Donnerstag, Juli 31, 2008

Die Frau als "Namensuntertan"

B"H

Israels aschkenasischer Oberrabbiner Jonah Metzger regt sich über den "Namensfeminismus" der israelischen Frauen auf. So gebe es in den letzten Jahren immer mehr Frauen, die nach der Hochzeit ihrem Geburtsnamen den Familiennamen des Gatten hinzufügen. Doppelte Familiennamen haben Hochkunjunktur und Rabbi Metzger sieht hier die optimale Ehe als unvollkommen. Frau solle nur den Familiennamen des Mannes tragen, denn erst so wäre eine jüdische Ehe perfekt.

Der Vorschlag an sich hat nicht besonders viel Negatives, doch die Bemerkung, dass eine Ehe nur dann perfekt sei, wenn die Frau den Familiennamen des Mannes trägt, ist recht primitiv. Primitiv zu unserer Zeit, denn was viele Rabbiner immer wieder gerne vergessen ist, dass Frauen zu biblischen und talmudischen Zeiten bis hin ins Mittelalter fast führende Positionen im Judentum einnahmen. Mehrere Male schon berichtete ich darüber: So beteten Avraham und Sarah sowohl als auch Yitzchak und Rivka (Rebekka) noch zusammen in einem Raum. Zu talmudischer Zeit gab Beruriah gab ihrem Gatten Rabbi Me'ir wichtige Ratschläge, die der Talmud nicht verbirgt. Die Prophetin Deborah (Dvorah) saß unter einer Palme und richtete. Die Töchter Raschis lernten Talmud, unterwiesen die Juden (ebenso Männer) in Halacha und schrieben mit höchster Wahrscheinlichkeit den Raschi - Kommentar zum Talmud Traktat Nedarim. Kurz gesagt, die Frau wurde als spiritueller Partner des Mannes gesehen, was sich im Laufe des 17. Jahrhunderts zu ändern schien.

Genau diese Auflistung gab ich vor wenigem Tagen einem Chassid und er gab offen zu, dass ich recht habe.

"Dann sag das mal deinen chassidischen Kollegen", meinte ich grinsend.

"Oh, nein, gab er zurück, die sagen dann, ich soll ein Bad in einer kalten Mikweh (Ritualbad) nehmen, um wieder zur Besinnung zu kommen".

Vielleicht sollte jemand Rabbi Metzger und allen anderen, die so denken wie er, ein Bad in einer kühlen Mikweh vorschlagen.

Kommentare:

  1. Schoschana10:19 nachm.

    ja, manchmal denke ich, wenn's sonst nichts gibt, worüber man sich aufregen kann... mir scheint eigentlich, dass es genügend themen in der jüdischen welt gibt, wo man mahnend den zeigefinger erheben kann. aber beim doppelnamen? schlom bajs ist nicht zwangsläufig gefährdet, weil eine frau den namen ihres vaters behält.
    zumal die erscheinung, dass frauen den nachnamen des ehemannes tragen doch eine recht neuzeitliche erscheinung ist.

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  2. Eine Freundin erzählte mir mal, dass es unter orthodoxen Ashkenasim durchaus üblich sei, dass Frauen nach der Heirat ihren Mädchennamen behalten, während dies von Sephardim abgelehnt würde.

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  3. B"H

    Durchaus ueblich nicht gerade, aber andererseits auch wieder nicht unueblich. Zur Tagesordnung jedenfalls gehoert es noch nicht.:-)

    Bei den sephardischen Frauen wuerde ich sagen, dass es dabei auf beide Ehepartner ankommt. Wie weit ist eine Frau emanzipiert, wie weit bildungsmaessig besser drauf und wie emanzipiert ist der Gatte. Ganz zu allgemein wuerde ich es allerdings nicht ausdruecken.

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