Montag, Juli 12, 2010

Einst lernten Rabbiner Philosophie und Naturwissenschaften


Aus der heutigen "Yediot Acharonot"

Photo: Miriam Woelke


B"H

Teile der haredischen (ultra - orthodoxen) Gesellschaft stellen das bisherige haredische Schulprinzip genauso in Frage wie das staatliche israelische Bildungsministerium. Der neue Curriculum für jene haredischen Schulen, welche finanzielle Unterstützung vom Staat erhalten, sieht ab sofort einen festen Englisch - Mathe - sowie Naturwissenschaftsunterricht vor und nicht "nur" Thora und Talmud für die Jungen.

Auch auf dem haredischen Radiosender "Kol BaRamah" wurde gestern abend diskutiert: Viele Haredim (Ultra - Orthodoxe), inclusive dem Knessetabgeordneten Eliezer Moses der chassidischen Gruppe Vishnitz, befürworteten den erweiterten Bildungsplan. 
Hinterher kam ein linker Meretz - Abgeordneter (ich glaube sein Name war "Horowitz) zu Wort und, obwohl ich sonst alles andere als Meretz bin, gebe ich Horowitz Recht: Eine gute Allgemeinbildung muss her !

Lernten die früheren Rabbiner wie Rabbi Kook, der Abarbanel oder der letzte Lubawitscher Rebbe noch Philosophie oder Naturwissenschaften, besteht die haredische Gesellschaft heutzutage (leider) aus Ja - Sagern, die sich anpassen und ihr Rabbi sie im (Bildungszaume) hält.

Kommentare:

  1. Ich kann die neuen Lehrpläne nur begrüßen - ich habe auch nie verstanden, weshalb Religion und weltliche Bildung nicht vereinbar sein sollten. Hier in Wien gibt es ebenfalls eine chareidische Schule, und die Schülerinnen und Schüler lernen selbstverständlich Englisch (mitunter noch eine weitere Fremdsprache), Mathematik, Biologie, Geschichte, Umgang mit PC und Internet, etc. Zusätzlich findet auch ein Sportunterricht (natürlich geschlechtergetrennt) statt - und kein Religiöser hat damit ein Problem. Hierin unterscheiden sich die chareidischen Gemeinden in Israel und in (Teilen) der Diaspora offensichtlich.

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  2. B"H

    Die haredischen Schulen in der Diaspora fungieren tatsaechlich wesentlich anders als die in Israel. Hierzulande ist alles recht eingeschraenkt und von den jeweiligen Rabbinern ueberwacht.

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  3. Ich würde sagen, Österreich hat ein Mindestlehrplan, was ein Schüler lernen und somit eine Schule lehren muss. Was dann noch bei konfessionellen Schulen zusätzlich in den Lehrplan kommt bzw. wie sie die Stoffe ausgestalten, liegt in deren Hand.
    Ich vermute, die Abschlüsse an der charedischen Wiener Schule sind den österreichischen gleich, oder?

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  4. B"H

    Israel verfuegt auch ueber einen MIndestlehrplan, doch das traf bisher nicht auf die haredischen Schulen zu. Wobei man immer zwischen jenen haredischen Schulen unterscheiden muss, welche finanzielle Hilfe vom Staat bekommen und jenen Haredim, welche den Staat Israel ablehnen und ihr unabhaengiges Schulsystem entwickelt haben. Der zweiten Kategorie kann auch die israel. Regierung keinen Lehrplan vorschreiben.

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