Donnerstag, Oktober 23, 2008

Ist Schweigen immer Gold ?

B"H

Es gibt Dinge, die regen mich furchtbar auf. Besonders in dem Moment, wenn es um die religiöse Welt geht. Beispiel: Wenn einige Leute meinen so ungemein heilig, religiös, fromm, selbstgerecht oder was auch immer zu sein. So sehr, dass die jüdischen Mitmenschen nicht mehr mitkommen und sich als "minderwertig" zu erweisen scheinen.

Ich nehme mich als Beispiel, die da überwiegend in Hosen herumläuft und mit teilweise "rebellischem" Verhalten daherkommt. Ich verbringe nicht fast meine ganze Zeit mit Tehillim (Psalmen) und ständigem Gebet. Ich bete, aber ich stelle mich nicht vor aller Leute hin, um eine "Ich muß mich jetzt beweisen - Show" abzuziehen.

Aber meine Intension ist es hier nicht, mich über eine gewisse Inakzeptanz meiner Person gegenüber aufzuregen. Über solche banalen Problemchen bin ich längst hinweg. Vielmehr geht es darum, dass so manche Religiöse glauben, sie seien so heilig, aber sich dennoch nicht schämen, mit einem widerwärtigen Verhalten zu glänzen und damit schlimmer wirken als jeder Säkulere oder selbst G - tteslästerer. Sobald einige Juden (oder auch potentielle Juden) meinen, das Licht zu sehen, und sich entschliessen, entweder zum Judentum zu konvertieren oder ein Baal Teshuva (geborener Jude, der im Verlauf des Lebens relig. wird) zu werden, meinen sie fast nur noch von Gerechtigkeit, Kedusha (Heiligkeit) und Chesed (Wohltätigkeit) befallen zu sein.

Aber ich will genauso anmerken, dass nicht ALLE so handeln und ich keinesfalls verallgemeinern will.

Ein Baal Teshuva zu sein beinhaltet nicht nur die Thoramitzwot einzuhalten (sich langsam daran zu gewöhnen und nichts zu überstürzen) und auf einer regulären Basis zu beten, sondern es bedeutet genauso dass derjenige seinen eigenen Charakter zum Besseren, in die Richtung der Thora, verändern soll. Also ein innerer persönlicher Umdenkprozeß in einem selber stattfindet. Und viele Leute scheinen dieses grundsätzliche Prinzip nicht zu begreifen und fahren stattdessen unentwegt damit fort, anderen zu zitieren, was ihr spezieller Rabbiner sie lehrte. Anscheinend zählt nur noch, was der Rabbi sagte und es wird so zitiert, dass alles andere falsch erscheint und nur noch der Baal Teshuva recht hat.
Andererseits, wenn man sich ihr Verhalten anschaut, bekommt man einen völlig anderen Eindruck. Und dieser ist alles andere als religiös. Und ich gehe sogar soweit zu behaupten, dass so mancher Konvertit zum Judentum niemals hätte konvertieren sollen und stattdessen lieber ein Christ hätte bleiben sollen. Einige Konvertiten meinen nach der Konversion anderen Juden in der Manier eines Drill Sergeant Befehle erteilen zu müssen.

All meine Angaben beziehen sich nicht nur auf die litvisch - haredische Gesellschaft, sondern genauso auf die chassidische Welt.
Und überhaupt, wo sind die ernsthaften aufrichtigen Chassidim aus der Vergangenheit geblieben ? Wenn nur der Baal Shem Tov für einen Tag zurückkommen täte und sich das Chaos anschaue. Wie chassidische Gruppen sich teilweise bekriegen und wo sogar ein Topf voll Tscholent (Fleischsuppe mit Erbsen und Kartoffeln am Schabbat) einen Streit vom Zaume brechen kann (so wie es an Sukkot zwischen den Toldot Aharon und den Toldot Avraham Yitzchak der Fall war).

Ich habe noch viel mehr zu dem Thema zu sagen, aber vorher muß ich mich noch darauf besinnen, alles in einem guten objektiven Stile zu formulieren. Soll ich Namen nennen oder lieber alles im "Short Story Stil" verfassen ?

Nicht Mea Shearim, sondern die litvisch amerikanische Welt wird diesesmal mein Thema sein.

Und erneut die Angabe: Nicht alle sind gemeint und es soll nicht verallgemeinert werden.

Einige Leute sagten mir sogar, dass nicht alle Probleme der relig. Gesellschaft offengelegt werden müssen und man stattdessen Stillschweigen bewahren sollte. Warum etwas öffentlich machen ? Wen interessiert das denn ? Wäre es nicht besser, mit dem Leben fortzufahren und Geschichte Geschichte sein zu lassen ? Was kann man denn schon bewirken ? Warum all die Energien und Zeit verschwenden ?

Meinerseits versuchte ich zu schweigen, aber all das Verhalten ging mir auf die Nerven. Ich kann nicht einfach dasitzen und so tun als geschehe nichts. "Morgen ist ein neuer Tag und lassen wir einmal alles gutsein". Es gibt definitiv Themen und Inhalte, die ausgesprochen werden müssen, nur bleibt die Frage, wie weit man dabei gehen darf und soll. Sind Leute involviert die ich kenne ? Gegebenenfalls Freunde und was geschieht, wenn diese dadurch verletzte oder geschädigt werden ?

Diese Fragen sind mir äußerst wichtig und daher ist es nicht immer leicht, die beste Lösung oder überhaupt eine Lösung zu finden.

Kommentare:

  1. Hi, Miriam:
    Wie gehts dir? Ich merke schon dass
    dir sehr auf den nägeln brennt. Ich
    würde aber nur eher allgemein
    schreiben und nicht so speziell werden
    oder namen nennen. Du musst ja überlegen dass hier sehr viele leute
    mitlesen, die das dann falsch verstehen
    könnten und denken könnten es ginge
    dir darum schlecht über andere zu
    reden, auch wenn es nicht so ist aber
    es könnte für jemanden so wirken der
    dich nicht kennt.

    jakobo

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  2. B"H

    Hallo Jakob,

    es geht gut, aber ich bin halt immer total busy.:-)))

    Mein persoenliches Dilemma besteht halt immer darin herauszufinden, was ich oeffentlich schreiben soll und was nicht. Ich bin kein Krawall - Blog, doch denke ich, dass gewisse Missstaende sehr wohl zur Sprache kommen muessen. Wie weit darf man soetwas unter den Teppich kehren und in wie weit kann man das mit seinem Gewissen vereinbaren.
    Das ist das Problem.
    Bei mir kommt noch hinzu, dass ich gewisse Dinge ueber chassidische Gruppen nicht offen schreiben kann und entweder alles verdeckt erwaehne oder gar nicht. Wohl fuehle ich mich dabei auch nicht.

    Und der Punkt der "Laschon HaRah" ?
    Jeder versucht dieses Konzept oft so auszulegen, wie es ihm gerade in den eigenen privaten Kragen passt. Dabei ist es nicht Laschon HaRah, andere Leute auf gewisse Negativitaeten anderer aufmerksam zu machen. Dieses ist dann sogar eine Pflicht wie im Falle "Netanel Wurmser aus Stuttgart bei seiner vorherigen Stelle in Fuerth".

    http://hamantaschen.blogspot.com/2007/10/mehr-schein-als-sein.html

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  3. Ich denke bei dingen die sowieso
    öffentlich sind ist das wieder was
    anderes. Aber sonst, deswegen meinte
    ich ja auch das man vorsichtig sein
    muss weil leute die du nicht kennst
    sowas oft anders auslegen wie du es
    gemeint hast.

    jakobo

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  4. B"H

    Stimmt, aber diese Gefahr geht man immer und ueberall ein.

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