Samstag, Juli 14, 2007

Demos und neue chassidische Tische

B"H

Wie gewoehnlich waren meine Freundin und ich am gestrigen Freitag Abend wieder maechtig unterwegs. Aus der Altstadt kommend, machten wir uns auf den Weg in den Stadtteil Maalot Dafna zu Rabbi Mordechai Machlis. Dabei passieren wir die an Mea Shearim vorbeifuehrende Strasse Shivtei Israel.
Als wir dort ankamen, befanden wir uns inmitten einer neuen Demonstration. Schon Donnerstag Abend hatte es eine Demo am Kikar Shabbat, Kreuzung Ge'ulah - Mea Shearim, gegeben. Der Grund sind die immer noch inhaftierten Haredim der Anti - Gay - Parade Demos in Beit Shemesh.

Fuer gestern Abend 19.30 Uhr hatte vor allem die chassidische Gruppe Toldot Aharon zur Demo vor dem Polizeigebaeude am Russian Compound in Jerusalem aufgerufen. Die Demo zog sich bis in die Shivtei Israel Street, die von den Haredim blockiert wurde. Zuerst sahen wir nur eine Polizeistreife, doch einige Haredim und deren Kinder provozierten anscheinend die Polizei und ploetzlich kamen mehr Streifen der Militaerpolizei MAGAV angebraust. Die Haredim rannten in alle Richtungen. Die Anzahl der Demonstranten war jedoch gering und die Mehrheit kuemmerte sich nicht um das Geschehen. Man sollte seine Shabbat - Ruhe und mehr nicht. Wir befanden uns mitten im Chaos, was aber nicht so aufregend war, wie sich das der ein oder andere jetzt vorstellt. Passieren tat nichts und wir setzten unseren Weg fort.

Da die Rebben der chassidischen Gruppen Toldot Aharon und Toldot Avraham Yitzchak fuer 4 Wochen im Urlaub sind und daher kein chassidischer Tish stattfindet, entschlossen wir uns, einige neue Tishe auszuprobieren. Dieses Unterfangen erwies sich gestern als aeusserst schwierig, denn viele andere Rebbes befinden sich ebenso im Sommerurlaub.
Nicht nur uns erging es so, denn wir sahen unendlich viele Leute, einschliesslich der Chassidim, durch Mea Shearim ziehen und nach chassidischen Tishen suchen.
Von einem Freund bekam ich schon Mitte der Woche einen Tipp und wir machten uns nach den Machlises auf den Weg.

Unser Ziel waren die Slonim in Mea Shearim. Ohne grosses Suchen fanden wir deren Synagoge sehr schnell. Ein grosser moderner Bau mit eingebauten bunten Fenstern.
Zwei Probleme stellen sich uns jedesmal wieder neu. Erstens muessen wir herausfinden, ob Frauen bei dem Tish der jeweiligen Gruppe zugelassen sind.
Zweitens muessen wir den Fraueneingang in die Synagoge suchen, was oftmals nicht so einfach ist, denn Maenner ansprechen gehoert sich aus Anstandsgruenden nicht. Also muessen wir immer auf vorbeigehende Frauen warten.

Gestern standen wir vor der Synagoge der Slonim und hatten absolut keine Ahnung. Kein Mensch war auf der Strasse zu sehen. Stattdessen hoerten wir Gesaenge aus dem Inneren der Synagoge.
Wir gingen die Strasse auf und ab und sahen Frauen bei den Slonim verschwinden. So schnell, dass es fuer uns unmoeglich war, den Fraueneingang lokalisieren zu koennen. Natuerlich waehlten wir den falschen Eingang und als drei Maenner kamen, fielen die fast in Ohnmacht als sie uns sahen.
Allerdings sind wir schon so hart gesotten, dass uns das nicht aus der Fassung brachte und so fragte ich den einen, wo denn der Fraueneingang sei. Freundlich wies er uns den Weg. Mit Steinen wurden wir nicht beschmissen.

Im zweiten Stock war die Frauenempore, auf der sich nur ganz wenige Frauen befanden. Bei den Slonim ist es Brauch, dass die Frauen nicht unbedingt am Tish teilnehmen. Ich kenne einen von den Mitgliedern und der erzaehlte mir heute einige Details.
Oberflaechlich betrachtet koennte man die Slonim mit den Gerer Chassidim verwechseln. Doch Streimel (am Shabbat), Hut und die Art der Hosen sind anders als bei Gur. Die Hosen warden nicht in den Socken getragen wie bei Gur.

Der Rebbe der Slonim sass am Tischanfang, machte allerdings keinen Kiddush, sondern man beschraenkte sich vielmehr auf einen kleinen LeChaim (kleines Glaesschen Wein) fuer alle Chassidim. Kuchen und Kugel (Pastete) wurden serviert. Wir Frauen bekamen, wie ueblich, nichts.
Was wir auf der Frauenempore sehr vermissten, war eine Klimaanlage. Die Luft dort stand foermlich. Bei den Maennern unten gab es uebrigens eine.

Die Slonim sind staendig am Singen und was uns besonders gut gefiel war, dass sich viele Chassidim vor dem Rebbe aufstellten und sich einer nach dem anderen vor ihm verbeugte.
Neu fuer uns war es, einen Tuersteher zu sehen. Dabei handelte es sich um einen mindestens 1,90m grossen breitschultrigen Chassid, der den Maennereingang von innen bewachte. Jeder Hereinkommende wurde beaeugt. Als eine Gruppe junger litvisher Yeshivastudenten hereinkam, stuerzte der Tuersteher sofort auf sie zu. Sie sollen hier ruhig sein und keinen Aerger machen.
Mein Bekannter von den Slonim erzaehlte mir heute, dass gerade die livishen Yeshivaleute schon oefters Aerger gemacht haetten und es daher den Tuersteher gibt.

Etwas mehr als eine Stunde waren wir bei den Slonim, planen aber wieder hinzugehen. Es herrscht dort aeusserste Disziplin unter den Chassidim. Die Lieder haben mir nicht besonders gefallen. Ein Breslover Chassid meinte heute zu mir, dass die Slonim selber fast litvish waeren und ihre Lieder nach Beerdigung klingen. Genau den Eindruck erhielten wir auf den ersten Blick auch. Aber wie gesagt, wir wollen noch oefters vorbeischauen, um uns ein besseres Bild machen zu koennen.

Als zweiten Tish hatten wir Dushinsky eingeplant, doch auch dort befindet man sich derzeit im Urlaub. Diesen kommenden Freitag werden wir es nochmals versuchen. Slonim, eine andere Gruppe nahe der Beit Midrash von Satmar sowie Dushinsky.

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