Dienstag, September 22, 2009

Der Kampf um den Level

B"H

Innerhalb der nationalrelig. sowie haredischen (ultra - orthodoxen) Gesellschaft tobt ein Kampf um den eigenen Level: Wie relig. bin ich und bin ich nicht besser als mein Nachbar ?
In diversen Stadtteilen schaut man sich schon um, was der andere Part macht; wie die Kinder gekleidet sind (ja anständig) und wie fromm da jemand ist.

Mich hat dieses Vergleichsdenken schon immer genervt, doch kommt man in der relig. israel. Gesellschaft wohl kaum drumherum. Spätestens dann nicht, wenn man die eigenen Kinder unter die Haube bringen muss. In dem Moment wird beim etwaigen Ehepartner emsig darauf geachtet, dass er aus einem guten Stall (Haus) kommt und keine bösen Überraschungen auf einen warten.

Lösungsvorschläge ?

Keine, denn so funktioniert die Gesellschaft. Ob man das nun gutheißt oder nicht. Allerdings bedeutet dies nicht automatisch, dass ich mich dem anschließen muss. Es ist immer wichtig, auf sein eigenes Potential zu schauen und nicht auf das anderer.

Die Tage zwischen Rosh HaShana und dem am Sonntag abend beginnenden höchsten jüdischen Feiertag Yom Kippur werden "Aseret Yame'i Teschuva - die zehn Tage der Teschuva - Umkehr zu G - tt" genannt. In diesen Tagen haben Juden die Möglichkeit, das anstehende G - ttesurteil (erfolgend am Yom Kippur) über jeden Einzelnen zum Positiven zu ändern; ebenso zum Negativen, um dies auch einmal zu erwähnen.

Gehen wir aber vom Positiven aus:
An Rosh HaShana hat G - tt sozusagen drei Bücher vor sich liegen. Juden, deren gute Taten überwiegen, werden sofort ins "Buch des Lebens" eingetragen. Heißt, sie bekommen von G - tt ein weiteres Lebensjahr. Andere mit schlechten Taten erwartet kein so tolles Neues Jahr. Die Mehrheit der Juden aber befindet sich im Twilight. Es gibt gute und schlechte Taten und die Waagschale hält sich so in der Mitte. Wie also soll G - tt in dem Falle entscheiden ?

Wenn wir uns innerhalb dieser zehn Tage zwischen den beiden hohen Feiertagn einigermassen benehmen, Spenden geben, beten, eben unseren guten Willen zeigen, kann die positive Seite der Waagschale zu unseren Gunsten ausfallen. Aus diesem Grund sind derzeit viele Juden damit beschäftigt, vor G - tt einen guten Eindruck abzugeben. Selbst wenn dies nicht immer perfekt gelingt (wer ist schon perfekt), der Wille zählt letztendlich.

Ein jeder sollte in sich gehen und sich auf seinen persönlichen Level konzentrieren und seine Zeit nicht damit verschwenden, des Nachbarn Potential höher einzuschätzen.

Don't worry, be Jewish !

B"H

Laut einer aktuellen Umfrage sieht die Mehrheit der israelischen Jugendlichen die jüdische Religion als wichtig. "Religion oder relig. sein ist COOL.

Totgeglaubte leben bekanntlich länger !
Dieses Motto scheint auf die israelische Jugend zutreffen. Bisher wurde sie als weitgehend säkuler und ignorant gesehen, doch anscheinend besannen sich viele Jugendliche eines Besseren. Man trennt wieder milchige und fleischige Speisen und etwas mehr als 70% beabsichtigen am Yom Kippur (kommende Woche Sonntag abend - Montag abend) zu fasten.
Wer hätte das gedacht ? Es gibt also doch viel Positives zu verkünden !

Details liefert ARUTZ 7 !

Montag, September 21, 2009

Pro & Contra "Getrennte Busse"

B"H

Wenn man gerade kein Thema zur Hand hat, dann lästern nationalrelig. sowie jüdisch - säkulere Blogs gerne über die Haredim (Ultra - Orthodoxe). Wenn ich so durch die Blogwelt schaue, fällt mir immer wieder auf, dass die Leute, die am lautesten Lästern und Schreien gar keine Haredim kennen. Noch nie hatten sie nähere Kontakte mit Jerusalemer Haredim und hier insbesondere jene Haredim, welche sich als Mitglieder der antizionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit" bezeichnen. Selbst bei der "Edah" kommen schon wenig bis gar keine Kenntnisse der Lästerer auf, denn das sind (so die Blogger) garantiert nur alles bekloppte Neturei Karta - Leute; jene, die den Staat Israel ablehnen sans-serif;">Warum gewisse Haredim den Staat Israel in seiner heutigen Form ablehnen interessiert die wenigstens der Blogger - Lästerer. Hauptsache drauf auf die Gesellschaft und seinen Hass versprühenEin immer wieder gerne präsentiertes Hass - Thema gegen die Haredim sind die "nach Geschlechtern getrennten Busse". Nicht nur in Jerusalem, sondern auch anderswo in haredischen Gebieten wie Bnei Brak (bei Tel Aviv), Beitar, Kiryat Sefer oder der haredische Teil von Beit Shemesh: Ramat Beit Shemesh.

Die wenigsten, die sich zu dem Thema auslassen sind tatsächlich Jerusalemer. Die Bewohner Jerusalems haben nämlich nicht allzu viel zu reklamieren. Über was auch ?
Wo gibt es getrennte Busse, in denen Mann und Frau getrennt sitzen ? Eine offizielle Trennung kennt die staatliche Busfirma Egged nur im Bus nach Bnei Brak. Der Linie 402. Und wenn mir die Trennung nicht passt, dann fahre ich mit den Linien 405 oder 480 nach Tel Aviv. Andere nach Geschlechtern getrennte Busse werden von privaten Busfirmen, wie, u.a., dem SUPERBUS, gestellt. Doch auch hier sind nicht alle Busse mir haredischen Fahrgästen tatsächlich nach Geschlechter getrennt. Nicht einmal der Bus von Jerusalem nach Beit ShemeshWas es gibt, sind inoffizielle Trennungen, bei denen die Frauen hinten und die Männer im vorderen Teil des Busses sitzen. Diese Busse aber bewegen sich fast ausschließlich in haredischen Gegenden, in welche eh keine anderen Fahrgäste unterwegs sind.


Sind die relig. Frauen wirklich so sehr gegen die Geschlechtertrennung im Bus ?"


Ich befragte mehrere Frauen und bekam erstaunliche Antworten präsentiert:


Ein Großteil der haredischen (ultra - orthodoxen) Frauen zieht die Trennung im Bus vor und betrachtet sie keineswegs als abwertend oder frauenfeindlich ! In Jerusalem setzten sich sogar mind. zwei Frauengruppen für eine Geschlechtertrennung im Bus ein: eine haredische sowohl als auch eine nationalrelig. Gruppe. Die Trennung hat durchaus den Vorteil, dass man als Frau nicht ständig von männlichen Fahrgästen angegafft wird. Ich erlebte es auch schon live mit, wenn Männer so taten als sei der Bus voll und im Gedrängel grabschten sie an den Frauen herum. Egal, ob Religöse oder nicht.

Ich bin nicht unbedingt ein Befürworter der Busse, die nach Geschlechtern getrennt durch einige Städte fahren oder auch nicht, doch sollte ein jeder Kritiker vor seiner Kritik die Fakten abwägen und nicht nur einfach mal eben auf Stimmungsmache gehen.

Bild des Tages

Jüdisch - amerikanische Soldaten in Bagdad an Rosh HaShana



Freitag, September 18, 2009

Shana Tova + Schabbat Schalom

B"H

Rosh HaShana werde ich in Jerusalem vebringen. In wenigen Stunden mache ich mich frühzeitig auf den Weg, denn die Busse werden gerammelt voll sein.

Donnerstag, September 17, 2009

Dwasch, Honey, Honig

B"H



Honey (Engl.) genauso wie Dwasch (Hebräisch) bedeuten Honig und es ist der Honig, der uns ab Rosh haShana bis hin zu Hoshana Rabbah (an Sukkot) verfolgen wird.


Es herrscht der Brauch, dass wir während der Zeit Apfelstücke in Honig tauchen, was symbolisiert, dass wir ein gutes und süsses Neues Jahr haben werden. Der süsse Honig soll die Freude im Herzen hervorrufen, so der chassidische Rabbi Zadok HaCohen aus Lublin.


Ab morgen (Freitag) abend werden uns in den nächsten Wochen die hohen jüdischen Feiertage (Rosh HaShana, Yom Kippur und Sukkot) begleiten.


Hier vorab ein kleiner Feiertagskalender:

Kerzenzünden zum Schabbat und Rosh HaShana in Jerusalem: 18.02 Uhr. Am zweiten Tag von Rosh HaShana werden die Kerzen zum zweiten Tag nach 17.17 Uhr gezündet. Enden tut Rosh HaShana am Sonntag, 20. September um 19.16 Uhr.


In der Mehrheit der israelischen Synagogen sollte man Sitzplätze für die Feiertage im voraus reservieren. Auch fallen dabei einige 100 Schekel (?) an Kosten an. Insbesondere am Yom Kippur. Dennoch gibt es Synagogen, wo jeder Jude umsonst hineindarf. Fragt sich nur, ob er, wegen des Andrangs, noch einen freien Sitzplatz erwischen wird.


Chassidisches: In der Zemach Zedek Synagoge bei Chabad in der jüd. Altstadt (im Cardo) gibt es immer Platz. Bei Belz hingegen wird es kritisch, denn Hunderte Belzer Chassidim fliegen über die hohen Feiertage aus Antwerpen und London ein. Von daher wird bei Belz definitiv kein freier Sitzplatz mehr vorhanden sein, aber wer will, kann stehen.


Nicht vergessen das Taschlich am zweiten Tag von Rosh HaShana, denn der erste Tag ist ein Schabbat !!!


Freitag Abend + Samstag (25. + 26. September): Schabbat Teshuva, der Schabbat zwischen Rosh HaShana und Yom Kippur


Die zehn Tage zwischen Rosh HaShana und Yom Kippur werden "Aseret Yamei Teshuva - 10 Days of Repentance" genannt. Fuer sie gelten einige spezielle Regeln sowie natuerlich der Brauch (Minhag) der Kapparot.

Montag, 21. September: Der Halbfastentag Zom Gedaliah


Sonntag abend + Montag (27. + 28. September): Yom Kippur.
Kerzenzuenden für Yom Kippur: Um 16.51. Das Fasten endet am Montag abend um 18.05 Uhr. Die Zeitangabe gilt nur für Jerusalem !


Freitag, 2. Oktober: Erev Sukkot - Beginn des Laubhüttenfestes Sukkot.
Kerzenzünden für Sukkot: Um 16.44 Uhr. Der erste Feiertag endet am 3. Oktober um 17.59 Uhr. Die Zeiten gelten nur für Jerusalem ! 

In Israel feiern wir acht Tage Sukkot, in der Diaspora dagegen werden neun Tage Sukkot gefeiert.

In Israel feiern wir am 9. / 10. Oktober den biblischen Feiertag "Schmini Atzeret". Das Kerzenzünden dafür beginnt um 16.35 und enden tut der Feiertag um 17.50.

Rosh HaShana ist, wie ich zuvor schon einige Male erwähnte, ein Tag, an dem G - tt die gesamte Menschheit und die ganze Welt richtet. Nicht nur Juden, sondern auch Nichtjuden.


SHANA TOVA - Ein gutes, gesundes, friedvolles und erfolgreiches Neues Jahr 5770 für uns alle !Freitag abend, 18. September: " Erev Rosh HaShana" - Abends Beginn des jüd. Neujahrfestes Rosh HaShana.

Mittwoch, September 16, 2009

Thoraschreine

B"H


Bilder einiger kunstvoll gestalteter Thoraschreine (Aron HaKodesh) in verschiedenen Synagogen:



Der Thoraschrein der Chassidut Dushinsky in Jerusalem



Der Thoraschrein der weltberühmten litvischen Yeshiva "Ponebezh" in Bnei Brak (bei Tel Aviv)




Selichot Gebete vor dem Thoraschrein in der chassidischen Gruppe Permishlan


Link:

Aron HaKodesh.COM

Honigkuchen für Rosh HaShana

B"H


Gutes Gelingen beim Honigkuchenbacken zum Festtag !




- 6 Eiweiß


- Eine halbe Tasse Zucker


- Beides zusammen schaumig schlagen


Ein Eigelb mit einer halben Tasse Honig vermischen und etwas Vanille dazugeben. Außerdem kann noch etwas Zitronensaft hinzugefügt werden. Alles zusammen schaumig schlagen. Dann eine Tasse Mehl sowie das schaumig geschlagene Eiweiß mit dem Zucker hinzugeben.


Den Teig bei 180 Grad 20 - 30 Minuten lang backen.


Würde mich freuen Eure Reaktionen zu hören.
Ist der Kuchen zu essen oder nicht ?



"HaMelech" - Die Bedeutung des jüdischen Neujahrsfestes Rosh HaShana



B"H


Rosh HaShana, das jüdische Neujahrsfest, welches am Freitag abend (18. September) beginnt, beinhaltet soviel mehr als nur den weiteren Beginn eines neuen Jahres im jüdischen Kalender.


Am Montag (25. Elul) feierten wir den Jahrestag der Welterschaffung, wohingegen Rosh HaShana, der erste Tishrei, die Erschaffung von Adam und Chava (Eva) repräsentiert. Beide wurden am sechsten Tag (folglich an Rosh HaShana) erschaffen (siehe Talmud Rosh HaShana 8a, RIF, Tosafot, Maharsha, Sefat Emet).


Nun stellt sich automatisch die berechtigte Frage, warum wir das Neujahsfest nicht am Tage der Welterschaffung, sondern am Tage der Erschaffung von Adam und Chava begehen ?


Weil die Welt erst mit der Erschaffung der Menschheit ihren eigentlichen Sinn und ihre Perfektion erreichte. Der Mensch ist die Krönung des Erschaffungsprozesses, denn nur er ist in der Lage, G – d zum König zu krönen und Seine Mitzwot (Gesetze) auszuführen (Talmud Rosh HaShana 8a, Shaarei HaMoadim von Chabad). Gleich zu Beginn des Talmud Traktates Rosh HaShana gibt es eine Diskussion darüber, ob die Welt am 1. des Monats Nissan (ca. April) oder am 1. Tishrei erschaffen wurde. Der Thorakommentator Ohr Chaim schrieb, wie ich finde, den besten Kommentar zu diesem Streitpunkt. Er kommentiert, dass G – tt am 1. Nissan an die Erschaffung der Welt dachte und die tatsächliche Aktion, sprich die Erschaffung selbst, erst am 1. Tischrei vornahm. Die Mishna im Talmud Rosh HaShana 16a lehrt uns, dass G – tt an Rosh HaShana die Menschheit richtet. Zu Beginn des Morgengebetes Shacharit am ersten und zweiten Feiertag beten wir das Gebet "HaMelech – Der König". G – tt sitzt auf Seinem Thron und richtet uns und gleichzeitig krönen wir Ihn zum König, denn Er allein hat die Welt und uns erschaffen.


Wie sitzt G – tt und richtet ?


Das Sitzen ist an dieser Stelle metaphorisch gemeint und heißt, "er beugt sich zu uns hinab". Er ist uns näher als sonst. Außerdem läßt uns der Talmud Rosh HaShana wissen, dass G – tt, wieder metaphorisch betrachtet, drei Bücher vor Sich liegen hat (Rosh HaShana 16b). In das Erste trägt Er jene Menschen ein, welche kaum Vergehen begangen haben und deshalb sofort in das Buch des Lebens für das kommende Jahr eingeschrieben werden können. Das zweite Buch ist für jene Sünder, die im Buch des Lebens aufgrund ihrer Vergehen keinen Platz mehr haben und das dritte Buch ist für all jene, die irgendwo dazwischen liegen. Allgemein wird angenommen, dass Letzteres auf uns zutrifft.


Laut jüdischer Tradition richtet G – tt an Rosh HaShana die gesamte Welt sowie die ganze Menschheit. Egal, ob Jude oder Nichtjude. Bei Juden allerdings zieht sich der Urteilsprozeß bis zum Yom Kippur, zehn Tage nach Rosh HaShana, hin. Erst dann gibt es ein endgültiges Urteil (Talmud Rosh HaShana 16a). Einigen chassidischen Kommentatoren zufolge wird das endgültige G – ttesurteil erst zu Chanukkah gesprochen.


Rosh HaShana wird ausserdem Yom HaDin (Judgment Day), Yom HaZikaron (Day of Remembrance) sowie Yom Teruah (Day of Sounding) genannt. Die Bezeichnung Rosh HaShana finden wir nicht in der Thora, denn dort heißt es vielmehr, dass wir am ersten Tag im siebten Monat einen "Day of Sounding" haben sollen. Der Talmud Traktat Rosh HaShana gibt schriftliche Beispiele, woran wir erkennen, dass jener Tag "Judgment Day" ist.


Nun könnte man meinen, dass das Neujahrsfest ein extrem ernster Feiertag ist und wir unser Büssergewand anziehen müssen. Teilweise stimmt dies, doch ist Rosh HaShana auch vor allem ein fröhlicher Festtag, was viele Leute vergessen. Unter anderem sollen wir festliches Essen servieren und uns freuen.


Aber der 1. Tischrei (Freitag abend, Samstag) repräsentiert nicht nur die Erschaffung der Menschheit, sondern auch unsere Vorväter Avraham und Yaakov wurden an dem Tag geboren. Da ein Zaddik (Gerechter) immer an seinem Geburtstag stirbt (siehe das berühmte Beispiel des König David an Shavuot einschließlich den Talmud Rosh HaShana 11a), starben Avraham und Yaakov auch an diesem Tag. Und es war an Rosh HaShana, dass G – tt sich an unsere Vormütter Rachel und Sarah sowie an die Mutter des Propheten Samuel (Shmuel) erinnerte. An dem Tag beschloß G – tt, dass diese drei Frauen Kinder haben werden.


Wir sitzen also in den Synagogen und G – tt soll entscheiden, ob wir für das Neue Jahr ins "Buch des Lebens" eingetragen werden. Buch des Lebens heißt nicht nur Leben, sondern auch alle unsere Lebensverhältnisse werden bestimmt. Sei es nun unser Arbeitsleben, Freundeskreis, werden wir genügend Geld verdienen, ein Dach über dem Kopf haben und und und. All das gehört dazu.


Es ist anzunehmen, dass jeder von uns mit den allerbesten Vorsätzen in die Synagoge geht. Wir kommen an, beten und versprechen alles Mögliche im kommenden Jahr besser zu machen. Andererseits weiß jeder irgendwie, dass der Wille zwar stark ist, aber das Fleisch schwach. Ich will damit sagen: Was passiert, wenn ich am Rosh HaShana alles Mögliche verspreche, es aber nicht einhalte und schon zwei Tage später in den alten Trott verfalle.
Hierauf gibt uns die Thora Antwort. Als Avraham seine zweite Frau Hagar und den gemeinsamen Sohn Ishmael fortsandte, ritten die beiden durch die Wüste und liessen sich später erschöpft nieder. G – tt hörte das Weinen des Kindes Ishmael und beschloß in dem Moment, ihn nicht verdursten zu lassen, obwohl Rr wußte, dass spätere Generationen Ishmaels das jüdische Volk vernichten wollen. Hieraus lernen wir, dass G – tt einen Menschen in einem Augenblick richtet, obwohl Er natürlich weiß, dass derjenige wieder sündigen wird (siehe Talmud Rosh HaShana 16b) .


Wie begehen wir also Rosh HaShana ?


Normalerweise gehen die Männer einige Stunden vor dem Beginn des Neujahrsfestes in die Mikwe (Ritualbad). Allgemein gibt es zusätzlich noch den Brauch, Friedhöfe zu besuchen oder Zedakah (Spenden) zu geben (siehe Shulchan Aruch – Orach Chaim – Hilchot Rosh HaShana 581).


Die Super – und Wochenmärkte werden alle hoffnungslos überfüllt sein, denn es gilt die sogenannten Simanim zu besorgen (Karotten, Granatäpfel, Fisch – bzw. Schafskopf, Honig und dergleichen).


Kurz vor Beginn des Festes beten wir in bestimmtes Gebet (siehe Machzor fuer Rosh HaShana), anhanddessen wir Schwüre, welche wir während des ausklingenden Jahres ausgesprochen haben, für Null und Nichtig erklären (Bitul Nedarim). Häufig im Leben kommt es vor, dass wir G – tt gegenüber etwas versprechen, dies kurz darauf wieder vergessen und es nie und nimmer einhalten. Allerdings vergißt G – tt unsere Schwüre nicht und könnte sie theoretisch bei der "Urteilfällung" gegen uns verwenden. Aus dem Grunde sagen wir das spezielle Gebet.


Am Feiertag (nicht jedoch am Schabbat) dürfen wir von einem brennenden Feuer kochen. In der Praxis schaut das so aus, dass wir vor dem Feiertag eine 48 – Stunden Kerze anzünden und von jener dann mit einem Streichholz jederzeit eine Flamme entnehmen können. Auf diese Art und Weise dürfen wir einen Herd anzünden (in Israel gibt es überwiegend Gasherde) und kochen. Da wir jedoch am Feiertag Essen für den Schabbat vorbereiten und das Kochen somit nicht unter die Kategorie "Essen für den Feiertag, sondern für einen anderen Tag" fällt, muss ein Eruv Tavschilin ausgesprochen werden. Die Prozedur hierfür kann jeder seinem Machzor (Gebetbuch für den feiertag) entnehmen.


Üblicherweise geht es nach dem Kernzenanzünden in die Synagogen zum Abendgebet Maariv. Beim Kerzenanzünden nicht den zweiten Segen "She Hechiyanu" vergessen.


Zum Beginn des Rosh HaShana wird während des Maariv kein Schofar geblasen. Dies findet erst zum Morgengebet Shacharit and beiden Tagen statt. Auch sagen wir kein HALLEL (Psalmen 113 – 118) an Rosh HaShana. Einer der Gründe dafuer, dass wir kein Hallel sagen ist, dass wir uns daran erinnern, dass G – tt über uns richtet und wir keine übermässige Freude zeigen sollen.


Nach dem Abendgebet wird zur festlichen Tafel geschritten. Normalerweise findet nach dem Kiddusch (Segnung des Weines) die Zeremonie der Simanim statt. "Simanim" heißt übersetzt "Zeichen" und es handelt sich hierbei um bestimmte Essenszubereitungen, welche wir in einer vorgeschriebenen Reihenfolge essen. Mit dabei sind natürlich der Apfel, welches in Honig getaucht wird und ein süsses gutes Neues Jahr repräsentiert. Jedes einzelne kleine Menu hat seinen speziellen Segen und eine eigene Bedeutung. Die Simanim sind u.a. ein Symbol dafür, dass jeder Jude sein eigenes Schicksal ändern kann.
Eines der Simanim – Menus fällt jedes Jahr auf allgemeine "Begeisterung", denn es soll etwas Fleisch aus einem Fisch oder Schafskopf gegessen werden. Der Kopf liegt auf einem Teller und als ich vor Jahren bei Chabad den Schafskopf sah, fiel ich fast vom Stuhl. Vor allem weibliche Teenies kriegen da ihren Kreischanfall. Man kann sich auch weigern, was viele tun. Aber das Fleisch aus dem Fischkopf symbolisiert, dass wir am Beginnn von etwas stehen wollen und nicht nur am Ende.


Eine äußerst wichtige Rolle spielt der Honig. Das ganze Jahr über verteilen wir auf die Challot (Shabbatbrote) etwas Salz, aber an Rosh HaShana tauchen wir alles in Honig. Vor allem Chassidim essen ihr Brot mit Honig bis mindestens Hoshana Rabbah (Ende von Sukkot). Nach dem Essen bzw. des nachts gibt es den Minhag (Brauch), Auszüge aus dem Talmud Traktat Rosh HaShana zu lernen. Bei mir befinden sich jene Auszüge (Pesukkim) im Machzor, aber ich weiß nicht, wie es damit bei anderen Leuten in der Diaspora ausschaut.


Am darauffolgenden Samstag (Schabbat) geht es zurück in die Synagoge, wo ein langer G – ttesdienst auf uns wartet. Bei den Chassidim noch länger als anderswo üblich. Der Morgeng – ttesdienst Shacharit beginnt mit dem "HaMelech – Gebet", indem wir, wie zuvor beschrieben, G – tt zum König krönen. Nur Er allein ist der Herrscher der Welt.


Bei Ashkenazim folgt das "HaDin" – Gebet und danach Avinu Malkeinu. Die Thoralesung am ersten Tag erzählt uns, wie Avraham seine zweite Frau Hagar fortsandte und G – tt ihr später eine Wasserquelle zeigte. Was wir außer dem Richten in dem speziellen Moment lernen ist, dass Hagar die Quelle erst sah als G – tt sie ihr zeigte. Wahrscheinlich aber war die Quelle schon die ganze Zeit dagewesen und Hagar hatte sie übersehen. Dies zeigt uns den tieferen in Situationen, wo wir meinen, es gebe keine Lösung für uns. Wir suchen und suchen und sehen vor lauter Bäumen den Wald nicht. Hätten wir dagegen genau hingeschaut, dann hätten wir die perfekte Lösung sofort erkannt. Eine Lösung, welche gleich neben uns steht, wir sie aber nicht sehen.


Der Maftir am Ende der Thoralesung erfolgt aus Sefer BaMidbar (Numeri) 29:1, in welcher uns G – tt aufträgt, einen Day of Sounding (Yom Teruah) zu einzulegen.


Die anschließende Haftarah (Lesung aus den Propheten) erzählt und von Channah, der Mutter des Propheten Samuel (Shmuel).


In der Synagoge, in die ich gehe, wird nach der Haftarah jedesmal an dieser Stelle ein Kiddusch (Segnung des Weines) gemacht und es gibt ein paar Kuchenstücke (Mesonot) zu essen. Im Anschluß darauf folgt das Blasen des Schofars. Im darauffolgenden Mussaf wird das Schofar nochmals geblasen.


Am zweiten Tag verläuft der Morgeng – ttes fast gleich. Allerdings lesen wir aus der Thora die "Akeidat Yitzchak", die Opferung des Yitzchak. Der Maftir ist der gleich wie am Vortag.


Die Haftarah (Lesung aus den Prophetenerfolgt aus Yirmeyahu (Jesaja) 31:1 – 19. Hier verspricht G – tt den Juden, ewig an sie zu denken und sie zurückzuführen in das Land ihrer Vorfahren.


Die wichtigste Mitzwah am Rosh HaShana ist, dass ein jeder das Schofar hört. Des weiteren gibt es noch einige Minhagim (Bräuche) wovon der bekannteste wohl ist, dass man am Rosh HaShana sich nachmittags nicht hinlegt und schläft. Außer des nachts soll jeglicher Schlaf vermieden werden, denn G – tt richtet über uns und da macht ein Mittagsschlaf keinen guten Eindruck. Außerdem essen wir keine Nüsse, denn das hebräische Wort für Nuss "Egoz" hat die gleich Gematria (Zahlenwerte hebräische Buchstaben) wie das Wort Vergehen (Chet).


Am ersten Feiertag ist es üblich (Minhag) nach dem Nachmittagsgebet Mincha zu einem Fluß oder Meer zu gehen und das Taschlich – Gebet zu sprechen. Der Brauch des Taschlich begann im Mittelalter und steht symbolisch für G – ttes Vergebung unserer Vergehen am Judgment Day (Gerichtstag). Wer Taschlich verpaßt, was mir oft passiert, der kann dies noch während der zehn Tage bis Yom Kippur nachholen und bei vielen Chassidim sogar noch bis Hoshana Rabbah. Wer keinen Fluß in der Nähe hat, der kann sich an einen Brunnen oder einen Wasserhahn stellen (nicht im Badezimmer !!!) und und spricht bei laufendem Wasser das Gebet (siehe Machzor).
Sollte der erste Rosh HaShana – Feiertag auf einen Schabbat fallen, so findet das Taschlich am zweiten Tag statt. Aber in diesem Jahr sind wir von der Regel befreit und Taschlich findet ganz normal am ersten Tage statt.





Taschlich am Fluß




Wer in Israel nicht gerade am Meer wohnt, hat es schwer, denn nicht überall fliesst ein Fluß vorbei. Zu Tempelzeiten war es in Jerusalem anders, doch heute ist der Gichon ausgetrocknet. Es gibt Quellen, zu denen man gehen kann, doch befinden sich diese im oder nahe des arab. Dorfes Silwan (gegenüber des Tempelberges) und nicht immer ist der Gang dorthin ohne Sicherheitsrisiko.


Wer sich in Jerusalem befindet und dennoch ein gutes Taschlich haben will, der kann sich Jeff Seidel und seiner Gruppe anschliessen. Getroffen wird sich vor der Kotel (Klagemauer) um ca. 15.30 Uhr (Zeit kann auf http://www.jeffseidel.com/) abgerufen werden. Frauen und Männer müssen der jüd. Religion gemäß anständig gekleidet sein. Kipa für den Mann und langen Rock für die Frau.




Rosh Chodesh Tishrei – Der Beginn des jüdischen Monat Tischrei


Rosh HaShana ist zugleich der Beginn des Monats Tischrei und diesbezüglich fasse ich mich nur kurz. Da mich viele um die kabbalistischen Bedeutungen eines jeden Monats baten, hier die Kurzfassung für den Monat Tischrei.


Jeder jüdische Monat symbolisiert ein Sternzeichen, einen der israelitischen Staemme, einen hebrä. Buchstaben, einen der menschlichen Sinne und ein Organ.


Das Sternzeichen ist die Waage, da G – tt uns richtet und unsere Vergehen gegenüber unseren guten Taten aufwiegt.Bei dem israelitischen Stamm handelt es sich um Ephraim, die Farbe des Tischrei ist rot – violett, der Buchstabe ist das Lamed ל, das Organ ist die Galle und der menschliche Sinn ist das Anfassen.




Zom Gedaliah – Der Fastentag des Gedaliah


Den Fastentag des Gedaliah begehen wir am 3. Tischrei (Montag, 21. September) gleich anschließend an Rosh HaShana. Der Vorteil ist, dass viele eh eine Diät nach all dem Festtagsessen brauchen und da kommt der Fastentag gerade recht. Zom Gedaliah ist für nicht wenige ein Fastentag, zu dem sie keinen persönlichen Bezug finden und ich bilde da keine Ausnahme. Man sagt sich, naja, eigentlich sollte man fasten, aber tut es dann doch nicht. Zum Zom Gedaliah habe ich einige Ausführungen im Talmud Rosh HaShana 18b gefunden, die so mancherlei Ansicht vielleicht ändert. Wie erwähnt, findet er normalerweise am 3. Tischrei statt und ist ein Halbfastentag. Gefastet wird von morgens (ca. 5.00 Uhr) bis ca. 20.00 Uhr am Abend.


Wer war Gedaliah überhaupt und was hat er mit mir zu tun ?


Gedaliah war der vom babylonischen König Nebuchadnezzar eingesetzte jüdische Gouverneur über Eretz Israel. Er wurde von seinem Landsmann Ishmael ben Nethaniah umgebracht. Eine Schreckenstat, die wenig später zur völligen Auslöschung jüdischen Lebens in Israel führte (siehe Yirmeyahu – Jeremiah 39 – 41). Der Zom Gedaliah war schon zu Zeiten des Zweiten Tempels ein Fastentag und wir sollen uns bewußt machen, dass der Tod eines Zaddik (Gerechten) einer Tempelzerstörung gleicht. Besonders erinnert wurden wir an das Ereignis als der ehemalige Premier Yitzchak Rabin ermordet wurde. Nicht, dass Rabin so ein großer Zaddik war, doch tötet kein Jude einen anderen Juden.




Rabbi Nachman MeUman


Bis auf den heutigen Tag hält sich die Tradition, dass die Breslover Chassidim das Neujahrsfest in Uman (Ukraine) feiern. Genau dort befindet sich nämlich das Grab ihres einzigen Rebben, Rabbi Nachman von Breslov, dem Urgroßenkel des Baal Shem Tov. Und jener Rabbi Nachman beauftragte seine Chassidim vor seinem Tode im Jahre 1810, jedes Jahr an Rosh HaShana zu seinem Grab nach Uman zu kommen und vorgegebene Psalmen zu beten. Hierbei handelt es sich um zehn Psalmen und wer Interesse hat, dem kann ich die genauen Psalmennummer mitteilen.


Aber nicht nur Breslover Chassidim befinden sich gerade auf dem Weg nach Uman. Tausende anderer Juden aus Israel machen sich jedes Jahr auf. Aschkenazim und Sephardim zugleich. Auch der ehemalige Vorsitzende der sephardisch – haredischen SHASS – Partei sowie der israel. Entertainer Dudu Topaz. Die Mehrheit der Rabbiner lehnt den Nachman – Kult an Rosh HaShana ab. Da fliegen mehrere Sonderflüge vom Ben Gurion Flughafen aus nach Uman und Ehemänner lassen ihre Frauen und Kinder allein zuhause. Der ehemalige sephardische Oberrabbiner, Rabbi Ovadiah Yosef, auf, dass Rabbi Nachman zwar ein aufrichtiger Rabbi war, aber eine Familie an Rosh HaShana nach Israel gehört und zusammen am Tisch sitzt. Die Männer fliegen nach Uman und die Frauen fahren nicht selten zu ihrem eigenen Treffen nach Meron (Nordisrael).


Aber aller Ablehnung zum Trotz, die Breslover sind auf dem Weg, um am Grabe von Rabbi Nachman zu tanzen. Mit ihrem traditionellen weißen Streimel (Pelzmütze) oder ohne. Diejenigen Daheimgebliebenen tanzen am Erev Rosh HaShana, Mittwoch Abend, wird vor der Kotel (Klagemauer). Immer ganz witzig anzusehen.


Und was macht man in Jerusalem ?


Zuerst einmal in die Synagogen gehen und daheim reichlich essen.


Hier ein paar Tipps:


Für die Große Synagoge in der Keren Hayessod müssen Sitzplätze im voraus reserviert werden !

Fast alle weiteren Synagogen in Jerusalem sind ausgebucht. Insbesondere Mea Shearim, in welchem mehrere chassidischen Gruppen ausschließlich NUR ihre eigenen Gruppenmitglieder einlassen. Wer es ganz einfach will, der gehe an die Kotel, wo Rabbi David Aaron eine Carlebach – Minyan zelebriert. Zeiten hängen in der Jüdischen Altstadt aus !!!


Weiterhin in der Jüdischen Altstadt befindet sich einer der Speisesäle der Yeshiva Aish HaTorah, gegenüber Bonker's Bagels. Dort findet ein ganzes Rosh HaShana – Programm statt. Synagoge samt Shiurim (Vorträge). Zu beachten sei, dass nur Juden an diesem Programm teilnehmen können !!!


Essen:


Rabbi Mordechai Machlis im Stadtteil Maalot Dafna organisiert sämtliche Mahlzeiten,

 
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Dieser Beitrag ist außergewöhnlich lang, aber den Feiertag Rosh HaShana kann man nicht so einfach Ex und Hopp abhandeln. Ich hoffe, dass ich keine oder kaum Infos vergessen oder übersehen habe, zu erwähnen. Natürlich haben Gemeinden oft unterschiedliche Bräuche (Minhagim) und nicht jeder feiert es so, wie hier beschrieben.
Ferner beten wir an diesem Rosh HaShana die längste Amidah (Schemona Ezrei) des Jahres ! Oft glauben wir, die sei am Yom Kippur der Fall, doch normalerweise findet dies statt, sobald Rosh HaShana auf einen Schabbat fällt.


Auf alle Fälle wünsche ich jetzt schon einmal allen Lesern ein Gutes und gesundes Neues Jahr 5770 und das alle ins Buch des Lebens eingeschrieben werden !!!!


Shana Tova ve' Chatimah Tova - שנה טובה וחתימה טובה !!!!



Links zu Rosh HaShana

B"H


Hier einige Links zu verschiedenen Rosh HaShana Artikeln:


- Akeidat Yitzchak - Die Opferung des Yitzchak


- Bilder aus einer Schofar - Fabrik


- Adam HaRishon und Rosh HaShana


- G - ttes Thron

Dienstag, September 15, 2009

Die jüdische Hochzeit: Warum die Braut den Bräutigam siebenmal umkreist

B"H

Viele religiöse Bräuche halten wir ein, ohne uns groß darüber im Klaren zu sein, dass es sich überhaupt um einen Brauch handelt oder woher genau dieser Brauch stammt.

Eine Leserin fragte mich nach der Herkunft des folgenden Brauches:
Während einer jüdischen Hochzeitszeremonie unter der Chuppah (Hochzeitsbaldachin) umkreist die Braut den Bräutigam.
Warum tut sie das und woher stammt der Brauch ?

Anfangs meint man, dass die Frage recht einfach zu beantworten sei. Obwohl ich mir zu diesem Thema nie tiefere Gedanken gemacht habe, war ich mir sicher, leicht an Informationen zu kommen. Dem war dann nicht so und es kostete mich einiges an Zeit. Ein Rabbiner gab mir einiges an Material, was ich am Ende nicht genau benutzen konnte, denn sämtliche Rituale unter der Chuppah wurden angesprochen, nur nicht die Umrundungen der Braut.
So befragte ich Chabad in New York und ich bekam folgende Antwort zugesandt:

Zuerst einmal sind die Umrundungen der Braut unter der Chuppah ausschließlich ein aschkenazischer Brauch. Von sephardischen Juden wird er nicht praktiziert !

Braut und Bräutigam werden gewöhnlich von ihren Eltern zur Chuppah begleitet. In chassidischen Gemeinden wird der Bräutigam von seinem Vater sowie seinem Schwiegervater zu Chuppah gebracht. Die Braut wird von ihrer Mutter sowie ihrer Schwiegermutter unter die Chuppah begleitet. Der Bräutigam tritt zuerst unter die Chuppah.
Nachdem beide Parteien unter der Chuppah angekommen sind, umkreist die Braut den Bräutigam siebenmal. Dieses Ritual geschieht in den meisten aschkenazischen Gemeinden, doch nicht in allen.
Die Braut umzirkelt den Bräutigam im Uhrzeigersinn. Manche tun dies dreimal andere wiederum siebenmal. In einigen Gemeinden umkreist die Braut den Bräutigam allein, in anderen Gemeinden wird sie von ihrer Mutter und der Schwiegermutter begleitet. Während die Braut diesen Brauch ausführt, singt der Kantor gewöhnlich "Mi Ban Siach". In der chassidischen Gruppe Chabad wird dieses Lied nicht gesungen und stattdessen ertönt eine Melodie des Gruppengründers, Rabbi Schneur Zalman von Liadi.




Siehe hier die Umkreisungen der Braut

Das Umrunden des Bräutigams basiert auf einer Prophezeihung (Yirmeyahu - Jeremia 31:21) bezüglich des messianischen Zeitalters. "Die Frau umkreist und beschützt den Mann". Mit den Umkreisungen baut die Frau eine unsichtbare Mauer um ihren Gatten herum. Sie allein wird in diesen Kreis um ihn hineintreten, heißt, mit ihm zusammen einen Bund schließen.

Die drei Umkreisungen des Bräutigams symbolisieren die drei Aussagen (siehe Hoshea 2:21 - 22) zum Bund zwischen G - tt und Israel (den Juden): "Ich werde Dir auf ewig anvertraut sein. Ich werde dich mit Gnade, Gesetz, Liebe und Gerechtigkeit ehelichen. Ich werde dich mit Vertrauen aufnehmen".

In vielen Gemeinden stellen die Umkreisungen von der Braut eine kabbalistische Bedeutung dar. Siebenmal umrundeten Joshua und die Israeliten die Mauern Jerichos, bis die gewaltigen Mauern einstürzten. Die Braut umkreist den Bräutigam siebenmal, damit auch damit sämtliche störenden Mauern im Verhältnis der Zwei auf ewig verschwinden.
Ebenso erinnern die sieben Umkreisungen an die sieben Chuppot, welche G - tt zu Ehren der Hochzeit von Adam und Eva (Chava) im Paradies (Gan Eden) errichtete. Bitte diese letzte Aussage als metaphorisch betrachten und keineswegs wörtliche nehmen !

Das Umrunden des Bräutigams im Uhrzeigersinn bedeutet, das die Braut einen Kreis nach rechts zieht. In der Kabbalah steht die "rechte Seite" für G - ttes Güte.

Bedeutung:
Die Braut umkreist ihren Zukünftigen und steigt damit, symbolisch betrachtet, höher auf. Solange, bis sie zur Krone auf dem Kopf des Bräutigams wird (Metapher !).

Unser Leben ist nichts weiter als ein Spiegel zur spirituellen Welt. Unsere materielle Welt ist somit nur ein Spiegelbild der spirituellen Welt.
Metaphorisch betrachtet steht die Hochzeit auf Erden für die Hochzeit zwischen G - tt und dem jüdischen Volke. Der Bräutigam steht symbolisch für G - tt, die Braut für das jüdische Volk und die Chuppah für den Berg Sinai. Deswegen tritt der Bräutigam zuerst unter die Chuppah, denn G - tt wartet auf seine Braut, die Juden.

Weiterhin steht das Umkreisen für das Licht G - ttes, welches jedes Ehepaar umgibt. Die Zahl 7 steht im Judentum immer für etwas Ganzes oder perfekt Vollkommenes. Vom Materiellen ins Spirituelle wie die sechs Tage der Welterschaffung und der Ruhepause G - ttes am siebten Tage. Sowie der Schabbat die Krönung einer Woche ist, so wird die Braut zur Krone des Bräutigams.

Maimonides über "Teschuva"

B"H

Eines der berühmtesten Werke des Rambam (Maimonides, 1135 - 1214) ist die "Mischna Thora", in welcher sämtliche Halachot erklärt werden; bis hinein in das messianische Zeitalter.

Da wir am Freitag abend außer dem Schabbat auch das jüdische Neujahrsfest Rosh HaShana begehen, hier einige Ideen des Rambam zur Teschuva (Umkehr zu G - tt). Wie wir wissen, sind Adam und Eva (Chava) an diesem 1. Tischrei erschaffen worden. G - tt richtet die Welt an Rosh HaShana; Juden und Nichtjuden genauso wie die Welt selbst. Wir alle sollten vor dem Fest Teschuva begehen und am Festtag selbst G - tt um Gnade und Vergebung bitten.

Solange wir Juden keinen Tempel haben, gibt es keine andere Art der Versöhnung außer Teschuva (Umkehr zu G - tt). Siehe "Mischna Thora - Hilchot Teschuva" 1:3.

Zu Tempelzeiten wurden Opfer gebracht und wer aufrichtig um G - ttes Gnade bat und seine Vergehen eingestand, dem wurde vergeben. Heutzutage haben wir keinen Tempel; jedenfalls nicht solange, bis der Meschiach kommt und den Dritten Tempel baut.
Ohne Tempel dürfen Juden keine Opfer darbringen und die Teschuva erfolgt einzig und allein durch Gebete, Einsicht und dem Vorhaben, in der Zukunft alles besser zu machen. Ferner gehört die Einhaltung der Mitzwot (Thoragesetze) ebenso zum Teschuvaprozess mit dazu.

Der Rambam bestimmte in der Mischna Thora (Hilchot Beit HaBechirah, 2:4), dass Juden Opfer bringen dürfen, sobald der Tempelaltar auf seinem vorgeschriebenen Platz "in Betrieb" genommen wird. Obwohl der Tempel nicht stehen muss, auf dem vorgeschriebenen Altar jedoch könnte geopfert werden. An dem Platz, an welchem der ursprüngliche Tempelaltar stand. Geopfert in der halachisch vorgeschriebenen Form.

Eine Tieropferung aber war noch lange nicht die Garantie für die Vergebung G - ttes. Man muss schon seine absichtlichen oder unabsichtlichen Missetaten aufrichtig bereuen und Besserung geloben. Ansonsten lehnte G - tt das Opfer ab.

Montag, September 14, 2009

Happy Birthday, Welt !

Der Big Bang
Photo: NASA

B"H

Heute (Montag) ist der 25. Elul, der Tag, an dem G - tt unser Universum erschuf. Das in dieser Woche (Freitag abend) beginnende Rosh HaShana steht für die Erschaffung der beiden ersten Menschen - Adam und Eva (Chava).

Ganz besonders am heutigen Tag sollten wir G - ttes Erschaffungen zu würdigen wissen !

Details:

ARUTZ 7

Mehr Judentum

B"H

Der gestrige Kommentar von Jakob machte mich persönlich nachdenklich. Jakob nämlich meinte, dass ihn die Berichte über christliche Missionare weniger interessieren, sondern er sich stattdessen mehr Judentum wünscht.

Genau dieser Gedanke beschäftigte mich schon einige Zeit, doch sollten wir nie die Gefahr, die von christlichen Missionaren ausgeht, unterschätzen oder übersehen. Besonders jene Juden, die keinerlei Wissen über ihre eigene Religion besitzen, sind den kriminell vorgehenden Missonaren ausgeliefert. Deswegen ist Information immer wichtig, denn nur aufgeklärt kann man den Lügen der Missionare entgehen.

Dennoch begab ich mich zum gestrigen Tuvia Singer Vortrag im Jerusalemer "Israel Center" erst so ziemlich zum Schluß. Ich hatte einfach genug die Ausführungen aus dem Neuen Testament zu hören. Rabbi Tuvia Singer ist einer der Größen bei der Aufklärung bezüglich wie die Kirche die Thora manipuliert, doch war mir einfach nach etwas Jüdischem. Und so ging ich zum Schiur (Vortrag) von Rabbi Chaim Eisen, der da allwöchentlich den Ramban (Nachmanides) sowie den Rambam (Maimonides) zum Thema hat. Und zwar so zum Thema, dass sich der Vortrag auf besonders hohem Niveau bewegt.
Derzeit unterrichtet Rabbi Eisen einen Kommentar des Ramban zum Rambam und wir sprachen darüber, wie unterschiedliche die beiden Gelehrten die "Wunder" dieser Welt betrachten. Auch im Bezug auf das messianische Zeitalter. Aber dazu später mehr !

Wie gesagt stiess ich erst gegen Ende zum Shiur von Tuvia Singer. Jemand aus dem Publikum fragte ihn, was er (Singer) denn mit seinen Vorträgen beabsichtige.
"Aufklärung", sagte Rabbi Singer. Nur so kann man christlichen Missionaren den Gar ausmachen und jene Juden vor der Mission retten, die fast gar nichts über ihre Religion wissen. "G - tt versprach uns Juden, dass unser Volk niemals ausgelöscht werden wird. Juden wird es immer geben, dennoch besteht eine Gefahr der Judenmission durch die Kirchen".

Unsere Aufgabe ist es, die Leute aufzuklären und über die geradezu kriminellen Machenschaften der Missionare zu informieren.

Die "Nachmänner" in Uman

B"H

Derzeit machen sich Tausende Breslover Chassidim nach Uman, zum Grabe ihres Rabbi Nachman, in der Ukraine auf. Genauso, wie es Rabbi Nachman von Breslov es seinen Anhängern vor seinem Tode auftrug. An Rosh HaShana in Uman zu sein und am Grabe Rabbi Nachmans zu tanzen, ist so mit das Größte für einen Breslover Chassid.

Das Video zeigt die freakigen Breslover "Nanas" in Uman sowie in Tel Aviv.



In Israel gibt es derzeit ca. fünf Breslover Movements:
Die Nachfahren der Originalanhänger des Rabbi Nachman von Breslov mit ihrer großen Synagoge in Mea Shearim.
Weiterhin gründeten drei Breslover Rabbiner ein riesiges Baal Teschuva Movement innerhalb von Breslov und bei den Neurelig. finden sie immensen Zulauf. Es handelt sich dabei um Rabbi Eliezer Berland, Rabbi Shalom Arush (beide Jerusalem) sowie um Rabbi Lazer Brody (in Ashdod).
Ebenso sind die sogenannten "Nanas" aktiv. Sie waren es, die das obige Video drehten. Etwas freakig schauen sie aus, doch sind auch sie ein Movement für neureligiöse Breslover.

Nach Rosh HaShana wird ein Movement auch intensiv im deutschsprachigen Raum aktiv werden. Und eben im deutschsprachigen Raum kann man dann die Vielfalt geniessen und ist nicht "nur" auf Chabad angewiesen. Auf alle Fälle wird ein Breslov Stream eine angenehme Bereicherung werden.



Breslov Links:

Chassidut Breslov, Teil 1

Chassidut Breslov, Teil 2

Der Schatz unter der Brücke

Lehren des Rabbi Nachman von Breslov

Sonntag, September 13, 2009

Selichot in Vishnitz

B"H

Wow, grandios ! Eine eindrucksvolle Atmosphäre und hoffentlich finde ich morgen oder übermorgen abend die Zeit, zu Vishnitz nach Bnei Brak (bei Tel Aviv) hinauszufahren.

Es ist zwar immer ein tolles Erlebnis, seine Selichot an der Kotel (Klagemauer) zu beten, dennoch, eine richtig chassidische Atmosphäre lässt sich auch nicht verachten !

http://chassidicstories.blogspot.com/2009/09/selichot-in-vishnitz.html

Das Schofar

B"H

Wer früh morgens an den Synagogen in aller Welt vorbeigeht oder sich an der Kotel (Klagemauer) befindet, der hört während des Morgengebetes Schacharit seltsame Klänge aus einem Horn. Ein Außenstehender mag sich über die Männer wundern, die in die Hörner blasen und so fremdartige Klänge erzeugen.

Beim Schofar handelt es sich überwiegend um ein Widderhorn, welches seit dem Beginn des Monat Elul vor ein paar Wochen beim Morgengebet geblasen wird. Der Shulchan Aruch - Orach Chaim - Hilchot Rosh HaShana 581 lehrt, dass es Gemeinden gibt, in denen das Schofar auch nach dem Abendgebet Maariv geblasen wird.

Das jüdische Neujahrsfest Rosh HaShana (Beginn an diesem Freitag abend !) ist nicht ausdrücklich in der Thora erwähnt. In Sefer BaMidbar 29:1 (Book of Numbers, Numeri) heißt es lediglich:


"Und im siebten Monat, an dessen ersten Tag, sollt ihr einen heiligen Tag haben, an dem ihr nicht arbeitet; es ist ein Tag an dem das Teruah zu hören sein soll".

In der Thora heißt es ganz simpel: "It is a day of sounding".

Teruah ist einer der drei Töne, die wir mit dem Schofar erzeugen. Jeder der drei Töne steht für unterschiedliche Namen G - ttes. Bei den anderen beiden Tönen handelt es sich um Tekiah und Schevarim.

Einfach so ein Widderhorn nehmen und hineinblasen funktioniert im Judentum nicht. Jeder, der das Schofar bläst, erzeugt diese drei Töne in einer vorgeschriebenen Reihenfolge und Anzahl.


Das lange Schofar wird meist nur von sephardischen Juden geblasen.



Das Schofar der aschkenazischen Juden hingegen wesentlich kürzer.


Insgesamt werden an beiden Tagen von Rosh HaShana während des Morgengebetes Shacharit 100 Töne erzeugt. Es ist unüblich, das Schofar am Abend von Rosh HaShana zu blasen (Shaarei HaMoadim - Chabad).

Das erste Mal findet das Schofarblasen gleich nach der Thoralesung statt und zum zweiten Mal während des gleich anschließenden Mussafgebetes. Es üblich, während des Schofarblasens stehen, dennoch ist es nicht ausdrücklich verboten, sich hinzusetzen. Es ist verboten, während des Schofarblasens zu sprechen und jeder soll sich so gut wie möglich auf die erzeugten Töne konzentrieren. Im Buch "Pri Etz Chaim" (die Lehren des großen Kabbalisten Rabbi Yitzchak Luria) heißt es, dass unsere weltlich erzeugten Töne sich mit den Tönen in der oberen Welt vereinigen und so die Gnade G - ttes erwecken.

Und genau darum geht es am Rosh HaShana (Neujahsfest). Jeder Einzelne von uns steht vor G - ttes Thron und muß Rechenschaft über seine Vergehen ablegen. Anhand der Schofartöne sollen wir zur Umkehr aufgerufen werden. Die Töne sind so eindringlich, dass sie uns das Herz und uns zur Umkehr bewegen (Rabbi Shlomo Kluger in Kehilat Yaakov).

Aber nicht nur für die Umkehr steht das Schofar. Genauso sollen dessen Töne uns an den Erhalt der Thora erinnern und uns zugleich das Kommen des Meschiach ins Bewußtsein rufen. Rosh HaShana ist ein Tag, an dem die ganze Welt G - tt als den einzigen wahren König anerkennen soll, denn Er allein hat die Welt und uns alle erschaffen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass wir an die "Akeidat Yitzchak - die Opferung des Yitzchak durch Avraham" (siehe Genesis - Vayeira) erinnert werden. G - tt hatte Avraham einen Test auferlegt; er solle seinen Sohn Yitzchak opfern, was Avraham aus Liebe zu G - tt sofort ausführen wollte. Für G - tt war dies nur ein Test zu prüfen, ob Avraham es wirklich ehrlich mit der Liebe G - ttes meint. Niemals hatte G - tt die Absicht, den Yitzchak wirklich opfern lassen zu wollen, denn im Judentum ist jegliche Art von Menschenopfer laut Thora verboten.
Als Avraham auf dem Tempelberg (Har HaMoriah) zur Tat schritt, griff G - tt sofort ein und statt des Yitzchak wurde ein Widder geopfert. An Rosh HaShana wollen wir G - ttes Gnade, die er Avraham auf dem Tempelberg zeigte, wiedererwecken und deshalb benutzen wir an Rosh haShana überwiegend ein Widderhorn (siehe die Gemara im Talmud Traktat Rosh HaShana 16a).

Jeder der drei unterschiedlichen Schofartöne repräsentieren laut dem kabbalistischen Buch "Shushan Sodot" entweder G - ttes Gnade (Rachamim) oder sein Richten (Din):

Der Tekiah - Sound steht für die Gnade und Shevarim sowie Teruah stehen für Sein Urteil (Din).

Im Shulchan Aruch - Orach Chaim - Hilchot Rosh HaShana finden wir noch weitere zusätzliche Halachot (Gesetze) zum Thema "Schofar".

Paragraph 589: Zum Beispiel darf das Schofar auch von Frauen geblasen werden.

Paragraph 585: Das Hören des Schofar ist die wichtigste Mitzwa an Rosh HaShana (siehe auch Talmud Rosh HaShana 34b), denn es ist eine biblische Verpflichtung (Deoraita). Vor dem Schofarblasen sagen wir einen speziellen Segen.

Paragraph 586:Ein Schofar muss koscher sein, heißt, es darf keine Schäden wie Risse etc. aufweisen.

Sollte der erste Tage von Rosh HaShana auf einen Schabbat fallen, so wird das Schofar erst am zweiten Tag geblasen, da es am Schabbat Muktze ist. Früher zu Tempelzeiten war es üblich, dass Schofar auch am Shabbat zu blasen, aber nur INNERHALB der Tempelmauern.

Der Koznitzer Maggid, Rabbi Israel Hofstein, schreibt, dass sobald das Schofar geblasen wird, G - tt unsere Umkehr wahrnimmt und uns mit Gnade richten wird.

Mein persönlichen Erfahrungen vom Schofarblasen sind immer sehr emotional. Der Sound des Schofars ruft tatsächlich in jemandem zur Umkehr auf, vor allem, nachdem man schon einige Zeit das intensive Schacharit hinter sich hat. Religiöse oder Säkulere, alles lauschte still in der Synagoge dem Schofar.

Für Interessierte fällt mir noch eine spezielle Halacha ein:
Was passiert, wenn jemand taub ist oder ein Hörgerät benutzt ? Darf er es an Rosh HaShana anstellen, um so das Schofar hören zu können ?

Die halachische Antwort lautete, dass er es nicht anstellen darf, aber er sich unbedingt nicht weit vom Schofar plazieren muß, um die Töne wenigstens etwas hören zu können. Im Fall, dass jemand ganz taub ist, muß er sich genauso vor das Schofar stellen, um die Mitzwa zu erfüllen. Selbst wenn er absolut nichts hört, hat er zumindest neben dem Schofar gestanden.


Rabbi Tuvia Singer: Warum die Kirche den Talmud ablehnt


Seite aus dem Talmud (Traktat Berachot - Segen)

B"H

Es ist jedesmal wieder erstaunlich, wieviel Publikum Rabbi Tuvia Singer bei seinen Ausführungen gegen christliche Missionare anzieht. Auch am vergangenen Sonntag war der Raum wieder voll als Tuvia Singer den dritten Teil seiner vierteiligen Serie zum Besten gab.
Juden und einige Christen waren anwesend, wobei man bei den Christen nicht nur davon ausgehen kann, dass diese kommen, um die jüdische Darstellung zu vernehmen und diese dann wieder so umzudrehen, dass alles in die christliche Theologie passt. Vielmehr sind sicher auch Christen unter den Zuhörern, die ehrlich und ohne Hintergedanken an der jüdischen Interpretation interessiert sind.

Rabbi Tuvia Singer begann mit einer kleinen Einführung:
Die christliche Theologie beruht fast einzig und allein auf den Briefen des Paulus (Römer). Das Neue Testament selbst enthalte kaum Theologien. Laut Paulus bildet "der Glaube" allein das Fundament der Kirche. Paulus war es auch, der bekannt gab, dass kein Mensch die 613 Mitzwot, die alle in der Thora enthalten sind, einhalten kann. Dies konnte nur einer und das war J.

Allerdings erklärte ich schon vor zwei Wochen, warum dem nicht so ist. Juden bekamen von G - tt die Mitzwot, welche sie einhalten sollen. Jedoch können nur wenige Juden die 613 Mitzwot tatsächlich einhalten, denn diese enthalten viele Gesetze bezüglich der Cohanim (Tempelpriester) und deren Tempeldienst. Wer von Haus aus kein Cohen ist, der kann auch nicht alle 613 Mitzwot erfüllen. Auch bei J. war dies nicht der Fall, denn er war kein Cohen !

Das Buch Matthäus stellt eine wahre Quelle des Antisemitismus dar: Die Juden seien schuld an sämtlichen in der Thora erwähnten Morden. Ebenso sparen der / die Autor / en von Matthäus nicht mit antisemitischen Parolen gegen die Pharisäer. In Wahrheit handelte es sich bei den Pharisäern (Peruschim) um thoragläubige gelehrte Rabbiner der Zeit. Dem Christentum jedoch waren sie später ein Dorn im Auge und deshalb mussten jene Rabbiner unglaubwürdig gemacht werden.

Wir Juden haben zweierlei Aufgaben:

1. Die Mitzwot einzuhalten.

2. Eine persönliche Verbindung zu G - tt aufzubauen. Dies geschieht anhand von Mitzwoteinhaltung, aber ebenso durch Gebet.

Glaube allein genügt im Judentum nicht, denn wir sind angewiesen, G - ttes Willen auszuführen, welcher die Thoragesetze darstellt.

Paulus selbst war die Doktrin der Trinität unbekannt, denn diese wurde erst im 4. Jahrhundert eingeführt. Seinerzeit sagte er, dass wer sich als Nichtjude beschneiden lässt, doch wieder ein Gebot auf sich nimmt und falls man sich von diesem abhängig macht, derjenige verloren sei und keine "Rettung - Salvation" erhält. Paulus lehnte jegliche Mitzwot ab und sah die Lösung nur im Glauben.

Warum lehnt die Kirche die jüdische mündliche Überlieferung ab ?

Zuerst einmal müssen wir an dieser Stelle klarstellen, was genau die "jüdische mündliche Überlieferung" bedeutet. In einfachen Worten: der
TALMUD.

Die Kirche hasst den Talmud wie die Pest, zieht ihn jedoch gerne herbei, wenn es um antisemitische Zitate gegen die Juden geht !

Der Talmud besteht aus der mündlichen Gesetzesüberlieferung, welche Moshe von G - tt am Berg Sinai erhielt. Als diese viel viel später von Rabbi Yehudah HaNasi und dessen Nachfolgern niedergeschrieben worden sind, erhielten die Schriften den Namen "MISCHNA". Ein Teil des Talmuds bildet also die Mischna, verfasst in hebräischer Sprache. Den zweiten Teil des Talmuds stellt die Gemara, die rabbinischen Diskussionen, dar. Überwiegend in aramäischer Sprache geschrieben, diskutieren hier unzählige große Rabbiner der damaligen Zeit die aufgelisteten Gesetze. Ebenso beinhaltet der Talmud Stories, Mystisches sowie jüdische Geschichte.

Wozu benötigen Juden den Talmud, wenn es doch schon die Thora gibt, in welcher G - tt sämtliche Gesetze festlegte ?

Die Kirche verkündet, sie erkenne die mündliche jüdische Überlieferung nicht an. Tut sie das wirklich nicht ? Was ist mit dem Kalendersystem ? Fällt Ostern nicht alljährlich mit dem jüdischen Pessach zusammen ? Und wer legt den jüdischen Kalender fest ? Nach welchen Kriterien gehen die Rabbiner vor ?
Nach dem Talmud ! Die Kirche richtet sich mit ihrem Osterfest also nach dem Talmud !

Was ist mit dem Etrog (der Zitrusfrucht) an Sukkot (Laubhüttenfest), welches Christen so gerne imitieren ? Sie sehen Juden mit einem Etrog in der Hand und wollen das gleiche Ritual abhalten. Doch wer legt überhaupt fest, dass es sich um einen Etrog handeln sollte ? Nicht die Thora, sondern der Talmud !

Warum tragen viele Nichtjuden plötzlich eine Kipa, um die Juden zu imitieren ? Wer legt eine Kopfbedeckung fest ? Nicht die Thora, sondern der Talmud !

Warum zünden Nichtjuden, wenn sie Juden imitieren wollen, Schabbatkerzen ? Wer legt Schabbatkerzen fest ? Nicht die Thora, sondern der Talmud !

Warum begeistern sich viele Christen so für das jüdische Chanukkah - Fest ? Wer legte Chanukkah eigentlich fest ? Nicht die Thora, sondern der Talmud !

Wer glaubt hier, der Talmud besitze keine Gültigkeit ?
Doch warum nun lehnt die Kirche den Talmud offiziell ab ?

Wer sich heute eine Originalversion der Thora anschaut, der wird gewisse Zeichen unter und oberhalb der Buchstaben finden. Kleine Kronen, Punkte oder krumme Linien. Rabbiner legten diese Zeichen fest, damit die Wörter richtig ausgesprochen bzw. interpretiert werden, denn viele Wörter ohne Punkte darunten haben unterschiedliche Bedeutungen. Heutzutage weisen selbst einige christliche Bibeln diese Punkte mit auf, welchen von den Rabbiner eingeführt worden sind. Heißt, die Kirche übernahm rabbinische Ideen.

G - tt sagte den Juden, dass es einige Informationen gibt, welche NUR die Juden von Ihm erhalten und NICHT die Nichtjuden ! Darunter fällt, unter anderem, das Kalendersystem. Wie genau Rabbiner den jüdischen Kalender festlegen, war, ist und bleibt eine Wissenschaft für sich, welche im Talmud und anderswo geregelt ist. Die Kirche kennt dieses Wissen nicht, genauso wie einige andere Wissensbereiche und genau das stört. Seit Jahrtausenden versuchen sie herauszufinden, wie Juden dieses oder jenes machen, doch sie kommen einfach nicht dahinter ! Der Talmud beschreibt die Vorgehensweisen, doch irgendwie gelingt es der Kirche nicht, den Code zu knacken, denn G - tt hatte dies so vorbestimmt. Bestimmte Wissensbereiche gehören nur den Juden. Und diese Tatsache kann die Kirche bis heute nicht erfassen. Dass der gesamte Talmud nur an die Juden gegeben worden ist. Selbst einer der größten Antisemiten überhaupt, nämlich Martin Luther, begriff nichts.

Obendrein gibt der Talmud den Juden an, wie genau sie die Thoramitzwot auszuüben haben. Siehe die Operungen, das Tiereschächten, der Ehevertrag (Ketubah) oder Rosh HaShana. All diese Mitzwot sind in der Thora erwähnt, doch die Ausführung wird nicht beschrieben. Dies ist die Aufgabe der mündlichen Überleiferung - eine Beschreibung zur Ausübung der Mitzwot.


Ebenso stellt G - tt in der Thora mehr als klar, dass die Juden niemals ganz von der Erde verschwinden. Juden und Judentum wird es auf ewig geben, so das Versprechen G - ttes an die Juden. Mögen die Juden auch noch so sehr vom Wege abkommen, G - tt wird stets mit ihnen sein.

Ezra kritisierte jene Juden in Jerusalem, welche beim Bau des Zweiten Tempels nichtjüdische Frauen heirateten. Ezra ordert an, dass die Juden ihre nichtjüdischen Frauen und Kindern endlich loswerden sollen.
Nichtjüdische Kinder von nichtjüdischen Frauen ?
Hieraus erkennen wir, dass Kinder nichtjüdischer Mutter und jüdischer Väter keine Juden sind und sich das Judentum nach der Mutter richtet !

Tuvia Singer erklärte, dass ein Juden einem christlichen Missionar niemals die Widersprüche innerhalb des Neuen Testamentes auslegen sollte. Etwas Unheiliges wie das Neue Testament sollte niemals als Beweis für etwas Heiliges (die Thora) dienen bzw. benutzt werden.

"Benutze kein unheiliges Objekt für heilige Gründe !"

Wer meint, das Judentum und die Thora verändern zu können, unterschreibt seinen eigenen Niedergang. Wo sind die Generationen der einstmaligen Reformjuden ? Die Mehrheit von ihnen heiratete Nichtjuden und die Kinder aus solchen Ehen verschwanden schnell in der nichtjüdischen Welt.

"Den Weg zu bestimmen, wer Jude ist und wer nicht ist auf die nachfolgenden Generationen zu schauen. Nicht, was die eigenen Kinder machen, sondern ob die Enkelkinder thoragläubige relig. Jude sein werden".
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Am heutigen Sonntag, 13. September 2009, 24. Elul 5769, wird Tuvia Singer seine vierte Session abhalten.

Ort: Das Jerusalemer "Israel Center" (Orthodox Union) in der Keren HaYesod 22.

Zeit: 19.30 - 21.30 Uhr

Bild des Tages

B"H

Gestern abend begannen die
Selichot Gebete der aschkenazischen Juden.
Hier ein Photo von Betenden an der Klagemauer (Kotel).




Photo: Kikar Shabbat

Freitag, September 11, 2009

Schabbat Schalom

B"H

In Mea Shearim eingeladen, werde ich heute abend den Schabbatbeginn dort verbringen. Abendessen mit anschließendem chassidischen Tisch. Und das, wo ich eigentlich wenig Lust habe und nur ans Schlafen denke.

Ich verstehe eh nicht, wie viele Chassidim das machen: Abends bis in die Puppen beim Tisch des Rebben zu sein und morgens früh gleich wieder raus in die Synagoge.

Am Nachmittag fahre ich von Tel Aviv nach Jerusalem und jedesmal wenn ich in der Heiligen Stadt ankomme, herrscht dort eine völlig andere Atmosphäre als in der Küstenstadt. Angefangen von den umherhetzenden Leuten, die emsig ihre Schabbateinkäufe tätigen bis hin zum Blumenverkauf an fast jeder Ecke.
Es ist Tradition, dass ein Ehemann seiner Frau vor dem Schabbat einen Blumenstrauss überreicht.

Der Schabbat soll heiß werden und am kommenden Schabbat schon steht Rosh HaShana an. Der Schabbat und das Fest fallen zusammen, wobei am Montag danach ebenso noch Feiertag sein wird.
Morgen abend (Samstag) beginnen die traditionellen Selichot - Gebete der aschkenazischen Juden und die Kotel (Klagemauer) wird überfüllt sein. Die große Vorbereitung auf Rosh HaShana erreicht damit ihren Höhepunkt.

"Schabbat Schalom" an alle Leser !