Donnerstag, Juli 12, 2007

Parashat Mattot - Maasei

B"H

Die Thoralesung fuer diesen Shabbat

Die beiden Parashot Mattot - Maasei sind die beiden letzten im Sefer BaMidbar (Book of Numbers). Am Shabbat der kommenden Woche beginnen wir mit dem Sefer Devarim (Deutoronomy, 5. Buch Mose).

Beide Parashot enthalten eine Vielzahl von Themen, von denen ich mich auf zwei beschraenken will. In der ersten Parasha, in Mattot, geht es um einen Schwur (Neder) in G - ttes Namen und in der zweiten Parasha, in Maasei, werden uns die 42 Stationen der Israeliten in der Wueste aufgelistet.

Ich bin kein halachischer Experte auf dem Gebiet des Eides in G - ttes Namen und wer sich damit naeher beschaeftigen will, der kann den Talmud Traktat Nedarim lernen. Kein leichtes Unterfangen uebrigens. Vielmehr moechte ich meine Erklaerungen darauf richten, was solch ein Schwur in G - ttes Namen bewirkt. Die besten Ausfuehrungen dazu fand ich bei chassidischen Rabbinern.

Zuerst einmal stellt sich die Frage, warum jemand einen solchen Schwur in G - ttes Namen ablegen will. Ueberwiegend handelt es sich dabei um Themen wie, dies und das nicht mehr zu essen oder eine bestimmte Handlung nicht mehr zu begehen. Aber kann ich das nicht auch ohne Schwur sowie ohne Benutzung von G - ttes Namen tun ?
Sicherlich ja, doch sind u.a. der Sefat Emet und der Koznitzer Maggid (Rabbi Israel Hofstein) der Meinung, dass die Ablegung eines Eides unter G - ttes Namen der Person mehr Motivation gibt, den Schwur auch einzuhalten. Ausserdem verbindet solch ein Schwur die Seele (Nefesh) mit G - tt (Rabbi Moshe Alshich). Andererseits sollte sich jeder im klaren darueber sein, was solche ein Schwur fuer Folgen haben kann und nicht jeder verfuegt ueber das wirkliche Wissen (Bina) darueber.
G - tt will nicht, dass jeder so einfach in Seinem Namen schwoert. Man muss nicht unbedingt Seine Namen benutzen, um Ihm naeher zu kommen (Devekut), sondern kann dies auch anhand vom Thorastudium erreichen (Midrash Rabbah). Ein Beweis dafuer bieten die Chassidut und die Kabbalah wo es heisst, dass die gesamte Thora nur ein einziger Name G - ttes darstellt.

Vor allem der Sefat Emet (ein frueherer Rebbe der Chassidut Gur) geht sehr ausfuehrlich auf das Thema Schwur (Neder) ein. Eine Person sollte nur einen Schwur in G - ttes Namen ablegen, wenn er sich auf einem hohen religioesen Level befindet. Vornehmlich ein Zaddik (Gerechter). Der Schwoerende hat die Absicht, G - tt naeher zu kommen und vor allem sich selbst zu perfektionieren und nur noch den Willen G - ttes zu tun. Aber nicht jeder von uns ist ein Zaddik und kaum jemand ist ein Spezialist fuer solche Schwuere. Sich einfach so Dinge aufzuerlegen, davor warnt auch Rabbi Zadok HaCohen von Lublin.

Die naechste Frage ist, warum ausgerechnet der Vater oder der Ehemann einer Frau die Macht haben, ihren Schwur (soweit er diesen bekannt ist) zu anullieren. Hierzu kommentiert Rabbi Samson Raphael Hirsch, dass ein Schwur nur auf sich genommen werden soll, wenn dieser keine negativen Auswirkungen auf das Umfeld mit sich bringt. Aufgrund eines Schwures kann jemand sein Leben sehr bitter machen und sich jegliche Lebenslust nehmen. Niemals sollte soetwas spontan und ohne Ueberlegung getan werden. Auch Rabbi Naftali Zvi Horowitz von Ropshitz sagt etwas Aehnliches. Durch einen Schwur ist die Seele eingeschraenkt und es wird uns eine Portion Freiheit genommen.
Von daher also vorsicht mit solchen Schwueren. Jeder sollte auf seinem Level bleiben und sich nicht uebermaessig viel selbst auferlegen. Wer unbedingt etwas tun will, der beginne mit dem Thorastudium bevor er sich auf Hoeheres konzentriert.

Der Ishbitzer Rebbe, Rabbi Mordechai Yosef Leiner, fragt, warum diese beiden Parashot zusammen gelesen werden. Eine seiner Erklaerungen lautet, dass die erste Parasha uns von Schwueren erzaehlt und die zweite beschreibt die 42 Stationen der Israeliten in der Wueste. An jedem Ort haben wir eine bestimmte Lebensaufgabe und wir sollten immer vorsichig sein, uns nicht von negativen aeusserlichen Einwirkungen beeinflussen zu lassen. Genauso ist es mit den Schwueren, denn wir sollten die gleiche Vorsicht walten lassen.

Womit wir auch gleich bei den 42 Stationen in der Wuste angekommen sind. Warum wird uns in Parashat Maasei nochmals jede einzelne Station aufgelistet ?
Rabbi Yaakov Yosef von Polonoye (Schueler des Baal Shem Tov) vergleicht die Liste der Stationen mit Avraham. In der Parashat Lech Lecha befahl G - tt Avraham in ein anderes ihm auserwaehltes Land zu gehen. Lech Lecha heisst woertlich uebersetzt: Geh zu dir selbst.
Suche deinen eigenen Weg und deine Lebensaufgabe. Die 42 Stationen sind auch unsere Lebensstationen. Auch wir bewegen uns in unserem Leben von Level zu Level und bleiben nie irgendwo stehen. Es gibt immer Ups und Downs, die wir bewaeltigen muessen. Unser Endziel sollte sein, sich vom Materialismus etwas loszusagen und sich auf mehr Spiritualitaet zu konzentrieren. Wir haben die Macht, unseren Level selbst zu bestimmen, indem wir richtige oder falsche Entscheidungen treffen. G - tt stattete uns mit einem eigenen Willen aus und wir muessen am besten wissen, wie wir den unseren einsetzen wollen.

Shabbat Shalom

Mittwoch, Juli 11, 2007

Pruegel in der Knesset

B"H

Eine der heutigen Schlagzeilen lautet, dass der Knessetabgeordnete Yaakov Cohen (von der haredischen Yahadut HaTorah - Partei) von einem Anwalt des Justizministeriums in der Knesset geohrfeigt wurde.
Hintergrund war ein wilder Streit, der zwischen den beiden ausbrach. Yaakov Cohen beschuldigte den Anwalt Amnon de Hartoch schlimmer zu sein als die Deutschen. Die Nazis haetten Koerper getoetet, doch er (Hartoch) toete Seelen.

Amnon de Hartoch ist im Justizministerium zustaendig fuer die Vergabe von Foerdergeldern und laut Yahadut HaTorah hasst er Religioese und beabsichtigte daher, den Haredim weitere Foerdergelder fuer Yeshivot (relig. Schulen) zu streichen.

Nach dem Vorfall wurde Yaakov Cohen eine geschlagene Stunde im Krankenhaus auf neurologische Schaeden untersucht. Anwalt de Hartoch entschuldigte sich fuer seinen Ausraster und sagte, dass seine Eltern Holocaust - Ueberlebenden seien und er sich durch die Anschuldigungen Cohens beleidigt fuehlte.

Fazit: Amnon de Hartoch hat vorerst Knessetverbot und die haredische Partei Yahadut HaTorah will sich weitere Schritte gegen ihn ueberlegen.

Die Fluechtlinge von Darfur

B"H

Innerhalb der letzten Jahre ist es fuer Afrikaner sehr attraktiv geworden, nach Israel zu fluechten. Die Wege nach Europa sind aufgrund der strengen Gesetzgebung und rigorosen Abschiebung versperrt, die USA sind unerreichbar, und so bleibt das demokratische Israel, in dem sich viele ein neues Leben erhoffen.

Schon monatelang werden wir in der Presse mit Nachrichten bombardiert wie "Jugendliche aus dem Sudan etc. suchen Zuflucht in Israel". Mehrere Tausend Kilometer waeren sie zufuss durch die afrikanische Wueste gelaufen, um illegal ueber die aegyptische Grenze nach Israel zu gelangen. Dort wurden sie meistens sofort von der israel. Grenzpolizei aufgegriffen und in Auffanglager gesperrt. Ein Gericht solle ueber ihre Abschiebung entscheiden.

Nun haben wir viele Fluechtlinge aus Darfur hier. Bisher leben sie in diversen Hotels in Beer Sheva und keiner weiss so recht, was mit ihnen geschehen soll. Vor ein paar Tagen machten sich einige von ihnen nach Jerusalem auf, um im Rosengarten des Sacher Parks, gleich gegenueber den Ministerien sowie der Knesset, zu demonstrieren. Ehud Olmert und der Jerusalemer Buergermeister Uri Lupolianski leisteten Soforthilfe und die Fluechtlinge kehrten zurueck nach Beer Sheva.

Die Darfur - Fluechtlinge haben schon viele halachische Diskussionen verursacht. Sollen wir Juden aufgrund unserer Vergangenheit Fluechtlinge aufnehmen ? Im Aegypten der Pharaonen waren wir selbst Sklaven und muessen daher wissen, wie es ist zu leiden. Die Thora verpflichtet uns, anderen Voelkern gegenueber hilfsbereit zu sein. Von daher sind viele Rabbiner fuer die Aufnahme der Fluechtlinge. Die Regierung dagegen plant eine Abschiebung. Wie und wohin weiss keiner. Vor wenigen Tagen unterzeichnete Israel ein Abkommen mit Aegypten, welches vorsieht, dass alle Illegalen, die ueber die aegyptische Grenze nach Israel einreisen, automatisch wieder nach Aegypten abgeschoben werden koennen. So einfach geht das. Sollen doch die Aegypter sehen, wie sie mit den Problemen fertig werden.

Viele Rabbiner sind fuer den Aufenthalt der Fluechtlinge und viele sind dagegen. In den letzten Tagen machte ich mir auch so meine Gedanken und bin mehr oder weniger gegen einen Aufenthalt der Darfur - Fluechtlinge. Seit Jahren sind wir mit Vorbehalten vorbelastet, denn viele Auslaender kamen / kommen nach Israel und wollen sich hier niederlassen. Nun ist Israel nicht irgendein Land, in dem man eben mal so lebt und in dem es mir als Afrikaner oder Philippino besser geht als in meinem Heimatland.

Das Auslaenderproblem beschaeftigt Israel seit Jahren und wurde bisher immer mit Abschiebung bewaeltigt. Erstens weil Israel zu klein ist, um die Probleme der Welt zu loesen oder Unmengen von Fluechtlingen aufzunehmen. Zweitens weil Unmengen von auslaendischen Gastarbeitern ihre eigene Kultur, sprich Kirchen, einrichteten und ihre Mission starteten. Damit beginnt das eigentliche Problem, denn wir nennen uns Juedischer Staat. Entscheiden wir uns fuer eine Aufnahme von Fluechtlingen, so fuehrt das halachische Konsequenzen mit sich. Israel hat schon genug Probleme mit der Mehrheit der russischen Einwanderer, die halachisch nicht juedisch ist. Wie sollen wir da noch mehr solcher Faelle bewaeltigen ?

Die aethiopischen Einwanderer sind zur Haelfte nicht juedisch und von aschkenazischen Juden erst gar nicht anerkannt. Wer sich die heutige aethiopische Gemeinde anschaut, der sieht Analphabetentum und Arbeitslosigkeit. Die Integration ist fast Null.
Nun argumentieren all die nichtjued. Russen und Aethiopier, dass das alles irrelavant waere, denn schliesslich fuehlen sie sich als Israelis. Andererseits erlebten wir in der Vergangenheit genuegend Faelle, in denen sich gerade diese Bevoelkerungsteile schnell von Israel abwandten wenn es brenzlig und unbequem wurde. Ich erinnere nur an die Massenkonvertierung zum Christentum vieler Aethiopier aus Protest gegen israel. Massnahmen.

Sagen wir einmal, wir erklaeren uns bereit, die Darfur - Fluechtlinge auszunehmen; was dann ? Die erste Folge wird sein, dass noch mehr nachkommen werden und die zweite Folge wird sein, dass sich noch mehr Ghettos bilden. Russen, Aethiopier und Darfur.
Meiner Meinung nach ist Israel aus geographischen und finanziellen Gruenden gar nicht in der Lage, das Fluechtlingsproblem zu bewaeltigen.

Die palaestinensische Bevoelkerung steht dem Auslaenderproblem schon lange mit grosser Skepsis gegenueber. Die naemlich sehen ihre Jobs gefaehrdet, sollten sich israelische Arbeitgeber fuer billige auslaendische Arbeitskraefte entscheiden. Was uebrigens schon lange zur Realitaet geworden ist.

Weisse Schuerze am Shabbat

B"H

Geht jemand am Shabbat durch einen chassidischen Stadtteil, trifft er mit aller Wahrscheinlichkeit auch auf Frauen, die schwarze Strumpfhosen, schwarze oder dunkelblaue Kleider und eine weisse Schuerze tragen.

Das Tragen einer weissen Schuerze am Shabbat ist nichts Ungewoehnliches fuer die Frauen der chassidischen Gruppe Toldot Aharon, deren Mitglieder sich vor allem in Mea Shearim und Beit Shemesh angesiedelt haben.
Schon jahrelang wunderte ich mich, was denn wohl der genaue Grund fuer die weisse Schuerze sei und ich dachte mir, dass es sich offensichtlich um einen bestimmten Minhag (Brauch) handele. Dann hoerte ich von Rabbi Mordechai Machlis die folgende Story:

Er erzaehlte, dass seine Mutter sich an jedem Shabbat eine weisse Schuerze umband. Nach einiger Zeit fragte er sie, warum sie das tut und sie erklaerte ihm, dass frueher die Juden in Ungarn / Rumanien arme Leute waren und nicht ueber genuegend Geld verfuegten, sich extra fuer den Shabbat neue Kleidung anzuschaffen. Um einen Unterschied in der Kleidung zu Wochentagen herzustellen, banden sich die Frauen am Shabbat am Shabbat eine weisse Schuerze ueber die Kleidung.

Dieses koennte durchaus auch auf die Frauen von Toldot Aharon zutreffen.

Montag, Juli 09, 2007

Christliche Missionare in Rehavia

B"H

Und wieder einmal sorgen christliche Missionare fuer Schlagzeilen in haredischen Zeitungen. Im Jerusalemer Stadtteil Rehavia plante eine sogenannte messianische Gemeinde eine Erweiterung ihrer Raeumlichkeiten. Neben einem bestehenden Betsaal sollten Wohneinheiten sowie eine groessere Suppenkueche gebaut werden.

Unermuedlich schrieben die Bewohner Rehavias Briefe an die Stadtverwaltung, mit der Aufforderung den Bau zu verweigern. Auch die Anti - Missions - Organisation Yad Le' Achim schaltete sich ein und schliesslich willigte die Stadtverwaltung ein und entschied gegen den Bau der Messianics. Endlich einmal eine erfreuliche Entscheidung !!!

Die Bewohner wollen am liebsten die gesamte Messianic - Gemeinde loswerden, denn diese versuchen spielende Kinder auf den Strassen fuer ihre Zwecke zu missionieren. Bleibt also noch viel Arbeit fuer Yad Le' Achim und andere Menschen, die gegen die Mission vorgehen.

Gegen Judenmission in Deutschland gibt es hier mehr Infos !!!
Die Site von Solutix ist auch in russischer Sprache einzusehen.

Die Bnei Noach

B"H

Nicht jeder, der sich entschliesst, nur noch an den EINEN G - TT zu glauben, muss sogleich zum Judentum konvertieren. Sich den Kirchen zu entsagen und statt an Trinitaeten an nur einen allmaechtigen G - tt, der die Welt erschuf und unser Dasein lenkt, zu glauben, muss nicht automatisch bedeuten, Jude werden zu muessen.

Jeder sollte vor dem Schritt der Konversion zum Judentum (des Giur) zuerst einmal in Erwaegung ziehen, ein Noachide (Ben Noach) zu werden oder sich zumindest mit diesem Begriff auseinandersetzen. In Europa sind die Noachiden leider noch recht unbekannt, wogegen sie in den USA zu einer grossen Bewegung geworden sind. Nicht jeder, der an nur einen G - tt glaubt ist dafuer gemacht, sich die 613 juedischen Mitzwot und ein juedisches Leben aufzuladen. Die sieben Gesetze fuer die Noachiden ermoeglichem es jedem einzelnen, sein Leben ganz normal und ohne groessere Einschraenkungen oder Aenderung seiner Identitaet weiterzuleben.

Fuer die Mehrheit der Konvertiten zum Judentum waere es besser, sie waeren Noachiden geworden, denn ohne die Einhaltung der Mitzwot haben sie im Judentum kaum etwas verloren. Umso mehr moechte ich einmal die juedisch - halachische Seite der Bedeutung der Noachiden im Judentum darstellen.

Die Noachidischen Gesetze erhielten ihren Namen aufgrunddessen, dass die gesamte Menschheit von Noach und seinen Soehnen abstammt. Nachdem Noach mit seiner Familie die Arche verliess, machte G – tt einen neuen Bund mit den Menschen. Der Bund beinhaltete unter anderem auch, dass von nun an Fleisch gegessen werden durfte.
Im Talmud Sanhedrin 56a - b heisst es, dass Noach das siebte und letzte Gesetz der sieben Noachidischen Gesetze bekam. Die vorherigen sechs hatten schon Eva (Chava) und Adam im Paradies erhalten.

Die Noachidischen Gesetze sind in der Gemara des Talmud Traktates Sanhedrin 56a verankert und lauten:

1. Die Einrichtung von Gerichten

2. Der Name / die Namen G – ttes duerfen nicht geschaendet oder einfach nur sinnlos verwendet werden.

3. Goetzendienst ist verboten. Heisst, man verpflichtet sich nur an einen einzigen G – tt glauben, ohne jegliche Trinitaeten, Stellvertreter oder Soehne.

4. Sexuelle Perversionen sind verboten.

5. Mord ist verboten.

6. Diebstahl ist verboten.

7. Ein Organ, Blut oder ein Gelenk von einem lebenden Tier zu entfernen und zu verzehren ist verboten.

Die Gemara fuegt noch das Verbot der Sterilisation und des Wahrsagens hinzu.

Wer diese sieben Gesetze auf sich nimmt, der ist automatisch ein gerechter Nichtjude (righteous Gentile) und hat einen Platz in der kommenden Welt (Olam Habah) (siehe Talmud Sanhedrin 105a). Im Judentum glauben wir, dass jeder gerechte Mensch einen Platz in der kommenden Welt hat. Egal ob Jude oder Nichtjude. Niemand wird ausgeschlossen.

Des weiteren brauchen die Noachiden auch keinen Shabbat halten. Laut der Mishna Berurah (Hilchot Shabbat) ist es ihnen erlaubt, am Shabbat fuer ihre Zwecke zu arbeiten. Allerdings kann ein Jude ihnen nicht auftragen etwas fuer ihn zu arbeiten oder zu tun.

Die Halacha genauso wie der Talmud Shabbat besagt, dass ein Nichtjude niemals den Shabbat ganz einhalten darf (halachisch), sondern nur ein Jude. Woertlich heisst es, dass es schlimmer ist, wenn ein Nichtjude den Shabbat einhaelt als das ein Jude den Shabbat brechen wuerde. Demzufolge wird der Nichtjude bei einer etwaigen Einhaltung des Shabbats haerter bestraft als ein Jude, der den Shabbat nicht einhaelt.
Auch muss sich ein Noachide nicht an die Koschergesetze (Kaschrut) halten. Beispiel: Er darf durchaus Fleisch essen, welches nicht rituell geschaechtet worden ist (Talmud Yevamot 48b).

Laut Talmud Yevamot 48b erhaelt ein Noachide, wenn er in Israel lebt, den Status eines Ger Toshav, was heisst, dass er in Israel unter den Juden leben darf. An dieser Stelle muss ich allerdings darauf hinweisen, dass diese Regelung heutzutage NICHT gilt, denn unser Innenministerium hat da etwas andere Bestimmungen. Zu talmudischer Zeit jedoch war es durchaus der Fall, dass ein Ger Toshav in Israel leben durfte.

Keine juedische Gruppe ist dermassen mit der Promotion ein Noachide zu werden beschaeftigt, wie die chassidische Gruppe Chabad (Lubawitsch). Bei Chabad erfahrt ihr alle Einzelheiten zum Thema, siehe Link oben.

Ein beruehmter Ben Noach (Noachide) macht ab und an Schlagzeilen in Israel. Es handelt sich dabei um den amerikanischen Archaeologen Vendyl Jones, der frueher glaeubiger Christ war, doch sich dann den Noachiden zuwandte. Seine Kinder konvertierten alle zum Judentum und leben heute in Israel. Vendyl Jones selbst will nicht konvertieren, denn als Archaeologe hat er sich auf die Ausgrabungen von Tempelreliqien spezialisiert. u.a. fand er die Ketoret (Gewuerze zur Opferung) aus dem Tempel und es gelten verschiedene Halachot, dass gewisse Tempelreliquien in bestimmten Faellen nur von Nichtjuden angefasst werden duerfen. Dies bezieht sich auf die Zeit, in der wir keinen Tempel haben.
Als Vendyl Jones die Ketoret fand, durfte nur er die Gewuerze entzuenden und schauen, ob es sich bei dem Fund wirklich um die Ketoret handelte. Juden duerfen ohne Tempel keine Ketoret zuenden, denn dies bedeutet fuer uns eine g – ttliche Todesstrafe (siehe Talmud Keritot).

Ein Noachide kann zum Judentum konvertieren, aber sollte er sich danach entscheiden, doch lieber wieder nur Noachide zu sein, so ist dies unmoeglich (siehe Mishna Thora – Sefer Shoftim – Kapitel 10 vom Rambam). Halachisch bleibt ein Jude immer ein Jude, egal welcher Religion er sich zuwendet.

Samstag, Juli 07, 2007

Warum gleich zum Judentum konvertieren ?

B"H

Vielfach kommt es vor, dass jemand, aus welchen Gruenden auch immer, sich von der christlichen Kirche abwendet und sich nach anderen Religionen umschaut.

Viele Leute meinen, dass wenn sie nun an den EINEN G - tt glauben wollen, sie unbedingt zum Judentum konvertieren muessen, da dies anscheinend die einzige Loesung sei.
Weit gefehlt, denn es gibt die sogenannte Bnei Noach - Bewegung, auf die ich morgen aus juedischer Sicht etwas naeher eingehen will. Im Talmud Sanhedrin sind zu den Bnei Noach einige interessante Aspekte aufgelistet.
Laut dem Judentum ist es sehr wohl moeglich, an einen G - tt zu glauben und dennoch kein Jude zu sein.

Viele juedische Leser machten mich darauf aufmerksam, dass es fuer so manchen potentiellen Konvertiten zum Judentum eine Fehlentscheidung waere, ausgerechnet zu konvertieren. Mehr als die Haelfte davon haben nicht vor die juedischen Gesetze wirklich einzuhalten und nach dem Judentum zu leben. Mit einem Giur - Schein in der Hand glauben sie nun Juden zu sein, was nicht der halachischen Realitaet entspricht. Jude ist nur der, der auch eine neue Seele (Neshama) nach dem Giur erhaelt. Diese neue Seele wiederum gibt es nur fuer denjenigen, der wirklich beabsichtigt, die Mitzwot einzuhalten. Ich hatte darueber schon einmal berichtet:

http://hamantaschen.blogspot.com/2007/02/giur-und-halacha.html

Fuer so manchen waere es von daher besser, er wuerde sich den Bnei Noach zuwenden. Morgen folgt ein halachischer Bericht darueber.

Kleine Einfuehrung in die Bedeutung des Haendewaschens im Judentum

B"H

Das Haendewaschen nimmt im Judentum eine zentrale Rolle ein. Es ist halachisch vorgeschrieben und so alltaeglich, dass es kaum mehr auffaellt. Man tut es ganz einfach, ohne gross zu fragen und ohne es zu vergessen. Fuer orthodoxe Juden ist es ganz normal, nach dem Aufstehen, vor dem Essen, vor dem Gebet, nach dem Toilettengang oder dem Besuch eines Friedhofes die Haende gewaschen werden.

Viele Leute fragen mich, wie wir uns nur immer an all jene Gesetze erinnern koennen. Sei das denn nicht alles zuviel, denn da steige ja kein Mensch mehr durch. Ich kann darauf nur antworten, dass jemand, der die Gesetze einhaelt, sich unglaublich schnell daran gewoehnt. Nach einigen Wochen geht alles wie von selbst. Das Haendewaschen ist eines der einfacheren Halachot, aber mit immenser Bedeutung.

Gleich nach dem morgentlichen Aufstehen waschen wir uns sofort als erstes die Haende. Der Kitzur Shulchan Aruch (Code of Jewish Law) erklaert uns, dass wir jeden Morgen als neue Schoepfung, die ihrem G - tt dienen will, anzusehen sind. Genauso wie die Cohanim (Tempelpriester) jeden Morgen vor dem Service ihre Haende wuschen.

Ein weiterer Grund ist halachisch, kabbalistisch und ebenso talmudisch verankert. Sobald wir schlafen, steigt unsere Seele auf zu G - tt und unser Koerper faellt damit in einen Zustand des Todes. In dem Zustand ist der Koerper unrein (tameh). In dem Moment, in dem der Mensch erwacht, ist sein Koerper unverzueglich wieder als rein (tahor) anzusehen. Der gesamte Koerper ausser den Fingern. Zur Reinigung schreibt der Kitzur Shulchan Aruch vor, dass jede Hand dreimal mit Wasser gewaschen werden muss.

Zu dem Zweck gibt es in jedem religioesen Haushalt ein spezielles Gefaess, welches Natlah genannt wird. Bei dem Natlah handelt es sich um eine Art groessere Tasse mit einem oder zwei Henkeln. Wir fuellen es mit Wasser und waschen damit unsere Haende dreimal rechts und dreimal links oder umgekehrt. Jeder nach seinem individuellen Brauch (Minhag). Aus kabbalistischen Gruenden sollte die rechte Hand zuerst gewaschen werden, denn sie representiert Guete (Chesed).

Vor dem Brotessen oder nach dem Toilettengang machen wir das gleiche. Auch bei solchen Gelegenheiten ist manchmal vorgeschrieben, wie oft wir das Natlah ueber jede Hand halten sollten, doch kenne ich viele Leute, die das nach ihrem eigenen Brauch machen. Manchmal 2x oder 3x.
Vor dem Brotessen und nach dem Toilettengang gilt eine Ausnahmeregelung, denn beiden Handlungen werden bestimmte Berachot (Segen) hinzugefuegt.

Ein rituelles Haendewaschen (mit Segen) vor dem Essen ohne Brot gibt es nicht. In dem Falle waschen wir uns ganz normal die Haende unter dem Wasserhahn.

Seit fruehesten Tempelzeiten waschen Juden zu allen moeglichen Gelegenheiten aus Reinheitsgruenden ihre Haende. Im Europa des Mittelalters verdaechtigte nicht selten die christliche Bevoelkerung die Juden der Magie. Wieso werden sie nicht so haeufig von der Pest und dem Aussatz befallen wie die nichtjuedische Bevoelkerung ? Das Buch von Rabbi Joshua Trachtenberg, "Jewish Magic and Superstition" - A Study in Folk Religion, gibt sehr viel Aufschluss ueber diese historische Tatsache.

Den Juden war es von jeher vorgeschrieben vor dem Essen ihre Haende zu waschen. Ob rituell oder nicht, ob mit Segen oder ohne. Andere dagegen hielten nichts von Hygiene und wurde so zu lebendigen Krankheitsuebertraegern.

Vielleicht sollte erwaehnt werden, dass die Chassidim dem Haendewaschen am Morgen besondere Bedeutung beimessen. Sie stehen nicht wie andere auf uns gehen ins Bad, sondern haben immer eine gefuellte Schuessel mit Wasser und ein Natlah neben dem Bett stehen, um sich gleich nach dem Aufwachen die Haende zu waschen.

Das Haendewaschen findet uebrigens nach jedem Schlaf statt. Sei es am Morgen oder waehrend des Tages. Sobald sich jemand hinlegt und fuer mindestens 15 Minuten einschlaeft, ist er nachher zum Haendewaschen verpflichtet.

Freitag, Juli 06, 2007

Shabbat Shalom

B"H

Da heisst es immer, man soll am Shabbat ruhen, doch wer religioes ist, hat dazu genau genommen weniger Zeit. In vielen Familien beginnt donnerstags schon die Kocherei, denn am Shabbat selbst ist das verboten. Jegliches Essen wird dann auf der sogenannten Plata, einer Waermhalteplatte, aufgewaermt.
Aber nicht das Essen ist das Problem, sondern die etwaigen Gaeste und fuer denjenigen, der eingeladen ist und sich auf einen manchmal laengeren Fussmarsch vorbereiten muss.

Fuer mich bedeutet der Shabbat fast jedesmal Stress, denn schon nach dem Kerzenanzuenden geht es in die Synagoge. Danach Essen bei Rabbi Machlis (zum Glueck muessen wir nicht selbst kochen) und spaeter, gegen Mitternacht, gehe ich mit einer Freundin zum chassidischen Tisch.
Heute Abend also Synagoge bei der chassidischen Gruppe Avraham Yitzchak in Mea Shearim, Rabbi Machlis und chassidischer Tisch bei Toldot Aharon. Gegen 3.00 Uhr frueh bin in ich dann daheim.
Morgen spielt sich fast das gleiche ab. Ich frage mich wirklich, wie die Leute das alles durchhalten. Das lange Shabbatessen und morgens gleich wieder in die Synagoge. Oder die Chassidim. Bis 2.30 Uhr frueh oder noch spaeter sind sie beim Tisch des Rebben und morgens um 8.30 Uhr beginnt bei Toldot Aharon schon wieder der Synagogenservice. Die Frauen kommen uebrigens zwischen 9.00 - 10.00 Uhr.

Aber der Sinn eines Shabbats ist auch, nicht an zu weltliche Dinge zu denken und sich auf etwas Spirituelles zu besinnen. Einfach einmal die Sorgen des Alltags hinter sich lassen. Und genau das gelingt uns sehr gut.
Trotz Stress muss ich sagen, dass wir den Shabbat dennoch geniessen und uns jedesmal wieder neu darauf freuen.
Jetzt lege ich mich bis zum Kerzenanzuenden darnieder, um fuer die Nacht und den Morgen danach fit zu sein.

Shabbat Shalom

Beit Shemesh

B"H

Im Ausland duerfte die Stadt Beit Shemesh den meisten unbekannt sein. Fast kein Tourist wuerde sich dorthin verirren. Noch vor wenigen Jahren war Beit Shemesh ein unbekanntes Nest, ca. 20 km vor den Toren Jerusalems.
Mittlerweile aber hat sich die Stadt zu hoeherem aufgerafft. Alles begann mit den Neueinwanderern aus Russland und den USA. Wobei viele Amerikaner ihre Vorteile nutzen, denn sie kommen mit Geld. Die Organisation NEFESH BE'NEFESH regelt ihnen alles incl. Jobsuche.

Neue Haeuser wurden gebaut, ganze Stadtteile sind entstanden und die High - Tech - Branche hat sich angesiedelt. Beit Shemesh schaut einer bluehenden Zukunft entgegen. Genauso uebrigens wie die Stadt Modiin, welche sich ebenso vom Kaff zu einer der beliebtesten Wohngegenden Israels verwandelte.

Schoene heile Welt also ?
Wer das glaubt, der irrt, denn in Beit Shemesh entstand ein neuer Stadtteil, der da Ramat Beit Shemesh genannt wird, und genau dort gibt es Zoff.
In Ramat Beit Shemesh haben sich viele chassidische Gruppen angesiedelt, deren Anhaenger urspruenglich aus Mea Shearim stammen.
Obwohl Mea Shearim keine architektonische Schoenheit ist, sind die Mieten immens teuer und so entschieden sich viele Chassidim fuer Ramat Beit Shemesh. Dort gibt es billigen Haeuserkauf, geringe Mieten und die Stadt liegt nahe genug an Jerusalem. Ein Pendlerparadies. Und das nicht nur fuer die Religioesen.

Zuerst wurde eine neue Bruecke gebaut, die Beit Shemesh mit Ramat Beit Shemesh verbindet. Die Bruecke geriet zum ersten Streitpunkt, denn am Shabbat fuhren nichtreligioese Juden aus Beit Shemesh durch Ramat und die Haredim fuehlten sich gestoert. Es kam monatelang zu wilden Demos.

Ein weiterer Knackpunkt ist die russische Bevoelkerung, die munter ihre unkoscheren Schweinefleischgeschaefte eroeffnete. Viele davon mussten bereits geschlossen werden.

Jetzt gibt es wieder neue Demos, denn die Haredim haengen in vielen Strassen Plakate auf, welche zum Anstand aufrufen. Die Strasse sei nur zugaenglich fuer diejenigen, welche sich anstaendig kleiden. Heisst, Maenner mit Kipa und Frauen in langen Roecken und ellenbogenweiten Shirts.
Die Stadtverwaltung wurde wild und rief die Haredim zur Entfernung der Plakate auf. Nichts geschah und die Haredim klebten fleissig neue Plakate.
Diese Woche kam die Polizei und riss die Plakate von den Hauswaenden, was wiederum zu einem Handgemenge mit den Haredim fuehrte.

Jetzt gibt es keine Plakate mehr, sondern die Haredim pinseln ihre Botschaft gleich an die Hauswaende. In knallroter Farbe.
Rache haben sie auch schon angekuendigt, denn im Herbst sind Kommunalwahlen und da soll der Buergermeister ausgetauscht werden. Vielleicht durch einen Haredi, der sich anstaendig anzieht.

Donnerstag, Juli 05, 2007

Parashat Pinchas

B"H

Die Thoralesung fuer diesen Shabbat

Obwohl sich die Parashat Pinchas nicht gerade wenig mit anderen Themen ausser Pinchas beschaeftigt, moechte ich dennoch einmal nur auf seine Person eingehen. Die eigentliche Tat des Pinchas fand schon in der vorherigen Parashat Balak statt.

Nachdem Bilam scheiterte, die Juden zu verfluchen, besann er sich auf eine neue Waffe gegen sie. Diesmal mit etwas mehr Erfolg, wie wir gleich sehen werden. Bilam ging strategisch vor und sah, dass G - tt nichts mehr hasst als sexuelle Perversitaeten und Goetzendienst. Wenn das Fluchen halt nicht so funktioniert wie gewuenscht, dann machen wir es anders, so Bilam zu seinem Auftraggeber Balak. Er ueberzeugte Balak, die Toechter Moavs (Moabiterinnen) loszuschicken und die Israeliten zum Goetzendienst zu verfuehren.
Die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 106a gibt uns Aufschluss ueber die spezielle Taktik des Bilam. So errichteten die Moabiterinnen Zelte auf den Wegen der Israeliten, in denen neue Kleidung verkauft werden sollte. Obwohl uns die Midrash lehrt, dass die Israeliten in der Wueste staendig ueber saubere Kleinung verfuegten und diese immer mit dem Wachstum der jeweiligen Person mitwuchs, waren die Israeliten dennoch ganz wild auf neue Kleidung (so der Talmud - Kommentator Maharsha). Sobald ein Israelit in besagtem Zelt verschwand, gaben ihm die Frauen ammonitischen Wein zu trinken. Laut dem Jerusalemer Talmud Sanhedrin rief jener Wein ganz besondere sexuelle Gelueste hervor. Die Israeliten konnten nicht wiederstehen und so forderten die Moabiterinnen sie auf, ihren eigenen Goetzen Baal Peor anzubeten.

Die Anbetung Baal Peors unterlag einem ganz besonderen Ritual, wie uns die Gemara in Sanhedrin 106a sowie 64a lehrt. Es war eines der scheusslichsten Rituale ueberhaupt (siehe Rashi) und soweit mir bekannt ist, wird dieses Ritual in unserer heutigen Zeit nicht mehr praktiziert. Die Statue des Baal Peor wurde bei der Anbetung mit den eigenen Faekalien beschmiert.

Viele Israeliten vergassen sich selbst und nahmen an diesem Ritual teil. Ein Israelit namens Zimri brachte sogar eine dieser Frauen mit in das israelitische Lager und forderte Moshe in aller Oeffentlichkeit heraus. Schliesslich haette Moshe selbst eine Midianiterin (Zipora) geheiratet und was er sich denn so aufregen wuerde (Talmud Sanhedrin 82b).
Laut Halacha gibt es gewaltige Unterschiede zwischen dem Verhalten Zimris und Moshes. Als Moshe die Zipora heiratete, gab es erstens noch keine Thora und somit unterlag er keinem Verbot. Zweitens konvertierte Zippora zum Judentum und diente dem Einen G - tt. Somit war Zimris Anschuldigung ziemlich laecherlich.

G - tt sandte eine Plage ins israelitische Lager, in der 24.000 Menschen ihr Leben verloren. Pinchas, der Sohn Elazar und Enkel Aharons, sah rot. Er wusste, dass jemand unverzueglich handeln musste, um das aufkommende Unglueck abzuhalten und die Israeliten vor sich selbst zu retten. Er nahm einen Speer, ging in das Zelt Zimris, der gerade Sex mit seiner Geliebten Cozbi hatte, und stach den Speer durch beide Koerper zugleich (Talmud Sanhedrin 82b).
Sofort nahm die Plage ein Ende und die Israeliten waren gerettet. Aber anstatt Pinchas dankbar zu sein, wurde er von vielen schlecht gemacht und sie laesterten ueber ihn. Er komme ja selbst aus einer zweifelhaften Familie des Yitro, der selbst einmal ein Goetzenpriester war. Was ihm einfiele, hier den Zimri umzubringen.
Bei Rashi lesen wir, dass dies der Grund ist, warum G - tt die volle Abstammung des Pinchas in der Thora erwaehnt. Pinchas, der Sohn des Elazar, der wiederum der Sohn Aharons ist. So sollte klargestellt werden, dass es sich keinesfalls um eine zweifelhafte Familie handelte.

Im kabbalistischen Buch ZOHAR lesen wir, dass Rabbi Shimon Bar Yochai der Ansicht war, dass zu dem Zeitpunkt die Israeliten verdienten zu sterben. Doch Pinchas rettete sie mit seiner heldenhaften Tat. Er war der einzige, der die Initiative ergriff und sofort handelte. Alle anderen erkannten nicht, dass es eine Mitzwa (Gebot) war, den Zimri zu toeten (Noam Elimelech).
Von G - tt wurde er dafuer zum Cohen (Tempelpriester) ernannt, ein Amt, was ihm von Geburt an nicht zustand. Es ist der einzige Fall in der Geschichte, an dem ein "Fremder" zum Cohen ernannt wird. Ansonsten lautet die von G - tt erlassene Regel, dass jemand nur aufgrund seiner gebuertigen Herkunft Cohen sein kann.

Die Chassidut sieht in Pinchas den perfekten Zaddik (Gerechten), was an dieser Stelle heisst, dass Pinchas G - ttes Willen erfuellte, sein Volk rettete und er die oberen Welten mit der unteren verband. Wir wiederum sollten uns mit einem Zaddik verbinden, um so eine Einheit (Yichud) in dieser Welt zu erreichen (Degel Machane Ephraim).

Der Mensch sollte genuegend Verstand besitzten zu wissen, was richtig und was falsch ist. Manchmal kommen in ihm Gedanken auf, bei denen ihm sein Verstand sofort sagt, dass es falsch waere dies und das zu tun (Baal Shem Tov). Genau dann sollte er seine ganze Kraft aufbringen und nicht seinen koerperlichen Geluesten bzw. dem Materialismus folgen, sondern sich auf seine Spiritualitaet besinnen und sich gleichzeitig die Frage stellen, warum er hier auf dieser Welt ist. Wer hat ihn hierher gebracht und zu welchem Zweck ?
Der Sinn unseres Dasein besteht darin, G - ttes Willen auszufuehren und demnach einen Platz in der Olam HaBah (der kommenden Seelenwelt) fuer uns zu gewinnen. Leider verlieren wir in vielen Lebenssituationen unser Ziel aus den Augen und wenden uns den aeusseren Einfluessen zu (Rashi). Genau das passierte den Israeliten in der Wueste. Sie dachten nur an ihre eigenen Gelueste, ohne wahrzunehmen, dass diese ihr eigentlicher Feind und ihr Untergang sind.

Bis Pinchas der Zaddik (Gerechte) kam und das Volk wieder mit G - tt verband. Die Chassidut nennt das die Hauptaufgabe eines Zaddik. Er ist der zentrale Punkt und er sorgt dafuer, dass G - tt und die Juden eine Einheit bilden, so Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz - der Seher von Lublin. Sein Konkurrent, Rabbi Yaakov Yitzchak Rabinovicz von Peshis'cha stimmte dem nicht ganz zu und gab eine andere Erklaerung ab. Der Zaddik muss ebenso an sich selbst arbeiten und seine Hauptaufgabe bestehe darin, die Menschen Spiritualitaet zu lehren und sich so auf einem hoeheren Level zu bewegen.

Das, was uns die Parasha und Pinchas lehren ist, dass wir im Leben Initiativen ergreifen muessen und nicht tatenlos zusehen. Natuerlich soll nicht jeder von uns einen Speer in die Hand nehmen und drauflos rennen, aber dennoch sollten wir uns niemals schaemen, uns fuer die Thora in einer richtigen Art und Weise einzusetzen. Selbst dann nicht, wenn wir von aussen kritisiert werden. Vielleicht sollten wir Juden das vor allem im Zeitalter des wieder aufkommenden Antisemitismus beruecksichtigen.

Shabbat Shalom

Bekaempfung von Vorurteilen

B"H

Vor allem die chassidische Gesellschaft hat mit vielen externen Vorurteilen zu kaempfen. Da die wenigsten Leute richtige Chassidim naeher kennen, verbreiten sich stereotype Meinungen sehr schnell. Manchmal zu recht und vielmals zu unrecht.

Vor ein paar Tagen machte ich wieder einmal eine persoenliche Erfahrung solcher Art. Eine bestimmte Abteilung einer israelischen Universitaet ist sehr an meinen Berichten ueber die chassidische Gruppe Toldot Aharon interessiert. Im Ausland ist es wahrscheinlich weniger bekannt, aber in Israel gilt diese chassidische Gruppe als extrem geschlossen und von daher sind bisher kaum Details ueber ihr soziales Leben, Braeuche und interne Ansichten veroeffentlicht. Falls jemand interessiert sein sollte, geht er einmal zum Tisch, wenn ueberhaupt, und liest die wenige vorhandene Literatur.

Ich beschaeftige mich weiterhin etwas ausfuehrlicher damit, wenn nicht sogar sehr ausfuehrlich. Keinesfalls aus akademischen Gruenden, sondern aus wahrem Interesse, weil mir das Thema selbst sehr zusagt und ich die Mitglieder von Toldot Aharon menschlich sehr zu schaetzen gelernt habe.

Sonntag nun sprach ich mit einer Professorin ueber das Thema und sie kam auf die Idee, saemtliche meiner Berichte auszudrucken. Anschliessend fragte sie mich, mit wem ich denn bei der chassidischen Gruppe spreche und ich meinte, dass das halt die Frauen seien.
Was, entsetzte sich die Professorin, die Frauen von denen sind doch recht dumm. Ohne Bildung und so. Ja, glaubst du denn, dass du da etwas erfaehrst, wenn die nichts wissen ?
Meinerseits machte ich besagte Professorin auf genau jenes Vorurteil aufmerksam. Chassidische Frauen wissen mehr als du denkst und nicht jeder hat seinen Doktortitel parat, was wiederum nicht immer etwas ueber den Bildungsstand aussagt. Die von mir bisher befragten Frauen hatten alle einen guten IQ und waren keineswegs dumm. Eher im Gegenteil.

Aber die israel. Professorin ist leider kein Einzelfall, denn die Frage wurde mir schon aus der Naehe von New York gestellt. Von einem litvishen Haredi.
Schade, dass dieses Vorurteil existiert.

Dienstag, Juli 03, 2007

Die Sache mit dem Gasthaus

B"H

Vor etwas mehr als einem halben Jahr passierte es mir, dass eine sehr religioese Christin mir eine Story aus der Gemara im Talmud zitierte. Den Inhalt gab sie richtig wieder, ihre Schlussfolgerung dagegen war falsch. Damals fragte ich mich, woher diese nicht gerade zu den Intelligentesten zaehlende Kanadierin die Story aus dem Talmud kannte.

Um weiteren falschen Schlussfolgerungen und Deutungen vorzubeugen, will ich an dieser Stelle die Story aus dem Talmud erzaehlen und erklaeren. Sie findet zweimal Erwaehnung; einmal im Traktat Sanhedrin 107b und ein zweites Mal im Traktat Sotah 47a.

Im Mittelalter sorgte die Kirche dafuer, dass fuehrende Rabbiner beide Stellen aus dem Talmud entfernen mussten. Wer also einen Talmud vor sich hat und die beiden Auszuege nicht findet, der braucht sich nicht zu wundern. Bis heute erscheinen die beiden Originalauszuege nur in wenigen talmudischen Ausgaben und sind ansonsten in den Hashmatot einzusehen.

Die Hashmatot sind eine Sammlung von Talmudauszuegen, welche die Kirche im Mittelalter unter Todesdrohungen den Juden gegenueber aus Talmudausgaben entfernen liess.

Zitat aus dem Talmud:

Als Yannai, Koenig von Israel, die Rabbiner umbringen liess. Shimon ben Shetach wurde von seiner Schwester versteckt, waehrend Rabbi Yehoshua ben Perachiah nach Alexandria in Aegypten floh.
Als wieder Frieden herrschte, sandte Shimon ben Shetach eine Nachricht an Rabbi Yehoshua ben Perachiah und der begab sich unverzueglich wieder auf den Heimweg nach Jerusalem.
Unterwegs kam er an einem Gasthaus vorbei, in dem er mit seinen Gefaehrten naechtigen wollte. Der Inhaberin des Gasthauses gegenueber machte er Komplimente. Ihr Gasthaus sei sehr schoen.
Daraufhin sagte einer seiner Schueler, der hier den Namen Yeshu HaNochri traegt, folgendes: Mein Rabbi, siehst du nicht, dass sie haessliche Augen hat.

In anderen Worten, wie kannst du ueberhaupt nur mit solch einer haesslichen Person sprechen.

Aufgebracht schmiss Rabbi Yehoshua ben Perachiah den Schueler Yeshu HaNochri hinaus. Einen Schueler, der die Menschen nur nach ihrem Aeusseren richtete, sah er als unwuerdig.

Im Judentum sollen die Menschen nach ihrem Inneren und niemals nur nach ihrem Ausseren gerichtet werden. Nicht jeder, der einen koerperlichen Makel hat, ist ein schlechter Mensch. Genau aber dieser Auffassung war Yeshu HaNochri.

Yeshu HaNochri kam danach einige Male zurueck zum Rabbi, um sich fuer sein Verhalten zu entschuldigen, doch der Rabbi wollte ihn nicht sehen. Einmal kam Yeshu HaNochri als Rabbi Yehoshua ben Perachiah mitten im "Shema Israel - Gebet" war. Der Rabbi war bereit, Yeshu HaNochri zu empfangen und gab ihm ein Handzeichen, dass er bis zum Ende des Gebetes warten solle.
Doch Yeshu HaNochri verstand das Handzeichen falsch und dachte, der Rabbi schmeisse ihn wieder hinaus. Er ging und begann zu einer selbst aufgesetzten Statue zu beten.
Der Rabbi kam und sagte ihm, dass er sich entschuldigen solle.
Yeshu HaNochri wollte nicht und sagte, dass jemand der suendigt und andere zur Suende anstiftet kein Recht auf Suehne (Teshuva) hat.

Eine komplett falsche Schlussfolgerung.


Die Kirche war / ist sich seit vielen Jahrhunderten sicher, dass hier die Sprache von J. ist.
J. sei identisch mit dem hier erwaehnten Yeshu HaNochri.

Genau diese Behauptung ist falsch. Der grosse talmudische Rabbi Yehoshua ben Perachiah (Vorstand des Sanhedrin) lebte zwei Generationen vor dem spaeteren von den Christen als Messias betrachteten J.

Auch bei Koenig Yannai gibt es eine Zeitdiskrepanz. Er war Koenig von 104 - 78 vor Beginn der Zeitrechnung.

Die Mehrheit der talmudischen Kommentatoren (darunter auch der RIF) stimmen ueberein, dass es sich in dieser Gemara des Talmudes nicht um J. handelt. Im Talmud gibt es noch weitere Stories, die sich mit Yeshu HaNochri beschaeftigen, doch wird kommentiert, dass es sich historisch betrachtet, um unterschiedliche Personen handeln muss.

Wie auch immer, die Kirche im Mittelalter liess sich nicht ueberzeugen und so mussten, vor allem zur der Zeit der Inquisition, viele talmudische Stories gestrichen werden oder es gab Zeiten, zu denen das Talmudstudium vollkommen untersagt war.

Montag, Juli 02, 2007

Dialog ja oder lieber doch nicht ?

B"H

Laut aktuellen Berichten der "Jerusalem Post" und des britischen "Independent" plant Papst Benedikt XVI. eine Wiedereinfuehrung des lateinischen Ritus. Dieser Ritus beinhaltet Gebete mit eindeutig antisemitischen Zuegen. u.a. wird, falls die Wiedereinfuehrung wirklich erfolgt, am Karfreitag ein Gebet aus dem 16. Jahrhundert gesprochen, welches die Juden auffordert, den christl. Messias J. endlich auch als ihren Messias anzuerkennen. Woertlich heisst es in dem Gebet, dass die Juden endlich aufwachen sollen und ihren Schleier von den Augen nehmen.

Diesen Spruch habe ich schon unendlich viele Male von christlichen Missionaren gehoert. Ich hatte keine Ahnung, dass die Aussage aus dem 16. Jahrhundert stammt. Mit oder ohne Wiedereinfuehrung des lateinischen Ritus ist die Meinung anscheinend heute noch so lebendig wie eh und je.

Die Juden waeren blind und sehen die Realitaet, die da J. heisst, nicht. Ich weiss nicht, wie man die Absurditaet noch steigern kann. Fuer denjenigen, der keine Ahnug vom Judentum oder etwas zu verheimlichen hat, kann die Aussage der Blindheit der Juden nur recht sein. So ist es am bequemsten alles zu rechtfertigen.

Demnach stellt sich automatisch die Frage, ob die katholische Kirche einen juedisch - christlichen Dialog ernsthaft will ? Wieso sollte man denn auch ueberhaupt mit jemandem diskutieren, der mit Blindheit geschlagen ist ?

So, mein Beitrag ist fertig geschrieben und nun kann ich mir wieder getrost mein Tuch vor die Augen spannen.

Sonntag, Juli 01, 2007

Der Fastentag am 17. Tammuz

B"H

Am Dienstag dieser Woche (3. Juli) begehen wir den Fastentag des 17. Tages im juedischen Monat Tammuz. Der 17. Tammuz war im laufe der Geschichte viele Male ein Schicksalstag fuer die Juden. So stieg Moshe an dem Tage vom Berg Sinai herab, sah, dass die Israeliten um das Goldene Kalb tanzten und zerschmetterte vor Wut die zwei Gesetzestafeln. Viele Jahre spaeter wurde die Stadtmauer Jerusalems von den Feinden ueberrannt. Eine Tragoedie, die drei Wochen spaeter in noch einer viel groesseren Tragoedie endete: der Zerstoerung beider Tempel. Im Jahre 586 vor der Zeitrechnung durch die Babylonier und im Jahre 70 nach der Zeitrechnung durch die Roemer.
Die Geschichte reiht uns eine ganze Liste mit tragischen Ereignissen auf. Eines davon geschah im Jahre 1944, wo am 17. Tammuz das Ghetto Kovno von den Nazis aufgeloest und saemtliche inhaftierte Juden in die Vernichtungslager geschickt wurden.

Der 17. des juedischen Monats Tammuz leitet eine dreiwoechige Trauerperiode ein, welche mit dem Tisha Be' Av (9. des jued. Monats Av) am 24. Juli endet. Am 9. des jued. Monats Av wurden beide Tempel zerstoert.

Der 17. Tammuz ist ein Halbfastentag, der morgens gegen ca. 5.30 Uhr beginnt und abends um 20.20 Uhr (in Israel !!!) endet. Den gesamten Tag ueber essen und trinken wir nichts. Wer fastet, der muss im Morgengebet Shacharit einige zusaetzliche Gebet einfuegen.

Ein Fastentag soll uns immer zur Teshuva (Umkehr zu G – tt) bewegen. An solch einem Tag sollten wir Thora lernen (z.B. Parashat Ki Tisa, in der es um den Bau des Goldenen Kalbes geht). Nicht, dass wir die Thora nur lernen und sie danach wie ein gewoehnliches Buch wieder zur Seite legen. Stattdessen muss die Thora verinnerlicht werden und durch die Einhaltung der Gesetze, die G – tt uns gab, erfuellen wir Seinen hoechsten Willen (Ratzon HaEliyon) und erreichen eine besondere Devekut (Naehe zu G – tt). Die Thora sollte ein Teil von uns sein, mit dem wir die Kraft haben, einen Tikun (Reparatur der Seele) fuer das Zerschmettern der Gesetzestafeln zu verrichten (Sefer HaSichot – Chabad). Ein weiteres Zeichen zur Teshuva ist das Geben von Zedakah (Spenden), so lesen wir im Buch Tanya – Iggeret HaTeshuva, Kapitel 3).

Das chassidische Buch Bnei Yissachar kommentiert, dass aus den einstigen Trauertagen 17. Tammuz sowie 9. Av in der Zukunft einmal Feiertage werden. Naemlich nach der Ankunft des Meschiach.

Halachot (Gesetze) fuer den 17. Tammuz:

a) Nichts essen

b) Nichts trinken

c) Vergnuegungen aller Art sollten unterlassen werden


Halachot fuer die kommenden drei Wochen vor dem 24. Juli (Tisha Be ' Av):

a) Es finden keinerlei juedische Hochzeiten statt.

b) Von Vergnuegungen wie Parties, Kino, Musikhoeren etc. sollte Abstand genommen werden.

Hierbei ist zu beachten, dass neun Tage vor Tisha Be ' Av noch einige weitere Halachot hinzukommen, die ich zu gegebener Zeit nennen erlaeutern werde !!!

Warum sind ausgerechnet diese drei Wochen zwischen der Zerstoerung der Jerusalemer Stadtmauer und der endgueltigen Zerstoerung der Tempel eine Trauerperiode ?
In der Zeit sind Tausende von Juden bei der Verteidigung der Tempel umgekommen. Sei es durch das Schwert des Feindes oder durch Hunger.

Hoffen wir, dass der Meschiach demnaechst kommt und der Dritte Tempel errichtet wird.

Zom Kal – ein leichtes Fasten

Die Gruendung der chassidischen Gruppen Toldot Aharon, Shomrei Emunim und Toldot Avraham Yitzchak

B"H

Der Gruender sowie zugleich der erste Rebbe der chassidischen Gruppe Toldot Aharon war der in der ehemaligen Tschechoslowakei geborene Rabbi Aharon (Arele) Roth. Er wurde im Jahre 1894 in der Stadt Ungvar geboren. Sein Vater war Rabbi Shmuel Yaakov und seine Mutter war ein Enkelkind eines Zaddik (Gerechten) aus der Zeit des Baal Shem Tov. Schon fruehzeitig im Alter von neun Jahren lernte Rabbi Arele (so sein Kosename) in der Yeshiva des Rabbi Yosef Rothenberg in Krasnoye. Spaeter lernte er in galizischen Yeshivot sowie unter Rabbi Yeshayahu Zilberstein in Ungarn. Waehrend des Ersten Weltkrieges lebte Rabbi Aharon Roth in Ungarn.

Im Alter von 22 Jahren heiratete er Sima, die Tochter des Rabbi Yitzchak Katz von Budapest. Danach zog er fuer kurze Zeit nach Satmar, wo er sich eine kleine Gefolgschaft von Schuelern aufbaute. Obwohl Rabbi Aharon Roth spaeter ein beruehmter Rebbe und Begruender einer chassidischen Dynastie war, verband ihn keine direkte Linie mit dem Baal Shem Tov. Bis auf ganz wenige Ausnahmen, waren fast alle Begruender chassidischer Dynastien Schueler von den Schuelern des Baal Shem Tov. Bei Rabbi Roth war das nicht der Fall, sondern vielmehr besass er eine charismatische Persoenlichkeit und verfuegte ueber hervorragende Kenntnisse in der juedischen Religion. Aufgrunddessen fand er schnell Anhaenger, die ihn zum Rebben auserwaehlten.
Er hatte unter grossen Rebben wie Rabbi Yissachar Dov Rokeach, Rabbi Zvi Elimelech Sira von Bluzhov, Rabbi Israel Hager von Vishnitz, Rabbi Yeshaya Silberstein von Weitzen und Rabbi Moshe Vorhand von Makov gelernt.

Im Jahre 1925 zog Rabbi Aharon Roth nach Jerusalem, wo er schon kurz darauf eine kleine Gefolgschaft um sich versammelte. Aufgrund gesundheitlicher Probleme kehrte er im Jahre 1929 nach Satmar zurueck. Dort jedoch begegnete man dem selbsternannten Rebben mit Misstrauen und schliesslich war er gezwungen, Satmar zu verlassen und nach Beregszaz (Beregovo) zu ziehen, wo er eine neue Yeshiva gruendete, die den Namen "Shomrei Emunim" - (Hueter des Glaubens) trug. Acht Schueler lernten bei ihm und ausserdem wurde die Yeshiva von Rabbi Chaim Elazar Shapira von Munkacs unterstuetzt.

All die verstrichenen Jahre hatte er jedoch niemals seine Anhaenger in Jerusalem vergessen und es herrschte ein staendiger reger Kontakt. Im Jahre 1939 zog Rebbe Roth zurueck nach Jerusalem und rief die extreme geschlossene chassidische Gruppe Toldot Aharon ins Leben. Er war ein rigoroser Gegner des Zionismus, legte allerhoechsten Wert auf leidenschaftlich gesprochene Gebet bis hin zur Ekstase und entwickelte die Gesetze (Takanot), nach denen seine Anhaenger zu leben haben.

Rebbe Aharon Roth verstarb am 6. des juedischen Monats Nissan 1947 und wurde auf dem jued. Friedhof auf dem Oelberg begraben. Rebbe Arele, der Kosenamen seiner Chassidim, war Autor mehrerer Buecher, darunter "Shomer Emunim" und "Shulchan HaTahor".

Nach seinem Tod waehlte die grosse Mehrheit seiner Chassidim wider Erwarten nicht seinen Sohn, Rabbi Avraham Chaim Roth, zum Nachfolger, sondern den Schwiegersohn des Rebben, Rabbi Avraham Yitzchak HaCohen Kahn.
Rabbi Avraham Chaim Roth war, wie man sich sicher vorstellen kann, darueber alles andere als erfreut und wandte sich ab. Er gruendete seine eigene chassidische Gruppe, die er Shomrei Emunim (Hueter des Glaubens) nannte. Rabbi Avraham Chaim war im Jahre 1924 in Satmar geboren wurden und ist mit Beila Chaya, der Tochter des Rebben von Zhevil, Rabbi Mordechai Goldman of Zevil (Selutchov) verheiratet.

Nach der Abspaltung exisitierten also zwei Gruppen: Toldot Aharon unter der Fuehrung des Rebben Avraham Yitzchak Kahn und Shomrei Emunim mit dem Rebben Avraham Chaim Roth. Die Mehrheit der Chassidim blieb bei Toldot Aharon.
Rebbe Avraham Chaim ist nach wie vor der Rebbe der Shomrei Emunim und lebt in Bnei Brak, nahe Tel Aviv. Ein grosser Teil seiner Anhaenger blieb dennoch in Jerusalem und verfuegt ueber eine Synagoge in Mea Shearim sowie einen eigenen kleinen Stadtteil dort. Genauso leben mittlerweile viele Shomrei Emunim in Beit Shemesh, nahe Jerusalem.

Rebbe Avraham Yitzchak HaCohen Kahn wurde in Safed (Nordisrael) geboren. Sein Vater war Rabbi Aharon David und seine Mutter war die Tochter von Rabbi Moshe Deutsch von Sighet. Er zog nach Ungarn, um dort an der Yeshiva vom Satmarer Rebben, Rabbi Yoel Teitelbaum zu studieren. Dort traf er Rebbe Aharon Roth, der ihn mit seiner Tochter verheiratete. Unter den neuen Fuehrung von Rebbe Avraham Yitzchak Kahn zogen viele Toldot Aharon Chassidim nach Beit Shemesh. Wer heute zu dessen Tisch im Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim geht, der wird nur die Haelfte der Chassidim antreffen, denn ein Grossteil lebt im eigenen Stadtteil in Beit Shemesh.
Rebbe Kahn verstarb an Chanukkah 1996 und wurde auf dem Oelberg neben seinem Schwiegervater beerdigt. Er war der Autor der Buecher "Divrei Emunim", "Derech Emunah" und "Tikvat HaGeulah".

Sein Tod verursachte eine dritte Abspaltung innerhalb der Gruppe, da er zwei Soehne hinterliess, von denen beide der neue Rebbe sein wollten. Die Chassidim von Toldot Aharon waehlten den Juengeren der Brueder, Rabbi David Kahn, zu ihrem neuen Oberhaupt. Der aeltere Bruder, Rabbi Shmuel Yaakov Kahn, gruendete seine eigene chassidische Gruppe, die er nach seinem Vater, Toldot Avraham Yitzchak benannte.

Beide Brueder sind sehr gelehrte Rabbiner. Rebbe Shmuel Yaakov lernte in der Yeshiva des Visnitzer Rebben Chaim Meir Hager (Imrei Chaim) und Rebbe David Kahn lernte unter dem ehemaligen Satmarer Rebben Yoel Teitelbaum.

Bis heute sind beide Brueder aeusserst gut miteinander befreundet. Vielerseits wurde mir berichtet, dass die Avraham Yitzchak Gruppe ein wenig offener sei. Ich beschaeftige mich persoenlich seit einem Monat mit den Gruppen und bisher ist mir das noch nicht aufgefallen. Die Mitglieder beider Gruppen geben sich mir gegenueber sehr offen. Sie sind jederzeit bereit, Fragen zu beantworten.

Beide Gruppen halten fast die gleichen Minhagim (Braeuche) und benutzen das gleiche rote Sidur (Gebetbuch), welches "Beracha u' Tehillah" genannt wird. Zusaetzlich benutzt man bei Toldot Avraham Yitzchak noch das "Tehillat Avraham Yitzchak". Bisher hatte ich nur kurz Gelegenheit in das "Beracha u' Tehillah" hineinzuschauen, welches uebrigens sehr viele kabbalistische Zusaetze enthaelt.

Beide Gruppen sind Mitglied bei der anti - zinonistischen Dachorganisation Edah HaCharedit. Ein wichtiges Mitglied des Beit Din Zedek - Badatz (Rabbinisches Gericht) der Edah ist der grosse Rabbi Meir Brandsdorfer, welcher der Gruppe Toldot Avraham Yitzchak angehoert.

Die Gruppen unterscheiden sich in keinster Weise von ihrer Kleidung und von daher ist ein aeusserer Unterschied kaum zu ersehen. Die grosse Synagoge der Toldot Aharon sowie jene der Toldot Avraham Yitzchak befinden sich in Mea Shearim.

Mein naechster Beitrag wird sich mit der Kleidung und den sehr komplizierten hauseigenen Gesetzen, den Takanot, beschaeftigen.

Samstag, Juni 30, 2007

Getting ready

B"H

Der Shabbat ist wieder einmal vorbei und wir haben eine neue Woche vor uns. Daher allen erst einmal Shavua Tov - eine gute Woche.

Das Thema unter den Religioesen in Israel ist der dieswoechige Fastentag am Dienstag, der 17. Tammuz. In Israel beginnt das Fasten ca. gegen 5.00 Uhr frueh und endet abends gegen 20.20 Uhr. Bei der unbeschreiblichen Hitze ueber 30 Grad derzeit wird das Fasten sehr schwer fallen und man hoert ueberall laute Gedanken, dass dieser oder jener ersthaft ueberlege, nicht zu fasten oder nur halb. Wundersamerweise kuehlt es sich heute Abend etwas ab und wir werden weitersehen.

Wer einen sogenannten Break - Fast (Essen nach dem Fasten) in Jerusalem sucht, der kann sich am Dienstag um 20.30 bei Rabbi Mordechai Machlis einfinden. Dort gibt es ein riesen Essen und gleichzeitig begeht er die Yahrzeit (Todestag) seiner Mutter. An solch einem Tag ist es ueblich, ein Essen zur Erinnerung des Verstorbenen zu geben, etwas Religioeses zu lehren, Gebete zu sagen und durch kleine Stories an die Taten des Verstorbenen zu erinnern.

Gestern Abend, nach dem Shabbat - Essen bei Rabbi Machlis, war ich mit meiner Freundin wieder in Mea Shearim unterwegs. Den gesamten chassidischen Tisch verbrachten wir dieses Mal nicht mit Toldot Avraham Yitzchak, sondern mit meinem eigentlichen Thema: Toldot Aharon.
Wir blieben bis 2.30 Uhr morgens und hatten eine unbeschreibliche Zeit. Wir lernten nette Leute kennen und sahen die grossen Unterschiede zu ihrer Abspaltung Avraham Yitzchak. Alle moeglichen Leute meinten immer zu mir, dass sich die beiden Gruppen kaum unterscheiden, doch wir wurden einen besseren belehrt. Auch klaerten Mitglieder von Toldot Aharon uns darueber auf, aber dazu mehr in den folgenden Tagen.

Bisher sind wir immer noch nicht dazu gekommen, die dritte Abspaltung, die Shomrei Emunim (Hueter des Glaubens) zu besuchen, doch waren meine Freundin und ich am heutigen Spaetnachmittag auf Mea Shearim - Trip und fanden deren Synagoge. Ein Anfang.:-)

Ein weiteres grosses Ereignis in Mea Shearim findet heute Abend gegen 22.00 Uhr statt. In der Synagoge "Mishkenot HaRoim" findet eine Yahrzeit - Feier zum 33. Todestag des Rabbi Amram Blau statt.
Rabbi Blau verstarb im Jahre 1974 und war DAS beruehmte Oberhaupt der Jerusalemer Neturei Karta. Er lieferte sich unzaehlige Schlachten mit der Polizei (bei Demos) und wurde erst richtig aufgrund eines internen Skandales bekannt. Nach dem Tode seiner ersten Frau wollte er die franz. Konvertitin Ruth heiraten. Die Netuei Karta untersagte ihm das. Rabbi Blau heiratete trotzdem und war gezwungen, fuer einige wenige Jahre im "Exil" in Bnei Brak (bei Tel Aviv) zu leben. Spaeter zog er zurueck nach Jerusalem.

Meine Freundin und ich wollten zur Yahrzeit gehen, doch stand auf den Postern (Fakshivilim), dass es sich um das Lernen vom Talmud - Mischnayiot handele und daraus ersahen wir, dass es allem Anschein nach ein reines Maennertreffen wird. Nicht, dass wir mit der Neturei Karta - Politik uebereinstimmen, dennoch haetten wir das Event gerne gesehen.

Um nochmals auf den gestrigen Tisch zurueckzukommen:
Wir waren in der gluecklichen Lage, einige Pamphlete der Thoralesung von Toldot Aharon mitzunehmen. Nicht nur die Thoralesung wurde erklaert, sondern ebenso Auszuege aus dem Talmud und vor allem ein ganz grosses wichtiges halachisches Thema, welches uns in Israel demnaechst erwartet. Das Shemittah - Jahr.
Lt. der Thora sind wir im Lande Israel verpflichtet, dass Land im 7. Jahr ruhen zu lassen.
Die Shemittah - Gesetze sind dermassen kompliziert, denn Juden duerfen ein Jahr lang nichts pflanzen und ihre Blumen im Haus nur begrenzt giessen und und und. Das Shemittah - Jahr beginnt am jued. Neujahrstag Rosh HaShana und gilt NUR IN ISRAEL !!!

Die chassidische Gruppe Toldot Aharon hat zu dem Thema einige sehr interessante Halachot angesprochen, die ich in den kommenden Tagen ausfuehrlicher beschreiben werde. u.a. wird die Frage gestellt, ob jemand in einem Hotel uebernachten darf, wenn der Garten drumherum nicht koscher ist. Heisst, das Hotel sich nicht an die Shemittah - Gesetze haelt und im Garten pflanzt.

Auf den 17. Tammuz werde ich im laufe des morgigen Tages noch ausfuehrlich eingehen.

Freitag, Juni 29, 2007

Neues vom israelischen Giur (Konversion) zum Judentum, Teil 2

B"H

Vor einiger Zeit hatte ich angekuendigt, ein paar Interviews mit Rabbinern israelischer Konversionskurse zu fuehren.
Gleich darauf sprach ich mit meinem ersten potentiellen Kandidaten, der sich auch sofort bereit erklaerte, meine Fragen zu beantworten. Wir standen kurz vor der Terminvereinbarung.
Waehrend unseres ersten Telefongespraeches bemerkte ich, dass er sich seltsam verhielt. Ich meine von mir, ueber eine ganz gute Menschenkenntnis zu verfuegen und die sagte mir, dass irgendetwas an diesem Rabbiner sonderbar sei. Naja, dachte ich, vielleicht ist das halt so seine Art. Kann ja alles sein.
Am gleichen Abend noch traf ich jemanden aus dem Konversionskurs mit eben jenem Rabbiner. Mir wurde nichts Gutes ueber ihn berichtet. Allerdings taten sich dabei auch Widersprueche auf, denn andere Leute erzaehlten mir wieder eine ganz andere Story.

Nun war der besagte Rabbiner mein sozusagen erster Fall und ich kam gleich maechtig ins Wanken, ob ich ihn nun treffen soll oder nicht. Ehrlich gesagt brach in dem Moment bei mir einige Frustration ueber das gesamte Thema aus und ich widmete mich vorerst anderem.
Spaetestens bis Ende Juli will ich jedoch alle drei oder vier in Frage kommenden Rabbiner treffen und zum Giur in Israel ausfuehrlich befragen. Incl. des zweifelhaften oder nicht zweifelhaften Rabbiners. Denn ab August sind naemlich die Kurse, die Batei Din und das Rabbanut im Sommerurlaub und danach koennte es ewig dauern, da im Sept. die hohen Feiertage vor der Tuer stehen.

Alles in allem stellten sich meine Zweifel und Wartezeit als aeusserst positiv heraus, denn das Oberrabbinat (Rabbanut) aenderte wieder einmal die Giur - Gesetzgebung.
Eine Freundin, welche ich heute frueh traf und die nach Abschluss ihres Kurses auf das Beit Din (rabbinisches Gericht) wartet, berichtete mir so einiges.
Ich kann nicht mit Gewissheit sagen, dass ihre Angaben auf alle israelischen Giur - Kurse bzw. Batei Din (rabbinische Gerichte) zutreffen. Jeder einzelne sollte sich da ausfuehrlich beim Rabbanut / Kurs informieren !!!

Das Rabbanut in Jerusalem mit seinem Beit Din in der Kanfei Nesharim Street, hat ein spezielles Kommittee gegruendet, bei dem ein Giur - Kandidat nach Abschluss seines Kurses antreten muss und welches danach entscheidet, ob der Kandidat fuer ein Beit Din zugelassen wird oder im Zweifelsfall noch einmal fuer einige Monate an einem weiteren Giur - Unterricht teilnehmen muss.
Meine Freundin hat Anfang Juli einen Termin bei diesem Kommittee und ihr droht im Ernstfall nochmals ein neuer Kurs. Zumindest fuer einige Monate.

Ich fragte sie, welche Giur - Kurse in Jerusalem denn ueberhaupt noch als "sehr gut" gelten, denn man hoert immer nur von den Schwarzen Schafen, die ich zu Hauf auflisten koennte.
Das beste sei, so sagte sie, dass jeder Interessent vor der Einschreibung in einen Kurs zum Beit Din in der Kanfei Nesharim Street (Buslinie 35 vom Machane Yehudah) vorspreche und nach einer Liste der wirklich anerkannten Giur - Kurse frage.

Donnerstag, Juni 28, 2007

The Garden of Emunah (Glaube)

B"H

Ein Buch, welches ich jedem Leser ans Herz lege, ist das Buch von Rabbi Shalom Arush "The Garden of Emunah". Von der ersten in Hebraeisch erschienenen Ausgabe wurden in Windeseile 25.000 Ausgaben verkauft und seit kurzem gibt es Rabbi Arushs Buch auch in englischer Sprache.

Erhaeltlich ist es, u.a., hier: http://www.1800eichlers.com/product.asp?P_ID=5230

Rabbi Shalom Arush gehoert den Breslover Chassidim an und ist ein Schueler des in Jerusalem aeusserst anerkannten Rabbis, Rabbi Eliezer Berland. Rabbi Berland ist der Sohn von Holocaust - Ueberlebenden und Leiter einer Yeshiva in der Altstadt. Erst im spaeteren Verlauf seines Lebens wurde Rabbi Berland ein Breslover Chassid, ist aber seit laengerem auch von gebuertigen Breslovern als Zaddik (Gerechter) sehr hoch angesehen.

Im "Garden of Emunah" geht es um den Glauben an G - tt und das alles, was uns passiert, immer nur zum Besten und von G - tt vorbestimmt ist. Das Buch ist in sehr einfachen Worten geschrieben und fuer jedermann verstaendlich. Unabhaengig davon, ob der Leser ueber Vorwissen verfuegt oder nicht. Sehr gut sind die ausfuehrlichen Fallbeispiele.

Parashat Balak

B"H

Die Thoralesung fuer diesen Shabbat

Die allererste Frage, die sich uns aufdraengt ist, warum diese Parasha ausgerechnet nach Balak benannt wurde. Balak, jemand, der die Israeliten verflucht wissen wollte, bekommt eine eigene Thoraparasha ?
Balak war der Koenig der Moabiter und zugleich der Grossvater von Eglon (Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 105a). Eglon wiederum war der Vater von Ruth, die spaeter Boaz heiraten sollte und somit zu den Vorfahren Koenig Davids gehoert. Genau genommen wird einmal der Meschiach im weitesten Sinne von Balak abstammen.

Rabbi Simcha Bunim von Peshis'cha war der Meinung, dass Bilam von groesserem Judenhass befallen war als sein Auftraggeber Balak, was nun keineswegs als Entschuldigung fuer Balak gelten soll. Vielmehr wurde Balaks Ansehen durch Ruth wiederhergestellt, denn sie erwies sich als Gerechte und konvertierte zum Judentum.

Die Parasha nennt ihn Balak ben Zipor, was uebersetzt "Balak, der Sohn des Vogels" heisst. Der biologische Sohn eines Vogels war er nicht, sondern betrieb seine Zaubereien anhand eines Vogels. Bilam war beruehmt fuer seine wirksamen Flueche, aber Balak war der groessere Magier von beiden. Er hatte einen Vogel so abgerichtet, dass dieser ihm alles Gesehene erzaehlte (Ohr HaChaim und das Buch Zohar) und so kam Balak zu seiner Allwissenheit.
Bilam war der groesste nichtjuedische Prophet, der jemals gelebt hat. Er war theoretisch auf dem gleichen Level wie Moshe und haette die nichtjuedischen Voelker auf einen sehr hohen Level bringen koennen, wenn er nicht zu sehr auf sein eigens Wohl ausgewesen waere und schliesslich ueber seine Arroganz stolperte.

Balak sendete Boten zu Bilam, um diesen zu ueberzeugen, die Israeliten zu verfluchen, um so sein und andere Koenigreiche wie die Moabiter oder die Midianiter zu schuetzen. Die siegreichen Kriege der Israeliten hatten sich schnell herumgesprochen und Balak war unter Druck geraten. Einen militaerischen Schlag gegen die Israeliten wagte er nicht, sondern wandte sich eher der Fluechen zu. Er wusste, dass G - tt die Juden beschuetzte und von daher sollte die Meinung G - ttes irgendwie geaendert werden.

Bilam war ein Meister der Flueche und kannte sich in Sternenkonstellationen aus (Yalkut Reuveni). Laut der Gemara in den Talmud Traktaten Avodah Zarah 4a und Berachot 7a, kannte Bilam den genauen Zeitpunkt, an dem G - tt aergerlich war.
Die Beschreibung "aergerlich" dient an dieser Stelle als Metaphor und meint vielmehr, dass G - tt zu diesem Zeitpunkt richtete. Wer auch immer den Zeitpunkt kennt, kann eventuell G - ttes Meinung beeinflussen. Ausser Bilam ist und war seither niemand in der Lage, diese Zeit zu berechnen.
Im Talmud, s.o., wird gefragt, wie lange denn dieser Zeitpunkt dauert. Einen Moment, so die Antwort. Und wie lange ist das, ein Moment ? Genau 1 / 58.888 einer Stunde, was genau 1 / 16 einer Sekunde entspricht.

Als die Boten das erste Mal zu Bilam kamen, lehnte der ab. G - tt sprach zu ihm in der Nacht und verweigerte ihm die Reise zu Balak. Als Bilam den Boten seine Ablehnung verkuendete, zeigte er seinen wahren Charakter. Auch wenn Balak ihm Gold und Silber biete, koenne er nicht reisen.
Was sagt uns Bilams Andeutung von Gold und Silber ? Er war ein grosser Prophet und auf einem aeusserst hohen Level, doch ueberfiel ihn die Gier. Er sah, dass Balak von ihm abhing und war so ueberwaeltigt von seiner Wichtigkeit, dass schnell eine Arroganz aufkam (Sefat Emet). Als ihn G - tt spaeter anwies, doch noch zu Balak zu reisen, war Bilam so von sich eingenommen, dass er meinte, er ware imstande, G - ttes Meinung bezueglich der Israeliten noch aendern zu koennen (Rabbi Samson Raphael Hirsch).
Aber jemand, der G - tt so nahe ist und seine Faehigkeiten in destruktiver Art und Weise nutzt, begibt sich automatisch in den freien Fall. Negative und destruktive Charaktaere koennen keine Devekut (Naehe zu G - tt) mehr erhoffen und ihre Taten rufen eine Entfernung von G - tt hervor (Rabbi Yaakov Yosef von Polonoye - Schueler des Baal Shem Tov).

Nach G - ttes Anweisung machte sich Bilam gleich morgens auf den Weg. Schnell sattelte er seine Eselin selbst, ohne seinen Bediensteten dafuer Zeit zu lassen (Rashi). Allerdings hatte er weniger seinen Sattel vor Augen als Ansehen und Gold.
Ein schneller Fall folgte schnell. Als seine Eselin den Engel sah und ihm jedesmal neu auswich, schlug Bilam auf die Eselin ein. Sie war die einzige der beiden, die faehig war, den Esel zu sehen. Er dachte die Gabe zu haben, G - ttes Plaene noch zu kippen, doch sah noch nicht einmal den Engel (Rabbi Samson Raphael Hirsch).

G - tt hatte ihm zwar aufgetragen zu Balak zu gehen und genau die Worte zu sagen, die G - tt ihm in den Mund legte, doch Bilam wollte der Groesste werden. Das Ereignis mit der Eselin und dem Engel haette ihm ein Zeichen sein muessen, doch Bilam war total besessen von seiner Idee des Fluches. Die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin 106b klaert uns auf, dass Bilam zu dem Zeitpunkt ca. 33 Jahre alt war.
Sein spaeteres Schicksal ist ungewiss, denn daruebr gibt es viele unterschiedliche Meinungen im Talmud. Pinchas habe ihn umgebracht oder jemand anderes.

Im alltaeglichen Leben erleben wir viele Menschen, die aufgrund ihrer Faehigkeiten von Arroganz befallen werden. Jeder von uns ist nur ein Mensch und die sogenannte Yetzer HaRah (schlechte Seite) macht sich bei jedem breit. Unsere Aufgabe ist es, sie zu bewaeltigen und positive Dinge zu tun.
Bei Bilam ging alles schief. Er befand sich unter den weisesten Leuten der damaligen Zeit, doch wollte er die Wahrheit einfach nicht wissen (Rabbi Yaakov Yitzchak Horowitz - der Seher von Lublin). Er beharrte auf seiner Meinung wider allen Zeichen und Ratschlaegen.

Der Ishbitzer Rebbe, Rabbi Mordechai Yosef Leiner, bringt diesbezueglich einen interessanten Gedanken auf.
In unzaehligen Quellen heisst es, dass wir gegen unsere Yetzer HaRah ankaempfen und unseren freien Willen zum Ausdruck bringen koennen. Im Judentum ist das Konzept des freien Willens in unserem Leben ein vieldiskutiertes Thema ohne endgueltige Antwort. Wieviel freien Willen besitzen wir wirklich und inwieweit entscheidet G - tt ueber uns ? Es heisst weiter, dass alles in G - ttes Hand liegt ausser ob wir religioese oder nichtreligioese Menschen werden. Alles andere sei uns mit in die Wiege gelegt worden.

Der Ishbitzer Rebbe vertritt eine ganz andere Meinung. Er sieht den freien Willen als eine einzige Illusion. Alles sei von G - tt verbestimmt und wir haben keinen Einfluss. Meiner Meinung ist das eine umstrittene Meinung, denn es faellt schwer zu glauben, dass wir alle unsere Taten auf G - tt schieben koennen. So manch einer koennte das ausnutzen.
Allerdings muss ich zugeben, dass der Ishbitzer nicht ganz unrecht haben koennte. Vielleicht faellt uns diese Meinung deshalb so schwer zu akzeptieren, weil sie uns theoretisch zu Marionetten abstempeln taete.

In wieweit besass Bilam also einen freien Willen das Richtige oder Falsche zu tun ? Ich vertrete immer noch die Auffassung, dass er seine Yetzer haette zum Positiven wenden koennen und G - ttes Willen haette akzeptieren muessen.

Shabbat Shalom