Freitag, August 08, 2008

Trauer und Tempel




B"H

Der amerik. - israel. - litvische Rabbiner Pinchas Winston hielt gestern abend einen Vortrag zum Thema "Ge'ula (Zeit des Meschiach) und Tisha Be'Av".

Morgen abend nach Schabbatausklang beginnen die Juden in aller Welt um ihre zwei zerstörten Tempel zu trauern. Nicht nur um die Vergangenheit trauern, sondern ebenso aus den Fehlern der damaligen Generationen lernen und gleichzeitig auf den Dritten ewigen Tempel hoffend. Rabbi Pinchas Winston stellte folgende berechtigte Frage:

"Trauern tatsächlich auch ALLE Juden in der Diaspora um die zerstörten Tempel ?"

Einige Dinge sind vorweg zu beachten:
Nicht, dass wir hier um zwei zerstörte Gebäude trauern, sondern darum, dass G - ttes Schechinah (Gegenwart) sich zurückzog. Keineswegs völlig abwandte, wie es die christliche Kirche zu behaupten liebt, sondern vielmehr entfernte, und somit kaum noch für alle offensichtliche Wunder stattfinden. G - tt selber versprach Israel, den JUDEN, dass Er sie NIEMALS verlasse, selbst dann nicht, wenn sie sündigen. Sie sind und bleiben Sein Auserwähltes Volk. Demnach trauern wir also darum, dass G - tt seine Allgegenwärtigkeit etwas zurückzog, obwohl sie nach wie vor present ist; nur schwächer. Jedoch wird sich all dies wieder ins Gegenteil umschlagen, sobald der Meschiach eintrifft, welcher den Dritten Tempel bauen wird. Danach herrscht wieder ein König aus dem Geschlecht Davids und der Tempeldienst mit seinen Cohanim (Tempelpriestern) sowie den Opferungen wird wieder eingeführt werden. G - ttes Schechina kehrt zurück und alle Nationen glauben nur noch an den EINEN alles beherrschenden G - TT.

Insbesondere in Jerusalem werden Tausende Menschen an der Klagemauer (Kotel) erwartet. Viele von ihnen übernachten dort; sie bringen sich Decken mit und lesen die gesamte Nacht hinweg Kinot (spezielle Klagegebete zum Leiden des Jüdischen Volkes). Der Rebbe der Chassidut Slonim in Jerusalem, Rabbi Shmuel Bozorowsky, stellt die Frage, warum allgemein gesagt wird, dass der kommende Meschiach am Tisha Be'Av geboren wird. Antwort: An dem Tage nämlich bedauern die Juden am meisten, dass die Ge'ulah (Zeit des Meschiach) noch nicht gekommen ist.

Aber, wie bereits nachgefragt, erwarten auch die Diaspora - Juden den Meschiach ? Haben wir uns selbst in Israel nicht schon so an unseren Alltag gewöhnt, dass wir uns eine Zeit mit Meschiach gar nicht vorstellen können ? Wieso folgen die Juden in der Diaspora nicht dem biblischen Gebot in Israel zu leben ? Weil es ihnen im Ausland Tausendmal besser geht und sie von daher über ihre eigene Bequemlichkeit stolpern ? Erkennen sie nicht den Tikun (Seelenreparatur) welchem die Juden seit mehr als 2000 Jahren unterliegen ?

Tisha Be' Av ist allgemein der Tag, an dem die Spione aus Canaan zurückkehrten und den Israeliten unter Moshe mit ihren überflüssigen Kommentaren zum Lande Israel Angst machten. Als Strafe für das Jammern gab ihnen G - tt tatsächlich einen Tag zur Trauer, nämlich aufgrund der Tempelzerstörungen.
"Meraglim - Spione" so heißen die Ausgesandten auf Hebräisch. Wo aber in der Thora wurde uns viel früher von "Meraglim" in einem anderen Zusammenhang berichtet ?

Als die Brüder Yosefs nach Ägypten kamen, wurden sie von Yosef (dem Stellvertreter Pharaos) beschuldigt, Spione aus Canaan zu sein. Laut Kommentatoren gab Yosef hier einen Hinweis auf die nachfolgenden Generationen:
"Ihr, meine Brüder, habt mich verkauft und wenn Ihr dieses Vergehen nicht bereut und Eure Seele anhand eines Tikun repariert, dann werden in Zukunft andere Spione ein Desaster auslösen".

Das Desaster war die "Laschon HaRah - üble Nachrede" über das Land Israel. Die Konsequenzen tragen wir bis heute, denn die Tempel sind zerstört und wir warten auf Meschiach. Das Anliegen Yosefs war es, aufgrund all seiner Fragen die Brüder zum Nachdenken zu bewegen, damit sie ihn erkennen. Sie, die ihn verkauft hatten und Vater Yaakov etwas vorlogen. Die Brüder wiederum dachten ursprünglich, alles im Griff zu haben und gemäß G - ttes Auftrag zu handeln. Sie waren der Meinung, Yosef sei der Böse in der Familie wie schon zuvor Esav und Ishmael. In dem Moment, in dem sich Yosef ihnen zu erkennen gab, waren sie sprachlos, denn sie erkannten, dass sie ganz und gar nicht im Sinne G - ttes gehandelt hatten. Genau so wird es uns am "Tag des Gerichtes" nach der Ankunft des Meschiach ergehen. G - tt führt uns unsere Vergehen vor Augen und auch wir werden sehen, dass wir in denjenigen Situationen, in denen wir uns so sicher waren, in G - ttes Sinne zu handeln, genau das Gegenteil auslösten.

Um einen Tikun zum Kommen des Meschiach zu erreichen, ist es, unter anderem notwendig, dass Juden in Israel leben. Wobei ich hier hervorheben muß, dass es sich bei dem Meschiach um den RICHTIGEN handeln wird und nicht um jenen falschen J. C. !!!

Man kann mit mir übereinstimmen oder nicht, aber dennoch sollten sich alle Juden an diesem Tisha Be' Av einmal ernsthaft fragen, inwieweit sie den Meschiach eigentlich wirklich wollen und was sie für sein Kommen tun ?

Schabbat Schalom an alle Leser und allen, die es betrifft, wünsche ich ein leichtes Fasten (Zom Kal) !!!

1 Kommentar:

  1. Komme sehr gern zu Dir auf Deinen Blog in den "Süden". Möchte Dich zu einen Gegenbesuch in den "Norden" einladen. Weiterhin so gute Blogs. Ihr R. Thiele
    Dein Ticket in den "Norden" http://www.Fotowelt-Ralf-Thiele.de Es wäre schön Dich dort zu finden.
    Es wäre schön zu hören was deine Augen sagen.
    Einen lieben Gruß.
    Ralf

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