Dienstag, September 22, 2009

Der Kampf um den Level

B"H

Innerhalb der nationalrelig. sowie haredischen (ultra - orthodoxen) Gesellschaft tobt ein Kampf um den eigenen Level: Wie relig. bin ich und bin ich nicht besser als mein Nachbar ?
In diversen Stadtteilen schaut man sich schon um, was der andere Part macht; wie die Kinder gekleidet sind (ja anständig) und wie fromm da jemand ist.

Mich hat dieses Vergleichsdenken schon immer genervt, doch kommt man in der relig. israel. Gesellschaft wohl kaum drumherum. Spätestens dann nicht, wenn man die eigenen Kinder unter die Haube bringen muss. In dem Moment wird beim etwaigen Ehepartner emsig darauf geachtet, dass er aus einem guten Stall (Haus) kommt und keine bösen Überraschungen auf einen warten.

Lösungsvorschläge ?

Keine, denn so funktioniert die Gesellschaft. Ob man das nun gutheißt oder nicht. Allerdings bedeutet dies nicht automatisch, dass ich mich dem anschließen muss. Es ist immer wichtig, auf sein eigenes Potential zu schauen und nicht auf das anderer.

Die Tage zwischen Rosh HaShana und dem am Sonntag abend beginnenden höchsten jüdischen Feiertag Yom Kippur werden "Aseret Yame'i Teschuva - die zehn Tage der Teschuva - Umkehr zu G - tt" genannt. In diesen Tagen haben Juden die Möglichkeit, das anstehende G - ttesurteil (erfolgend am Yom Kippur) über jeden Einzelnen zum Positiven zu ändern; ebenso zum Negativen, um dies auch einmal zu erwähnen.

Gehen wir aber vom Positiven aus:
An Rosh HaShana hat G - tt sozusagen drei Bücher vor sich liegen. Juden, deren gute Taten überwiegen, werden sofort ins "Buch des Lebens" eingetragen. Heißt, sie bekommen von G - tt ein weiteres Lebensjahr. Andere mit schlechten Taten erwartet kein so tolles Neues Jahr. Die Mehrheit der Juden aber befindet sich im Twilight. Es gibt gute und schlechte Taten und die Waagschale hält sich so in der Mitte. Wie also soll G - tt in dem Falle entscheiden ?

Wenn wir uns innerhalb dieser zehn Tage zwischen den beiden hohen Feiertagn einigermassen benehmen, Spenden geben, beten, eben unseren guten Willen zeigen, kann die positive Seite der Waagschale zu unseren Gunsten ausfallen. Aus diesem Grund sind derzeit viele Juden damit beschäftigt, vor G - tt einen guten Eindruck abzugeben. Selbst wenn dies nicht immer perfekt gelingt (wer ist schon perfekt), der Wille zählt letztendlich.

Ein jeder sollte in sich gehen und sich auf seinen persönlichen Level konzentrieren und seine Zeit nicht damit verschwenden, des Nachbarn Potential höher einzuschätzen.

Kommentare:

  1. "Innerhalb der nationalrelig. sowie haredischen (ultra - orthodoxen) Gesellschaft tobt ein Kampf um den eigenen Level"

    Das verhält sich im Christentum nicht anders. In katholischen Kreisen wird man durch Scheidung, Abtreibung, vorehelichen Sex, nicht regelmäßigen Kirchenbesuch, etc., zum Außenseiter.

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  2. B"H

    Eine Scheidung kann im ultra - orthod. Judentum zur Ausgrenzung fuehren. Nicht, wie vielleicht im kath. Sinne, doch ist man halt wieder Single bzw. "gescheitert".
    Dies allerdings wird oft schnell wettgemacht, denn man heiratet erneut; nach den halachisch festgelegten Fristen nach einer Scheidung.

    Die Ausgrenzung bei vielen Katholiken findet doch meist nur in kath. Landgebieten statt, oder ?

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  3. "Die Ausgrenzung bei vielen Katholiken findet doch meist nur in kath. Landgebieten statt, oder ?"

    Na ja, hauptsächlich, aber nicht ausschließlich. Erzkonservative katholische (und natürlich auch protestantische, v. a. freikirchliche) Kreise gibt es in (Groß-)Städten ebenso, dort kann man sich allerdings (als Erwachsener) leichter von der Religion lossagen und ein "neues Leben" beginnen, das ist schon richtig.

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  4. Ich wüsste nicht, wo in Deutschland diese Sünden großartig zur Ausgrenzung führen sollten.

    Wo soll das sein?

    Doch eher nur in kleinen Kreisen und nicht in einem Dorf oder gar in einer Stadt.
    Freundeskreis, Familie...
    Aber meiner Erfahrung nach gibt es sowieso kaum jemanden, der großartig damit Probleme hat.


    Mir ist das, was ihr schreibt, sehr unbekannt.

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  5. In Deutschland vielleicht, aber ich lebe in Österreich, und das ist - abgesehen von Metropolen wie Wien - nach wie vor ein erzkatholisches Land :-).

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