Dienstag, März 22, 2011

Wann dürfen die jüdischen Speisevorschriften (Kaschrut) gebrochen werden ?


 Koscher auf dem Jerusalemer Machane Yehudah Markt.


B”H

Ein Leser fragte nach, wann Juden gegen die Speisevorschriften verstossen dürfen oder gilt die Kaschrut immer ? Eine spezifische Antwort darauf kann ich nicht bieten, doch vielleicht einige Denkanstösse auf dem Stegreif:

In einem der Talmud Traktate werden die Gründe aufgezählt, wann ein Jude Selbstmord verüben darf. Oder in anderen Worten, wann es halachisch erlaubt ist, sich eher zu töten als ein bestimmtes Vergehen zu begehen. Dazu gehören: 1. Wenn wir gezwungen werden, einen anderen Menschen zu töten. 2. Wenn wir gezwungen werden, sexuelle Perversionen zu betreiben oder 3. wenn wir gezwungen werden, Schweinefleisch (oder etwas Unkoscheres) zu essen. 

Eine Frau darf nach der Geburt essen, was sie will, um wieder zu Kräften zu kommen. Ob dies jedoch unkoscheres Essen mit einschliesst, entzieht sich meiner Kenntnis. Wobei man sicher davon ausgehen muss, ob die Frau in einer jüdischen oder in einer vollkommen nicht – jüdischen Umgebung gebar. Im Falle einer jüdischen Umgebung wird normalerweise davon ausgegangen, dass koscheres Essen vorhanden ist.
Es gibt unzählige Berichte, wie fromme Juden sich im Holocaust weigerten, unkoscheres Essen zu verzehren. Selbst unter Todesgefahr. Ob und in wie weit die Kaschrut (Speisevorschriften) in einem Fall wie dem Holocaust gebrochen werden dürfen, ist mir unklar. Wenn es ums Überleben geht, stellt sich die Frage, in wie weit ein Jude die Halachot brechen darf. Aber darüber sollte sich jeder mit einem Rabbiner auseinandersetzen, der sich in dem Thema auskennt. 

Kabbalistisch betrachtet wirkt sich das Essen, welches ein Jude zu sich nimmt, auf dessen Seele (Neschama) aus. Ißt er nicht koscher, so hat dies einen negative Einfluss, tut er das Gegenteil, hat es den gegensätzlichen Effekt.

Kommentare:

  1. Das stimmt so nicht ganz. Die drei Dinge für die man Selbstmord begehen darf sind: Awoda Sara (Götzendienst), Schfichat Damim (Mord) und Giluj Arajot (verbotene Ehe).

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  2. B"H

    Stimmt. Das mit dem Goetzendienst hatte ich uebersehen.

    Allerdings bedeutet GILUI ARAYOT = sexuelle Perversion und man muss keine Ehe eingehen. :-)

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