Mittwoch, November 25, 2009

Männer

B"H

Nicht, dass ich die Männerwelt verstehe. Trotzdem ist es immer wieder interessant, wie Männer auf intelligente eigenständige Frauen reagieren. Egal, ob in der jüdischen oder der nichtjüdischen Welt. Jüdisch - religiöse sowohl als auch säkulere Männer zugleich. Sobald eine selbstbewusste erfolgreiche Frau auftaucht, nehmen viele Typen entweder reissaus oder sie lassen den Beschützer heraushängen.

Bei sephardischen Juden ist der Unterschied zu ihren aschkenazischen "Kollegen" ganz gravierend. Anscheinend spielt halt doch die orientalische Machostimmung eine Rolle. Die Religiösen unter ihnen sind kaum bereit, eine Frau zu sehen, die sich den höheren jüdischen Studien hingibt.

Ich bin keine wild provozierende Feministin, dennoch bin ich für Gleichberechtigung. Und das nicht nur beim Müllhinaustragen, sondern vielmehr in Bezug auf die relig. Bildung. Sprich, das Talmudstudium, was nicht alle Männer bei den Frauen sehen wollen.
Um Himmels Willen, was wenn eine Frau einen Mann in der Gemara (rabbinische Diskussionen im Talmud) korrigiert ? Für so manchen Mann geht ja da schon die Welt unter und die Frau wird zum "Schaygetz"; zum fast außerirdischen Wesen. Zum Dibbuk.

Aschkenazische Juden gibt es solche und solche. Meiner Erfahrung nach ist die Mehrheit der relig. Männer hilfsbereit, andere wiederum versuchen zu manipulieren oder schlimmstenfalls die Oberhand zu gewinnen. Beide Fälle erlebe ich zudem real in meinem englischen Blog, wo ich ausführlich zur haredischen Gesellschaft Stellung nehme. Und als weibliches Wesen erlebt man bei dem Thema so einiges. Nicht, dass alle in einem das Dummchen aus der Küche sehen; die Mehrheit freut sich zu helfen. Jedenfalls virtuell, da man sich ja sonst kaum trifft. Zumindest nicht in den Synagogen, denn in chassidischen Synagogen haben die Geschlechter zwei verschiedene Eingänge.

Was ich jeder Frau anrate ist, sich von denjenigen Männern fernzuhalten, die sich als Boss aufspielen wollen und denjenigen, die auf Manipulator machen. Beiden Spezien sind leichter zu erkennen als das sich die Männer selbst dies auszumalen vermögen.

Kommentare:

  1. Schoschana11:07 vorm.

    "Sprich, das Talmudstudium, was nicht alle Männer bei den Frauen sehen wollen. "

    bei uns in der kehille ist es so, dass die frauen selbst abwehren, wenn das thema auf gemara kommt. gmara darf nicht "direkt" gelernt werden, sondern nur "nebenbei", als quote im schiur oder so. da ist dann eine richtig panik im gange, dass irgendeine auf die "komische" ideen kommen könnte, tatsächlichsich für gemara zu interessieren ... ich weiss nicht, was einzelne so zu hause machen. ich persönlich (und auch mein mann) habe nichts dagegen, habe nur selbst überhaut keine zeit dazu. beruf und familie, da reicht es oft nur zur parascha und zu tertiärliteratur (etwas über chinuch o.ä.), und an schabbes lerne ich mit einer frau rambam hilchos deos im moment.
    ich denke die panik davor, dass frauen sich mit gmara beschäftigen, hat damit zu tun, sich dann zu fragen: what's next? ;)

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  2. B"H

    Ich rede jetzt einmal nur von bestimmten relig. Frauenteilen der israelischen Gesellschaft; wobei vieles vom allgemeinen Bildungsgrad der jeweiligen Frau abhaengt:

    Es lernen schon recht viele relig. Frauen Gemara. Wahrscheinlich aber immer noch mehr eingewanderte Amerikanerinnen als Israelinnen.

    Vor Jahren war ich auf dem Frauenseminar "Nishmat", welches Chavruta zur Gemara anbietet.
    Nicht unbedingt soooo professionell und man sollte Nishmat eher als kleinen Einstieg betrachten.
    Besser geht es da schon in einem Kurs vom Rabbanut zu. Dort jedoch lernen die Interessentinnen nur die tollen Seiten und wenn man ihnen kommt wie "Rabbi Eliezer wurde seinerzeit exkommuniziert", dann drehen sie durch. Obwohl dies nun im Talmud selber beschrieben ist.
    Es gibt halt nicht nur Tolles in der juedischen Geschichte.

    Sephardische Frauen schrecken davor zurueck und beschaeftigen sich mit Tehillim (Psalmen) und einer einfachen Parasha Ausgabe.

    Vielleicht hat der Talmud ja in einigen Kreisen den Ruf, total kompliziert oder geheimnisvoll zu sein. Der Lubavitscher Rebbe aber befuerwortete sogar das Talmudstudium fuer die Frau. Und heutzutage halten in Jerusalem viele Frauen gehobenere Schiurim. Wobei man wieder aufpassen muss, welchen Background die Frau hat und ob sie nicht irgendwie spirituell voll abgefahren ist. Will damit sagen, es tut sich viel Scharlatanerie auf.:-)

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  3. Schoschana12:20 nachm.

    ich glaube, es geht bei der geschichte eher um die angst, dass die bereiche für männer und frauen verwischt werden. der blick in die moderne orthodoxie oder sogar noch weiter, in die liberalen strömungen sind nicht sehr ermutigend, denn nicht selten ist die konsequenz eines mehr-lernens der frauen ein weniger-lernen der männer...
    ich glaube immer noch, dass es nicht so sein müsste, aber in unserer polarisierten welt wird das als schlechtes beispiel eben so wahrgenommen.

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  4. B"H

    Das hat mich so ziemlich ueberrascht, dass man in dt. Gemeinden nicht unbedingt Pro - Talmud ist als Frau. Genau dort haette ich das Gegenteil erwartet, aber anscheinend muss erst einmal genuegend Thora nachgeholt werden.

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  5. Ich denke schon, dass der Bedarf da wäre, aber es wird, außer bei Chabad (für alle Männer/Frauen), nicht angeboten.

    "Der Lubavitscher Rebbe aber befuerwortete sogar das Talmudstudium fuer die Frau. "

    Der Mann ist mir sympathisch. ;))

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  6. B"H

    Wer "nur" seine eigene orthodoxe Gemeinde kennt und immer wieder praesentiert bekommt, Talmud und ueberhaupt saemtlich hoehere Jewish Studies waeren ja so kompliziert und man solle doch erst einmal die Basis den Judentums lernen, der meint wahrscheinlich letztenendes, dass die Welt aus Halachot und dem G - ttesdienst besteht.

    Viele Kurse in Israel aber zeigen, dass alles zusammen vereinbar ist. Bedeutet, man kann mehrere Themen auf einmal lernen und sogar miteinander verbinden. Nicht gleich auf was weiss ich einem Niveau, aber immerhin. Das ist es, was die meisten Yeshivot praktizieren. Immerhin muss man die Leute ja interessieren und nicht trocken langweilen. Wobei das jetzt nicht heisst, dass die Halachot ausgelassen werden sollen. Trotzdem gibt es auch andere philosophische Themen wie "der Sinn der Thora" und "warum lebe ich ueberhaupt".

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