Mittwoch, Oktober 24, 2007

Gedenken an Rachel, Sarah und Rabin

B"H

Seitdem ich meinen "Abendjob" in der Bäckerei aufgab und mich nun tagsüber anderen Dingen zuwende, kann ich endlich meine Abendstunden besser gestalten. Sonntag begann ich einen neuen Kurs, in welchem die Schriften und Philosophien des Rambam (Maimonides) gelehrt werden. Von einer Freundin wurde ich in diesen recht anspruchsvollen Kurs geschleift, der von einem nationalreligiösen Rabbiner unterrichtet wird. Mir gefallen diese Art Shiurim, bei denen man mitdenken muß, was die anwesenden Zuhörer sowie der Rabbiner auch taten. Und da wir nur ein kleinerer Kurs von ca. 12 Leuten sind, ist jeder Teilnehmer zur Mitgestaltung aufgefordert.

Der Rabbiner begrüßte mich mit den Worten: "Willkommen an Bord" und nun soll ich statt einmal gleich zweimal pro Woche zu einem Zusatzkurs erscheinen, denn die anderen Teilnehmer meinten, daß ich mir am Anfang ja nichts entgehen lassen solle. Und somit bin ich dann auch heute Abend beschäftigt. Sonntags und Mittwochs geht also alles um den Rambam und sein manchmal für meine Begriffe allzu rationales Denken.

Dienstags gehe ich zu einem anderen Shiur (Unterricht) mit einem anderen Thema. Die Propheten, wobei wir uns gerade im 7. Kapital vom "Buch Micha" befinden. Der Rabbi ist anders, die Teilnehmer sind anders, aber Abwechselung tut immer gut.

Und bei dem gestrigen Shiur war es dann auch als der Rabbi verkündete, daß seine Frau samt Töchter gerade erst vom Kever Rachel, dem Grabe unserer Vormutter Rachel, zurückgekommen seien.
Rachel, neben ihrer Schwester Lea, die Frau Yaakovs, hat ausgerechnet heute, am Todestag von Yitzchak Rabin, Jahrzeit (Todestag). Seit Tagen wird Kever Rachel, welches sich außerhalb des paläst. Autonomiegebietes vor der Stadt Bethlehem befindet, Hochkonjunktur.

Aufgrund der heutigen Jahrzeit (Todestag) Rachels rollen täglich seit Tagen viele Tausende relig. Juden an und beten in dem Gebäude, in welchem sich das Grab befindet. Vom Jerusalemer Zentralen Busbahnhof rollt die mit schußsicheren Fenstern versehene Buslinie 163 im Zwanzigminutentakt. Die Busfahrt dauert nicht allzu lange, denn Rachels Grab und Bethlehem liegen mehr oder weniger außerhalb Jerusalems. Die Derech Hebron Street hinunter und schon ist man fast dort. Ein Checkpoint der israel. Armee wird nicht passiert, sondern diese Prozedur erfolgt erst nach Kever Rachel, vor der Direkteinfahrt nach Bethlehem (wir Israelis haben eh keinen Zutritt in die Autonomiegebiete).

Eine andere Bekannte berichtete, daß sie auch gestern bei Kever Rachel gewesen sei. Lange habe sie sich vor dem Gebäude erst anstellen müssen, denn wegen des großen Andrangs herrschte Chaos. Eigens wurde ein Eingang und ein gegenüberliegender Ausgang eingerichtet. Man wird halt so von der Menschenmenge durchgeschoben, meinte meine Bekannte. Aber es sei doch sehr ergreifend gewesen und ich solle auch hinfahren.
Ich glaube kaum, daß ich mich irgendwo einfach so durchschieben lassen will und entscheide mich später, denn in der kommenden Woche folgt schon das nächste Event.


Originalblick auf Rachels Grab


Aus Sicherheitsgründen von der israel. Armee eingezäunt. Aktueller Blick auf Rachels Grab


Am Shabbat in einer Woche lesen wir in der Thoraparasha "Chaye Sarah" vom Tode Sarahs, der Frau Avrahams. Und Sarah ist zusammen mit Avraham und den Nachkommen in der Ma'arat HaMachpelah (Gräber von Adam und Eva, Avraham und Sarah, Yitzchak und Rebekka sowie von Yaakov und Lea) in Hebron begraben. Deshalb wird der Shabbat in der nächsten Woche in der Stadt Hebron ganz groß gefeiert werden. Tausende von Menschen verbringen den Shabbat dort und es wird garantiert ein unvergeßliches Erlebnis.


Die Ma'arat HaMachpelah in Hebron


Die Ma'arat HaMachpelah wurde innerhalb der letzten Jahre zum Grund für einen Dauerkonflikt zwischen Juden und Moslems. Juden sehen alle ihre Vorväter dort begraben, denn Avraham hatte die "Höhle", über der sich nun ein riesiges Gebäude befindet, eigens von Ephron gekauft. Es steht außer Frage, daß die Machpelah für Juden von hoher Bedeutung ist.

Doch auch die Moslems sehen Avraham, der bei ihnen Ibrahim heißt, als einen Vorvater. Avraham war nämlich auch der Vater von Ishmael (dessen Mutter Hagar und nicht Sarah war). Von daher sehen Moslems es ebenso als ihr Recht an, in der Machpelah beten zu dürfen. In Frage gestellt wird jedoch, ob die heutigen Moslems wirklich mit den damaligen Ishmaeliten identisch sind.

Seitdem der jüd. Fanatiker Baruch Goldstein im Jahre 1994 in der Machpelah auf betende Moslems schoß und viele von ihnen tötete oder verletzte, entbrannte ein wilder Streit um die Ma'arah. Wem gehört sie ?

Aber Baruch Goldstein ist nicht der Grund dafür, daß die Ma'arat HaMachpelah für uns Juden nur an bestimmten Tagen im Jahr zugänglich ist. Nein, alles wurde durch die Teilung Hebrons zum Politikum.

Erwähnt sei noch, daß die Ma'arat HaMachpelah zugänglich ist, aber da sie aus mehreren Hallen besteht, sind nicht immer alle Hallen geöffnet. Manchmal ist die Halle des Avraham nur für Moslems und dann wieder für Juden. Oder die Halle des Yitzchak ist gesperrt.

In talmudischer sowie kabbalistischer Literatur ist die Ma'arat HaMachpelah der Eingang zum Paradies (Gan Eden) und somit ebenso ein Mystikum.

Ich kann es nicht bestätigen, doch hörte ich, daß Christen kaum oder gar keinen Zutritt haben. Einer der Rechtfertigungen mag sein, daß Avraham der Vorvater von Juden und Moslems war und die Christen mit ihm selbst nichts zu tun haben.

Mehr Details zu Kever Rachel und der Ma'arat HaMachpelah in Hebron:

http://www.nahalat-hevron.org/francais/rachel.htm

http://machpela.com/english/

http://www.hebron.com/english/article.php?id=282

http://www.yarzheit.com/heavensregister/chevron.htm

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