Donnerstag, Dezember 31, 2009

Parashat Vayechi - פרשת ויחי




B"H

Die dieswöchige Thoralesung

Der Talmud Pesachim 56a lehrt uns, dass Yaakov kurz vor seinem Tod seinen Söhnen mitteilen wollte, wann G - tt Seine rechte Hand in den Schlachten gegen die Feinde des jüdische Volkes wieder einsetzen will, doch die Schechinah (G - ttes Anwesenheit) verliess ihn. Somit besass Yaakov keinen Level mehr, um weitere Prophezeihungen auszusprechen.


G - ttes rechte Hand steht hier metaphorisch für "G - ttes Rückzug Seiner Kräfte und die damit verbundene Freiheit der Völker, über Israel zu herrschen". Sobald G - tt Seine Kräfte wieder auf der Seite Israel einsetzt, werden die Feinde der Juden unterliegen.

Beim Lesen dieser Gemara (rabbinische Diskussionen) begann ich mich zu fragen, was geschehen wäre, wenn Yaakov tatsächlich alle seine Prophezeihungen der Zukunft des jüdischen Volkes betreffend offenbart hätte. Sagen wir, er hätte seinen Söhnen sowie seinen beiden Enkelkindern (Menasche und Ephraim) den exakten Zeitpunkt der Ge'ulah (Erlösung, Redemption) bekanntgegeben. Nehmen wir einmal an, Yaakov hätte all jene Leiden des Exils, der Diaspora (Galut), Pogrome oder die Könige Israels vorhergesagt. Hätten die Juden dann allen ernstes gegen die Gesetze G - ttes verstossen und zwangsläufig ihre eigene Galut herbeigeführt ?

Vielleicht nicht, aber was wir stets immer wieder lernen ist, dass G - tt die Welt so erschuf, dass wir Menschen einen "Freien Willen - Bechirat Chofshit" besitzen. Und jetzt stelle man sich vor, wo unser freie Wille wäre, wenn wir alles im voraus wüssten. Es ist nur allzu menschlich, sich um derlei Weisagungen nicht unbedingt zu kümmern, denn schon die Propheten, welche die Tempelzerstörungen vorhersagten, fanden wenig bis gar kein Gehör. Obwohl wir die Konsequenzen können, denken wir nicht an die Zukunft, sondern an das Jetzt; und im Jetzt geht es mir noch hervorragend. Wozu also unnötig sorgen ?

Die Tempel wurden zerstört und die Juden landeten in der Diaspora und im Grunde genommen nutzten sie somit ihren "freien Willen".
Die Frage ist jedoch die, ob, wenn ich genau weiß, wann der Meschiach eintrifft, ich auch weiterhin noch darauf hinarbeite ? Nachdem "Beit Scheni - der Zweite Tempel" zerstört worden war, wussten die Juden sehr wohl, dass eines Tages der Meschiach kommen wird. Doch sollten wir einerseits etwas für dessen Ankunft tun, indem wir ggf. einen Tikun Olam (Reparatur der Welt) vollbringen oder dies zumindest versuchen.
Wie ?
Anhand der Einhaltung von Thoramitzwot, Gebeten, speziellem Verhalten, etc. Was aber
soll ich noch groß einhalten, wenn ich eh weiß, dass der Meschiach erst in 2000 Jahren erscheinen wird ? Und wird mein freier Wille damit nicht ausgeschaltet ? Mein Wille, den Meschiach zu bringen oder nicht.

Ferner ersehen wir aus der Parashat Vayechi, dass Yaakov nach der Namensvergabe "Israel" durch den Engel, mit dem er kämpfte, weiterhin in der Thora als Yaakov erscheint. Als er jedoch vor dem Tod seine Enkel und Söhne segnet, nennt ihn die Thora "Israel".
Kommentatoren führen an, dass Yaakov immer dann Israel genannt worden ist, sobald er sich auf seinem höchsten Level befand wie in dem Falle bei den Prophezeihungen.

Den Part, welchen chassidische Kommentatoren zu dieser Thoraparasha immer wieder hervorheben ist, wie sehr Yaakov auch in der Fremde G - tt diente und die Gesetze einhielt. Bei Lavan sowohl als auch in Ägypten. Dies sollte nicht nur den in der Diaspora lebenden Juden zu denken geben, sondern genauso die in Israel lebenden Juden an ihre eigene Herkunft bzw. ihre g - ttgegebene Aufgabe erinnern.

Schabbat Schalom

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