Mittwoch, Januar 06, 2010

Sollte ein Beit Din einer Mutter die Kinder wegnehmen ?

B"H

Heute nachmittag traf ich Sarah Einfeld (sie verliess die chassidische Gruppe Gur) und folgende Frage kam zwischen uns auf:

Kann ein Beit Din (rabbinisches Gericht) über das Recht verfügen, einer Mutter, welche die haredische (ultra - orthodoxe) Gesellschaft verläßt, die Kinder wegnehmen und sie dem Vater zusprechen ?

Anscheinend ist dieses Verfahren nichts Ungewöhnliches, denn ein Beit Din entscheidet zu Gunsten des Vaters, sobald die Mutter den Schabbat nicht mehr halachisch einhält.
Was, wenn der Gatte aber seine Frau misshandelte ? Erfolgt dann das gleiche Recht die Kinder zu bekommen ?

Ein Chassid sagte mir, dass er die Entscheidung, die Kinder in dem Falle dem Vater zuzusprechen, für gerechtfertigt hält. Wenn die Frau (Mutter) schon ihr spirituelles Leben zerstören will, dann soll sie die Kinder nicht noch mitziehen. Allerdings sollte ein Kompromiss gefunden werden wie: Innerhalb der Woche sind die Kinder bei der Mutter und am Schabbat beim Vater.

Hat jemand eine Meinung dazu ?

Kommentare:

  1. Anna Nym12:28 vorm.

    Wäre es für das Beit Din denn wirklich genug, wenn sie den Schabbat einhält, wenn sie z.B. die Kaschrut nicht mehr befolgt? Aber wer will das eigentlich kontrollieren? Steht in Israel jede Frau, die sich in einer solchen Situation befindet, unter einer Art Überwachung, und wenn ja, durch wen eigentlich? Das Beit Din wird ja wohl nicht für diesen Zweck Spione engagieren, bleibt also eigentlich nur Denunziation durch böswillige Nachbarn oder Verwandte.

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  2. Ich glaube an und für sich sieht das jüdische Gesetz so aus, dass Kinder ab einem gewissen Alter a priori sowieso dem Vater zugesprochen werden, der auch für sie zu sorgen hat (die Mutter hat an sich keine Unterhaltspflicht gegenüber den Kindern, laut jüdischem Gesetzt).

    Heute wird das sicher oft anders gehandhabt, und in vielen/den meisten Fällen werden die Kinder der Mutter zugesprochen.

    Wenn die Kinder aus religiösen Gründen dem Vater zugesprochen werden kann das gut gehen, es kann aber auch fatale Konsequenzen haben. In vielen Fällen kümmern sich die Väter selber wenig um die Kinder, schicken sie in Internate oder Pflegefamilien... Hauptsache die religiöse Ausrichtung stimmt.

    Ich kann mir vorstellen, dass dies vielen Müttern das Herz zerreisst, besonders wenn sie selber mit den Sitten und Gebräuchen ihrer Gemeinde nicht einverstanden sind.

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  3. Wie reglementiert denn der Stadt diese Sache?

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  4. B"H

    @ Anna Nym

    Israel, zum Beispiel, ist ein kleines Land und hier spricht sich alles sehr schnell herum. Somit weiss man auch, wer den Schabbat haelt und wer nicht. Nachbarn oder Bekannte quatschen fast immer. In vielen Faellen aber gibt es die Mutter selber zu und macht kein grosses Geheimnis aus ihrem neuen Leben.


    @ s5

    Soweit ich hoere, werden die Kinder heutzutage meistens der Mutter zugsrochen und der Vater zahlt Alimente. Tut er dies nicht oder nicht puenktlich, sieht das israelische Zivilrecht Bestrafung mit Knast vor. Und das wird rigoros gehandhabt.

    Im Talmud heisst es, dass der Vater fuer die Kinder (vor allem den Jungen) Thora lehren soll. Die relig. Erziehung also.

    Gerade Muetter, die den relig. Kreisen entfliehen und saekuler oder mehr modern - orthodox werden, haben eine riesen angst davor, die Kinder zu verlieren. Bei Sarah Einfeld war es, zum Beispiel, so, dass die Chassidut Gur sie bedrohte, ihr die Kinder zu entfuehren.


    @ Anonym

    Der Staat entscheidet nicht immer ueber das Sorgerecht und Ehescheidungen werden von einem Beit Din geregelt.

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  5. Die Mutter hat auch ihre Rechte. Sie könnte auch eine ordentliche Frau sein, sie ist nicht unbedingt der Monster in der Familie!

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  6. B"H

    Hallo Grete,

    nicht das beruehmte Monster, aber im Falle der Sarah Einfeld ist es so, dass ihre Familie seit ihrem Weggang aus der Gruppe vor fast zwei Jahren nicht mehr spricht, denn die Tochter verursachte somit eine gesellschaftliche Blamage. Was jetzt die Nachbarn reden und so ...

    Die Frau hat Rechte, doch schauen viele Rabbiner bei einer Ehescheidung ziemlich auf die Halachot.

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