Freitag, Februar 29, 2008

Pläne

B"H

Es wird ein vollgepackter Schabbat werden, soviel steht fest.
Heute Abend beginnt er mit dem Abendgebet Maariv bei der chassidischen Gruppe Karlin - Stolin in Mea Shearim.
Wer die Karliner Chassidim aus der Entfernung sieht, der meint garantiert, hier handele es sich um irgendwelche fundamentalistischen Chaoten. Jedenfalls ihrer Kleidung nach. Dem ist aber nicht so.

Wer die Karliner nur äusserlich kennt, der unterliegt leicht einem Fehlurteil. Stattdessen sind sie sehr aufgeschlossen und überaus freundlich. Leider haben sie nur alle paar Wochen / Monate einen Jerusalemer Tisch mit ihrem Rebben, da dieser außerhalb Jerusalems, in Givat Ze'ev, sein Hauptzentrum hat. Die G - ttesdienste bei Karlin - Stolin sind berühmt für ihre Ekstase. Nie habe ich solch intensive Gebete bei einer anderen Gruppe erlebt. Jedenfalls nicht bis zum jetzigen Zeitpunkt.

Der G - ttesdienst zum Erev Schabbat ist unten auf der Männerseite immer total vollgepackt. Mindestens 200 Leute werden zum Gebet anwesend sein. Bei den Frauen oben im 1. Stock hingegen herrscht freitags abends gähnende Leere. Vielleicht fünf Frauen, wenn überhaupt. Aber für mich persönlich steht Karlin - Stolin beim G - ttesdienst auf Platz Nummer 1. Nie habe ich Chassidim anderer Gruppen so exzessiv beten und im Gebet schreien sehen wie in der Synagoge in der Yoel Street.

Zum chassidischen Tisch am späten Abend geht es zu Toldot Aharon. Zumindest, wenn ein Tisch stattfindet.

Bezüglich morgen früh bin ich mir noch nicht sicher. Toldot Aharon (wo wieder ein Schabbat Chatan stattfindet, da kommende Woche ein Chassid heiratet), Munkatsch, Sadigora oder Tschernobyl. Das Problem ist, dass die Auswahl immer recht schwer fällt, da an jeder Ecke eine Synagoge steht.

Schabbat Schalom - Gut Schabbes - שבת שלום לכל הקוראים

Donnerstag, Februar 28, 2008

Kuchen und Chuppah

B"H

Zuerst dachte ich, ich sei viel zu früh dran. Es war noch taghell. Zuviel Tageslicht für eine jüdische Hochzeit. Die Chuppah, die Trauung unter dem traditionellen Baldachin findet nämlich immer erst nach Einbruch der Dunkelheit statt.

Je mehr ich mich aber der grossen Synagoge der chassidischen Gruppe Toldot Aharon im ultra - orthodoxen Mea Shearim näherte, desto klarer wurde mir, dass ich sehr wohl pünktlich zum Event des Tages kam. Immer mehr Toldot Aharon Chassidim gingen durch die Straßen. Alle trugen ihre beste Feiertagsgarderobe und die Männer waren im hellen Schabbatkaftan und trugen den Streimel (die Pelzmütze) auf dem Kopf. Alles stürmte eifrig in Richtung Synagoge, denn der Rebbe der Toldot Aharon, Rabbi David Kahn, hatte zur Hochzeit geladen. Sein Enkel Eliezer sollte seine Braut Sarah heiraten.

Besonders für die Toldot Aharon Frauen ist solch ein Ereignis auch immer ein gesellschaftliches Meeting – Event. Man trifft die ganze Verwandtschaft sowie alle Freundinnen und es gibt ein grosses HALLO.
Ich muß mich an dieser Stelle entschuldigen, denn leider kann ich nicht darüber berichten, was auf der Männerseite vor sich ging. Im Nachhinein hörte ich jedoch, dass gerade dort viel getanzt wurde.

Nicht nur die chassidischen Toldot Aharon, aber andererseits gerade sie, legen Wert auf eine absolute Geschlechtertrennung. Die Geschlechter haben nur als Geschwister oder später als Eheleute miteinander Kontakt. Man geht nicht einfach so auf die Straße und grüßt alle. Selbst nicht die Nachbarn.

Bei fast jeder orthodoxen jüdischen Hochzeit gibt es einen Saalabschnitt für die Männer und einen weiteren für die Frauen. Man sitzt nicht gemischt, tanzt nicht gemischt und ist durch einen Vorhang voneinander getrennt. Jemandem, der das nicht gewohnt ist, mag das fundamentalistisch vorkommen, doch ich habe mich längst daran gewöhnt und mir fällt es schon gar nicht mehr auf.
Ich kam also gerade zum richtigen Zeitpunkt als die Tür zur Festhalle geöffnet wurde. Hierbei muß ich hinzufügen, dass bei strengen Chassidim wieder andere strengere Trennungen im Saal herrschen. Ein einfacher Vorhang hilft nichts. Hier geht es eher um zwei getrennte Säle; nach Geschlechtern getrennt.

Für jene, welche die Toldot Aharon Synagoge nicht kennen:
Der Synagogenkomplex verfügt über je zwei Eingänge für Männer und je zwei weitere Eingänge für die Weiblichkeit. Auf der einen Synagogenseite befindet sich ein großer Hinterhof, auf der zweiten Seite gelangt man in eine kleine Allee, welche auch zum Hinterhof führt, weiterhin aber auch in die Wohnanlagen der Chassidim. Mittendrin befindet sich ein Frauensaal, an dem zu bestimmten Festlichkeiten Essen gegeben werden. Und viele Frauen hatten sich gerade vor dem Saaleingang aufgestellt.

Die Toldot Aharon Synagoge in Mea Shearim



Jedesmal ist es mir wieder fremd, all diese Toldot Aharon Frauen zu sehen. Ihr Anstandsbrauch ist es, fast ausschließlich schwarze, dunkelblaue und braune Kleidung zu tragen. Damit auch ja niemand durch die Kleidung hindurchsehen kann. Weiterhin tragen alle von ihnen unterhalb der Woche eine schwarze Kopfbedeckung (am Schabbat vorwiegend eine weiße). Die Beine werden grundsätzlich immer mit dem Tragen schwarzen dicker Strümpfe verdeckt.

Als die Saaltür aufging, stürmten die Frauen los.
Die absolute Mehrheit von ihnen waren selbstverständlich die eigenen Mitglieder. Aber es gab auch ein paar sephardische Frauen, eine Hand voll Nationalreligiöser und der Rest waren Frauen aus anderen chassidischen Gruppen. Die vorherrschende Sprache war Jiddisch. Und so fragte ich auch gleich in meinem brüchigen Jiddisch nach dem Ablaufplan der Hochzeit. Zwei Frauen erzählten, dass wir hier erst die Braut sehen und dann alle später zur Chuppah (dem Baldachin) schreiten. Die Chuppah befand sich him Hinterhof auf der Rückzeite des Gebäudes.

Ehrlich gesagt war es bequemer hineinzugehen als herauszukommen.
Der Frauensaal war ein größerer Raum, in welchem rechts und links an der Wand lange Tische aufgestellt waren. Dort wurden Kuchen und leichte Getränke serviert. Tolle Kuchen, das muß ich sagen. Aber nicht, dass sich die Weiblichkeit draufstürzte. Keineswegs.
In der Saalmitte waren kleine Bänke aufgestellt und alles machte sich daran, einen Platz auf der Bank zu ergattern. So nämlich konnte man die ganz vorne sitzende Braut besser begutachten. Andere wiederum entschieden sich für etwas durchaus Übliches.
Sie stellten sich in eine Reihe auf, um nacheinander der Braut die Hand zu schütteln. Ein Brauch, dem ich auch folgen wollte, doch sah ich die Braut nach wenigen Minuten nahe an eines Nervenzusammenbruchs. Sie war total nervös, kannte die Frauen von Toldot Aharon nicht besonders, da sie aus einer anderen chassidischen Gruppe kommt. Die Braut lief auf und ab und schließlich übernahm ihre herbeigeeilte Mutter den Händeschütteldienst.

Man kann sich die Toldot Aharon Teenage Girls kaum vorstellen. Sie alle starrten unentwegt auf die Braut um sich ihre eigene Hochzeit auszumalen. Ein Prinz sollte auf einem weißen Schimmel dahergeritten kommen und jede einzelne von ihnen abholen. Wer in die Augen der Mädels schaute, der sah den Prinzen schon antraben.

Schließlich fand ich einen guten Platz auf einer der Bänke und konnte so den gesamten Raum überblicken. Die Braut, die eigentlich Sarah heißt und eine Enkelin des verstorbenen Rabbi Moshe Halberstam ist, war toll anzuschauen. Erst dachte ich, sie sei Amerikanerin, doch eine Frau berichtete mir, dass Sarah absolut israelisch sei.

Eine weitere neben mir stehende Frau ließ mich den weiteren Ablauf wissen. Vor allem, dass ich mich ja später beeilen solle, aus dem Saal zu kommen. "Du mußt losrennen, meinte sie, um einen guten Platz bei der Chuppah zu bekommen. Ich lasse Dich wissen, wann es losgeht."

Dann entschied ich mich erst einmal für ein Stückchen Nußkuchen. Kurz darauf vernahm ich die Stimme einer Frau hinter mir, die sich etwas ironisch über jemanden lustig machte: "Unsere Akademikerin". Nun,wenn es sich um die Akademikerin handelt, die ich vermute, dann freut es mich, dass sie endlich auftauchte. Anscheinend dachte sie nach meinen Artikel etwas nach und machte sich zu den Toldot Aharon auf.
Doktorarbeit ja, aber nicht immer auf alle Kosten. Man sollte den Toldot Aharon offen gegenübertreten, denn sie haben keine Skandalberichterstattung hinter ihrem Rücken verdient.

Eine Mechitzah (Trennwand) wurde in den Saal getragen und Bräutigam Eliezer erschien, um die Braut zu begrüssen und zur Chuppah abzuholen. Eliezer sah recht fertig aus oder war es nur Schüchternheit ?

Es ist üblich, dass sich Braut und Bräutigam nur wenige Male vor der Hochzeit sehen, geschweige denn viel miteinander reden. Das könne man ja nach der Trauung nachholen. Für jemanden wie mich ist es dagegen unvorstellbar jemanden zu heiraten, denn ich im Grunde genommen gar nicht kenne. Wer allerdings in diesen Kreisen aufgewachsen ist, der betrachtet alles aus einer wesentlich anderen Sichtweise. Hier besteht das ganze Leben nur aus Familie und der Gründung einer eigenen Family.

Dann wurde auch schon losgerannt. Alles drängte auf die Tür zu als ob ein Popstar erschienen war. Lange nicht mehr war ich so eingequetscht gewesen. Draußen angekommen, hörten wir schon den Chazan in sein Mikrophon singen. Die Musik war grandios und die hauseigene Band ebenso.

Im Hinterhof angekommen, hatten wir alle genügend Stehplätze. Die Chuppah war in der Mitte des Hofes auf einer höheren Bühne aufgebaut und ich konnte alles überblicken. Viele Frauen waren in die Synagoge gerannt, wo sie alle hinter den Fenstern standen. Licht durfte im Gebäude nicht eingeschaltet werden, denn so hätten die Männer die Gesichter der Frauen gesehen, was gemäss den Anstandsregeln verboten ist. Ich unterhielt mich mit ein paar Frauen über die Hochzeit und im allgemeinen herrschte eine tolle festliche Atmosphäre.

Dann ging es ans Eingemachte. Der Chazan sang, die Kapelle spielte und Bräutigam Eliezer erschien unter der Chuppah. Begleitet wurde er vom Rebben der Toldot Aharon, Rabbi David Kahn. Kurz darauf wurde die Braut Sarah unter die Chuppah geleitet; von ihrer Mutter und der Toldot Aharon Rebbitzen.

Bei streng orthodoxen Hochzeiten ist es nicht selten, dass das Gesicht der Braut total bedeckt ist. Sie bekommt einen extra Schleier vor ihr Gesicht. Bei Sarah war dies dermassen der Fall, dass sie kaum noch in der Lage war, etwas zu sehen. Und so halfen die Mutter und die Rebbitzen ihr, den Bräutigam nach jüdischer Tradition siebenmal zum umzirkeln.

Die eigentliche Hochzeitszeremonie war recht kurz und danach wurde die Ketubah, der Hochzeitsvertrag, über Mikrophon verlesen. Ich hoffe, dass mich jetzt niemand nach der Summe fragt, die der Bräutigam im Falle eines Scheiterns der Ehe an die Gattin zahlen muß. All dies ist Bestandteil der Ketubah und jeder lauscht immer gern den näheren Angaben bei einer Hochzeit. So auch die umherstehenden Frauen. Leider wurde alles zu schnell auf Jiddisch verlesen und ich verlor manchmal den Faden. Eines jedoch ist sicher, es war eine Menge Geld involviert.

Dann war alles vorbei und beim Verlassen des Hinterhofes kam erneutes Gedränge auf. Ich brauchte ca. zwanzig Minuten um durch die kleine Allee zur Hauptstraße zu gelangen. Fast schon war ich am Ausgang als mich plötzlich jemand am Ärmel zupfte.
Es war eine der Frauen, mit denen ich mich beim letzten chassidischen Tisch unterhielt und sie wollte wissen, wie es mir gefallen habe. "Super", meinte ich. Wir unterhielten und kurz und ich beschloß zu meinem allwöchentlichen Talmudkurs zu rennen. Die Toldot Aharon machten sich fast alle auf den Heimweg.

Es war eine tolle Hochzeit und ich wünsche Sarah und Eliezer alles Gute.

Nichtsdestotrotz gibt es auch viele Events bei anderen chassidischen Gruppen und nicht nur bei den Toldot Aharon.
Nächste Woche, zum Beispiel, gibt es große Feiern in der Chassidut Belz (Jerusalem und Bnei Brak). Wenn ich es zeitlich schaffe, werde ich daran teilnehmen.

Diesen Schabbat werde ich wieder bei den Toldot Aharon verbringen, doch werde ich mich danach auch vielen anderen Gruppen zuwenden. Tschernobyl, Twersky, Munkatsch, Spinka und viele andere stehen ganz oben auf meiner Liste.

Parashat Vayekahel

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

Wenn wir die dieswöchige Thoraparashat lesen, dann werden sich viele fragen, wozu müssen wir das alles wissen. Wieso erzählt uns G - tt in der Thora die genauen Details vom Bau des Tabernakels (Mischkan) ? Müssen wir uns wirklich durch diese ewig langen Auflistungen quälen ? Warum steht nicht einfach kurz und bündig in der Thora, dass Mischkan wurde gebaut und aufgestellt ?

Die Thora sowie die Gemara im Talmud Traktat Berachot 55a lehren uns, dass Bezalel das Mischkan und die Gefässe (Kelim) baute. Er sah durch Ruach HaKodesh (g - ttliche Eingebung) die Gegenstände bis ins kleinste Detail genau vor sich. Alles baute er genau so, wie er es in seiner Eingebung sah. Nichts wurde verändert, erneuert oder hinzugefügt.
Rabbi Samson Raphael Hirsch zufolge will G - tt uns mit diesen Auflistungen lehren genauen Instruktionen zu folgen. Er gab uns die Thora (die schriftliche Überlieferung) sowie die mündliche Überlieferung (die Mischna) und wir haben die Pflicht, uns genau nach Seinen Anweisungen zu richten. Wir dürfen Sein Gesetz nicht verändern oder erneuern. Mehrere Male steht in der Thora, dass genau diese für alle Zeiten und alle Generationen gültig sein wird. Ebenso sagt G - tt, dass niemals Inhalte hinzugefügt oder gestrichen werden dürfen.
Rabbi Hisch kommentiert weiter, dass jedes einzelne Bauteil des Mischkans eine gewisse Symbolik hat, dass Mischkan aber selber nicht ohne die Bauteile entstehen kann. Jedes Bauteil hat seine eigene ganz bestimmte Bedeutung als Teil eines Ganzen.
Genauso können wir uns selbst betrachten; jeder Mensch hat eine bestimmte Bedeutung und Aufgabe und zusammen ergeben wir ein Ganzes.

Ich möchte mich besonders auf die Eingangssätze der ersten Parasha (Vayekahel) konzentrieren, denn dort wird uns eine ganz wichtige Mitzwah gegeben: Der Schabbat.
Es heißt in der Thora, dass Moshe alle Israeliten um sich versammeln ließ, um ihnen die Worte G - ttes mitzuteilen. Der Tag um den es sich hier handelt ist der Tag nach Yom Kippur (Versöhnungstag), so Rashi. Einen Tag zuvor am Yom Kippur war Moshe mit dem zweiten Paar Gesetzestafeln vom Berg Sinai herabgestiegen.
Die Mitzwah, die wir noch vor dem Bau des Mischkans bekommen, ist der Schabbat. Sechs Tage sollen wir arbeiten und am siebten Tage ruhen. Genauso wie G - tt dieses bei der Erschaffung der Welt tat.
Weiter heißt es in der Thora, dass wer am Shabbat arbeitet, sterben soll. Gleich darauf folgt der Satz: Du sollst am Schabbat kein Feuer entzünden. Die genaue Reihenfolge hier ergibt keinen rechten Sinn und bedarf näherer Erläuterung.

Mit dem Aufbau des Mischkans waren 39 unterschiedliche Arten von Arbeit (Melacha) verbunden, so die Gemara im Talmud Traktat Schabbat 70a. Eine Auflistung der gesamten verbotenen 39 Melachot findet sich im Talmud Schabbat 73a.
Die Mitzwah Schabbat wurde uns noch vor dem Mischkan gegeben um zu zeigen, dass der Schabbat wichtiger ist als die Arbeit am Mischkan. Keine Arbeit am Mischkan verschiebt den Schabbat (Rashi, Ramban, Kli Yakar, Rokeach). Daher sind alle 39 Arten von Arbeit am Mischkan für uns am Schabbat verboten.

Die Gemara im Talmud Traktat Schabbat 70a lehrt, dass absichtliches Brechen des Schabbats mit der Todesstrafe (Steinigung) geahndet wird. Die Strafe wird aber nur dann ausgesprochen, wenn der Schabbat öffentlich gebrochen wurde und dafür zwei Zeugen vorhanden sind. Wer den Schabbat daheim und nicht öffentlich bricht, wird nicht mit dem Tode bestraft (Rabbi Yitzchak Luria in Pri Etz Chaim). Allerdings verletzt er mit dem Vergehen seine Seele (Neshama).

Der Thorakommentator Ohr HaChaim vertritt eine Meinung, die auf einer Gemara im Talmud Traktat Schabbat 118 basiert: Die Einhaltung des Schabbats ist so wichtig, dass sie ein Tikun (Reparatur der Seele) für den Götzendienst ist (siehe auch Talmudkommentator RIF). Wer innerhalb der Woche Götzendienst betreibt, dem wird vergeben, wenn er den Schabbat nach allen Regeln (Halachot) einhält. Der derzeitige Rebbe der chassidischen Gruppe Slonim in Jerusalem, Rabbi Shmuel Bozorowsky, schreibt in seinem Thorakommentar, dass die Israeliten als die dem Goldenen Kalb huldigten, die gesamten 613 Thoragesetze überschritten. Wer allerdings nach einem Vergehen bereut, der kann dies "ausbügeln", indem er die Thoragesetze einhält.

In der vorherigen Thoraparasha Ki Tisa hiess es: La’ asot et HaSchabbat – den Schabbat tun. Was heißt den Shabbat tun, wenn doch so viele Dinge verboten sind zu tun ? La‘ asot et HaSchabbat heißt zum einen, den Schabbat vorbereiten. Daher auch das Verbot des Feuerzündes. Wir müssen vor dem Schabbat unser Essen vorbereiten. Den Schabbat tun (La‘ asot et HaSchabbat) heißt aber auch, uns aktiv beteiligen und bereit sein, uns auf eine höhere spirituelle Stufe zu stellen. Nachdem Adam und Chava (Eva) im Paradies einen spirituellen Fall der Welten verursachten, begeben wir uns jeden Schabbat mit dessen Einhaltung in eine höhere geistige Welt. Und eben dort sind jegliche Arten von Arbeit verboten, weil diese nicht Bestandteil der höheren Welt sind. Arbeit findet nur hier in unserer physischen Welt (Asiyah) statt. Begeben wir uns aber auf einen höheren Level wie am Schabbat, findet in der folgenden geistigen Welt (Yetzirah) keine Arbeit statt.

Ferner wurde uns der Schabbat auf alle Zeiten gegeben und zugleich ist G - tt mit uns dadurch einen Bund eingegangen. Was uns wieder zum Ausgangspunkt zurückbringt, dass keine Thorainhalte verändert werden dürfen, da sie auf alle Zeit gültig sind.
Der Schabbat sowie der Bau des Mischkans dienen für uns als Tikun (Seelenreparatur) so der Sefat Emet und ehemalige Rebbe der Chassidut Gur. Wir ehren damit G - tt und erhalten so seine Presenz (Schechina) in unserer Mitte. Selbst heute, wo wir kein Mischkan, bzw. Tempel mehr haben, ist Seine Presenz immer mit uns. Ganz gleich ob wir uns in Israel oder der Diaspora befinden.

Mit der Einhaltung des Schabbats verbinden wir unsere physische mit den geistigen Welten und bekommen eine zusätzliche Seele (Neshama Yeterah).
Diese neue zusätzliche Seele hatten die Israeliten täglich bis zum Vergehen mit dem Goldenen Kalb. Seither bekommen wir sie nur noch am Schabbat. Es gibt unterschiedliche Interpretationen darüber, wann genau wir die zusätzliche Seele für den Schabbat bekommen. Manche sagen am Freitag abend mit Schabbatbeginn und andere, dass wir die Seele schon am Mittwoch bekommen.

Vielleicht sollten wir alle einmal versuchen, den Schabbat vorzubereiten. Vor allem uns selbst geistig darauf vorzubereiten, das zusätzliche Licht am Shabbat zu erhalten. La’ asot et HaShabbat – den Shabbat tun.

Oder um es in den Worten des Jerusalemer Slonimer Rebben Shmuel Bozorowsky zu sagen: Der Schabbat ist ein Wahrzeichen für die Liebe und Devekut (Annäherung) an G - tt. Wer den Schabbat spirituell und in diesem Sinne begeht, der erlebt den perfekten Schabbat.

Schabbat Schalom

Mittwoch, Februar 27, 2008

Hochzeit bei Chassidut Toldot Aharon - Chaseneh in Toldot Aharon

B"H

In wenigen Stunden geht es los; dann ist die Trauung unter dem traditionellen Baldachin, der Chuppah. Ein Enkel des Toldot Aharon - Rebben heiratet.

Ich werde anwesend sein und morgen über das außergewöhnliche Ereignis berichten. Eines steht jetzt schon fest: Es wird eine riesige Hochzeit mit Tausenden Gästen. Es ist anzunehmen, dass die Mitglieder der antizionistischen Dachorganisation Edah HaCharedit alle vollständig versammelt sein werden.

Ob wir Frauen auch etwas mitbekommen, ist fraglich.
Frauen stehen bei solch Ereignissen immer weit weg vom Schuß. Bei den Toldot Aharon sowieso, denn sie sind bekannt für ihre geradezu fanatische Geschlechtertrennung. Allerdings ist es bei fast allen chassidischen Gruppen in der Regel der Fall, dass es immer zwei Eingänge in die jeweilige Synagoge gibt. Ein Eingang nur für Männer und ein separater Eingang nur für Frauen.

Soweit ich hörte, findet die heutige Trauung draußen statt und wenn es so ist, wie ich es vermute, dann stehen die Frauen nicht mit im Hof, sondern vorne auf der Straße. Trotz allem bin ich mir sicher, dass es ein tolles Ereignis werden wird. Ich war noch nie auf einer Hochzeit, wo Verwandte eines chassidischen Rebben heirateten.

Ob ich hinterher mit zur eigentlichen Feier in Beit Schemesch fahre, steht bis zur letzten Sekunde in den Sternen. Ich werde versuchen jene Frauen zu finden, welche ich aus der Gruppe kennen gelernt habe und sie fragen, wie sie nach Beit Schemesch kommen. Findet sich irgendeine bequeme Lösung, werde ich mitfahren. Falls nicht, werde ich voraussichtlich nicht fahren, sondern stattdessen zu meinem abendlichen Shiur (relig. Unterricht) traben.

Dem Brautpaar auf alle Fälle ein herzliches "Mazal Tov".


Toldot Aharon Chassidim



Toldot Aharon Ehepaar



Der Toldot Aharon Rebbe, Rabbi David Kahn



Videoclip:
Der Toldot Aharon Rebbe in New York

Dienstag, Februar 26, 2008

Intensivität bis zur Erschöpfung

B"H

In gewissen Bereichen fällt es mir eher schwer, mich zu artikulieren, und genau an diesem Punkt bin ich einmal wieder angelangt. Ich versuche mich dennoch so klar wie nur möglich auszudrücken:

Wie mehrmals schon erwähnt, war ich vor etwas mehr als zehn Jahren aktiv in der relig. Szene in Jerusalem tätig. Haredim (Ultra - Orthod.) hier und Shiurim (relig. Unterricht) dort. Aufgrund einer persönlichen Krise verliess ich alles und seilte mich für einige Zeit nach Deutschland ab, um Abstand zu gewinnen. Genau den gewann ich dann auch, obwohl mir die Haredim und das Leben drumherum schnell fehlten.

Zurück in Israel, kam ich sofort wieder in Kontakt mit meiner alten Vergangenheit. Doch eines versprach ich mir bis hin in alle Ewigkeiten: Niemals wieder stürze ich mich in die haredische Gesellschaft und begehe die gleichen Fehler. Nicht, dass alles erneut mit einem Nervenzusammenbruch endet. Gesagt, getan und alles ging gut. Obwohl ich ständigen Kontakt mit der Szene halte und mehr oder weniger wieder in ihr lebe, ist es mir erfolgreich gelungen, mich trotzdem immer auf Distanz zu halten. Nur nicht zuviel involvieren und in eine weitere Krise geraten. Eine Tatsache, vor der ich nur jeden anderen ebenfalls warnen kann.

Mein erfolgreiches Rezept basiert auf Folgendem:
Einige Tage halte ich das haredische Leben mit allen seinen Aktivitäten aus, aber gleichzeitig benötige ich andere Tage, um mich auch zurückziehen zu können. So habe ich mir meine eigene Waage geschaffen: Drei Tage hier, drei Tage dort, Schabbat aber immer bei den Haredim.

Bisher funktionierte alles blendend. Fast acht Jahre lang keine Probleme gehabt. Zuerst dachte ich, dass mich meine Wege zu den Chassidim und die Tatsache, dass ich mich mit dem Thema mehr als intensiv auseinandersetze, mich in sämtliche vorherige Krisen zurückkatapultieren könnte. Aber nichts da. Nichts dergleichen geschah.

Eine Fastkrise gab es dann aber doch. Und zwar als eine ganz junge Frau bei einem der chassidischen Tische auf mich zukam und mir deutlich machte, dass sie mit mir reden wolle. Einfach so aus dem Nichts. Ich hatte diese Frau bis dahin nur einmal kurz gesehen und das war Wochen her. Nie hatte ich auch nur ein Wort mit ihr gewechselt. Und eines nachts bei einem der Tische mit dem Rebben stand sie plötzlich vor mir und fragte, ob ich mich an sie erinnere. Ich fiel fast aus der Bank in der Synagoge und dachte: "Alles, nur das nicht."

Mir war klar, dass die Frau Probleme hatte und sie diese mit einem Außenstehenden besprechen wollte. Aber mußte das gerade ich sein ? Ausgerechnet. Wo ich doch meine eigenen Dinge aufzuarbeiten habe. Weiterhin dachte ich, dass wenn es zu einem Gespräch kommen täte, sie und ich Probleme mit der Gruppe bekommen. Und das ist eine ernste Angelegenheit. Vielleicht glücklicherweise oder auch nicht, wer weiß das schon, kam es nicht zu dem Gespräch.

Soweit hatte ich noch keine emotionalen Probleme mit irgendeiner chassidischen Gruppe. Ich gehe dorthin, in die Synagogen oder zu den chassidischen Rebbe - Tischen, rede mit Leuten oder auch nicht, und das wars. Innerhalb der Woche nehme ich gewöhnlich Abstand, es sei denn, es steht eine Hochzeit an, wie morgen, wenn einer der Enkel des Toldot Aharon Rebben heiratet. Dann gehe ich natürlich zur Hochzeit.

Seit letztem Schabbat jedoch ist alles etwas anders. Wenn ich normalerweise in die chassidischen Synagogen gehe, schaut es so aus, dass man zwar kurz angeschaut wird, aber in dem Moment, wo man sein Sidur (Gebetbuch) aufschlägt, schauen die anwesenden Betenden schon nicht mehr hin. Jeder macht sein eigenes Ding und meistens redet man nach dem G - ttesdienst oder auch nicht.

Als ich am letzten Schabbat Morgen in die Toldot Aharon Synagoge in Mea Shearim trat, wurde ich bis zum G - ttesdienstende nicht mehr aus dem Augen gelassen. Ich trat ein und um 10.00 Uhr früh waren nur wenige Frauen auf der Empore anwesend. Die Mehrheit kam erst kurz darauf. Ich setzte mich etwas entfernt von den anderen Frauen, aber dennoch gleich hinter die weisse Metallmechitzah (Trennwand zu den betenden Männern im Untergeschoß). Ich sollte vielleicht erwähnen, dass in chassidischen Synagogen der Ritus etwas anders verläuft. Der G - ttesdienstablauf ist zwar formell geregelt, doch betet nicht jeder still vor sich hin. Alle Chassidim schreien ihre Gebete emotional und individuell heraus, was es mir manchmal unmöglich macht, die genauen Gebetsworte zu verstehen, da alle durcheinanderrufen. Deshalb benötige ich jedesmal eine gewisse Zeit, die richtige Seite in meinem Sidur zu finden. Gewöhnlich frage ich, wo wir sind, aber bei Toldot Aharon unterliess ich es vorerst. Nach wenigen Augenblicken jedoch zeigte mir eine Frau die Stelle im Sidur und seit dem Moment wurde ich nicht mehr allein gelassen.

Keine einzige der Toldot Aharon Frauen war unfreundlich. Im Gegenteil, alle waren total nett. Dennoch war es mir unmöglich, mich auf G - tt oder irgendwelche Spiritualität zu konzentrieren. Immer hatte ich das Gefühl, alles richtig machen zu müssen und das brauchte Konzentration. Und ständig wurde ich von den Frauen angesprochen.

"Wir sind jetzt bei dem Vers, ah den hast Du nicht, weil du unseren Ritus nicht kennst".

"Der Rebbe ist gerade hinausgegangen und macht eine Pause".

"Was hast Du bisher gelernt ?"

"Kennst Du die chassidische Gruppe und jene ?"

"Kennst Du den Rebben oder den ?"

"Was sagst Du zu dem Brauch und jenem ?"

Eine Frau kam auf mich zu und gab mir Süssigkeiten, die ich erst nicht annehmen wollte. "Bring es Deinen Enkeln mir", sagte ich zu ihr. Sie bestand darauf, dass ich die Süssigkeiten in meine Tasche stecke. Wenige Sekunden später rief sie "Shemonah Esrei (ein wichtiges Gebet innerhalb des Judentums)" und alles rannte, um sich aufzustellen.

Nach dem Kaddisch am Schluß folgt "Aleinu". Ich war schon bereit als ich andere Verse vernahm. Eine andere Frau neben mir zeigte mir ihr Sidur und meinte, der Rebbe füge noch ein weiteres Gebet ein. Der hauseigene Brauch.

Am Ende kam ich mit riesigen Kopfschmerzen und total erschöpft aus der Synagoge. Draußen atmete ich erst einmal durch.

Um mich deutlich auszudrücken:
Alle Frauen waren furchtbar nett und hilfsbereit. Niemand bedrängte mich auch nur im Entferntesten.

Was aber geschah war, dass ich meine eigene emotionale Krise entwickelte. Mir war das alles zuviel und zu intensiv. Intensiv ist die passende Beschreibung.
Es ist die Intensivität der Gruppe, die ich bei keiner weiteren chassidischen Gruppe jemals erlebt habe.

Wie gesagt, gehe ich morgen wieder zu den Toldot Aharon, um die Hochzeit des Rebbenenkels zu sehen. An diesem Schabbat wird erneut ein wichtiger Synagogeng - ttesdienstpart stattfinden, denn es ist wieder Schabbat Chatan, da es nächste Woche eine weitere Hochzeit gibt. Meine Teilnahme an der morgigen Hochzeit ist sicher, doch bin ich noch am Grübeln, ob ich an diesem Schabbat wieder in deren Synagoge gehe.

Wenn ja, wird die Intensivität noch höher, denn einige Frauen kennen mich schon und ich bin keinesfalls mehr anonym.

Montag, Februar 25, 2008

Engel und Gebete

B"H

Allgemein gilt das Thema "Engel" für viele als sehr attraktiv. Die Engel seien irgendwelche mystischen Wesen, Gehilfen G - ttes, die ab und an auf die Erde kommen und Gutes tun. Siehe die Serie mit dem verstorbenen Schauspieler Michael Landon. Egal wie, Engel ziehen immer die große Attraktion auf sich, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Ich beschäftige mich mit vielen Themen im Judentum, aber nicht unbedingt mit den Engeln.

Laut der Halacha (jüd. Gesetzeslehre) ist es uns verboten, Engel bildlich darzustellen. Mit Flügel und als Kinder, wie in so manch anderer Religion. Natürlich kann man jetzt darüber diskutieren, denn schließlich waren die zwei Cherubim auf der Bundeslade ja auch als Statuen dargestellt. Wieso die und bei anderen ist es halachisch verboten ? Zu dem Thema gibt es im Talmud eine lange Diskussion.

Persönlich stimme ich mit dem Baal Shem Tov überein, der da sagte, dass die Engel lediglich unterschiedliche Kräfte und Erscheinungsformen G - ttes seien. Es gibt sie nicht wirklich, sondern sie sind eine Metapher. G - tt handelt in verschiedenen Situationen anders und dies wird anhand der Metapher "Engel" ausgedrückt.

Eines ist sicher: Laut dem Talmud Traktat Schabbat besitzen Engel keinen eigenen Willen, sondern sind immer an G - ttes Willen gebunden. Selbst wenn sie auf die Erde kommen sollten, hat jeder einzelne von ihnen nur eine einzige Aufgabe und kann nicht die Aufgabe eines "Engelkollegen" mitübernehmen. Ist die Aufgabe erfüllt, verschwindet der Engel unverzüglich.

Im Talmud Schabbat 12b steht, dass ein Mensch niemals in aramäischer Sprache beten sollte, denn die Engel verstehen kein Aramäisch. Dies gilt besonders für all jene Gebete, in denen man G - tt um etwas bittet. Den gleichen Inhalt finden wir auch im Talmud Traktat Sotah 33a. Diese Regel gilt nur für eine Einzelperson.

Die Frage, in welcher Sprache jemand beten soll, kommt immer wieder neu auf. Zu Yeshivazeiten sagten mir Leute, dass jemand vorzugsweise in Hebräisch beten solle, da diese Gebete eher erhört werden als jene in einer Fremdsprache.

Was aber, wenn jemand der hebräischen Sprache nicht mächtig ist ? Und selbst wenn, dann sollte er doch normalerweise verstehen, was er betet, oder ?

Auch hierauf bekam ich unterschiedliche Antworten. So gebe es Gebete, die man nicht unbedingt selbst verstehen müsse. Tehillim (Psalmen) zum Beispiel. Der Schulchan Aruch (Code of Jewish Law), Orach Chaim 101:4, erlaubt das Beten in allen Sprachen bei unterschiedlichen jüdischen Gebeten.

Wie immer gibt es zur Gemara (rabbinische Diskussionen) widersprüchliche Ansichten. Einerseits heißt es, dass die Engel der aramäischen Sprache nicht mächtig sind, andere wiederum behaupten, dass die Engel die Sprache schon beherrschen, sie aber ignorieren, da sie das dem Hebräischen gleichende Aramäisch als eine Form der Korruption betrachten (siehe den Talmudkommentator Rosh). In den Augen des Rosh ist Aramäisch eine Perversion der hebräischen Sprache.

Aber was soll die ganze Diskussion eigentlich ? Heißt es nicht, dass wir unsere Gebete direkt an G - tt richten ? Wozu wird diskutiert, ob die Engel alle Sprachen verstehen oder nicht ? Wir beten zu G - tt nicht durch ein Medium.

Eine Erklärung hierfür lautet, dass es die Engel sind, die G - ttes Willen ausführen und in dem Moment, in dem ich zu G - tt bete und Ihn um etwas bitte, erwarte ich eine Antwort.
Oder anders ausgedrückt: Wir beten NUR zu G - tt, aber die Engel kommen und erfüllen unseren Willen. Und es sind die Engel, die manchmal bei G - tt unsere Bitten durchsetzen und somit als unsere Anwälte dienen.

Eine ganz besondere Meinung vertritt der Talmudkommentator Me'iri: Die Gemara, ob Engel Aramäisch verstehen oder nicht, will uns einzig und allein dauf hinweisen, dass Gebete, welche nicht in Hebräisch formuliert werden, einfach nicht so akzeptiert sind, wie jene in Hebräisch. Auch hierzu sind die Ansichten verschieden.
Gibt es doch genauso Meinungen, dass Gebete in Israel sofort zu G - tt aufsteigen, wohingegen im Ausland gesprochene Gebete erst nach Israel kommen, dann nach Jerusalem und erst dann zu G - tt aufsteigen.

Aber wie in den meisten Fällen gibt uns der Talmud keine exakte Antwort und lässt uns mit unterschiedlichen Stellungnahmen allein. Gemäss des Schulchan Aruch jedoch sind Gebete in allen Sprachen erlaubt, nur nicht in Aramäisch.

Und wehe jemand fragt mich jetzt, was mit dem aramäischen Kaddischgebet ist. Dies kam jedenfalls in dieser talmudischen Stelle nicht zur Sprache.

Sonntag, Februar 24, 2008

Samstag, Februar 23, 2008

Schabbat Chatan bei Toldot Aharon - שבת חתן עם תולדות אהרון

B"H

Um alles vorweg zunehmen:
Ich hatte einen großartigen, aber viel zu kurzen Schabbat.

Wer dennoch interessiert ist weiterzulesen, kann dies gerne tun.

Nach dem Schabbatessen bei Rabbi Mordechai Machlis machte ich mich zum chassidischen Tisch der chassidischen Gruppe Toldot Aharon auf. Viele kennen die Gruppe aus der Presse nur als ultra - extrem, ich dagegen kenne sie seit fast einem Jahr als das Gegenteil. Natürlich verleugne ich nicht, dass die Toldot Aharon fuer Aussenstehende viele extreme interne Gruppenregeln haben, doch lernte ich auch eine Seite kennen; nämlich ihre Begründungen warum sie dies tun und wie sich die Gruppenmitglieder dabei fühlen. Trotz Pressedarstellungen, in denen immer nur Negatives herüberkommt, nehmen die Toldot Aharon die Regeln auf sich, eben weil sie es wollen.
Klingt vielleicht unvorstellbar, ist aber so.

Ich ging also zum chassidischen Tisch und fand die Frauenempore versperrt. Einige Toldot Aharon - Frauen warteten vor der Tür auf Einlass und bald darauf kam ein Chassid und schloss auf. Wir wartenden weiblichen Wesen musste alle für den Chassid Platz machen, denn aus Anstandsgründen ist es einem Chassid verboten, zwischen zwei Frauen zu gehen. Also stellten wir uns alle links an die Wand und der Chassid passierte rechts.

Wir wurden eingelassen und weil soviel los war, fand ich vorerst nur einen Stehplatz hinter der Glasmechitzah, der Trennwand nach unten ins Erdgeschoss der Männer. Neben dem Rebben David Kahn, sass ein junger blonder Mann und ich fragte eine Frau, ob denn dies der Bräutigam und Enkel des Rebben sei, der naechste (diese) Woche heiratet. Sie sagte ja und wir kamen daraufhin sofort ins Gespräch. Ein Gespräch, welches ich nicht missen möchte. Kurz darauf schloss sich noch eine zweite Frau an und sie erklärten mir viele Einzelheiten über besondere Bräuche der Gruppe. Auch lud man mich sofort zum heutigen Synagogeng - ttesdienst ein, um die Zeremonie zu sehen. Am Schabbat vor der Hochzeit wird ein aschkenazischer Bräutigam immer zur Thora aufgerufen und hinterher schmeissen die Frauen Süßigkeiten hinab zu den kleinen Jungen bei den Männern. Das ist jedesmal eine riesen Show.

Pünktlich war ich heute früh da. Vielleicht nicht ganz so pünktlich, denn ich musste mich selbst aus dem Bett ziehen. Müde kam ich in der Synagoge an und verstand erstmal nur Bahnhof. Die Toldot Aharon haben ihre Wurzeln in Ungarn und dementsprechend verschiedene Bräuche. Meine Nachbarin klärte mich auf und zeigte mir die entsprechende Stelle im Sidur (Gebetbuch). Obwohl ich ein chassidisches Sidur habe, verpasste ich doch einige Gebetsverse aufgrund der verschiedenen Bräuche. Meine Banknachbarin meinte: "Komm öfters und Du gewöhnst Dich an die ungarischen Riten."

Neben dem Schabbat Chatan gab es auch noch eine Bar Mitzwah. Der Junge hieß Mendel und war mächtig stolz auf der Bimah neben dem Rebben stehen zu dürfen. Sein Streimel (Pelzmütze) sah neu aus, war es aber nicht. Meine Banknachbarin klärte mich auf: Kinder bekommen nie einen neuen Streimel, sondern immer Second Hand, nur auf neu aufgepeppt. Leider ging Mendels großes Ereignis etwas unter, weil danach der Bräutigam aufgerufen wurde.

Die Toldot Aharon haben den Brauch, dass nur der Rebbe am Schabbat aus der Thora liest. Es gibt zwar Aufrufe, aber Rebbe David Kahn liest alles selbst. Danach prasselten die Süßigkeiten auf die Jungen von oben ein. Übrigens steckte man mir am Ende auch einen Beutel zu.

Die eigentliche Hochzeit wird an diesem Mittwoch Abend stattfinden. Die Chuppah (Trauung unter dem Baldachin) wird in der Toldot Aharon Synagoge Jerusalem stattfinden und gleich darauf fahren alle nach Beit Shemesh.
Ich wurde eingeladen mitzukommen. "Du kannst doch nicht gehen, ohne etwas zu essen und den Rebben mit der Braut beim Mitzweh - Tanz" zu sehen", so eine Frau zu mir.
Ich gehe am Mittwoch zur Trauung, aber ob ich mich nach Beit Shemesh anschließe, weiss ich noch nicht. Es wird aber sicher aufregend.

Übrigens wurde ich nach dem G - ttesdienst zum Essen eingeladen, lehnte aber ab und ging zu den Machlises. Nächsten (diesen) Schabbat gibt es wieder einen Schabbat Chatan. Nicht, dass jemand aus der Rebbe - Familie heiratet, sondern ein Chassid. Aber da ich wieder den Schabbat mit den Toldot Aharon verbringen werde, sagte ich das heutige Essen ab und versprach, am nächsten Schabbat dabei zu sein.
Zuviel auf einmal wollte ich wirklich nicht.

Es hat mir großartig gefallen und ich traf auf viele nette Frauen, die eine große Hilfe waren und mir viel erklärten.

Donnerstag, Februar 21, 2008

Der Gerer Rebbe in Jerusalem

B"H

Der Rebbe der chassidischen Gruppe Gur (Ger in Jiddisch) befindet sich seit heute in Jerusalem. Seit einem Monat war der in Bnei Brak (bei Tel Aviv) lebenden Rebbe an keinem Schabbat mehr in Jerusalem. Gerade läuft in der grossen Synagoge in Yirmeyahu Street ein G - ttesdienst ab. Morgen früh um 10.00 Uhr geht der Rebbe samt Anhang zum Friedhof, denn es gibt eine Jahrzeit (Sterbegedenken) zu begehen. Ich glaube, es ist der Pnei Israel, bin mir aber nicht sicher.

Wer sich jetzt in die Synagoge begeben will, der sollte männlich sein, denn Frauen sind heute Abend nicht zugelassen. Genauso wenig wie beim morgigen chassidischen Tisch mit dem Rebben. Chassidut Gur ist die einzige Gruppe ohne Frauen beim chassidischen Tisch.

Der derzeitige Rebbe der Chassidut Gur, Rabbi Yaakov Aryeh Alter



Zum G - ttesdienst dagegen dürfen wir kommen.
Leider musste ich für diesen Schabbat schon absagen, denn den werde ich ausschließlich bei den Toldot Aharon verbringen. Dort ist Schabbat Chatan, denn ein Enkel des Rebben wird nächste Woche heiraten. Also bin ich busy mit Schabbat Chatan und der Hochzeit.

Mitte: Der Rebbe der Toldot Aharon, Rabbi David Kahn.



Wer an diesem Schabbat ebenso nicht zu Gur kann: In zwei Wochen ist der Gerer Rebbe wieder in Jerusalem. Auch Purim wird er hier verbringen.

Ich gehöre nicht mehr dazu

B"H

Viele Male ist es mir schon passiert: Da gehe ich jahrelang zu einem bestimmten Rabbiner, nehme am Shiur (Unterricht) teil, treffe Leute, und dann kommt vielleicht irgendetwas dazwischen und plötzlich gehe ich einige Wochen nicht. Stattdessen wende ich mich woanders hin, sehe andere Leute und gehe zu anderen Shiurim. All das heißt keinesfalls, dass alles andere von früher schlicht vergessen ist. Nein, aber irgendwie kommt man nicht dazu, hinzugehen und beschäftigt sich mit ein paar neuen Sachen.

Das ist ganz normal im Leben und geschieht nicht nur im Hinblick auf die Religion. Man verändert sich und mir gefällt es ungemein, neue Leute kennen zulernen und mich mit neuen Ideen auseinanderzusetzen. Andererseits klebe ich an vielem "Alten" und lasse es nicht los, was ich auch gar nicht will. Ein gutes Beispiel ist die Chassidut Satmar. Seit mehr als zehn Jahren beschäftige ich mich mit Satmar und stand einmal kurz davor, mich ihnen anzuschliessen. Aus vielerlei Gründen kam es nicht dazu, doch habe ich meine Kontakte niemals verloren und will sie auch nicht verlieren.

Durch Satmarer Bekannte habe ich viele neue Leute kennen gelernt. Weniger Satmar, sondern Chassidim aus anderen Gruppen. Durch meine Arbeit lernte und lerne ich wieder ganz andere Chassidim kennen und man mag alles behaupten, aber nicht, dass ich nur auf Satmar stehe.

Am letzten Schabbat entschloß ich mich spontan, bei einem ehemaligen Rabbi von mir vorbeizuschauen. Er ist litvischer Haredi (Ultra - Orthodox), aber auf der ganz modernen Schiene. Früher war ich fast jeden Schabbat dort und dann wurde es immer weniger. Er, seine Familie und andere Teilnehmer fragten ständig, wo ich denn bleibe und warum nicht mehr komme. Monatelang ging das so. Dann verstummten die Fragen.

Nie hatte ich ihm den wahren Grund gesagt, nämlich das ich mich anderweitig orientiere und sehr zufrieden damit bin. Stattdessen sagte ich ihm jedesmal, ich hätte weniger Zeit und so, denn ich wollte ihn nicht beleidigen.

Als ich am letzten Schabbat nach langer Zeit wieder einmal dort war, war das HALLO erst groß, aber doch etwas gedämpft. Ich saß dort, hörte mir seinen Vortrag zur Thoralesung an und war insgeheim sauer, hingegangen zu sein. Ich spürte, dass ich hier nicht mehr hingehörte und nahm gar nicht richtig war, was er unterrichtete. Meine Gedanken wanderten um die allzu menschliche Tatsache, dass man sich halt verändert und sich anderem zuwendet. War nett hier, danke, und ich werde es nie vergessen, doch nun ist es Zeit, weiterzukommen.

Wie ich bereits schrieb, andere Dinge dagegen lassen mich nicht mehr los und man kann dies als inneres Zeichen sehen, dass gerade jene Inhalte zum inneren Bedürfnis gehören und man diese weiterverfolgen bzw. ausbauen sollte.

Parashat Ki Tisa

B”H

Die Thoralesung für diesen Shabbat

Bei der Thoraparashat Ki Tisa, meinen viele leider immer nur, es gehe ausschliesslich um das Goldene Kalb (Egel HaZahav). Bei genauem Hinschauen jedoch stellen wir fest, dass dort viele weitere wichtige Mitzwot (Gesetze) gegeben werden. Konzentrieren wir uns daher nicht nur auf das Goldene Kalb, sondern schauen wir uns die Parasha etwas genauer an.

Eine Anmerkung vorweg: Die Thora hält sich erneut nicht an die chronologische Reihenfolge (siehe Talmud Traktat Pesachim 6b). Die Abgabe des halben Shekels sowie weitere Ereignisse in Ki Tisa fanden erst nach dem Goldenen Kalb statt und nicht vorher.

G - tt beauftragt Moshe eine Volkszählung unter den Juden durchzuführen. Jeder, der älter ist als zwanzig Jahre, muss einen halben Shekel geben. Dieser Shekel ist nicht wörtlich als Währung zu verstehen, sondern als Gewichtseinheit. Später wurden diese halben Shekel gezählt und somit die genaue Anzahl der Juden ermittelt. Aus dieser Mitzwah lernen wir, dass es verboten ist, Juden auf normalem Wege zu zählen, sondern nur anhand von individuell abgegebenen Gegenständen.
Ein praktisches Beispiel hierfür kann ich aus Mea Shearim geben. Eine befreundete chassidische Familie hat insgesamt zwölf Kinder. Fragt man sie jedoch nach der Anzahl ihrer Kinder so bekommt man zur Antwort, dass Juden nicht gezählt werden dürfen.

Rabbi Samson Raphael Hirsch hat zu der gemeinsamen Abgabe in der Wüste eine philosophischere Erklärung. Aufgrund des halben Shekels hatten die Jude ein gemeinsames Ziel. Sobald eine Nation ein gemeinsames Ziel verfolgt, wird aus jedem einzelnen Individuum ein Ganzes (die Nation). In dem Moment, in dem ein Jude aufgrund von G - ttes Anweisung gezählt wird, wächst in ihm der Stolz dem jüdischen Volk anzugehören. Rabbi Yehudah HaLevi sieht in seinem Buch "The Kuzari" dieses als Beweis dafür, dass Juden vorzugsweise in der Anwesenheit einer Minyan (zehn jüd. Maenner) beten sollen. Etwas Gemeinsames sei immer besser als daheim im stillen Kämmerlein zu sitzen.

Weiterhin sollten die Mitzwot nicht nur automatisch ausgeführt werden, sondern jeder sollte genauso einen inneren Bezug zu ihnen haben. Die innere Einstellung und Gedanken sind nicht weniger wichtig ("Ner Israel" – Chassidut Rodzhin).

G - tt beauftragt Moshe ebenso ein kupfernes Kiyor (Wasserbecken) zu bauen. In diesem Kiyor sollen sich die Cohanim (Tempelpriester und zur damaligen Zeit Aharons Söhne) Hände und Füsse waschen, bevor sie ihren Dienst beginnen.
Der berühmte Thorakommentator Ohr HaChaim versteht dies so, dass Hände und Füsse gleichzeitg gewaschen werden müssen. Der Cohen (Tempelpriester) plaziert seine rechte Hand auf seinen rechten Fuss und danach seine linke Hand auf seinen linken Fuß (siehe dazu Rashi zum Talmud Traktat Zevachim 19b). Dieser Vorgang symbolisiert, dass der untere Teil des Körpers gemeinsam mit dem oberen gleichzeitg geheiligt (gereinigt) wird.

Nach der Zerstörung der beiden Tempel haben wir die Aufgabe, unser Zuhause in einen "Tempel" zu verwandeln. Schon immer wuschen Juden vor dem Essen ihre Hände genauso wie die Cohanim (Tempelpriester) vor ihrem Dienst. Deshalb fahren wir fort mit dem Netillat Yadaim, dem Händewaschen, bevor wir Brot essen und verwandeln so unseren Essenstisch in einen "Altar".
In vielen Geschichtsbüchern lesen wir, dass aufgrund unserer Reinheitsgebote die Juden im Mittelalter viel weniger von der Pest oder sonstigen ansteckenden Krankheiten befallen wurden, was aber andererseits den Verdacht der nichtjüdischen Bevölkerung erregte, dass die Juden irgendwelche Magien betreiben. Dieses wiederum führte zu ständigen Pogromen (siehe Buch von Rabbi Joshua Trachtenberg "Jewish Magic and Superstition – A study in folk and religion).

Nachdem die Juden am Berg Sinai die Thora bekommen hatten, sollte ihr Leben ganz anders ausschauen. Sie befanden sich auf einem für uns heute unvorstellbaren spirituellen Level (u.a. der derzeitige Rebbe der Chassidut Slonim in Jerusalem, Rabbi Shmuel Bozorowsky) und sollten unsterblich werden. Sie hatten eine zusätzliche Seele, die Neshama Yeterah.
Einen kleinen Einblick darin bekommen wir heute an jedem Shabbat, wenn wir eine zusätzliche Seele bekommen. Vor dem Goldenen Kalb hatten die Juden täglich diese zweite Seele. (siehe u.a. Likutei Reuveni und Sefat Emet).

Unzählige Kommentatoren geben der sogenannten EREV RAV die Schuld am Bau des Goldenen Kalbes. Diese Erev Rav war eine Bevölkerungsgruppe, die sich aus ägyptischen Konvertiten zum Judentum zusammensetzte. Die Konvertiten waren aus egoistischen Gruenden zum Judentum konvertiert und ebenso Reinkarnationen der Generation der Flut, des Turmes zu Bavel und der Leute von Sodom (Rabbi Yitzchak Luria – Arizal).

Nachdem die Juden wegen einer Fehlkalkulation Moshe einen Tag früher zurückerwarteten, stachelten diese Erev Rav die Juden an, das Goldene Kalb zu bauen. Chur wollte die davon abhalten, doch er wurde ermordet. Danach kamen die Leute zu Aharon, der einwilligte.
Es gibt viele Kommentare, die sich mit der Einwilligung Aharons beschäftigen. Realistisch wäre, dass er Angst hatte, auch er könne umgebracht wird und Moshe eh bald vom Berg Sinai zurückkommt. Rabbi Yitzchak Luria (der Arizal) hat einen langen Kommentar zu dem Thema und lehrt, dass diverse Reinkarnationen in Aharon und Chur eine grosse Rolle spielten und Aharon deswegen in den Bau eines Kalbes einwilligte.

Das kabbalistische Buch Zohar beschreibt ganz ausführlich, wie genau der Bau des Kalbes von statten ging. Gold wurde eingesammelt und zusammengeschmolzen. Die Erev Rav nutzten diverse magische Kräfte, um dieses Kalb zu erschaffen. Später wurde dem Kalb ein Zettel mit einem der Namen G - ttes in den Mund geschoben und es begann zu sprechen.

Moshe wurde von G - tt zurückgeschickt und war geschockt über das Vorgehen der Leute im Lager. Im Talmud Traktat Avodah Zarah 44a lesen wir, dass Moshe das Kalb pulverisierte und den Staub in alle Winde verstreute.
Zur Strafe wurde die Israeliten, die am Goldenen Kalb teilgenommen hatten auf dreierlei Arten bestraft. Die Leviim (Leviten) und die Frauen nahmen übrigens nicht an dem Bau teil.
Der chassidische Kommentator Shem MiShmuel sagt, dass das Mischkan (Tabernakel) als ein Tikun (Seelenreparatur) für das Goldene Kalb diente.

Das Ereignis mit dem Goldenen Kalb war ein Disaster für die Juden damals und auch für uns heute. Hätten sie es damals nicht gebaut, würde die Welt heute ganz anders aussehen. Kabbalistische Kommentatoren vergleichen das Kalb mit dem Turm von Bavel und dem Vergehen von Adam und Eva (Chava) im Paradies. Das Buch Megaleh Amukot sieht das Goldene Kalb als Grund für die Zerstörung des Zweiten Tempels.

Es ist ein Ding der Unmöglichkeit, alle Meinungen über den Bau, die Anbetung und die Folgen des Goldenen Kalbes aufzulisten und zu analysieren. Die Kommentare reichen von "Ja, die Juden leisteten Götzendienst" bis hin zu "nur die Erev Rav war involviert" oder "die Juden suchten nur einen neuen Anführer, da sie glaubten, Moshe sei ihnen abhandengekommen (siehe Rabbi Simcha Bunim von Peshis'cha)".

Und was bleibt uns heute nach dem Vorgang mit dem Goldenen Kalb ?
Wir sollten daraus lernen, dass jeder Mensch einen freien Zugang zu G - tt hat und keine Stellvertreter geschweige denn ein Medium braucht. Wir können uns keinen G - tt als Statue bauen, sondern sollten lernen zu akzeptieren, dass G - tt für uns nicht sichtbar und außerhalb jeder menschlichen Vorstellungskraft liegt. In der Kabbalah wird G - tt Ein Sof genannt; ein G - tt ohne jeden Beginn und ohne jedes Ende. Er existierte schon immer und wird dies immer tun. Seine Handlungen sind unbegrenzt und uneingeschränkt.

Wir können es heute nur besser machen, indem wir zu dem EINEN G - tt beten und nicht unseren negativen Gedanken folgen.

Der derzeitige Rebbe der Chassidut Slonim in Jerusalem, Rabbi Shmuel Bozorowsky, nennt in seinem Kommentar einen ganz wichtigen Punkt. Obwohl die Juden das Goldene Kalb bauten, machten sie hinterher Teshuva und kehrten zu G – tt zurück. Der Teshuva – Aspekt sei hier immense wichtig und wir sehen, dass Teshuva fast immer möglich ist.

Schabbat Schalom

Elternliebe

B"H

Man kann über Esav, den mordlustigen Sohn Yaakovs, sagen, was man will; eines jedoch wird ihm hoch angerechnet. Und das von fast allen Kommentatoren: Esav war ein grenzenloses Beispiel für die Mitzwah (Gesetz) seinen Vater zu ehren.

Wie wir aus den Zehn Geboten lernen, sind wir verpflichtet, Vater und Mutter zu ehren. Viele verwechseln "ehren" immer mit "lieben". Auch ich verfiel diesem Fehler und fragte einmal einen Rabbiner, was denn mit all jenen Kindern sei, die von ihren Eltern wie auch immer misshandelt werden. Wie soll jemand von denen diese Mitzwah erfüllen können ? Besagter Rabbiner machte mich darauf aufmerksam, dass es "ehren" und nicht "lieben" heißt.

Und was hat das alles mit Esav, dem Sohn Yaakovs zu tun ?
Er hat allen vorgemacht, wie jemand seine Eltern ehren sollte. Niemals kam er zu seinem Vater in schmutziger Kleidung. Immer war er hilfsbereit und brachte sofort das Gewünschte. Er diskutierte nicht und weigerte sich sich auch nicht, die Wünsche seines Vaters auszuführen.

Ein weiteres grenzenloses Beispiel wird uns in der Gemara im Talmud Avodah Zarah 23b gegeben:

Rabbi Eliezer wurde gefragt, wie weit die Elternliebe zu gehen hat. Er antwortete dem Fragestellenden, dass dieser sich nach Aschkelon begeben solle. Dort treffe er auf einen bestimmten Götzendiener namens Dama ben Nesiah, der seinem Vater einen unbeschreiblichen Dienst erwies:

Eines Tages wollten die Weisen einen speziellen Edelstein für das Ephod (Schürze des Cohen HaGadol - Hohepriester - dessen Schulterträger mit Edelsteinen besetzt waren). Die Weisen kamen zu Dama ben Nesiah, denn er war im Besitz wertvoller Edelsteine. Man war bereit, ihm 600.000 Golddinare zu zahlen. Die Schlüssel zum Versteck der Edelsteine aber lagen unter dem Kopfkissen seines gerade schlafenden Vaters. Dama wollte unter keinen Umständen seinen Vater stören und ihn aufwecken. Somit verlor Dama den Profit und das Geschäft war geplatzt.

Ein Jahr später wurde Dama ben Nesiah eine perfekte "Rote Kuh - Parah Adumah" geboren. Wieder kamen die Weisen, um die Rote Kuh zu kaufen und ggf. später dessen Asche für den Tempeldienst zu verwenden.

Dama sagte zu ihnen: "Ich weiß genau, dass ich Euch jede nur erdenkliche Summe für die Rote Kuh nennen könnte und Ihr würdet nicht zögern, sie zu zahlen. Aber ich will Euch nur nach der Höhe des verlorenen Profites fragen, welchen ich einbüßte als ich meinen Vater ehrte." Die Weisen kauften die Rote Kuh von Dama ben Nesiah.

Dama hatte sehr wohl verstanden, dass ihm die Rote Kuh als Belohnung dafür in seine Herde geboren wurde, seinen Vater geehrt zu haben. Er hatte ihn auch aus dem Businessdeal heraus nicht aufwecken wollen. Und aus dieser Belohnung wollte er nicht unnötigen Profit ziehen, sondern forderte nur sie Summe, die ihm von Beginn an (für die Edelsteine) zustand, so der Talmudkommentator Maharsha.

Obwohl Dama ben Nesiah kein Jude war, können sich Juden in bezug auf "ehre deine Eltern" ein Beispiel nehmen. So manch einem mag das Schlafen eines Elternteiles als eine Lappalie vorkommen. 600.000 Golddinare, da weckt man doch jemanden auf. Aber gerade im Judentum haben wir eine Halacha, dass wir niemanden in seinem Schlaf stören sollen. Egal, ob einen Elternteil und jemanden anderes.

Dienstag, Februar 19, 2008

Die litvischen (litauischen) Juden

B"H

Die litvischen Haredim (Ultra - Orthodoxe) finden bei mir viel Erwähnung, ohne dass ich jedoch detailmässig auf sie eingehe. Meine Vorliebe gilt den Chassidim, doch komme ich gewiß nicht darum herum, mich einmal den "Litvaks" zu widmen.

Vorab die Frage: Was ist überhaupt ein Haredi ?

Bei "HAREDI" handelt es sich um einen Oberbegriff für zwei Gruppen:

Haredi = 1. Chassidim
2. Litvische (litauische) Haredim

Das Wort "litvisch" kommt aus dem Jiddischen und bedeutet "litauisch". Hatten doch die litvischen Juden vor einigen Hundert Jahren zu Zeiten des Gaon von Vilna ihr Zentrum in Litauen. Daher auch der Name, der ihnen bis heute blieb.

Chassidim dagegen nennen die litvischen Juden auch "Mitnagdim". Ein "Mitnaged" ist jemand, der gegen etwas ist, etwas ablehnt. Und genau das taten die litvischen Juden mit dem aufkommenden Chassidismus im 18. Jahrhundert.

Generell werden die litvischen Juden entweder "Litvisch", "Litvaks" oder "Mitnagdim" genannt.

Was aber unterscheidet sie von den Chassidim ?
Sarkastische Stimmen mögen behaupten, dass die Litvaks schon immer existierten und alle früheren Rabbiner Litvaks waren. Selbst zu Tempelzeiten.

Die Behauptung wäre nicht ganz zutreffend, denn genauso gab es schon immer Chassidim. Auch zu Tempelzeiten. Es kommt bei der Betrachtung immer auf die Persönlichkeit des Einzelnen drauf an. Sicherlich erweckte der Baal Shem Tov (1698 - 1760) eine alte spirituelle Idee wieder neu zum Leben. Seine Gegner waren nicht gerade erbaut darüber und verdächtigten ihn und seine Anhänger, die wahnsinnigen Ideen des Schabbtai Zvi weiterzuleben. Ein Fehlurteil. Bis heute jedoch herrscht eine Kluft zwischen den Chassidim und den litvischen Juden. Und das nicht nur äußerlich, sondern ebenso in theologischen Inhalten.

Der litvische Lerninhalt ist unter anderem das Talmudstudium auf hohem Niveau. Analytisch und intellektuell. Nur zu oft sahen sie deshalb auf die spirituellen Chassidim hinab, denn sie dachten von ihnen, dass niemand, der intellektuell nicht auf der Höhe ist, kein Rabbiner werden kann bzw. Kabbalah lernen sollte. Chassidim sehen dies anders; niemand muß auf hohem Level sein, um Thora oder Talmud lernen zu können. Das Judentum ist für alle da und nicht nur elitebedingt.

Und wenn jemand lernt, dann ist die Grundvoraussetzung, dass er dabei G - tt näher kommt und etwas dabei empfindet. Laut den Chassidim sitzen Litvaks nur da wie Maschinen und lernen stumm vor sich hin. Ohne jegliche Gefühlsregung. Geradezu Gefühlskalt.

Die bekanntesten litvischen Yeshivot sind:

Lakewood (New Jersey), Ponovitsch (Bnei Brak), Mir (Jerusalem), Volozhin (zerstört von den Nazis), Telshe (bei Jerusalem), Slobodka (zerstört von den Nazis) oder Brisk (USA).


Das litvische Oberhaupt aus Bnei Brak: Rabbi Yosef Schalom Eliyashiv


Aber nicht nur das Talmudstudium ist für einen Litvak wichtig; wer die Litvischen kennt, der weiß, dass sie einen unermüdlich mit Halachot traktieren. Sogar eine eigene Sprache verwenden sie dabei, und ich brauche den Litvak nur von weitem zu hören und mir ist sofort klar, dass einer von ihnen einen Vortrag hält. Eintönig zählen sie alles auf.

Allerdings unterteilen sich die israelischen Litvaks in aschkenazische und sephardische Juden. Noch vor Jahren lernten die sephardischen Juden in aschkenazischen Yeshivot (relig. Schulen), wo sie, nach eigenen Aussagen, schlimmer als Abfall behandelt worden sind. Man habe sie in eine andere Ecke abgestellt und sei ihnen gegenüber rassistisch ausfallend gewesen. Mit dem aufkommenden SHASS - Movement des Rabbi Ovadiah Yosef wurde irgendwann alles anders und frustriert gründeten die Sepharadim ihre eigenen Yeshivot.

Einen Litvak erkennt man sehr leicht an seiner Kleidung:
Männer tragen ausschließlich einen schwarzen Anzug und ein weißes Hemd. Dazu einen schwarzen Hut auf dem Kopf. Kleidet er sich farbig, wird er in der litvischen Gesellschaft als zu modern eingestuft. Farben sind eher unerwünscht und man sollte schon auf schwarz - weiss bedacht sein.

Es gibt Litvaks, die einen langen Kaftan tragen, doch unterscheidet sich dieser im wesentlichen von dem chassidischen Gegenpart. Der Litvak - Kaftan gleicht eher einem Pinguin.

Litvische Mädels ziehen vorwiegend knielange Röcke an und verheiratete Frauen tragen Perücken.
Innerhalb der letzten Jahren hat sich die Mode der litvischen Frauen etwas verändert und viele Röcke scheinen immer kürzer zu werden. Selbst dem litvischen Oberhaupt, Rabbi Yosef Schalom Eliyashiv in Bnei Brak, wurde das schon zuviel und er mahnte seine Anhängerschaft zu mehr Anstand. Allgemein aber unterliegen Litvaks einer gewissen Portion Arroganz und ihr Auftreten ist nicht selten ohne Parfum und Schickimicki - Gehabe. Chassidim geben sich normalerweise nicht solchen Nebensächlichkeiten preis und watscheln auch nicht herum wie ein Pfau.

Insgesamt sind die litvischen Haredim unabhängiger als ihr chassidischer Gegenpart (ausgenommen Breslov und Chabad). Chassidische Gruppen wie Vishnitz, Satmar, Spinka, Sadigora, Toldot Aharon, etc. wohnen immer zusammen in einem Stadtteil und unternehmen alles gemeinsam.

Wenn ein Litvak heiratet, zieht er dorthin, wo er will und er ist nicht an einen Rabbi gebunden. Wohingegen der Chassid immer am Rebben klebt. Dadurch herrscht bei vielen Litvaks ein rechtes Durcheinander und jeder macht, was er will. Wer ernster ist, zieht, zum Beispiel, nach Bnei Brak bei Tel Aviv und lernt in der berühmten Ponovitsch Yeshiva.

An meinem Text werden viele erkennen, dass ich nicht unbedingt ein Freund der litvischen Haredim bin. Das stimmt. Nicht, dass ich persönlich etwas gegen sie habe. Viele meiner Freundin sind litvisch. Dennoch, das chassidische Verhalten und die Mentalität haben sie nicht und wenn ich das suche, muß ich mich anderen Leuten zuwenden.

Der größte Streit zwischen litvischen Haredim und Chassidim entbrannte in den frühen Achtziger Jahren als der damalige geistige litvische Führer Rabbi Eliezer Schach einen heißen Disput mit dem letzten Lubawitscher Rebben austrug. Beide Rabbis beschimpften sich mit den schlimmsten Ausdrücken und in diesem einen Fall gebe ich den Litvaks recht. Wie konnten der Lubawitscher Rebbe und sein Movement nur in einen solchen Personenkult abrutschen, nachdem ihr Gründer, Rabbi Schneur Zalman von Liadi, die ursprüngliche Position eines Rebben lediglich als "spirituellen Führer" betitelte ? Aber dazu mehr an anderer Stelle.

Ob Litvak, Chassid oder nationalreligiös; es ist wichtig, dass jeder seinen eigenen Weg im orthodoxen Judentum findet. Jeder Charakter ist anders und man muß halt schauen, wo man sich am ehesten mit identifiziert.

Montag, Februar 18, 2008

Wieviel Vorsicht ist geboten ?

B"H

Nicht nur einmal wurde ich gefragt, ob es nicht theoretisch passieren könnte, dass ich von chassidischen Gruppen bedroht werde. Immerhin schreibe ich sehr eingehend über Punkte aus der haredischen (ultra - orthod.) Welt, die entweder sonst nie so ans Tageslicht gelangen oder über Themen, die niemand so richtig wahrzunehmen scheint. Jemand fragte in einer privaten e - mail. Ob ich keine Angst habe.
Die Antwort lautet:
Nein, habe ich nicht.

Mir ist nicht bewußt, dass ich je etwas Negatives geschrieben habe. Hier und dort ein paar kleine Anspielungen vielleicht auf die Nationalrelig. sowie die litvischen Haredim, aber sonst…
Andererseits bin ich auch nicht der Typ, der alles nur toll findet. Auch orthodoxe Juden leben in keinem realen Paradies, sondern sind eine Gesellschaft mit vielen Pros und auch vielen Cons. Ich mache nicht nur Propaganda, sondern spreche genauso die inneren Probleme der Gesellschaft dar.

Viele Haredim (Ultra - Orthod.) beschweren sich nicht selten, dass fast alle immer nur gegen die haredische Gesellschaft schreiben und dabei vergessen, dass es Tausende zufriedene und glückliche Haredim auf der Welt gibt. Niemand hat jemals das Gegenteil behauptet und ich selbst kenne viele solcher Familien. Nichtsdestotrotz, es ist immer wichtig, auch die Probleme in einer Gesellschaft zur Sprache zu bringen. Erstens haben Menschen ein Recht, Negatives wie Positives zu erfahren und zweitens könnten diese Beschreibungen anderen Menschen in ähnlichen Situationen durchaus weiterhelfen.

Eine andere Frage, die oft auftaucht:
Erzählst Du den Chassidim, dass Du über sie schreibst ?
Die Antwort lautet:
Es kommt darauf an.

Chassidische Freunde von mir wissen, was ich tue und haben nichts dagegen. Außer, dass sie mir nahelegen, sie niemals persönlich namentlich oder mit Adresse zu nennen. Ein Vorhaben, welches ich eh niemals tun würde. Ich kenne Chassidim von Dushinsky, Avraham Yitzchak, Satmar, Gur, Belz oder von Vishnitz, und sie alle wissen genau, was ich schreibe, denn sie selber lesen fast regelmässig mit.

Vor ein paar Wochen sprach mich die Rebbitzen der chassidischen Gruppe Kretchnif Jerusalem an, fragte mich jedoch nicht ausdrücklich nach dem, was ich mache. Von daher sah ich keine Veranlassung, mich ihr schon beim ersten Mal anzuvertrauen. Jedenfalls nicht so hopplahopp.

Hätte mich mich am letzten Schabbat noch viel länger und intensiver mit der Toldot Aharon - Frau unterhalten, dann hätte ich ihr erzählt, was ich tue. Fragt mich jemand direkt, bekommt er auch eine dementsprechende Antwort.
Bei Unbekannten ist die erste Reaktion fast immer: "Ah, Du schreibst sicher nur negativ über uns wie alle anderen auch."
Immer wieder braucht es Zeit, zu erklären, dass dem nicht so ist.

Ob ich keine Angst habe, von der anti - zionistischen Edah HaCharedit verbannt zu werden ?
Nein, keineswegs. Zumindest hoffe ich das nicht.

Was ich bei Chassidim immer wieder aufs Neue betone ist, dass es viele Juden gibt, die an dem Geschehen in Mea Shearim bzw. Jerusalem interessiert sind. Wobei ich die Nichtjuden nicht immer nenne, denn dies stößt bei vielen Chassidim negativ auf. Alles ist gewöhnungsbedürftig und nach einiger Zeit funktioniert es. Letztendlich stimmen fast alle zu und berichten mir aus ihrer Gruppe.

Es gibt auch jene, die wollen, dass ihr Rebbe oder ihre Gruppe in den Schlagzeilen sind und bieten von sich aus Kooperation an. Ich mag zwar über vieles berichten, die Hauptakteure sind aber immer noch die Chassidim selber.

Vormachen will ich mir dennoch nichts; natürlich entstehen vielerlei Situationen, in denen ich mich ernsthaft frage, ob ich das schreiben darf oder nicht. Wenn ja, wie formuliere ich es, um niemanden zu beleidigen. Besonders bei einer Gruppe ist allerhöchste Vorsicht geboten. Dies erfuhr ich erst gestern wieder als ich mit einer anderen Autorin telefonierte und diese ihre Angst äußerte. Berechtigt oder unberechtigt, ich weiß es nicht.

Was fällt unter die Zensur und wieviel muß wirklich veröffentlicht werden ?

Zwei berechtigte Fragen, die manchmal kaum eine schnelle Antwort finden.

Sonntag, Februar 17, 2008

Traumwelten

B"H

Jeder, der sich entscheidet religiös zu werden, muß sich genauso darüber im klaren sein, in welchen Rahmen er gehören möchte. Im orthodoxen Judentum ist vieles immer mit einem Rahmen verbunden (Hebr. "Misgeret), denn das ist in einer orthod. Umgebung wichtig. Danach wird man identifiziert.

Hört sich stereotyp an ?
Mag sein, läßt sich jedoch kaum ändern.
Ich werde nach meiner Yeshiva - Vergangenheit beurteilt. Auf welchen relig. Schulen war ich ? Nationalrelig. oder haredisch (ultra - orthod.) ? Was habe ich gelernt, welche Leute kenne ich, welche Rabbis, was mache ich heute und wo ? Wer ist mein Umgang ? All diese Fragen bekomme ich immer wieder zu hören und insbesondere natürlich bei meinen Mea Shearim - Besuchen. Aus den Antworten heraus werde ich in eine Sparte eingeordnet, die da heißt: "Irgendwie wieder zurück in die haredische Gesellschaft, aber doch noch nicht ganz".

Als ich vor vielen Jahren relig. wurde, entwickelte ich keinerlei Traumwelten bezüglich der haredischen Gesellschaft. Ich arbeitete für Haredim (Ultra - Orthod.) und hatte daher alltäglichen Umgang. Durch Beziehungen kam ich automatisch irgendwie nach Mea Shearim und wer neu im "Business" ist, für den besteht die Gefahr, sich leicht blenden zu lassen. Man sieht eine äußerlich "perfekte" Welt und will dazugehören. Schnuppert man jedoch etwas länger intensiv hinein, stellt man erstaunt fest, dass es sich auch hier nur um Menschen handelt.

Frisch Konvertierte und jüdisch - geborene Neurelig. lassen sich oft blenden. Sie haben keinerlei Erfahrungen mit verschiedenen Richtungen der Orthodoxie und meinen nur allzu schnell, dass Passende gefunden zu haben. Aber sich aus dem Nichts in ein absolutes Extrem zu stürzen, geht niemals gut. Irgendwann macht die Seele nicht mehr mit, geschweige denn von den manchmal brutalen Anspielungen der Umwelt. Unausgesprochene Anspielungen, die einem klarmachen, dass man nicht so in die haredische Gesellschaft hinein geboren worden ist. Das ist keine Schande, aber für so manchen vielleicht schon. Aufgrunddessen haben sich viele Neurelig. zusammengetan und ihre eigenen Gemeinden gegründet.

Wer relig. wird, der sollte einige Monate oder besser ein bis zwei Jahre in einem festen relig. Programm lernen, mit verschiedenen Leuten sprechen, in unterschiedliche Synagogen gehen und in andere Richtungen hineinschauen. Chabad, litvisch, Breslov, Satmar, Belz oder viele andere Gruppen. Nur so kann er allmählich entscheiden, was für ihn das Richtige ist. Gewechselt werden kann natürlich auch und ich kenne viele, die sie tun.

Nur eines sollte man nicht tun: Die Haredim anschauen und so verzückt zu sein, alles andere zu vergessen. Plötzlich findet man sich in einer Traumwelt wieder und schaut auf nichts anderes mehr. Auch nicht auf die Realität.

Insbesondere den Konvertiten zum Judentum rate ich, sich vorerst nach dem Beit Din (rabbinischem Gericht) im orthod. Judentum umzuschauen und nicht gleich wild loszulaufen und alles auf eine Karte zu setzen.

In Israel gibt es wenige haredische Batei Din bzw. Konversionskurse. Einer davon ist in Bnei Brak bei Tel Aviv und es ist sehr schwer, dort angenommen zu werden. Wer es schafft, der muß meistens in einer haredischen Familie leben. Der Kurs hat eine der höchsten Erfolgsquoten in Israel. Fast 100% leben nach dem Giur (Konversion) tatsächlich haredisch weiter.

Ein weiteres Beit Din wird von der anti - zionistischen Dachorganisation Mea Shearims, der Edah HaCharedit, geleitet. Hier ist es für einen "normalen" Konversionswilligen fast unmöglich akzeptiert zu werden und es gelten überaus hohe Anforderungen. Mehrere Leser meines engl. Blogs liessen mir diesbezüglich Infos zukommen und ich war erstaunt, wie kompliziert es dort zugeht.

Aber sind nicht jene akzeptierten Konvertiten genauso gefährdet, in eine haredische Traumwelt zu verfallen ?

Nein, denn sie leben mittendrin und himmeln nichts an, was sie nur aus der Ferne kennen. Sie sind aktiv dabei und träumen nicht, denn diese Welt läßt ihnen keine Zeit zu träumen.

Vorsicht bei Wein !!!

B"H

Nicht immer ist es die Regel, doch sollte es tatsächlich einmal vorkommen, dass ein Nichtjude in einen jüdisch relig. Haushalt eingeladen ist, muß eine Tatsache ganz besonders beachtet werden. Im Hause des Gastgebers sollte NIEMALS eine geöffnete koschere Flasche Wein / Weintraubensaft von einem Nichtjuden angefaßt werden.

Diese Halacha gilt sowohl für Nichtjuden als auch für jene potentiellen orthodoxen Konversionskandidaten, die bisher nicht offiziell als jüdisch anerkannt sind, heißt nicht beschnitten (Männer) oder noch nicht in der Mikweh (Ritualbad) gewesen sind (siehe Talmud Traktat Avodah Zarah 59a). Diese Koschergesetze stützen sich auf den Talmud Traktat Avodah Zarah 57a ff. sowie den Schulchan Aruch (Code of Jewish Law).

Die Halacha geht besonders streng mit dieser Regel um. Basieren tut sie auf dem Brauch götzendienerischer Völker, ihren Göttern Wein zu opfern. Bis heute ist die Regel in Kraft und ich persönlich nehme sie sehr ernst. Es kommt nicht vor, dass ich Nichtjuden bei mir daheim habe, aber falls es einmal der Fall wäre, dann würde ich selbstverständlich jeden etwaigen "Unfall" schon vorher aus dem Wege räumen, sprich koschere Weinflaschen.

In Deutschland passierte es mir einmal, dass ein Ignorant absichtlich meine geöffnete Weinflasche in die Hand nahm und lauthals verkündete, dass jüdische Regeln eh überholt seien. Das war das letzte Mal, dass dieser jemand eingeladen war und die Weinflasche war auch dahin.

Den meisten Nichtjuden ist diese Halacha völlig unbekannt und normalerweise sollte der relig. Gastgeber von sich aus darauf achten, dass keine geöffneten Weinflaschen von Unbefugten angefasst werden. In dem Moment wird die Flasche unkoscher und für einen relig. Juden ungeniessbar.

Bei öffentlichen Schabbatfeiern, wo niemals sicher ist, ob die Gäste eindeutige halachische Juden sind oder nicht, ist es üblich, gekochten Wein bzw. Traubensaft zu servieren. Diesen darf jeder anfassen und es entstehen keinerlei Probleme.

Eine weitere Frage kommt öfters in bezug auf das Geschirr auf. Nichtjuden dürfen von regulärem Porzellangeschirr essen und auch hier entstehen keine Probleme. Sephardische Juden hingegen machen gelegentlich Ausnahmen und servieren Nichtjuden das Essen auf Plastiktellern. Dies ist keine Seltenheit.

Samstag, Februar 16, 2008

"Der Rebbe hat stark gebeten"

B"H

Aufgrund meiner Grippe und obwohl ich vor Schabbateinbruch einige Stunden im Bett verbrachte, ging ich zum Abendessen bei Rabbi Mordechai Machlis mit der Einstellung, dass mich lieber alle in Ruhe leiden lassen sollen. Der Rabbi war nicht persönlich anwesend, denn er feierte Schabbat Chatan (1) mit seiner Familie in der Rova (2). Sein ältester Sohn heiratet am Dienstag.
So leitete jemand anderes das Abendessen, was okay war.

Tagsüber hatte ich in einer haredischen (ultra - orthod.) Zeitung gelesen, dass bei der chassidischen Gruppe Toldot Aharon eine Hochzeit stattfand. Zwei Photos waren abgebildet. Nun, es stellte sich schnell heraus, dass man litvischen Zeitungen nie trauen darf, wenn sie über Chassidim berichten.

Obwohl gesundheitlich etwas angeschlagen, ging ich nach dem Abendessen zur grossen Toldot Aharon Synagoge, denn ich erwartete Scheva Berachot (3). Zwei Monate hatte dort kein chassidischer Tisch mehr stattgefunden und ich war mir sicher, dass wegen der Hochzeit etwas anstand.

Ein Tisch fand tatsächlich statt und schon kurz nach meinem Eintreten in die Synagoge fragte ich eine Frau der Gruppe, ob es Scheva Berachot gebe.
"Nein, meinte sie, die Hochzeit sei bei Avraham Yitzchak gewesen und nicht bei Toldot Aharon."
Soweit zur Authenzität litvisch - haredischer Zeitungen. Die Fakten waren alle durcheiandergewürfelt worden.

Weiter aber sagte mir die Frau, dass auch bei Toldot Aharon ein Enkel des Rebben David Kahn in zwei Wochen heiratet.

Ich machte meinen Weg ins Innere der Frauenempore und unten im Erdgeschoss waren die Chassidim schon mächtig am Singen. Ich fand einen guten Sitzplatz neben zwei jungen Mädels der Gruppe und vor mir stand eine ca. 50 - jährige Dame der Gruppe. Es dauerte nicht lange, und ich kam mit den Mädels und der Frau ins Gespräch. Nicht, dass ich etwas geplant hatte, denn mein Hals war nicht gerade auf Sprechen aus, aber die Dame fragte etwas und ich antwortete ihr auf Yiddisch. Ehrlich gesagt hatte ich gedacht, dass mein Satz falsch ausgedrückt war, aber plötzlich drehte sich die Frau um und fragte: "Du sprichst Yiddisch ?" Und so kamen wir ins Gespräch, obwohl ich mehr herumkrächzte als sprach. Wir unterhielten uns in Hebräisch und ich erfuhr eine ganze Menge Details über die Toldot Aharon. Wie immer nenne ich keine Namen und alle Einzelheiten.

Die Frau erklärte mir die gesamte erste Tischreihe, heisst alle Männer, die neben dem Rebben sassen. Seinen jüngeren Bruder, seine Söhne und Schwiegersöhne, alles. Und in zwei Wochen steht bei der Gruppe die besagte grosse Hochzeit eines der Enkel des Rebben an. Weder die Frau noch die beiden Mädels neben mir wussten, mit wem der Enkel sich verheiratet. Nur soviel, dass die Braut nicht von den Toldot Aharon sei, was üblich ist. Fast alle Verwandten des Rebben heiraten in Rebbefamilien in andere chassidische Gruppen. Die Frau fuhr fort, mir mehr Gruppendetails zu erklären und ich fragte, ob ich zur Hochzeit kommen könne. "Ja, komm schon am nächsten Schabbat, da ist dann auch Schabbat Chatan."

Es ist also klar, was ich am kommenden Schabbat machen werde:
Tisch und Synagoge bei den Toldot Aharon. Außerdem finde ich dann auch das Hochzeitsdatum heraus.

Der chassidische Tisch bei den Toldot Aharon ist wesentlich kürzer als der ihrer Splittergruppe, den Toldot Avraham Yitzchak. Und da sie auch im Ruf stehen, weitaus "fundamentalistischer" zu sein als die Avraham Yitzchak, machten die Frauen sich schon 15 Minuten vor Tischende auf den Heimweg.
Ein grüner Anschlagszettel hing aus, auf dem in yiddischer Sprache stand, dass der Rebbe stark bittet, dass die Frauen eher die Synagoge verlassen sollen, damit sich Männer und Frauen nicht zusammen draussen auf der Strasse stauen. Das wäre zu unanständig.

Auch ich ging, denn ich wollte unbedingt bei den Avraham Yitzchak vorbeischauen, wo ja die Scheva Berachot stattfinden sollten. Und siehe da, es war mächtig etwas los, obwohl das Brautpaar selbst in Bnei Brak (bei Tel Aviv) feierte. Eine junge Frau der Gruppe berichtete mir, dass der Enkel des Rebben Shmuel Yaakov Kahn sich mit jemandem aus dem Hause Biale (Chassidut Biale) in Bnei Brak verheiratete.

Mazal Tov !!!!!!


(1) Schabbat Chatan: Zeremonie vor einer Hochzeit bei aschkenazischen Juden. Der Bräutigam wird zur Thora aufgerufen (Aufruf).

(2) Rova: Jüdische Altstadt in Jerusalem

(3) Scheva Berachot: Siebentägige Hochzeitsfeiern. Jeden Abend wird zur Ehre des jungen Paares ein Essen gegeben.

Anmerkung:

Viele Leute fragen mich nach chassidischen Tischen und ich bitte Folgendes zu bedenken:

Nichtjuden sollten sich nicht zu einem chassidischen Tisch aufmachen. Die Teilnahme ist wirklich nur für Juden und wer erwischt wird, dem droht ein unangenehmer Rauswurf !!!

Schon vor Wochen habe ich es mit abgewöhnt, Leute mit zum Tisch zu nehmen. Ich gehe allein und daran werde ich konsequent festhalten.

Mosdot Toldot Avraham Yitzchak in Mea Shearim

Freitag, Februar 15, 2008

Pläne

B"H

Viel habe ich mir für diesen Schabbat vorgenommen und wenn meine Grippe mir keinen Strich durch die Rechnung macht, bin ich in der Lage, alles Geplante durchzuführen.

Derzeit legt die landesweite Grippe sämtliche Leute lahm und mich hat es auch erwischt. Aber es wird schon wieder. Von daher weiss ich nicht, ob ich es heute Abend in eine Synagoge schaffe oder nicht. Wenn ja, dann gehe ich zu den Chassidim von Karlin - Stolin in Mea Shearim.

Dagegen geht es nach dem Schabbatessen auf alle Fälle zu einem der chassidischen Tische bei einem Rebben. Mal schauen, was so ansteht.

Morgen früh gehe ich definitiv zum Synagogeng - ttesdienst, aber ich habe mich noch nicht entschlossen, bei wem. Jedenfalls wird es in Mea Shearim sein.

Schabbat Schalom an alle und das Ihr von der Grippe verschont bleibt.


Photos aus Mea Shearim









Donnerstag, Februar 14, 2008

Die Schwierigkeit der Akzeptanz

B"H

Mag sein, dass ich so sehr in "meiner" relig. Welt lebe, sodass ich um mich herum nicht immer alles wahrnehme. Ich denke, dass nur derjenige meine Gedanken richtig nachvollziehen kann, der sich ebenso in einer gewissen relig. Gesellschaft befindet und dort eingebunden ist. Nichtsdestotrotz da ich aber im Ausland aufwuchs, kenne ich natürlich auch andere Lebensarten, was auch Nichtjuden mit einschließt. Nicht jeder Haredi (Ultra - Orthdod.) kommunizert mit Nichtjuden, da dies nicht unbedingt seinem Interesse entspricht und er solchen Umgang nicht gewohnt ist bzw. nicht wünscht.

Da ich aber mehrere Blogs habe, werde ich automatisch auch mit den Ansichten anderer Religionen konfrontiert. Bisher stellte ich fest, dass Moslems wesentlich toleranter mit mir umgehen als strenge Bibelchristen. Jedenfalls bekam ich keine seitenweisen Koranzitate auf meine e - mail - Adresse. Wenn jemand fragte, dann war dies aus Interesse heraus und es wurde akzeptiert oder nicht.

Bei Bibelchristen schaut die Sache wesentlich anders aus. Nicht wenige Leute schicken mir ihre Bibelsprüche und verlangen Interpretationen. Ehrlich gesagt bin ich nicht die Person, die hier eine interrelig. Diskussion starten will. Es interessiert mich ganz einfach nicht, was die katholische, protestantische oder jede andere Kirche für eine Meinung über gewisse Thorathemen vertritt. Die Mehrheit der Bibelzitate und Interpretationen gleichen konfusen irrwitzigen Theorien, die aus dem Nichts herbeigezogen worden sind und keinerlei glaubhaften Grundlage unterliegen. Vor allem habe ich es satt, mir Satanstheorien anzuhören und oft frage ich mich, was eigentlich mit den Leuten los ist, die an soetwas glauben. Was da in so manchem Hirn herumspukt ist erschreckend und ich weigere mich einfach, auf jede Dummheit zu antworten.

Wer "normale" Fragen zum Judentum stellt, bekommt eine Antwort. Oftmals läuft jedoch alles darauf hinaus, krampfhaft beweisen zu müssen, dass Rabbiner und das Judentum als Solches Unrecht haben. Die Rabbiner halten die Juden dumm, damit sie nicht das Licht (Mr. J.) sehen.

Natürlich stellt sich automatisch die Frage, inwieweit ich auf solch Gelaber eingehen soll und ob eine Diskussion etwas bringt. Bei Bibelchristen reisst mir irgendwann der Geduldsfaden und ich sehe es als pure Zeitverschwendung. Ich erkläre den jüdischen Standpunkt und aus. Wer die Antwort nicht akzeptiert, okay, damit kann ich leben. Diskussion beendet. Lust auf christliche Zitate und wahnwitzige Interpretationen habe ich keine. Ich habe Besseres zu tun in meinem Leben als mir jedem seine Meschugazen anzuhören. Und aus dem Grund weigere ich mich strikt vor christlichem Publikum Vorträge zu geben. Das Thema erübrigt sich sowieso, denn ich erteile nur in israel. Programmen, davon relig. Programme, Unterricht.

Was ich mich jedoch oft frage ist, warum Bibelchristen die kleinste Logik nicht verstehen wollen.

G - tt gab die Thora an die Juden. Punkt.

G - tt verkündete in der Thora, dass diese auf ewig gültig sein wird; keinen Veränderungen, Ergänzungen oder Abstrichen unterliegt. Punkt.

Wer als Nichtjude die Sieben Noachidischen Gesetze einhält, der kann genauso in der "Kommenden Welt" seinen Platz finden wie ein Jude auch. Punkt.

Das ist alles. Wieso ist das so schwer zu begreifen ?

Wie fällt es Bibelchristen so schwer, dies zu akzeptieren. Jahrtausende stiehlt die Kirche jüdische Konzepte und verfälscht und verdreht sie, bis sie in absurde eigene Konzepte passen. Ich frage mich immer, ob die Leute keinen Verstand besitzen und nicht einmal nachdenken ?

Ich bin kein Mann, kein Cohen (Tempelpriester), kein Levi, kein nichts Besonderes. Okay, damit habe ich kein Problem. Niemals käme ich deswegen auf den Gedanken, mir Gesetze so zurechtzubiegen, dass ich mich in die Kategorie "Cohen" zwinge und plötzlich im Tempel dienen will. Ich habe kein Problem damit, nicht zu gewissen Eliten zu gehören.

Jeder hat eine Aufgabe im Leben und sollte sich dieser zuwenden und nicht ständig auf andere Leute schielen und denen neiden. Juden haben ihre eigene von G - tt vorgesehene Aufgabe genauso wie Nichtjuden. Das ist alles. Ist es zuviel verlangt, dass zu begreifen ? Anscheinend ja.

Wie in der Thoraparasha Tetzaveh erwähnte, gibt es im Talmud Traktat Schabbat 31a wunderbare Beispiele zu diesem Thema, wovon einige auch schon wieder so umgedreht worden sind, dass sie Bibelchristenkonzepte passt.

In der Parasha nannte ich ein anderes Beispiel als an dieser Stelle, doch drücken die Vorgänge gewisse Absurditäten aus. Ohne das kleinste Verständnis vom und für das Judentum zu besitzen, werden wilde Behauptungen und Spekulationen aufgestellt.

Talmud Schabbat 31a:

Einmal kam ein Nichtjude zu Schammai und fragte ihn, wieviele Thoras die Juden haben.

"Zwei, antwortete Schammai, die Schriftliche und die Mündliche (Talmud)."

Der Nichtjude sagte: "Die schriftliche Thora kann ich akzeptieren, doch die mündliche nicht. Konvertiere mich zum Judentum unter der Bedingung, dass du mich nur die schriftliche Thora lehrst."

Daraufhin schickte Schammai den Nichtjuden fort.

Und, wie üblich, kam der Nichtjude danach zu Hillel, der sich bereiterklärte, den Nichtjuden zu konvertieren.

Zuerst lehrte ihm Hillel das Alphabeth: "Das ist ein Aleph, das ein Beit und das ein Gimmel."

Als der Nichtjude zum nächsten Unterricht kam, drehte Hillel alles um. Das Aleph war plötzlich ein Gimmel usw.

Der Nichtjude beschwerte sich: "Aber gestern hast Du mir doch gesagt, dass dies hier ein Aleph sei und kein Gimmel."

Hillel machte dem Nichtjuden die Unerlässlichkeit der mündlichen Thora klar. Ohne die mündliche Thora wie die Mischna oder die Gemara (Talmud) ist die Thora unverständlich. Nicht jeder kann die Thora nach Belieben interpretieren. Erst die mündliche Überlieferung klärt uns über genaue Zusammenhänge und Vorgehensweisen bei der Einhaltung der Halacha auf. Wenn ich den Talmud nicht akzeptieren kann, ist die ganze Thora hinfällig, da ich nicht in der Lage bin, sie zu interpretieren bzw. zu befolgen. Wer dennoch den Talmud ablehnt, unterliegt einer absoluten Ignoranz.
Feste Regeln sind unerläßlich und erst der Talmud läßt uns wissen, dass ein Aleph ein Aleph ist und wie wir es auszusprechen haben.

Für Talmudisten: Es gibt einen Machloket ob Hillel die Buchstaben vertauschte oder nur deren Reihenfolge (siehe den Kommentator Raschasch).

Weitere Literatur zum Thema:

Die Sache mit dem Gasthaus

Satirischer Dialog

Die Arroganz der christlichen Missionare

Der Teufel und die Juden

Die Sprache der Thora

Elokim

Parashat Tetzaveh

B"H

Die Thoralesung fuer diesen Shabbat

Die vorherige Parashat Terumah lehrte uns jegliche Einzelheiten über den Bau des Mischkans (Tabernakel), wogegen wir aus der dieswöchigen Parashat Tetzaveh erfahren, wie wir die Mitzvot im Mischkan erfüllen sollen.

Gleich im ersten Satz der Parsha sagt G - tt zu Moshe, dass dieser den Israeliten auftragen (Tetzaveh) soll, reines Olivenöl zum Anzünden des Ewigen Lichtes zu bringen. Die Chassidut lehrt uns, dass alles in der physischen Welt seine Wurzeln in der oberen geistigen Welt (spiritual world) hat. Auch das Ewige Licht hat seine Wurzeln in der "spiritual world" und wird bis hinunter zu uns weitergeleitet. So wird die obere mit der unteren unseren Welt verbunden (Noam Elimelech und Degel Machane Ephraim).

In der hebräischen Sprache drückt das Wort "Tetzaveh" eine sofortige Erfüllung aus. Die Gabe des Olivenöl sollte umgehend erfolgen. Mit den individuellen Gaben für das Mischkan hat jeder Israelit einen Anteil daran.

Da wir derzeit keinen Tempel haben, gibt es auch kein Ewiges Licht mehr. Das Licht, welches uns jedoch immer bleibt ist die Thora. Die Lichter des Tempels können erlöschen, doch ist es unmöglich, das Licht der Thora auszuschalten (Sefat Emet).

Das nächste Gebot, welches Moshe von G - tt erhält, ist die Herstellung der acht Kleidungsstücke des Hohepriesters (Cohen HaGadol). In kabbalistischer sowie talmudischer Literatur repräsentiert jedes dieser Kleidungsstücke einen Tikun (eine Seelenreparatur). Jedes einzelne Vergehen der Israeliten wird sozusagen von einem der Kleidungsstücke "repariert" (hebrä. Mekaper). Die Talmud Traktate Zevachim 88a und Arachin 16a geben hierzu eine Liste:

Der Umhang (Ketonet) reparierte das Blutvergiessen, die Hose (Michnas) moralisches Fehlverhalten, der Turban reparierte die Arroganz, der Gürtel falsche Gedanken vom Herzen, das Choschen die Ungerechtigkeit, das Ephod den Götzendienst, der Mantel böswilliges Gerede und das Zitz am Kopf reparierte die Gleichgültigkeit gegenüber G - ttes Geboten.

Viele Kommentatoren sind der Meinung, dass es hierbei nicht nur um die Kleider des Hohepriesters (Cohen HaGadol) geht. Es geht um Kleidung überhaupt. Im Judentum drückt die Kleidung den Charakter des Menschen aus. Sie gibt dem Menschen nicht nur ein gewisses Erscheinungsbild, sondern zeigt genauso seine Moral (Rabbi Samson Raphael Hirsch).

Die Kleidung des Hohepriesters machte ihm zu etwas Besonderem und er unterschied sich dadurch von allen anderen. Genauso sollten wir uns durch unsere Kleidung von derer anderer Nationen unterscheiden. Durch anständige Kleidung vollbringen wir einen Tikun für uns selbst und diese Art der Kleidung hält uns davon ab zu sündigen (Rabbi Moshe Chaim Luzzatto – Ramchal).

Viele haredische Freunde sagten mir, dass sie sich durch ihre Kleidung immer auf einem religiösen hoeheren Level befinden, welcher sie von relig. Vergehen abhält. Ich selbst habe auch schon diese Erfahrungen gemacht.

Rabbi Kook gibt zu dem Thema ein exellentes und berühmtes Beispiel aus dem Talmud Traktat Shabbat 31a:
Ein Nichtjude ging einmal an einer jüdischen Schule vorbei und hörte wie der Lehrer den Kindern die Kleidung des Hohepriesters lehrte. Der Nichtjude fand Gefallen an der Kleidung und beschloß, zum Judentum zu konvertieren. Er dachte, dass er nach seiner Konversion zum Hohepriester ernannt werden wird und diese tolle Kleidung tragen darf.

Der Nichtjude ging also zu Shammai und trug ihm sein Anliegen vor. Doch Shammai akzeptierte ihn nicht. Das Judentum besteht nicht nur aus dem Dienst des Hohepriesters allein und der Nichtjude sollte schon andere Motivationen mitbringen.

Daraufhin ging der Nichtjude zu Hillel. Er sagte ihm, dass er konvertieren wolle, um Hohepriester werden zu koennen. Hillel antwortete ihm, dass er zuerst einmal lernen muss, was ein Hohepriester für Aufgaben hat. Der Nichtjude lernte sehr ausführlich die jüdische Religion und fand so allein heraus, dass er nach seiner Konversion niemals Hohepriester sein kann. Nicht einmal König David hätte Hohepriester werden können, da er kein Cohen war. Wie also kann ich als Fremder, der zum jüdischen Volk kommt, Hohepriester werden ?

Schabbat Schalom