Mittwoch, Juli 11, 2007

Die Fluechtlinge von Darfur

B"H

Innerhalb der letzten Jahre ist es fuer Afrikaner sehr attraktiv geworden, nach Israel zu fluechten. Die Wege nach Europa sind aufgrund der strengen Gesetzgebung und rigorosen Abschiebung versperrt, die USA sind unerreichbar, und so bleibt das demokratische Israel, in dem sich viele ein neues Leben erhoffen.

Schon monatelang werden wir in der Presse mit Nachrichten bombardiert wie "Jugendliche aus dem Sudan etc. suchen Zuflucht in Israel". Mehrere Tausend Kilometer waeren sie zufuss durch die afrikanische Wueste gelaufen, um illegal ueber die aegyptische Grenze nach Israel zu gelangen. Dort wurden sie meistens sofort von der israel. Grenzpolizei aufgegriffen und in Auffanglager gesperrt. Ein Gericht solle ueber ihre Abschiebung entscheiden.

Nun haben wir viele Fluechtlinge aus Darfur hier. Bisher leben sie in diversen Hotels in Beer Sheva und keiner weiss so recht, was mit ihnen geschehen soll. Vor ein paar Tagen machten sich einige von ihnen nach Jerusalem auf, um im Rosengarten des Sacher Parks, gleich gegenueber den Ministerien sowie der Knesset, zu demonstrieren. Ehud Olmert und der Jerusalemer Buergermeister Uri Lupolianski leisteten Soforthilfe und die Fluechtlinge kehrten zurueck nach Beer Sheva.

Die Darfur - Fluechtlinge haben schon viele halachische Diskussionen verursacht. Sollen wir Juden aufgrund unserer Vergangenheit Fluechtlinge aufnehmen ? Im Aegypten der Pharaonen waren wir selbst Sklaven und muessen daher wissen, wie es ist zu leiden. Die Thora verpflichtet uns, anderen Voelkern gegenueber hilfsbereit zu sein. Von daher sind viele Rabbiner fuer die Aufnahme der Fluechtlinge. Die Regierung dagegen plant eine Abschiebung. Wie und wohin weiss keiner. Vor wenigen Tagen unterzeichnete Israel ein Abkommen mit Aegypten, welches vorsieht, dass alle Illegalen, die ueber die aegyptische Grenze nach Israel einreisen, automatisch wieder nach Aegypten abgeschoben werden koennen. So einfach geht das. Sollen doch die Aegypter sehen, wie sie mit den Problemen fertig werden.

Viele Rabbiner sind fuer den Aufenthalt der Fluechtlinge und viele sind dagegen. In den letzten Tagen machte ich mir auch so meine Gedanken und bin mehr oder weniger gegen einen Aufenthalt der Darfur - Fluechtlinge. Seit Jahren sind wir mit Vorbehalten vorbelastet, denn viele Auslaender kamen / kommen nach Israel und wollen sich hier niederlassen. Nun ist Israel nicht irgendein Land, in dem man eben mal so lebt und in dem es mir als Afrikaner oder Philippino besser geht als in meinem Heimatland.

Das Auslaenderproblem beschaeftigt Israel seit Jahren und wurde bisher immer mit Abschiebung bewaeltigt. Erstens weil Israel zu klein ist, um die Probleme der Welt zu loesen oder Unmengen von Fluechtlingen aufzunehmen. Zweitens weil Unmengen von auslaendischen Gastarbeitern ihre eigene Kultur, sprich Kirchen, einrichteten und ihre Mission starteten. Damit beginnt das eigentliche Problem, denn wir nennen uns Juedischer Staat. Entscheiden wir uns fuer eine Aufnahme von Fluechtlingen, so fuehrt das halachische Konsequenzen mit sich. Israel hat schon genug Probleme mit der Mehrheit der russischen Einwanderer, die halachisch nicht juedisch ist. Wie sollen wir da noch mehr solcher Faelle bewaeltigen ?

Die aethiopischen Einwanderer sind zur Haelfte nicht juedisch und von aschkenazischen Juden erst gar nicht anerkannt. Wer sich die heutige aethiopische Gemeinde anschaut, der sieht Analphabetentum und Arbeitslosigkeit. Die Integration ist fast Null.
Nun argumentieren all die nichtjued. Russen und Aethiopier, dass das alles irrelavant waere, denn schliesslich fuehlen sie sich als Israelis. Andererseits erlebten wir in der Vergangenheit genuegend Faelle, in denen sich gerade diese Bevoelkerungsteile schnell von Israel abwandten wenn es brenzlig und unbequem wurde. Ich erinnere nur an die Massenkonvertierung zum Christentum vieler Aethiopier aus Protest gegen israel. Massnahmen.

Sagen wir einmal, wir erklaeren uns bereit, die Darfur - Fluechtlinge auszunehmen; was dann ? Die erste Folge wird sein, dass noch mehr nachkommen werden und die zweite Folge wird sein, dass sich noch mehr Ghettos bilden. Russen, Aethiopier und Darfur.
Meiner Meinung nach ist Israel aus geographischen und finanziellen Gruenden gar nicht in der Lage, das Fluechtlingsproblem zu bewaeltigen.

Die palaestinensische Bevoelkerung steht dem Auslaenderproblem schon lange mit grosser Skepsis gegenueber. Die naemlich sehen ihre Jobs gefaehrdet, sollten sich israelische Arbeitgeber fuer billige auslaendische Arbeitskraefte entscheiden. Was uebrigens schon lange zur Realitaet geworden ist.

2 Kommentare:

  1. Anonym3:41 PM

    Wir leben in er brutalen Welt. Es ist eben fakt, das die hungrigen und leidenden in die Länder gehen, die Wohlstand haben. Bei Israel ist das nicht anders.

    Du hast natürlich einige Kritierien genannt. Hier in Deutschland gibt es ähnliche Diskussionen was Flüchtlinge betrifft. Deutschland ist aber sehr groß und es wird sehr unmenschlich reagiert, wenn plötzlich Flüchtlingsfamilien, die schon seit 15-20 jahren hier sind plötzlich wieder abgeschoben werden. Das musst du dir mal vorstellen, die Kinder dieser Familien sind in Deutschland geboren, aufgewachen. Kennen keine andere Sprache, sind also Deutsche. Und plötzlich müssen in ein Land das ihnen total fremd ist.

    Du hast davon gesprochen, das die Leute ja auch ihre eigene Kultur mitbringen. Ich denke daran entscheidet sich auch irgendwie die Frage nach einem jüdischen Staat Israel oder einem demokratischen Staat. Welches will man haben?

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  2. B"H

    Hi Serdar,

    die Flucht aus der Armut wird noch viele Jahre so weitergehen. Wer weiss, wenn ich in solch einem Land leben wuerde, dann machte ich mich wahrscheinlich auch auf den Weg in die USA oder nach Europa.

    Vielen Afrikanern bleibt Israel als die letzte Flucht, denn man kann uns schlimmstenfalls zufuss erreichen, wie das viele aus dem Sudan getan haben.

    Obwohl Israel vielen als nicht - religioes bekannt ist, ist die Mehrheit trotzdem in vielen relig. Angelegenheiten traditionell. Man will, z.B., schon irgendwie jued. Ehepartner und sowas. Ein jued. Land sollte es auch sein, denn es will niemand von Fremden regiert werden.
    Wir hatten / haben die ganzen philippinischen Gastarbeiter hier, von denen einige, genauso wie die Russen, ihre nicht - koscheren Shops eroeffneten. Das wiederum fuehrte zu Diskussionen, ob wir soetwas brauchen. Nicht nur bei relig. Juden.
    Israel hat zuviele Probleme mit sich selbst und waere auf mehr Fluechtlinge gar nicht vorbereitet. Europa hat da ganz andere Moeglichkeiten, aber die machen die Grenzen dicht.

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