Donnerstag, Februar 11, 2010

Parashat Mishpatim / Shekalim - פרשת משפטים / שקלים



Nicht den Kopf verstecken, sondern hinausziehen und eine positive Einstellung zeigen. Dies ist die Message, die uns der in der kommenden Woche beginnende Monat Adar vermitteln will !

B"H


Die Thoralesung für diesen Schabbat


Dieser Schabbat ist nicht "nur" ein regulärer Schabbat, sondern zugleich "Schabbat Schekalim" und zusätzlich segnen wir morgens in den Synagogen den neuen Monat Adar.
Der Schabbat Schekalim leitet die vier speziellen Schabbatot vor dem Purim - Fest ein und wird entweder am letzten Schabbat des Monat Schevat oder gleich mit Beginn des Adar gefeiert.

In der vorherigen Parashat Yitro erhielten die Juden von G - tt die Zehn Gebote und in der dieswöchigen Parasha folgen weitere neue Zivilgesetze. Der Ramban sagt, dass diese neuen Gesetze ein Zusatz zu den Zehn Geboten sind.
Ein antiker Schekel




Im Judentum gibt es keine Trennung von religiösen, privaten und geschäftlichen Belangen. Thora und Halacha regeln sogar wie ich mich im Beruf bzw. auf Geschäftsebene zu verhalten habe. Beispiel: "Ich bin kein religiöser Mensch, wenn ich als Kaufmann meine Kundschaft betrüge".


Parashat Mischpatim beginnt mit dem Gesetz für Sklaven.
Ein Sklave arbeitet sechs Jahre und wird im siebten Jahr freigelassen.
Nun könne wir die Thora etwas oberflächlicher (Pschat) lernen, wo die Erklärung dazu lautet, dass G - tt in sechs Tagen die Welt erschuf und am siebten Tag ruhte. Gehen wir dagegen tiefer in die Materie, so lehren uns die Kabbalah (Zohar) und die Chassidut (Beer Moshe und Degel Machane Ephraim) von Reinkarnationen. Laut dem "Buch Zohar" stehen diese sechs Jahre für sechs Reinkarnationen, welche die Seele durchmacht, um zu ihrer ursprünglichen Perfektion zurückzukehren. Heißt, zu der Zeit als sie von G - tt erschaffen wurde.
Sobald ein Jude sündigt, beschädigt er seine Seele und diese kommt nach dem Tod vor G - ttes Gericht. Eine der Strafen kann sein, dass die Seele als Reinkarnation wieder zurück in unsere Welt kommt. Der Mensch muss sein gesamtes Leben daran arbeiten, seine Seele zu perfektionieren (Beer Moshe). Dies sind etwas tiefgehendere Erklärungen der sechs Jahre Sklavenarbeit und der Freilassung im siebten Jahr.


Ein weltweit viel zitierter Satz aus Parashat Mishpatim ist: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." In der Presse lesen wir den Satz häufig in Verbindung mit der israelischen Armee und den Palästinensern. Wer "Auge um Auge, Zahn um Zahn" als Rache interpretiert, der irrt gewaltig.
Vielmehr geht es um Schadenersatz. Wird jemandem ein Schaden zugefügt, bekommt er finanziellen Schadenausgleich. Im Talmud Traktat Bava Kamma 83b finden wir unzählige Beispiele dafür: Was ist der tatsächliche Schaden, wie stufen wir den erlittenen Schmerz ein, wie hoch ist der Verlust aufgrund von Arbeitsunfähigkeit etc.


"Auge um Auge, Zahn um Zahn" heißt also nicht, dass wer jemandem ein Auge ausgehackt wird, seines nun auch verliert. Aber was ist der Grund, dass dieser Satz so in der Thora steht ? Warum steht nicht einfach "Schadenersatz" dort ?
Weil vor G - tt im himmlischen Gericht wirklich so gerichtet wird und es keine finanziellen Regelungen gibt. G - ttes Gericht verläuft anders. Ferner lehrt Rabbi Samson Raphael Hirsch, dass "Auge um Auge, Zahn um Zahn" und Verantwortung im Leben lehren soll.

Kein Vergehen wird so häufig in der Thora erwähnt wie der Götzendienst. Das schlimmste Vergehen überhaupt. Wer andere Götter anbetet, der erkennt G - ttes Einzigartigkeit und Seine Erschaffung der Welt nicht an. Die Thora verbietet uns die Namen fremder Götter auch nur auszusprechen (Exodus 23:14). Der Talmud geht noch weiter und verbietet sogar die Erwähnung deren Feiertage.


Eines der Gesetze, welches mir persönlich sehr wichtig ist, ist das die Juden dreimal im Jahr (an Pessach, Shavuot und Sukkot - Laubhüttenfest) vor G - tt erscheinen sollen. Zu Zeiten der zwei Tempel kamen die Juden an diesen Feiertagen (Schalosh Regalim) nach Jerusalem in den Tempel um Opferungen darzubringen und zu feiern. An Sukkot taten das auch viele Nichtjuden.


In der kommenden Woche beginnt der jüdische Monat Adar. Somit fallen die Gebete in den Synagogen etwas länger aus. Am Schabbat vor Adar ist traditionell "Schabbat Schekalim". Somit wird die Thorarolle ausgewechselt und der Maftir wird aus Parashat Ki Tisa (Parashat Schekalim) (Exodus 30:11 - 16) gelesen.
Darin beauftragte G - tt Moshe eine Volkszählung unter den Israeliten in der Wüste durchzuführen. Jeder über 20 Jahre gab einen halben Schekel, nicht mehr und nicht weniger. Egal, ob arm oder reich. Dieses lehrt uns, dass jeder Mensch vor G - tt gleich ist.


Die Haftarah wird aus Könige II, 12:17 gelesen. Sephardische Juden beginnen sie bei 11:17.


Schabbat Schalom
____________________________________

Degel Machane Ephraim: Rabbi Moshe Chaim Ephraim, Enkel des Baal Shem Tov

Ramban: Rabbi Moshe ben Nachman (Nachmanides). 1194 - 1270, halachische Authorität. Seit 1267 lebte er in Israel und liess die jüdische Gemeinde von Jerusalem wieder aufleben.

Beer Moshe: Rabbi Moshe Elyakim Beriah
____________________________________

Kommentare:

  1. "Die Thora verbietet uns die Namen fremder Götter auch nur auszusprechen (Exodus 23:14). Der Talmud geht noch weiter und verbietet sogar die Erwähnung deren Feiertage."

    Ich bin mir unsicher, wo genau das steht, meine mich aber zu erinnern, dass ich im Kizzur las, dass man die Feiertage nennen darf, aber nur auf eine gewisse Art bzw. auf eine gewisse Art - nicht -, nämlich nicht so, wie es die Götzendiener tun.
    Dass deren Namen nicht ausgesprochen werden sollen, liest man ja an einigen Stellen. Aber die Namen dieser Götter wurden ja zumindest auch aufgeschrieben. Sprachen die Frommen Israels diese Namen wirklich - nie - aus, schrieben sie aber auf? Oder könnte dann die Regel greifen, derer ich mich im Kizzur vage erinnere?
    Ich würde es dann so sehen:
    die Menschen sind bisher nicht perfekt. Das macht es zur sittlichen Belehrung notwendig auch das Übel beim Namen zu nennen. Es ist keine Freude, sondern eine Notwendigkeit, die man am liebsten gar nicht kennen würde und die man, gemäß der Hoffnung, irgendwann nicht mehr kennen muss.

    AntwortenLöschen
  2. B"H

    Das mit der Vermeidung der Namen der Feiertage ist im Talmud Traktat Avodah Zarah (Goetzendienst) festgelegt. Dort bezieht sich das Verbot zwar "nur" auf die damaligen roemischen oder babylonischen Feiertage, doch insgesamt sind alle goetzendienerischen Feiertage gemeint. Deswegen wird der Feiertag im Dez. "XMAS" genannt bzw. ausgeschriben.
    Oder J. nur als J. oder Joschke.
    In besonders relig. Kreisen wird J. nur "HaIsch HaHu - Dieser Mann" genannt.

    Es ist keine Notwendigkeit und man die Namen sehr gut vermeiden. Ich sehe da praktisch kein Problem.

    AntwortenLöschen
  3. ...sehr interessant Miriam, Danke!

    AntwortenLöschen