, sondern nur noch als gebraucht" halte ich für ein Gerücht. In Dtl. wurden schon Tests in Geschäften durchgeführt, bei denen man überdurchschnittlich oft entdeckte, dass zum Beispiel Kameras benutzt gewesen wurden und sich diese Geschäfte nicht mal die Mühe machten, die Fotos wenigstens zu löschen.
    Daher sehe ich das nicht als Argument an, andere, hier andere Kunden, damit nicht zu schaden. Walmart sicher nicht, denn die machen damit ein Geschäft. Keine Firma macht solche Geschäfte, wenn sie damit keinen Profit erreicht, das ist schon mal sicher.

    Yael

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  2. B"H

    In meinem engl. Blog schrieb jemand aus Amerika, dass die zurueckgegebenen Produkte anscheinend auf dem Muell landen. Es wird ja nicht massenweise umgetauscht und Walmart kaufe in solchen Mengen ein, dass sie den Verlust kaum spueren und sich ein Wegwerfen leisten koennen.

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  3. Dass bei Walmart retournierte Artikel ganz einfach in den Wiederverkauf gelangen ohne gekennzeichnet zu werden kann ich mir gut vorstellen. Nachdem was das Unternehmen inzwischen alles an negativer Presse gesammelt hat sollten die sich besser mal Gedanken machen, wie sie auch mal zu positiverem Feedback kommen. Groß zu schaden scheint es ihnen ja allerdings nicht. Die halten sich wie Unkraut...

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  4. B"H

    Ich weiss gar nicht, ob es den Walmart auch in Deutschland gibt.

    Zumindest scheinen sie ueberall billig zu sein und das ist wohl das Erfolgsrezept.

    In Israel sind sie jedenfalls noch nicht aufgetreten.

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  5. "Ich weiss gar nicht, ob es den Walmart auch in Deutschland gibt."

    Es gab sie. Sie haben aber alle Filialien in Dtl. wegen Absatzproblemen 2006 geschlossen. Sie kamen hier nicht so gut an.

    Yael

    "Juli 2006 - Ende eines Abenteuers: Der deutsche Einzelhandelskonzern Metro teilt mit, er werde die inzwischen nur noch 85 verbliebenen Wal-Mart-Märkte in Deutschland für einen Schnäppchenpreis übernehmen. Für den US-Konzern ist es eine schmerzliche Kapitulation: Keiner der seit 1997 amtierenden Deutschland-Chefs hat es geschafft, die US-Kette auf dem konkurrenzreichen deutschen Markt profitabel zu etablieren. Während die Metro und Konkurrenten wie Aldi und Lidl jubilieren können, fürchten sich die Mitarbeiter in den alten Wal-Mart-Filialen vor Stellenabbau."

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  6. B"H

    Und was ist der Grund ? Sind Lidl und Aldi immer noch billiger ?

    Laut meinen amerik. Freunden ist Walmart in den Staaten DER Hit.

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  7. Der Absatz von Walmart war wohl zu schlecht, ob Aldi oder Lidl billiger sind, kann ich dir nicht sagen, da ich nie bei Walmart (in meiner unmittelbaren Nähe war keiner) eingekauft habe.

    Zum Thema fällt mir nur ein, dass ich dieses Kaufen der Kameras vor dem Urlaub dieses Herrn schon als Betrug ansehe, denn er macht dies ja mit bewusster Absicht, auch wenn Walmart dazu beiträgt, diese wiederholten Käufe so einfach zu machen. Er kauft Kameras, gibt sie nach dem Urlaub zurück, diese funktionieren aber noch. Daher ist es in meinen Augen Betrug.

    Yael

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  8. B"H

    @Yael

    Da gebe ich Dir recht.

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