Mittwoch, März 17, 2010

Update: "Leaving the Fold"

B"H

Fast zwei Wochen ist es her, dass ich die wahre Identität des Mea Shearim Mädchens aus dem TV - Report "Leaving the Fold" herausfand. Gleich darauf sandte ich eine e - mail an die amerikanische Produktionsfirma und die Antwort ist, dass man mir nicht antwortete. Dabei geschah dies wenige Wochen zuvor mehr als prompt. Zu dem Zeitpunkt schrieb ich auch, dass ich den Link zum Report in meine Blogs setze und die Produzenten zeigten sich mehr als happy, ihr Werk veröffentlicht zu sehen. Nachdem ich jedoch die wahre Identität des Mädchens veröffentliche, gab es nur ein Schweigen im Walde.

Die Produzenten hätten im Report bekannt geben müssen, dass besagtes Mädchen eigentlich gar nicht aus der Ultra - Nachbarschaft war, sondern eine gescheiterte Neureligiöse. Anscheinend aber verkaufen sich derlei falsche Behauptungen besser als die Wahrheit zuzugeben.

Dienstag, März 16, 2010

עיני הרנטגן - Rabbi Yaakov Ifergan

B"H

Jüdisch - relig. scheint momentan Hochkonjunktur zu haben. Wenn westliche nichtjüdische Medien oder säkulere israelische Uniprofessoren oder Journalisten berichten, klingt fast alles ein wenig flapsig und falsch interpretiert. Seit einigen Monaten jedoch überrascht uns der israelische TV Sender "Arutz 10" mit nicht schlecht recherchiertem Material. Zwar nach wie vor aus der Sicht von Anfängern, doch immerhin ausgestattet mit Interviews von "vor Ort" und nicht Abkopiertes und Selbstinterpretiertes" aus dem Internet.

Vor wenigen Tagen kam nun Rabbi Yaakov Ifergan an die Reihe. "Ifergan, der New Age Guru" oder, wie er gerne genannt wird, der "Röntgen Rabbi". Letzterer Name deswegen, weil er schon beim Anblick einer Person alles, incl. Schicksal, zu wissen scheint.
Rabbi Yaakov Ifergan wohnt im südlichen Netivot und war, soweit mir bekannt ist, einmal ein Schüler des großen marokkanischen Rabbis "Baba Sali" (Israel Abuchatzeira). Solange, bis sich Ifergan selbständig machte und die Röntgenstrahlen sah. Seither plagt die Kleinstadt Netivot ein ernster Konkurrenzzwist der Familien Abuchatzeira und Ifergan. Leider ist es heute so, dass mehr Juden zu den Ifergans pilgern als zum Grab des Baba Sali nicht weit entfernt.

Ich will Rabbi Ifergan nichts unterstellen, doch ahne ich nie Positives, wenn sich da ein Rabbi an die High Society schmeisst und auf "spirituelle Erleuchtung" macht. Weder die israelische High Society noch der Rabbi bestreiten, dass es neben G - tt auch noch um reichhaltige Spendenzuwendungen geht. Die Reichen meinen, erleuchtet worden zu sein und Ifergan nimmt dankend Bares an. Seine Kontakte machten ihn damit zu einem der meist einflussreichsten Persönlichkeiten Israels.

Nun zeigte Arutz 10 einen Filmreport über den "Röntgen". Leider ist der Bericht nur in hebräischer Sprache und selbst ich muss ihn mir noch anschauen. Eines jedoch steht schon fest: Der TV - Report brach viele Einschaltquoten. Ein Beweis dafür, dass der "Röntgen Rabbi" Freunde und Feinde zu haben scheint. Zumindest will jeder ein paar seiner "Strahlen" sehen.


Mordechai war Jude und kein Zionist



B"H

Erst neulich hielt ich eine Thoraparasha der in neben New York, Bnei Brak oder London, ansässigen"Neturei Karta" in den Händen. Die Parasha jedoch stammte aus Mea Shearim (Jerusalem). Auf der Rückseite des Blattes befand sich eine kleine Box unter dem Titel "Wacht Auf". Leider konnte ich nicht herausfinden, welche der zwei Mea Shearimer Neturei Karta Gruppen verantwortlich für die Publikation ist: Ob Rabbi Yoelish Kroisz oder der absolut extreme Rabbi Israel Hirsch.

Wie dem auch sei, in der "Wacht Auf - Box" war folgendes Statement zu lesen:

 "Mordechai war Jude (siehe Megillath Esther - Buch Esther) und kein Ziyoini - מרדכי היה יהודי ולא ציוני".

Während ich das las, begann ich mich zu fragen, was wohl Mordechai zu der Aussage gemeint hätte.:-)

"Des Rebben Tochter" von Menashe Darash

B"H

Vor Ewigkeiten einmal berichtete ich über den Fall "Menashe Darash" und sein Buch "Bat HaRav - The Rabbi's Daughter from Mea Shearim". Die israelische Zeitung HAARETZ schrieb vor Jahren in einem Artikel darüber und eigentlich schien das Buch ja unveröffentlicht, denn die chassidische Gruppe Toldot Aharon zahlte dem Autor den Ausgleich für die Druckkosten. Im Gegenzug soll vereinbart worden sein, das Buch nicht unter die Leute zu bringen.

In Israel besagt ein Gesetz, dass von JEDEM im Land veröffentlichte Buch eine kostenlose Kopie an die Nationalbibliothek in Jerusalem geht. Und ausgerechnet hier halte ich gerade ein Exemplar des eigentlich verbotenen Buches in der Hand. Gedruckt im Jahre 2008.
Ob die Toldot Aharon wohl davon wissen ?

Montag, März 15, 2010

Rosh Chodesh Nissan - ראש חודש ניסן





B"H

Heute abend (Montag) und morgen feiern wir Rosh Chodesh Nissan - den Beginn des jüdischen Monats Nissan. Wie wir schon mehrere Male gelernt haben, bedeutet ein neuer Monat gleichzeitig ein persönlicher Neubeginn für jeden einzelnen von uns.

Mit Nissan zieht nun endgültig der Frühling ein (obwohl die Bäume schon längst in voller Blüte stehen und allein in Jerusalem heute 29 Grad Celsius Hitze herrschen) und Rosh Chodesh Nissan ist gleich doppelt so wichtig, denn an diesem Tag wurde von Moshe in der Wüste das Mishkan (Tabernakel) errichtet.

Wenn wir nach der Thora gehen, dann ist der Monat Nissan der eigentliche Jahresbeginn, aber dem Mondkalender zufolge, nach welchem wir uns richten, liegt der Jahresbeginn im Monat Tishrei (Rosh HaShana, ca. September / Oktober).

Im Talmud Traktat Rosh HaShana gibt es zahlreiche Diskussionen, ob der wahre Jahresbeginn im Nissan oder im Tishrei liegt. Der berühmte Thorakommentator Ohr HaChaim hat einen brillianten Kommentar dazu verfaßt:


"Im Nissan dachte G - tt daran, die Welt zu erschaffen und im Tischrei setzte Er Seinen Plan in die Tat um". (dieses bitte nur metaphorisch verstehen !)

Laut dem kabbalistischen Buch Sefer Yetzirah (The Book of Creation) symbolisiert jeder jüdische Monat einen bestimmten Buchstaben, einen israelitischen Stamm, ein Sternzeichen, einen der Sinne und ein Organ.

Der Buchstabe des Monats Nissan ist das Heh ה, das Sternzeichen ist der Widder, der Stamm ist Yehudah, der Sinn ist das Sprechen und das Organ ist das rechte Bein.

Jedes Jahr am 15. Nissan (Pessach) an Vollmond, sind wir in der Lage, unser Leben völlig unter Kontrolle zu bringen. Es beginnt unserer innerer Frieden und zugleich der Frieden allen Chaos.

Die eigentliche Aufgabe des Monats Nissan ist das Putzen für Pessach (wie romantisch !). Wir sind verpflichtet, jegliches Chametz (Getreide wie Weizen, Roggen, Spelt oder Gerste) aus unserem Haushalt zu entfernen.

In der Kabbalah wird das Chametz als unsere Yetzer HaRah, unsere schlechte Neigung, gesehen. Wir sollen symbolisch all unsere schlechten Neigungen bzw. Charaktereigenschaften loswerden. Dies ist das eigentliche Geheimnis des Chametz.

Einen Tag nach Pessach beginnen wir mit dem "Zählen des Omers" (49 Tage lang bis Schavuot). Auch mit der Zählung des Omer sollen wir unsere negativen Charaktereigenschaften abschütteln und uns für das Geben der Thora, welches wir an Shavuot feiern, vorbereiten.

Chodesh Tov - חודש טוב - einen guten Monat Nissan an alle Leser !

Die CHURVA SYNAGOGE erstraht in neuem Glanz



B"H

Es ist soweit: Die CHURVA in der Altstadt Jerusalem wird heute abend feierlich eingeweiht.
Siehe dazu mehr HIER !


Einige aktuelle Photo des wiederaufgebauten Inneren der CHURVA

 





Sämtliche Photos, auch von der gestrigen Einweihung der neuen Thorarolle (Hachnasat Sefer Thora" HIER !

Sonntag, März 14, 2010

Tierschutz im Judentum, Teil 1



B"H

Neulich fragte ein Leser, wie es sich denn mit der "Jagd im Judentum" verhält. Jagen von Tieren aus sportlichen Gründen heraus ist im Judentum unbekannt und selbst von Esav, dem Sohne Yaakobs, (siehe Bereschit - Parashat Toldot) lernen wir, dass Esav jagen ging, um seinem Vater stets frisches Wild vorzusetzen. Hier ein paar Einblicke zum Thema "Tiere im Judentum".

Den ersten Tierschutz der Welt erfuhr die Welt sicherlich vom Judentum. Die Mischna (g - ttliches Gebot an Moshe auf dem Berg Sinai) im Talmud Traktat Bava Metziah 32a lehrt uns:

"Das Entladen eines Tieres, welches unter seiner Last zusammenbrach, ist eine Pflicht. Wir sollen die Fracht vom gefallenen Tier abladen und, sobald sich das Tier erholt hat und wieder auf seinen Beinen steht, erneut beladen. Selbst dann, wenn das Tier mehrere Male fällt.

Es ist ein Thoragesetz ein Lasttier, welches unter seiner Fracht leidet, zu entladen".

Sieht jemand ein Tier unter seiner Last zusammenbrechen, so ist derjenige verpflichtet, dem Besitzer des Tieres beim Entladen zu helfen. Diesen Vorgang nennen wir "Perika - Abladen" und schon in Exodus (Sefer Shemot) 23:5 lautet es:

Wenn Du den Esel Deines Feindes unter einer Last zusammenbrechen siehst, so helfe dem Tier.

Ferner ist ein Passant genauso verpflichtet, Fracht, die von einem Tier herunterfiel, wieder aufzuladen.

Diese beiden Verpflichtungen werden nach dem ersten Statement ausführlichst in den anfolgenden rabbinischen Diskussionen (bekannt als die GEMARA) definiert:

Es ist ein Thoragesetz, ein Tier, welches unter seinem Cargo leidet, UMSONST zu entladen bzw. dabei mitzuhelfen. Allerdings ist es kein Thoragesetz, dass Tier UMSONST zu beladen.

Rabbi Schimons Ansicht in der hier besprochenen Gemara in Bava Metziah 32a lautet jedoch, dass das Entladen sowohl als auch das Beladen eines Tieres umsonst (ohne Bezahlung) zu verrichten sind ! Mit diesem Statement erfolgt, wie könnte es anders sein im Talmud, ein weit diskutierter Disput (Machloket). Insbesondere ein Disput zwischen den Talmudkommentatoren RAN und ROSCH, die beide einen anderen Talmudtraktat hierbei verschiedenartig auslegen.

In der talmudischen Gemara jedoch geht es erst einmal weiter mit dem rabbinischen Statement, dass das Entladen eines schwer belasteten Tieres umsonst erfolgen muss, während für die Beladung des Tieres ein Lohn verlangt werden kann. Rabbi Shimon jedoch hält dagegen an seiner Meinung fest, dass beide Vorgänge ohne Bezahlung zu erfolgen haben.

Dass, was sowohl der Talmud als auch die Thora sagen wollen ist, dass kein Tier unter einer Last bis zum Zusammenbruch leiden soll. Wir alle sind verpflichtet, einem Tier in Not zu helfen und es nicht zu unnötig zu quälen. 

Beladen meint in diesem Zusammenhang, Beladen mit Maßen und nicht absichtlich überladen.

Pessachkaschrut

B"H



So sollte eine für Pessach koschere Küche aussehen. Nicht nur geputzt, sondern die Küchenanrichte sowie die umliegenden Wandfliesen mit Aluminiumfolien auslegen. Ganz zu schweigen vom separaten Pessachgeschirr. Töpfen hingegen können bekanntlich " in heissem Wasser gekaschert" werden.



Handgemachte Mazzot (Pessach Mazzes) - In jedem chassidischen Haushalt ein absolutes Muss !


Schabbat Vayakhel - Pekudei in Mea Shearim

B"H


Das Schabbatessen bei Rabbi Machlis war hervorragend. Nicht zuviele Leute, sondern "nur" die üblichen 60 oder 70 Gäste. Hinterher ging ich vom Stadtteil Maalot Dafna hinunter nach Mea Shearim. Zuerst jedoch durch die Shmuel HaNavi Street nahe dem Machlis Haus. Dort ist die kleine chassidische Gruppe Dushinsky angesiedelt, doch nichts tat sich. Alles ruhig und da es ein warmer Sommerabend mitten im März war, zogen es haredische (ultra - orthodoxe) Ehepaare eh vor, einen Abendspaziergang zu unternehmen. Ursprünglich hatte ich geplant, zum chassidischen Tisch des Kaliver Rebben sowie zur Chassidut Ruzhin - Boyan zu gehen, doch ich war zu faul zum Laufen. Letztendlich machte ich bis nach Mea Shearim, aber auch dort herrschte das Schweigen im Walde. Zumindest hatte auch ich einen tollen Abendspaziergang.

Freitag, März 12, 2010

Schabbat Schalom


B"H

Als ich gestern abend heim nach Tel Aviv kam, benötige ich eine kleine emotionale und visuelle Eingewöhnungsphase. Nach einer Woche mit vielen haredischen (ultra - orthodoxen) Kontakten in Jerusalem und einigen Aufenthalten in Mea Shearim war ich die teilweise leicht bekleideten Tel Avivim nicht mehr gewohnt. Mein Glück, dass ich sogleich ins Kino rannte, um "Shutter Island" mit Leo DiCaprio anzuschauen. Das holte mich dann endgültig zurück ins "diese" Welt.:-)

Heute aber geht es schon wieder zurück nach Jerusalem und auch nach Mea Shearim. Das Wetter ist nach wie vor sommerlich, was einem sogeich bessere Laune verpasst.
In den letzten Wochen habe ich viel zuviel Zeit auf der Arbeit verbracht; auch in der Bäckerei und nach Pessach will ich mehr Freizeit und vor allem "Leben" einplanen. Und so plane ich einen meiner Tage, an denen ich unterrichte, aufzugeben. Mehr Geld haben ist auch nicht immer das Wahre, wenn alles andere darunter leidet.

"Schabbat Schalom - Gut Schabbes" an alle Leser !

Kantor Yitzchak Me'ir Helfgot im Studio

B"H

Kantor Yitzchak Me'ir Helfgot von der chassidischen Gruppe Gur (Ger)


Rabbi Mordechai Machlis (Jerusalem) zur Parashat Vayakhel - Pekudei

Donnerstag, März 11, 2010

Rabbi Elimelech von Lizhensk zur Thora Parashat Pekudei

B"H

Diese gesamte Woche über versuchte ich Zeit für eine klarere Beschreibung des berühmten chassidischen Rabbis Elimelech von Lezhinsk zu finden, dessen Yahrzeit (Todesgedenktag) die chassidische Welt am Sonntag feierte.

Rabbi Elimelech war seinerzeit ein Schüler des Baal Shem Tov Nachfolgers, dem Maggid von Mezritch, und lebte von 1717 - 21 Adar 1786. Es war Rabbi Elimelech, der das chassidische "ZADDIK Konzept" extrem weiterentwickelte. In seinem Buch "Noam Elimelech, findet sich kaum ein Thorakommentar ohne die weite Ausführung zur Rolle des Zaddik (Gerechten).
Im Verlauf seines späteren Lebens zog Rabbi Elimelech in das polnische Städtchen Lizhensk (Lejansk). Es wird von ihm gesagt, dass er jeglich Geld, falls er etwas haben sollte, an die Armen weitergegeben wurde. Berühmt ist aber auch sein Kampf mit den "Mitnagdim" des Vilna Gaon. Rabbi Elimelech soll den Mitnagdim geantwortet haben: "Zaddikim (Gerechte) dienen G - tt mit Wahrheit und nicht mit Stolz !"

Gemäss Rabbi Elimelech handelt es sich bei dem Zaddik um eine Person, welche einen hohen spirituellen Level anhand von spiritueller Reinigung sowie dem Herabsetzen des eigenen Ego erlangte. Das "Opfer" des Zaddik sowie dessen Lebensstil rufen bei seinen Anhägern das Bewusstsein zu einer richtigen (thoragemässen) Zukunft hervor. Chassidische Rebben verfügen über die Kraft, sich an ihre Chassidim zu binden und so deren Seelen zu reinigen.

In seinem Buch "Noam Elimelech", erklärt Rabbi Elimelech den Thorasatz "VeAssu li Mikdash - Und baut mir ein Heiligtum" (siehe Shmot - Exodus 21:8). Die Midrasch (Tanchuma) lehrt, dass das Heiligtum (Mikdasch) der oberen spirituellen Welten seinen Gegenpart in dem des sich in unserer materiellen Welt befindenen Mikdash besitzt. Überhaupt hat jegliche Existenz auf Erden seinen spirituellen Gegenpart in den oberen spirituellen Welten.
Dieses Konzept ist keinesfalls wörtlich, sondern symbolisch zu verstehen. Es bedeutet ganz einfach, dass , wenn wir nach der Thora leben, wir die perfekten Gegensätze zu uns in die materielle Welt ziehen und letztere dadurch besser gestalten.

Elimelech schrieb, dass jeder Jude, der sich selber heilig macht (nach der Thora lebt), ein Heiligtum (Mikdasch) für G - tt auf Erden baut.
Allein diese Aussage ist grandios, denn ein Jude (durch die Thora) und ein Nichtjude (anhand der Sieben Noachidischen Gesetze) sind in der Lage, diese Welt zu verbessern und G - tt ein Mikdasch zu errichten. Was Rabbi Elimelech sagt ist, dass nicht nur die Juden in der Wüste dieses Aufgabe bekamen, sondern genauso WIR bis zum HEUTIGEN TAGE. Anhand von unserem Verhalten bauen wir G - tt ebenso ein Mikdasch.
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Quellen:

- Sefer (Buch) Noam Elimelech

- The Encyclopedia of Hasidism von Tzvi M. Rabinowicz

Die oben angeführten Konzepte sind eindeutiger chassidischer Natur und eventuell nicht jedermanns Geschmacksache. Dennoch sollten sie Erwähnung finden, denn, wie schon Rabbi Elimelech sagte, hat die Thora bekanntlich 70 Gesichter.

Parashat Vayakhel - Pekudei - פרשת ויקל - פקודי


Yukon Aurora with Star Trails


B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat



Die Mitzwah Schabbat wurde uns noch vor dem Mischkan gegeben um zu zeigen, dass der Schabbat wichtiger ist als die Arbeit am Mischkan. Keine Arbeit am Mischkan verschiebt den Schabbat (Rashi, Ramban, Kli Yakar, Rokeach). Daher sind alle 39 Arten von Arbeit am Mischkan für uns am Schabbat verboten.

Die Gemara im Talmud Traktat Shabbat 70a lehrt, dass absichtliches Brechen des Schabbats mit der Todesstrafe (Steinigung) geahndet wird. Die Strafe wird jedoch nur dann ausgesprochen, wenn der Schabbat öffentlich gebrochen wurde und dafür zwei Zeugen vorhanden sind. Wer den Shabbat daheim und nicht öffentlich bricht, wird nicht mit dem Tode bestraft (Rabbi Yitzchak Luria in Pri Etz Chaim). Allerdings verletzt er mit dem Vergehen seine Seele (Neschama).

Der Thorakommentator Ohr HaChaim vertritt eine Meinung, die auf einer Gemara im Talmud Traktat Schabbat 118 basiert: Die Einhaltung des Schabbats ist so wichtig, dass sie ein Tikun (Reparatur der Seele) für den Götzendienst ist (siehe auch Talmudkommentator RIF). Wer innerhalb der Woche Götzendienst betreibt, dem wird vergeben, wenn er den Schabbat nach allen Regeln (Halachot) einhält.

In der vorherigen Thoraparasha Ki Tisa hieß es: La’ asot et HaShabbat – den Schabbat tun.

Was heißt den Schabbat tun, wenn doch so viele Dinge verboten sind zu tun ? La‘ asot et HaShabbat heißt zum einen, den Schabbat vorbereiten. Daher auch das Verbot des Feuerzündes. Wir müssen vor dem Schabbat unser Essen vorbereiten. Den Schabbat tun (La‘ asot et HaShabbat) bedeutet aber auch, uns aktiv beteiligen und bereit sein, uns auf eine höhere spirituelle Stufe zu stellen. Nachdem Adam und Chava im Paradies einen spirituellen Fall der Welten verursachten, begeben wir uns jeden Schabbat mit dessen Einhaltung in eine höhere geistige Welt. Und eben dort sind jegliche Arten von Arbeit verboten, weil diese nicht Bestandteil der höheren Welt sind. Arbeit findet nur hier in unserer physischen Welt (Asiyah) statt. Begeben wir uns aber auf einen höheren Level wie am Schabbat, findet in der folgenden geistig spirituellen Welt (Yetzirah) keine Arbeit statt.

Ferner wurde uns der Schabbat auf alle Zeiten gegeben und zugleich ist G - tt mit uns dadurch einen Bund eingegangen. Was uns wieder zum Ausgangspunkt zurückbringt, dass keine Thorainhalte verändert werden dürfen, da sie für alle Zeit gültig sind.

Der Schabbat sowie der Bau des Mischkans dienen für uns als Tikun (Seelenkorrektur) so der Sefat Emet und ehemalige Rebbe der Chassidut Gur. Wir ehren damit G - tt und erhalten so Seine Präsenz (Schechina) in unserer Mitte. Selbst heute, wo wir kein Mischkan, bzw. Tempel mehr haben, ist Seine Präsenz immer mit uns. Ganz gleich ob wir uns in Israel oder der Diaspora (Galut) befinden.
Mit der Einhaltung des Schabbats verbinden wir unsere physische mit den geistigen Welten und bekommen eine zusätzliche Seele (Neschama Yeterah). Diese neue zusätzliche Seele hatten die Israeliten täglich bis zum Vergehen mit dem Goldenen Kalb. Seither bekommen wir sie nur noch am Schabbat. Es gibt unterschiedliche Interpretationen darüber, wann genau wir die zusätzliche Seele für den Schabbat bekommen. Manche sagen am Freitag abend mit Schabbatbeginn und andere, dass wir die Seele schon am Mittwoch bekommen. Vielleicht sollten wir alle einmal versuchen, den Schabbat vorzubereiten. Vor allem uns selbst geistig darauf vorzubereiten, das zusätzliche Licht am Schabbat zu erhalten.
La’ asot et HaShabbat – den Schabbat tun.

Die zweite Lesung, Parashat Pekudei, berichtet uns detailliert von der Herstellung der Ringe, welche das Mischkan befestigten, von der Brustplatte (Urim veTurim) des Cohen HaGadol (Hohepriesters) sowie von dessen Kleidung. Rabbi Samson Raphael Hirsch kommentiert, dass das Mischkan (Tabernakel) der einzige Ort auf der Welt war, in dem G - tt Seine Anwesenheit sichtbar zeigte. Anhand einer Wolke (Cloud of Glory). Es war das einzige Mal auf Erden, dass dies geschah, wenn auch der Erste Tempel zu Beginn eine außergewöhnliche Heiligkeit (Keduscha) besaß, denn dort waren unzählige Wunder alltäglich. Im Zweiten Tempel war es schon anders und beide Tempel wurden letztendlich von unseren Feinden (Babylonier & Römer) zerstört. Nur das Mischkan gelangte niemals in Feindeshand, denn ursprünglich diente es einmal als "Wohnsitz" G - ttes auf Erden.

Dieser Schabbat ist zugleich Schabbat HaChodesh, heißt der Schabbat vor dem Monatsbeginn Nissan. Daher wird der Maftir aus Exodus (Shemot) 12:1 – 10 gelesen. Diesen Thoraabschnitt vor dem Nissan nennen wir "Parashat HaChodesh - Die Lesung des Monats"; nämlich mit dem Beginn des jüdischen Monat Nissan, der die Pessach - Feiertage mit sich bringt.

Schabbat Schalom


Links:

Die 39 verbotenen Tätigkeiten am Schabbat

Mittwoch, März 10, 2010

Bilbulim - Verwirrungen

B"H

"Die heutige jüdische Welt ist total voll Irrungen und Wirrungen, so liebt es eine Freundin von mir aus dem ultra - orthodoxen Mea Shearim (Jerusalem) zu sagen. Soviele Juden finden zurück zur Orthodoxie, doch findet eine Menge unter ihnen keinen richtigen Weg (Derech). Stattdessen hopst eine immense Anzahl ohne groß nachzudenken in den Chassidismus, ohne erst einmal das jüdische Basiswissen zu erlangen. Man kann sich nicht einfach so mir nichts dir nichts einen schwarzen Hut überstülpen und einen Kaftan anziehen, wenn das Grundwissen der Thora, Halachot (Gesetze) und sonstiges noch gar nicht richtig gelernt bzw. verinnerlicht worden sind. Wenn ich kaum etwas an Wissen vorweise und daraufhin folglich nicht viele Gesetze einzuhalten in der Lage bin, nenne ich mich nicht "chassidisch". Wie kann es denn sowas geben ?"

Meine Freundin hat, wie ich finde, absolut Recht und HIER berichtet jemand "live" von seinen Erlebnissen. 

Einem ernsthaften Baal Teschuva (Jude, der im späteren Verlauf des Lebens religiös wird) oder Konvertiten zum Judentum sei es anzuraten, zuerst ein fundiertes Basiswissen aufzubauen. Thora, Halachot und alles Jüdische stehen dabei auf dem Programm, um einen Weg sowie seine Identität zu finden. Nicht jeder ist gleich bzw. trägt dieselben Vorstellungen in sich. Allerdings kann sich erst für einen Weg entschieden werden, wenn genügend Wissen vorhanden ist. Wie ansonsten soll ich mich zurecht finden ? Ich schmeisse mich nicht einfach so in einen Kaftan oder in die haredische (ultra - orthodoxe) Welt und verkünde lauthals (so sehe ich das vielerseits auf FACEBOOK), ich sei bei den chassidischen Gruppen Boyan, Satmar oder Karlin Mitglied. Im Internet lassen sich derlei Phantasien leicht ausleben, aber wie schaut es mit der Wirklichkeit aus ? Keine der Gruppen hat den Angeber bzw. Schreihals je akzeptiert und derjenige beruft sich auf falsche Tatsachen. In einigen Fällen ist derjenige noch nicht einmal halachischer Jude. Die "exotische fremde" Kleidung der Chassidim mag viele Phantasien und Träume hervorrufen, wie von einem "perfekten" Lebensstil. Dies jedoch sind Einbildungen und mit der chassidischen Realität hat derlei Exotik wenig zu tun.

Im Grunde genommen kann ich die Leute verstehen, denn irgendwie wurde auch ich anfangs von einigen "Attraktionen" beeinflusst. Die fromme Mea Shearim Gesellschaft weckt Phantasien, aber holt einen ebenso schnell aus der Scheinwelt in die Wirklichkeit zurück. Und das in einigen Fällen rigoros. Von daher kann ich nur empfehlen, stets auf dem Boden der Tatsachen zu bleiben. Es gibt Leute, die springen einfach in etwas hinein, ohne davon die geringste Ahnung zu haben. Der "Neuankömmling" nennt sich dann "Bochur" (Yeshivastudent) und schmeisst auch sonst nur so mit jiddischen Ausdrücken um sich. Je weniger die säkulere Außenwelt begreift, desto überlegener freut er sich. "Yeah, Satmar hört sich gut an und antizionistisch war ich ja schon immer. Ergo bin ich Satmar !"

An alle Newcomer: Die chassidische Gruppe Satmar besteht nicht allein aus dem Antizionismus. Hat sich jemand einmal die Mühe gemacht, die Thorakommentare des ersten und im Jahre 1979 verstorbenen Satmarer Rebben Yoel Teitelbaum z"l zu lernen ? Dessen Kommentare sind brilliant, doch habe ich wenig von ihnen begriffen. Jedenfalls bisher. Beim Nachlesen bin ich schnell zu dem Entschluss gekommen, dass ich dazu einen Rabbiner brauche, um das zu interpretieren.

Es ist so einfach sich Satmar zu nennen oder Satmarer Bräuche zu halten, doch um dort Mitglied zu werden, muss man akzeptiert werden. Antrag stellen, eine Probezeit mitmachen und nicht einfach seine Mitgliedschaft vorausposauen, ohne die Anforderungen je erfüllt zu haben.
Heute nenne ich mich Satmar, morgen renne ich zum Amschinover Rebben nach Beit Vagan (Jerusalem) und morgen zu Erloi in Katamon (Jerusalem), aber wo befinde ich mich dann eigentlich ?

Das ist genau der Grund, warum ich keiner chassidischen Gruppe beitrete. Ich bin nicht dazu in der Lage, mich nach NUR EINEM REBBEN zu richten. Stattdessen schaue ich mich gerne bei verschiedenen Gruppen um; man mag es "fehlende Verantwortungsbereitschaft" nennen. Trotzdem besteht ein gravierender Unterschied: Nämlich, dass ich mich nicht stolz und arrogant SATMAR nenne.
Ich bin kein Mitglied der größten chassidischen Gruppe der Welt (Satmar), so what !
Aus Angabe oder eingebildeten Gründen heraus stopfe ich mich in keine haredische Klamotten; was ich dagegen tue sind chassidische Bräuche zu halten und es mag sein, dass ich über so manche Gruppierung mehr weiss als ein neu Hinzugekommener, der sich einbildet, dabei zu sein und in seiner Phantasiewelt lebt.

Chassidisches Leben bedeutet Arbeit. Nicht jedermann ist dazu in der Lage überhaupt chassidisch zu leben und scheitert somit oder schliesst sich dem "Chassidismus Light" an wie Chabad (Lubawitsch). Zumindest gelten viele Baalei Teschuva bei Chabad als "light".
Eine Rabbanit (Frau eines Rabbiners) einer meine Yeshivot, auf denen ich lernte, sagte einmal zu mir, dass jemand, der von heute auf morgen streng relig. wird, dies nie lange durchhält. Das fromme Leben ist ein langwieriger Prozess und ich streife mir nicht eben mal schnell einen Kaftan über. Genaus traf ich auf Leute, welche die ganze Prozedur nur als Angabeshow abzogen. Aufmerksamkeit suchten sie und mehr nicht.

An Purim vor zwei Wochen traf ich eine Mea Shearim Familie wieder, die ich seit mehr als zehn Jahren nicht gesehen hatte. Vor meiner Krise und Rückkehr nach Deutschland im Jahre 1998 waren wir einmal eng befreundet gewesen. Wegen der Krise haute ich, ohne mich zu verabschieden, ab, denn ich wollte mich nicht blamieren oder mir Vorwürfe anhören. Circa ein Jahr später schrieb ich der Family eine Postkarte aus Berlin und murmelte etwas von Krise und Entschuldigung. Nach meiner Aliyah vor fast zehn Jahren brachte ich nicht mehr den Mut auf, anzurufen. Ferner wollte ich nicht wieder in den Mea Shearim Strom gesogen werden und hielt mich deshalb fern. Mehr oder weniger. An Purim dann ging ich in die Synagoge und traf auf die Nachbarin der Familie. Die fing gleich an, daraufloszureden und rief nach der Frau (der Family). Unser Wiedersehen verlief positiver als erwartet und sie gab mir ihre Telefonnummer (die immer noch die alte ist). Sie lud mich sofort ein; auch für Pessach. Viel habe sich geändert. Die Kinder seien fast alle unter der Haube und so. Ich sagte meiner Freundin, dass ich nicht mehr SO sei. Anders halt. Sie hielt dagegen, ich solle mich nicht schämen anzurufen.
Einerseits will ich nicht erneut in etwas hineinspringen, andererseits aber rief ich sie an, denn es ist wichtig, miteinander zu reden und die Gründe darzulegen. Was ich jedoch tue ist, dass ich allesgelassen und langsam angehe.

Einer weiblichen Person, die ernsthaft in Erwägung zieht, einem chassidischen Lebensstil zu folgen, rate ich auf alle Fälle das Judentum zu lernen und gründlich kennen zulernen. Ob das nun nationalrelig., Chabad, Breslov oder litvisch ist. Kennen lernen bevor ich mich für anderweitige chassidische Gruppen interessieren. Sämtliche Synagogen sollten einmal zum G - ttesdienst abgeklappert und die chassidische Gesellschaft ausgekundschaftet werden. A la "Ist das überhaupt etwas für mich ?" Ansonsten macht man sich lächerlich, wenn von einer tollen Frömmigkeit berichtet wird, doch derjenige keine Halachot kennt. Wie will man denn fromm sein, wenn kein Thorawissen vorhanden ist ? "Ich halte Schabbat, aber die Gesetze kenne ich nicht". Ein Irrsinn und Selbstbetrug.
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Allgemein folgt zu dem Thema ein weiteres Guest Posting von jemandem, der mit dem strengsten Beit Din (rabbinisches Gericht) konvertierte und sich jetzt in der chassidischen Welt befindet. Auch er will zu falschen Vorstellungen sowie Baalei Teschuva und Konvertiten etwas verfassen !

Dienstag, März 09, 2010

Wer ißt wie ?

B"H

In jüdisch - relig. Kreisen ist es ja bekanntlich allgemein üblich, seinen Ehepartner auf einer "Schidduchbasis" kennen zulernen. In der Praxis sucht man sich einen "Ehevermittler (Schadchan bzw. Schadchanit)" oder fragt halt im Freundes - Bekanntenkreis herum, ob die jemanden kennen, der momentan jemanden zum Heiraten sucht. Jede relig. - orthodox. Ausrichtung hat ihre eigenen Regeln und Gewohnheiten, auf die ich hier nicht eingehe. Alle aber fast etwas gemeinsam: Sich vorher einige Male an öffentlichen Orten wie Park, Hotellobby, Restaurant oder Cafe zu treffen. Man redet miteinander und schaut so allmählich, ob der oder die in Frage käme, wenn sie denn ungefähr dasselbe Lebensziel haben bzw. die Sympathie sowie Interessen da sind. Nach jedem Treffen macht man entweder einen neuen "Termin" aus oder wenn nichts dergleichen stattfindet, dann hat sich die Angelegenheit erledigt und es wird halt weitergesucht.

Nur nebenbei bemerkt: In strengen chassidischen Ausrichtungen wird sich bei den Eltern daheim im Wohnzimmer getroffen und nicht im Cafe ! 

Zahlreiche Blogs mit einschlägigen Erfahrungen finden viel Anklang im Internet und jeder versucht jedem Ratschläge zu geben. Die Schidduchwelt ist fast ihre eigene Welt und die Leute können ein Erfahrungslied singen. Nicht, dass ich das Verfahren befürworte geschweige denn praktiziere, doch wer damit zurecht kommt, soll es halt tun. 

Neulich berichtete mir eine haredische junge Frau, die auf der Suche ist, davon, wie sie sich bei den Treffen ihre Partner anschaut:

- Erstens solle derjenige nicht geizig sein und schon den Kaffee zahlen. Nicht das er knausert oder mies dreinschaut, wenn es zum Finanziellen kommt.

- Zweitens achte sie darauf, wie jemand esse und trinke. Schmatzt oder schlürft jemand
auffällig ? Ißt er normal oder frisst er alles nur so hin sich hinein ?

Diese Punkte seien ihr neben der Sauberkeit extrem wichtig und ich habe vollstes Verständnis dafür. Schon allein von der Art zu essen kann viel über einen Menschen aussagen.

Vor Jahren kam meine Cousine einmal mit einem neuen Freund heim und meine Tante riet ihr hinterher von den Typen ab. Der fresse und schmatze ja wie sonstetwas. Sowas brauche die Family zu allerletzt.

Mazzotbacken in Toldot Aharon

B"H

Viele chassidische Gruppen wie Satmar (die größte chassidische Gruppe der Welt) oder die Toldot Aharon verfügen über ihre eigenen Bäckereien. Dies schliesst ebenso das Backen der Mazzot für Pessach (Beginn: Ende März) mit ein.

Hier ein paar Photos vom Besuch des Oberhauptes der antizionistischen Dachorganization "Edah HaCharedit", Rabbi Moshe Sternbuch, zu Besuch in der Toldot Aharon Mazzebäckerei in Mea Shearim / Jerusalem.









Alle Photos gibt es HIER zu sehen !

Montag, März 08, 2010

Bleib auf Deinem Hof !



B"H

Meine grösste Kritik an der haredischen (ultra - orthodoxen) Gesellschaft gehört dem Bildungssystem. Zahlreiche Haredim mögen glauben, dass ihr Bildungssystem perfekt sei und die Edah HaCharedit (antizionistische Dachorganisation in Mea Shearim) ist unheimlich stolz darauf, kein Geld vom Staat Israel anzunehmen. Daher hat der "zionistische" Staat keinen Einfluss auf das Schulsystem der Toldot Aharon, der Chassidut Dushinsky oder den Toldot Avraham Yitzchak. Die chassidischen Gruppen Belz oder Gur hingegen erhalten staatliche Unterstützung für ihre Einrichtungen.

Die Edah haelt an den alten Traditionen fest und waren bekannte Rabbiner wie der Rambam (Maimonides), der Ramban (Nachmanides) und viele andere nebenbei Wissenschaftler, so liegt heute das israelisch - haredische Bildungswesen fast brach. Die Edah erlaubt keinen Englischunterricht und Mathematik gibt es nur bedingt. Jungen lernen Thora, Halachot und Talmud - Mädchen lernen Thora und halt mehr den späteren Haushalt. In Jerusalem befinden sich haredische "Colleges" fuer Akademiker, doch nehme ich an, dass die mehr von litvischen Haredim genutzt werden.
Sobald ich in Mea Shearim das Wort "Universität" erwähne, fliegen fast die Fetzen. Dann geht die Diskussion los, dass eine Uni unanständig sei, denn dort lernen beide Geschlechter zusammen in einem Raum. Weiterhin lenken weltliche Studien vom Thorastudium und relig. Lebensziel ab. Schon Rabbi Nachman von Breslov verbat seinerzeit seinen Chassidim das Studium der Philosophie, denn das führe von der Religion ab.

Am vergangenen Schabbat hörte ich beim Essen in Mea Shearim folgende Story von einem Chabad Frau:
Einmal kam ein frommer junger Mann zu seinem Rabbi, um diesen um Erlaubnis zu fragen, eine Universität besuchen zu dürfen. Der Rabbiner war gerade in ein Buch vertieft und sagte: "Gerade lerne ich etwas genau zu dem Thema in diesem Buch. Ich lese Dir daraus vor: 
Einmal kam ein Hahn zu seinem Bauern gerannt und gackerte schrecklich. Es stellte sich heraus, dass der Hahn einen Nagel verschluckt hatte, der nun in seiner Kehle festsass.

"Hahn, mein lieber Hahn, sagte der Bauer, warum musstest auch unbedingt auf einen fremden Hof rennen ? Auf meinem Hof liegen keine Nägel herum und Dir wäre nichts zugestossen, doch Du musstest Dein "Glück" auf einem fremden Hof suchen".

Der junge Mann verstand, dass sein Rabbi ihm soeben die Antwort auf seine Frage gegeben hatte.

Aktuell: Konvertiten zum Judentum könnte die israelische Staatsbürgerschaft versagt bleiben

B"H

Die Knesset wird heute eine wild Diskussion führen, denn das "Law of Return - Chok HaSchvut" soll geändert werden. Konvertiten zum Judentum würde demnach generell der Erhalt der israelischen Staatsbürgerschaft versagt bleiben. Nur noch geboren Juden werden ein Anrecht auf Aliyah haben.


Ich würde mich nicht wundern, wenn das Gesetz zustande kommt, aufgrunddessen was gerade innerhalb der letzten Jahre auf dem israelischen Konversionssektor abläuft.

Die Konversionen betreffen Israel sowie das Ausland !

Sonntag, März 07, 2010

Mea Shearim, Neturei Karta sowie ein "realistischer" chassidischer Tisch

B"H

"So und was hat Dir gestern abend der chassidische Tisch des Rebben gebracht ?"
Diese Frage stellte mit eine gute Bekannte aus dem ultra - orthodoxen Mea Shearim und insgeheim begann ich nachzudenken. In der Nacht zuvor war ich in von zwei Familien im Stadtteil eingeladen gewesen, schaffte es jedoch nur zu einer davon. Beide Familien sind das, was wir so gerne "antizionistisch" nennen und noch vor der ersten Schabbatmahlzeit lernte ich, dass man dort nicht "Hebräisch" sagt, sondern es "die Heilige Sprache - Laschon HaKoidesch" nennt".

Zusätzlich lernte ich, dass die Bewohner von Mea Shearim die Neturei Karta (NK) alles andere als mögen. Dies betrifft beide in Mea Shearim ansässigen NK Gruppierungen. Wie die NK will man selbst als Antizionist nicht die Araber über einen herrschen wissen, sondern andere Völker ohne israelische Regierung. Bis der Meschiach kommt und sich eh alles ändern wird. A la "Dritter Tempel" und so. Andererseits aber ist gerade die Neturei Karta im Stadtteil für ihre Wohltätigkeit bekannt und nicht alles ist grundweg schlecht.

Nach dem Schabbatessen machte ich mich auf um die Ecke zum chassidischen Tisch der Chassidut Toldot Aharon. Dort hatte Rebbe David Kahn schon längst Kiddusch (Segen über den Wein) gemacht und man setzte ihm seine richtige Mahlzeit vor.
Bei Tisch eines Rebben versammeln sich die Chassidim um einen riesigen Tisch. Wer dort keinen Platz findet, der steht auf bankartigen Tribünen und schaut zu, was der Rebbe macht. Der wiederum redet von der Thora oder man singt Lieder. Meist herrscht eine unbeschreibliche Atmosphäre, die man umso mehr geniesst, wenn man chassidische Konzepte zu schätzen weiss.

Bis kurz nach 1.00 Uhr morgens (bis zum Ende) blieb ich bei Tisch der Toldot Aharon und genoss die neue weiträumigere Synagoge trotz der hohen Besucheranzahl. Irgendwie traf es sich, dass ich neben der Rebbitzen (Frau eines chassidischen Rebben) stand und nebendran mit einer Toldot Aharon Frau sprach, die ich schon länger kenne.

Was ich vom Tisch spirituell mitnahm ?
Beim Tisch ging es eher ruhig zu, denn Rebbe David Kahn ist gewiss nicht so entertaining wie sein Bruder, der Rebbe der Splittergruppe Toldot Avraham Yitzchak. Spirituelle Höhen fand ich am Freitag abend nicht unbedingt; stattdessen liess ich meine Gedanken umherwandern. 
Wie sich wohl eine Newcomer in dieser so geschlossenen Gesellschaft der Toldot Aharon
fühlen täte ? Nicht, dass ich auch nur irgendwo Mitglied werden will, dennoch stellte ich mir die Frage, wie gerade Newcomer auf ihr vorheriges Leben verzichten und sich allein auf diese Gruppe und deren Inhalte ausrichten. Wie bringt man soetwas fertig ? Wie lege ich mein Schicksal in die Hände der Gruppe bzw. des Rebben ?

Anstatt vor mich herzuträumen und mich von chassidischen Gefühlen überwältigen zu lassen (wie das bei vielen Besuchern so der Fall ist), wog ich einige Realitäten sorgsam ab und habe so wohl doch einiges vom Tisch mitgenommen.