Freitag, Mai 14, 2010

Schabbat Schalom



B"H

Heute feiern wir den Beginn des neuen jüdischen Monat Sivan und am Dienstag abend beginnt Schavuot.

Was mich dieser Tage beschäftigt, ist die halachische Frage, ob wenn man einen Verwandten zum letzten Mal sehen kann, es möglich ist, den Schabbat zu brechen ? Sagen wir, ein Verwandter ist schwer krank und der Rest der Verwandschaft hat die Möglichkeit, Abschied zu nehmen, doch es ist Schabbat. Dies würde, u.a., bedeuten, ins Krankenhaus zu fahren. "Zu fahren", was ja am Schabbat verboten ist, aber heiligt in dieser Situation der Zweck die Mittel ?
Keine leichte Frage und ich werde mich diesbezüglich bei Rabbinern erkundigen ?
Darüber hinaus ist es verboten, am Schabbat zu trauern und aus diesem Grund heraus wird am Schabbat das "Shivasitzen" um einen verstorbenen nahen Verwandten unterbrochen und die siebentägige Trauerzeit erst nach Schabbatende wieder aufgenommen.

In Israel ist es sonnig bei Temperaturen zwischen 26 und 30 Grad Celsius und am Nachmittag fahre ich von Tel Aviv nach Jerusalem. Dort gehe ich mit einem Freund aus New York heute abend auf chassidische Tisch - Tour im ultra - orthodoxen Mea Shearim, um dann, gleich nach Schabbatende wieder zur Bäckereiarbeit zu schreiten.

"Schabbat Schalom" an alle und die gesamte Arbeitswelt !

Ein jüdischer Tourist, der Schavuot in Israel verbringt

B"H

Am Dienstag beginnt bekanntlich das jüdische Fest SCHAVUOT. An dem Tag erhielten wir von G - tt persönlich die Thora am Berg Sinai. Somit haben die Juden die Aufgabe, die Thoragesetze zu erfüllen und für die Nichtjuden bestehen die "Sieben Noachidischen Gesetze". Dem Judentum zufolge haben ALLE Menschen eine Chance, in die "Kommende Welt - Olam HaBah" zu kommen.
Woher nehmen wir diese Erkenntnis ?
Aus dem Talmud Traktat Sanhedrin, in welchem die Frage diskutiert wird, ob Bilam (der berühmte nichtjüdische Prophet, welcher daran scheiterte, die Juden in der Wüste zu verfluchen) nach seinem Tod in der Kommenden Welt einen Platz fand.
Warum sollte der Talmud diese Frage erst aufbringen, wenn Bilam als Nichtjude keinen Platz bekäme ?
Folglich ergibt sich, dass ALLE Menschen ihren Platz dort finden und nicht nur Juden, denn G - tt erschuf alle Menschen und im Judentum wird diesbezüglich niemand ausgeschlossen oder verdammt wie, zum Beispiel, im Christentum. Allerdings sollten Nichtjuden zumindest die Sieben Noachidischen Gesetze halten, die ebenso beinhalten, keinen Götzendienst zu betreiben.

In Israel feiern wir Schavuot EINEN TAG lang. Vom nächsten Dienstag abend bis Mittwoch abend. In der Diaspora jedoch wir ein zusätzlicher zweiter Tag angehängt. Dies findet ebenso an Pessach und Sukkot statt.

Dabei kommt die Frage auf, wie sich ein Diasporajude verhalten soll, der an Schavuot in Israel weilt ? Soll er, wie die Israelis einen Tag halten oder, da er immer noch in der Dispora wohnt, zwei Tage ?

Vor einigen Jahren arbeitete ich im Büro verschiedener Poskim (Halachexperten) in Jerusalem. Dort wurden wir per e - mail immer wieder neu mit der Frage konfrontiert.
Die Poskim antworteten folgendermassen: Wenn ein Diasporajude Israel besucht und keinerlei Aliyahpapiere in der Hand hält, so muss er auch in Israel die zusätzlichen Diasporatage einhalten. Hat ein Israeli hingegen seinen festen Wohnsitz in der Diaspora, so ist dieser nach drei Jahren außerhalb Israel verpflichtet, die zusätzlichen Feiertage der Diaspora anzunehmen.

Im Buch "Celebration of the Soul" - The Holidays in the Life and Thought of Rabbi Avraham Yitzchak Kook - von Rabbi Moshe Zvi Neriah, fand ich folgende Auslegung:

Sobald ein Tourist Rabbi Avraham Yitzchak Kook (1865 - 1935) fragte, ob er denn den jeweiligen zusätzlichen Tag der Diaspora auch in Israel einhalten müsse, legte der Rabbi ihm nahe, sich permanent in Israel niederzulassen. Er hob die "Absicht der Rückkehr nach Israel" hervor. Die jüdische Seele sei nun einmal mit Eretz Israel verbunden. Jeder Jude, der das Land besucht, erhält einen Vorgeschmack der besonderen heiligen Atmosphäre, die hier herrscht. Somit will der Jude das Land gar nicht mehr verlassen.

Real betrachtet drängen den jüdischen Touristen Verpflichtungen im Ausland auch wieder dorthin zurück, dennoch ist es die weltliche Gedankenwelt, welche ihn zu dem Schritt veranlasst. Das Herz dagegen sehnt sich danach, in das Land unserer Vorväter zurückzukehren.

Donnerstag, Mai 13, 2010

Parashat BaMidbar - פרשת במדבר



B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Mit der Thoralesung von BaMidbar beginnen wir die erste Parasha im 4. Buch Moses (Numeri - Sefer BaMidbar). Dieser Schabbat ist ebenfalls der Schabbat vor dem am Dienstag abend beginnenden Schavuot, an welchem wir G - ttes Gabe der Thora an die Juden am Berg Sinai feiern.

In allen anderen Sprachen wird BaMidbar Numeri (Nummern) genannt, was, aus jüdischer Sicht recht seltsam erscheint. Im hebräischen Original jedoch heisst "BaMidbar" schlicht "In der Wüste".

Im Buch Exodus (Schmot - Namen) wurde uns gegen Ende des Buches der Bau des Mischkan (Tabernakel) beschrieben. Im 3. Buch Moses (Vayikra) ging es um die Opferungen und nun im 4. Buch (BaMidbar) geht es darum wie die Israeliten die Gesetze aus dem vorherigen Buch bewerkstelligen. Und zwar zusammen als Nation.

Als G - tt zu Moshe spricht, befinden sich die Israeliten im zweiten Jahr in der Wüste. G - tt beauftragte Moshe eine Volkszählung durchzuführen. Jeder ab dem 20. Lebensjahr sollte gezählt werden, heißt, einen halben Schekel abgeben (Rabbi Samson Raphael Hirsch). Nach der Abgabe wurde die Summe der abgebenen Schekel ausgezählt und so die genaue Anzahl der Israeliten ermittelt. Bis heute ist es unter religiösen Juden unüblich, Menschen mit dem Finger abzuzählen. Selbst auf die Frage, wieviele Kinder denn eine Familie haben, kann es passieren, dass der Fragende keine Antwort erhält. So erging es mir einmal so bei der chassidischen Gruppe Dushinsky.

Aus der Gemara im Traktat Bava Batra 121b erfahren wir, dass die Leviten (Levi'im) ab dem 30. Lebensjahr gezählt wurden, denn erst ab dem Alter konnten sie im Mischkan (Tabernakel) dienen.

Was aber genau war der Grund für G - ttes Anweisung, eine Volkszählung durchzuführen ? Wußte Er nicht selbst, wieviele Israeliten sich in der Wüste befanden ?

Die chassidischen Kommentatoren Sefat Emet, der Maharal (in seinem Kommentar "Gur Aryeh") und der Shem MiShmuel haben sehr passende Antworten darauf. Viele Male im Leben kann es uns passieren, dass wir denken, nicht wichtig genug zu sein. Wieso sollten wir vor G - tt wichtig sein ? Gibt es nicht wichtige Rabbiner oder chassidischen Rebben, die viel wichtiger sind als ich ? Was kann ich schon alleine bewirken ? Außerdem bin ich nicht religiös genug oder auf einem solch hohem Level wie chassidische Rebben ? Wieso sollte G - tt also an mir interessiert sein ?
Das genaue Gegenteil ist der Fall. Jeder Mensch wurde von G - tt erschaffen und jeder von uns hat seine bestimmte Aufgabe im Leben. Wer weiß, vielleicht ist meine mir von G - tt gegebene Aufgabe wichtiger als die des größten Rabbiners. Jeder von uns ist einzigartig und auf der ganzen Welt gibt es keinen Menschen, der genauso ist wie ich.

Mit der Abgabe des halben Schekels beabsichtigte G - tt, dass jeder Israelit sich mit einbezogen fühlt. Es gab Moshe, seinen Bruder Aharon und die Stammesoberhäupter, aber dennoch wollte G - tt deutlich machen, dass Ihm alle Israeliten wichtig sind. Wenn jeder sich mit einbezogen fühlt, dann stärkt dieses das Zusammengehörigkeitsgefühl und die Bereitschaft G - ttes Willen (die Mitzwot - Gebote) zu erfüllen. In der chassidischen Sprache haben wir das Wort "Devekut", die Bereitschaft G - tt näher zu kommen und Ihm zu dienen. Durch die Devekut bekommen wir eine ganz besondere Verbindung zu G - tt. Vor allem der Maharal von Prag hebt hervor, dass daher auch die Namen sämtlicher Stammesoberhäupter genannt werden. Ein jeder ist wichtig vor G - tt.

Auch wenn jeder Jude zu einem bestimmten Stamm gehört, so ist dennoch jeder einzelne individuell. Alle 12 Stämme zusammen formen das jüdische Volk und jeder Stamm hat innerhalb unseres Volkes seine Aufgabe. Es gibt die berühmte Midrasch, dass als die Israeliten aus Ägypten auszogen, sich das Rote Meer in 12 Teile spaltete. Jeder Stamm ging durch seine eigene für ihn vorgesehene Reihe, doch alle Stämme konnten sich gegenseitig sehen. Der berühmte Kabbalist Arizal (Rabbi Yitzchak Luria) kommentiert hierzu, dass hier die Individualität jedes Stammes hervorgehoben wurde. Yissachar ist nicht wie Levi und Asher ist nicht Yehudah, doch zusammen formen sie eine Nation. Wir alle sind anders und was für einen Juden als Lebensausgabe erscheint, muss noch lange nicht die Bedürfnisse des anderen erfüllen.

Wie wurde die Mitgliedschaft eine Stammes bestimmt, wenn zwei Ehepartner aus verschiedenen Stämmen heirateten ?

In der Parsha heißt es zusätzlich, dass die Mitglieder der israelischen Stämme nach dem Stamm des Vaters gezählt werden. Beispiel: Ist der Vater vom Stamm Yehudah und die Mutter vom Stamm Yissachar, so gehört das Kind automatisch zum Stamm Yehudah.
Die Gemara (rabbinische Diskussionen) im Talmud Traktat Bava Batra 109b stellt die Frage, woher wir dies so genau zu deuten wissen. Die Antwort hierzu finden wir in der Parasha Bamidbar 1:2 selbst: "Zähle die Mitglieder Israels gemäss ihrer Familien (Mischpchotam), gemäss des Stammes des Vaters …

Die o.g. Gemara in Bava Batra lehrt, dass NUR die Verwandten des Vaters "Familie" genannt werden und die Verwandten der Mutter tragen NICHT den Namen "Familie".
Wenn daher die Thora "gemäss ihrer Familien (Mischpchotam) angibt, dann sind damit ausschließlich die Verwandten des Vaters sowie der Vater gemeint und nicht die der Mutter.

Die Stammesherkunft der Kinder richtet sich immer nach der des Vaters (Rabbi Samson Raphael Hirsch und die Gemara im Talmud Traktat Bava Batra 109 - 110b). Nach der Ankunft in Israel wurde das Land unter den 12 Stämmen aufgeteilt. Die Gemara in Bava Batra 122a läßt uns wissen, dass nach der Ankunft des Meschiach das Land unter 13 Stämmen aufgeteilt wird. In der Gemara steht, dass ein Nassi (Oberhaupt) den 13. Anteil bekommt. Der Rambam in Hilchot Melachim (Mishna Thora) sowie der Raschbam kommentieren hierzu, dass es sich bei diesem Nassi um den Meschiach handelt.

Es gibt ja immer wieder individuell Themen, die einen an der Parasha besonders interessieren. So jedenfalls erging es mir dieser Tage mit Bamidbar. Da meint man, die Parasha ausreichend gelernt zu haben, doch jedes Jahr tun sich neue Erkenntnisse auf und sobald ich etwas finde, lässt es mich kaum mehr los.

"Und G - tt sprach zu Moshe in der Wüste Sinai …"

Einer der unzähligen Kommentatoren, welchem ich bisher kaum Beachtung schenkte, ist der "Baal HaTurim" - Rabbi Yaakov ben Asher, 13. Jahrhundert, Rheinland + Spanien. In mindestens 15 anderweitigen Kommentaren verschiedener Rabbiner suchte ich einen ähnlichen Bezug, doch fand ich dort keine einzige Andeutung zu dem, was der Baal HaTurim sagt:

"BaMidbar Sinai - In der Wüste Sinai …" - Aus dem ersten Satz dieser Parasha !

Baal HaTurim: "Wenn sich der Mensch nicht zur "Wüste macht", kennt er weder Thora noch Mitzwot".

Was für ein Statement soll das sein ? Klingt ungewöhnlich und ich stolperte sogleich darüber.

Im weiteren Kommentar zum Baal HaTurim wird darauf hingewiesen, dass eben der Baal HaTurim sich auf eine Aussage in der Gemara (rabbinische Diskussionen) des Talmud Traktates Eruvin 54a bezieht.
Und in eben jener Gemara finden wir die Antwort !
Hier nämlich sagt Rabbi Yosef to Rava: "… Wenn sich eine Person zur Wüste macht - bedeutet, jeder tritt auf ihm herum - dann wird die Thora an ihn als Geschenk weitergegeben".

Erklärung vom Talmudkommentator Raschi:
Wenn eine Person sich bescheiden zeigt und in keinster Weise überheblich, dann bekommt er die Thora geschenkt. Bescheiden meint hier "wie eine Wüste", auf der alle herumtreten.

Es soll also demnach Bescheidenheit geübt werden, was in unserer Zeit keineswegs kaum mehr üblich ist. Leider, leider, meinen nicht wenige Rabbiner, sich anderen Juden gegenüber mehr als überheblich zu zeigen und dieses Verhalten ist G - tt zuwider.
Überheblich in ihrer Erscheinung und in ihrem Verhalten a la "Ich bin hier der Rabbiner und niemand hat mir etwas zu sagen !"

Ein herausragendes Statement des Baal HaTurim, der dabei den Passuk (Vers) aus Eruvin 54a anführt.

Schabbat Schalom


Nächste Woche, am Dienstag abend (18. Mai) beginnt Schavuot (das Wochenfest) - Erev Schavuot. Am Mittwoch ist Feiertag und am Mittwoch abend nach 20.00 Uhr Ortszeit findet Schavuot in Israel sein Ende. Im Ausland hingegen wird noch ein zweiter Feiertag angehängt.

Ein beliebter Jerusalemer Brauch an Schavuot:
Morgens (Mittwoch morgen) ca. gegen 4.00 Uhr früh an der Kotel (Klagemauer) zu sein und das Morgengebet Schacharit zu beten. Tausende Menschen werden dort sein und Chabad (Lubawitsch) wird einen öffentlichen Kiddusch (Segnung des Weines) mit einem kleinen Mesonot (Kuchen oder Keksen) anbieten.

Am Dienstag abend, Erev Schavuot, geben einige chassidische Rebben einen ihrer Tische. So auch der Karliner Rebbe, dessen einer seiner Chassidim mich zum Fest einlud.

Rosh Chodesh Sivan - Beginn des neuen jüdischen Monat Sivan

Photo: Chabad.org

B"H

Heute Abend (Donnerstag) beginnt der neue jüdische Monat Sivan (Rosh Chodesh Sivan). Den ganzen morgigen Tag über feiern wir Rosh Chodesh Sivan und dadurch ergeben sich einige Veränderungen (Zusätze) in den täglichen Gebeten. So fügen wir, u.a., im Birkat HaMazon (Blessing after the Meal - Segen nach dem Brotessen) das "Yaale Ve'Yavo sowie den Segen für Rosh Chodesh ein.


Jeder neue jüdische Monat steht gleichzeitig auch für einen Neubeginn in unserem Leben. Jeden Monat, ja, sogar täglich, haben wir die Möglichkeit, unser Leben zum Positiven zu verändern.
Vor allem der Sivan repräsentiert einen Neubeginn, bekamen wir doch in dem Monat die Thora am Berg Sinai. Die Israeliten bekamen die Thora am Schabbat (Talmud Shabbat 88) und begannen somit ihr Leben völlig neu.

Das kabbalistische Buch "Sefer Yetzirah" (The Book of Creation) lehrt, dass jeder jüdische Monat einen Buchstaben, ein menschliches Organ, ein Sternzeichen, einen israelitischen Stamm und einen Sinn repräsentiert.


Der Buchstabe des Sivan ist das Zain. Im Hebräischen steht jeder Buchstabe gleichzeitig auch für eine Zahl und Zain steht für die Zahl 7. Im Judentum bedeutet die Sieben immer eine Vollständigkeit. Heißt, etwas ist vollkommen. G - tt erschuf die Welt in sechs Tagen und am siebten Tage ruhte Er. Die Erschaffung war demnach am siebten Tage komplett. Die Sieben des Buchstaben Zain drückt die Vollständigkeit aus, denn die Juden waren 49 Tage nach dem Auszug aus Ägypten würdig, die Thora zu erhalten. Genauso wie der Erschaffungsprozeß komplett war, so waren dies die Juden mit dem Erhalt der Thora.

Der israelitische Stamm des Sivan ist der Stamm Zevulon. Die Mitglieder Zevulons waren erfolgreiche Geschäftsleute und mit ihrem erwirtschafteten Gewinn versorgten sie den Stamm Yissachar. Zwischen beiden Stämmen bestand diese besondere Verbindung: Yissachar lernt Thora und Zevulon kümmert sich um die Geschäfte und versorgt finanziell Yissachar.

Auch heute finden wir genügend Beispiele für solch ein Vorgehen. Wenn ein Geschäftsmann nicht viel Zeit zum Thoralernen aufbringen kann, er jedoch Geld an religiöse Lehrinstitute (u.a. Yeshivot) spendet, dann wird ihm das genauso angerechnet als habe er selbst Thora gelernt.

Das menschliche Organ des Sivan ist der linke Fuß und der Sinn ist das Gehen. Das Gehen drückt Fortschritt und Dynamik aus. Wir bewegen uns in eine andere Richtung fort, nämlich in die der Thora. Das Sternzeichen sind die Zwillinge, die wiederum symbolisch für Moshe und Aharon stehen.

Der Feiertag des Sivan ist natürlich Schavuot (das Wochenfest). Schavuot begehen wir am 6. Sivan, welcher in diesem Jahr auf den 19. Mai fällt. Am Dienstag abend (18. Mai) beginnt Schavuot und nach dem abendlichen Festessen ist es Tradition, die ganze Nacht durchzulernen. Wer sich in Jerusalem befindet, der besucht am frühen Morgen (ca.4 oder 5 Uhr) die Kotel (Klagemauer) zum Morgengebet Schacharit. Tausende Juden werden durchlernen und in Israel, besonders in Jerusalem, werden kostenlose Programme angeboten. Schavuot geht sofort in den Schabbat über und somit haben wir ein langes Wochenende. Wer als Tourist in Israel weilt, der sollte wissen, dass Donnerstag somit nur ein "halber" Wochentag ist und die Busse ihren Verkehr am späten Nachmittag einstellen. Genauso wie die Geschäfte früher schliessen. Ab Donnerstag abend (20. Mai) geht, zumindest in Israel, alles wieder seinen geregelten Gang.

Chodesh Tov - Eine guten, erfolgreichen und gesunden Monat Sivan !!!!

Mittwoch, Mai 12, 2010

Schavuot - Vorbereitungen

B"H

Und wie weit bin ich mit meinen Vorbereitungen für Schavuot (das Wochenfest, als die Juden die Thora erhielten) ? 
Ehrlich gesagt, nicht allzu weit. Immerhin raffte ich mich auf, in der Bäckerei einen Urlaubstag zu verlangen. Und zwar den Montag kommender Woche.
Ich wagte zu fragen, ohne zu wissen, dass gerade in der Nacht die Nachtschicht (meine Wenigkeit eingeschlossen) dran ist, denn am Dienstag muss die Ware parat stehen, da abends Shavuot beginnt. Ich fragte und wurde fast aus dem Fenster geworfen. Was Montag frei ?

Ob G - tt eine Ahnung davon hat, wie das ist, halbe Nächte durchzuarbeiten und tagsüber ebenso beschäftigt zu sein ? Ohne ausreichenden Schlaf außer einmal hier und dort ? Das israelische Laster der unentwegten Arbeit.

Am Freitag beginnt der neue jüdische Monat Sivan und Dienstag abend ist Schavuot. Bis Mittwoch abend (in der Diaspora ein Tag länger !) und kurz nach Ende des Feiertages beginnt schon wieder die Nachtschicht auf den Donnerstag und der Schabbat steht vor der Tür. Die Leute kaufen und an Schavuot wird traditionell milchig serviert. Vorzugsweise Käsekuchen, aber auch Joghurt oder frühstücksmässig Cornflakes. Alles, was mit Milch zu tun hat, kommt auf den Tisch und in Israel werden genau diese Waren in den nächsten Tagen teurer werden. Bis nach Schavuot und wer dem entgehen will, der laufe sofort los und kaufe ein.

Tausende Menschen werden am Morgen von Schavuot an der Kotel (Klagemauer) erwartet oder so mancher begibt sich zum Grab des König David, um Tehillim (Psalmen) zu beten. Wenn ich nicht am Mittwoch abend sofort nach dem Feiertag arbeiten täte, würde ich die Thora am Strand von Tel Aviv empfangen. Nicht selten vermisse ich die Yeshivazeit, in welcher man noch Zeit hatte. Lernen, vielleicht ein wenig nebenher jobben, doch ausgiebig Zeit für Feiertage und allem drumherum. Momentan schaffe ich es nach dem Essen kaum zum "Birkat HaMazon - Segen nach einer Mahlzeit".

Dennoch bin ich im Vorteil: 
Um ausreichenden Käsekuchen brauche ich mir die allerwenigsten Gedanken machen !

Dienstag, Mai 11, 2010

Die ersten Gesetzestafeln (Luchot)

B"H

Schnellen Schrittes nähern wir uns dem jüdischem Feiertag "Schavuot - Wochenfest", welches am Dienstag abend, dem 18. Mai beginnt. Am Schavuot erhielten die Juden von G - tt die Thora und die jüd. - relig. Literatur gibt zum Thema "Thora" ungemein viel her.

Schauen wir uns einmal einen kleinen Abschnitt in der Gemara (rabbinische Diskussionen) im Talmud Traktat Eruvin 54a an, wo eine Diskussion um die Buchstaben der ERSTEN Gesetzestafeln (Luchot) stattfindet. Jene ersten zwei Tafeln, welche Moshe kurz nach seinem Abstieg vom Berg Sinai zerschmetterte als er zahlreiche Juden um das Goldene Kalb tanzen sah. Diese ersten zwei Gesetzestafeln waren von G - tt persönlich "geschrieben" worden. Dies bitte nur als symbolische Verdeutlichung verstehen ! G - tt sass keineswegs da und schrieb etwas !

Jene ersten beiden Gesetzestafeln waren absolut perfekt und hätte Moshe sie nicht zerschmettert, sehe vielleicht unser Leben heute wesentlich anders aus. Andererseits stellt sich die Frage, was diese perfekten Tafeln (Luchot) inmitten jeder Juden zu suchen hatten, die da dem Götzendienst mit dem Goldenen Kalb nachgingen. Hätte da die Perfektheit einen Einfluss auf die Imperfektion nehmen können ?
Eine Antwort auf diese Frage ist mir bisher noch nie untergekommen.

In Eruvin 54a sagt Rabbi Elazar: "Was bedeutet es, wenn wir sagen
G - TTES HANDSCHRIFT WAR AUF DEN TAFELN EINGRAVIERT ?

Anmerkung: Das zweite Tafelpaar wurde von Moshe geschrieben.
Auf den ersten Tafeln waren die Buchstaben von beiden Seiten zu sehen und lesbar. Das allein gilt als Wunder, wenn wir nur den hebräischen Buchstaben SAMECH als Beispiel nehmen. Bei dem Samech handelt es sich lediglich um einen Kreis und wie hätte dieser einfach so auf den Tafeln in der Luft hängen können, wenn die Buchstaben von beiden Seiten lesbar eingraviert waren ?

Rabbi Elazar fährt fort:
"Dieses lehrt uns, dass wenn die ersten Luchot nicht zerschmettert worden wären, die Juden niemals die Thora vergessen hätten. Eingraviert ist ein Dauerzustand für die Ewigkeit gedacht und genauso wäre dies in die Köpfe der Israeliten miteingeflossen und niemals hätte auch nur jemand daran gedacht, gegen die Thora zu verstossen.

Daraufhin fügte Rabbi Acha bar Yaakov hinzu:
"Wären die ersten zwei Gesetzestafeln nicht zerschmettert worden, dann hätte keine einzige fremde Nation jemals die Macht gehabt, über Israel (die Juden) zu herrschen.

Anmerkung: Rabbi Acha bar Yaakov leitet sein Statement vom hebräischen Wort "CHARUT - EINGRAVIERT", welches der Talmud in diesem Zusammenhang verwendet, ab. Wenn man CHARUT anders liest, und zwar CHERUT, dann wird aus EINGRAVIERT die FREIHEIT (Cherut = Freiheit). Also ein Wortspiel am Zusammenhang, der uns jedoch zugleich Aufschluss in tiefere Bedeutungen liefert. 

Montag, Mai 10, 2010

Halacha: "Kerzenzünden am Schabbat"

B"H

Ein sephardischer Rabbiner erklärte folgende Halachot auf dem israelisch - haredischen (ultra - orthodoxen) Radiosender "Kol HaRama":

Zuerst stellte der Rabbiner die Frage, ob eine Jüdin den Segen über die Schabbatkerzen (am Freitag abend) sagen darf, wenn ein Nichtjude die Kerzen anzündete. Gesetz des Falles, dass die Jüdin eventuell verhindert ist, wie Krankheit oder aus einem anderen triftigen Grund heraus.

Antwort:
Selbst wenn ein Jude die Schabbatkerzen für eine zweite Person anzündet, wird der Segen normalerweise nicht gesagt, denn die Mitzwah verlangt, dass eine Person seine Kerzen selbst zündet. Sprich, aktiv mit seinen Händen etwas bewirkt.

Zweite Frage:

Akzeptiert eine Jüdin den Schabbat voll und ganz nachdem sie die Kerzen zündete ?
Heißt: Darf sie danach keinerlei am Schabbat verbotene Arbeiten mehr verrichten ?

Antwort:
Im Schulchan Aruch (Code of Jewish Law) heißt es, dass wenn eine Jüdin die Schabbatkerzen nicht direkt mit der Intension zündet, sie wolle den Schabbat voll und ganz akzeptieren, sie auch nach dem Kerzenzünden für eine befristete Zeitdauer Arbeiten verrichten kann. Insbesondere sind Frau mit Beginn des Schabbat eh gestresster als Männer, denn sie kümmern sich darum, dass die anzulassenden Lichter in der Wohnung brennen oder das vorbereitete Essen richtig auf der Plata (Warmhalteplatte) steht, dass die Plata auf die richtige Temperatur gestellt ist, und und und. Allgemein empfiehlt es sich die Kerzen mit der Absicht zu zünden, den Schabbat nicht sofort zu akzeptieren, denn wie oft fallen einem hinterher noch vergessene Tätigkeiten ein.

Das Licht der Schabbatkerzen hat nicht direkt etwas mit der Annahme des Schabbat zu tun; sprich, dass ich den 39 verbotenen Tätigkeiten nicht mehr nachgehen darf. Vielmehr bringen die Schabbatkerzen eine besondere Atmosphäre mit sich und erfüllen die Wohnung mit einem speziellen Licht.


Links:



Die 39 verbotenen Tätigkeiten am Schabbat, Teil 2

Die VOLOZHIN Yeshiva einst und in der Gegenwart



Die berühmte Volozhin Yeshiva gegründet von Rabbi Chaim von Volozhin (in Litauen) Litauen im Jahre 1803. Rabbi Chaim war der bekannteste Schüler des Vilna Gaon und der Grossvater der später aufkommenden weltberühmten Rabbinerfamilie Soloveitchik.



Die Volozhin Yeshiva im Jahre 1998

Sonntag, Mai 09, 2010

"Tisch in Toldot Avraham Yitzchak" oder "Ein Baal Teschuva mit Socken"

B"H

Vorab eine Wortdefinition:

BAAL TESCHUVA = Später im Leben relig. gewordene Juden

Am letzten Freitag abend (Erev Schabbat) war mit chassidischen Tischen nicht allzu viel los. Die Toldot Avraham Yitzchak hatten einen Tisch zu bieten und deren Rebbe Shmuel Yaakov Kahn war, wie immer, in spirituellen Spähren. Mit einer Freundin war ich unterwegs und wir sichteten an dem Abend nur eine einzige Besuchergruppe. Ein paar Nationalrelig., die anscheinend schon wegen dem am Mittwoch stattfindenden "Yom Yerushalaim" in der Stadt weilten. Besuchergruppen sind im ultra - orthodoxen Mea Shearim seit geraumer Zeit mehr als unerwünscht. Nicht gerade fromme Gruppen, doch Nichtjuden, säkulere Juden oder jene modern - orthodox, die Hippie Style tragen und / oder auf Shlomo Carlebach machen.

In dieser Woche fällt der Beginn des neuen jüdischen Monat auf den Freitag und deswegen wird es mehr Tisch geben. Dazu mehr in der kommenden Woche.

Der Toldot Aharon Rebbe hielt am letzten Freitag abend keinen Tisch ab, nervende Tour Groups waren nicht in Sicht und so endeten wir zu zweit als einzig Außenstehende bei den Toldot Avraham Yitzchak im Markt von Mea Shearim. Meine Freundin und ich waren die einzigen ohne Perücke und / oder Tichel auf dem Kopf, um es perfekt auszudrücken. Rebbe Shmuel Yaakov Kahn hatte mittlerweile begonnen, seine Mahlzeit einzunehmen, Hunderte von Chassidim standen auf Metalltribünen um ihn herum und wir Frauen befanden uns im Obergeschoss auf der Frauenempore. Die Avraham Yitzchak haben eine super Mechitzah (Trennwand zu den Männern). Man kann alles überblicken, denn es sind Fenster. Die Männer von uns sehen uns nicht, wir sie hingegen schon.

Ich schaute dem Rebben zu und mein Blick fiel dabei auf einen älteren Chassid, der bei ihm am Tisch sass. Der Chassid hatte große Ähnlichkeit mit dem im vergangenen Jahr verstorbenen Rabbi Me'ir Brandsdorfer. Rabbi Brandsdorfer war ein wichtiges Mitglied bei den Toldot Avraham Yitzchak (eine Abspaltung der Toldot Aharon) sowie ein Halachaexperte (Posek) in der antizionistischen Dachorganisation "Edah HaCharedit". Viele Male berichtete ich über ihn, da er bis zu seinem Tode in Mea Shearim allgegenwärtig war. Nicht, dass ich vermutete, dass Rabbi Brandsdorfer dort sass, doch könnte es sich sehr wohl um seinen Bruder Aharon handeln. Ich fragte eine der anwesenden Frauen, doch die verneinte und meinte, es handele sich lediglich um den Schwager des Rebben.

Ich schaute auf die Chassidim und entdeckte unter ihnen ein bekanntes Gesicht. Er stand genau vor dem Fenster zur Frauenempore, doch sahen wir zuerst sein Gesicht nicht richtig. Ich meinte zu meiner Freundin, dass das doch Y. sei, doch sie wiederum bestand darauf, dass er es nicht sei, sondern jemand anders. Die Diskussion ging hin und her: "Ja, nein, ja, nein" … bis der Chassid sich weiter in die Mitte der Tribüne bewegte. Und dann sahen wir, dass es unser gemeinsamer Bekannter Y. war.

Y. stammt aus einem der Benelux - Staaten, ist Anfang 20 und lernte vor wenigen Jahren ab und an (wenn er nicht im Heimatland war) auf einer freakigen Jerusalemer Yeshiva in der Altstadt. Er wurde extrem rechts, setzte sich irgendwann eine schwarze Kipa aufs Haupt, irgendwann danach zog er einen schwarzen langen Mantel (chassidischen Stiles) an zusammen mit litvischem schwarzen Hut. Er wurde Breslov und Anhänger des Baal Teschuva Rabbis Lazer Brody. Seine Mutter kam einige Male zu Besuch und wir lernten sie als unrelig. Sehr nette ruhige Frau kennen. Sie hatte absolut keinen blassen Schimmer, von dem was ihr Sohn da trieb, aber kein Wort.

Am vergangenen Freitag abend sahen wir Y. in langem schwarzen chassidischen Mantel, flachem Yerushalmi Hut (a la Satmar, Neturei Karta, Toldot Aharon) und … schwarzen Socken in seinen Kniebundhosen. Ehrlich gesagt fielen wir fast von unseren Sitzen und konnten es nicht fassen. Y. hatte mal wieder die Klamotte gewechselt und diesmal ins absolut Extreme. Dabei ist er gar kein Mitglied in irgendeiner Richtung. Uns tat er leid; er und seine Mutter. Seine Eltern daheim wissen sicher kaum etwas, von dem, was ihr Sohnemann hier triebt, finanzieren ihn aber.

Was will Y. mit seinem Outfit zeigen ? Dass er jetzt super fromm ist oder geht es hier um Akzeptanz. Um eine Mea Shearim Akzeptanz, die er von geborenen Chassidim niemals erfahren wird. Und wenn ja, dann eher limitiert. "Am nächsten Schabbat dann kommt er sicher in weissen Socken und mit Streimel", so meine Ironie.

Anmerkung: Weisse Socken sowie Streimel (die traditionelle chassidische Pelzmütze) wird eigentlich nur von verheirateten Männern getragen. Manche chassidische Jungen jedoch tragen ab der Bar Mitzwah einen Streimel. Mehr oder weniger Second Hand, denn es handelt sich dabei um einen Ausrangierten vom Vater.

Im Internet posaunt Y. herum, welche grossen Rebben er trifft, doch hätte er einen richtigen Rabbiner, liesse der ihn nicht ständig Klamotten wechseln. Selbst der Toldot Avraham Yitzchak Rebbe lässt Neuankömmlinge in der Gruppe erst dann die Kleidung wechseln, wenn diese feste offizielle Mitglieder geworden sind. Freunde von mir wurden in die Gruppe aufgenommen und bis zum letzten Tag trug der Mann des Ehepaares die chassidische Kleidung aus seiner vorherigen Gruppe; nämlich Belz.

Wozu soll sich ein Baal Teshuva aus den Benelux Staaten in ungarische Garderobe stürzen ? Noch dazu, wo er kein Mitglied irgendeiner Gruppierung ist. Geborene Chassidim nervt solch ein Verhalten der Neureligiösen, denn es geht lediglich um "dabeisein zu wollen".

Y. redete mit der nationalrelig. Yeshivagruppe neben ihm, was zeigt, dass er nach wie vor an alten Wegen klebt. Innerhalb der Chassidim wirkte er wie ein Fremdkörper. Anstatt alles langsam angehen zu lassen und erst einmal die Grundzüge des Judentums kennen zulernen, schmeisst Y. sich in tiefe Mea Shearim Klamotten. Dabei bestand er vor ca. zwei Jahren oder weniger erst seinen Giur be'Chumra (Konversion zum Judentum, welche aufgrund des Verdachtes erfolgt, dass ein Elternteil jüdischen Glaubens ist, doch dem die Papiere fehlen).

Das dauernde Hecheln nach Akzeptanz innerhalb der chassidischen Gesellschaft kann mitunter ermüdend sein. Das Outfit allein macht mich zu nichts, sondern das Lernen und mein Lebensstil. Es kommt vor, dass geborene Chassidim einen dumm anreden und man dann sauer ist oder einfach nur heult. Aufgeben tun nicht wenige. Aufgeben aus Enttäuschung oder innerem Frust heraus. Die Sehnsucht nach dem alten Leben (Kino, Freunde, Umwelt) spielt eine gravierende Rolle und derjenige, der sich sofort in die Extreme begibt, wendet sich nicht selten von ihr wieder ab. Deswegen sollte ein Baal Teschuva Prozess langsam von statten gehen. Mit einem erfahrenen Rabbiner und einem entsprechenden Kurs / Yeshiva. Allein auf sich gestellt läuft man gegen Windmühlen an und verirrt sich schnell im Eifer des Gefechts.

Zum Schluss des Tisches sahen wir einen hochrangigen Rabbiner hereinkommen. Der "kleine" Bruder des Rebben, der ansonsten nur bei er Konkurrenz, den Toldot Aharon zu finden ist. 

Neue Brücke für Cohanim in Uman

B"H

Für einen Breslover Chassid ist es das Wichtigste, einmal am Grabe des Rabbi Nachman von Breslov in Uman / Ukraine, zu stehen und Tehillim (Psalmen) zu beten. Rabbi Nachman lebte von 1772 - 1810 und war der einzige Rebbe, den die Chassidut Breslov jemals hatte.

Wie wir mittlerweile wissen, ist es lt. Thora für einen Cohen (Tempelpriester und Nachfolger Aharons) nicht so einfach, einen Friedhof zu passieren. Deswegen ergriff auch die Chassidut Breslov halachische Massnahmen und weihte jetzt eine neue Brücke für Cohanim ein, welche sie am Grabe des Rabbi Nachman in eine Cafeteria vorbeileitet.





Mehr zu den Lehren der Chassidut Breslov auf DEUTSCH:

Der Rebbe in der Box, Teil 2

B"H

Neulich berichtete ich vom Toldot Aharon Rebben in der Box !
Der Rebbe ist ein Cohen und aus diesem Grunde war es kaum möglich, ihn auf den Berg mit dem Grabe des Rabbi Schimon bar Yochai zu bewegen. Und das am Lag Ba'Omer, wo die Chassidim in Meron die traditionellen Feuer entzünden wollten.

Hier nun ein Bild mit dem Rebben IN der Box !


Rebbe David Kahn wird halachisch einwandfrei am Grabe des Rabbi Schimon bar Yochai vorbeigeleitet !

Freitag, Mai 07, 2010

Schabbat Schalom

B"H

Yeshiva Studenten am Tel Aviver Strand. Und das noch nicht einmal am geschlossenen und für fremde Blicke verborgenen relig. Strand, sondern ganz normal am Strand für jedermann. Die schwarze Kipa abgenommen udn sich stattdessen mit Shorts in den Sand gelegt. Das ist die Mode zahlreicher amerikanischer sowie israelischer haredischen (ultra - orthodoxen) Yeshivastudenten. Man fahre nach Tel Aviv am Freitag morgen und abends sieht man dann alle wieder mit schwarzem Hut und in schwarzem Anzug / weissem Hemd in Jerusalem.

SCHABBES, SCHABBES !
Jeder muss irgendwann einmal kurz ausbrechen. Wenn auch nur für ein paar Stunden.

Besondere Pläne habe ich noch keine, außer ausschlafen.

Dann mal "Schabbat Schalom" an alle Leser und das jeder irgendwo seine 
Schlafnische finde !

Donnerstag, Mai 06, 2010

Parashat Behar - Bechukotai פרשת בהר - בחוקותי


The kever (grave) of the Chatam Sofer, Rabbi Moshe Sofer, 1762 - 1839, in Bratislava (Pressburg).



Die Thoraparashat für diesen Schabbat
B"H


Heute früh fragte ich durch die Bäckerei, in der ich einige Male pro Woche arbeite, ob nicht vielleicht jemand einen spirituellen Gedanken zur den beiden Thoraparashot BEHAR und BECHOKUTAI hat, welche wir an diesem Schabbat in den Synagogen lesen. Die Antwort fiel bescheiden aus und ich erfuhr lediglich, dass eine Kollegin bei den Nachkommen des berühmten Rabbi Yosef Chaim Sonnenfeld eingeladen ist.


Also war ich gezwungen, selbst zu schauen, obwohl mir momentan nicht unbedingt der Kopf nach Thora steht, denn ich habe zuviele andere Themen drumherum. Ein in Mea Shearim lebender Chassid meinte, ich solle doch noch zur Shiva (sieben Trauertage naher Verwandter um einen Verstorbenen) des Moshe Hirsch gehen. Ausgerechnet den Gang hatte ich nicht unbedingt eingeplant. Wer es noch nicht weiss: Moshe Hirsch, in Mea Shearim lebend, war so ungefähr das für Israel, was man einen Staatsfeind nennt. Vor Jahren war in Minister in Arafats Parlament in Ramallah. Außerdem führte Hirsch eine der zwei Neturei Karta Gruppen in Mea Shearim und war mehr als extrem antizionistisch. Tatsächlich hatte / habe ich auf Facebook einen Wortwechsel mit einem von Hirschs Anhängern.

Wir werden sehen, ob ich wirklich zur Shiva gehe, denn momentan bin ich etwas ausgebucht. Noch dazu, wo in zwei Wochen ein Freund aus England anrollt.


Aber zurück zum Thema "Thoraparasha".
Etwas zum Nachdenken habe ich diesbezüglich bei zwei großen Rabbinern sowie Kommentatoren gefunden. Wie bekannt, kann theoretisch jedes Wort, ja, sogar jeder Buchstabe einer Thoraparasha zerlegt und interpretiert werden. Und so schreibt der Maharal von Prag, Rabbi Yehudah ben Betzalel, 1520 - 1609, in seinem Kommentar zur Parashat Behar:


In Behar geht es, u.a., um das Schemittahjahr: Sechs Jahre wird das Land bestellt und im siebten soll es ruhen. Dieses Thoragesetz gilt übrigens nur für Israel und daher meint der Maharal, dass gerade dieses Gesetz uns zeigt, welche Heiligkeit (Keduscha) unser Land besitzt und wie wir ihm gegenüber stehen sollen. Alle anderen Länder der Welt besitzen kein Schemittah und wir Juden in Israel sollten uns über diese immense Bedeutung klarwerden.

Ferner schreibt der Chatam Sofer, Rabbi Moshe Sofer, 1762 - 1839, dass die Thoragesetze, welche wir von G - tt am Berg Sinai erhielten, unabänderlich sind. Die Thora selbst lehrt uns, dass weder Buchstabe, noch Worte hinausgestrichen bzw. hinzugefügt werden dürfen. Der Inhalt ist auf immer und ewig gültig.

Der Chatam Sofer (links im Bild) war seinerzeit (und auch heute) mehr als bekannt für seinen Kampf gegen das Reformjudentum in Pressburg (dem heutigen Bratislava) sowie seiner Aussage, dass NICHTS in der Thora verändert werden darf. Keinerlei Neuerungen in unserem Leben, sondern die reine unabänderliche Thora. Wer heute in den ultra - orthodoxen Stadtteil Mea Shearim in Jerusalem geht, der findet auf einigen Hinterhöfen Synagogen des Chatam Sofer und die kleine Chassidut Dushinsky (ansässig in Jerusalem, Bnei Brak und London) ist vollkommen auf der Ideologie des Chatam Sofer aufgebaut.

Rabbi Moshe Sofer führt eine Gemara (rabbinische Diskussion) aus dem Talmud Traktat Schabbat 104a an, in welchem es heißt, dass die Gesetze vom Berg Sinai (sprich die THORA) noch nicht einmal von einem Propheten abgeändert werden dürfen.

Wer einmal so richtig den Schabbat begangen hat, und das insbesondere bei Chassidim, der hat sicher das Gefühl erlebt, dass plötzlich alle Alltagssorgen und überhaupt alles Materielle eine unbeschreibliche Irrelevanz annehmen. Plötzlich kommt da ein Gefühl auf, bei welchem man im gleichen Augenblick hinfortgetragen wird und alles Weltliche vergisst. Wenn der Schabbat nur immer so weitergehen könnte...

Offenbar denke dies nicht nur ich, sondern der Chatam Sofer beruft sich mit seiner Feststellung auf den berühmten Kommentator Rabbi Moshe Alshich, der da der Frage nachging, was den Schabbat von anderen Wochentagen unterscheidet oder warum wir nur dann wirkliche Ruhe  finden.

Schabbat Schalom

Ist Havdalah an elektrischem Licht halachisch erlaubt ?

B"H

Ein sephardischer Rabbiner sagte dazu auf einem haredischen (ultra - orthodoxen) Radiosender Folgendes:

Rabbi Chaim Soloveitchik von Brisk (Brest - Litowsk), 1853 - 1918, hielt seinerzeit den Brauch, Havdalah an elektrischem Licht zu machen und war der Meinung, dass dies halachisch erlaubt sei. Rabbi Chaim von Brisk befand sich in einem ständigem Kampf mit dem Reform - Movement und wollte beweisen, dass die Thora ebenso die Moderne enthalten kann und keinesfalls ausschliesst. Für sephardische Juden hingegen ist Havdalah an einem elektrischen Licht nicht erlaubt !

HAVDALAH wird nach Ende des Schabbat gemacht. Eigentlich bedeutet das Wort "Havdalah" - Trennung. Die Trennung zwischen dem Schabbat und dem Neubeginn einer Woche am samstag abend. Hierzu gibt es eine spezielle Zeremonie samt Gebet. Hierzu benutzen wir wohlriechende Kräuter / Gewürze und ein Kerzenlicht (und lt. einigen Rabbinern elektrisches Licht).

Unterschiede zwischen einem haredischen und einem säkuleren Kind

B"H

Der Aufruhr um den Tel Aviver Bürgermeister Ron Chulda'i, der als links bekannt ist und dementsprechend politische Phrasen drischt, ist viel zu gross. Haredim (Ultra - Orthodoxe) sollten endlich ihre Schulen auf Vordermann bringen und weltliche Fächer wie Englisch oder Physik zulassen, anstatt am Talmud zu kleben und somit auf dem Arbeitsmarkt zu versagen.

Hier hatte ich vor einigen Tagen darüber berichtet:

http://lebeninjerusalem.blogspot.com/2010/05/tel-avivs-burgermeister-fordert-hohere.html


Mir ist das alles zuviel Wind um ein linkes Statement. Tut es etwa eine Änderung am haredischen Schulsystem herbeiführen ? Nein !
1. Sind antizionistische Gruppierungen nicht an das staatliche Schulsystem gebunden, da sie kein Geld vom Staat annehmen.
2. Stellen die haredische Parteien "Yahadut HaTorah" sowie "SHASS" das Zünglein an der Politwaage im Lande. Das Ausland mag gerne behaupten, die chassidischen Rebbes wie von Gur oder Belz spielen Nebenrollen. Falsch, denn die Haredim haben auf das israelische Politleben einen immensen Einfluss. Wer politisch etwas will, der gehe zuerst zu Rabbi Ovadiah Yosef oder zum Belzer Rebben. Ob Schimon Peres, Benjamin Netanyahu oder selbst Zipi Livni; wenn es hart auf hart kommt, wird gekrochen.
Und deswegen wird sich am Schulsystem nichts ändern, trotz aller Unkenrufe.




Die haredische online Newssite "Kikar Shabbat" veröffentlicht heute 10 Unterschiede, die zwischen einem haredischen und einem säkuleren Kind bestehen. Damit soll bewiesen werden, dass das säkulere Schulsystem goische Golems hervorbringt und mehr nicht. Keine Wertevorstellungen mehr, sondern nur noch Computer und Hip Hop Bum Bum.

1. Ein säkuleres Kind verschwende sein Taschegeld für Markenklamotten, Computer, CDs oder Handys. Ein haredische Kind täte Spenden geben oder relig. Bücher kaufen.

2. Schulpausen: Ein säkuleres israelisches Kind kloppt sich auf dem Schulhof. In der Tat nahm die Gewalt an israelischen Schulen drastisch zu und zahlreiche Lehrer kündigen ihre Jobs.
Ein haredisches Kind dagegen spiele mit seinen Klassenkameraden.

3. Ein haredisches Kind bringe seinem Lehrer Respekt entgegen, tauche nicht mit einem Messer in der Schule auf, halte Schabbat und halte mehr Werte und Moral hoch als säkulere Kinder.

Nicht alle Kinder sind gleich und Probleme bestehen auf beiden Seiten. Trotzdem ist es eine Tatsache, dass das säkulere Schulwesen immer weniger Werte vermittelt. Aber nicht nur in der Schule, sondern die Eltern sind mit ihren frechen Kinder überfordert und setzen sie lieber vor die Glotze, um ihre Ruhe zu haben.
Traurig, aber wahr !

Mittwoch, Mai 05, 2010

Interessantes zur dieswöchigen Thoralesung (Behar - Bechukotai)




B"H

An diesem Schabbat lesen wir in den Synagogen gleich zwei Thoraparashot auf einmal:

Behar - Bechukotai

Daraus HIER ein paar Gedanken zum Schemittah + Yovel

Bild des Tages

Der Rebbe in der Box


B"H

Wo liegt der Unterschied ?

Auf der linken Seite sehen wir das Papstmobil und rechts das hölzerne Mobil (Holzkiste) des Toldot Aharon Rebben David Kahn in Meron (am Lag Ba'Omer). Zuerst dachte ich, der Rebbe sitze in der Holzkiste, damit er keine Frauen zu Gesicht bekommt. Die Toldot Aharon sind mehr als bekannt für ihre fanatische Trennung der Geschlechter. Dann aber erklärte mir ein Rabbiner einer anderen chassidischen Gruppe den wahren Grund:

 Der Rebbe ist ein Cohen (Tempelpriester) und wie wir aus der Thora wissen (siehe die letzte Thoraparashat EMOR), ist es einem Cohen nicht erlaubt, mit Leichen in Berührung zu kommen. Demnach darf er keinen Friedhof betreten, denn mas macht ihn unrein. Der Toldot Aharon Rebbe jedoch wollte auf den Berg, wo der talmudische Rabbi Schimon bar Yochai beerdigt liegt, um dort am Lag Ba'Omer (am vergangenen Sonntag) das traditionelle Feuer für seine Chassidim anzuenden.
Wie also kommt ein COHEN über den Friedhof ?
Die Toldot Aharon - Lösung:
Man nehme eine Kiste und stecke den Rebben hinein. Da der Boden der Kiste aus Holz ist, betritt der Rebbe den Friedhof nicht und in der abgeschlossenen Kiste ist er von der Unreinheit beschützt.

So also ging es auf den Berg in Meron und nahe des Grabes, auf reinem Grund, konnte der Rebbe wieder aus der Kiste steigen und das Feuer entzünden.


The Toldot Aharon Rebbe David Kahn aus Mea Shearim / Jerusalem


Fast die gesamte haredische (ultra - orthodoxe) Welt findet das nur allzu komisch und meint, der Rebbe hätte lieber daheim bleiben sollen anstatt sich auslachen zu lassen.
Zuerst dachte auch ich, dass sei ein Scherz, doch die Bilder sind kein Photoshop. Die Haredim selber stellten sie ins Internet. Nicht ganz ohne Schadenfreude über die Toldot Aharon, wie wir oben beim Papstvergleich sehen.


Dienstag, Mai 04, 2010

"KUTACH" - Essen aus dem antiken Babylon

B"H

Fragen wir uns nicht alle manchmal, was die Menschen vor Tausenden von Jahren gegessen haben ? Natürlich gingen sie auf die Jagd und verzehrten erlegte Tiere oder sie bestellten Felder und bauten diverse Kräuter oder Gemüse an. Was aber aßen die Menschen zu Zeiten des König David oder zur talmudischen Zeit ? Laut dem Talmud waren sie unseren heutigen Essgewohnheiten gar nicht mal so abwegig. Olivenöl, Käse, Wein, Butter, Brot, Fleisch oder Fisch … alles das war vorhanden und wurde zu Tempelzeiten in Jerusalem verzehrt.

Der Talmud Traktat Pesachim 42a beschreibt uns sogar eine kulinarische Spezialität aus dem antiken Babylonien. Nicht gerade mein Geschmack, denn ich bin kein Freund von schimmeligem Brot. Der Talmud legt fest, dass ein Jude zu Pessach kein "KUTACH" verzehren darf, denn die Speise sei "Chametz" (an Pessach verbotenes Getreide).

KUTACH war einstmals eine bebylonische Delikatesse, die sich allem Anschein nach solcher Beliebtheit erfreute, dass sie sich in der Region des Mittleren Ostens ausbreitete. Allerdings gibt der Talmud ebenso an, dass Kutach gar nicht so gesund war, denn die schwere Verdauung machte einem hinterher zu schaffen.

Kutach war ein Dip bestehend aus saurer Milch, verschimmelten Brotkrümeln und Salz. Jedoch nicht nur einfach Salz, sondern Salz aus dem Toten Meer. Der Kommentator Raschi gibt an, dass diese Art des Salzes zuweilen an den Fingern festklebte, wenn jemand sein Essen in das Kutach tunkte. Und wer sich nach dem Essen die Augen rieb, dem stand einiges bevor.

MERON nach der "Flut"


B"H

Vor und an Lag Ba'Omer sahen wir massenhaft Photos von Chassidim und Rebben in all ihren spirituellen Phasen. Heute jedoch veröffentlicht die haredische (ultra - orthodoxe) Site "Chadrei HaCharedim" die andere Seite der Medaille:
So schaut es aus, wenn Israelis feierten ! Armer Rabbi Schimon bar Yochai !