Mittwoch, Oktober 17, 2007

Mea Shearim bläst zur Attacke

B"H

Weder israelische noch ausländische Touristen haben es ab sofort einfach, eine Tour durch den ultra - orthod. Stadtteil Mea Shearim zu unternehmen. Die größtenteils chassidischen Bewohner blasen nämlich zur Attacke und schon mehrere Touristen wurden angegriffen. Entweder gab es Buhrufe oder auch schon einmal einen Klaps für den Reiseleiter.

Nicht nur die Frauen Mea Shearims müssen zukünftig noch anständiger angezogen sein. Nein, Mea Shearim fühlt sich einer Touristenwelle ausgesetzt, welche unanständige Kleidung zu einer einzigen Plage macht.

Besonders chassidische Frauen achten auf Anstand und ordentliche Kleidung wie lange Ärmel und Röcke. Auch sollten feste Schuhe und keine Sandalen getragen werden. Jegliche Form unbedeckter Füsse (ohne Strümpfe) gilt als verpönt. Und wer in diesen Stadtteil kommt, der hat sich dementsprechend danach zu richten. Mehrere Verbotsschilder in mehreren Sprachen wurden von den Bewohnern installiert, doch ohne viel Erfolg.

Obwohl ich nicht unbedingt mit den Bewohnern und all ihren Anstandsregeln übereinstimme, tue ich dies jedoch in diesem Punkt. Wer in einen ultra - orthod. Stadtteil geht, der hat sich dementsprechend anzupassen und sollte negatives Aufsehen vermeiden.

Ich selbst hörte unzählige israel. Tourleiter nichts als Hetze gegen die Haredim (Ultra - Orthod.) von sich geben und das mitten in Mea Shearim. Frauen und Männer liefen in kurzen Hosen herum und von den den ärmellosen Shirts ganz zu schweigen. Die Warnschilder interessierten sie nicht und so tappten sie ziellos durch den Stadtteil, immer auf der Suche nach einigen guten Motiven für Schnappschüsse.

Nichtjüdische Touristen verhalten sich nicht weniger intolerant und aufdringlich. Besonders arg wird es, wenn christliche Missionare auftauchen und auf offener Strasse das Beten anfangen. Die Juden sollen doch endlich zum christl. Glauben übertreten.

Beliebtes Ziel aller Touristen ist die Hauptstrasse Mea Shearim Street. Schön, daß man das jetzt alles einmal life gesehen hat und man meint, sich auszukennen. Die Mea Shearim Street jedoch ist nicht von besonderer Bedeutung und wer den Stadtteil näher kennen lernen will, der muß am Freitag Abend in haredischer Kleidung erscheinen und sollte sich auch so benehmen. Dann lernt man ein ganz anderes Mea Shearim und deren Bewohner kennen.

Ich kann dies nur bestätigen, denn seit mehreren Monaten bin ich fast jeden Shabbat dort unterwegs und gehe zu chassidischen Tischen oder in die Synagogen. Kein einziges Mal bin ich dumm angemacht worden. Eher war das Gegenteil der Fall, denn ich habe einige sehr nette Leute kennen gelernt.

Eine passende Lösung habe ich nicht parat, doch ist mittlerweile in Mea Shearim etwas Vorsicht geboten und man sollte sich zumindest an die wenigen vorgeschriebenen Regeln halten und nicht penetrant durch den Stadtteil poltern.



Mea Shearim (Photo von Zbigniew Kosc)

Montag, Oktober 15, 2007

The Chosen People - Das Auserwählte Volk

B"H

Schon seit Ewigkeiten besteht ein grundsätzliches Mißverständnis, aufgrunddessen Juden nicht selten Pogromen ausgesetzt waren.

In der Thora erklärt G – tt die Juden zu Seinem Auserwählten Volk (Am Nivchar). Der nichtjüdische Bevölkerungsteil sieht diese Aussage mit Argwohn. Was, die Juden sollen über uns stehen und besser sein ? Wieso nicht wir, sondern die Juden ?

Eine grundlegende Fehlinterpretation der Bedeutung des Auserwählten Volkes. Was heißt eigentlich "auserwählt" und warum "die Juden" ?

Als G – tt Adam HaRishon (den ersten Menschen) erschuf, hatte Er keinerlei Absicht, irgendjemanden auszuerwählen. Weder Adam noch Chava (Eva) waren Juden und ihre einzige Aufgabe bestand darin, NICHT vom Baum der Erkenntnis (Etz HaDaat) zu essen. Beide wurden an einem Freitag kurz vor Shabbateinbruch erschaffen und die Midrash läßt uns wissen, dass beide am Shabbat selbst vom Baum hätten essen dürfen. Anstatt sich aber in Geduld zu üben, waren sie beleidigt und wollten genauso sein wie G – tt.

Nachdem die beiden ihr einzig gegebenes Gesetz brachen, mußten deren Seelen einen Tikun (Reparatur) durchlaufen und da die kommenden Generationen auch nicht viel besser waren, wurde die Angelegenheit des Tikuns immer mehr erweitert.

Einzig und allein Avraham erkannte in seiner Generation den einen G – tt, wohingegen sich seine Zeitgenossen dem Götzendienst verschrieben. Somit versprach G – tt Avraham, daß dessen Nachkommen auserwählt sind. Dieses Versprechen endete nicht mit der Gabe der Thora am Berg Sinai, sondern bleibt für alle Ewigkeiten gültig.

Was aber heißt nun genau "auserwählt" zu sein ?

Auserwählt bedeutet den Gesetzen der Thora zu folgen und den anderen Völkern ein Vorbild zu sein. Das ist die eigentliche Aufgabe des jüdischen Volkes.

Auserwählt heißt keinesfalls besser zu sein als alle anderen, sondern lediglich, die Aufgabe des Jüdischen Volkes in der Welt auszuführen und einen perfekten Tikun herbeizuführen.

G – tt ist EINS

B"H

Warum heißt es im jüdischen Shema Israel – Gebet (eine Zusammenfassung mehrerer Thoraverse) nicht ganz einfach:

Shema Israel, HaShem (G – tt) ist EINS,

anstatt

Shema Israel, HaShem (G – tt) unser G – tt (Elokenu), HaShem (G – tt) ist EINS ?

Diese Frage führt uns wieder zu dem berühmten Namen G – ttes, Elokim, zurück, der in anderen Religionen außerhalb des Judentumes so gerne mißinterpretiert wird.

Wie schon zuvor erwähnt, beinhaltet der Name "Elokim" sämtliche Kräfte G –ttes und steht daher augenscheinlich im Plural. Der Plural entspricht nicht ganz der Wahrheit, denn bei G – tt handelt es sich um nur Einen Einzigen und keinerlei Spaltungen in mehrere G – tter. In anderen Worten, Elokim ist ein einziger G – tt, der die Welt mit mehreren Kräften erschuf und mit diesen handelt und bis heute Seine Welt regiert. Im "Shema Israel" drücken wir demnach aus, daß G – tt mit all Seinen unterschiedlichen Kräften EINS ist.

Der Rambam (Maimonides) gibt in seinem Buch "The Guide of the Perplexed – Moreh Nevuchim" dem Namen "Elokim" eine weitere Bedeutung (siehe Moreh Nevuchim 1:2). Für den Rambam (1135 – 1204) bedeutet Elokim gleichzeitig die Erkenntnis von "Gut und Böse". G – tt erschuf den Menschen in Seinem Ebenbild, heißt mit einem Intellekt, und mit Hilfe unseres Intellektes sollen wir Wahrheit und Lüge erkennen.

In den Schriften des großen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria (dem Arizal) wird zu Beginn der Bücher "Shaar HaHakdamot" sowie "Etz Chaim" die Frage gestellt, warum G – tt unsere Welt zu dem Zeitpunkt erschuf, an dem sie sie erschuf. Warum nicht früher oder später ?

Die Antwort ist ganz einfach. G – tt ist EINE Einheit, welche wir mit unseren Gedanken nicht imstande sind zu erfassen. Er ist unendlich, heißt Er hat immer existiert und wird dies auch immer tun. Die Kabbalah nennt Ihn an dieser Stelle "Ein Sof – Ohne Ende". Er erschuf uns allein aus dem Grunde, um Ihm zu dienen und die Mitzwot (Gesetze) einzuhalten (siehe unter anderem Rabbi Moshe Chaim Luzzattos Buch "138 Pitchei Chochmah). Die Welt um uns herum soll uns zwar Freude bereiten, doch ist sie ebenso mit allerlei Versuchungen gespickt, denen es gilt zu widerstehen.

Da wir außerstande sind, Ihn zu begreifen, sprechen wir in der Kabbalah ausnahmslos von Seinem Willen. Den Willen wiederum sehen wir in Seinen Taten und somit in Seinen Namen. Für uns Menschen ist dies die einzige Möglichkeit, G – tt fassen zu können.

Um den Menschen einen freien Willen geben zu können, erschuf G – tt die Sitra Achra. Sitra Achra ist ein Begriff aus dem Aramäischen und bedeutet "die andere Seite". Im Judentum ist alles Positive UND Negative von G – tt erschaffen, wobei das Negative KEINE unabhängige Macht oder Institution darstellt. Es gibt nichts in unserer Welt, was nicht von G – tt erschaffen wurde.

Unser System basiert auf dem berühmten Schema der "Belohnung und der Strafe – S'char ve Onesh – Reward and Punishment"). Unsere Aufgabe besteht darin, das Gute zu wählen und G – tt zu dienen. Allerdings können wir nur etwas wählen, wenn wir überhaupt eine Wahl, nämlich den Freien Willen, haben. Und weiterhin müssen wir wissen, was Gut und was Böse ist und daher ist G – ttes Erschaffung des Bösen eine Grundvoraussetzung für unseren Freien Willen. Das System der "Belohnung und der Bestrafung" funktioniert nur, wenn beide Einheiten gegeben sind.

Wie jedoch können wir mit G – tt, der weder Form noch Gestalt hat, überhaupt kommunizieren ?

Mit Hilfe von Gebet und der Erfüllung der Mitzwot (Gesetze). Für Juden sind dies 613 Mitzwot und für Nichtjuden gelten die "Sieben Gesetze der Noachiden".

Eine Frage, die genauso wichtig wie die vorhergehende ist: Wie kann G – tt als Unendlichkeit mit uns sterblichen Wesen eine Verbindung haben ?

Die Theorie der Sefirot (Seiner 10 Verhaltensweisen) ist der Versuch zu erklären, wie ein unendlicher G – tt ein Verhältnis mit etwas Endlichem (uns) eingehen kann ("The Mystic Quest" von David S. Ariel). Die Kabbalah entwickelte ein System (die Sefirot), um dem menschlichen Verstand die Relation von G – tt zu den Menschen, und umgekehrt, überhaupt begreiflich zu machen. Hierbei bedient sie sich Metaphern.

Wer all diese Punkte einmal überdenkt, ist ein gutes Stück weiter in seiner Beziehung zu G – tt und dem Grund seines Daseins.

Sonntag, Oktober 14, 2007

Erholung vom Feiertagsstreß

B"H

Anscheinend muß nicht nur ich nach den Feiertagen wieder zu mir selbst finden, denn bei den chassidischen Gruppen Toldot Aharon genauso wie bei Avraham Yitzchak war am vergangenen Shabbat absolute Ruhe angesagt. Bei beiden Gruppen fand kein chassidischer Tisch statt und stattdessen sah man die Chassidim auf Familienspaziergang.

Bei Toldot Aharon gingen wir erst gar nicht vorbei, denn schon von Weitem sahen wir litvishe Haredim aus der Synagoge stürmen. Kein Tisch, das war offensichtlich.

Mit meiner Freundin ging ich kurz bei Toldot Avraham Yitzchak vorbei, doch auch dort herrschte gähnende Leere. Ein Frau von einer anderen Chassidut hegte den gleichen Gedanken wie wir, doch drehte beim Anblick der leeren Frauenempore gleich wieder in Richtung Ausgang um.

Leider entschloß man sich bei Avraham Yitzchak, auf der frisch renovierten Frauenempore eine neue Mechitzah (Trennwand zur Männerseite im Erdgeschoß) anzubringen. Auf die nur von einer Seite einsehbaren Fensterscheibe schraubte man glatt eine zweite Metallschicht, welche den Einblick auf die Männerseite fast unmöglich macht.

Wie schon zuvor bei Toldot Aharon hoffe ich, daß die neue Vorrichtung nur zeitlich begrenzt ist. Wenn es denn einem gelingt durch die Mechitzah blicken kann, fällt der Blick auf den funkelnagelneuen Aron HaKodesh (Thoraschrein), der mich in seinem Pomp etwas an denjenigen bei der Chassidut Shomrei Emunim erinnert.

Nichtsdestotrotz, bei Avraham Yitzchak hat man sich ganz schön in Unkosten gestürzt und wenn die Renovierung endgültig abgeschlossen wird, ist alles sicher recht schön anzuschauen.

Hauptsache aber, die vorherige Mechitzah wird wieder eingeführt.



Rechts im Bild der Rebbe der Toldot Avraham Yitzchak, Rebbe Yaakov Shmuel Kahn, und links von ihm sein Bruder, Rebbe David Kahn, der Rebbe der Toldot Aharon.

Juden raus !!!

B"H

Die schlimmsten Katastrophen der Geschichte unseres Volkes spielten sich ausgerechnet immer dann ab, wenn Juden gegen andere Juden kämpften. Bestes Beispiel hierfür ist der zum Christentum konvertierte Jude Nicholas Donin im 13. Jahrhundert. Wegen seines abgrundtiefen Judenhasses, ging er zu den Kirchenoberen und teilte ihnen mit "Hey, ich weiß, warum die Juden nicht zum Christentum konvertieren wollen. Die haben nämlich den Talmud".

Kurz darauf brannten in Paris sämtliche Talmudausgaben. Aber nicht nur dort, auch anderswo verbrannte man den Talmud, um so den Juden einen Teil ihrer religiösen Grundlage zu nehmen.

Vergeblich, wie wir heute wissen.

Aber auch heutzutage ist es nicht viel besser bestellt. Zwar werden keine Talmudausgaben verbrannt, doch verbieten israel. - jüd. Polizisten ihren Glaubensgenossen das Beten.

Klingt zu absurd ? Ist aber Realität.

Vor etwas mehr als einer Woche nahm ein Freund von mir an einer jüdischen Führung auf dem Tempelberg (Har HaBait) teil. Wer es noch nicht weiß: Juden sowie Nichtjuden ist es erlaubt, den Tempelberg zu besuchen, allerdings mit einem kleinen Unterschied. Erstens ist es Juden aus halachischen Gründen verboten, bestimmte Gebiete auf dem Tempelberg zu betreten, denn diese waren zur Tempelzeiten nur für Tempelpriester (Cohanim) bestimmt. Des Weiteren befinden wir uns zur heutigen Zeit in einem Zustand der Unreinheit und erst das Kommen des Meschiach wird uns davon befreien.

Aber nicht nur die Halacha macht bei dem Besuch des Tempelberges Unterschiede. Wer als Jude den Tempelberg betritt, wird von der israel. Polizei ausgesondert. Das beginnt schon damit, daß alle israel. Personalausweise eingesammelt und später wieder an die Teilnehmer ausgegeben werden. Anscheinend schaut man genau im Computer nach, ob es sich bei diesem und jenen Besucher nicht etwa um einen religiösen Fanatiker handelt.

Zweite Stufe:

Einem Juden ist es verboten, auf dem Tempelberg zu beten.

Beten heißt zugleich in jeder Form. Wehe, dem, der von einem Polizisten dabei erwischt wird, seine Lippen zu bewegen. Die Polizei steht bei dem Besuch Spalier und schaut auf die jüdischen Lippen.

Was für ein Paradox ?

Da verbieten jüdische Polizisten anderen Juden das Beten.

Nun könnte man durchaus meinen, daß die israel. Polizei Zwischenfälle mit der moslem. Tempelwache Wakf vermeiden will. Rechtfertigt dies jedoch ein völliges Gebetsverbot für Juden ? Wie mir mein Freund berichtete, achtete die israel. Polizei akribisch und dienstbeflissen darauf, daß auch ja niemand der jüd. Besucher auch nur den kleinsten Betversuch unternahm.

Anscheinend verstehen die Moslems mehr von der jüdischen Religion als diese nicht - religiösen israel. Polizisten, denn die Moslems wissen genau, was einen Dritten Jüdischen Tempel herbeiführen kann: Ein Gebet auf dem Tempelberg.

Eines aber scheinen viele nicht zu wissen: Ein Gebet kann auch im Gehen gesprochen werden. Außerdem, wenn es sich um einen Notfall handelt, müssen nicht unbedingt die Lippen bewegt werden.

In welche Zeiten sind wir nur geraten ?

Juden verbieten Juden das Beten und den Meschiach.

Also hat der berühmte Vilna Gaon doch recht mit seinem Kommentar, daß in der Zeit vor dem Meschiach die Mehrheit der Juden der Gruppe der Erev Rav angehören wird.

Jene "Erev Rav" waren ägyptische Konvertiten, welche zusammen mit Moshe und den Israeliten aus Ägypten auszogen. G - tt wollte die Erev Rav nicht dabei haben, denn Er wusste nur zu genau, daß es in der Geschichte des Jüdischen Volkes immer wieder zu Ärger mit eben jener Erev Rav kommen wird (siehe den Bau des Goldenen Kalbes, etc.). Der Vilna Gaon teilt die heutige Erev Rav in fünf Gruppen ein. Insbesondere in der Kabbalah hat die Erev Rav einen absolut negativen Stellenwert.

Heutzutage ist es uns zwar unmöglich festzustellen, wer der Erev Rav angehört oder wer Jude ist, doch viele Anzeichen sind nicht zu übersehen. Wie mögen sich wohl jene israel. Polizisten vor G - tt rechtfertigen ?

Jerusalem ist unteilbar

B"H

Jüdische religiöse Vereinigungen laufen Sturm. Jetzt soll in der Ramban - Synagoge in Jüdischen Viertel der Altstadt eine große Demonstration stattfinden. Nationalreligiöse sowie das litvish - haredische Oberhaupt, Rabbi Eliyashiv, riefen zu der Demo auf.
Selbst im ultra - orthod. Stadtteil Mea Shearim schreit es wieder einmal von den Wänden:

Jerusalem ist eine unteilbare jüdische Stadt. Israel ist ein von G - tt gegebenes Land an die Juden.

Der einzige Dorn im Auge ist die sephardisch - haredische Partei SHASS. Aber wen wundert das bei Shass ? Sind doch deren Politiker mehr in Korruptionsskandale verwickelt als in anderen Parteien. Shass gibt sich religiös, ist aber bis in alle Tiefen opportunistisch.

Das spirituelle Oberhaupt, Rabbi Ovadiah Yosef, gibt sich zwar anti - moslemisch, geht es jedoch ums berühmte Ganze, dann will er seinen Regierungseinfluß nicht verlieren und hetzt den Parteivorsitzenden Eli Yishai in Olmerts Gunst. Bei Shass ist alles möglich und die Agudat Israel (litvishe Haredim, Belz, Vishnitz sowie Chassidut Gur) planen eine Isolierung Eli Yishais.

Im November soll entschieden werden: Wird Jerusalem geteilt und verwandelt sich die eine Hälfte in die Hauptstadt eines paläst. Staates ? Olmert, Yishai und der sonst so rechte Politiker Avigdor Lieberman sagen JA.

Eine Teilung unserer Stadt erweist sich früher oder später als Katastrophe und das nicht nur für den jüdischen Bevölkerungsanteil.

Freitag, Oktober 12, 2007

Na und ?

B"H

Die anti - zionistische Dachorganisation Edah HaCharedit erließ neue Regeln für den Anstand der Frau. Ab sofort dürfen keine der berühmten Chalukim (Hausanzüge) mehr in der Öffentlichkeit getragen werden. So heisst es jedenfalls in strenger Aufschrift auf einem Flugblatt. Die Hausanzüge hätten oft Farben, welche die Aufmerksamkeit der Männer auf die Frau lenken könnte.



Ein Poster an einer Wand in Mea Shearim (das hier veroeffentlichte Poster hat nichts mit dem "Thema Frauen" zu tun).

Dann der "neue" Rock. Sogar der Rockdurchmesser an den Hueften ist genau ausgemessen und wehe dem, der seinen Rock der Koerperform anpasst.

Okay, wir lesen dies alles auf den Postern an den Mea Shearimer Wänden. Doch ehrlich gesagt, wer kümmert sich darum ?

Selbst die Ausgabe der genauen Anleitungen wurden von vielen Frauen der Toldot Aharon einfach beiseite gelegt. Kurz reingeschaut und weggeworfen.

Und wieso verteilt man die Flugblätter eh an diese Frauen, welche immer den höchsten Anstandsregeln entsprechen ?

Seltsamerweise geht der haredischen Männerwelt nie die Phantasie aus. Wie können sich Männer am besten gegen "negative" Gedanken schützen ? Manchmal kommt es mir tatsächlich so vor als seien die Frauen die neue "Pest" unserer Zeit. Heiraten ja, aber irgendwie muss alles verborgen werden.

Wieso soll ich mich vollkommen verhüllen, wenn diverse Männer offensichtlich Probleme haben, sich zu beherrschen ?

Die Frauen dagegen gehen mit den neuen / alten Regeln auf ihre Weise um. Tür zu und die Edah hat draußen zu bleiben. Nicht jeder muss wissen, was in den eigenen Vier Wänden vor sich geht

Donnerstag, Oktober 11, 2007

Erinnerungen an die Sukkot - Feiertage in Mea Shearim

B"H

Simchat Beit HaShoeva bei Toldot Avraham Yitzchak in Mea Shearim





Simchat Beit HaShoeva bei der Chassidut Toldot Aharon in Mea Shearim

Parashat Noach

B"H

Die Thoralesung für diesen Shabbat

An diesem Shabbat lesen wir weltweit in den Synagogen die Thoraparashat Noach (Noah) aus dem 1. Buch Genesis. Und wie in jedem Jahr gehen die Meinungen über die Person Noach weit auseinander. Viele sehen ihn als einen Zaddik, guten gerechten Menschen, andere, und nicht wenige, betrachten ihn als das genaue Gegenteil. Dabei heißt es doch im Buch Genesis 6:9 selbst, daß Noach ein Zaddik (ein Gerechter) war.

Vielleicht sollten wir Noach und seine Zeitgenossen erst einmal kennen lernen und uns dann selbst ein Urteil bilden.

Noach wurde im Jahre 1056 des jued. Kalenders geboren. Sein Großvater Metusalem (Metushelach) war als frommer Gerechter bekannt. Er folgte G - tt und nahm nicht an dem lasterhaften Leben seiner Zeitgenossen teil. Noachs Vater Lamech war da schon nachlässiger, doch Noach folgte den Pfaden seines Großvaters. Wie schon die Generationen zuvor betrieben Noachs Zeitgenossen Götzendienst und beteten zur Sonne und den Sternen. G-tt war für sie überflüssig geworden.

Das Leben vor der Flut hatte viele Vorteile:
Krankheiten waren unbekannt, es gab keine Jahreszeiten und demzufolge war das Wetter immer gleich warm, die Menschen hatten aufgrund eines anderen DNA und einer anderen Luft eine verhältnismässig hohe Lebenserwartung. Eine einzige Ernte reichte fuer 40 Jahre, wobei diese nicht verrottete.

Ihr gutes Leben sahen die Leute als selbstverständlich an. Wer braucht G-tt, wenn alles vorhanden ist ?
So wurde gestohlen, gemordet, betrogen und vergewaltigt. Selbst die Tiere sahen die sexuellen Perversitäten der Generation und nahmen daran teil. Die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 108, verfügt über eine ganze Liste des sündhaften Lebens der Generation der Flut.

Noach beteiligte sich nicht an diesen Aktivitäten. Er heiratet Na'ama und gemeinsam hatten sie drei Soehne: Schem, Cham und Yafed. Im Alter von 480 Jahren begann er die Arche zu bauen, wie G-tt es ihm aufgetragen hatte.

Und nun kommen wir zu dem Punkt, wo die Meinungen auseinandergehen. Hat Noach die Menschen davor gewarnt, daß G - tt sie mit Hilfe einer Flut vernichten will ? Die Gemara in Sanhedrin sagt, dass Noach die Menschen warnte, doch diese ihn nur auslachten. Er wurde als alter verwirrter Trottel beschimpft.
Wahrscheinlich gab er aufgrunddessen nach einiger Zeit auf und kümmerte sich lieber nur noch um den Bau der Arche. Der Bau dauerte 120 Jahre in all jener Zeit hatten die Menschen Gelegenheit, ihr Schicksal zu verändern. Hätten sie zu G-tt gebetet und ihr Lotterleben aufgegeben, dann wäre es nie zu einer Flut gekommen. Aber wie das so ist im Leben, wenn es einem gutgeht, dann denkt man nicht an ein Ende.

Erst als die Flut begann, welche aus kalten und kochend heißem Wasser zugleich bestand, änderten sie ihre Meinung und sahen, daß es nur einen G-tt gibt. Zu spät. Im Jahre 1656 des jüd. Kalenders oder 2104 BCE wurde alles Leben außerhalb der Arche vernichtet. Von den Tieren (außerhalb der Arche) überlebten nur die Fische, welche sich nie am perversen Leben beteiligt hatten.

Sämtliche Nachfahren Kains kamen bei der Flut ums Leben. Kain selbst wird in kabbalistischer Literatur als die Verkörperung des Bösen gesehen, denn laut vielen Thorakommentatoren hatte Chava (Eva) in Gan Eden (dem Paradies) Sex mit der Schlange und Kain war nicht Adams Sohn, sondern stammte vom Samen der Schlange.
Wie ist das möglich, Sex mit einer Schlange ?

Im Paradies liefen die Schlangen auf zwei Beinen, konnten sprechen und hatten einen hohen Intellekt. Allerdings muß an dieser Stelle gesagt sein, dass es zwiespältige Meinungen darüber gibt, wer oder was die Schlange wirklich war.

Sollen wir Noach nun danach beurteilen, ob er die Menschen hätte mehr warnen sollen oder nicht ? Hätte er vor G-tt für die Generation beten sollen, wie dieses später Avraham (im Falle Sodoms) oder Moshe (im Falle des Goldenen Kalbes) taten ?
Für mich ist Noach ein Zaddik (Gerechter), denn er und seine Familie waren die einzigen, die sich nicht an den Taten einer gesamten Generation beteilgten. Wer seine Meinung vor Tausenden von Menschen vertritt und dabei verspottet wird, dem gehört Anerkennung. Somit wird Noach zurecht von G - tt als Zaddik (Gerechter) bezeichnet.

Und was können wir von Noach lernen ?

Auch zur heutigen Zeit sollten wir uns nicht zu sicher fühlen, daß G-tt uns nicht sieht. Im Gegenteil, alles wird registriert. Demnach sollten wir nach einem besseren perfekterem Leben streben.

Nachtrag:

1. Es gibt im Talmud unterschiedliche Meinungen ob die Flut auf der gesamten Welt, nur in Israel oder überall nur nicht in Israel stattfand.

2. Die Parashat Noach besteht aus zwei Teilen: Noach und am Ende wird kurz ueber die Begebenheit des Turmes von Bavel berichtet.



Die Kabbalah betrachtet die folgende Generation, die Dor Haflagah – Generation of Dispersion mit Nimrod als Oberhaupt als Reinkarnation der Generation Noachs. Abermals wurden den Seelen (Neshamot) Gelegenheit gegeben, ihre vorherigen Vergehen zu bereinigen, was, wie wir heute alle wissen, wieder nicht gelang.

Nach der Flut zogen die Söhne Noachs, Yafed und Cham, aus in die Welt. Cham zog es nach Afrika und Yafed zog es Richtung Europa. Aus diesem Grund betrachtet das Judentum die heutigen Europäer als Nachfahren Yafeds. Mit Schem und dessen Nachkommen Avraham haben sie keinerlei Verbindung.

340 Jahre nach der Flut begannen die Menschen auf Befehl Nimrods einen Turm zu bauen. Die Gemara im Talmud Sanhedrin 109a nennt drei Gruppen von Leuten, die aus unterschiedlichen Motiven am Bau des Turmes teilnahmen und im Nachhinein je ihrer Absicht nach unterschiedliche Strafen erhielten.

Nach der Flut erholten sich die Menschen für sehr lange Zeit nicht von dem Schock und selbst 340 Jahre später hatten sie eine panische Angst davor, daß sie das gleiche Schicksal ereilen könnte. Aus dem Fehlverhalten der Generation der Flut hatten sie absolut nichts gelernt und sie fuhren fort mit dem Lotterleben. Auch dem Götzendienst hatten sie nicht abgeschworen und außerdem waren sie, wie die Generationen zuvor, in der Lage mit Dämonen und Engeln zu kommunizieren.

Um einem weiteren G – ttesurteil zu entfliehen, bauten sie den Turm, der sie gleichzeitig vor einer neuen Flut schützen sollte. Auf dem Turm installierten sie eine Statue mit einem Schwert in der Hand, welche G – tt andeuteten sollte, dass sie den Turm bis in den Himmel bauen werden, um Ihn zu bekämpfen.

Die gesamte Generation Nimrods bediente sich der "Praktischen Kabbalah" und verwendete G – ttes Namen zu negativen Zwecken. Kabbalistische Literatur beschreibt sehr eindeutig, was genau sich im Inneren des Turmes abspielte.

Die Strafe ließ nicht lange auf sich warten und das Ergebnis ist uns bekannt.

Was jedoch war das Vergehen, was G – tt zu einer harschen Bestrafung veranlaßte ?

Nur einen Turm zu bauen, um sich vor einer Flut zu schützen ist noch lange kein schwerwiegendes Vergehen. Viele Kommentatoren sind der Meinung, daß Nimrod und seine Untertanen nicht unbedingt für das bestraft wurden, was sie taten, sondern für etwas, was daraus hätte folgen können.

Für uns mag die Idee eines Turmbaues heute lächerlich erscheinen, aber vielleicht sollten wir nicht vergessen, daß die damaligen Menschen sich auf einem wesentlich höheren geistigen Niveau befanden als wir dies jemals sein werden.

Und wir sollten nicht dem Fehlschluß unterliegen, daß wir heutzutage soviel besser sind. Auch wir bauen aus Arroganz unsere eigenen Türme, die da Besitz und Macht heißen und durch die wir G – tt nur allzu schnell und gerne vergessen. Von Nimrod & Co. sollten wir lernen, daß unser selbst erbautes Kartenhaus jederzeit zusammenfallen kann.

Shabbat Shalom




Dienstag, Oktober 09, 2007

Der Vilna Gaon und sein Disput mit den Chassidim

B"H

Wie immer gibt es zu dem Thema unendlich viel Literatur und ich gebe in diesem Beitrag nur einen kleinen Einblick in die Materie. Eigentlich verdient jeder einzelne aufgeführte Aspekt einen eigenen Artikel. Ein Vorhaben, was ich auf etwas später verschieben muss.

An dieser Stelle möchte ich nur einmal kurz die Ereignisse auflisten, die zum Disput zwischen den litvish – haredischen Juden unter der Führung des Gaon aus Vilna (Vilnius) und den Chassidim geführt haben. Es gibt Unmengen zu sagen, doch beschränke ich mich vorerst auf die historischen Ereignisse.
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Vilna Gaon 

Geboren wurde Rabbi Eliyahu ben Shlomo Zalman am 23. April 1720 in Vilna oder in der Nachbarstadt Seltz. Sein Familienname KREMER taucht in kaum einer Literatur auf und er selbst benutzte ihn nie. Die Namen, unter denen er zu Lebzeiten bekannt war und heute noch bekannt ist sind der "Gaon von Vilna" oder ganz einfach der GRA. Im religiösen Judentum ist ein Gaon gleichzusetzen mit einem Genie und das Wort GRA ist eine Abkürzung der Anfangsbuchstaben der Bezeichnung "Gaon Rabbi Eliyahu". 

Schon im frühen Alter von drei Jahren wurde sein Genie erkannt. Im Alter von sieben Jahren kannte er einige Talmud Traktate sogar auswendig. Sein Thora – und Talmudstudium ging ihm über alles und er behielt diese Philosophie bis an sein Lebensende bei. 

Aber nicht nur jüdische Schriften hatten es ihm angetan; wie viele andere berühmte Rabbiner auch lernte er gleichzeitig Sekuläres wie Mathematik, Algebra, Geometrie und Astronomie. Es heißt, dass der Vilna Gaon dermaßen in Thoragedanken vertieft war, daß es ihm sogar schwerfiel, auf der Toilette an etwas anderes zu denken. Im Judentum (siehe Shulchan Aruch – Code of Jewish Law) sind Gebet sowie Thorastudium an verschmutzten Orten verboten und Rabbi Eliyahu entwickelte demnach seine eigene Methode dieses Verbot einzuhalten. Auf der Toilette widmete er seine Gedanken der Mathematik. Keine einzige Minute in seinem Leben sollte an weltliche materielle Gedanken verschwendet werden. 

Schon im frühen Alter heiratete er Channah, die Tochter von Rabbi Yehudah Leib von Kaidan, die ihm zwei Söhne gebar: Aryeh Leib und Avraham. 

Im Buch "The Vilna Gaon and his Diciples" der israelischen Bar Ilan University schreibt Shaul Stampfer in seinem Essay "On the Creation and Perpetuation of the Image of the Vilna Gaon", dass der GRA mindestens acht Kindern gehabt haben muss. 

Um den Gaon von Vilna zu verstehen, müssen wir einen Blick in die damalige Geschichte werfen. Was genau hatte sich ereignet ? 

Im 17. Jahrhundert hatte ein Jude, der sich selbst zum Meschiach ernannte, grosse Aufmerksamkeit erregt und zugleich Unheil gebracht. Sein Name war Shabtai Zvi und unglücklicherweise fielen nicht gerade wenige Juden auf dessen falsche Prophezeihungen herein. Sein jüdischer Nachfolger Jacob Frank behauptete nach dem Tode Zvis dessen Wiedergeburt zu sein und verleitete in den Jahren 1759 – 1760 mehrere Hundert Juden dazu, zum Christentum überzutreten. Rechtfertigen tat Frank diesen Schritt mit der Konversion Shabtai Zvis zum Islam. Schon damals gab es die Idee, dass jemand in tiefe Abgründe steigen muss, um dann wieder spirituell aufzusteigen und so den Meschiach zu bringen. Eine Ansicht der Anhänger Shabtai Zvis, welche später den Chassidim zum Verhängnis werden sollte. 

Später, zu Lebzeiten des Gaon von Vilna, gab es einen Juden, der unbegrenzte Berühmtheit zu erlangen schien. Der Baal Shem Tov (1698 – 1760). 

Israel Baal Shem Tov war alles andere alles ein grosser Talmud – Gelehrter. Tatsächlich ist es Gershom Sholem zufolge recht ungewiß, über welche Talmud – bzw. Shulchan Aruch Kenntnisse der Baal Shem Tov verfügte. Außer Zweifel steht, dass er über hervorragende Kenntnisse über Rashi, den Ramban, den Maharsha, die talmudischen Kommentatoren in Ein Yaakov, dem kabbalistischen Zohar sowie einem der kompliziertesten kabbalistischen Bücher, dem "Brit Menucha", hatte. 

Der Baal Shem Tov zog über die Dörfer und verkaufte als sogenannter Wunderheiler religiöse Amulette und machte hier und da auch schon einmal eine Austreibung eines Dybbuk ("eines bösen Geistes"). Nebenbei diente er als Begleiter für Kinder, die er in den Cheder (relig. Schule) bringen sollte. Im Alter von 14 Jahren hatte er sich große Kenntnisse in der Kabbalah angeeignet.
Aufgrund seines großen Erfolges bei Heilungen strömten die Leute in Scharen zu ihm. Zuerst weigerte er sich, diese überhaupt zu empfangen, doch dann änderte er seine Meinung. Fälschlicherweise wurde der Baal Shem Tov als Magier gesehen, doch führte er, nach eigenen Angaben, seine Heilungen nur anhand von Gebeten aus. Er benutzte keine Magie, sondern betete mit grosser Kavanah (Konzentration) für die Leute und in vielen Fällen war er überaus erfolgreich. 

Es heißt, dass der Baal Shem, oder in Kurzform nur der BESCHT genannt, im Jahre 1746 am jüdischen Neujahrsfest Rosh HaShana eine himmlische Vision hatte, in der es hieß, daß er, der Baal Shem Tov, das Kommen des Meschiach einleiten wird. Nämlich dann, wenn seine Lehren weltweit bekannt und berühmt geworden sind. 

Im Zeitalter des Baal Shem Tov dürsteten religiöse Juden nach Spiritualität. Fanden doch in den Jahren 1648 – 1649 die Chmielnitzki – Massaker statt, bei der Abertausende von Juden ermordet worden waren. Danach war das jüdische Volk in Osteuropa in eine Art spirituellen Angrund gefallen und sah seine Situation als aussichtslos. Sie saßen in der unseeligen Diaspora und die feindlich eingestellte Umwelt traktierte sie mit Progromen. Des Weiteren gab es unzählige verarmte Juden, die ihr Dasein von der Hand in den Mund fristeten. 

Schnell verbreitete sich die Lehre des Baal Shem Tov, der den Juden wieder neue Hoffnung zu geben schien. Der ganz große Verdienst des Besht ist, dass er gerade die "kleinen Leute" an die jüdische Religion heranführte und daß er die ehemaligen Anhänger Shabtai Zvis zum orthodoxen Judentum zurückbrachte. Der Baal Shem Tov propagandierte, u.a., die Lehre, daß ein Gebet voll und ganz vom Herzen kommen muss und keineswegs vom Verstand. Wer denkt, der verliert sich in Gedanken und das Gebet ist dahin. Eine seiner wichtigsten Lehren ist, daß G – tt überall ist. Es gibt keinen möglichen Ort, an dem Er nicht vorhanden ist. Natürlich sind die Studien der Thora und des Talmuds ungeheuer wichtig, doch kann ein jeder seine alltäglichen Handlungen in etwas Heiliges umwandeln. Jeder Jude kann voll und ganz mit G – tt verbunden sein indem er ständig an Seinen Schöpfer denkt. 

Diese und andere Lehren machten den Baal Shem vor allem bei der jüdischen Landbevölkerung und den sozial Benachteiligten berühmt. Plötzlich waren sie nicht mehr die verachtete ungebildete Masse, wie sie von den damaligen litvishen gebildeten Thoraschülern betrachtet wurden. Die Chassidut des Baal Shem Tov bezeichnete sie als gleichwertig und plötzlich begannen die sogenannten jüdisch – sozialen Unterschichten sich für Religion zu interessieren. 

Diese Ereignisse der damaligen Zeit führten zu einer schnellen Ausbreitung der chassidischen Bewegung. Eine Popularität, die von den bisher herrschenden litvishen Juden, den Thoragelehrten, mit Skepsis gesehen wurde. 

Der amerikanische Autor Elijah Judah Schochet, ein Nachfahre des Gaon von Vilna, beschreibt die jüdischen Gemeinden zur Zeit des Vilna Gaon sowie der Ausbreitung des chassidischen Movements (siehe sein Buch "The Hasidic Movement and the Vilna Gaon").
In Litauen wurden viele Gemeinde von korrupten Vorstehern und einem ebenso korrupten Rabbinat gelenkt. Und das meistens auf Kosten der ärmeren jüdischen Bevölkerungsschicht. Rabbiner und Gemeindevorsteher nutzten ihre Macht nur zu ihrem eigenen Vorteil und gingen auch schon einmal hier und da Kompromisse mit den nichtjüdischen politischen Herrschern ein.
Auch Rabbi Eliyahu, der Gaon, wurde gewisser Unregelmässigkeiten beschuldigt. Es gebe Fehlbestände in diversen Kassen und im Jahre 1786 behaupteten seine Kritiker, dass er keinen einzigen Penny in die Gemeindekasse gegen wuerde. Historiker sehen jedoch in diesen Vorwürfen eine Attacke der Chassidim. 

Rabbi Eliyahu sah den Chassidismus mit großer Besorgnis. Als sich dann auch noch Chassidim in Vilna niederließen und ihre eigene Minyan bzw. Synagoge gründeten, war das Maß voll. Er selber sah sich als der Prophet Eliyah (Eliyahu HaNavi), der das juedische Volk vor dieser g – tteslästernden neuen Sekte retten müsse. 

Zum ersten großen Clash kam es schon im Jahre 1772 als eine Epidemie in Vilna ausbrach. Normalerweise suchten nichtjüdische Bewohner gewohnheitsmäßig Sündenböcke dafür und um zu vermeiden, dass die gesamte jüdische Gemeinde dazu auserkoren wird, wurde innerhalb der Gemeinde ein ganz besonderer Sündenbock ausgewählt und den Nichtjuden präsentiert: die Chassidim. Dies geschah mit der Zustimmung des Gaon von Vilna gleichzeitig sprach er einen Bann (Cherem) über sämtliche Chassidim aus. Der erste Bann, dem noch mehrere folgen sollten. 

Der Bann besagte, chassidische Bücher zu verbrennen, Chassidim keine Unterkunft zu gestatten, keinerlei Hochzeiten mit Chassidim und das Essen der Chassidim wurde als unkoscher angesehen.
In der Stadt Brody ging man sogar soweit zu behaupten, dass das geschächtete Fleisch der Chassidim unkoscher sei. Allerdings geschah dies offensichtlich nicht aus halachischen Gründen. Litvishe Juden und Chassidim benutzten unterschiedliche Messer bei der Schächtung von Tieren, aber beide Rituale sind halachisch einwandfrei. 

Der Bann machte die Chassidim zu Outlaws der litvishen Gesellschaft und das besondere Ziel des Gaon von Vilna war der Gründer von Chabad, Rabbi Shneur Zalman von Liadi. 

Was waren die genauen Gründe für die ablehnende Haltung den Chassidim gegenüber ? 

Die ablehnend feindliche Haltung der litvishen Juden brachte ihnen den Namen MITNAGDIM ein. Ein MITNAGED ist jemand, der etwas ablehnt. Die Bezeichnung Mitnagdim ist heute noch genauso verbreitet wie damals.

Für die Mitnagdim und ihr Oberhaupt, dem Gaon von Vilna, war es unvorstellbar, dass die arme ungebildete Bevölkerung mit dem Wissen der Kabbalah konfrontiert wurde. Das Kabbalahstudium sollte nur von jenen ausgeführt werden, die älter als 40 Jahre sind, religiös und über ein grosses Thora – sowie Talmudwissen verfügen. Bis zum dem Zeitpunkt war die Lurianische Kabbalah, auf der sich die Baal Shem Tov beruft, nur für wenige Auserwählte zugänglich. Plötzlich sollte alles anders werden ? Für den Gaon von Vilna unvorstellbar. 

Ein ganz wichtiger Aspekt fuer die Ablehnung war selbstverständlich Shabbatai Zvi. Die Chassidim wurden als dessen Anhänger betrachtet und die Chassidut als eine Weiterführung der Lehre jenes G – tteslästerers. Grund zu der Beschuldigung gab auf alle Fälle auch die geographische Lage, denn stammte doch die chassidische Bewegung aus Polen und Galizien. Ebenso kamen die Prediger der Zvi – Bewegung aus den unteren Bevölkerungsschichten. Eine Tatsache, die auch auf die Chassidim zutraf. Und genauso wie Zvi, predigten die Chassidim den sogenannten "Abstieg" ins Böse, um später spirituell aufzusteigen und so das Gute aus dem Bösen ziehen. Eine Idee des Baal Shem Tov sowie seines Nachfolgers Dov Baer von Mezritch, dem Maggid von Mezritch. 

Aber noch ganz andere entscheidene Unterschiede zum bisherigen religiösen Judentum machten dem Gaon von Vilna zu schaffen. Zum einen das ewige chassidische Thema des Zaddik (Gerechten). Nur ein Zaddik habe bestimmte Kräfte und andere müssen sich ihm anschliessen, um so näher an G – tt geführt zu werden. Ein Konzept, welches durch den inoffiziellen Nachfolger Rabbi Dov Baers, Rabbi Elimelech von Lizhensk, noch erweitert wurde. 

Außerdem beschuldigten die Mitnagdim die Chassidim, das Thora – und Talmudstudium komplett zu vernachlässigen und sich stattdessen in wilde Gebetsekstasen zu ergeben. Tanzen, wild beten und singen sollte zu einer grösseren Naehe G – ttes fuehren ? 

Die oftmals weiße Kleidung der Chassidim fiel genauso negativ auf. Überhaupt könne die ganze Ekstase nur durch Alkohol oder diverse Formen von Tabak erreicht werden, so die Meinung der Mitnagdim. Andere Erklärungen gab es für sie nicht, denn waren sie doch nur ersthaft konzentriertes Thorastudium gewohnt. Die manchmal wild herumlaufenden Chassidim waren ihnen nicht geheuer. 

Die Chassidim richteten weiter ihre eigenen Synagogen ein und dann geschah etwas, dass der Gaon von Vilna als Bruch innerhalb des Judentums ansah. Die Chassidim veröffentlichten ihr eigenes Sidur (Gebetbuch). Neben dem Nussach Ashkenaz gab es ab sofort das Nussach Sepharad. Sepharad deshalb, weil einige sephardische Riten übernommen wurden und gleichzeitig die kabbalistische Aspekte des Rabbi Yitzchak Luria mit im Sidur auftauchten. Kabbalah fuer jedermann ?

Den größten Widerstand der Mitnagdim riefen die Chassidim allerdings durch ihren weit verbreiteten Brauch die Gebete später zu sagen als halachisch vorgeschrieben, hervor. Die drei täglichen Gebete im Judentum (Shacharit – Morgengebet, Mincha – Nachmittagsgebet sowie Maariv – Abendgebet) sind genauestens im Shulchan Aruch (Code of Jewish Law) festgelegt. Heutzutage stehen die Uhrzeiten in jedem jüd. – religiösen Kalender. 

Nicht nur, dass die Chassidim Wert auf das Kabbalahstudium legten, ihre eigenen Synagogen bauten, ein eigenes Sidur (Gebetbuch) einführten und den Lehren des Baal Shem Tov folgten, nein, sie änderten auch noch die Gebetszeiten und verschoben sie auf später. Für alle Widersacher des Chassidismus war diese Tatsache der ausschlaggebende Punkt, dass es sich bei den Chassidim um G – tteslästerer und Gesetzesbrecher der Halacha handele.

Die hier aufgelisteten Gründe der zeitlichen Verschiebung der Gebete habe ich dem Buch "BeSadeh HaChassidut" des Yitzchak Alfassi übernommen:

1. Der Baal Shem Tov selber sagte, dass zu dem Zeitpunkt, an dem ein Jude betet, der "Satan" neben ihm stehe und verhindere, dass die Gebete zu G – tt aufsteigen. Von daher sei es besser, später zu beten.

2. Rabbi Yitzchak Meir von Gur sagte, dass später gesprochene Gebete von G – tt persönlich empfangen und nicht durch die Engel übermittelt werden.

3. Der Ohev Israel, Rabbi Avraham Yehoshua Heshel von Apta, sagte, daß ein Chassid, der spät betet, alle vorherigen Gebet, die nie aufgestiegen sind, durch seine Gebet mit aufsteigen lassen kann.

4. Der Seher von Lublin, Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz, sagte, daß wir nur dann beten sollen, wenn wir uns unserer Liebe zu G – tt bewußt sind und uns nicht einfach so hinstellen und beten, weil die Zeit dafür gekommen ist.

Eine weitere Tatsache, welche Chassidim bis heute von den Mitnagdim des Gaon von Vilna unterscheidet ist, dass vor dem Gebet meditiert wird. Erst nach der Meditation, die den Sinn hat, sich absolut von weltlichen Gedanken zu lösen, kann ein aufrichtiges Gebet mit der erforderlichen "DEVEKUT - Nähe", stattfinden. Eine Praxis, die schon Rabbi Menachem Mendel von Kotzk (der Kotzker Rebbe) verfolgte. Dennoch stammt diese Idee keinesfalls aus der Chassidut, sondern ist schon in einer Mishna im Talmud Berachot 30b verankert:

"Die Gerechten zu früheren Zeit meditierten für eine Stunde und dann erst begannen sie ihr Gebet. Auf diese Art und Weise lösten sie sich vollkommen von ihren weltlichen Gedanken und waren aufgrunddessen imstande, ihre Herzen direkt zu G – tt zu richten".

Hierzu eine kleine Anmerkung: Die im Talmud angegebenen Zahlen sind nicht immer wörtlich zu nehmen. Die hier genannte Stunde kann sich genauso auf mehrere Stunden oder einige Minuten beziehen. 

Nicht nur im Talmud ist jener Gebetsablauf festgelegt. Auch der Shulchan Aruch (Orach Chaim 98:1) gibt ausführliche Auskunft darüber. 

Allgemein wurde das Jahr 1772 zum Schicksalsjahr der neuen chassidischen Bewegung. Im Frühjahr kam es, wie schon erwähnt, zum handfesten Clash mit den Mitnagdim und dann verstarb auch noch der nicht unumstrittene Nachfolger des Baal Shem Tov. Nicht unumstritten deshalb, weil nicht alle den Maggid, Rabbi Dov Baer von Mezritch, als den uneingeschränkten Nachfolger des Bescht akzeptierten. Im Gegenteil, viele ehemalige Schüler des Bescht wandten sich ab und gingen ihrer eigenen Wege. Erst sechs Jahre nach dem Tode des Bescht, wurde der Maggid allgemein anerkannt, wobei es während dieses Zeitraumes zum heftigen Streit mit dem Lieblingsschüler des Baal Shem Tov, Rabbi Yaakov Yosef von Polonoye, kam. All dies führte dazu, daß sich der Chassidismus nicht mehr auf einen Ort konzentrierte, sondern sich ausbreitete. Es ist unklar, warum der Sohn des Maggid, Rabbi Avraham HaMalach die Nachfolge seines Vaters nicht antrat. Entweder wurde er als unfähig gesehen oder er verzichtete selbst darauf.

Eine weitere inhaltliche Differenz bildete das Thema: ZIMZUM. 

Der Zimzum ist der metaphorische Rückzug G – ttes bei der Erschaffung der Welt. Hätte Er dies nicht getan, so ware eine perfekte Welt mit absolute perfekten Einwohnern entstanden, aber G – tt hatte andere Pläne und wollte, dass wir Wesen mit einem freien Willen sind. 

Die Chassidut besagt, dass sich G – tt jedoch niemals ganz zurückzog, sondern immer nahe bei uns ist. In allem, was wir sehen, ist ein Funke G – ttes. Die Mitnagdim andererseits vertreten die Meinung, dass G – tt sich sehr wohl zurückzog. 

Der Gaon von Vilna wird nur allzu gern als kalt und emotionslos dargestellt. Nicht, dass sein Charakter mit dem heiteren fröhlichen Tisch eines chassidischen Rebbes gleichzusetzen ist. Der GRA hielt in Vilna keine rabbinische Position inne noch leitete er eine Yeshiva (relig. Schule). Vielmehr umgab er sich mit einem kleinen Kreis ausgesuchter Thoraschüler, wobei sein berühmtester Schüler Rabbi Chaim von Volozhin (1749 – 1821) war. 

Er hatte ein einen starken Willen und legte unendlich viel Wert auf Selbstdisziplin, Selbstkontrolle und den Verzicht auf jegliche Form von Materialismus. Seine angebliche Kälte stellte sich vielfach als falsch heraus, denn gerade der GRA half vielen Menschen aus finanzieller Not. 

Eine weitere Anklage gegen den Gaon von Vilna hörte ich immer wieder in der Zeit, in welcher ich bei Chabad Jerusalem lernte. Neben seiner Kälte sei der GRA gegen jegliche kabbalistische Studien gewesen und hätte nur wenig oder besser gar keine Ahnung von der Kabbalah gehabt. Später stieß ich auf den Kommentar des Gaon zum Buch Jonah und der Kommentar stellte sich als mehr als kabbalistisch heraus. Er war wider aller negativen Behauptungen ein Genie auf dem Gebiet der Kabbalah und ich nenne an dieser Stelle nur seine brillianten Kommentare zum Abschnitt des Zohar "Sifra Di'Zniuta" oder dem "Sefer Yetzirah" (Book of Creation). 

Besonders bei Chabad werden bis heute bissige Kommentare über den Gaon von Vilna verbreitet, was nichts Neues ist. Schon der Gründer von Chabad, Rabbi Shneur Zalman von Liadi (auch Baal HaTanya oder Alter Rebbe genannt), legte sich gern mit allen möglichen Widersachern an, um seine eigene interpretierte Form des Chassidismus an den Mann bzw. die Frau zu bringen. Bestes Beispiel hierfür sind natürlich die heftigen Dispute mit dem Gaon von Vilna und einem Enkelsohn des Baal Shem Tovs, Rabbi Baruch von Medzhiboz. 

Rabbi Shneur Zalman sah sich liebend gern als den Enkel des Baal Shem Tovs in spiritueller Hinsicht, obwohl er ihm nie persönlich begegnet war, sondern erst unter dem Maggid von Mezritch (Rabbi Dov Beer) lernte. 

Rabbi Shneur Zalman beschuldigte den Gaon von Vilna, nicht an die Kabbalah des berühmten Kabbalisten, Rabbi Yitzchak Luria, zu glauben (siehe Autor Elijah Schochet). Laut dem israel. Autor Emmanuel Etkes sind diese Anschuldigungen falsch. Der GRA respektierte sehr wohl die Meinungen der Lurianischen Kabbalah. Allerdings sah er sie nicht als bindend an wie, zum Beispiel, den Zohar. 

Rabbi Shneur Zalmans Anschuldigung kann allein schon durch die Tatsache widerlegt werden, daß der Gaon von Vilna mehr als 70 Bücher schrieb, wovon 35 kabbalistische Kommentare waren. 

Rabbi Shneur Zalman von Liadi hingegen betrachtete die Lurianische Kabbalah als direkte Offenbarung des Eliyahu HaNavi (dem Propheten Eliyah). Bis heute basiert die gesamte Chassidut Chabad auf der Lurianischen Kabbalah und man wird diesbezüglich keinerlei Kritik an Rabbi Yitzchak Luria hören. Was dieser sagte, ist bei Chabad Gesetz. 

Um den Disput etws zu entschärfen, machten sich im Jahre 1777 (1775 ?) die zwei Rabbis, Rabbi Shneur Zalman von Liadi sowie Rabbi Menachem Mendel von Vitebsk, auf nach Vilna, um den Gaon zur Rede zu stellen. Man beabsichtigte, ihm die chassidische Seite der Medaille nahezubringen, denn bisher kannte der Gaon diese nur aus Erzählungen der ihm nahestehenden Personen. Leider wurden die beiden Besucher nicht vorgelassen und es heißt, daß der GRA sogar aus seiner Hintertür schlüpfte, nur um die beiden nicht zu sehen. Eine verpasste Gelegenheit. 

Im Jahre 1797 veröffentlichte Rabbi Shneur Zalman von Liadi sein berühmtes TANYA. Ein Buch, welches die Grundzüge der Chabad – Doktrin enthält und eine Art Sammelsurium aus dem Zohar, Lurianischer Kabbalah und anderen ist. Der GRA las den TANYA und stellte gewisse Unstimmigkeiten fest. Zum Beispiel bei der Zimzum – Idee (inwieweit sich G – tt nach der Erschaffung der Welt zurückzog) und der Idee des Baal Shem Tov, daß negative Gedanken in Positives umgewandelt werden können. Eine der Lehren des Baal Shem Tovs und nicht des Rabbi Yitzchak Luria. Der Vilna Gaon sah in vielen Lehren des Tanya eine Form der G – tteslästerung. Rabbi Shneur Zalman wiederum sah die geistige Größe im Gaon, doch niemals erkannte er dessen Authorität an. 

Der jüdische Philosoph Gershom Sholem war der Ansicht, daß nicht wenige Chassidim absichtlich die Komplexität der Lurianischen Kabbalah ignorierten. Stattdessen entwickelten sie eine einfachere persönlichere und weniger intellektuelle Form des Lurianischen Vorbildes. Der Autor Moshe Idel beweist dies in seinem Buch "Die Geschichte der Kabbalah", in dem er schreibt, daß in vielen chassidischen Zirkeln die Kabbalah des Rabbi Moshe Cordovero (Vorgänger Lurias) bevorzugt wurde. Die Lurianische Kabbalah wurde so vereinfacht, daß auch Otto Normalverbraucher einen Zugang zu ihr bekam und so kam es vor, daß viele Mißinterpretationen zum eigentlichen Original entstanden. Die Chassidim ersetzten die extreme schwierige Technik der Kavanot (Konzentration) mit höchst emotionalem und enthusiastischen Gebet. Dieses wurde zum ersten Mal unter dem Maggid von Mezritch praktiziert. 

Nach dem Tode des GRA im Oktober 1797 machte sich sein berühmtester Schüler, Rabbi Chaim von Volozhin, daran, die kabbalistischen Ideen des Gaon aus Vilna zu verbreiten. Sein Buch "Nefesh Chaim" ist eine glänzende Erklärung dazu. Fünf Jahre nach dem Tode seines Lehrers gründete er die weltweit bekannte Yeshiva Volozhin, welche im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde. Mit der Yeshiva hielt das Mussar – Movement (Ethik) Einzug, dessen bekanntester Lehrer Rabbi Israel Salanter (1810 – 1883) werden sollte. 

Das Ereignis, welches urplötzlich alle Diskrepanzen zwischen den Chassidim und den Mitnagdim beseitigte, war das Aufkommen der Haskalah (Aufklärung). Obwohl die ersten Mitglieder der Haskalah durchaus noch orthodoxe Juden waren, führte schon kurz darauf alles ins Reformjudentum. Die Thora wurde zur wissenschaftlichen Studie und G – ttes Wille war gänzlich vergessen. Die Maskilim (Aufklärer) wurden zum gemeinsamen Feind des Chassidim sowohl als auch der Mitnagdim. Die Haskalah beabsichtigte, die Juden besser in die europäische Gesellschaft zu intergrieren und besonders der Mittelstand und Kaufleute sprangen auf den Zug der neuen Zeit auf. 

Ehemalige litvishe (litauische) Thorazentren wie Telz, Mir, Ponebezh oder Volozhin existieren heute nur noch in Israel oder den USA, denn die Nazis machten in Litauen alles Jüdische dem Erdboden gleich. Selbst die Synagoge des Gaon blieb vom Feuer nicht verschont und heute können wir nur noch deren nachgebautes Modell im Tel Aviver Diaspora Museum bestaunen.

Die bekanntesten Personen, welche ihren familiären Ursprung im litvishen Judentum hatten, sind:

Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kook (1865 – 1955),
Rabbi Dov Soloveitchik,
Marc Chagall,
Saul Bellow (Litvak Yiddish),
Simon Dubnov aus Riga (1860 – 1941),
Rabbi Ovadiah Yosef folgt der Schule des Chaim von Volozhin,
Bob Dylan,
Benjamin Netanyahu (richtiger Name: Benjamin Milikowsky)


Meine Quellen bezog ich aus der Literatur folgender Autoren:

Yitzchak Alfassi, Emmanuel Etkes, Elijah Schochet, Allan Nadler sowie David Assaf 

Natürlich blieb vieles unerwähnt, denn, wie schon angedeutet, ist die Materialfülle zu groß für nur einen einzigen Artikel. In der Zukunft plane ich Näheres über die Studien des Gaon von Vilna zu schreiben.

Urlaub in der Normalität

B"H

Die Sukkot - Feiertage fast ausschließlich im ultra - orthdoxen Mea Shearim zu verbringen, stellte sich im Nachhinein für mich als Überforderung heraus. Derzeit nehme ich mir "verdiente" Ferien von der chassidischen Welt. Jedenfalls der realen Welt und nicht dem Lesen entsprechender Literatur.

Die Geschlechtertrennung auf der Hauptstrasse des Stadtteiles gaben nur noch den berühmten Auslöser. Mit einer nationalreligiösen Bekannten sprach ich darüber, warum sich das die Frauen der chassidischen Mitgliedergruppen der Edah HaCharedit gefallen lassen. "Wie sollen sie sich denn wehren, wenn sie das nie gelernt haben ?" So die Antwort meiner Bekannten.

Innerhalb der letzten Wochen sah ich zuviele Mechitzot (Trennungswände), neu aufgestellte Regeln des Anstandes und leider auch manchmal zuviele Frauen, die sich ohne grosses Nachdenken allem fügen. Derweil geniesse ich meinen Abstand und das Herumlaufen in "normaler" Garderobe. Ein völliges Abtauchen in die chassidische Gesellschaft ist gewiß nichts für mich. Egal, welche Gruppe das auch sein mag.

Montag, Oktober 08, 2007

I am a Jew

B"H

David Salomon ist derzeit weltweit sehr populär mit seinem Programm: "Die Jüdische Geschichte in einer Stunde".

Seit einigen Jahren sind er und ich gut befreundet und vor einem halben Jahr machte er zusammen mit seiner Frau Aliyah nach Israel und lebt in Tel Aviv.

Wer seine Vorträge besucht, der erlebt nicht nur einen Redner, der stur auf einer Stelle steht. Nein, David ist zugleich auch Entertainer. Er rennt auf und ab, trinkt aus seiner Wasserflasche und wedelt mit den Armen. Aber die Leute kommen nicht wegen der Show, sondern wegen der Inhalte, die gut und interessant für jedermann vorgetragen werden.

Hier ein kleiner Ausschnitt, in dem er ausnahmsweise einmal sitzt und ruhig redet.

Was bedeutet es, ein Jude zu sein:

Sonntag, Oktober 07, 2007

Die Zeugen Jehovas und die Juden

B"H

Die Zeugen Jehovas und die Juden:

Die wahren Ziele sowie Geschichtsverleugnungen einer fragwuerdigen Sekte.

http://lebeninjerusalem.blogspot.com/2007/10/die-zeugen-jehovas-und-die-juden.html

Rosh Chodesh Mar Cheshvan - Beginn des jüdischen Monat Mar Cheshvan

B"H

Die hohen Feiertage sind vorüber und so manch einer von uns kann sich endlich auf eine Diät freuen, die wir nach dem vielen Festtagsessen sicher brauchen.

Nach dem ereignisreichen Monat Tishrei folgt nun ein Monat, der keinerlei Feiertage enthält. Der Mar Cheshvan. Der offizielle Monatsname ist Cheshvan, doch wird der Monat besonders in religiösen Kreisen als Mar (bitter) Cheshvan bezeichnet, eben weil er keinen einzigen Feiertag besitzt. Es wird nicht gefeiert und aufgrunddessen sind wir ausserstande, besondere Feiertagsmitzwot (Gesetze) einzuhalten. Daher der Beiname "bitter". Nichtsdestotrotz steht auch der Monatsbeginn des Mar Cheshvan für einen neuen Anfang im Leben.

Der jüdische Monat Cheshvan ist der Monat der "Flut Noachs - der Mabul" und gleich in dieser Woche, nach dem Monatsbeginn am Donnerstag, lesen wir am Shabbat die Parashat Noach.

Die Flut begann am 17. Cheshvan und endete ein Jahr später am 27. Cheshvan. Einen Tag später, am 28. Cheshvan, brachte Noach sein Opfer und G - tt versprach ihm, in Zukunft nie wieder eine Flut zur Zerstörung der Menschheit über die ganze Welt zu bringen (im Talmud sind sich die Rabbiner uneinig darüber, ob die ganze Welt überflutet war oder nur ein kleiner Teil Asiens).

Wie jeder andere jüdische Monat auch, hat der Cheshvan seine eigene Bedeutung und laut der Kabbalah ist die Farbe des Cheshvan violett, das Sternzeichen ist der Skorpion, der israelitische Stamm ist Menasche, der menschliche Sinn ist der Geruch, das Organ sind die Verdauungsorgane und der Buchstabe des Monats ist das NUN נ.

Da Cheshvan mit keinerlei Feiertagen aufwarten kann, heisst es, dass dieser Monat für den Meschiach "reserviert" ist, denn der wird im Monat Cheshvan den 3. Tempel errichten.

Was aber deutet im Cheshvan auf den Meschiach hin ?

Eines der wesentlichen Erkennungsmerkmale des Meschiach ist der Geruchssinn. Es heisst, dass der Meschiach "riecht und richtet". Unter anderem bedeutet dies, dass der Meschiach anhand einer Art besonderer Prophezeihung (des Geruchs) genau feststellen kann, wer Jude ist und wer nicht. Es kann durchaus sein, dass viele Juden oder Nichtjuden danach recht überrascht sein dürften. Insbesondere all jene, die sich bisher für absolute Nichtjuden hielten und über unbekannte Vorfahren verfügen. Als Beispiel sei hier nur die Spanische Inquisition oder die Zeit des Holocaustes genannt. Verzweifelte jüd. Eltern brachten ihre Kleinkinder in katholischen Schulen unter und hinterher weigerte sich die kath. Kirche, die wahre Identität solcher Kinder preiszugeben.

Schon ein berühmter jüd. König scheiterte am "Geruchssinn" als er den Rabbinern stolz mitteilte, dass er der erwartete Meschiach sei. Hierbei handelte es sich um Bar Kochba, der mit bürgerlichem Namen Bar Koziva hiess (siehe Talmud Traktat Sanhedrin 93b). Er war unfähig nachzuweisen, dass er der "wahre Meschiach" ist und wurde daraufhin zum Tode verurteilt. Laut der Mischna im Talmud Traktat Sanhedrin 89a wird jeder, der behauptet der Meschiach zu sein und sich hinterher als "falscher Prophet - Navi Scheker" entpuppt, zum Tode verurteilt.

Man könnte demnach meinen, dass Bar Koziva (Bar Kochba) hingerichtet wurde, aber dennoch behaupten die Midrash Eichah und der Talmud Yerushalmi (Jerusalemer Talmud) 4:5 im Traktat Taanit, dass die Römer Bar Koziva hinrichteten. Laut Kommentatoren wurde er nicht direkt von den Rabbis hingerichtet, sondern vielmehr entfernten sich seine Anhänger von ihm und machten Bar Koziva so anfälliger, von den Römern gefasst zu werden.

Ich wünsche allen einen guten Monat Cheshvan und manchmal ist es gar nicht so schlecht, eine kleine Feiertagspause einlegen zu können.

Chodesh Tov - Einen guten Monat

Ein paar Gedanken zu Bereshit (Genesis)

B"H

Am gestrigen Shabbat begannen wir von Neuem mit der Lesung der Thora. Jedes Jahr nach Simchat Thora lesen wir die Parashat Bereshit (Genesis).

Normalerweise wird "Genesis" mit den Worten "Am Anfang" übersetzt, doch hat "Bereshit" viele unterschiedliche Bedeutungen. Die Kabbalah übersetzt "Bereshit" als "Mit Weisheit erschuf G - tt …..". Allein der kabbalistische Zohar HaChadash umfasst 70 Traktate nur allein zum Wort "Bereshit".

Im Judentum haben wir das Konzept, dass jeder Mensch, und habe er auch noch ein so negatives Leben geführt, fast immer die Möglichkeit hat, zum Judentum bzw. zu G - tt zurückzukehren. Bereshit ist wie ein Neubeginn und vielleicht sollten wir diese Chance nutzen, unser Leben ein wenig positiver zu gestalten.

Für uns ist es absolut unvorstellbar gedanklich zu erfassen, wie die Welt nach der Erschaffung aussah. Die sechs Tage des Erschaffungsprozesses sind metaphorisch zu betrachten, denn zu der Zeit gab es keinerlei Zeitrechnung oder Zeitgefühl. Einzig und allein G - tt existierte und auf ihn ist Zeit nicht zutreffend. Er existierte immer und wird dies unendlich lange tun. Das erste Mal fand die Zeit Erwähnung in der Thora mit dem Satz "Und G - tt nannte das Licht Tag" (siehe Ramban zu Bereshit).

Die ersten sechs Tage beinhalten Millionen von Jahren und der relig. jüd. Physiker Dr. Gerald Schroeder beschreibt in seinen Büchern sehr deutlich, wie lange das Universum brauchte, um sich nach dem "Urknall" abzukühlen.

In der Kabbalah, vor allem in den Schriften des Arizal (Rabbi Yitzchak Luria), heisst es, dass es vor der Erschaffung der Welt nichts gab, ausser G - tt. Er füllte alles aus und wir mögen so unsere Probleme damit haben, uns ein absolutes Nichts vorstellen zu können. Als G - tt sich entschied, das Universum etc. zu erschaffen, musste Er sich selbst aus einem Raum zurückziehen, um Platz für Seine Kreation zu schaffen. Hierbei handelt es sich um den sogenannten Zimzum.

Der Zimzum fand jedoch keineswegs räumlich statt, sondern vielmehr zog Er Seine unendlichen Kräfte zurück. Denn hätte Er die Welt absolut perfekt erschaffen, dann befänden wir uns auf dem Level von Robotern und täten über keinen freien Willen verfügen. Um jedoch auch dem "Negativen" einen Freiraum zu lassen, musste sich G - tt automatisch bis zu einem gewissen Grad zurückziehen.

Die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 38a stellt die Frage, warum G - tt den Menschen erst am sechsten und nicht schon am ersten Tag erschuf. Weil sonst negative Kräfte in der Zukunft behaupten könnten, dass der Mensch Partner im Erschaffungsprozess war, was vollkommen falsch wäre.

Nicht wenige andere Religionen legen den Satz "Lasst uns den Menschen erschaffen" als eine Art Trinität aus. G - tt hätte mehrere Identitäten, was natürlich ebenso eine Fehlinterpretation darstellt. Metaphorisch gesehen erschuf hier G - tt den Menschen mit all Seinen 10 Attributen (Eigenschaften oder Sefirot). Nicht, dass G - tt "sprach", sondern dass Er Seine Kräfte für den Erschaffungsprozess benutzte.

Immer dann, wenn die Thora G - tt menschliche Eigenschaften zuweist, handelt es sich um Metaphern, denn G - tt verfügt über keinerlei solcher Eigenschaften. Die Thora allerdings gab Er uns in einer vermenschlichten Sprache, damit unser eingeschränkter Verstand in der Lage ist, sie zu begreifen. Ebenfalls sind wir nicht imstande, G - tt zu verstehen, sondern können Ihn lediglich anhand Seiner Handlungen etwas kennen lernen.

Auch existierte lt. der Thora "der Abend" vor "dem Morgen". Hierzu kommentiert Rabbi Yehonatan Eibeschütz das "der Abend" ausdrückt, dass seitens G - ttes der Gedanke kam und "am Morgen" steht für die eigentliche Ausführung der Tat.

Es gibt unzählige Kommentare darüber, was Eva (Chava) und Adam falsch gemacht haben und was genau mit dem Paradies (Gan Eden) sowie den zwei Bäumen, dem Baum des Lebens (Etz Chaim) und dem Baum der Erkenntnis (Etz HaDaat) gemeint ist. Viele Kommentatoren vertreten die Meinung, dass Gan Eden und die Bäume bestimmte seelische Level repräsentiert. Adam sowohl als auch Chava waren auf einem dermassen hohen geistigen Level, welcher für uns heute völlig unvorstellbar ist. In dem Moment als beide vom Etz HaDaat assen, bekamen sie einen materiellen Körper und die meisten hohen geistigen Level verflogen. Unsere materielle Welt, die Malchut, übernahm die Vorherrschaft und die anderen drei geistigen Welten, Atzilut, Beriah und Yetzirah, entfernten sich von der Malchut. Unsere Aufgabe ist es, die Welten und die hohen geistigen Seelenlevel wieder auf ihren Ausgangspunkt nach dem Erschaffungsprozess zurückzubringen. Dies verstehen wir unter dem Tikun Olam - die Reparatur der Welt.

Ursprünglich war geplant gewesen, dass Chava und Adam der Versuchung widerstehen und noch am kurz darauf folgenden Shabbat der perfekte Level der Welt erreicht worden wäre. Adam hätte somit alle sich in ihm befindenen Seelen repariert und die Welt sehe heute anders aus. Doch Adam und Chava erwiesen sich trotz ihres hohen Levels als nur allzu menschlich und wollten sich nicht mit dem zufrieden geben, was sie hatten. Es war ihnen erlaubt, von den Hunderten wenn nicht Tausenden von Bäumen im Gan Eden zu essen und selbst vom Baum der Erkenntnis hätten sie nach Einbruch des Shabbat essen dürfen. Doch eine negative menschliche Eigenschaft ist fast immer das zu wollen, was man nicht hat oder in anderen Worten: der Neid. Genauso erging es Kain als er seinen Bruder Hevel (Abel) tötete.

Vielleicht sollten wir aus diesen Fällen lernen, nicht immer nur auf unseren Nachbarn zu schauen, sondern uns mit dem zufrieden geben, was wir schon erreicht haben. Alles werden wir niemals erreichen, denn es wird immer jemand vor uns stehen, der mehr hat. Daher ist die beste Lösung sich auch einmal aus ganzem Herzen für seine Mitmenschen zu freuen.

Feierhöhepunkte im ultra - orthod. Mea Shearim

B"H

Wie zuvor angekündigt, verbrachte ich den Grossteil der Sukkot - Feierlichkeiten im ultra - orthod. Mea Shearim. Dort nahm man an den Zwischenfeiertagen Chol HaMoed alle Besucher auf und es war eine Menge geboten. Da die chassidischen Rebbes einstimmig versammelt waren, gab es chassidische Tische, Feiern mit Tanz und die hauseigene Klezmer - Kapelle durfte dabei auch nicht fehlen.

Rabbi Mordechai Machlis lud zum Essen an den Feiertagen und die Mahlzeiten bei einem Gerer Chassid, dessen Tochter mit einem Bobover Chassid aus Boro Park - New York verheiratet ist, waren auch nicht zu verachten. Die Tochter sprach ich übrigens sogleich auf die Spaltung der Chassidut Bobov an. Bei Bobov streiten sich nämlich seit dem Tod des letzten grossen Rebben zwei Verwandte um dessen Erbschaft bzw. Führungsposition.

Neulich las ich in der israel. Tageszeitung Haaretz einen Artikel, in dem aufgeführt wurde, dass demnächst bei Bobov demokratische Wahlen stattfinden werden und somit der "richtige" Rebbe bestimmt wird. Von der Tochter des Gerer Chassid jedoch erhielt ich ganz andere Informationen und Haaretz hat einmal wieder mehr in religiösen Angelegenheiten daneben gelangt.

Ja, es werden Wahlen stattfinden, doch geht es darum eher um ein Beit Din (rabbinisches Gericht), welches sich die Meinungen vieler Bobover Chassidim anhört und danach festlegt, welcher der beiden Kandidaten welchen Grundbesitz aus dem Bobov - Besitz bekommt. Beide Kandidaten werden allerdings weiterhin ihre Anhänger anführen und es wird somit automatisch zur Spaltung bei der Chassidut Bobov kommen.

Wo man in Mea Shearim in den vergangenen Tagen auch hinschaute, überall wurde mächtig gefeiert. Aus fast jeder Synagoge dröhnte chassidische Musik und manchmal fiel die Entscheidung schon schwer, wo man teilnehmen sollte. Die besten Feiern fanden natürlich bei den chassidischen Gruppen Toldot Aharon und Avraham Yitzchak statt. Nur war es für Frauen äusserst schwer, dorthin zu gelangen. Der Kampf um die Frauenemporen im ersten Stock war eröffnet. Es wurde gedrängelt, aber dennoch brach keinerlei Panik aus. Tausende von Menschen waren auf den Strassen unterwegs und es war schon schwer genug, überhaupt zu einer der Synagogen zu gelangen. Ganz zu schweigen von der damit verbundenen Schwierigkeit, dass an den Feiertagen die Strassen in Frauen - u. Männerseiten unterteilt waren. Damit das auch alles richtig eingehalten wurde, war eine private Wachfirma engagiert worden und die regelte sozusagen den Anstand.

Einer der Wachleute rief auf der Frauenseite, dass die Frauen endlich einmal etwas schneller gehen sollen, da daheim die Küche auf sie warte. Dies brüllte der Wachmann auch noch so richtig schön durch sein Megaphon und ich war die einzige, die ihm etwas sagte. Baff schaute er mich an und war erst einmal ruhig. Später jedoch hörte ich ihn wieder dumme Bemerkungen machen.

Beliebtester Treffpunkt für Feiern ist die Synagoge der Chassidut Karlin, im Herzen Mea Shearims. Karlin zeichnet sich dadurch aus, dass die Chassidut sehr offen ist, obwohl man beim Anblick der Chassidim ganz anderes vermuten könnte. Chassidut Strokov und die Shomrei Emunim standen jedoch nicht nach und auch bei ihnen gab es eigene Bands mit Klezmer und wild tanzenden Chassidim.

Bei Toldot Aharon wurden an einem Abend kleine Päckchen mit Info - Blättern an die Mitglieder ausgeteilt. Nur an die Frauen wohlgemerkt. Selbstverständlich liess ich mir das Info - Material nicht entgehen und siehe da, die anti - zionistische Dachorganisation in Mea Shearim, die Edah HaCharedit, erliess zusammen mit dem Oberrabbiner der Stadt Bnei Brak, Rabbi Nissim Karelitz, neue Erlässe darüber, wie sich die anständige haredische (ultra - orthod.) Frau zu kleiden hat. Zuvor waren mir Poster aufgefallen, in denen diverse haredische Frauen als "Prostituierte" bezeichnet wurden. "Genug mit der Prostitution der haredischen Frau" so hiess es auf den Plakaten.

In dem Info - Material befand sich unter anderem ein Schreiben der Edah, in dem auf einem Bild der absolute "Anstandsrock" erklärt wurde. Der Rock muss in der Taille mind. 10 cm vom Körper abstehen, heisst, er darf nicht zu eng am Körper anliegen. Von der Taillenhöhe abwärts bis hin zu den Knien muss der Mindestabstand zum Körper mind. 42 cm betragen. Der Rock muss insgesamt so lang sein, dass der Abstand zwischen Rock und Fussboden nur 18 cm beträgt. Wer sich für die genauen Masse mit Grösse und Gewicht der Frau interessiert, dem kann ich alle Details gerne zukommen lassen.

Den Feierlichkeiten tat das alles keinen Abbruch und es ging recht wild zu. Im Erdgeschoss hatten die Männer mehr Platz zu stehen, doch auf der Frauenempore ging alles im Gedränge unter. Auf der Treppe zu Avraham Yitzchak traf ich eine Frau der chassidischen Satmar - Gruppe, die ihre zwei kleinen Kinder die Treppe hinaufzerrte. Die Kleinen habe sie nicht allein daheim lassen wollen, so erzählte sie mir im Gedränge. Oben angekommen gab sie auf und machte sich wieder auf den Weg nach unten. Hunderte von Frauen und jungen Mädels hingen im wahrsten Sinne des Wortes an den Glasscheiben, durch welche man hinunter zu den Männern schauen konnte. Alle versuchten sich irgendwie am Eisengerüst hinaufzuhangeln, um einen kurzen Blick zu erhaschen. Ich hangelte nicht, sah aber zumindest die chassidische Klezmer Band bei Avraham Yitzchak.

Bei Toldot Aharon ging es noch wilder zu und um allem vorzubeugen, liess man an Simchat Thora nur Mitglieder in die Synagoge. Bei den Satmarer Chassidim machte man schon einmal eine Ausnahme, denn die reichen Satmarer unterstützen Toldot Aharon finanziell. Da ich niemanden finanziell unterstützte, kam ich leider nicht hinein.

Bei der Chassidut Strokov mussten gleich alle Frauen draussen bleiben und gaben sich mit den Blicken durch die Fenster zufrieden. Als Frau über die haredische Gesellschaft zu schreiben, ist nicht immer einfach.

Der Häuserkauf im Arabischen Viertel

B"H

Als ich an Sukkot auf dem Vorplatz zur Kotel (Klagemauer) stand, hörte ich über Lautsprecher eine Ansage, dass in wenigen Minuten eine Tour durch den arabischen Stadtteil beginnt. Ich schloss mich an und sogleich ging es los. Von den 30 Teilnehmern war ich die einzige, die nicht in Israel geboren worden war. Unser Guide war Yishai, ein junger Thoraschüler der Yeshiva Ateret Cohanim im arab. Viertel.

Ateret Cohanim wird vom nationalreligiösen Rabbiner, Rabbi Shlomo Aviner, geleitet und ist berühmt für ihren Fundamentalismus und insbesondere der Häuserkäufe im arab. Viertel. Häuser werden von Palästinenser erstanden und an jüdische religiöse Familien weitergegeben. Das Ziel ist, dass das arab. Viertel ganz allmählich jüdisch wird.

Vor wenigen Jahren machte Ateret Cohanim von sich reden als sie das PETRA - Hostel, sowie ein weiteres Hotel und 27 arab. Shops am Jaffa Tor standen. Die Griechisch Orthod. Kirche hatte den Besitz an Juden verkauft, denn einer ihrer Mönche hatte sich mit mehreren Millionen Dollar aus dem Staube gemacht und die Kirche brauchte dringend Cash. Die Palästinenser waren ausser sich und drohten sogar, den Patriarchen umzubringen. Der wurde dann auch geschwind durch einen neuen ersetzt.

Unsere erste Station war die Kleine Kotel, die Kotel HaKatan. Über eine enge Gasse kommt man von Chagai Street zum Eingang auf den Tempelberg. Davor sitzen zwei israel. Polizisten und links davon befindet sich die kleine Kotel, eine Verlängerung der Klagemauer. Es war uns möglich, auf den Tempelberg zu blicken und wir sahen viele Moslems herumlaufen. Aufgrund der derzeitigen Unreinheit ist es uns Juden verboten, das Anwesen zu betreten.
Es war schon ein komisches Gefühl sich vorzustellen, wie es einmal zu Tempelzeiten gewesen sein muss und es war genauso schwer daran zu denken, wie es einmal wieder sein wird, wenn Meschiach den Dritten Tempel baut. Yishai sagte uns, dass es immerhin eine grosse Mitzwah sei, die Azarah (Platz um das Allerheiligste) an einem Feiertag zu sehen.

Die grösste Sorge war immer wieder ob unsere zweistündige Tour auch sicher sei. Yishai bestätigte dies und verwies auf die allgegenwärtige Armee. Wir bogen von der Chagai ab und kamen zum Löwen - und Blumentor. Die Palästinenser haben dem Grossteil der hebrä. Strassennamen einfach neue eigene Namen gegeben. So wurde zum Beispiel aus der Löwentorstrasse "Al Mudshaheddin" usw.

Wir kamen zu mehreren Häusern, die nun in jüdischem Besitz sind. Insgesamt wohnen 60 jüdische Familien im arab. Teil der Altstadt. Gekauft werden die ehemals arab. Häuser zu weit überteuerten Preisen, denn der frühere Besitzer muss zusätzlich Geld für seine Flucht erhalten. In dem Moment, in dem Moslems herausfinden, dass einer ihrer "Brüder" seinen Besitz an Juden verkauft, kann es zu einer Lynchjustiz kommen, was kein Einzelfall ist. Also muss dem Moslem gleichsam die Flucht ins Ausland oder ein neuer Name finanziert werden.

Es kam die Frage auf, warum wir alles zurückkaufen müssen, wenn uns doch vor dem Unabhängigkeitskrieg vor 1948 viele Häuser in der Altstadt schon gehört haben. Darauf antwortete Yishai, dass derzeit die Gesetzeslage nun einmal so sei.

Wir besuchten einige der aufgekauften Häuser und die darin lebenden Familien. Yishai machte darauf aufmerksam, dass wir ein jüdisches Haus immer an der schusssicheren Eingangstür sowie der draussen hängenden israel. Flagge erkennen. Manche Häuser wurden von einer oder mehreren Familien bewohnt. Ich erinnere mich an eine sehr schöne Geschäftstrasse mit viel Grün. Eigentlich hätte alles so friedvoll sein können, doch hingen überall die ebenso grünen bedrohlichen Flaggen der Hamas. Yishai meinte zu mir, dass sich hier keiner schämt, seine wahre Sympathie kundzutun.

Alle jüdischen Häuser wurden von privaten Sicherheitsunternehmen bewacht. Kameras überall und es war ein recht mulmiges Gefühl zu wissen, dass die Leute draussen keine guten Absichten gegen ihre neuen Nachbarn hegten. Die Bewohner sprachen von ihrem einzigartigen Zionismus und Idealismus. Die Araber müssen sehen, dass wir auch heute überall present sind, denn das ist ganz wichtig ihnen zu zeigen, damit sie sich nicht zu sicher fühlen. Trotzdem, für mich wäre das kein Leben. Ewig hinter einer Sicherheitsmauer umgeben von Wachpersonal.

Vor 1948 gehörten tatsächlich viele Häuser Juden und deren Besitz wurde nach dessen überstürzter Flucht aus der Altstadt einfach konfisziert. Davon spricht heutzutage kein Mensch mehr. Synagogen wurden zerstört, Thorarollen geschändet und die jordanischen Besetzer benutzten jüdische Grabsteine zum Strassenbau.

Ganz zum Schluss sahen wir einen kurzen Film und Ateret Cohanim wies darauf hin, dass man auch in Zukunft arab. Besitz aufkaufen will. Die gesamte Aktion könnte jedoch in Gefahr geraten, sollte Olmert Jerusalem teilen. Dann nämlich wären Juden ein zweites Mal gezwungen, vor der arabischen Gewalt zu fliehen.

Sinn und Zweck der Touren war es, den Israelis zu verdeutlichen, dass Jerusalem nicht einfach nur so eine Stadt wie jede andere ist, sondern dass sie das Herz der Juden darstellt.

Mittwoch, Oktober 03, 2007

Die Missionare marschierten

B"H

Ueber den Marsch der Christen aus aller Welt durch die Jerusalemer Innenstadt am gestrigen Nachmittag kann ich nichts berichten. Wie schon erwaehnt, verbat das Oberrabbinat (Rabbanut) Juden, an der Veranstaltung teilzunehmen. So wie ich hielten sich andere leider nicht daran und marschierten vor den Christen vorweg. So wie eine Abgesandtschaft von El Al und der Bank Discount.

Es bleibt unbestritten, dass es viele ehrliche Christen gibt, die sich nicht nur aus eigennuetzigen Gruenden fuer Israel interessieren. Leider sind jedoch immer schwarze Schafe darunter, die penetranten christlichen Missionare, und um genau die geht es in meinem Bericht.

Schon Tage zuvor erreichten uns Jerusalemer Plakatmitteilungen von fast allen Waenden der Stadt. Man wollte eine Gegendemo gegen die christl. Veranstaltung im Jerusalmer Messezentrum organisiseren.
Die christl. Botschaft und andere hatten gestern Abend zu einem grossen Event im Binyanei HaUma aufgerufen, bei dem viele Christen, darunter auch Missionare, Vortraege halten wollten. Ausserdem gab es Verkaufsstaende, an denen billige Ramschware aus dem Bazar der arab. Altstadt zu Horrorpreisen verschachert wurde. Wenn es ums Geld geht, ist man dann doch nicht mehr so christlich.

Mit einer Freundin war ich um kurz vor 19.00 Uhr bei der Gegendemo, die aus ungefaehr 50 Leuten besteht. Die Mehrheit von ihnen waren litvishe Haredim sowie einige Nationalreligioese. Der Organisator trat vorerst nicht in Erscheinung und wie aus dem Nichts tauchte Benjamin Kluger vor mir auf. Benjamin ist ein Vertreter der anti - Missionagruppe in Jerusalem, Yad LeAchim und ich kenne ihn schon einige Jahre.

Er kam um herauszufinden, wer der eigentliche Veranstalter der Demo war und meinte zu mir, dass die Demoa an sich nutzlos sei. Drinnen im Messezentrum wuerden die Christen schliesslich nicht missionieren, sondern waeren unter sich.
Daraufhin kam es zu heftigen Diskussionen mit den litvishen Haredim, die das Gegenteil behaupteten.


Benjamin Kluger (Photo Yad LeAchim)

Unzaehlige Male schon schrieb ich ueber die Mission und ich sprach mit Benjamin Kluger ueber meine Blogs. Die Leute, die mir bezueglich Yad LeAchims schrieben, seien herzlich von ihm gegruesst und er meinte, dass er diesen Blog in Zukunft auch lesen werde.

Nach einigem Hin und Her betrat der Veranstalter die Buehne, von dem aber kaum jemand genau weiss, wer er eigentlich ist. Es erschien ein recht netter Nationalreligioeser mit seinem kleinen Sohn.

Dann ging es auch schon los. Die Christen kamen in ihren Reisebussen angerollt und es wurden Handzettel an sie ausgeteilt. In engl. und hebrae. Sprache.
"Vorsicht Missionare" und eine Auflistung des eigentlichen Zwecks der Laubhuettenfestivitaeten der sogenannten christl. Botschaft.

Die Polizei liess auch nicht lange auf sich warten und war dementsprechend geladen, denn die Demo war nicht angemeldet gewesen. Der Veranstalter hatte drei Schilder mitgebracht, welche in Richtung einmarschierende Christen gehalten wurden. Die Polizei wollte am liebsten die Demo aufloesen, entschied sich jedoch anders. Wir sollten alle so weit wie moeglich von den Christen entfernt werden und man meinte zu uns, dass wir gegen das Gesetz verstossen.

Die Demo teilte sich in drei Gruppen auf, welche fast alle Einfahrten zum Messezentrum besetzten. Man schrie "Missionaries out" und warf ihnen Flugblaetter entgegen.

Die Christen reagierten sauer, obwohl es erst den Anschein erweckte, dass sie dachten, wir seien so eine Art Empfangskommittee. Als sich jedoch herausstellte, dass uns ihre falsche Judenliebe gegen den Strich geht, reagierten sie teilweise aggressiv.

Eine Frau schrie uns entgegen: "Was Ihr liebt uns nicht ?"

Andere wiederum riefen uns zu: "Joshua Meschiach".

Wieder andere meinten, wir sollen ganz einfach nur "unser Maul halten" und lachten zynisch.

Mittlerweile hatte man auch innerhalb des Messezentrums reagiert und die Obermissionare traten am Fenster auf Beobachtungsposten. Wir waren zwar nur wenige und alles schien desorganisiert, doch schafften wir es, wahrgenommen zu werden. Das beste war der Gesichtsausdruck der Christen, wenn sie das Flugblatt lasen. In dem Moment wussten sie, dass sie nicht alle hinters Licht fuehren koennen.

Stadtverwaltung und Polizei standen den Christen zur Verfuegung, denn fuer Buergermeister Lupolianski, der sich so religioes - haredisch gibt, steht das Geld der Touristen im Vordergrund. Anstatt etwas Nuetzliches zu tun, stand er lieber in seiner Sukkah (Laubhuette) vor dem Rathaus und schuettelte die Haende der Besucher.

Wie mag er sich dabei nur gefuehlt haben ?

Interessante Beitraege zum Laubhuettenfest Sukkot in Jerusalem

B"H

Dieser Tage hatte ich nur recht wenig Zeit fuer meine Blogs. Heisst, ich habe zwar weniger geschrieben, doch war ich nicht ganz so untaetig. Ich unternahm recht viele Ausfluege innerhalb Jerusalems, nahm an nicht wenigen Veranstaltungen teil und werde spaetestens in der kommenden Woche ausfuehrlich darueber berichten.

Wegen der Feiertage kann ich noch nicht mit Gewissheit sagen, ob ich diese Woche noch etwas Neues in den Blog stellen werden, dennoch geht am Sonntag wieder alles seinen geregelten Gang. Falls ich es diese Woche nicht mehr schaffen sollte, die Thoralesung Parashat Bereschit (Genesis), zu schreiben, so werde ich das in den naechsten Woche nachholen. Bereschit ist besonders wichtig, da viele Kommentatoren der Meinung sind, dass die gesamte Thora sowie die ganze Welt von den ersten Saetzen in der Thora abhaengt.

Ausserdem werde ich einige ausfuehrliche Berichte ueber die Feiern in Mea Shearim bei den Chassidim verfassen und besonders interessant duerfte fuer einige ein Artikel ueber die Yeshiva (relig. Schule) "Ateret HaCohanim" im arab. Teil der Altstadt sein. Mit denen machte ich gestern Nachmittag eine Fuehrung durch den arab. Teil der Altstadt mit und es wurde erklaert, warum und wie genau Ateret Cohanim arab. Haeuser aufkauft, damit immer mehr Juden in den arab. Teil ziehen koennen. u.a. besuchten wir mehrere juedische Familien in ihren Haeusern im arabischen Teil der Altstadt.

Vorerst einmal noch schoene Feiertage - Chag Sameach - חג שמח - aus Jerusalem.

Montag, Oktober 01, 2007

Die Unerwünschten

B"H

Seit 2000 Jahren muss das jüdische Volk christliche Missionsversuche über sich ergehen lassen und ist es endlich leid. Ich frage mich bloß, wieso es dazu der 2000 Jahre bedurfte.

Auf einmal geht alles sehr schnell. Das Oberrabbinat entschied, dass keine Juden an der morgigen christl. Parade durch Jerusalem teilnehmen sollen. Mehr dazu hier:

http://hamantaschen.blogspot.com/2007/09/das-langersehnte-verbot-des.html

Morgen soll nun die Parade steigen und des Weiteren wird im Jerusalemer Messezentrum gegenüber dem Zentralen Busbahnhof ein großes Treffen der Christen unter sich stattfinden.

Aus aktuellem Anlass rufen sämtlich jüdisch - religiöse Organisationen zur Demonstration vor dem Messezentrum (Binyanei HaUma) auf. Die Demo findet morgen, Dienstag, um 18.30 Uhr vor dem Gebäude statt.

Ich werde daran teilnehmen und später einen Bericht schreiben.

Die beiden israelischen Oberrabbiner. Rechts im Bild der sephardische Oberrabbiner Rabbi Shlomo Amar und links sein aschkenazischer Kollege Rabbi Jonah Metzger.




Photo Ynet

Jerusalem ist überlaufen

B"H

Cafes und die gesamte Altstadt sind komplett überlaufen. Aus allen Landesteilen stroemen die Israelis nach Jerusalem, um an den Sukkot - Feierlichkeiten teilzunehmen. Allein der gestern stattfindende Segen der Tempelpriester (Birkat HaCohanim) zog Tausende Menschen an. Zu bemerken sei allerdings, dass die Besucherzahl seit Jahren schrumpft und selbst viele Bekannte sagen mir, dass sie sich unter den vielen Touristen unwohl fühlen und da lieber ihre eigene heimische Synagoge vorziehen, anstatt sich in den Trubel zu stürzen.

Gestern Abend besuchte ich die Altstadt und mir bot sich fast das gleiche Bild. Tausende Menschen kamen und gingen. Bis spät in die Nacht hinein waren fast alle Geschäfte im jüdischen Viertel geöffnet. Der Pizzapreis kletterte ins Unermessliche und diejenigen, die sich ihr eigenes Essen mitbrachten, waren gut beraten.

Aber nicht nur in der Altstadt wird gefeiert. Der ultra - orthod. Stadtteil Mea Shearim steht an allererster Stelle gefolgt vom Stadtteil Katamon. Wer sich nicht in die engen Gassen der Altstadt quetschen will, der zieht ein ruhiges Cafe irgendwo ausserhalb vor. Apropos, was heisst ruhig ? Auch in den Cafes herrscht ein riesen Trubel.

Das ganze Land scheint auf den Beinen zu sein und die Ferien zu geniessen. Nichts anderes interessiert derzeit und die Israelis sind froh, sich in ihre eigene Welt zurückziehen zu können. Die Parks sind voll religiöser Juden, die mit ihrer Kinderschar zum Barbecue einladen. Besonders empfhehlenswert sind hier der Gan HaPaamon (Bell Park) und der Sacher Park. Nebenbei laufen viele Attraktionen für die Kinder.

Viele lässt das Thema kalt, doch gerade in diesen Tagen erlangt es an erneuter Aktualität. Das Koscher - Zertifikat (Hechscher). So mancher isst nicht überall und an den Restauranttheken gibt es so manche Diskussion, ob das Essen unter der Aufsicht des Oberrabbinates oder der chassidischen Edah HaCharedit steht.

"Was nur Rabbanut (Oberrabbinat) ?" heisst es vielmals. Das ist einigen Leuten zu wenig und da wechselt man lieber zu einem Ambiente, wo ein Hechscher der Edah oder von den Belzer Chassidim geboten wird.

Jerusalem und sein ewiger Kampf um das richtige Hechscher. Auch während der Feiertage gibt es kein Entrinnen vor dem Thema.