Donnerstag, Mai 07, 2009

Parashat Emor

Das Mischkan (Tabernakel) in der Wüste

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Und abermals erhalten wir in dieser Parasha mehrere Mitzwot (Gebote) auf einmal. Gleich zu Beginn wird den Cohanim (Tempelpriestern) aufgetragen, keine Leichen zu berühren, um nicht unrein (tameh) zu werden.

Zuerst macht G - tt mit der Gabe der Thora an das jüdische Volk klar, dass Er zwischen Juden und Nichtjuden unterscheidet. Beide haben bestimmte Aufgaben im Leben und die der Juden ist es, nach der Thora zu leben. Rabbi Samson Raphael Hirsch kommentiert, dass wer ein "heiliges" Leben führt und sich nach der Thora richtet, somit seine ganze Existenz positiv beeinflusst.

In Parashat Emor jedoch macht G - tt einen weiteren Unterschied. Nämlich den zwischen den regulären Juden und dem der Cohanim (Tempelpriestern) und Nachkommen Aharons. Diese unterscheiden sich von den regulären Juden insofern als das sie zusätzliche Gesetze bekommen. Sowohl für den Tempeldienst als auch für das Privatleben. Cohanim sollen ein Vorbild für andere Juden sein und G - tt sieht sie für sich selbst als heilig (kadosch) an. Die Nachfahren Aharons, die Cohanim, sind heilig für G - tt. Dies bedeutet nicht, dass wir, die nicht dazugehören nun alle neidisch sein müssen. Jeder einzelne von uns hat seine individuelle bestimmte Aufgabe im Leben und die Cohanim haben die ihre.

G - tt sah durch die speziellen Gesetze für die Cohanim vor, dass deren Gedanken stets bei G - tt sein sollen und sie sich deswegen von jeglicher Unreinheit (tumah) fernhalten. Das höchste Lebensideal sozusagen (Rabbi Samson Raphael Hirsch). G - tt proklamierte Seinen Willen, welcher das Zentrum des Judentums darstellt. Zum ersten Male geschah dies am Berg Sinai, an welchem Er uns die Thora gab, die wiederum Seinen Willen ausdrückt. Nur durch die Thora wissen wir eigentlich erst, was genau G - tt von uns will.

Was mich immer am Inhalt dieser Parasha störte war die Mitzwa (Gebot), dass Cohanim mit bestimmten körperlichen Defekten keine Opferungen bringen dürfen. Ich betrachtete das immer als etwas rassistisch, suchte aber nie richtig nach dem Sinn dieses Gebotes und vergaß die Angelegenheit jedesmal wieder. Bis zu einem Schabbatessen bei Rabbi Mordechai Machlis, bei dem jener plötzlich auf das Thema zu sprechen kam und genau meine Gedanken vortrug. Er, der Rabbi, selbst hätte genauso Probleme den Sinn darin zu verstehen. Er erzählte, dass er diesbezüglich einen Freund befragte, der ihm folgende Antwort gab:



"Vielleicht ist das Gelände um das Allerheiligste (Kodesh HaKedoshim) und den sich davor befindenden Opferplatz Teil einer höheren Welt, in der die
vollkommene Perfektion herrscht und nichts Imperfektes erlaubt ist".

Diese Antwort gab mir sehr zu denken und bis heute halte ich sie für eine sehr befriedigende Erklärung.

Aber nicht nur die Cohanim bekamen neue Mitzwot, sondern auch wir. Die Einhaltung des Schabbats wird erneut erwähnt. Außerdem die Zählung des Omer (Sefirat HaOmer), in der wird uns gerade befinden. Danach folgen Rosh HaShana (jüd. Neujahrsfest), Yom Kippur, Sukkot (das Laubhüttenfest) und Shemini Atzeret, bei denen es sich um meine bevorzugten Feiertage handelt. An Rosh HaShana sowie Yom Kippur verbringe ich die meiste Zeit in der Synagoge. Vielleicht an Rosh HaShana etwas weniger, denn Essen ist ja erlaubt und erwünscht.

Rosh HaShana wird in der Thora nicht bei diesem Namen genannt, sondern der Tag gilt als "Yom HaTeruah - ein Tag an dem der Sound eines Hornes zu vernehmen ist". Leider spiegeln weder die deutsche noch die englische Übersetzung die eigentliche Bedeutung des Hebräischen wieder. Für viele mag Rosh HaShana als jüdischer Feiertag gelten, was allerdings nicht richtig ist. An Rosh HaShana werden nicht nur Juden von G - tt gerichtet, sondern die ganze Welt. Wie wird die Zukunft der Welt und der unserigen für das neue Jahr aussehen ? Werden wir Erfolg haben, Krisen erleiden, G - tt behüte krank werden etc. Alles, was uns im neuen Jahr erwartet, wird an Rosh HaShana entschieden. Einen Unterschied besteht dennoch: Die Welt wird an den zwei Tagen des Festes gerichtet und bei Juden wird das endgültige G - ttesurteil am Yom Kippur gefällt (Gemara im Talmud Traktat Rosh HaShana 16a). Einige chassidische Kommentatoren sagen, dass Juden sogar bis Chanukkah Zeit haben, Teshuva zu begehen (zu G - tt umkehren).

Wer sich also gut auf Rosh HaShana vorbereiten will, der sollte seine guten und schlechten Taten im derzeitigen Jahr überdenken und sich vornehmen, dieses oder jenes vielleicht anders handzuhaben. Sephardische Juden beginnen mit den traditionellen Selichot - Gebeten schon am Rosh Chodesh (Monatsbeginn) Elul und ashkenazische Juden beten Selichot am Schabbatausgang vor Rosh HaShana. Selichot sind vorgeschriebene Gebete, die einen zur Umkehr bewegen sollen und gleichzeitig gestehen wir ein, dass wir gesündigt haben. Das bekannteste Gebet darin ist wohl "Avinu Malkeinu".

Der Monat Elul, vor dem 1. Tishrei (Rosh HaShana) ist dafür berühmt, dass G - tt für alle ein offenes Ohr hat, welche ihre schlechten Taten ernsthaft bereuen. Besonders die Chassidut Chabad pflegt hier das Konzept "The King is in the Fields" - Der König ist im Feld, heißt, zu der Zeit ist G - tt näher bei uns als zu anderen Zeitpunkten im Jahr. Die Klagemauer (Kotel) ist im Elul zu jeder Tageszeit voll Leute. Anmerkung: Elul beginnt meistens im August und Tishrei im September.

Fast am Schluss der Parasha wird uns kurz von einem seltsamen Ereignis berichtet. Der Sohn einer israelitischen Mutter und eines ägyptischen Vaters kommt in das israelitische Lager in der Wüste. Nachdem der Sohn, dessen Namen nie genannt wird, G - tt verfluchte, brachten ihn die Israeliten zu Moshe, damit dieser über ihn richte.
Verfluchen bedeutet an dieser Stelle, dass der Sohn einen ganz bestimmten Namen G - ttes aussprach, was halachisch verboten war. Dieser spezielle Name, welchen die Kabbalah beschreibt, hat die Macht, die untere (unsere) Welt mit den oberen spirituellen Welten zu verbinden.

Zu dem Zeitpunkt nennt die Thora plötzlich den Namen der Mutter, welcher "Schlomit Bat Dibri" lautet. G - tt befiehlt Moshe den Sohn zu steinigen und gleichzeitig soll jeder, der in der Zukunft G - tt verflucht, gesteinigt werden.

Im vorherigen Paragraph war noch vom Schabbat die Rede und aus heiterem Himmel wird das Thema gewechselt. Wie wir aber wissen, steht nichts Überflüssiges oder Bedeutungsloses in der Thora und alles Erwähnte will uns etwas sagen bzw. lehren. Der Rokeach und der Arizal (Rabbi Yitzchak Luria) sehen zwischen dem zuvor erwähnten Schabbat und den darauffolgenden Flüchen des Sohnes den Zusammenhang, dass sich das Ereignis am Schabbat selbst zutrug.

Doch woher kam dieser Sohn genau ?
Erinnern wir uns zurück an die Parashat Schemot (Exodus), in der Moshe einen Ägypter tötete. Die Mehrheit der Thorakommentatoren (u.a. Rabbi Yitzchak Luria in "Shaar HaPesukim") sind sich einig, dass dieser Ägypter der Vater des Sohnes war und damals ein Verhältnis mit Schlomit Bat Dibri führte. Diese betrug ihren israelitischen Ehemann, der sie nach der Entdeckung des Verhältnisses verließ. Doch Schlomit war schwanger vom Ägypter und bekam einen Sohn, welcher der Halacha (jüd. Gesetz) nach Jude war, da er eine jüdische Mutter hatte. Gleichzeitig aber betrachten die Midrasch Rabbah, Yalkut Reuveni und der Ramban ihn jedoch als "Mamzer". Mamzer deshalb, weil seine israelitische Mutter ein außereheliches Verhältnis eingegangen war. Die Mischna (mündliche Überlieferung von G – tt an Moshe am Berg Sinai) im Talmud Traktat Yevamot 49a legt fest, was ein Mamzer ist. Jemand der aus einem in der Thora verbotenen Verhältnis abstammt.
Ramban und Rabbeinu Bachya kommentieren, dass der Sohn überraschend im Lager der Israeliten auftauchte. Raschi fährt fort, dass er sein Zelt im Lager des Stammes Dan aufschlug und die Mitglieder des Stammes Dan ihm sagten, dass er nicht zu ihnen gehöre.
Die Mitgliedschaft eines Stammes richtet sich nach dem Stamm des Vaters und somit hatte der Sohn Schlomits keine Mitgliedschaft in irgendeinem der Stämme, was er wußte. Dennoch meinte er, sein Zelt bei Dan aufschlagen zu können, da seine Mutter vom Stamm Dan kam. Als das alles fehlschlug, begann er G - tt zu verfluchen. Des weiteren mißt Raschi dem Namen der Schlomit wichtige Bedeutung bei. Bat Dibri heißt, dass sie gerne viel redete. Sie achtete nicht unbedingt auf Anstand, sondern redete die Männer gleich obszön an. Rabbi Moshe Alshich sieht den Vorfall mit dem Sohn als den einzigen Fall überhaupt, indem eine israelitische Frau ein Verhältnis mit einem ägyptischen Mann eingegangen war, da in der hebräischen Grammatik in der Einzahl gesprochen wird (in der Thora). Ansonsten hätte sich niemand mit dem Feind eingelassen.

Um nochmals auf Rosh HaShana zurückzukommen: Ein Tag des Soundes.
Den Sound lassen wir aus dem Schofar erklingen, welches laut dem Shulchan Aruch - Orach Chaim § 586 und dem TUR ein Widderhorn sein sollte. Außerdem leiten wir diese Tatsache von der Opferung des Yitzchak durch seinen Vater Avraham ab. Der Sound des Schofar, welches während des Rosh HaShana Synagogendienstes zweimal geblasen wird (in der Shemona Esrei) sowie im Mussaf, soll uns zur Teshuva (Umkehr) bewegen und gleichzeitig bei G - tt Gnade erwecken. Manchmal allerdings geschieht es doch, dass jemand von G - tt für das kommende Jahr negativ gerichtet wurde. Für solch einen Fall gibt die Gemara in Rosh HaShana 16b vier Lösungen: Derjenige sollte viel Zedakah (Spenden) geben, seinen Namen ändern, beten oder seine Taten ändern.

Was aber, wenn ich mich bessere, aber G - tt Seinerseits meine Reue nur am Rosh HaShana anerkennt ?

Jeder kann sich täglich ändern und muß nicht erst bis zu den hohen Feiertagen warten. Hierzu die berühmte Aussage des Rabbi Nachman von Breslov, dass jeder Mensch täglich eine neue Chance hat alles zum Guten zu wenden.

Schabbat Schalom

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