Montag, Oktober 27, 2008

Die Plumpheiten christlicher Missionare

B"H

Wer zu den Schabbatessen bei Rabbi Mordechai Machlis und seiner Family geht, der wird feststellen, dass bei jedem dieser Essen auch die jeweiligen Teilnehmer zu Reden eingeladen werden. Zuerst gibt der Rabbi ein paar Teachings und danach darf jeder, der meint, etwas zu sagen zu haben, auch einmal ran. Allerdings darf derjenige nicht alles herunterrasseln, wonach ihn gerade die Laune verleitet. Rabbi Machlis listet vorher stets drei feste Verhaltensregeln auf:

1. Die Rede sollte nicht länger als drei Minuten dauern !"
2. Keine politischen Themen am Schabbat !"
3. In den Reden soll niemand beleidigt werden noch sollen diverse Ideologien aus anderen Religionen verbreitet werden. Oder in anderen Worten: Keine Judenmission !"

Am vergangenen Freitag abend (Erev Schabbat) setzte sich eine Christin aus den USA, die sich selbst "Israel" nannte, an einen der gedeckten Machlis Tische. Uns war bewußt, dass es sich um eine Christin handelte, denn erstens schaute sie sehr offensichtlich so aus und wer es dennoch nicht wahrhaben wollte: Sie platzierte ihr mitgebrachtes "Neues Testament" gleich neben ihren Teller.

Zu Beginn verhielt sich sich unauffällig und sehr ruhig, doch sah ich, dass sie nur auf ihren Moment wartete. Als Rabbi Machlis die Gäste aufforderte, doch auch einmal etwas zu sagen (jüdische Religion, Thoraparasha oder Persönliches, etc.) stand besagte Dame auf und zitierte zwei Sätze. Einen aus der Thora sowie einen weiteren vom Propheten Jesaja (Yeshayahu).
Offensichtlich war sie der Meinung, dass sobald sie diese zwei, völlig aus dem Zusammenhang gerissenen Sätze herunterspulte, ihr alle Juden um dankbar um den Hals fallen und Mr. J. als ihren Meschiach anerkennen. Nun, dies war nicht der Fall und stattdessen wurde die Dame von Rabbi Machlis über die wahre Bedeutung der beiden Sätze informiert. Die Dame nahm das schweigend zur Kenntnis und sagte daraufhin nichts mehr. Außerdem war sie von Rabbi Machlis zu einem klärenden Gespräch nach dem Schabbatessen eingeladen worden, zu dem sie erst gar nicht mehr erschien.

Meine Anklagen richten sich gegen all jene in Jerusalem herumlaufenden christlichen Missionare, welche sich bei jüdischen Ereignissen im wahrsten Sinne des Wortes kostenlos vollfressen und sich hinterher nicht schämen aufzustehen, um ihren Missionsmüll abzuladen. Was glauben solche Leute, wer sie sind ? Da stellen sie sich unbedarft hin und meinen doch tatsächlich jüdische Gelehrte, welche mit dem Thora - und anderweitigem halachischen Wissen aufwuchsen, mit dämlicher Plumpheit bekehren zu können.

Steckt da etwa irgendeine Logik dahinter ? Schämen sich die Missionare nicht vor sich selbst ?
Mir selber würde es niemals in den Sinn kommen, in eine Kirche zu rennen, mich da vollzufressen und hinterher Leute zum Judentum bekehren zu wollen.

Christliche Missionare aber lassen zumindest in Jerusalem kaum eine Gelegenheit aus, sich auf Kosten der Juden (insbesondere bei der Orthodoxie) so richtig vollzufressen !

Kommentare:

  1. Als ich vor einigen Monaten aus Israel nach Deutschland geflogen bin, sass neben mir im Flugzeug am Fesnter eine Frau mittleren Alters. Sie klammerte sich während das Abhebens an ihren Reiseführer und hatte eine Träne im Auge, die sie kaum unterdrücken konnte. Sie murmelte etwas, das bezeugten die Lippen. Das war mir symphatisch, denn das Land zu verlassen mag ich auch nicht. Ganz im Gegenteil.
    Wir kamen langsam ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass Sie Christin ist. Das Kreuz um den Hals hätte mir auch zuvor auffallen müssen. "Warum können Juden Jesus nicht als ihren Erlöser anerkennen?" Ich bin mit Kippa und Zizit offensichtlich als Jude zu erkennen. Ob ich wollte oder nicht, ich musste darauf eingehen. Nicht zuletzt wegen der Kippah und der Zizit, ich fühlte mich ihr gegenüber als Vertreter des gesamten Judentums. Freundlich, aber bestimmt, so wollte ich auftreten. "Was verdient der Thora nach jemand, der die Thora zu verändern versucht?" Warum fragt sie mich das, fragte ich mich meinerseits. Wer Sefer Dwarim aufschlägt, kennt doch die Antwort. Und sie kannte sie. Auch gläubige Christen lesen die Thora."Wer war Jesus Christus nun für Euch - ein falscher Prophet?"
    Nun hatte sie mich. Und zwar genau da, wo sie mich von Anfang haben wollte. Das wurde mir schlagartig klar. Sie war direkt. Aber so unpassend freundlich. Leider freundlich. Denn mich hielt kaum noch etwas an meine Freundlichkeit - außer halt ihre Freundlichkeit, die mir keine Unfreundlichkeit erlaubte: Wegen meiner Kippah und meiner Zizit.

    Ich bin in Deutschland aufgewachsen. Habe Deutschland verlassen. Ich habe weder Antisemitismus jemals erlebt, und bin erst recht nicht wegen eines deutschen Antisemitismus ausgewandert. Aber ausgerechnet in einem Flugzeug, auf dem Weg aus Israel nach Deutschland, musste ich Bekanntschaft machen mit einem echten, exisiterenden, ursprünglichen Antisemitismus: Sie können es einfach nicht sein lassen ... diese Lüge von den Juden, die Christus ans Kreuz gebracht haben.

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  2. B"H

    Eine aehnliche Story von einem Flug zurueck nach Hause schrieb mir heute frueh schon jemand aus der Schweiz. Allerdings per e - mail.

    Ich bin an solche Leute etwas gewoehnt und habe meistens die passenden Antworten parat. Eine Suedafrikanerin fragte mich, warum wir nicht an J. glauben, da doch der Name G - ttes "E - lo - him" offensichtlich im Plural geschrieben sei. Ein Anzeichend er Dreifaltigkeit.

    Ich erklaerte ihr den wahren Grund und dann war Ruhe:

    http://hamantaschen.blogspot.com/2007/09/elokim.html

    Derlei Gestalten werden nie aufhoeren, Juden zu traktieren, wobei sie uebersehen, dass ihr eigener falscher Prophet selber Jude war.

    Jedenfalls sollte man solchen Leuten in den Faellen immer klarmachen, dass J. keine einzige der Bedingungen fuer einen Meschiach erfuellte. Und ueberhaupt sollte auf die Bedingungen und das jued. Meschiachkonzept hingewiesen werden.

    Wie Du habe auch ich meinen ersten Antisemitismus an der Kotel erlebt. Christen aus Baden - Wuerttemberg laesterten ueber orthodoxe Juden ab und ich aergere mich noch heute, warum ich an dem Abend keine Anzeige bei der gegenueber liegenden Polizei aufgab.

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  3. Kann man in Israel Anzeige erstatten wegen "Verdachts auf Antisemitismus"? Hört sich ironisch an, was nicht meine Absicht ist. Die Antwort interessiert mich.

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  4. Ich frage mich, wie viel kann diese junge Dame nur verzehrt haben und vorallem was hat Sie verzehrt. Ein Mensch kann doch nicht mehr essen als für Ihn (den Menschen) gut ist. Es ist einfach unvernünftig so viel zu essen.
    Und dann einfach so schnell zu verschwinden, vielleicht war Ihr auch schlecht und es hat weniger mit der schuldiggeblieben Antwort zutun.
    Tschüß Ralf

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  5. Hi, Ronen und Miriam:
    Manchmal ist es wirklich gut
    ungebildet zu sein so komme
    ich wenigstens ncith in die
    situation irgendjemanden irgendwas
    klarmachen zu müssen.

    Jakobo

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  6. B"H

    @Ronen

    Keine Ahnung, aber eine Anzeige versuchen zu starten, koennte man doch einmal. Vielleicht haette sie niemand entgegengenommen, doch waere von der Polizei sicher jemand gekommen und haette die Identitaet der Christen (es handelte sich um eine Reisegruppe) aufgenommen.

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