Donnerstag, August 30, 2007

Parashat Ki Tavo

B"H

Die Thoralesung fuer diesen Shabbat

Parashat Ki Tavo ist ein regelrechtes Up and Down der Gegensaetze. G - d gibt uns die Mitzwot (Gesetze), aber gleichzeitig erinnert er uns immer wieder daran, was passiert, wenn wir Seine Thoragesetze einhalten und was, wenn wir dies nicht tun.

Dass, was mir bei der ganzen Parashat ins Auge fiel, war der Satz "An diesem Tag traegt euch euer G - tt auf, Seine Gesetze und Erlaesse einzuhalten, und dieses sollt ihr aus ganzem Herzen und aus ganzer Seele tun".
Kann sein, dass meine Uebersetzung ins Deutsche etwas holprig klingt, aber ich habe den Satz woertlich aus dem Hebraeischen uebersetzt und nichts verschnoerkelt ausgedrueckt und somit den Inhalt verfaelscht.

An dieser Stelle steht in der hebr. Originalfassung nicht G - tt, sondern es werden zwei Seiner Namen genannt, die ich hier veraendere, da ich nicht weiss, ob einige Leser sich die Parasha vielleicht ausdrucken und danach eventuell in den Muell werfen koennten. Wo immer G - ttes Namen richtig ausgedruckt stehen, muss das Papier in eine Geniza gegeben werden und darf nicht in einem normalen Muelleimer landen und aus dem Grund druecke ich die Namen etwas anders aus. Die Namen G - ttes lauten an dieser Stelle "HaShem Elokeicha". HaShem steht immer fuer einen Guetigen Vergebenden G - tt und Elokim steht fuer einen Richtenden G - tt.

Aber was genau bedeutet das "HaYom HaZeh - an diesem Tag" ? Anscheinend war ich nicht die einzige, die diese Bedeutung naeher erklaert haben wollte, denn viele Kommentatoren wie der Ohr HaChaim, der Baal Shem Tov, der Sefat Emet sowie Rabbeinu Bachya, geben genaue Auskunft. Oberflaechlich betrachtet entsteht der Eindruck, dass G - tt dies zu den Juden in jenem Augenblick sagt. An diesem Tag halt. Die wahre Bedeutung aber sehen unsere Kommentatoren ganz woanders.
Wieso nur an diesem Tag, der ja schon ewig zurueckliegen mag. Vielmehr bedeutet "HaYom Hazeh", dass wir jeden Tag die Gesetze einhalten sollen. Jeder Tag ist ein neuer "HaYom Hazeh". Sobald wir morgens aufwachen, besteht unsere erste Mitzwa darin, G - tt dafuer zu danken, dass wir das Licht eines neuen Tages erblicken (Rabbi Simcha Bunim von Peshis'cha). Nicht morgen sollen wir die Mitzwot erfuellen, sondern gleich heute (Rashi). Jeden Tag neu sollen wir die Mitzwot mit gleicher Freude erfuellen. Und das aus ganzem Herzen und mit ganzer Seele.

Im Judentum unterscheiden wir zwischen Dieser Welt (Olam HaZeh) und der Kommenden Welt (Olam HaBah). Diverse Talmudkommentatoren und die Gemara im Talmud Traktat Sanhedrin sind sich uneins darueber, was genau die Kommende Welt denn eigentlich ist. Ist es die Welt nach dem Tode, indem nur noch unsere Seele (Neshama) unendlich lang weiterlebt und zu ihrem eigentlichen Ursprung, naemlich G - tt, zurueckkehrt. Oder ist es die Welt nach der Ankunft des Meschiach ? Wie dem auch sei, eines ist sicher: In der Kommenden Welt werden wir nicht mehr in der Lage sein, die Mitzwot zu erfuellen, denn dies kann nur in Dieser Welt, in unserer materiellen Welt, geschehen.

Anhand der Erfuellung von G - ttes Gesetzen kommen wir Ihm naeher und erhalten dadurch einen dementsprechenden Platz in der Kommenden Welt. Sobald wir jedoch sterben, koennen wir nichts mehr aendern und fuer eine Reue, nicht mehr Mitzwot eingehalten zu haben, ist es zu spaet. Deshalb muessen wir uns immer darauf besinnen, dass wir die Mitzwot taeglich tun und taeglich neu von G - tt aufgetragen bekommen, da die Thora uns fuer alle Ewigkeiten gegeben wurde und gueltig ist (Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye, einer der beruehmtesten Schueler des Baal Shem Tov). Des weiteren verbindet uns die Erfuellung der Mitzwot mit unserer Ursprungsquelle - G - tt (Sefat Emet).

Die erste Mitzwa dieser Parasha lautet BIKKURIM. Die ersten Fruechte sollen wir nach Jerusalem zum Tempel tragen, wo sie uns ein Cohen (Tempelpriester) abnimmt. Hierbei handelt es sich nur um die schoensten Fruechte und diese Mitzwa wurden zu Tempelzeiten von den Leuten mit grosser Freude ausgefuehrt. Auf dem Wege nach Jerusalem und in der Stadt selbst gab es grosse Feiern zu Zeiten der Bikkurim (in den Sommermonaten).

Der Talmud Traktat Menachot 84b sowie Rashi lehren, dass es sich bei den Bikkurim nur um die "Sheva Minim - die sieben Fruechte Israels" handelt. Nur Weizen, Gerste, Oliven, Granataepfel, Weintrauben, Feigen und Datteln sollten zum Tempel getragen werden. Diese Getreidesorten bzw. Fruechte besitzen bis heute einen speziellen Status in unseren Gebeten, vor allem nach dem Essen. Nach dem Essen von Getreide wird ganz normal das Birkat HaMazon oder Al HaMichya gesagt. Aber auch nach dem Essen der Oliven, Weintrauben, der Feigen, Granataepfel und Datteln wird der spezielle Segen der Sheva Minim - Al HaEtz ve Al PriHaEtz - gesagt.

Erneut machte G - tt deutlich, dass wir fuer Ihn das Auserwaehlte Volk sind, welches sich an Seine Mitzwot halten muss, um ein hohes moralisches Verhalten zu zeigen und dadurch den anderen Voelkern als Beispiel dienen kann. Obwohl Rabbi Yaakov Yosef von Polonnoye seine Gedanken nur auf den Zaddik (Gerechten) bezieht, trifft es auf uns alle zu, dass wir durch die Einhaltung der Mitzwot immer hoehere Level erreichen koennen.

Eines jedoch bleibt auf alle Zeiten in G - ttes Hand und Er entscheidet darueber allein, wie uns die Midrash Rabbah lehrt:

1. Die Wiederauferstehung der Toten.

2. Ob, wann und wieviel es regnet.

3. Ob eine Frau in der Lage ist, Kinder zu gebaeren oder nicht. Trotz kuenstlicher Befruchtungen in der heutigen Zeit, ist nicht immer garantiert, dass eine Frau auch danach Kinder bekommen wird.

Vielleicht ist es gar keine schlechte Idee, sich einmal bewusst zu machen, von was wir Menschen eigentlich alles abhaengig sind. Normalerweise betrachten wir den Regen, unser Essen und alles andere als ganz selbstverstaendlich. Nur dann, wenn es einmal nicht vorhanden sein sollte oder wir krank werden, wird uns ploetzlich klar, wie sehr wir davon abhaengen und wie wenig wir bisher alles anerkannt haben als es noch da war.

Shabbat Shalom

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