Donnerstag, Januar 31, 2008

Wegen Schnee geschlossen !

B"H

Viele Pläne hatte ich in dieser Woche.
Ich wollte mehrere Leute anrufen, mit ihnen längere Gespräche führen und darüber schreiben. Unter anderem mit Yad Le'Achim, der israel. Anti - Missionsorganisation, einem Rabbiner der Chassidut Breslov sowie mit zwei Frauen aus unterschiedlichen chassidischen Gruppen.

Wegen der Schneekatastrophe fiel alles ins Wasser und ich muss auf die nächste Woche warten. Hoffentlich tritt schon am Schabbat eine Wetterbesserung ein.

Parashat Mischpatim

B"H

Die Thoralesung für diesen Shabbat

In der vorherigen Parashat Yitro erhielten die Juden von G - tt die Zehn Gebote und in der dieswöchigen Parasha folgen weitere neue Zivilgesetze. Der Ramban kommentiert, dass diese neuen Gesetze ein Zusatz zu den Zehn Geboten sind.

Im Judentum gibt es keine Trennung von religiösen, privaten und geschäftlichen Angelegenheiten. Thora und Halacha regeln sogar wie ich mich im Beruf bzw. auf Geschäftsebene zu verhalten habe. Beispiel: Ich bin kein religiöser Mensch, wenn ich als Kaufmann meine Kundschaft betrüge.

Parashat Mishpatim beginnt mit dem Gesetz für Sklaven. Ein Sklave arbeitet sechs Jahre und wird im siebten Jahr freigelassen.
Nun können wir die Thora etwas oberflächlicher lernen, wo die Erklärung dazu lautet, dass G - tt in sechs Tagen die Welt erschuf und am siebten Tag ruhte. Gehen wir dagegen tiefer in die Materie, so erzählen und die Kabbalah (Zohar) und die Chassidut (Beer Moshe und Degel Machane Ephraim) von Reinkarnationen. Laut dem Buch Zohar stehen diese sechs Jahre für sechs Reinkarnationen, welche die Seele durchmacht, um zu ihrer ursprünglichen Perfektion zurückzukehren. Heisst, zu der Zeit als sie von G - tt erschaffen wurde.
Sobald ein Jude sündigt, beschädigt er seine Seele und diese kommt nach dem Tod vor G - ttes Gericht. Eine der Strafen kann sein, dass die Seele als Reinkarnation wieder zurück in unsere Welt kommt. Der Mensch muss sein gesamtes Leben daran arbeiten, seine Seele zu perfektionieren (Beer Moshe).
Dies sind etwas tiefgehendere Erklärungen der sechs Jahre Sklavenarbeit und der Freilassung im siebten Jahr.

Ein weltweit viel zitierter Satz aus Parashat Mishpatim ist: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." In der Presse lesen wir den Satz häufig in Verbindung mit der israelischen Armee und den Palästinensern. Wer "Auge um Auge, Zahn um Zahn" als Rache interpretiert, der irrt gewaltig.

Vielmehr geht es um Schadenersatz. Wird jemandem ein Schaden zugefügt, bekommt er finanziellen Schadenausgleich. Im Talmud Traktat Bava Kamma 83b finden wir unzählige Beispiele dafür: Was ist der tatsächliche Schaden, wie stufen wir den erlittenen Schmerz ein, wie hoch ist der Verlust aufgrund von Arbeitsunfähigkeit etc.
"Auge um Auge, Zahn um Zahn" heisst also nicht, dass wer jemandem ein Auge ausgehackt wird, seines nun auch verliert. Aber was ist der Grund, dass dieser Satz so in der Thora steht ? Warum steht nicht einfach "Schadenersatz" dort ?
Weil vor G - tt im himmlischen Gericht wirklich so gerichtet wird und es keine finanziellen Regelungen gibt. G - ttes Gericht verläuft anders.

Kein Vergehen wird so häufig in der Thora erwähnt wie der Götzendienst. Das schlimmste Vergehen überhaupt. Wer andere G-tter anbetet, der erkennt G - ttes Einzigartigkeit und Seine Erschaffung der Welt nicht an. Die Thora verbietet uns die Namen fremder Götter auch nur auszusprechen (Exodus 23:14). Der Talmud geht noch weiter und verbietet sogar die Erwähnung deren Feiertage.

Eines der Gesetze, welches mir persönlich sehr wichtig ist, ist das die Juden dreimal im Jahr (an Pessach, Shavuot und Sukkot - Laubhüttenfest) vor G-tt erscheinen sollen. Zu Zeiten der zwei Tempel kamen die Juden an diesen Feiertagen (Shalosh Regalim) nach Jerusalem in den Tempel um Opferungen darzubringen und zu feiern. An Sukkot taten das auch viele Nichtjuden.

Seitdem wir den Staat Israel haben und das Gebiet um die Klagemauer im Sechs - Tage - Krieg (1967) zurückeroberten, kann jeder wieder an diesen Feiertagen in die Jerusalemer Altstadt kommen. Für mich ist das die schönste Zeit und ich habe das Glück, da ich in Jerusalem wohne, an Pessach und Sukkot täglich in die Altstadt gehen zu können. An den Zwischenfeiertagen gibt es unzählige Attraktionen und Tausende stürmen in die Juedische Altstadt. An Pessach und Sukkot findet jeweils am 3. Tag der Segen der Cohanim (ehemals Tempelpriester) an der Klagemauer (Kotel) statt.

An Shavuot ist es Brauch, die ganze Nacht durchzulernen und morgens für das Morgengebet an die Klagemauer zu gehen. Falls dort noch aufgrund des hohen Ansturmes Platz sein sollte. Es ist ein grandioser Anblick, wenn die Sonne über dem Tempelberg aufgeht.



In den Thorakommentaren des Baal Shem Tov finden wir zur Parashat Mischpatim einen Text, in dem sich die Chassidut mit Reinkarnationen beschäftigt.

Verborgene Seelen - Eine Geschichte vom Baal Shem Tov

Der Maggid von Mezritch bat den Baal Shem Tov ihm den Vers "Und dies sind die Urteile, welche Ich euch gebe" aus dem Buch Zohar zu erklären. Der Baal Shem Tov sagte dem Maggid, dass er in den Wald gehen soll, sich dort einige Stunden unter einen Baum nahe eines Baches setze und später zu ihm zurückkehre. Der Maggid tat wie ihm aufgetragen.
Als er unter dem Baum saß, sah er einen Reiter kommen. Der Reiter stieg vom Pferd, setzte sich, aß und trank und setzte seinen Weg fort. Allerdings bemerkte er nicht, dass er seine Brieftasche verloren hatte.

Danach kam ein zweiter Mann, der sehr ärmlich ausschaute. Er fand die Brieftasche des Reiters, nahm sie an sich und ging.

Danach kam ein dritter Mann, der ebenfalls arm ausschaute. Er trank aus dem nahegelegenen Bach, legte sich hin und schlief ein. Da kam der Reiter zurück, der in der Zwischenzeit den Verlust seiner Brieftasche bemerkt hatte und fragte den dritten Mann, ob er diese gesehen hat. Der Mann wusste nicht, von was der Reiter sprach. Daraufhin schlug ihn der Reiter zu Tode, weil er glaubte, dass der Mann ihn belüge.

Der Maggid kehrte zum Hause des Baal Shem Tov zurück und berichtete ihm, was er gesehen hatte. Der Baal Shem Tov erklärte ihm Folgendes:

Diese drei Personen waren allesamt Reinkarnationen aus einem früheren Leben. Der Reiter schuldete dem zweiten Mann Geld. Genau die Summe, welche sich in der Brieftasche befand. Der dritte Mann war der Richter, der ein Fehlurteil sprach als er dem Reiter Recht gab, die Schuld nicht an den zweiten Mann zahlen zu müssen.

In diesem Leben zahlte der Reiter seine Schuld, der Richter bekam seine Strafe und der zweite Mann bekam sein Geld.
Und dies ist, was der Zohar meint mit "Und dies sind die Urteile, welche Ich euch gebe".

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Aufgrund der schlechten Wettersituation in Israel und dem damit verbundenen allgemeinen Chaos habe ich die Parsha aus dem vergangenen Jahr entnommen. Eigentlich wollte ich etwas ganz anderes und detaillierter schreiben. Hoffentlich klappt es im kommenden Jahr ohne Schneechaos.

Schabbat Schalom

Dienstag, Januar 29, 2008

Ein Dank an den Rabbiner

B"H

Vor einigen Jahren, als ich noch etwas jünger war, fuhr ich auf einen Kurztrip ins nordisraelische Safed, wo ich im Chabad Hostel Ascent nächtigte. Im Hostel traf ich dann auch auf zwei junge Frauen aus Jerusalem. Sie waren Mitte Zwanzig und lernten allabendlich in einer haredischen (ultra - orthod.) Yeshiva (relig. Schule)in Jerusalem.

Es stellte sich heraus, dass die jungen Damen erst im späteren Verlauf ihres Lebens religiös geworden waren. Seither lernten sie neben ihrem Job an einer Yeshiva im haredischen (ultra - orthod.) Stadtteil Kiryat Mattersdorf / Jerusalem.

Genau zu der Zeit suchte ich nach einigen Neuerungen in meinem Leben, hatte allerdings noch keine konkrete Vorstellung, was diese Neuerungen denn beinhalten sollten.

Soweit hatte ich in nationalreligiösen Instituten gelernt und ging fast allabendlich zu Shiurim (Vorträgen) von haredischen Rabbinern. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich mich jemals in der nationalrelig. Gesellschaft heimisch fühlte, obwohl ich öfters auch die Schriften des Rabbi Avraham Yitzchak Kook (der erste aschkenazische Oberrabiner Israels und Zionist) lerne. Dennoch liegt mir die nationalrelig. Mentalität überhaupt nicht. Dann traf ich auf die zwei Mädels in Safed und sie luden mich zu ihrer haredischen Yeshiva ein. Zuerst verbrachte ich einen Schabbat mit ihnen und kurz darauf suchte ich ihre Schule auf, um mich umzusehen und mir einen Eindruck zu verschaffen.

Kiryat Mattersdorf ist ein ausschließlich haredischer Stadtteil, in dem man alles finden kann: chassidische und litvish. Nebenan liegt Kiryat Belz mit seiner gigantischen Synagoge und weitere haredische Stadtteile wie Sanhedria und die Bar Ilan Street liegen auch nicht weit entfernt.

Um in die Yeshiva zu gelangen, mußte ich erst einen Hinterhof mit spielenden Kindern durchqueren. Ich war die Einige, die nicht unbedingt haredisch gekleidet war und fiel auf. Eine der zwei Mädels, A., erwartete mich schon ungeduldig. Sie war sephardischer Abstammung und überaus warmherzig. Stolz führte sie mich sogleich durch das kleine Gebäude und stellte mich allen möglichen Leuten vor.

Bei der Yeshiva handelte es sich irgendwie um den israelischen weiblichen Gegenpart zur Männeryeshiva Ohr Sameach und der Unterricht wurde ausschließlich auf Hebräisch erteilt. Die Schülerinnen, von denen die meisten zwischen 20 - 35 Jahre alt waren, hatten erst im späteren Verlauf ihres Lebens die Religion entdeckt. Ihr Eltern und Geschwister waren hingegen noch sekulär.

Schon im Treppenhaus trafen A. und ich auf eine etwas befremdlich wirkende Frau. Sie schien irgendwann einmal der Hippie - Kultur angehört zu haben und war auch im richtigen Woodstock - Alter. Mindestens 50 Jahre alt. Geistesabwesend stand auf einer Stufe und ihre Gedanken waren überall, nur nicht in dieser Welt.

A. flüsterte mir zu, dass die Frau "Alona" heiße.

Ich: "Okay".

A. fuhr fort: "Das ist Alona".

Ich: " Ja, ich habe vernommen, dass das Alona ist".

Doch A. ließ nicht locker und flüsterte nochmals, dass die Frau Alona hiesse. Als ich immer noch nichts verstand fragte A., ob ich denn die Story nicht kenne.

Als nicht in Israel geboren war mir die Story gänzlich unbekannt und A. klärte mich auf.

Es stellte sich heraus, dass Alona die Ex - Frau des berühmten israelischen Popsängers Arik Einstein war. Arik Einsteins bester Freund, der Trivialschauspieler Uri Zohar, wurde vor mehr als 25 Jahren religiös. Uri Zohar war in den sechziger und siebziger Jahren zu vergleichen mit dem Part des David Hasselhoff in Baywatch. Plötzlich jedoch entschied er sich religiös und sogar Haredi zu werden. Uri Zohar gab seine Karrier auf und widmete sich fortan dem Thorastudium in einer Yeshiva. Seine Fans verstanden die Welt nicht mehr und wollten ihren alten Uri zurück. Doch der sträubte sich und lief in schwarzem Anzug und mit Bart herum. Die Fans fühlten sich betrogen und wollten nicht einsehen, dass es den alten Uri nicht mehr gab. "Wie kann einer von uns zu diesen dämlichen Religiösen überlaufen", so die stereotype Meinung vieler sekulärer Israelis.

Auch Arik Einstein verstand gar nichts mehr und wollte keinen relig. Freund. Irgendwie kippte die Freundschaft und zerbrach ganz. Arik Einstein trauerte so sehr, dass er über die Tragik, die er empfand, einen berühmten Song schrieb.

Aber nicht nur Ariks Freund Uri schien auf und davon; auch Ariks Frau Alona verließ ihn samt Kinder. Auch sie wurden religiös.
Bis heute hat Arik Einstein Kontakte zu seiner Ex. Der Kinder wegen. Mit Uri Zohar dagegen wechselte er nie wieder ein Wort.

Das ist die berühmte Story, die A. mir berichtete. Ganz Israel habe damals Kopf gestanden. Und ich stand vor Alona Einstein und sagte "Hi". Das wars.

Das Klassenzimmer, wenn ich es einmal so nennen darf, war bis auf den letzten Platz überfüllt. An den Inhalt des Unterrichtes kann ich mich nicht mehr erinnern, doch fragte der unterrichtenden Rabbiner, wie denn die Mädels ihren Schabbat verbracht hatten. Sie kicherten und ich verstand erst nicht, dass die Frage ironisch gemeint war. Sie alle hatten Eltern und Geschwister, die den Schabbat nicht gerade in relig. Stimmung verbrachten. Es störte mich, dass alle hier darüber zu kichern schienen. Wer heute als Tochter oder Sohn relig. wird, der braucht sich nicht unbedingt über den sekulären Rest der Familie lustig zu machen.

Die Mädels hörten sich den Vortrag an und häkelten dabei fleißig Kipot (Käppis). Um es einmal aus einem Yeshivasarkasmus heraus zu sagen: Ihre Augen leuchteten geradezu und ich sah wie sie nur an das eine dachte. "Wer wird der Zukünftige sein, der diese Kipa tragen darf (der Ehemann) ?

Auf mich machte das alles eher den Eindruck eines Hausfrauenclub. A. war etwas anders und bestand darauf, mich mit dem Yeshivaleiter bekannt zu machen. Für mich gab es kein Entkommen mehr, denn schon schleifte mich A. in sein Büro.

Der Leiter war Amerikaner und sprach Hebräisch mit einem starken amerikanischen Akzent. Ich wollte ihm alle Leiden ersparen und bot ihm an, dass ich ja auch Englisch könne. Doch er schaute mich nur böse an und wies mir einen Stuhl zu.

Was ich denn lernen wolle ? Talmud ? Da sei ich aber hier an der falschen Adresse. Es war nur allzu offensichtlich, dass er gar nicht daran dachte, mich in den Hausfrauenclub aufzunehmen. Anscheinend sah ich aus wie ein Troublemaker mit meinen eigenen Gedanken. Außerdem konnte ich nicht häkeln und hatte keine glänzenden Augen.

Zuerst habe ich mich über das Verhalten des Rabbis geärgert, doch als ich später nach Deutschland zurückkehrte, war ich heilfroh, nicht im Club geendet zu haben. Allen Ernstes wollte ich dem Rabbi sogar eine Dankeskarte senden. Eine eventuelle Aufnahme in die Yeshiva hätte sich im Nachhinein als einzige Katastrophe herausgestellt. Nach seiner Absage fand ich eh einen besseren Platz, wo ich auch Talmud lernte.

Wenn wir im Leben Absagen bekommen oder etwas nicht nach Wunsch klappt, tendieren wir dazu, uns zu ärgern oder enttäuscht zu sein. Nicht selten aber stellt sich gerade diese Absage hinterher als das Beste heraus, was uns jemals hätte passieren können.

Nach dem Gespräch mit dem Yeshivaleiter nahm ich noch weitere drei Male am Unterricht teil und danach nie wieder.

Ich hörte, dass A. seit längerem glücklich verheiratet ist.
Alona ist bestimmt noch Teil der Yeshiva.
Arik Einstein singt immer noch und Uri Zohar gibt Vorträge auf einem religiösen sephardischen Radiosender.

Die Yeshiva gibt es sicher auch noch, aber ich bin happy, niemals akzeptiert worden zu sein.

Ich habe immer noch keine glänzenden Augen und auch das Häkeln habe ich immer noch nicht erlernt.

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Nur kurz zur Klarstellung: In Israel werden Thorainstitute für Frauen "Michlalot" genannt, doch blieb ich im Verlauf des Textes bei dem Wort "Yeshiva".

Montag, Januar 28, 2008

Das zerbrochene Glas

B"H

Es kommt vor, dass man einen Film mit folgendem jüdischem Inhalt sieht: Eine Hochzeit findet statt und inmitten der Trauungszeremonie wirft der Bräutigam ein leeres Glas hinter sich, welches auf dem Boden aufschlägt und zerbricht.

So manch einer mag sich fragen, warum dies geschieht. Ist es ein Ritual, ein Ausdruck der Hochzeitsfreude oder nur so ein Brauch ?

Zur näheren Erläuterung ein Auszug aus dem Talmud Traktat Berachot 31a:

Rabbi Ashi veranstaltete eine große Hochzeitsfeier für seinen Sohn. Er beobachtete wie die Rabbiner für seine Begriffe zu exessiv feierten, und so nahm er ein weisses Glas und zerbrach es in ihrer Anwesenheit. Die Rabbiner wurden traurig.

Obwohl Kommentatoren an dieser Stelle sofort beginnen, anderweitige komplizierte halachische Details zu diskutieren, will ich mich nur auf das Zerbrechen des Glases beschränken, was es hervorruft und warum.

Die Tosafot (Nachfolger des großen Talmudkommentatoren Rashi - 12. Jahrh.) zitieren diesen Talmudauszug als Quelle für den Brauch des Zerbrechen eines Glases während einer Hochzeitszeremonie.

Der RAMA kommentiert zum Schulchan Aruch (Code of Jewish Law) - Orach Chaim - 560:2, dass dieser Brauch an die Tempelzerstörungen erinnern soll.

Auch im Moment der größten Freude in unserem Leben dürfen wir nie außer Acht lassen, dass die Welt ohne den Tempel in Jerusalem imperfekt ist. Das Zerbrechen des Glases soll uns bis zum Bau des Dritten Tempels immer an diesen Zustand erinnern.

Aber nicht nur ein Glas wird zur Erinnerung zerbrochen.
In jedem neugebauten jüdischen Haus muß es immer eine kleine Fläche an der Wand geben, welche ungestrichen oder unverputzt bleibt. In vielen Haushalten sieht man an einer bestimmten Stelle im Haus eine kleine Stelle, die den Rohbau zeigt. Auch dies soll jeden Betrachter an die Tempelzerstörungen erinnern und daran, das wir nach wie vor auf den Dritten Tempel warten.

Sollen Rabbiner Stellung beziehen ?

B"H

Sollen Rabbiner Stellung beziehen ?
Diese Frage kam vor ca. zwei Monaten auf der Titelseite der "Jüdischen Allgemeinen" auf. Die Antwort fiel etwas holprig aus, denn sie lautete, dass ein in Deutschland tätiger Rabbiner in Talk - Shows durchaus zur Politik Stellung nehmen sollte. Auch solle sich ein Rabbiner über heutige aktuelle Themen wie Sterbehilfe, Mindestlohn oder Aids äußern. An Einladungen der TV - Sender fehle es nicht, doch sagen die Rabbiner immer wieder ab. Dies sei unverständlich.

Aus israelischer Sicht habe ich mir einmal meine Gedanken gemacht. Deutsche Fernsehanstalten verpassen einmal wieder mehr den Punkt. Nicht jeder Rabbiner sollte oder kann sich zu einem dieser oder anderer spezieller Themen äußern.

Nehmen wir einmal als Beispiel das Thema "Sterbehilfe im Judentum". Dieses Thema ist so weit gegliedert, dass mehrere Halacha - Experten sich dazu äußern müssen. Mir ist noch nicht einmal ein genaues Urteil eines der angesehen Rabbiner - Experten zu dem Thema bekannt. Weder habe ich etwas von Rabbi Eliyashiv aus Bnei Brak gehört, noch aus anderer anerkannter Quelle.

Grundsätzlich gilt, dass wenn sich ein Rabbiner zu einem jüdischen halachischen Thema bekennen soll, dieser ein Experte auf seinem Gebiet sein muß. Oder einfach einmal grob erklärt: Nicht jeder Hansel, der ein Rabbinerzertifikat in der Hand hält, sollte oder muß sich äußern. Und in Deutschland ist außer vielleicht Rabbiner Klein aus Frankfurt niemand zu höheren Meinungen in der Lage. Oder wieder anders gesagt: Was ein deutscher Rabbiner sagt, kehrt in Israel oder den USA niemanden. In Deutschland wird keine Halacha entschieden.

Zum Mindestlohn kann jeder seinen Beitrag abgeben. Bei Aids wird es wieder komplizierter, denn ausgerechnet im Judentum gibt es hier sehr vielfältig ausfallende Meinungen. Was soll ein Rabbiner auch groß halachisch zum Thema Aids erklären ?

Ein weiterer Knackpunkt ist, dass sich kein einziger orthod. Rabbiner in ein TV - Studio setzen kann und in 45 Minuten halachische Standpunkte einem Millionen Publikum erklärt, welches die Grundzüge der Halacha gar nicht kennt. Schon der Ansatz würde Stunden dauern und zusätzlich läuft man Gefahr, mißverstanden zu werden und dann geht das Theater erst richtig los.

Theorien und Standpunkte sollten in Vorträgen zum besten gebracht werden, wo dem Publikum gleichzeitig die Möglichkeit gegeben wird, bei Unklarheiten nachzufragen. Und wenn die TV - Stationen so sehr einen Rabbiner engagieren wollen, dann sollten sie sich um einen Experten bemühen und einmal in Antwerpen nachfragen.


Medizinische Halacha im Judentum

http://www.shemayisrael.co.il/shure/refuah/refuah_eng_homepage.htm

http://www.aish.com/societyWork/sciencenature/The_Terri_Schiavo_Case_Related_Ethical_Dilemmas.asp

http://www.jewishvirtuallibrary.org/jsource/Judaism/Auerbach.pdf

Sonntag, Januar 27, 2008

Zum Internationalen Holocaust - Gedenktag

B"H

Als ich den vergangenen Schabbat im ultra - orthodoxen Mea Shearim verbrachte, erwähnte ich den heutigen Internationalen Holocaust - Gedenktag und stieß damit auf Desinteresse. Religiöse Juden gedenken den Opfern der Shoah üblicherweise am 10. des jüdischen Monat Tevet (Dez. / Jan.). An diesem Tag gedenken wir all jenen Verschollenen, deren genaue Grabstätte wir nicht kennen und fasten ca. 12 Stunden lang. Nicht, dass der 10. Tevet nur diesem einen Gedenken gilt, doch wurde das Thema "Holocaust" mit eingefügt.

Meinem besonderen Interesse gilt bei solchen Gedenktagen fast immer den religiösen Juden, darunter den Chassidim. In meinen Augen wird ausgerechnet diese Bevölkerungsgruppe anderweitig viel zu wenig erwähnt und manchmal sogar übergangen. Dabei waren es Hunderttausende von Chassidim und litvishen Haredim, die der Shoah zum Opfer fielen. Ganze Gemeinden und fast ganze chassidische Gruppen wurden von den Deutschen und ihren willigen Helfern ausgelöscht und was man nicht gerne hört ist, dass relig. Juden bis heute einen immensen Vorbehalt gegenüber Deutschland haben.

Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust taten sich im Verlauf der Zeit mehrere verschiedene Verhaltensmerkmale in der deutschen Bevölkerung auf. Bis zum Eichmann bzw. Auschwitz - Prozeß in den 60iger Jahren herrschte jedoch erst einmal das große Schweigen im Walde. Deutschland wollte wieder wer sein und befand sich mitten im Wirtschaftsaufschwung. Die Fußballweltmeisterschaft hatte man auch schon gewonnen und die "Helden von Bern" sind allen lieber als Holocaustopfer.

Mit dem Eichmann - Prozeß wurde Deutschland dann doch wieder an seine Vergangenheit erinnert. Später folgte noch der Auschwitz - Prozeß in Frankfurt. Ganz zu schweigen vom Jahre 1979, in dem der Film "Holocaust" zum ersten Male im deutschen TV ausgestrahlt wurde. Seither ranken sich erst richtig diverse Verhaltensmuster, die einem Nichtdeutschen geradezu skuril erscheinen.

Da ist der sich so schuldig Fühlende, der meint, alles gutmachen zu müssen. Er versucht in die Synagogen zu gehen und brave Mine zu machen. Mitgefühl muß schon gezeigt werden.

Da sind die ewigen Antisemiten, die eh nichts dazu lernen.

Oder die neue Linke, die meint, ihre Schuld dadurch loszuwerden, indem sie Israel beschuldigt, Palästinenser zu mißhandeln.

Aber es gibt auch jene, die sich ernsthaft mit dem Thema auseinandersetzen und gegen jegliche Form von Antisemitismus vorgehen. Das Positive bei ihnen ist, dass sie nicht mit einem Jammergesicht vor der Synagoge stehen und aufdringlich ihr Mitgefühl verkünden wollen.

Ein etwas neues Phänomen scheint zu sein, sich als Jude auszugeben. Vielleicht wollen einige ausprobieren, wie die Mitmenschen da wohl reagieren, wenn sie glauben, einen richtigen Juden vor sich zu haben. Ein wenig Chic oder IN mag auch eine Rolle spielen. Hauptsache weg vom eigenen Gewissen und der Schuld.

Eine weitere besonders wichtig zu erwähnende Gruppe sind die fundamentalistischen Christen, die meinen, Juden missionieren zu müssen. Teile der israel. Presse und ich sehen dies als den "Zweiten Holocaust". Dummdreist kommen sie daher und meinen Argumente anbringen zu können, um ja nur zu missionieren. Gegendarstellungen und Überzeugungsarbeit aus jüdischer Sicht wird ignoriert, missverstanden oder missinterpretiert. Die Nazis brachten die Menschen um, doch was die Missionare tun, ist den Juden auch noch versuchen die Seele abzujagen. Der Talmud Avodah Zarah (Götzendienst) beschreibt sehr genau, welche Auswirkungen das für jene falschen Seelenjäger beinhaltet.

Laut der israel. Presse ist der Antisemitismus weltweit im Aufwind. Der israel. Kampf gegen den paläst. Terror wird weitgehend für ein antisemitisches Verhalten ausgebeutet. Man schiebt den Terror vor, um seiner antijüdischen Meinung freien Lauf lassen zu können. Man wolle ja schließlich nur Israel kritisieren. Allerdings erfolgt dies mit einem süffisanten nicht zu überhörenden Unterton.

Jedes Land ist für die Bekämpfung des Antisemitismus allein verantwortlich und als herausragendes Beispiel deutscher Zivilcourage dient sicher ein Hotelmanager aus Ostdeutschland, der einen Nazigipfel in seinem Hotel untersagte.

Es gibt sie also doch noch die Zivilcourage und solche Leute sind mir lieber als Philosemiten und Missionare.

http://hamantaschen.blogspot.com/2008/01/der-klausenberger-rebbe.html

http://chassidicstories.blogspot.com/2008/01/der-sinneswandel-des-rabbi-yissachar.html

Samstag, Januar 26, 2008

Jiddischer Schabbat

B"H

Zwei von drei Schabbatessen verbrachte ich bei einer Familien im ultra - orthodoxen Mea Shearim. Die Familie kenne ich schon recht lange und sie wissen, dass ich im Internet über das Judentum und insbesondere die Chassidut schreibe. Man bat mich jedoch, keine Namen, Örtlichkeiten und Details über sie im Internet zu nennen. Dies betrifft auch alle weiteren Gäste, die bei den Schabbatessen anwesend waren.

Ich respektiere den Wunsch der Chassidim auf Privatsspähre und werde keinerlei Details bereichten, sondern nur einige Gesprächsfetzen.

Soviel sei gesagt: Ich habe einen großartigen Schabbat erlebt und viele neue Leute kennen gelernt. Allein über einige der Anwesenden könnte man ganze Romane verfassen, so interessant sind ihre Lebensgeschichten. Mit einer Frau werde ich weiterhin Kontakt halten und wir haben Adressen ausgetauscht. Ihre Story, und die ihrer Familie, ist besonders interessant, denn sie wechseln gerade von einer chassidischen Gruppe in die andere.

Frauen und Männer sassen in getrennten Räumen und so hatte ich nur Gelegenheit, mit den weiblichen Anwesenden zu sprechen. Dies fand meistens auf Hebräisch oder Jiddisch statt. Obwohl mein Verständnis des ungarischen Yiddish gewöhnlich immer hängt, hatte ich dennoch kaum Probleme und kam sehr gut mit.

Gestern Abend ging ich nach dem Schabbatessen zum Tisch der chassidischen Gruppe Avraham Yitzchak. Ich blieb etwas länger als eine Stunde und war Zeuge eines innigen Gespräches zweier jüdischer Seminarmädels aus New York und einer älteren Frau der Avraham Yitzchak. Beide Mädels sprachen etwas Jiddisch und die Frau ein wenig Englisch, und so kam es zu einem interessanten Gespräch in zwei Sprachen, in dem es um die Kleidung der männlichen Mitglieder der Gruppe ging. Wer behauptet, die sogenannten extremen Gruppen geben keine Auskünfte oder ziehen sich von allen Leuten zurück, der erlebte gestern das Gegenteil.

Was ich aber immer wieder feststelle ist, dass die Chassidim sich sofort "öffnen", sobald jemand Jiddisch spricht und sich in der jüdischen Religion bzw. der Chassidut hervorragend auskennt. In dem Moment springt sofort eine Funke über und es kommt zu Gesprächen.

Alle waren froh, dass der Rebbe der Toldot Avraham Yitzchak wieder einen Tisch gab. Wochenlang war er im Ausland gewesen. Der Rebbe war bester Laune und stimmte seine Chassidim kräftig beim Singen an.


Der Rebbe der Toldot Avraham Yitzchak, Rabbi Shmuel Yaakov Kahn

Freitag, Januar 25, 2008

Short Stories

B"H

Vielerseits sprachen mich Leute an, die meinten, ich solle endlich einmal ein Buch über chassidische Gruppen und meine Erfahrungen schreiben. Ich habe mich nach einigem Zögern entschlossen, dies zu tun und in der nächsten Zeit werde ich einige Artikel zusammensuchen bzw. viel Neues schreiben.

Wenn es soweit ist, wird das Buch vorläufig nur in englischer Sprache erhältlich sein. Es wird nichts Hochakademisches, sondern viel mehr Erfahrungen und Details in Form von Kurzgeschichten.

Pläne

B"H

Wie schon erwähnt, werde ich das heutige Schabbatessen bei einer Familie der chassidischen Gruppe Satmar im ultra - orthodoxen Mea Shearim verbringen.

Ich wurde zu allen drei Schabbatmahlzeiten eingeladen, bin mir aber noch nicht sicher, ob ich wirklich dreimal teilnehme oder nicht doch einmal bei den Machlises vorbeischaue.

Das Wetter soll furchtbar werden am Schabbat. Dauerregen und kalt.

Ob ich heute Abend oder morgen früh in die Synagoge gehe, weiss ich noch nicht. Wenn, dann geht es heute Abend zu Karlin - Stolin in Mea Shearim. Anscheinend gibt der Rebbe der chassidischen Gruppe Toldot Aharon heute Abend einen chassidischen Tisch. Wenn dem so ist, dann werde ich garantiert vorbeischauen.

An alle Satmar - Experten: Da ich meine Gastgeber einige Jahre nicht getroffen habe, weiss ich demnach nicht, welchem der beiden Satmarer Rebben sie folgen; ob Rebbe Zalman Leib Teitelbaum oder Rebbe Aharon Teitelbaum.

Es wird also nicht langweilig werden.

Schabbat Schalom an alle Leser.


Der 2006 verstorbene Satmarer Rebbe, Rabbi Moshe Teitelbaum, beim Tanz auf einer Hochzeit.

Donnerstag, Januar 24, 2008

Parashat Yitro

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

In der dieswöchigen Thoralesung konvertieren Moshes Schwiegervater Yitro sowie die Israeliten. Die Israeliten deshalb, weil sie sich nun verpflichten, die Thora einzuhalten (der Talmudkommentator Maharsha).

Die Thora hält sich nicht immer unbedingt an die chronologischen Ereignisse und daher gibt es gleich über die ersten Sätze in Parashat Yitro vollkommen unterschiedliche Interpretationen.
Was genau hörte Yitro und wann kam er zu Moshe ?

Laut Rashi hörte Yitro vom Auszug aus Ägypten und dem siegreichen Krieg gegen Amalek. Die Mechilta andererseits lehrt, dass Yitro vom Krieg gegen Amalek und den 10 Geboten hörte. Demnach wäre Yitro nach den 10 Geboten zu den Israeliten gekommen und nicht vorher.

Die Konversion Yitros ging relativ leicht von statten. Er bekannte sich zu dem EINEN alles beherrschenden G - tt und damit wurde sein vorheriger Name Yeter in Yitro verwandelt, indem ein Vav ו am Schluß angehängt wurde (Rashi und Moshe Alshich).

Am 1. des jüdischen Monats Sivan erreichten die Israeliten Har Sinai (den Berg Sinai). Am darauffolgenden Schabbat sollte G - tt ihnen die 10 Gebote geben (Talmud Traktat Schabbat 86b). Die Midrash Rabbah und der Talmud Traktat Avodah Zarah (Götzendienst) 2b lehren, dass bevor G - tt die 10 Gebote bzw. die Thora gab, Er alle anderen Völker befragte, ob sie nicht die Thora haben wollen. Als die Völker hörten, dass Diebstahl, Mord oder Götzendienst verboten waren, lehnten sie die Thora ab. Nur das Volk Israel sagte "Na'aseh ve nishma" (wir werden tun und hören). Heißt, wir wollen nicht erst aufgelistet bekommen, was in den 10 Geboten steht, sondern wir tun es, weil Du unser G - tt bist. Die Israeliten wogen bei ihrer Zustimmung keine Vor - und Nachteile ab.

Der Vilna Gaon kommentiert, dass G - tt nur die Oberhäupter der Völker befragte und nicht jeden einzelnen. Innerhalb der Nationen gab es jedoch schon den ein oder anderen, der die Thora akzeptiert hätte. Eben jene Leute betrachtet der Vilna Gaon als die heutigen Gerim (Konvertiten). Damals hatten sie keine Chance, die Thora zu bekommen, was sie heute nachholen.

Die Gemara im Talmud Traktat Schabbat 87b lehrt, dass die Israeliten einige Mitzwot (Gesetze) aus der Thora schon auf einer ihrer allerersten Stationen in Marah bekamen. Nämlich die Schabbatgesetze, die Gesetze für die Rote Kuh (Parah Adumah) und das Zivilrecht (Rashi). Laut Rabbi Hirsch gehörten dazu auch die Gesetze für die Beschneidung (Brit Milah).

Es heißt, dass als G - tt begann, den Israeliten die Gebote vorzutragen, deren Seelen (Neshamot) sie vor Überwältigung verliessen. Im selben Augenblick wurden sie von G - tt wiederbelebt (Talmud Schabbat 88b).

Überhaupt lernen wir an dieser Stelle sehr viel über Seelen. Die Israeliten bekamen in jenem Moment vor dem Berg Sinai den höchsten Seelen - Level, welche sie kurz darauf aufgrund des Vergehens mit dem "Goldenen Kalb" verloren. Diesen hohen Seelen - Level nennt, unter anderem, der Baal Shem Tov Neshama Yeterah. Genau diesen Zustand erhalten wir mit dem Eintreffen des Meschiach zurück. In der Zwischenzeit bekommen die Juden jeden Schabbat eine zusätzliche Seele, welche auch Neshama Yeterah genannt wird. Diese zusätzliche Seele erhalten wir jeden Freitag und verlieren sie am Mozzaei Schabbat. Daher sind wir am Schabbat spiritueller und mehr mit G - tt verbunden. Gemäß einigen Kommentatoren zufolge, erhalten wir die zusätzliche Seele schon am Mittwoch.

Am Berg Sinai erhielten die Israeliten die Thora, welche für alle Ewigkeiten (Deuteronomy 13:1, 13:2-4, 29:28) gilt. Alle jüdischen Generationen sind zu ihrer Einhaltung verpflichtet. Die Gemara im Talmud Shavuot 39a und Schabbat 146a stellt die Frage, ob denn die kommenden Generationen und Konvertiten vor dem Berg Sinai auch einen Bund mit G-tt eingegangen sind.

Die Gemara und Kommentatoren antworten, dass alle jüdischen Seelen vor dem Berg Siani standen (Rokeach). Alle Seelen der folgenden Generationen wurden zu Moshe gebracht (Maharsha). Wir alle haben am Berg Sinai gestanden, bewußt oder unbewußt. In anderen Schriften heißt es, dass seit dem Berg Sinai keine neuen jüdischen Seelen mehr erschaffen worden sind, sondern wir alle Reinkarnationen der 600.000 Israeliten sind, die damals die Thora erhielten.
Jede Seele schwörte damals G - tt, die Thora zu akzeptieren. Wir sind einen direkten Bund mit G - tt eingegangen und benötigen kein Medium, wie Engel etc., zwischen Ihm und uns (Rabbi Hirsch).

Die Gemara im Talmud Traktat Schabbat 89a lehrt, dass Sinai (סיני) eigentlich "Haß" heißt. Die Erklärung in der Gemara ist simpel: Am Berg Sinai haßte G - tt die Götzenanbeter.
Der Iyun Yaakov und der Rambam vertreten eine andere Ansicht: Am Berg Sinai begann der eigentlich Antisemitismus. Die Juden bekamen die Thora und andere Völker waren neidisch. Daher ist der Sinai die Wurzel des Antisemitismus.

Als all die Israeliten zu Moshe kamen und ihn um Rat fragten, war Yitro geschockt und schlug die Ernennung von Richtern vor. Damals kamen die Leute zu Moshe und wollten den Rat G - ttes zu allen möglichen Lebensbelangen. Dieses lehrt uns, dass wir heute wie damals G - tt um Rat fragen sollen (Rabbi Hirsch). G - tt ist ein Teil unseres alltäglichen Lebens und nicht nur einmal pro Woche in der Synagoge present.

Mit der Anerkennung, dass G - tt der Erschaffer jeglicher Existenz ist, gelingt es uns vielleicht zu der Einsicht zu gelangen, dass nichts im Leben selbstverständlich ist.

In den Synagogen werden die 10 Gebote dreimal pro Jahr gelesen: In den Parashot Yitro, Vaetchanan und an Shavuot.

________________

Die Richter, die Moshe einsetzte, wurden in späteren Generationen, zu Tempelzeiten, durch die Mitglieder der Sanhedrin ersetzt. Gestern Abend war ich bei einem interessanten Shiur (Vortrag), bei dem es allwöchentlich um die Frage geht, wieviele Wahrheiten es gibt.

Da ist zum einen der realistische Vorgang - Wie ist etwas abgelaufen ?

Zum anderen aber ist nicht das, was wir sehen und bezeugen immer die halachische Wahrheit. Die Richter bzw. die Sanhedrin können andere Beweggründe mit einbringen und wenn ein Zeuge glaubwürdig erscheint, selbst wenn er lügt, dann kann es zu einem unerwarteten Urteil kommen, was ich akzeptieren muß.

Genauso steht es, zum Beispiel, mit dem Festlegen des Kalenders. Entscheidet der Sanhedrin, dass an diesem und jenen Tag der neue Monat beginnt, so muß ich das akzeptieren, selbst wenn sich der Sanhedrin unabsichtigerweise irrt.

Bemerkt sei, dass es sich beim Sanhedrin um geistige relig. Rabbinergrößen handelte und nicht um jene manchmal korrupten Systeme, die wir leider heute nur allzu gut kennen.

Die Thora wurde von G - tt an uns auf der Erde gegeben und wir müssen sie auslegen und erfüllen. Deswegen lesen wir nicht selten im Talmud von Entscheidungen des Sanhedrin, welche kritisiert und G - tt um Hilfe gebeten wurde. Er solle alles richtigstellen und dem Sanhedrin einmal die Meinung geigen.

G - ttes Antwort lautete jedoch, dass Er Sich bei diesen Urteilen den Sanhedrin beugt, denn die Thora sei für die irdische Welt (Terrestrial World). Halachische Detailentscheidungen habe Er in die Hände der Richter bzw. des Sanhedrin gegeben. Wir haben die Pflicht, die Anweisungen des Sanhedrin zu befolgen.

Im Shiur kam gleichzeitig die Frage auf, was denn heute sei ?

Rabbeinu Nissim (der RAN) sagte, dass wir in Zeiten ohne einen Sanhedrin auf die größten respektiertesten Rabbiner unserer Zeit hören sollen.

Aber wer genau sind heute diese Rabbiner ?

Definitiv nicht jene, die sich groß in der Politik bewegen. Solche Leuten dürften nur halachische Entscheidungen fällen und sollten sich ausschließlich mit der Religion befassen. Mir fällt dazu nur der in den 80iger Jahren verstorbene Rabbiner Moshe Feinstein ein.

Allerdings tauchen noch ganz andere Probleme auf.

Wer ist schon in der Lage, solche Geistesgrößen zu bestimmen und zu ernennen. Der Letzte, wenn auch umstrittene, Ernannte war der Autor des Schulchan Aruch, Rabbi Yosef Karo aus Safed.

Es kann sich nicht einfach so ein Grüppchen zusammentun und behaupten, sie seien jetzt der neue Sanhedrin. Vor einigen Jahren geschah genau das in Israel unter dem Vorsitz des Chabad - Rabbis Adin Steinsaltz. Dieser selbsternannte Sanhedrin verfügt über keinerlei Autorität !!!

Die Frage ist, ob wir selber einen Sanhedrin einsetzen sollen, wenn der Meschiach noch nicht da ist ? Und brauchen wir überhaupt einen Sanhedrin ?

Klar ist, dass ein Sanhedrin bzw. dessen halachische Urteil von ALLEN Juden anerkannt werden müssen und ist das heute der Fall ? Gibt es die beschworene Einheit ?
Nein.

Viele Juden sagen, dass, wenn der Meschiach erst einmal da ist, alles gelöst werden wird. Momentan haben wir keine Antworten, aber lasset ihn nur erstmal kommen. Dann wird alles anders.

Die Frage ist, und ich habe das schon oft vernommen, ob wir wirklich erst auf den Meschiach warten müssen ?

Warum sollen wir nicht einfach Taten vorziehen und aufgrunddessen kommt der Meschiach ? Wer von uns wartet denn wirklich auf ihn ? Und nicht vergessen, dass erste, was wir nach dessen Eintreffen gefragt werden ist, wie wir uns vorbereitet haben (siehe Talmud Sanhedrin 97 ff.). Und was wird da jeder Einzelne von uns antworten ? Haben wir uns vorbereitet ?

Im gleichen Traktat steht genauso, dass Meschiach unerwartet kommen wird. Demnach sind wir gezwungen, uns täglich neu vorzubereiten, denn man weiß ja nie.

Warum sich von daher nicht einmal mehr vorbereiten und Taten vorziehen ?


Infos zum Meschiach im Judentum:

http://hamantaschen.blogspot.com/2007/03/der-juedische-meschiach-teil-1.html

http://hamantaschen.blogspot.com/2007/03/der-juedische-meschiach-teil-2.html

Schabbat Schalom

Mittwoch, Januar 23, 2008

Die Armee des Rebben

B"H

Das im Jahre 2003 erschienene Buch "The Rebbe's Army" von Sue Fishkoff verursachte seinerzeit großes Aufsehen in den USA. Sue Fishkoff beschreibt in ihrem Buch ihre Besuche bei unterschiedlichen Chabad – Shlichim in den USA. Sie nahm an Schabbatessen teil und wurde zu vielen anderen Chabad – Veranstaltungen eingeladen.

Dem Titel zufolge erwarten viele ein Skandalbuch, aber meistens ist das Gegenteil der Fall. Die Autorin listet Fakten auf und gibt zu, Chabad tue sehr viele für Juden, die von ihrer Religion weit entfernt lebten. Niemals seien sie ohne die Hilfe von Chabad darauf gekommen, den Schabbat oder die Feiertage zu begehen oder koscher zu Essen.

Im Vorwort gefiel mir die Aussage von Velvel Green, einem Professor der Ben – Gurion University Beersheva, besonders gut:

"Früher oder später wird ein Astronaut auf dem Mars landen und wen wird der Astronaut dort antreffen ?
Einen Lubawitscher Shaliach".


Ein Shaliach oder im Plural "Shlichim" ist ein Abgesandter bzw. Abgesandte des Lubawitscher Rebben. Heutzutage existiert kaum ein Land auf der Erde, in dem es nicht wenigstens einen Chabad – Shaliach und ein Chabad – House gibt. Ob das in Katmandu oder in Zaire ist. Chabad ist überall. Vielleicht auch bald auf dem Mars.

Die chassidische Gruppe Chabad kann auf eine ca. 250 Jahre alte Tradition zurückblicken. Ihr Gründer, Rabbi Shneur Zalman von Liadi, war ein Schüler des Maggid von Mezritch, welcher wiederum der Nachfolger des Baal Shem Tov war. Rabbi Shneur Zalman war nie unumstritten; weder beim Vilna Gaon und seinen litvishen Anhängern und weder in der chassidischen Bewegung selber. Kritikern und Chassidismusexperten zufolge, entfernt sich die heutige Chabad – Bewegung immer mehr von ihren eigenen Konzepten. Man sagte mir sogar, dass gewisse Schriften ehemaliger Rebben zum Thema "Meschiach" nicht mehr aufzufinden seien, eben weil gewisse messianische Strömungen innerhalb Chabads eine weitere Publikation der ursprünglichen Aussagen zum Meschiach – Konzept verhindern wollen. Demzufolge könne dann von eben jenen Strömungen der siebte und letzte Lubawitscher Rebbe, Rabbi Menachem Mendel Schneerson, als der kommende Meschiach nicht mehr aufrecht erhalten werden.

Chabad zog schon immer unzählige Kritiker an. Und das weltweit. Sogar über die Emigration des sechsten Lubawitscher Rebben, der Schwiegervater des Rabbi Menachem Mendel, wird gemunkelt. Wie entkam der sechste Rebbe den Nazis ? Gab es tatsächlich einen Deal und man ließ den Rebben in die USA ausreisen ?

Tatsache ist, dass aus der ehemals kleinen Chabad – Gruppe ein riesiges Imperium wurde. Als Rebbe Menachem Mendel Schneerson im Juni 1994 verstarb, ging es erst so richtig los. Seit dem Jahre 1950 leitete Rebbe Menachem Mendel die Gruppe und war mehr als nur der geistige Führer. Er war eine außergewöhnliche Persönlichkeit mit Führungsqualitäten.

Bis heute befindet sich das Chabad – Hauptquartier in New York. In Brooklyn – Crown Heights, 770 Eastern Parkway.
Dort steht das Wohnhaus des verstorbenen Lubawitscher Rebben, welches sich auch heute noch hoher Besucherzahlen erfreut. Übrigens gibt es einen Zwilling davon, der im Kfar Chabad, bei Rishon LeZion in Israel, errichtet worden ist.

Viele andere orthodoxe Richtungen würden unheimlich gerne wissen, was sekuläre Juden an Chabad so anzieht. Zieht erst einmal ein Chabad – Shaliach mit seiner Family in die Nachbarschaft, dann rennen viele ausgerechnet in deren Einrichtungen und die litvishen Rabbiner bleiben einsam und allein im Hintergrund. Chabad kommt, grast ab und der Litvak hockt allein im Dunkeln. Und in kaum einem anderen Land spriessen die Vorurteile gegenüber Chabad so sehr aus dem Boden. In vielen Fällen angezettelt von der verängstigten litvishen Konkurrenz um ihre Schäfchen. Reform oder Litvishe, vielerorts hat man sich in Deutschland auf Chabad eingeschossen. Sie seien Missionäre und alle sind der Meinung, der letzte Rebbe komme als Meschiach wieder. Das sei doch kein Judentum.

Es ist richtig, dass Chabad die Reformbewegung absolut ablehnt, aber wer tut das nicht als orthodoxer Jude ? Wenn Chabad missioniert, handelt es sich dabei ausschließlich um Juden. Vorzugsweise sekuläre Juden. Zu Chabad – Veranstaltungen werden nur halachische Juden zugelassen. Den letzteren Punkt kann ich nur befürworten, denn manche amerikanische Programme, in denen ich Vorträge halte, laden nicht selten Reformkonvertiten oder Jugendliche ein, wo nur der Vater Jude ist. Da frage ich mich und andere Redner übrigens auch, was wir solchen Leuten spirituell rüberbringen sollen.

Während litvishe Rabbiner ihre oftmals stocksteifen Schabbatessen abhalten, bringt Chabad Stimmung in die Bude. Nicht nur, dass chassidische Melodien gesungen werden, auch spirituell gibt es etwas zu lernen. "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein", so heißt es in der Thora und der Chassidismus lehrt, dass der Mensch nicht nur aufgrund seiner Nahrung lebt, sondern auch aufgrund seiner spirituellen Nahrung (der Thora).

Chabad lädt jeden Jude nein, egal, welchen Background derjenige hat. Jeder kann kommen, wie er will und ist willkommen.
Chabad ist Outreach pur.

Nicht aus dem Grund, um immer mehr Anhänger zu finden, sondern um jedem Juden die Möglichkeit zu geben, eine Mitzwah zu erfüllen. Dieses Konzept war für Rabbi Menachem Mendel Schneerson von immenser Bedeutung. "Ahavat Israel – Die Liebe zum Volke Israel". Alle Juden sind durch eine gemeinsame Seele miteinander verbunden und jeder Jude muß gleichermassen geliebt werden. Egal, auf welchem Thoralevel er sich befindet. Ganz Israel ist ein Körper und eine Seele. Dieses Konzept stammt nicht nur allein von Chabad, sondern wird von anderen chassidischen Gruppen wie Toldot Aharon oder Vishnitz genauso vertreten. Chabad jedoch lehrt und lebt das Konzept in einer etwas anderen und offeneren Art und Weise.

Nachdem der letzte Rebbe im Juni 1994 verstarb, wurden bis 2002 ganze 610 Chabad Shlichim – Ehepaare in alle Welt gesandt. Allein 705 neue Chabad – Institutionen wurden in der Zeit eröffnet. Die genaue Zahl der Chabad – Mitglieder ist unbekannt, doch konkurrieren sie mit der größten chassidischen Gruppe Satmar, welche gemäß aktuellen Angaben eine Mitgliederzahl von 150.000 Juden hat.

Jeder Chabad – Shaliach ist für seine Finanzen selber zuständig und nicht wenige Male im Jahr ist er gezwungen, sich auf den Weg zu machen, um Spender zu finden. Dabei sind die USA, Kanada, Südafrika oder England beliebte lukrative Ziele. Dort leben die Reichen und geben schon einmal den ein oder anderen Scheck. Ein großer Spender Chabads ist Bob Dylan. Hollywoodgrößen wie Meryl Streep sind genauso mit von der Partie. Bei Chabad – Veranstaltungen stößt man nicht selten auf Redner wie den US – Senator Joseph Lieberman oder den Schriftsteller Elie Wiesel.

Chabad verfügt über Geldquellen, um sich auszubreiten. In den USA werden sie nicht selten dafür kritisiert, aber dennoch auch hoch gelobt. Koscheres Essen an Unicampussen, Ferienlager, Schabbatessen, Mazzot zu Pessach, Vorträge. Wenn Chabad in der Nähe ist, steht kein Jude allein da. Im Gegenteil zum litvishen Movement, wo es teilweise eine selektive Auswahl für Schabbatessen gibt. Bei Chabad ist jeder eingeladen. Internet, Movies, Bibliotheken, Chabad bietet etwas und die Leute springen darauf an. Die Gruppe betrachtet sich als Brücke zwischen der religiösen und sekulären Welt. "Wir versuchen, die Welt zu einem besseren g - ttlicheren Platz umzugestalten, bis der Meschiach kommt", so Rabbi Sholtiel Lebovic aus Crown Heights. Jeder Jude ist gleich wertvoll und jeder einzelne sollte sich der Religion mit seinem eigenen individuellen Tempo nähern. Nicht hopplahopp und ich bin von heute auf morgen religiös. Mit diesem Konzept steht Chabad auch wieder nicht allein, denn die Chassidut Breslov propagandiert dieses einstige Konzept des Rabbi Nachman von Breslov.

Nicht selten mischt Chabad auch in der Politik mit. Sowohl in Israel durch Benjamin Netanyahu als auch in den USA. Die Bewegung verfügt über beträchtlichen Einfluß in Washington.

Der große Knackpunkt aber ist immer wieder das Thema "Meschiach". Ist der letzte Rebbe der Meschiach ?

Drei Jahre lang habe ich intensive an Chabad – Unterrichten teilgenommen. In Jerusalem und auch im Norden, in Safed. Ich kenne unzählige Chabad – Mitglieder und habe gute Freunde unter ihnen. Ich war bei Schabbatessen oder nur so auf Besuch. Keiner aber konnte mir jemals erklären, warum Rabbi Menachem Mendel Schneerson als Meschiach gesehen wird. Wobei hier wichtigerweise angemerkt werden muß, dass nicht alle Chabad – Mitglieder Meschichisten sind. Chabad teilt sich in eben jene zwei Meinungshälften auf.

Der Rebbe sei einmal persönlich gefragt worden, ob er der Meschiach sei. Er habe nur genickt, was aber eigentlich weder JA noch NEIN bedeutet. Seine Anhänger jedoch nahmen es als ein JA auf. Rabbi Schneerson beging hierbei einen Fehler, denn er hätte eindeutig Stellung beziehen müssen. Das hat er versäumt.

Seitdem er 1950 das Amt des Rebben übernahm, war er in aller Welt als "Wunderheiler" bekannt und es ranken sich viele Stories um ihn. Wer will, der kann eine Auswahl im Internet nachlesen oder entsprechende Chabad – Literatur kaufen. Täglich versammelten sich Tausende von Menschen in der 770 und warteten auf ein Gespräch mit ihm. Juden sowie Nichtjuden.

Es ist unbestreitbar, dass Rabbi Schneerson und herausragender Rabbiner war, aber ihn als Meschiach sehen…..?

Andere chassidische Gruppen reagieren in den wenigsten Fällen positiv auf Chabad. An dieser Stelle seien einmal Satmar und Vishnitz als Kritiker genannt.

Seit fast 14 Jahren ist Chabad ohne einen Rebben, hat es aber verstanden, die Ideologie mehr oder weniger aufrecht zuerhalten. Vom Meschiachstandpunkt einmal abgesehen. Die Erinnerung an den Rebben wird durch Poster, Bücher und alle Art von Publikationen aufrecht erhalten. "Es lebe der Rebbe".



Alles in allem ist Chabad sehr zu empfehlen und Hemmungen bzw. Vorurteile ihnen gegenüber sind nicht immer gerechtfertigt. Bezüglich Deutschland tut kaum eine orthodoxe Gemeinde soviel für ihre Mitglieder wie Chabad. Damit meine ich vor allem Vorträge (Shiurim). Was ich aber jedem anrate ist, auch in andere chassidische Gruppen hineinzuschauen und sich nicht nur allein auf Chabad zu beschränken und zu meinen, dass sei der ganze Chassidismus.

Keine Ausflüchte

B"H

Es passiert nicht häufig, dass ich über ein Thema schreibe, ohne die genaue Quelle anzugeben. Dieses Mal geschieht es nun doch, denn ich kann mich an die genauen Quellenangaben nicht mehr erinnern. Es müssen entweder der Talmud Kiddushin oder Bava Metziah sein. Sobald ich die Quelle finde, reiche ich sie nach.

Bei einem Talmud - Shiur von Rabbi Mordechai Machlis hörte ich einmal, dass ein Rabbiner, der einen Vortrag zu einem relig. Thema hält, verpflichtet ist, die Wahrheit zu sagen. Wird aus dem Publikum eine Frage gestellt und der Rabbiner weiß die Antwort nicht, dann soll er dies zugeben.

Sehr oft erlebe ich es, dass Fragen aus der Zuhörerschaft kommen und der Rabbi die Antwort nicht weiß. Im Judentum bedeutet dies keineswegs ein Versagen seitens des Rabbiners, sondern intelligente Fragen sind durchaus erwünscht. Je verzwickter die Frage und der Rabbiner weiß keine Antwort, desto besser. In Yeshivot (relig. Schulen) ist man stolz auf jene Schüler, welche Fragen und der Rabbi weiß die Antwort nicht.

In solchen Fällen gibt der Rabbiner die Antwort beim nächsten Mal und versucht in der Zwischenzeit eine passende Erklärung zu finden. Es ist ganz natürlich, dass er hierbei Kollegen bzw. bekannte Rabbis konsultiert oder sich halt in der Halacha oder dem Talmud umschaut.

Um gute Fragen zu stellen, muß man nicht über hohe geistige relig. Qualitäten verfügen. Oft kommt bei einer historischen Aussage eine halachische Frage, wie denn dies oder das zu der Zeit gehandhabt werden konnte. Oder auf eine halachische Frage kommt eine Frage zur jüdischen Geschichte. Es gibt Tausende verschiedene Beispiele

Leider ist es bei der Mehrheit der Rabbiner so, dass wenn sie in solch eine Situation geraten, sie Umschweife oder Ausreden finden. Sie reden um den heißen Brei herum, anstatt zuzugeben: "Ich weiß es nicht, aber ich werde die Antwort herausfinden".

Angemerkt sei, dass ich mich hier nur auf Vorträge orthodoxer Rabbiner vor einem jüdischen Publikum beziehe. In Deutschland scheint es leider oft der Fall zu sein, dass sogenannte orthod. Rabbiner sich vor ein nichtjüdisches Publikum stellen und jenem unbedingt imponieren wollen. Derlei Verhalten ist uns in Israel unbekannt und ich denke, dass dies in den USA genauso wenig stattfindet.

Kurz gesagt, ich beziehe mich auf Fragen von Juden an Juden.


Laut Rabbi Machlis ist ihm in seiner beruflichen Laufbahn nur einmal passiert, dass ein Rabbiner vor seinem Publikum offen zugab, die Antwort nicht zu wissen. Und dies geschah gleich zu Beginn seines Vortrages. Der Rabbi kam herein, begann mit seinem Thema und sogleich kam eine Anmerkung aus dem Publikum. Ob der Rabbi denn dieses und jenes zum Thema bedacht habe. Der Rabbiner dachte einen Moment nach und sagte, dass der Vortrag beendet sei. Er habe wirklich nicht bedacht, was der Zuhörer angedeutet hatte und wolle sich zu dem Thema noch mehr informieren.

Ich war auch schon in der Situation, dass ich eine Frage stellte und der Rabbiner jemanden anderen erst konsultieren mußte, der sich mit dem jeweiligen Thema besser auskennt. Das kann jedem passieren und ist keine Schande.

Allerdings sehen sich viele Rabbis in ihrer Eitelkeit gekränkt und wollen nur ungern oder gar nicht zugeben, dass sie sich auf diesem oder jenem Gebiet der Halacha nicht so auskennen. In Deutschland sehe ich vielmals, dass lokale Rabbiner komplizierte Themen wie "Organspende" anschneiden, ohne unbedingt der große Spezialist vom Fach zu sein. Aber besonders in dem Land gilt halt die Einstellung, dass die Zuhörer ja eh nichts wissen und keine provokanten Fragen stellen. In Israel würden sich derlei Rabbiner nach ein oder zwei Vorträgen keines Publikums mehr erfreuen.

Keiner der Zuhörer wird beleidigt dasitzen, wenn der Rabbiner einen Fehler zugibt oder halt einfach sagt, dass er die richtige Antwort erst ermitteln muß. Im Gegenteil, dies läßt sein Ansehen steigen und jeder sieht, dass sich der Rabbi tatsächlich zum Thema engagiert. Zusätzlich besteht für ihn eine halachische Pflicht, die Wahrheit zu sagen und nicht irgendwelche Ausflüchte zu finden, die sich hinterher als falsch erweisen. Manchmal passiert es sogar, dass Rabbis ins Publikum fragen, ob der Herr oder die Frau Sowieso anwesend ist, denn man habe ihnen leider vor kurzem einen falschen Rat gegeben und nun solle alles richtig gestellt werden.

Dienstag, Januar 22, 2008

Rabbanit Beruriah und ihr verhüllter Anhang

B"H

Kürzlich las ich von einer neuen flippigen Gruppierung; den Anhängerinnen einer gewissen Rabbanit Beruriah in Jerusalem. Die Gruppierung ist strikt orthodox, besteht NUR aus Frauen und versammelt sich um eben jene Beruriah.

Das Besondere an der Gruppe ist, dass Beruriah von 100%ig anständigen Frauen predigt. Als Frau habe man / frau seine / ihre eigene Würde, was nicht bedeutet, man solle sich den Männern zur Schau stellen.

Rabbanit Beruriah kam auf die Idee, sich wie die alten jüdischen Jerusalemer Frauen zu Beginn des Jahrhunderts zu kleiden. Dazu muß erwähnt werden, dass auch einige chassidische Gruppen in Jerusalem diesen alten Yerushalmi - Look beibehalten. Beste Beispiele hierfür sind Karlin oder undToldot Aharon. Der Kleidungsstil wird jedoch nur von den Männern eingehalten, Frauen haben ihre eigenen Gesetze.

Neben den genannten Gruppen gibt es separat noch die chassidischen Yerushalmim, die unabhängig von den Gruppen sind. Vielmehr sind sie die Nachfahren der ersten Chassidim, welche aus Osteuropa nach Jerusalem kamen. Einen eigenen Rebben hat diese Gruppierung heute nicht mehr, aber dennoch existiert sie weiter.

Rabbanit Beruriah jedoch hat da so ihre eigenen Vorstellungen, die absolut nichts mit chassidischen Gruppen zu tun haben. Weite Kleider soll die Frau tragen, damit man auch ja nicht ihre Körperform erkennt. Jegliche erotische Vorstellung eines Mannes soll so vermieden werden. Schließlich sei Frau kein Lustobjekt.

Aber nicht nur weite Röcke werden angezogen. Dazu kommen noch mehrere weite Schals. Ein Schal soll das Gesicht teilweise verhüllen.

Haredische (ultra - orthod.) Rabbiner halten diese neue Gruppierung von ca. 100 Frauen für durchgeknallte Fundamentalistinnen. Das sei ja wohl zu abgefahren und extrem. Außerdem sehen die Frauen dann aus wie Araberinnen.

Die Frauen halten dagegen mit Argumenten wie: auch die Frauen unserer Vorväter seien verhüllt herumgelaufen.

Rabbanit Beruriahs Anhang meidet jeglichen Kontakt mit dem männlichen Geschlecht. Außer dem Ehemann natürlich. Und über fehlende Neuzugänge kann sie laut eigener Aussage auch nicht gerade klagen. Ihre Gruppe sei am wachsen, weil immer mehr Frauen die Wichtigkeit der anständigen Kleidung erkennen.

Beruriahs Gruppe könnte man direkt mit einigen Bresloverinnen verwechseln. Auch bei den Breslover Chassidim gibt es nicht selten einen hippiemässigen Kleidungsstil. Was Beruriahs Anhang veranstaltet, ist definitiv übertrieben, aber wem es gefällt…..

Allerdings frage ich mich jedesmal, was das für Frauen sind, die sich der Rabbanit anschließen und wie sich die Rabbanit selber fühlt, wenn sie da plötzlich eine Gefolgschaft hinter sich aufbaut.

Montag, Januar 21, 2008

Die Neturei Karta Synagoge in Mea Shearim

B"H

Nicht auf allem, wo Neturei Karta draufsteht, ist auch Neturei Karta drin.

Die Neturei Karta besteht aus vielen Gruppierungen, welche man differenzieren sollte. Leider wird in der Presse alles NUR einseitig dargestellt.


Die Neturei Karta Synagoge in Mea Shearim

Satmar & andere

B"H

Viele Male habe ich es schon erwähnt und möchte es trotzdem nochmals klarstellen:

Ich gehöre keiner bestimmten chassidischen Gruppe an und berichte über alle gleichermassen. Ob das nun Gruppen aus der anti - zionistischen Edah HaCharedit sind, die Neturei Karta selber oder etwas offenere Gruppen, alles ist vertreten.

Einige vielleicht noch nicht so ganz, denn manchmal fehlt es einfach an der Zeit oder insbesondere am Schauplatz. Leider sind in Jerusalem manche Gruppen nur begrenzt vertreten und daher muß ich vorher erst eine Reise nach Bnei Brak oder zu anderen Orten planen. Aber über Gruppen wie Lelov, Tchernobyl, Munkatch, Rodzhin, Nadvorna oder Kaliv werde ich genauso berichten wie über andere zuvor auch.

Wenn ich über Satmar, Bobov oder Vishnitz schreibe, dann bin ich objektiv und ergreife keine Partei bei den internen Streitigkeiten. Ich berichte genauso über den Satmarer Rebben, Rabbi Aharon Teitelbaum, wie über den zweiten Rebben, Rabbi Zalman Leib. Bei Bobov sind es die Familien Unger und Halberstam, die einen Zwist ausstehen.

Wenn ich die Satmarer Synagoge des einen Rebben besuche, besuche ich danach auch die des anderen Rebben.

Warum erwähne ich das alles ?

Diesen Shabbat werde ich bei Satmar verbringen, denn ich bin bei meinen Freunden eingeladen. Und welchem Rebben sie auch immer vertrauen, ich beschreibe die Gruppen gemäß meinen Erfahrungen und wie ich es sehe.

Sonntag, Januar 20, 2008

Zum Holocaust - Gedenktag

B"H

Chassidim zur Zeit des Holocaustes:

Sinneswandel des Rabbi Yissacher Shlomo Teichtal aufgrund des Holocaustes

http://chassidicstories.blogspot.com/2008/01/der-sinneswandel-des-rabbi-yissachar.html


Der Klausenberger Rebbe

http://hamantaschen.blogspot.com/2008/01/der-klausenberger-rebbe.html

Weitere Artikel sind in Arbeit !!!

Tu Be' Shevat - Das Neujahrsfest der Bäume

B"H

Der diesjährige Feiertag Tu Be' Shevat beginnt am morgigen Abend (Montag, 21. Januar 2008). Den ganzen darauffolgenden Tag, Dienstag, 22. Januar, begehen wir den Tu Be' Shevat.

Der Tu Be' Shevat ist der 15. des jüdischen Monats Shevat und ein Halb - Feiertag. Wenn er nicht gerade auf einen Schabbat fällt, wird am Tu Be' Shevat ganz normal gearbeitet.
Mit Tu Be' Shevat beginnen die ersten Bäume in Israel zu blühen. Selbst wenn das Wetter noch winterlich ist.

In der Thora findet dieser Feiertag keine Erwähnung, stützt sich aber dennoch auf einen Satz in Deutoronomy 20:19: "Der Mensch ist ein Baum - HaAdam Hu Etz HaSadeh". Außerdem wird Tu Be' Shevat mit den Abgaben von Früchten an den Tempel (Trumot und Maasrot) in Verbindung gebracht.

Juden werden in der Literatur oft symbolisch mit einem Baum in Verbindung gebracht.

Was haben sie beiden gemeinsam ?

Wie ein Baum so muss ein Jude wachsen und für das Wachstum ist Wasser erforderlich. Wasser symbolisiert die Thora und somit kann ein Jude nur durch Thorastudium wachsen.

Im Buch Shaarei HaMoadim (von Chabad) heisst es, dass ein Jude immer mit der Quelle seines Ursprungs verbunden sein muss:
mit der Thora. Durch die Thora wächst er und trägt Früchte, welches die Einhaltung der Mitzwot sind. Am Tu Be' Shevat besteht Gelegenheit, dass Thorastudium neu aufzunehmen. Gleichzeitig gibt dieser Feiertag der Seele (Neshama) Kraft, höher aufzusteigen.

Für Rabbi Nachman von Breslov symbolisiert ein Baum Weisheit (siehe die Bäume des Lebens und des Wissens im Paradies) und er stellt die Beziehung von Himmel und Erde dar. Ein Mensch muss seine Wurzeln in dieser Welt haben, aber dabei zu G - tt aufschauen und spirituell wachsen.

Es ist üblich, am Tu Be' Shevat eine Seder abzuhalten, an der Wein oder Traubensaft getrunken und Früchte aus Israel gegessen werden. Der ARI (Rabbi Yitzchak Luria) hatte den Brauch, 15 unterschiedliche Früchte zu essen.
Granatäpfel, Oliven, Honig, Feigen, Datteln, Weintrauben und vor allem getrocknete Früchte, wie Bananen, Aprikosen oder Erdbeeren....all das wird am Tu Be' Shevat gegessen.

Fasten ist halachisch verboten und Tachanun wird ausgelassen.
Nebenbei sollte noch erwähnt werden, dass es einen Diskurs zwischen dem Haus Shammai und Hillel gab. Shammai betrachtete den 1. Shevat als Neujahrstag der Bäume und Hillel, dem wir heute noch folgen, sah den 15. Shevat als dessen an.

Außer der Seder werden an dem Tag überall in Israel Bäume gepflanzt. Diese Mal nicht, denn in Israel befinden wir uns mitten im Shemittah - Jahr.

Morgen Abend und den gesamten Dienstag über werden bei vielen chassidischen Gruppen ganz besondere Tu Be' Shevat Seder bzw. Feierlichkeiten abgehalten. Die Gruppen Karlin - Stolin, Gur oder die Slonim hegen keine besonderen Bräuche zum Feiertag. Zwar halten sie alle ganz normal ihre Seder ab, doch das war es dann auch schon.

Dafür feiert man bei den Gruppen Kretchnif, Satmar oder bei Belz umso mehr. Bei Belz sowie bei Kretchnif geben die Rebben einen extra chassidischen Tisch. Bei Satmar folgt man dem Brauch, 18 verschiedene Früchte zu essen und vor dem Essen jeder Frucht wird "Shir HaMaalot" gesungen.

Morgen Abend werde ich mich in Mea Shearim befinden und schauen, was die einzelnen Gruppen zu bieten haben.

Aber auch im KEVER RACHEL, Rachel's Grab ausserhalb Bethlehems, wird eine Seder abgehalten. Wer fahren will, findet am Dienstag extra Busse zum Grab. Treffpunkt ist um 12.30 Uhr in Rehov Strauss.

Vorab "Chag Sameach" und einen fröhlichen Tu Be'Shevat.


Tu Be' Shevat Photos aus ISRAEL











Samstag, Januar 19, 2008

שבת חתן בקרלין - סטולין ( Schabbat Chatan bei Karlin - Stolin)

B"H

Die litvishen Juden unter dem Gaon aus Vilna kritisierten den neu aufgekommenen Chassidismus der Baal Shem Tov - Bewegung aufs Schärfste. Unter anderem hieß es, dass da Chassidim in einer Art und Weise beten, die einem alkoholisierten Zustand gleich käme. Besagte Chassidim würden sich wild hin und her bewegen und aus vollem Hals ekstasisch beim Gebet schreien. So etwas könne ja nicht normal sein und Gutes verheissen. Gestern Abend erlebte ich ein großartiges Beispiel zu diesem Jahrhunderte alten Vorurteil und hatte die Gelegenheit, alles live zu sehen.

Wieder einmal änderte ich meine ursprünglichen Pläne.
Zuerst ging ich jedoch pünktlich nach dem Anzünden der Schabbatkerzen auf nach Mea Shearim. Das Wetter war eiskalt, was aber niemanden in Mea Shearim abhielt, in die Synagogen zum Abendgebet Maariv zu stürmen. Wie ich zuvor schon mehrere Male erwähnte, gehen bei vielen chassidischen Gruppen die Frauen am Erev Schabbat nicht in die Synagoge, sondern erst am Morgen. So machte ich mich zu einer Gruppe auf, bei denen ich nebenbei die spärlich anwesenden Frauen fragen wollte, wann einer ihrer wichtigsten Rabbiner (Mitglied im Beit Din Zedek der anti - zionistischen Dachorganisation Edah HaCharedit) Sprechstunde hat.

Das Vorhaben zerschlug sich schnell, denn ausgerechnet gestern Abend nahm keine einzige Frau am Abendgebet teil. Ich beschloss, woanders hinzugehen und passierte den riesigen Gebäudekomplex der Neturei Karta. Allerdings stand mir der Sinn nach euphorischen Schabbatgesängen und dafür gibt es eine gute Adresse. Die chassidische Gruppe von Karlin - Stolin. Eine der ältesten chassidischen Gruppen überhaupt. Zusammen mit Chabad hat Karlin die älteste History in Lithauen.

Den Fraueneingang zu finden, ist zu Beginn recht schwierig, doch ich war schon einige Male in der Synagoge und hatte keine Probleme. Bei meiner Ankunft war ich das einzige anwesende weibliche Wesen. Bei Karlin ist die Mechitza eine Glasscheibe und man hat einen super Überblick über die im Erdgeschoss betenden Chassidim. Wer sich dem Karliner Gebäude nähert, der hört die euphorischen Gesänge schon von weitem.

Im Inneren ging es noch besser zu. Mindestens 200 Chassidim incl. Kinder beteten; wie die Litvishen schon sagte, sie bewegten sich wirklich wild hin und her und schrien laut auf im Gebet. Wer den Anblick oder den Chassidismus nicht kennt, der wird sich wahrscheinlich wundern. Wer aber dagegen einen Sinn für die Chassidut hat und weiss, was spirituell geschieht, dem fällt es schwer, sich dem Treiben zu enthalten. Zugegeben, die wenigen anwesenden litvishen Haredim enthielten sich aber doch und schauten erstaunt drein. Nichts gegen die Litvishen, aber mit Euphorie oder enthusiastischem Gebet ist bei ihnen nichts. Sie stehen da und schauen drein. Für meine Verhältnisse zu lahm, aber wem es gefällt....

Etwas später trat eine junge chassidische Frau ein und wir begrüßten und kurz. Nach dem G - ttesdienst kamen wir ziemlich gut ins Gespräch. Sie ist Amerikanerin und in New York in der Gruppe Karlin aufgewachsen.

Wann es denn einen chassidischen Tisch mit dem Rebben gebe ?

Der Rebbe wohnt etwas ausserhalb in Givat Zeev und kommt nur einmal im Monat oder alle zwei Monate nach Jerusalem, um einen Tisch abzuhalten. Genau weiss man das im voraus nie.

Karlin - Stolin plant nichts Besonderes am Montag Abend / Dienstag anstehenden Feiertag Tu Be'Shevat.

Ich erzählte ihr, dass ich im Internet über chassidische Gruppen schreibe und sie fragte mich nach der Adresse meines eng. Blogs. Sie habe einen PC und würde sich das Anschauen.

Insgesamt redeten wir eine halbe Stunde. Sie war interessiert zu erfahren, was ich bisher über Karlin - Stolin erfahren habe. Nicht viel, gab ich zu, obwohl ich ein Buch über die Gruppe begonnen habe zu lesen.

Zum Schluss lud sie mich zum heutigen Morgengebet ein, welches um 8.00 Uhr früh beginnt.


Der Rebbe Baruch Yaakov Meir Shochet von Karlin-Stolin



Anstatt zu Satmar oder anderswo hinzugehen, ging ich tatsächlich zurück zu Karlin und bereute es nicht. Dieses Mal war die Frauenempore total überfüllt, aber ich fand einen guten Stehplatz. Wer in das Untergeschoss schauen will, der muss sich schon hinstellen. Sitzend sieht man nichts.

Wieder wurde ekstasisch gebetet.

Karlin - Stolin hat den Brauch, Süssigkeiten an die Kinder zu verteilen. So geschieht es nach dem Freitagsg - ttesdienst an die Jungen und beim Morgengebet für die Mädels in der Frauenempore. Alle Kinder stuerzten auf die grossen blauen Plastiktüten los und nahmen sich eine kleine Tüte heraus. Bonbons, Schokolade, alles war dabei.

Nach der Thoralesung versammelten sich alle kleinen Jungen auf der Bimah und die Frauen schmissen Süssigkeiten ins Erdgeschoss auf die Jungen. Warum das ?

Schabbat Chatan. Jemand heiratet in dieser neuen Woche und der zukuenftige Ehemann bekam einen extra Aufruf zur Thora. Danach flogen sie Süssigkeiten und man kann sich das Gewimmel kaum vorstellen. Alle Jungen drängelten und griffen nach den herabfliegenden Tüten.

Ich war schon dabei, mich zu verabschieden als eine ältere Dame auf mich zukam und sagte, dass eine spezieller Kiddush stattfindet. Im hinteren Teil der Frauenempore war ein langes Bufett aufgebaut. Ich wurde eingeladen, mitzukommen und sah mich sofort mit einem Teller voll Jerusalemer Kugel (Nudelpastete), sauren Gurken und Kuchen dastehen. Die Amerikanerin vom Vorabend traf ich auch gleich wieder.

Alles in allem gibt es bei Karlin - Stolin total nette Leute und ich war froh, am G - ttesdienst teilgenommen zu haben. Nicht nur wegen des Kugels.

Freitag, Januar 18, 2008

Pläne

B"H

Es ist wieder einmal soweit; in wenigen Stunden beginnt der Schabbat.

Und wie schaut es mit den Plänen diesbezüglich aus ?

Wie schon erwähnt, gehe ich heute Abend zum Abendgebet Maariv in die Synagoge einer chassidischen Gruppe in Mea Shearim. Unter anderem auch, weil ich die normalerweise recht spärlich anwesende Frauen fragen will, wann genau ein gewisser bekannter und hochangesehener Rabbiner der anti - zionistischen Edah HaCharedit Sprechstunde hat. Aber natürlich ebenso will ich wissen, was am anstehenden Tu Be' Shvat abgeht.

In vielen chassidischen Gemeinde ist es nicht unbedingt Sitte, dass die Frauen am Freitag Abend am Synagogendiest teilnehmen. Bei den Toldot Aharon ist dies zum Beispiel der Fall. Man wird dort freitags keine Frau in der Synagoge finden, dafür ist es zum Morgengebet am Schabbat gerammelt voll. In den internen Takanot (Gesetzen) der Gruppe ist verankert, dass die Gruppenmitglieder am Schabbat in die Synagoge zu gehen haben.

Aber zu Toldot Aharon mehr in der nächsten Woche. Dann berichte ich auch über eine Doktorarbeit der ehemaligen Soziologiestudentin und nun Doktorin der Soziologie, Dr. Sima Salcberg, mit der ich Kontakt aufgenommen habe.

Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich den Edah - Rabbi kommende Woche oder erst in zwei Wochen treffen werde. Nächste Woche ist, wie gesagt, Tu Be'Shvat, das Neujahrsfest der Bäume, und da geht es bei vielen chassidischen Gruppen hoch her. Montag Abend werde ich in Mea Shearim sein und bei einigen davon vorbeischauen.

Ob ich heute Abend an einem chassidischen Tisch teilnehme, steht noch in den Sternen, denn ich will morgen rechtzeitig aufstehen und zur Synagoge der Satmarer Chassidim gehen.

Dann erst einmal Schabbat Schalom


Die Satmarer Synagoge in Williamsburgh / New York



Einer der Satmarer Rebben, Rabbi Aharon Teitelbaum, bei der Hochzeit seiner Tochter. Der Rebbe steht vorne rechts im Pelzmantel.

Donnerstag, Januar 17, 2008

Parashat Beshalach

B"H

Die Thoralesung für diesen Schabbat

In dieser Parashat Beshalach kommen die Israeliten endlich frei und sie verlieren keine Zeit und ziehen sofort los.

Die Mehrheit der Kommentatoren diskutiert nicht nur diese Tatsache, sondern befaßt sich ungewohnterweise ebenso mit der Psychologie. Nach der Ankunft Yosefs und seines Vaters Yaakovs in Ägypten, waren mehr als 200 Jahre vergangen, was automatisch zur Folge hatte, dass neue Generationen geboren wurden. Und genau diese neuen Generationen kannten kein Leben in Freiheit geschweige denn, dass sie unabhängig denken sollten. Vielmehr hatten sie sich an ihr Sklavendasein gewöhnt und man mag sich vorstellen, mit welcher Mentalität sie Ägypten verliessen (siehe das kabbalistische Buch ZOHAR).

Eine neue große Zukunft stand für sie bereit, doch waren sie mental imstande, dieser entgegenzusehen ?

Selbst G - tt hegte da so sein Zweifel und entschloß sich, die Israeliten nicht auf einmal zu überfordern.

Aber befanden sich wirklich nur die Israeliten in einer Art Sklavenmentalität ohne den wahren Drang nach Unabhängigkeit zu verspüren ?

Jedes Jahr an der Pessach - Seder lesen wir immer wieder neu die Pessach - Haggadah, in der vom Auszug aus Ägypten erinnert wird. Jedes Jahr sollen wir erneut nachvollziehen, wie unsere Vorfahren auszogen und unter welchen Qualen sie vorher litten. Allein einige Zeremonien der Seder (Charoset und Maror) erinnern an das trostlose Skalvendasein. Die Charoset, der aus mehreren Zutaten gemischte Brei, symbolisiert den Beton, welchen die Israeliten zum Bau der Pyramiden benutzten und Maror, bitteres Kraut, symbolisiert die Bitterkeit der Skalverei.

Warum ist das alles für uns heute noch so wichtig, ständig daran zu erinnern ?

Jeder von uns erlebt seinen eigenen Auszug aus Ägypten. Nicht unbedingt physisch, sondern symbolisch. Auch wir haben Probleme privater Natur.
Mit uns selbst.
Oder sind wir so mit uns im Reinen, dass wir ehrlich gestehen können, wir hätten keine Skalvenmentalität ?
Von wem sind wir in unserem derzeitigen Leben alles abhängig ? Nicht nur auf menschlicher Basis, sondern genauso auf materieller Basis. Abhängig vom Geld oder Konsumrausch. Jeder von uns sollte seinen ganz privaten Auszug aus Ägypten zelebrieren.

In der Chassidut wird der Slavenmentalität noch weitere Bedeutung beigemessen und das den Israeliten Hinterherjagen Pharaos als eine Metapher gesehen. Der große chassidische Rabbiner, Rabbi Simcha Bunim Bonhart von Peshis'cha (1765 - 1827) kommentiert, dass die Verfolgung Pharaos gleichkommt mit der Yetzer HaRah, der schlechten Seite in uns. Metaphorisch betrachtet wurden sie nicht vom physischen Pharao verfolgt, sondern die Israeliten nahmen ihre eigene Yetzer HaRah mit im Gepäck. Ziel eines jeden von uns ist es, seine eigene Yetzer zu überwinden und in etwas Gutes umzuwandeln.

Wie aber überkomme ich meine negativen Veranlagungen ?

Die Welt wurde so von G - tt erschaffen, dass jeder Mensch einen eigenen freien Willen hat und entscheiden kann Gutes oder Schlechtes zu tun ? Ist es wirklich so schwer für jemanden vor einem unkoscheren Cheeseburger zu stehen und seine Yetzer zu überkommen ? Auch beim einfachen Cheeseburger hat jeder Jude die freie Wahl, das Unkoschere zu verweigern oder seiner negativen Veranlagung zu folgen. Ein kurzer Moment der Schwäche reicht schon aus, um den Burger zu verschlingen.

In der Kabbalah ist häufig die Sprache von einem inneren seelischen Reinigungsprozeß, den sie Israeliten durchlaufen mußten. Die 40 Jahre in der Wüste werden als 40 Jahre der spirituellen Reinigung gesehen.

Die ursprüngliche Absicht G - ttes war eine ganz andere; die Israeliten sollten eigentlich direkt nach ihrem Auszug zum Berg Sinai geführt werden, dort die Thora erhalten und gleich anschliessend war der Einzug nach Israel geplant. Durch den Bau des Goldenen Kalbes aber wurde alles zunichte gemacht und stattdessen dauerte die Wanderung 40 Jahre lang. Somit hatte die individuelle Yetzer gesiegt. G - tt selber greift kaum ein, denn schliesslich haben die Menschen ihren freien Willen und müssen allein zu der richtigen Erkenntnis kommen.

Wären die Israeliten nicht immer wieder in ihren alten Trott zurückverfallen, dann wären sie nach der Vergabe der Thora unsterblich geworden. Gleich nach der Vergabe waren sie auf dem höchsten aller Seelenlevel überhaupt, der Neshama Yeterah, und somit unsterblich. Gleich anschliessend jedoch verloren sie wieder alles, denn das Goldene Kalb entstand (siehe Talmud Traktat Schabbat 88). Der Zustand der Neshama Yeterah wird erst wieder nach dem Eintreffen des Meschiachs erfolgen. Wobei es hierzu unterschiedliche Meinungen gibt, wie und wann genau (nach dem Eintreffen).

Nicht wenige setzen den Auszug aus Ägypten mit unserer heutigen Situation gleich. Auch wir befinden uns heute in einer Art Ägypten und sind von allen nur erdenklichen Dingen abhängig. Die Situation verschlimmert sich und wurden nicht die Israeliten im letzten Moment vor ihrem spirituellen Fall aus Ägypten befreit. Warum also nicht auch heute ?

Von daher gilt die verbreitete Meinung, dass der Auszug aus Ägypten nur ein Vorläufer von dem war, was uns bei der Ankunft des Meschiach erwartet.

Schabbat Schalom

Nichts ist undurchdringlich

B"H

Da heißt es immer, die anti - zionistische Dachorganisation Edah HaCharedit sei nichts für Frauen, denn niemand der Rabbis rede mit dem weiblichen Geschlecht. Jetzt erfuhr ich das genaue Gegenteil und demnächst mache ich mich auf, um mich mit einem hochrangigen Edah - Rabbi zu treffen.

Eines will ich vorab anmerken:

Sobald ich mit den Bewohnern Mea Shearims in Kontakt komme, verzichte ich in all meinen Blogs auf deren persönliche Namensnennung. Adressen und Namen werden von mir entweder nicht genannt oder verfälscht wiedergegeben. Zu sehr respektiere ich die Privatsspähre der Chassidim und nicht jeder, der meine Blogs liest, sollte auf die Idee kommen und meine Angaben negativ nutzen.

Von daher werde ich den Namen des Edah - Rabbis nicht nennen und ebenso verzichte ich darauf, seine Adresse anzugeben.


Nur soviel sei gesagt: Zu gewissen Tageszeitungen empfängt er Männer und Frauen getrennt voneinander und man kann ihm halachische Fragen stellen. Genau dies werde ich tun. Zuvor werde ich mich jedoch in die Schlange der Wartenden einreihen, wobei ich fast die einzige von Außerhalb sein werde. Macht nichts.

Eigentlich wollte ich an diesem Schabbat in die Synagoge der Neturei Karta gehen, doch durch einen privaten unvorhergesehenen Vorfall verschiebe ich dies vielleicht und gehe stattdessen in die Synagoge der Chassidut Satmar.

Freitag Abend werde ich mich auch in der Synagoge befinden; und zwar bei der chassidischen Gruppe, deren der Edah - Rabbi angehört. Ich will herausfinden, wann genau er seine Sprechstunden hegt.

Auf alle Fälle wird es an diesem Schabbat nicht langweilig.

Mittwoch, Januar 16, 2008

Die Rolle der Frau in der haredischen Gesellschaft

B"H

Um das alltägliche Leben der haredischen Frau (ultra - orthod. Frau) besser darzustellen und Missinterpretationen auszuräumen, hier eine Neuauflage des Artikels:

Eshet Chayil - Die Rolle der haredischen Frau in der Gesellschaft

http://chassidicstories.blogspot.com/2008/01/eshet-chayil-die-rolle-der-frau-in-der.html

Zimmer mit Aussicht

B"H

Die Gemara (rabbinische Diskussionen) im Talmud Traktat Berachot 34b erwähnt einen wichtigen Punkt, welchen man sich bei jedem Gebet bewußt machen sollte.

Es heißt, dass jemand der betet, dies in einem Raum mit einem Fenster tun sollte.

Kann man nicht theoretisch auch in einem Raum ohne Fenster beten ? Warum ist ein Fenster so wichtig ?

Die Kommentatoren geben hierzu mehrere Erklärungen ab. Ausschlaggebend ist, seine Umwelt auch während des Gebetes nicht zu vergessen. Selbstverständlich soll sich die Person in das Gebet vertiefen, aber bei einem Blick aus dem Fenster oder zumindest auf das Fenster wird dem Betenden immer wieder klar, dass nicht nur er und G - tt existieren, sondern auch andere Leute.

Nicht nur, dass die Person immer einzig und allein für ihre Belange betet; was ist mit all den anderen Menschen, die auch krank sind, denen es schlecht geht oder sie keinen Job haben ? Warum nicht alle anderen auch mit einschliessen und sagen, dass alle Kranken geheilt werden sollen ?

Es heißt, dass demjenigen, der auch andere mit in seine Gebete einschliesst, die Wünsche erfüllt werden.

Hochkonjunktur der Stereotype

B"H

"Was, so habe ich mir das nicht vorgestellt."

"Was, das habe ich ja noch gar nicht gewußt."

Diese Sätze bekomme ich fast täglich von allerlei Leuten zu hören, sobald ich von der haredischen bzw. chassidischen Gesellschaft berichte. Insbesondere natürlich an der Uni, wo die Professoren gewöhnlich ihre Vorlesungen vorbereiten, indem sie Bücher lesen und sich durch jegliche Literatur quälen. Das Witzige ist jedesmal, dass niemand von ihnen auch nur auf die Idee kommt, sich einmal in der haredischen Gesellschaft zu nähern und besonders mit den Chassidim eine Weile zu verbringen. Wenn ich hier wiederholt von Chassidim rede, dann meine ich damit NICHT Chabad oder Breslov, sondern den Hardcore, wie man vielleicht in der Umgangssprache sagen würde. Hardcore bedeutet in dem Fall Vishnitz, Toldot Aharon, Avraham Yitzchak, Gur, Belz, Dushinsky, Satmar und viele viele weitere.

Einmal traf ich einen deutschen Professor, der ein Buch über die Chassidim von Karlin schrieb. Als ich ihn fragte, ob er denn selbst einmal bei Karlin in Mea Shearim vorgesprochen habe, schaute er mich entgeistert. Nein, er habe doch hier seine Bücher und das reiche ja aus.

Wenn ich solche Ansichten höre, drehe ich jedesmal fast durch. Was würde geschehen, wenn besagter Prof in Deutschland seine Referate über Karlin hält und ein richtiger Chassid anwesend ist. Der Prof würde in Grund und Boden geredet werden. Aber wie sagte jemand zu mir: Solche Leute, die meinen, sie kennen alles und waren nie dort, referieren eh nur vor einem Publikum, welches eh nicht weiß, ob der Referent die Wahrheit sagt oder nicht. Was wissen deutsche Zuhörer von Satmar ? Da kommt halt jemand vorbei und referiert bzw. schreibt einen Artikel und den Stoff dazu hat er sich aus dem Internet oder anderer Literatur gezogen. Okay, die Leute glauben was er sagt. Säße dagegen jemand von Satmar dabei, dann käme es zum Krach, was denn der Referent da für einen stereotypen Müll von sich gebe.

Warum schreibe ich das alles alle paar Monate wieder ?

Weil ich gestern zufällig auf einen Artikel über Haredim (Ultra - Orthod.) im Internet stieß. Verfasst von einer Deutschen, die absolut keinerlei Ahnung bzw. Zugang zum Thema hat. Okay, das kommt ständig vor. Was soll man sich da noch groß aufregen ?

Das Problem aber beginnt damit, dass sie mich bzw. von meiner Site Hamantaschen zitierte. Falsch, wohlgemerkt.

Eine e - mail Adresse war leider nicht aufzufinden, sonst hätte ich der Dame etwas getippt.

Laut dem Artikel fuhr die Dame mit dem Bus in die überwiegend haredische Stadt Bnei Brak bei Tel Aviv und dachte so bei sich: "Oh, das sind also die Haredim hier auf der Straße und die sind alle gegen den Staat Israel".

Zitiert hatte sie zusätzlich einiges aus einem meiner früheren Artikel.

Ich weiß nicht, wie oft ich es schon erklärte und vielleicht muß ich mich halt daran gewöhnen, es immer wieder aufs Neue zu tun:

Nicht alle Haredim sind gleich.
Es gibt Hunderte verschiedener Gruppen und Ansichten.
Nicht alle sind anti - zionistisch, nicht alle liegen faul herum und arbeiten nicht und nicht alle sind dämlich und von der Welt abgeschottet.


Dass die Fragen immer wieder neu aufkommen, ist völlig okay. Aber wenn ich als Unwissender etwas wissen will, dann frage ich professioneller und wende mich nicht an jemanden anderen, der auch keine Ahnung hat, aber vorgibt eine zu haben. So, wie ich das zum Beispiel in einigen Foren oder anderen Blogs erlebe.

Wer über die ultra - orthod. Gesellschaft als Ganzes berichten will, der muß sich die Mühe machen, jahrelang intensiv mit ihr zu tun zu haben. Mit Leuten reden, in die Synagogen gehen, über das Judentum lernen, die Hintergründe, die Gebetbücher, das Erziehungewesen….Das geht nicht von heute auf morgen und eben mal so kurz für ein Doktorat. Neulich las ich im Internet ein Doktorat eines Deutschen über die Chassidim. Ich weiß nicht, ob er seinen Doktortitel wirklich bekam, aber seine Arbeit war eine einzige Katastrophe. Alle stereotype der Literatur waren in seinem Werk vorhanden und nichts stimmte mit der realen chassidischen Gesellschaft überein.

Derzeit lese ich zwei Bücher parallel. Da ist zum einen ein Buch eines relig. Autoren über die Chassidut Satmar. Der Autor beschäftigte sich bisher mehr als 30 Jahre mit den Satmarer Chassidim und bekam irgendwann die Erlaubnis des ehemaligen großen Satmarer Rebben, Rabbi Yoel Teitelbaum, der Gesellschaft beizuwohnen und in ihr zu leben, um darüber zu berichten. Der Autor bringt das Leben der Satmarer auf wunderbare Weise dem Leser näher, eben weil er sich in der Gesellschaft befindet und dies seit Jahren.

Das zweite Buch, mit dem ich mich beschäftige ist eigentlich ein Manuskript einer Doktorarbeit. Eine junge israel. Soziologiestudentin der Bar Ilan University schrieb ihr Doktorat über die Frauen der extremen chassidischen Gruppe Toldot Aharon. Man merkt leicht den Unterschied zwischen den beiden Bücher. Der relig. Satmar - Autor bringt dem Leser mehr herüber als das akademische Faktenbuch der Doktorantin. Die Studentin hat zwar gute Arbeit geleistet, aber nicht mehr und nicht weniger. Doktortitel bekommen, aus und weg. Plan erfüllt.

Leider gab sie keine Adresse in ihrem Manuskript an, aber ich werde versuchen, sie persönlich zu erreichen und mit ihr sprechen. Allein schon deshalb, weil sie in nicht wenigen Fällen etwas anders darstellte als ich es real erlebte. Kann sein, dass bei ihr die Umstände anders lagen, aber gerne täte ich mich mit ihr unterhalten.

Dennoch besteht zwischen ihr und mir ein Unterschied. Für sie war es eine Doktorarbeit und mehr nicht. Für mich ist die chassidische Welt mehr als das und ich komme nicht eben mal vorbei, dann veröffentliche ich etwas und danach bin ich auch schon wieder weg. Die Artikel, die ich schreibe sind aufklärerischer Natur und ich identifiziere mich mit der Gesellschaft. Nicht, dass ich mich einer der Gruppen anschliesse, aber die Gesellschaft und der Chassidismus sind dennoch ein Teil von mir.

Die zwei erwähnten Autoren von Satmar und Toldot Aharon einmal ausgenommen; allgemein gilt, dass wenn ich mein Wissen über die Chassidim nur aus Literatur oder dem Internet ziehe, ich mich nicht Experte nennen kann. Wer keine persönliche jahrelange Ahnung hat, der soll es lieber lassen über die Gesellschaft zu schreiben oder zu referieren. Denn genau durch diese falschen Stereotypen entstehen noch mehr Mißverständnisse und noch mehr Vorurteile, durch welche die Gesellschaft an sich geschädigt wird.

Anerkannte Autoren zur chassidischen Welt:

Yitzchak Alfassi, David Assaf, Rivka Schatz - Uffenheimer oder Rachel Elior.

Dienstag, Januar 15, 2008

Ist Naomi Ragen eine Haredit (Ultra - Orthod.) ?

B"H

Die bekannte amerik. - israel. Schriftstellerin Naomi Ragen macht sich in der haredischen (ultra - orthod.) Welt unbeliebt und die Forenkommentare fallen dementsprechend aus.

Naomi Ragen wurde international bekannt durch ihre Bücher, in denen sie das chassidische Leben beschreibt. Insbesondere die manchmal negative Rolle der Frau. Seit geraumer Zeit jedoch scheinen Naomi Ragen die chassidischen Themen auszugehen und sie berichtet weitgehend über andere Themen. Die Beschreibung der Rolle der Frau aber spielt auch weiterhin eine große Rolle in ihren Werken. So setzt sie sich nebenbei für benachteiligte relig. Frauen ein und rief mit einem Theaterstück großen Widerstand des ultra - orthod. Stadtteiles Mea Shearim hervor.

In einem Theaterstück verarbeitete sie eine wahre Lebensgeschichte einer Frau aus Mea Shearim. Diese hatte die Scheidung von ihrem Mann eingereicht und wurde von jenem samt chassidischen Rabbiner aus dem Stadtteil befördert. Des Weiteren ist es der Frau seit vielen Jahren untersagt, die bei dem Ehemann verbliebenen Kinder zu besuchen.

Das Theaterstück basiert auf dieser realen Geschichte, ist jedoch von etwas anderem Inhalt.
Auch das israel. TV sprang auf die Story an und lud die Schriftstellerin, die betroffene Frau sowie eine Nachbarin aus Mea Shearim ins Studio ein. Fast überflüssig zu sagen, dass das TV - Interview in einer Farce endete. Naomi Ragen und die betroffene Frau auf der einen und die Nachbarin auf der anderen Seite. Die Betroffene war nur verdeckt zu sehen, denn sie wollte ihre Anonymität wahren. Die Nachbarin vertrat die Seite des geschiedenen Ehemannes der Betroffenen und beschimpfte diese ausgiebig, ihre Kinder vernachlässigt zu haben.

Naomi Ragen



Obwohl Naomi Ragen nicht selten die haredische Welt kritisiert, sieht sie sich doch als Teil von ihr. Sie sei eine von ihnen, nur halt moderner. Allerdings kommt nun ihre ganze Identität ins Wanken, denn sie beging einen unverzeihlichen Fehler.

Zusammen mit Frauen aus einem Reform - Movement wendete sie sich an den Obersten Gerichtshof, um zu verhindern, dass immer mehr öffentliche Busse (in Jerusalem und Beit Shemesh) zu "koscheren Bussen" umfunktioniert werden. Den Forderungen haredischer Rabbiner dürfe nicht nachgegeben werden und im Bus könne jeder sitzen, wo er will. Es darf keine Sitztrennung nach Geschlechtern stattfinden:

Männer vorn und Frauen hinten.

Dies sei eine totale Diskriminierung der Frau. Außerdem kann man wohl kaum von der sekulären Bevölkerung erwarten, dass sie auf alle Forderungen der Haredim widerstandslos eingehe.

Die Haredim haben nun einen guten Grund gefunden, zurückzuschlagen. Wenn sich eine selbsternannte Haredit mit einem Bündnis der Reformbewegung zusammentue und gemeinsam mit ihnen offiziell gegen die Haredim protestiere, dann sei ja Naomi Ragens Identität mehr als fragwürdig. Sollte sie eine wahre Haredit sein, dann hätte sie keinerlei Probleme, die Entscheidung der Rabbiner anzuerkennen. Schon allein aus dem Verstehen heraus.

Dabei wird anscheinend von Naomi Ragen selbst übersehen, dass sie und die Reformer aus unterschiedlichen Zielen heraus gegen die Haredim protestieren. Den Reformern sind die Haredim eh ein Dorn im Auge, egal, was die Haredim auch tun. Selbst wenn sie nichts tun, paßt es den Reformern nicht.

Naomi Ragen dagegen kämpft unbeflissen für die Rechte der relig. Frau. Dagegen ist nichts einzuwenden und es ist notwendig, Mißstände zur Sprache zu bringen. Dennoch sollte sich Naomi Ragen nicht vor den Reform - Karren spannen lassen, denn das ruiniert ihren Ruf.

Die Schriftstellerin wohnt in einem nationalreligiösen Teil des Jerusalemer Stadtteiles Ramot. Eigentlich zu weit entfernt, um am Schabbat in die relig. haredischen Stadtteile zu laufen. Dennoch empfehle ich ihr dringend, mehr an der haredischen Gesellschaft teilzuhaben, denn sie schottet sich immer nur ab und kennt die Realität nicht mehr. Wer Fakten aus dieser Welt von sich geben will, der muß unaufhörlich mit ihr in Kontakt bleiben.

Sonntag, Januar 13, 2008

Der Klausenberger Rebbe

B"H

Trotz der unbeschreiblichen Leiden der chassidischen Gemeinden im Holocaust bleibt ein Schicksal unvergessen. Wo man in der jüdisch - orthodoxen Welt auch hinhört; wer vom Holocaust redet, der kommt automatisch auf den Klausenberger Rebben zu sprechen. Der Klausenberger Rebbe dient bis heute allen als Beispiel, wie man im Holocaust seine gesamte Familie verlieren konnte, ohne auch nur eine Minute den Glauben an G - tt zu verlieren.

Zum Holocaust - Gedenktag am 27. Januar habe ich einige Infos über den Klausenberger Rebben gesammelt. Darunter befinden sich Infos aus verschiedenen Websites sowie aus dem Buch "The Years of War - The Klausenberger Rebbe" (ins Englische übersetzt von Judah Lifshitz). Judah Lifshitz entnahm die Inhalte dem Buch "Lapid HaEish" von Aharon Surasky.

Rabbi Yekutiel Yehudah Halberstam wurde am 4 Schevat 5665 (10. Januar 1905) in Rudnik (Polen) geboren. Seine Eltern waren Rabbi Zvi Hirsch Halberstam und Chaya Mindel Teitelbaum. Rabbi Yekutiel Yehudah Halberstam sollte später der Gründer der großen chassidischen Dynastie Zanz - Klausenberg werden.



Schon als Kind war Rabbi Yekutiel eine herausragende Persönlichkeit. Schnell lernte er Thora, Halachot und Talmud und verbrachte 60 Jahre seines Lebens mit dem Unterrichten dieser Themen. Rabbi Yekutiel Yehudah Halberstam entstammte einer chassidischen Familien, welche ihre Wurzeln in Ungarn, Galizien, Polen und Rumänien hatte. Während seiner frühen Kindheit in Rudnik diente sein Vater dort als Gemeinderabbiner.

Im Ersten Weltkrieg war die Familie gezwungen, Rudnik zu verlassen und man liess sich in Kleinwardein nieder. Im Alter von 13 Jahren, verlor Rabbi Yekutiel seinen Vater und begann sein Studium bei berühmen Rabbinern wie u.a. Rabbi Chaim Eliezer Shapiro von Munkatch. Im Alter von 20 Jahren (1925) heiratete er Pessel Teitelbaum, die Tochter von Rabbi Chaim Zvi von Sighet (Rumänien). Im Jahre 1927 wurde er zum Rabbiner der Ortschaft Klausenberg (Transsylvanien in Rumänien) ernannt.

Die Gemeinde Klausenberg wurde zum ersten Mal im Jahre 1591 erwähnt und als Rabbi Yekutiel Yehudah sein Amt als Rabbiner begann, verfügte die Gemeinde über 16.000 Juden. Die Mehrheit der Juden war allerdings absolut sekulär, was sich nach dem Eintreffen des jungen charismatischen Rabbis schnell ändern sollte. Obwohl die Juden nicht unbedingt etwas mit der Religion zu haben wollten, war man doch neugierig, wer denn da Neues kommt. Und so kam es, dass am ersten Schabbat des Rebben in Klausenberg plötzlich 300 Mann in der Synagoge auftauchten. Der neue Klausenberger Rebbe hinterließ einen gewaltigen Eindruck. Nicht nur, dass er Religion predigte; er lebte sie auch. Sein größtes Anliegen war, der armen Bevölkerungsschicht zu dienen. Ein Großteil seines kargen Gehaltes spendete er an die Armen und nur am Schabbat gönnte er sich Brot. Außerdem gewöhnte er sich an, nur drei Stunden des nachts zu schlafen. Eine Angewohneit, die ihm später in Auschwitz zu Gute kam.

Immer dort, wo der Klausenberger Rebbe auftauchte, wurde sofort eine Yeshiva (relig. Schule) eingerichtet. So natürlich auch in Klausenberg. Im Jahre 1937 erreichte den Klausenberger Rebben eine Bitte des ersten Rebbes der Chassidut Dushinsky aus Jerusalem. Er, Rebbe Yekutiel Yehudah Halberstam, sollte doch nach Jerusalem ziehen und Rabbi im Beit Din (rabbinisches Gericht) der Chassidut Dushinsky werden. Der Klausenberger Rebbe war zwar angetan von dem Angebot, doch zögerte er. Wenige Jahre später beantragte er ein Visum für Palästina. Zu spät, denn die Nazis hatten alle Tore geschlossen. Viele Jahre später sagte der Klausenberger Rebbe, dass er nicht mehr ausreisen konnte, weil sekuläre zionistische Aktivisten den British Council überzeugt hatten, dem Rebben kein Visum auszustellen und stattdessen Zionisten zu bevorzugen.

Als im September 1939 der Zweite Weltkrieg ausbrach, war der Klausenberger Rebbe 35 Jahre alt und war Vater von 11 Kindern. Der Holocaust kam keineswegs überraschend für den Rebben, denn fortwährend hatte er jüdische Gemeindemitglieder dazu aufgerufen, zu G - tt zurückzukehren.

Die Juden in Polen und Lithauen standen als erstes auf der Vernichtungsliste der Deutschen. In Rumänien und Ungarn ging es zuerst etwas ruhiger zu. Doch dann ging alles Knall auf Fall; der Rebbe sollte das damalige Ungarn verlassen, denn er war polnischer Staatsbürger. Mit seiner Familie wurde er nach Budapest transportiert. Er selbst kam in ein VIP - Lager und seine Frau und Kinder mußten sich mit einem gewöhnlichen Lager begnügen. Unzählige internationale Bitten gingen bei den ungarischen Behörden ein, dass man den Rebben freilassen sollte und letztendlich gab man den Bitten aus dem Ausland nach. Der Rebbe kam frei und ging in das Camp, in dem seine Familie inhaftiert war. Zusammen kehrten sie wieder nach Klausenberg zurück. Trotz vieler Aufforderungen beschloß der Rebbe bei seinen Chassidim zu bleiben, aber im Winter 1944 marschierten die Nazis in Ungarn ein und alles sollte sich zum Schlimmsten wenden.

Als erstes war die SS immer hinter bekannten chassidischen Rebben hinterher und Rabbi Halberstam entkam nur knapp durch die Hintertür als man an seine Tür anklopfte. Danach versteckte er sich einige Zeit in einem offenen Grab auf einem Friedhof. Im Mai 1944 wurde er im Lager Banya (Nadi - Banya) inhaftiert, wo ihn jedoch der ungarische Captain beschützte. Unterdessen wurden die Juden aus Klausenberg nach Auschwitz deportiert. Des Rebben Frau und seine 11 Kinder befanden sich im 5. Transport, der Klausenberg in Richtung Auschwitz verliess. Am 2. Juni 1944 (11 Sivan 5704) wurden seine Frau und zehn seiner Kinder in Auschwitz vergast.
Wenig später wurde auch der Klausenberger Rebbe nach Auschwitz deportiert. An der Rampe traf er auf Dr. Yosef Mengele, der den Rebbe zum Arbeitsdienst einteilte.

Bis heute gibt es viele Zeugenberichte über die Taten und das Verhalten des Klausenberger Rebben in Auschwitz. Völlig in seinen Gedanken zurückgezogen, lebte er in seiner eigenen Welt. Er wollte Tefillin (Gebetsriemen) anlegen, dem jüdischen Ritus nach seine Hände waschen und koscher essen. Während der gesamten Zeit in Auschwitz gelang es ihm, nur koscher zu essen.
Ein Jahr nachdem das Warschauer Ghetto dem Erdboden gleichgemacht worden war, entschlossen sich die Nazis, die hinterbliebenen Trümmer wegzuräumen. Man brauchte dringend Sklavenarbeiter und so entsandte man den Klausenberger Rebben zusammen mit weiteren Tausenden Auschwitzer Häftlingen nach Warschau. In Warschau dann nutzten viele Häftlinge die Gelegenheit zu fliehen, was der SS nicht lange verborgen blieb. Diese entschied, dass alle Juden sich einen weissen Streifen auf der Kopfmitte scheren müssen, um so schon von Weitem erkannt zu werden. Der Klausenberger Rebbe weigerte sich erfolgreich. Er band sich einfach ein weisses Tuch um sein Gesicht und den Kopf und gab vor, Zahnschmerzen zu haben.

Die Russische Armee kam immer näher und die Nazis sattelten zum Abmarsch aus Warschau. Die Häftlinge um den Klausenberger Rebben sollten nach Dachau geschickt werden, denn dort benötigte man dringend Zwangsarbeiter. Im Juli / August 1944 verliessen 6000 Häftlinge Warschau in Richtung Dachau, von denen nur 2000 ihr Ziel wirklich erreichten. Die Reise nach Dachau erfolgte teils zu Fuß und teils mit dem Zug. Die SS gab sich brutal und wer nicht schnell mithalten konnte, wurde gnadenlos erschossen. Es war ein einziges Gemetzel.

Monate später wurde der Klausenberger Rebbe, Rabbi Yekutiel Yehudah Halberstam, von der amerikanischen Armee in Dachau befreit. Als einziger seiner Familie hatte er überlebt. Zwar wurde ihm kurz darauf zugetragen, dass sein ältester Sohn Lipele unter den Überlebenden war, doch ehe der Klausenberger Rebbe zu ihm gelangen konnte, verstarb der geschwächte Lipele.

Obwohl der Rebbe selbst nicht bei bester Gesundheit war, so war es sein großes Anliegen, sich um die zu Tode eingeschüchterten Holocaust - Überlebenden zu kümmern. Der Klausenberger Rebbe war ein Beispiel dafür, wie man alles verlieren kann, und dennoch zu G - tt steht. "Ich habe alles verloren, doch nicht G - tt", so sagte er einmal.

Nach dem Krieg versorgte er die Juden in den deutschen DP - Camps Muldorf und Föhrenwald. Er kümmerte sich um koscheres Essen und versuchte, den Juden etwas Spiritualität zurückzugeben.
Die finanzielle Situation der relig. Juden in den DP - Camps wurde immer katastrophaler und so entschloß sich der Rebbe, in die Staaten zu fahren, um Spendengelder zu sammeln. Dort wurde er begeistert empfangen, denn sein Ruf drang in alle Welt. Am 22 Sivan (21. Juni) 1946 betrat der Rebbe von Klausenberg amerikanischen Boden und sammelte 100.000 Dollar. Natürlich wollte man, dass er in den USA bleibe, doch Rabbi Yekutiel Yehudah kehrte nach Deutschland zurück und sorgte dafür, neue Lehranstalten für die Juden aufzubauen.

Im Jahre 1947 heiratete er seine zweite Frau Chaya Nechama Ungar, die Tochter von Rabbi Samuel David Ungar. Mit ihr hatte er fünf Töchter und zwei Söhne. Er verließ Deutschland und zog in die Staaten, wo er in Williamsburgh / New York die Gemeinde der Zanz - Klausenberg - Gruppe aufbaute. Anfang der 60iger Jahre zog er nach Israel. Hier baute er eine eigene Gemeinde neben der Stadt Netanya auf. Kiryat Zanz. Einen kleinen Ableger davon gibt es auch in Jerusalem. Kiryat Zanz in Netanya verfügt ebenso über ein hochangesehenes Krankenhaus, das Laniado - Hospital.

Rebbe Yekutiel Yehudah Halberstam startete als der jüngste chassidische Rebbe in Osteuropa und sein Ruf drang über den Holocaust hinaus in jede Ecke der Welt. Er war hochangesehen, charismatisch und kümmerte sich um alle Juden. Egal, ob relig., chassidisch oder nicht. Sein Anliegen war, dass jeder Jude mehr über seine Religion lernen muß und zahlreiche Yeshivot wurden eröffnet. Gerade nach dem Holocaust verlangten die Juden nach einem spirituellen Führer, der ihre Leiden kannte und der Klausenberger Rebbe füllte diese Aufgabe par excellence aus.

Der große Klausenberger Rebbe verstarb am 18. Juni 1994 in der israel. Küstenstadt Netanya, wo er auch begraben liegt. Seine beiden Söhne leiten je die Zanz - Klausenberg Gemeinden in Netanya sowie in Brooklyn.

Weitere Links zur Chassidut Zanz - Klausenberg:

http://www.klausenburg.org/

http://en.wikipedia.org/wiki/Yekusiel_Yehudah_Halberstam

http://www.targum.com/excerpts/klausenberg.html


Zusätzliche Berichte plane ich über die chassidische Gruppe Bobov sowie die wundersame Rettung des Belzer Rebben vor der Gestapo.