Dienstag, Juli 29, 2008

Angst um den Ruf

B"H


Frage an alle:

Stellt Euch einmal vor, Ihr seid religiös geworden, lebt nun in einer gewissen Umgebung und habt Euch einen neuen entsprechenden Freundeskreis aufgebaut, der Euch wiederum nur als relig. Person kennt. Natürlich ist bekannt, dass Ihr in der relig. Gesellschaft relativ neu seid, doch was soll's; Ihr habt Euch halt entschlossen, einen neuen und wesentlich anderen Lebensabschnitt zu beginnen.

Dann aber geschieht es auf einmal, dass Ihr Besuch von "Außen" erhaltet. Was dann ? Sollt Ihr Euren Besuch, der sich da eventuell weigern mag, sich in Eurer Begleitung anständig anzuziehen, mit zum Rabbi nehmen ? Könnt Ihr Euch mit dem Besucher in einer haredischen (ultra – orthod.) Nachbarschaft blicken lassen ? Macht Euch das alles nichts aus oder ist es dagegen schon eher etwas unangenehm ?

Genau dieses Problem sieht heute eine Freundin von mir auf sich zukommen. Sie wurde mehr oder weniger relig. Heißt, sie ist noch dabei, was aber wiederum nicht bedeutet, dass sie ihr vorheriges säkuleres Leben einfach so abstreift. Ganz im Gegenteil, denn sie hält Freundschaften aus eben jener "alten Zeit" intensiv aufrecht.
Heute nun bekommt sie Besuch von einer säkuleren Freundin aus Haifa. Nun ist die Stadt Haifa nicht gerade für eine übermäßig relig. Einwohnerschaft bekannt. Das Gegenteil ist der Fall, obwohl es in der Stadt auch viele Vishnitzer Chassidim gibt. Von der Abspaltung Seret – Vishnitz wohlgemerkt.

Seit einer Woche versucht meine Freundin (nennen wir sie "A") ihre Freundin aus Haifa (nennen wir sie "B") telefonisch dazu überreden, sich ein paar anständige Klamotten mitzubringen. Wobei anständig im relig. Sinne schon wieder übertrieben klingt.

Rabbi Mordechai Machlis gibt jeden Dienstag einen Schiur (Vortrag) und da A der B aus Haifa schon soviel davon vorgeschwärmt hat und B heute eh in Jerusalem weilt, entschlossen sich beide, zusammen zum Schiur zu gehen. Ein Problem ist, dass sich B aus Haifa mit hautengen Jeans und T – Shirt bekleidet.
Problem Nr. 2 ist, dass die Beiden zwei haredische Stadtteile durchqueren müssen.

Meine Freundin A versuchte B zu Folgendem zu bewegen:
Sie soll sich wenigstens ein paar normale Jeans und ein ebenso normales Shirt anziehen. Bedeutet nicht hauteng und das Shirt mit Ärmeln, die mindestens bis zum Ellenbogen reichen. Kein hautenges Shirt ohne Ärmel und mit riesen Ausschnitt.

B weigerte sich am Telefon und wechselte das Thema. Sobald A jedoch auf das Thema zurückkam, zeigte B Uneinsichtigkeit. Es sei ihre Sache, was sie anziehe.

A hingegen ist es wichtig, denn sie bewegt sich viel in besagten zwei haredischen Stadtteilen und will nicht von anderen in solch einer Begleitung gesehen werden. Wobei sie dies der B nicht offen zugab, sondern als Grund eventuell Steineschmeissende Haredim angab. Eine Behauptung, die nicht ganz stimmt, aber naja.
Des Weiteren will A den Rabbiner nicht in eine mißliche Lage bringen, wenn er B begrüßt, aber dabei wegschauen muß, weil der Ausschnitt zu tief sitzt. Mit anderen Worten, der A ist das alles peinlich und sie ist, nach eigenen Worten froh, wenn der Schiur vorbei ist.

Obwohl zwischen A und B keine telefonische Einigung zustande kam, hoffe ich, dass die Beiden sich im Laufe des heutigen Tages irgendwie einigen, denn sonst gibt es Zoff und der Tag ist eventuell verdorben.

Okay, B kann sich anziehen, wie immer sie will und bei Rabbi Machlis wird jeder eingelassen. Dennoch verstehe ich wiederum nicht, wieso man sich so uneinsichtig zeigt. Zwei Stunden einmal eine reguläre Jeans sowie ein ebens solches T – Shirt anzuziehen. Bricht man sich dabei etwa einen Zacken aus der Krone ?
Oder geht es wieder nur einmal mehr ums Prinzip ?

Kommentare:

  1. Schoschana2:17 nachm.

    ich finde, man sollte andere nicht nötigen, sich anzuziehen wie man es sich vorstellt. soll die freundin doch ihre hosen anziehen! abgesehen davon, dass die umgebung doch relativ schnell mitbekommt, wo jemand "herkommt", hat man einfach kein recht, jemandem anderen die eigene kleiderordnung vorzuschreiben. man muss damit leben, dass man aus einem anderen leben kommt. eine andere variante wäre die, WIRKLICH konsequent zu sagen "wer mich besuchen will, muss sich so-und-so anziehen, ansonsten geht es nicht". das ist dann geradeaus und ehrlich. entweder der besucher kann das mitmachen oder nicht. aber am telefon herumzuquengeln... das ist kein guter stil.
    chuz mi'se: ich finde, chosrei b'tshuva sollten dazu stehen, dass sie chosrei b'tshuva sind. wollen sie alle ihre mütter, väter, geschwister und freunde im schrank verstecken, wenn die mal zu besuch kommen? wenn sie dazu stehen würden, würden auch die ffb's schneller damit zurechtkommen, einfach, weil sie damit konfrontiert werden. so ist doch nur alles unter den teppisch gekehrt und das führt früher oder später zu erheblichen komplikationen.

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  2. B"H

    @Schoschana

    Gute Antwort.
    Mir persoenlich waere es egal, wie jemand auftaucht und ich sage nie etwas. Nicht, weil ich oft selbst in Hose bin, sondern weil es mich nichts angeht.
    Vor einer Woche nahm ich eine Freudin mit zum gleichen Schiur; wir hatten denselben Weg wie im Text, und sie kam im "fast" Minirock und aermellosem Shirt. Niemand stoerte sich daran, doch sie selbst schon etwas. Sie sass dem Rabbi fast gegenueber und war staendig damit beschaeftigt, ihren hochrutschenden Rock weiter nach unten zu ziehen.:-)

    Auf der anderen Seite, wenn ich in das Haus eines fremden Rabbis oder durch die Mitte Mea Shearims gehe, wuerde ich vielleicht fuer zwei Stunden einmal etwas Anderes anziehen. Aber das muss jeder selber wissen.

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  3. Schoschana8:41 nachm.

    "Sie sass dem Rabbi fast gegenueber und war staendig damit beschaeftigt, ihren hochrutschenden Rock weiter nach unten zu ziehen.:-)"


    hihi! wetten, dass sie beim nächsten besuch etwas anderes anhat? das ist besser als 1000 worte vorher.

    übrigens fiel mir noch ein passendes sprichwort ein:
    "ist der ruf erst ruiniert, lebt es sich recht ungeniert!". da ist was dran. eigentlich ist das beste, die katze immer aus dem sack zu lassen. dann können die sich abwenden, die da nicht mitkönnen und die, die bleiben, sind dann echte bekannt- bzw. freundschaften.

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  4. Ich würde überhaupt nicht streiten und einfach nicht hingehen, wo man ihrer Meinung nach in "unzniusdiken" Kleidern nicht hingehen kann.

    Falls R. Machlis darauf Wert legt, dass man zu ihm nach Hause nur "Zniusdig" kommen darf, würde ich dies respektieren, schliesslich ist er der Hausherr. Falls nicht (wie sind eigentlich die ganzen Touristen angezogen, die dort am Shabbes kommen?), muss A nicht päpstlicher als der Papst sein.

    Ich finde, A sollte keine Angst davor haben, mit einer "unzniusdiken" Freundin auf der STrasse getroffen zu werden (auch wenn es die Strassen von Mea Shearim sind). Genau solche Situationen auszuhalten ist für die Bildung ihrer Persönlichkeit sehr wichtig.

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  5. B"H

    @schoschana

    Genau das habe ich mir auch gedacht und es sogar A gesagt: "Lass deine Freundin nur kommen wie sie will und sie wird sich dann eh unwohl fuehlen".
    Aber A ging es nicht darum, sondern um ihren Teshuva - erkaempften "Status", den sie wahren will.


    Die Aufloesung ist, dass A die B doch noch zum "Anstand" brachte.:-)
    B trug normale Jeans und ueber ihr aermelloses T - Shirt hatte A ihr eine graue duenne Jacke verpasst.


    @Shoshi

    Rabbi Machlis legt eben keinen Wert auf die Zniut. Jeder ist willkommen, genau wie bei Chabad. Einzig und allein A hat ein Problem damit. Ansonsten achtete heute abend beim Schiur niemand sonderlich auf B. Egal ob anstaendig oder unanstaendig angezogen.

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  6. Hi Miriam und Schoschana:
    hey.. schön euch gleich beide zu
    treffen :-). Hoffe es geht euch gut?

    hmm.. also ehrlich gesagt für mich
    klingt die sache ganz einfach:
    A soll sich so anziehen wie
    sie will und B soll sie
    dort hin nehmen wohin sie will.
    Und alle sind zu frieden :-).

    Wenn A wissen will wie B den shabbes verbringt oder wo sie sich
    gewöhlnlich so aufhält dann wird
    sie sich gerne etwas angemessenes
    anzeihen. Und wenn es B vor allem
    darauf ankommt A zu sehen, egeal
    wie sie sich anzieht, dann wird
    sie gerne auch mal andere orte
    als die streng religiösen besuchen.

    Ich hoffe es geht euch gut? Is schön mal wieder vorbeizuschaun.

    Jakobo

    PS @ Miriam: Du hast jetzt schon
    so oft über Rabi Machilis
    gesprochen ich glaube, wenn ich in
    Jerusalem bin ich würde bestimmt
    dort vorbeischaun und wahrscheinlich schon fast den eindruck haben dass ich schon mal da war. :-)

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  7. B"H

    @Jakob

    Ich antworte Dir morgen, denn ich gehe jetzt erst einmal ins Bett.:-)

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  8. Hi Miriam und Schoschana:
    hey.. schön euch gleich beide zu
    treffen :-). Hoffe es geht euch gut?

    hmm.. also ehrlich gesagt für mich
    klingt die sache ganz einfach:
    A soll sich so anziehen wie
    sie will und B soll sie
    dort hin nehmen wohin sie will.
    Und alle sind zu frieden :-).

    Wenn A wissen will wie B den shabbes verbringt oder wo sie sich
    gewöhlnlich so aufhält dann wird
    sie sich gerne etwas angemessenes
    anzeihen. Und wenn es B vor allem
    darauf ankommt A zu sehen, egeal
    wie sie sich anzieht, dann wird
    sie gerne auch mal andere orte
    als die streng religiösen besuchen.

    Ich hoffe es geht euch gut? Is schön mal wieder vorbeizuschaun.

    Jakobo

    PS @ Miriam: Du hast jetzt schon
    so oft über Rabi Machilis
    gesprochen ich glaube, wenn ich in
    Jerusalem bin ich würde bestimmt
    dort vorbeischaun und wahrscheinlich schon fast den eindruck haben dass ich schon mal da war. :-)

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  9. miriam, ich bin sowieso schon verwundert dass du schon so bald was geschrieben hast :-) Jakobo

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  10. B"H

    Hi Yaakov,

    ich bin wieder wach.
    Ja, in letzter Zeit habe ich viel zu tun und bin daher immer busy am PC. Eine groessere amerik. relig. Site will, dass ich fuer sie schreibe und da muss ich einiges vorbereiten.:-)

    Sonst geht es gut, ausser der vielen Arbeit. Sogar das Wetter ist, zu Freude aller, kuehler geworden.
    Bei Rabbi Machlis lohnt sich immer ein Besuch und er freut sich ueber jeden der kommt; ausser christl. Missionaren.:-))))

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