Mittwoch, September 30, 2009

Kol HaOlam Kulo



Kol HaOlam Kulo, Gescher zar me'od, Gesher zar me'od.
VeHa' Ikar lo lefached klal.


Die ganze Welt ist eine schmale Brücke und die Hauptsache ist, sich nicht zu fürchten.

Der Text des Liedes wird Rabbi Nachman von Breslov zugeordnet.

Wir bewegen uns in dieser Welt wie auf einer schmalen Brücke, doch deswegen sollen wir uns noch lange nicht ängstigen !

SUKKOT - Das Laubhüttenfest


B"H

Sukkot ist neben Pessach und Schavuot der dritte Feiertag, an dem Juden die Mitzwah (Gebot) haben, nach Jerusalem zu pilgern und ein Opfer im Tempel darzubringen. Auch zu unserer Zeit, in der es momentan keinen Tempel gibt, fahren Juden aus aller Welt nach Jerusalem, um an den berühmten Sukkot - Feierlichkeiten teilzunehmen.

Sukkot beginnt in diesem Jahr am Freitag abend (2. Oktober) und wird bis zum 10. Oktober gefeiert.
Bei meinen Zeitangaben ist zu beachten, dass diese NUR für ISRAEL gelten, denn ausserhalb Israels wird neun Tage gefeiert und nicht nur acht.

In der jüdischen Mystik sowie in der Chassidut (Chassidismus) heißt es, dass die Spiritualität in Israel aufgrund G - ttes allgegenwärtiger Schechinah (Präsenz) höher ist als im Ausland und damit die Juden in der Diaspora auch ein wenig davon abbekommen, müssen sie noch einen zusätzlichen neunten Tag anhängen.

Dem jüdischen Kalender zufolge beginnt Sukkot am 15. Tischrei. Das Fest ist ein biblisch verankerter Feiertag, an dem wir verpflichtet sind, sieben Tage lang ausserhalb unseres Hauses in Laubhütten (den Sukkot) zu wohnen (siehe Leviticus - Vayikra 23:34, 23:42 + Deuteronomy - Devarim 16:13). G - tt will uns mit diesem Gebot immer vor Augen halten, wie unsere Vorfahren nach dem Auszug aus Ägypten in der Wüste gelebt haben.

Aber warum läßt Er uns ausgerechnet im herbstlichen Monat Tischrei in den Sukkot leben und nicht im frühlingshaften Nissan (April) ?
Im Monat Tischrei ist der nahende Winter schon zu spüren und vor allem im Ausland ist die Mitzwa für sieben bzw. acht Tage in der Laubhütte (der Sukkah) zu leben aufgrund der Wetterlage nicht immer einfach. Zweck ist es, dass wir die Mitzwah aus der Liebe zu G - tt erfüllen und nicht, weil es vielleicht im April wegen des frühlingshaften Wetters ein größeres Vergnügen zu sein scheint.

In Gebieten, in denen kaum Juden leben, sieht man sie seltener: die Sukkah. Meistens eine kleine Hütte mit Wänden aus Holz oder Plastikplane und einem Stroh - bzw. Palmenzweigdach.
Wer dagegen nach Israel kommt oder Sukkot im Londoner Golders Green oder Hampstead geschweige denn im New Yorker Boro Park, Monsey, Williamsburgh oder Crown Heights verbringt, dem bietet sich ein immenses Schauspiel. Ein Schauspiel, welches sogar die israel. Presse beeindruckt, denn heute werden in fast allen Tageszeitungen Bilder aus dem Jerusalemer Stadtteil Mea Shearim gezeigt. Dort reiht sich Sukkah an Sukkah. Auf den Dächern, in Höfen oder auf Balkons, keine Fläche bleibt ungenutzt.

Für den Bau einer Sukkah sind gewisse Halachot (Gesetze) zu beachten, welche im Talmud Traktat Sukkah sowie im Shulchan Aruch (Code of Jewish Law) verankert sind. Kurz gesagt darf eine Laubhütte nicht zu niedrige oder nicht zu hohe Wände haben, durch das Dach, dem so genannten S' chach müssen die Sterne am Himmel sichtbar sein und es müssen mindestens drei Wände vorhanden sein.

Die erste Nacht an Sukkot ist das Sitzen, Essen und Trinken in der Sukkah ein uneingeschränktes MUSS. Ausserdem wird ein bestimmter Segen sowie der "Sche Hechiyanu - Segen" gesagt.

Es besteht ein halachisches Gebot in der Sukkah zu schlafen. Gewöhnlich befolgen das die Männer, wohingegen es bei Frauen nicht zu verbreitet ist. Aber natürlich können Frauen genauso in der Sukkah übernachten, keine Frage.

Bei der chassidischen Gruppe Chabad bestehen diesbezüglich andere Regeln, denn Chabad richtet sich hier keineswegs nach dem Schulchan Aruch. Im hauseigenen Chabad - Shulchan Aruch wird erklärt, warum Chabadnikkim NUR in einer Sukkah essen und trinken, jedoch nicht in ihr schlafen:

"In der Sukkah strahlt das Licht G - ttes mit solch eines Kraft, dass es unmöglich ist, in ihr zu schlafen".
Heisst in anderen Worten, dass die g - ttliche Spiritualität dermassen hoch ist, dass wir keinesfalls an solch einem Ort schlafen können".


Wer bei Chabad eingeladen sein sollte, der mache sich darauf gefasst, dass Chabadnikkim selbst den kleinsten Schluck Wasser nur in einer Sukkah zu sich nehmen.

Die Sukkah symbolisiert G - ttes uneingeschränkte Herrlichkeit, welche die Israeliten bei der Wanderung in der Wüste beschützte. Seine Schechinah lag über ihnen und bis heute liegt Seine Präsenz über unseren Sukkot.

Der wichtigste Bestandteil der Sukkah ist das S' chach, das Dach. Das S' chach wird meistens nur auf die Wände aufgelegt und nicht befestigt. Im kabbalistischen Buch "Shushan Sodot" heißt es dazu, dass das S' chach die Obere Welt repräsentiert und daher nicht an die Untere Welt, dem Rest der Sukkah, befestigt ist.
Wer es ganz kabbalistisch mag, dem sei hier das Beispiel gegeben, dass am Tempelberg (Har HaBait) in Jerusalem Himmel und Erde aufeinandertreffen.

Die Sukkotfeierlichkeiten in Jerusalem sind jedes Jahr etwas ganz Besonderes. Im Jüdischen Teil der Altstadt gibt es unzählige Attraktionen und ausserdem findet an den Zwischenfeiertagen (Chol HaMoed) der Segen der Cohanim (Tempelpriester) - Birkat HaCohanim beim Morgengebet Schacharit an der Kotel (Klagemauer) statt. Tausende von Menschen werden sich zu diesem Ereignis an der Kotel versammeln, einige wenige Fanatiker werden aufs Neue versuchen, den Tempelberg zu stürmen und die Shops vermelden einen riesen Umsatz.

Die Altstadt riecht nach Zuckerwatte (Searot Savta) und sämtliche Fressalien gehen über die Ladentische. Ein kleiner Tip sei angebracht: Bringt Euch Euer Essen und Trinken selbst mit, denn die Preise werden zu unverschämt sein.

Attraktionen sind Besuche in der Ir David - der Stadt König Davids, innerhalb des arab. Dorfes Silwan ausserhalb des Tempelberges oder der Besuch im Jerusalemer Archäologischen Park gleich neben der Klagemauer.

Die Ir David ist eintrittsfrei, doch wer an den Tunnelführungen teilnehmen will, muß mit einem Unkostenbeitrag von ca. 30 Shekeln rechnen. Der Eintritt in den Archäologischen Park bewegt sich um die 25 Shekel, plus oder minus. Richtig teuer wird es am Jaffa Tor, wenn Ihr plant den "Tower of King David" zu besichtigen. Hier sind mind. 40 Shekel zu zahlen.

Allabendlich sprechen wir in der Sukkah einen besonderen Segen über die Ushpizin. Das Wort "Ushpizin" kommt aus dem Aramäischen und bedeutet "Gäste". Mit den Gästen sind Avraham, Yitzchak, Yaakov, Moshe, Aharon, Yosef und König David gemeint, die unsere Sukkot besuchen. Sephardische Juden plazieren sogar einen extra Stuhl für einen der Gäste in ihre Sukkah.

Eine besonders wichtige Mitzwah an Sukkot ist der Lulav, ein Palmenzweig, Myrtelzweige, Weidenzweige und die gelbe Zitrusfrucht, der Etrog. Die Mitzwa stammt aus der Thora und allmorgentlich schütteln wir den Lulav während des Morgengebetes Schacharit in alle sechs Himmelsrichtungen, was ausdrückt, dass G - tt überall present ist.

Chabad wird mehrere Lulavstände bereithalten, damit auch wirklich alle Juden diese Mitzwa ausführen können. Zwei der Stände werde in der Altstadt am Cardo sowie am Zions Square in der Stadtmitte sein. Auch Frauen schütteln den Lulav und nicht nur Männer !!!

In Israel laufen die Uhren etwas anders und wir feiern gegenüber dem Ausland nur den ersten und letzten Feiertag an Sukkot. In Israel sind dies der kommende Schabbat und der 10. Oktober (Simchat Thora).

Am Abend des 8. Oktobers (Donnerstag) finden die berühmten Simchat Beit HaSchoeva - Feierlichkeiten statt. Zu Tempelzeiten wurde Wasser aus dem Shiloach hinauf in den Tempel gebracht. Eine besonders festliches Event von dem es im Talmud Sukkah 51b heißt: "Wer niemals das Simchat Beit HaShoeva sah, hat noch niemals richtige Freude in seinem Leben empfunden".

Zu Simchat Beit HaShoeva finden in der Altstadt viele Feierlichkeiten statt. Unter anderem ein Chabad - Konzert im Cardo. Wer es dagegen richtig aufregend haben will, der gehe nach Mea Shearim zu den chassidischen Gruppen. Wer dort teilnimmt, der wird wirkliche Freude in seinem Leben empfinden. Bei den Gruppen Toldot Aharon sowie Avraham Yitzchak wird mächtig gefeiert werden und ich werde fast mein gesamtes Sukkot mit diesen Gruppen verbringen ebenso wie mit der Chassidut in Bnei Brak.

Am Morgen des 9. Oktober (Freitag) findet an der Kotel ein für Aussenstehende seltsames Schauspiel statt und es empfiehlt sich, frühmorgens gegen 5.00 Uhr dort zu sein. Nach dem Morgengebet Schacharit werden die Hoshanot - Weidenzweige auf den Fussboden geschlagen. Dieser Tag, Hoshana Rabbah, ist der allerletzte Tag, an dem G - tt uns doch noch in das Buch des Lebens einschreiben kann. Chassidim sowie Kabbalisten wiederum sagen, dass die absolut endgültige Entscheidung erst an Chanukkah fällt.

Hoshana Rabbah ist einer meiner liebsten Feiertage, obwohl ich nicht immer die Hoshanot auf den Boden schlage, um so symbolisch meine Sünden loszuwerden. Dennoch, die Atmosphäre ist einzigartig und ich kann jedem nur raten, der Zeremonie an der Klagemauer beizuwohnen.

Am Abend von Hoshana Rabbah feiern wir Simchat Thora (Shemini Atzeret). In Israel sitzen wir sieben Tage in der Sukkah, im Ausland dagegen acht. Am achten Tag, also an Simchat Thora, tun wir dies in Israel schon nicht mehr.

Shimini Atzeret ist ein biblischer eigenständiger Feiertag, den G - tt, laut Kommentatoren, hinzufügte, weil Er noch einen weiteren Tag mit uns feiern wollte.

In Israel fallen Shemini Atzeret und Simchat Thora auf ein und denselben Tag, an dem wir die die Thora zuende lesen und gleich darauf aufs Neue mit den Lesungen beginnen (mit Genesis - Bereshit). Wir feiern, die Beendigung der Thora und gleichzeitig den Neubeginn.

In allen Synagogen wird Simchat Thora ausgiebig und feuchtfröhlich gefeiert, jedoch nirgends so enthusiastisch wie in Mea Shearim. Der Alkohol fliesst in Strömen und überall tanzen die Leute in den Strassen. In den Synagogen sind die Hakafot, das Tanzen mit den Thorarollen, sehenswert.

Ebenso ist Sukkot dafür berühmt, dass auch Nichtjuden nach Jerusalem kommen. Leider sind deren Feierlichkeiten heutzutage leider fast nur zur Judenmission ausgeartet. Sicher gibt es viele aufrichtige Christen, die kommen, aber wie schon erwähnt, machen sich auch viele Schwarze Schafe breit und meinen, sie müssen sich auf Juden stürzen, um sie zu missionieren. Wir sind immer alle wieder froh, wenn solche Leute ihre sieben Sachen packen und abreisen.

Anmerkung: Die Thoraparasha gibt es erst wieder nach Sukkot mit der Parashat Bereschit - Genesis geben !!!

Vorab wünsche ich allen schon einmal schöne Feiertage, Chag Sameach und für die Zwischentage an Sukkot ein Herzliches Moadim Le' Simcha aus Jerusalem.


Sukkot in Mea Shearim





Eine Sukkah in der Fußgängerzone Ben Yehudah



Die Kotel (Klagemauer) an Sukkot


Eine koschere Sukkah in Auschwitz

An jedem Sukkot (Laubhüttenfest) erzählt Rabbi Mordechai Machlis regelmässig dieselbe Story von der koscheren Sukkah (Laubhütte) in Auschwitz. Dies tut er für seine Familie sowohl als auch für seine vielen vielen Gäste.

Die Story handelt von seinem Freund und Lehrer Rabbi Yitzchak Traube. Rabbi Machlis schließt jedesmal mit den Worten, dass er nicht wisse, ob ein ähnliches Ereignis jemals stattgefunden hat und ob Rabbi Traube das ihm Wiederfahrene je veröffentlichte. Die Zuhörer sind jedesmal aufs Neue erschüttert. Ich möchte die Story hier erzählen, auch im Gedenken an Rabbi Yitzchak Traube.

Rabbi Yitzchak Traube war einige Jahre im Vernichtungslager Auschwitz inhaftiert. Jeden Morgen wurden er und seine Mithäftlinge gezwungen zur Arbeit zu gehen. Dazu mußten sie eine bestimmte Lagerstraße entlang marschieren.

Sukkot stand kurz bevor und als Rabbi Traube die Straße entlang ging, sah er zuefällig kleine Zweige am Wegrand liegen. Er schaute zur Seite und sah dort ein ehemaliges Gebäude, doch jetzt nur noch eine Ruine. Nur ein paar Wände ohne dach waren noch vorhanden.
Mit dem Fuß trat er kleine Zweige weiter an die Seite. Er mußte dabei sehr vorsichtig vorgehen, denn die Bewacher könnten aufmerksam werden.

Am Abend von Sukkot verließ er unbemerkt seine Baracke und lief an die Stelle, an der sich die Zweige und die Ruine befanden. Er begab sich dadurch in höchste Lebensgefahr, denn seine Entdeckung hätte die sofortige Hinrichtung bedeutet. Er legte die Zweige über die Mauern und baute so eine koschere Sukka. Außerdem hatte er etwas Brot zusammen gespart, welches er aß.

Im Angesicht des Todes mitten in Auschwitz erfüllte er das Gebot, in der ersten Nacht von Sukkot in der Sukka zu sitzen, den Segen zu sprechen und zu essen.

Bilder vom Lulav und Etrog



B"H

In der jüdischen Welt werden derweil vor Sukkot, welches am Freitag abend beginnt, Lulavim sowie Etrogim verkauft. Den Lulav am Sukkot zu schütteln, ist ein wichtiges Gebot (Mitzwah); insbesondere kabbalistisch.

In der haredischen (ultra - orthodoxen) Welt gibt es speziell eingerichtete Märkte für den Lulav (Palmenzeig) oder den Etrog (Zitrusfrucht). Auf vielen dieser Märkte bleibt Frauen der Zutritt verwehrt. Aus Anstandgründen, denn die Geschlechter könnten sich im Gedränge zu nahe kommen.

Die Käufer von Lulav und Etrog achten akribisch darauf, dass die Gewächse koscher sind. Keine Einrisse aufweisen und so. Hier einige Eindrücke:


Photos von suchenden Chassidim:










Der Etrog





Kein Fahrstuhl am Schabbat ?

B"H

In Israel kennen wir ihn fast alle: den Schabbatfahrstuhl.

Am Schabbat darf ein Jude, wie bereits bekannt, diverse Aktivitäten nicht ausführen, worunter auch die Elektrizität fällt. Lichtschalter werden nicht betätigt und normalerweise lässt man über den gesamten Schabbat das Licht in bestimmten Räumen, wie Wohnzimmer, WC oder Küche brennen. Manche benutzen extra für diesen Zweck vorgesehene Schabbatschalter, die sogenannten "Timer". Schabbatuhren, welche man in Steckdosen steckt und diese Heizungen anschalten ode sogar den Fernseher. Wobei, trotz koscherer Einschaltung, der Fernseher am Schabbat lieber uneingeschaltet bleiben sollte. Allein schon aus spirituellen Gründen heraus.

Und was ist mit dem Herd ?
Zum Warmhalten des Essen gibt es eine sogenannte elektrische Warmhalteplatte, die "Plata". Gewöhnlich läuft sie den ganzen Schabbat hindurch.

Was aber, wenn jemand in einem Hochhaus wohnt und auf einen Fahrstuhl angewiesen ist, er aber am Schabbat oder an jüdischen Feiertagen die elektrischen Schalter nicht
betätigen sollte ?
Traditionelle und fromme Juden leben in Hochhäusern oder man geht am Schabbat in ein Krankenhaus, um jemanden zu besuchen. Was, wenn das Krankenhaus mehrere Stockwerke hat ? Ist man in all den Fällen gezwungen, durch das Treppenhaus in die oberen Stockwerke zu klettern ?

Nein, denn es gibt ja den SchabbatfahrstuhlEin extra Fahrstuhl, der automatisch in jedem Stockwerk anhält und die Tür auf und wieder zugeht. Alles von selbst und ohne Knöpfe.
Ich selbst habe dies in Krankenhäusern schon miterlebt.
Nicht jedes Hochhaus besitzt solch einen Fahrstuhl und falls nicht, muss derjenige halt über die Treppe hinauf.

Jahrelang sind die Schabbatfahrstühle schon im Einsatz, doch nun stämmen sich führende litvisch - haredische Rabbiner wie Rabbi Shmuel HaLevi Wosner, Rabbi Yosef Shalom Eliyashiv und Rabbi Chaim Knajevsky dagegen. "Selbst der koschere Fahrstuhl am Schabbat ist ab sofort nicht mehr koscher", so lautet einen aktuelle Halacha.

Begründung: Wer mit dem Schabbatfahrstuhl hinunterfährt, bringe diesen eventuell auch mit seinem eigenen Körpergewicht in Bewegung. Das Gewicht einer Person beeinflusse die Abfahrt des Fahrstuhles.

Es ist jetzt schon abzusehen, dass diese Halacha viele Fragen aufwirft und weiterhin umstritten bleiben dürfte. Derweil gibt es noch nicht viele Äußerungen, doch warten wir einmal ab …

FACEBOOK gegen JÜDISCHE Aktivisten

B"H


"Jewish Internet Defense Force" berichtet, dass FACEBOOK plane, unzählige Accounts pro - jüdischer / Israel Blogger, Aktivisten, etc. zu deaktivieren. Darunter ebenso Chabad -, AISH HATORAH und sogar Netanyahu - Accounts.


http://www.thejidf.org/2009/09/yom-kippur-facebook-clampdown-on-jews.html

Dienstag, September 29, 2009

Populäre Themen unter jungen Anglo - Juden

B"H

Yom Kippur ist vorüber und ich wünsche allen Lesern ein tolles Neues Jahr 5770 !

Wie schon Jahre zuvor nahm ich auch diesmal aus alter Gewohnheit heraus an einem Programm der AISH HATORAH Yeshiva in der Jerusalemer Altstadt teil. Gesponsort von Jeff Seidel's Jewish Student Information Center sowie vom Heritage House (einem kostenlosen jüdischen Hostel in der Altstadt).

Soweit zur Sponsorenwerbung !:-)

Das Programm selbst wurde von mehreren litvisch - haredischen Rabbinern geleitet und was wohl allen Teilnehmern am besten gefällt, ist die Abwechselung: Nicht "nur" beten, sondern im Obergeschoß des AISH HATORAH "fleischigen" Esssaales werden genauso Vorträge gehalten; von Rabbi Yaakov Marcus (lehrt an dem haredischen Frauenseminar NEVE YERUSHALAIM).

Es versteht sich fast von selbst, dass die Programme zu Rosh HaShana und Yom Kippur weitgehend dazu dienen, jungen Anglo - Juden einen Einblick in das orthodoxe Judentum zu vermitteln und sie mit diversen Vorträgen eventuell in relig. Programme an Yeshivot etc. zu lotsen. Das Wort "Gehirnwäsche" kommt einem dabei fast immer in den Sinn, doch sind diese jungen Leute (meist aus einem Reform - Elternhaus kommend) meiner Ansicht nach sehr wohl in der Lage zwischen der "Wäsche" und der Realität zu unterscheiden. So leicht kann dann doch niemand beeinflusst werden, auch wenn es manchmal so den Anschein erwecken mag.

Am gerade ausgeklungenen Yom Kippur gab es am Sonntag abend nach dem "Kol Nidre" den ersten Vortrag von Rabbi Marcus. "Questions & Answers" - jeder konnte alle möglichen Fragen zum Judentum stellen. Anfangs traute sich niemand der mindestens 30 Anwesenden so recht, doch dann kam die Frage nach der Konversion zum Judentum. Wir alle hatten Fragen anderer Art erwartet, doch diese Frage schient für die jungen Anglos (meistens aus den USA oder Australien) in den 20igern das Eis zu brechen. Nach einer mehr oder weniger heftigen Diskussion kam man danach auf das Thema "Intermarriage - Heirat zwischen einem Juden und einem Nichtjuden" zu sprechen.

Was denn eine "koschere" Konversion zum Judentum sei ?
Natürlich eine Orthodoxe gemäss der Halacha.
Was, wenn ein Konvertit zum Judentum nach dem Giur alle Regeln beiseiteschmeisst und säkular wird ? Ist er dann nach einem orthodoxen Giur noch Jude ?
Die Antwort lautet: JA ! Allerdings muss der Konverit von Vornherein mit der richtigen Ambition, nämlich einer jüdisch - orthodoxen, an die Konversion herangegangen sein !

Warum dürfen Juden lt. der Thora keine Nichtjuden ehelichen ?
Weil Juden und Nichtjuden in dieser Welt unterschiedliche Aufgaben sowie Seelen haben ! Heiratet ein Jude einen Nichtjuden, sind die beiden verschiedenen Seelen nicht in der Lage sich zu vereinigen ! Die Ehe kann glücklich sein, doch vollkommen ist sie nie !
Die jüdische und die nichtjüdische Seele gehen einfach nicht zusammen, selbst, wenn man sich noch so sehr etwas einzureden versucht.

Es war mehr als nur offensichtlich, dass die jungen Anglos von den beiden Themen bewegt werden. Kein Wunder, denn sie haben viele konvertierte Bekannten und brachten dementsprechende Stories hervor. Ebenso werden sie stetig mit der Intermarriage konfrontiert.
Jedenfalls war allen Teilnehmern klar, dass bezogen auf diese beiden Themen, das orthodoxe Judentum noch sehr viel zusätzliche Aufklärungsarbeit zu leisten hat. Das Interesse der jungen Juden ist allemal vorhanden !

Die Thoraparashot für das Neue Jahr 5770


B"H

Das Neue Jahr 5770 hat begonnen und, wie fast ein jeder andere auch, habe ich mir ebenso ein paar gute Vorsätze auferlegt. Eine davon ist, die Thoraparashot auf diesem Blog neu zu gestalten, denn in den letzten zwei Jahren benutzte ich fast immer die gleichen selbstverfassten Texte.

Im neuen Jahr plane ich dies zu ändern und neue Texte bzw. viele neue Themen zu den wöchentlichen Thoralesungen zu verfassen. Beginnend mit der Parashat Bereschit (Genesis) nach Sukkot (Laubhüttenfest).
Rabbi Mordechai Machlis erwähnte einmal in einer seiner Reden, dass es keine schlechte Idee sei, in jedem Jahr einen Thorakommentator ausführlich zu behandeln und vorzugsweise dessen Kommentare zur jeweiligen Parasha zu verwenden. Ich fand dies eine glänzende Idee und will dies daher mit der neuen Lesung der Thora nach Sukkot beginnen !

Für das Jahr 5770 habe ich mich für einen meiner Lieblingskommentatoren, den RAMBAN (Nachmanides) entschieden. Dieser lebte von 1194 - 1270 in Spanien und war ebenso bekannt als einer der ersten grossen Kabbalisten.

Im Laufe des Jahres gibt es nicht nur Thorakommentare des Ramban, sondern gleichzeitig seine Biographie und Diskurse !

Simchat Beit HaShoeva in Lelov



B"H

Ich suche dringend die Adresse der Lelover Chassidim in Bnei Brak !

Bisher fand ich nur die Lelover Beit Midrash (Lehrhaus) in der Rabbi Akiva Street. Kann irgendjemand weiterhelfen ?

Auf dem Video seht Ihr den Lelover Rebben bei der Simchat Beit HaShoeva Feier, welche am  Sukkot (Laubhüttenfest) durchgeführt wird.

Zu SUKKOT gibt es in dieser Woche noch detallierte Berichte, denn das Fest beginnt schon am Freitag abend !

Man nehme es mit Humor !!!


Lästige Fragen

B"H


Wenige Stunden vor Beginn des Yom Kippur sass ich am Sonntag mittag im unteren Teil der Agrippas Street (Jerusalem) und aß einen Schwarma (Döner) als plötzlich jemand hinter mir stand und mir ein "Gutes Neues Jahr" wünschte. Vom Sehen kannte ich den Typen, doch hatte ich nie zuvor mit ihm ein persönliches Wort gewechselt: Ein bekannter englischsprachiger Blogger aus der nationalrelig. Szene.


Neben dem Neujahrsgruß verkündete er mir gleichzeitig, dass da irgendso eine komische christliche Frau, anscheinend Missionarin, im oberen Teil der Agrippas sitze, Gitarre spiele und singe. Er (der Blogger) habe sie angesprochen und ihr einige Fragen (a la "ob sie Jüdin sei) gestellt. Sie stammelte etwas, doch kamen einige Russen aus der Umgebung zu ihrer Hilfe herbeigeeilt. Er (der Blogger) solle sich hier bloß schnell vom Acker machen.


Nun ist es so, dass gleich neben der Frau ein nichtkoscherer russischer Laden liegt und anzunehmen ist, dass die keifenden Russen aus der Ecke kommen. Ich selber sah die Frau, die vorgibt aus Berlin zu stammen, einige Male bei Rabbi Machlis und niemand weiß mir Sicherheit zu sagen, ob sie Jüdin ist oder nicht. Anscheinend kümmert sie sich um eine ältere Dame, bei der sie im nahegelegenen Stadtteil Nachlaot lebt.


Die Frau war wie eine orthodoxe Jüdin gekleidet, doch in orthodoxen Kreisen singt keine Frau öffentlich, denn dies ist halachisch verboten. Eine Frau darf nur für Frauen singen oder im allerengsten Familienkreis. Auf entsprechende Halacha bezogen sich daher auch die Fragen des Bloggers. Ich glaube kaum, dass die Frau missionieren wollte, doch christliche Züge (von dem Singen einmal abgesehen) weist sie allemal auf. Übrigens sahen wir die Frau wenige Minuten nach dem Vorfall ihre Gitarre einpacken und eilig von dannen ziehen.


Die Halacha verbietet den Gesang von Frauen deswegen, weil eine laute weibliche Stimme die Aufmerksamkeit von Männern auf sich zieht. Dies gilt ebenso für lautes Reden beim Gehen durch den ultra - orthodoxen Stadtteil von Mea Shearim, sowie durch andere ultra - orthodoxe Orte oder Gegenden.

Sonntag, September 27, 2009

"Avinu Malkenu - Unser Vater, unser König"



In der Hauptsynagoge von Tel Aviv

ZOM KAL !



Die SELICHOT Gebete an der Kotel in der vergangenen Nacht.

B"H

Viel mehr wollte ich schreiben, doch reihe ich mich mit meiner YOM KIPPUR - Hast in die Laune aller Jerusalemer ein. Jeder eilt herum und kauft noch schnell für die letzte Mahlzeit vor dem Fastentag Yom Kippur ein.

Und so bleibt mir nicht viel anderes übrig als allen GMAR VE'CHATIMAH TOVA und ein gutes Neues Jahr zu wünschen. Jenen, die fasten, wünsche ich ZOM KAL - ein leichtes Fasten !



Samstag, September 26, 2009

Crocs am Yom Kippur ?


B"H

Viele Rabbiner sprechen sich gegen das Tragen von Crocs am Yom Kippur aus. Darunter auch das führender spirituelle / halachische Oberhaupt der litvischen Haredim, Rabbi Eliyashiv.
Crocs am Yom Kippur oder Tisha Be' Av ? Die Plastikschuhe seien viel zu bequem und deswegen disqualifiziert.

Morgen abend (Sonntag) beginnt der Yom Kippur und außer dem Essen und Trinken ist es den Juden ebenso untersagt, Lederschuhe zu tragen. Jegliches Bequeme soll vermieden werden, denn am Tisha Be'Av (für welchen fast die gleichen Gesetze wie am Yom Kippur gelten) betrauern wir die Zerstörung beider Tempel und am Yom Kippur sollen wir uns ganz zu G - tt richten; ohne weltliche Bequemlichkeiten, ohne alles.
Normalerweise tragen jene Juden, welche den Yom Kippur einhalten, Turnschuhe ohne Lederanteile oder Plastik - bzw. Stoffschuhe. Seit der Einführung der Crocs jedoch, änderten sich die Gewohnheiten der Israelis. Crocs sind in unserem Land überaus beliebt, doch verhältnismässig teuer. Ein Paar originale Crocs kostet 200 Schekel (ca. 40 Euro). Aus diesem Grund wussten man hierzulande schnell Rat, indem "falsche" Crocs eingeführt wurden. Diese Plagiate kosten nur 20 Schekel (ca. 4 Euro) und werden überall verkauft. Sie sind fast so gut wie die echten Crocs, doch nur FAST.

Nun bleibt die Frage, ob die Plagiate am Yom Kippur genauso verboten sind ?

Freitag, September 25, 2009

Schabbat Schalom

B"H

Es ist unglaublich, aber in diesem Jahr scheint die Jerusalemer das Sukkot - Fieber ergriffen zu haben. Traditionsmässig wird mit dem Bau der Sukka (Laubhütte) erst mit dem Ausklang des Yom Kippur (am Montag abend) begonnen. In diesem Jahr jedoch sieht man jetzt schon unzählige Sukkot auf Balkonen oder in Höfen stehen.
Zuerst jedoch müssen wir das endgültige G - ttesgericht am Sonntag abend beginnenden YOM KIPPUR hinter uns bringen. Der Yom Kippur ist ein ausschließlich jüdischer Feiertag und andere Völker haben nichts mit ihm zu tun.

Morgen nacht werden die Uhren in Israel auf Winterzeit umgestellt und dadurch beginnen der Yom Kippur sowie alle folgenden Schabbats (Schabbatot) eine Stunde früher. Der Schabbat wird mit dem Winter kürzer, denn es wird eher dunkel.

Ich fahre in Kürze nach Jerusalem, um den Schabbat sowie Yom Kippur dort zu verbringen.

Schabbat Schalom an alle Leser und Gmar ve'Chatima Tova (eine erfolgreiche Entscheidung G - ttes für jeden Einzelnen) !

"Wie die Engel" -Der höchste jüdische Feiertag YOM KIPPUR



B"H

Die zehn Tage (Aseret Yame'i Teshuva) zwischen dem Neujahrsfest Rosh HaShana und dem Versöhnungstag Yom Kippur sind jedesmal sehr emotional. An Rosh HaShana werden wir für das Neue Jahr gerichtet und am Yom Kippur (Sonntag abend - Montag abend) "unterschreibt" G - tt Sein Urteil (um es einmal bildlich darzustellen).

Für die zehn Tage zwischen den beiden Feiertagen gilt allgemein die Regel, dass wir uns mit jeglichen Vergehen etwas zurückhalten sollten. Schließlich kann es ja durchaus sein, dass G - tt unser individuelles Schicksal noch nicht entschieden hat und so wollen wir Ihm dieser Tage zeigen, dass wir doch eigentlich gar nicht so schlecht sind. Demzufolge könnte Er bis Yom Kippur Seine Meinung über uns ändern und uns für ein positives Jahr ins "Buch des Lebens" eintragen. Auch beten wir innerhalb dieser zehn Tage weiter die Selichot - Gebete, um G - tt um Verzeihung zu bitten.

Den Feiertag Yom Kippur begehen wir jedes Jahr am 10. des jüdischen Monat Tischre. Der 10. Tischre war der Tag, an dem Moshe mit dem zweiten Paar Gesetzestafeln vom Berg Sinai in das israelitische Lager zurückkehrte. G - tt hatte ihnen nach dem Vorfall mit dem Goldenen Kalb verziehen und Moshe, nachdem er die ersten Gesetzestafeln zerbrach, ein zweites Paar gegeben. In den Thoraparashot (Thoralesungen) "Acharei Mot" sowie in "Pinchas" trägt G - tt uns auf, diesem Tag auch weiterhin zu gedenken und ihn zu feiern. Somit ist der Yom Kippur ein biblisch - vorgeschriebener Feiertag.

Während an Rosh HaShana Juden und Nichtjuden gerichtet werden, betrifft der Yom Kippur einzig und allein nur für das jüdische Volk. Für die meisten von uns ist es ein sehr emotionaler und ernster Feiertag. Dies gilt selbst für diejenigen, die sich ansonsten nicht gerade als religiös bezeichnen würden. Aller Gegensätze zum Trotz, an Yom Kippur wird allgemein gefastet, denn unter anderem heißt es zusätzlich in der Thora, dass wer den Yom Kippur nicht einhält, derjenige nicht Teil des jüdischen Volkes ist.

Bevor ich auf den eigentlich Feiertag eingehe, möchte ich einen Minhag (Brauch) beschreiben, der in den Tagen vor Yom Kippur von wesentlicher Bedeutung ist und der von jeher von Nichtjuden als antisemitische Hetze gegen Juden verwendet wurde. Vielleicht versteht ja nach dem Lesen des Artikels der ein oder andere den Minhag etwas besser.

Beim dem Minhag handelt es sich um die "Kapparot".Nicht, dass mir jetzt sämtliche Tierschützer aufs Dach steigen und mir Tierquälerei vorwerfen, denn bei den Kapparot geht es vorwiegend um die rituelle Schlachtung eines Huhnes. Überall in jüdisch - relig. Wohngegenden sieht man in dieser Woche folgendes Schauspiel:
Juden gehen zu Ständen, an denen die Kapparot angeboten werden. Man zahlt einen Unkostenbeitrag, ein Religiöser nimmt ein Huhn und zirkelt dies 3 oder 7 Mal über unsere Köpfe hinweg. Die Anzahl von drei oder sieben kommt ganz auf den Brauch der jeweiligen Person an.
Die Person spricht ein kurzes Gebet und danach wird das Huhn rituell geschächtet, heisst, es wird ihm mit einem kleinen Schächtmesser die Kehle durchgeschnitten. Es ist üblich für eine Frau eine Henne und für den Mann einen Hahn zu verwenden (siehe Kitzur Shulchan Aruch - Dinei Yom Kippur) .

Der Brauch der Kapparot findet weder in der Thora noch im Talmud Erwähnung. Allerdings ist der Minhag sehr alt, denn schon im 9. Jahrhundert wurde er von Kommentatoren erwähnt. Hintergrund des Brauches ist die Symbolisierung des sogenannten Sündenbockes (Azalzel), ein Ritual, bei welchem der Hohepriester (Cohen HaGadol) in einer Tempelzeremonie einen Ziegenbock in die Wüste sandte. Symbolisch betrachtet transferieren wir unsere Sünden in das Huhn, welches für uns stirbt. Diese Meinung ist ausdrücklich nur Symbolik, und das eigentliche Ziel der Kapparot ist es, uns auf den Yom Kippur vorzubereiten, an dem wir G - tt um Verzeihung bitten.

Nicht immer finden die Kapparot anhand eines Huhnes statt. Leute, die nicht unbedingt wollen, dass ein Huhn für sie stirbt, können sich darauf beschränken, nur einen bestimmten Unkostenbeitrag zu geben und bekommen dann ein kleines Zertifikat ausgestellt. Wieder andere geben nur Geld, aber zusätzlich wird ein Huhn über ihren Kopf gedreht, welches hinterher nicht geschächtet wird. Im Mittelalter lehnten so berühmte Rabbiner wie der Ramban und Rabbi Yosef Karo diese Zeremonie grundsaetzlich ab. Das sei alles dumm und erinnere an götzendienerische Rituale. Der große Kabbalist, Rabbi Yitzchak Luria, hingegen sah in den Kapparot eine immense kabbalistische Bedeutung.

Wie dem auch sei, jeder kann für sich entscheiden, ob er Kapparot macht oder nicht. Ich selbst habe mich schon im vergangenen Jahr entschieden, dem Brauch nicht mehrzu folgen und die Kapparot auszulassen.

Den Kapparot in Jerusalem zu entkommen, ist unmöglich, denn in der ganzen Stadt stehen Stände. In Mea Shearim und neben dem Machane Yehuda Markt werden vor dem Feiertag täglich Tausende von Hühnern geschächtet und Geldstände sich ebenso zur Genüge vorhanden.
Aber was passiert eigentlich danach mit all den toten Hühnern ?
Hierzu gibt es unterschiedliche Bräuche. Manche nehmen das Huhn mit heim und essen es und wieder andere geben es als Spende an arme Leute.





Israelische Tierschützer protestieren jedes Jahr aufs Neue gegen den Kapparot - Brauch. Bisher brachten die Demos nichts ein, denn vor allem die Haredim (Ultra - Orthod.) sehen nicht ein, warum sie auf das Huhn verzichten sollten. Weiterhin seien die Kapparot mit einem Huhn kabbalistisch ggf. auf einem höheren Level.


Die Tierschützer


Photos Ynet


In Jerusalem ist schon gegen mittag Yom Kippur Stimmung. Die Geschäfte machen früh dicht und jeder eilt nach Hause, um sich nicht übermässig anzustrengen und noch auszuruhen.





Leere Straßen am Yom Kippur.


Grundsätzlich gelten für diese 25 Feiertagsstunden fünf feste Regeln:

1. Nichts essen, denn an dem Tag sind wir wie die Engel, welcher keiner Nahrung bedürfen.
Diese Regel trifft nicht auf jene Menschen zu, die ernsthafte gesundheitliche Probleme haben. Auch Kleinkinder und schwangere Frauen sind von der Regel befreit.

2. Nichts trinken

3. Keinen Sex

4. Keine Lederschuhe tragen, denn die sind ein Zeichen für Bequemlichkeit.

5. Sich nicht duschen, waschen oder Deos bzw. Cremes verwenden.

Am Yom Kippur sollen auf alle weltlichen Bequemlichkeiten verzichtet werden und wir widmen uns G - tt, Der uns richtet. Neben diesen fünf Regeln gelten natürlich zusätzlich sämtliche Halachot wie für den Shabbat auch (kein Feuer anzünden, etc).

Vor dem Fastenbeginn essen wir nochmals ausreichend bei einer speziellen Mahlzeit, die "Se'udat Mafseket" genannt wird. Diese Mahlzeit ist eine Mitzwa, auf die keinesfalls verzichtet werden sollte.

Dieser Tage werden fast alle israel. Tageszeitungen ihre alljährlichen Empfehlungen für die Mahlzeiten ablassen. Was isst man am besten, wenn man danach 25 Stunden fastet ? Fleisch macht durstig und vegetarisch wäre besser. Sind Früchte und Obst angebracht ? Mein persönlicher Geheimtipp lautet immer Weintrauben und viel Wasser trinken.

Nach dem Kerzenanzünden gehen wir in die Synagogen. Wer für verstorbene Angehörige eine Kerze (Ner Zikaron) zünden will, der sollte das vor den Kerzen für den Yom Kippur tun.

Der Synagogenservice beginnt mit dem "Kol Nidrei" und danach gehen wir über zum Abendgebet Maariv.

Der Tag darauf wird von nonstop Synagogendiensten bestimmt. Im Morgengebet Schacharit lesen wir bei der Thoralesung aus dem Buch Vayikra (Leviticus) 16:1 - 34 (Parashat Acharei Mot). Der Maftir wird aus Numeri (Sefer BaMidbar) 29:7 - 11 gelesen und die Haftarah (Lesung aus den Propheten) erfolgt aus Jesaja (Yeshayahu) 57 - 14, welche von der Umkehr zu G - tt handelt.

Zum Nachmittagsgebet Mincha erfolgt die Thoralesung aus Vayikra (Leviticus) 18:1 - 30, in der es um verbotene sexuelle Beziehungen geht. Der Grund für diese Lesung ist, dass gerade aufgrund dieser Vergehen das jüdische Volk immer wieder aufs Neue ins Verderben fiel.




Die Haftarah (Lesung aus den Propheten) ist das Buch Jonah.
Ein jeder von uns kennt die Geschichte Jonah's, der vor G - tt flüchtete als ihm aufgetragen wurde, nach Ninveh zu gehen und die Stadt vor G - ttes Zorn zu warnen. Letzendlich landete Jonah im Bauch eines Fisches, bat G - tt um Verzeihung, wurde aus dem Fisch befreit und er ging nach Ninveh.

Wir lesen das Buch Jonah am Yom Kippur, da das gesamte Buch natürlich mit Umkehr zu G - tt (Teshuva) zu tun hat.
Ich war immer der Meinung, dass es reicht, einmal das Buch Jonah zu lesen und dann habe ich meine Message auf ewig. Dann fand ich zufällig den Kommentar des Vilna Gaon zum Buch Jonah und seitdem habe ich einen wesentlich anderen Zugang zum Buch.

Der Vilna Gaon sieht die ganze Story nur als Metapher. Seiner Meinung nach ist die Person Jonahs nur ein Symbol für unsere eigene Seele, die im Paradies sitzt und von G - tt auf die Erde gesagt wird. Die Seele weigert sich natürlich, denn sie will nicht in einen irdischen Körper. Daher sagt der Vilna Gaon das der Körper hier von dem Schiff symbolisiert wird, auf das Jonah flüchtete. Der Körper kann alles andere als spirituell sein und geht gewöhnlich seinen weltlichen Verlangen nach. Der Fisch ist sozusagen das Grab und die Seele einer Person steigt auf (das trockene Land, auf welches Jonah gespiehen wurde).

Nach dem Mincha - Gebet gehen wir über in das Ne'ilah - Gebet, welches recht kurz ist. Mittlerweile schauen schon alle auf die Uhr, wann das Fasten denn endlich vorbei ist. Das Ne' ilah ist die letzte Chance bevor die Himmelstore geschlossen werden und daher wird es im Englischen "Closing the Gates" genannt.

Gleich anschliessend ertönt das Schofar und es darf nach Herzenslust gegessen und getrunken werden. Besonders emotional ist der Yom Kippur - Ausgang an der Klagemauer, wo Abertausende von Menschen versammelt sein werden. Damit nicht alle hungrig heimgehen, werden Gebäck und Getränke ausgeteilt.

Die Yeshiva Aish HaTorah veranstaltet zusammen mit Jeff Seidel's Jewish Student Information Center sowie dem kostenlosen relig. Hostel Heritage House ein Yom Kippur Programm. Zum Abschluß des Fastens findet ein "Break - Fast bei" Jeff Seidel statt. Dort gibt es Unmengen von Getränken, Beigels, Käse und Obst. Niemand bleibt ungesättigt und wir alle haben jedesmal das ganz besondere Gefühl, dass wir es tatsächlich durchgehalten haben und frei von jeder Sünde sind. Jedenfalls für kurze Zeit.

Bleibt noch zu erwähnen, dass zu Tempelzeiten ganz spezielle Yom Kippur - Riten im Tempel stattfanden. Es war der einzige Tag im Jahr, an dem der Hohepriester (Cohen HaGadol) das Allerheiligste (Kodesh HaKedoshim) betreten durfte. Er rief G - ttes richtigen Namen aus und bat für das jüdische Volk um Vergebung. Auch fand die berühmte Verlosung der zwei Ziegenböcke statt, von denen einer G - tt geopfert wurde und der andere dem sogenannten Azalzel, der schlechten Seite.

Im Judentum haben wir eine absolut unterschiedliche Vorstellung von der schlechte Seite bzw. dem Satan. Der Satan ist keine Person, sondern unsere eigene schlechte Seite, die uns zum Sündigen veranlasst. Der "jüdische Satan", wenn ich das einmal so formulieren darf, wurde von G - tt selbst erschaffen. Er wollte, dass wir eine freie Wahl im Leben haben und dies wäre ohne negative Aspekte unmöglich. Im Talmud Bava Batra heisst es, dass G - tt nach der Ankunft des Meschiach die schlechten Veranlagungen in uns abschafft und wir nur noch Gutes tun werden.


BeShana HaBah Be' Yerushalaim - Im nächsten Jahr in Jerusalem - Nach der Ankunft des Meschiach.


Zom Kal und Gmar veChatimah Tova an alle Leser.


Ein leichtes Fasten und ein gnädiges G - ttesurteil an alle Leser.


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Israels Oberrabbinat erlaubt Organspenden

B"H

Eine, in vielen jüdisch - orthodoxen Kreisen eine höchst umstrittene Entscheidung und wie man sich vorstellen kann, stimmt nicht jeder Rabbiner zu:


Was ist mit der Auferstehung der Toten ? Wache ich als Organspender ohne Leber oder Herz auf ?
Der Talmud lehrt metaphorisch, dass jene Toten, die wieder auferstehen von der Sonne geheilt werden, wenn ein Körperteil fehlen sollte.

Wer beabsichtigt, seine Organe nach seinem Tode zu spenden, der sollte sich vor der endgültigen Entscheidung auf alle Fälle an einen professionellen Rabbiner wenden. Sprich an jemanden, der sich mit dem Thema "Halacha und Medizin" allerbestens auskennt !

Donnerstag, September 24, 2009

Machon Me'ir & Derech HaMelech

B"H

Ein Arbeitskollege meinte gestern zu mir, ich solle doch einmal ein wenig Werbung für seine Yeshiva "Machon Me'ir" betreiben. :-)
Nun, das habe ich schon mehrfach getan, doch für alle neuen Leser, hier ein kleiner Einblick :





Die Nationalreligiösen sind nicht gerade immer mein Spezialthema, doch kenne ich in Jerusalem mehrere Ex - Machon Me'ir Leute. Besagter Kollege ist Israeli und mittendrin in seinem Teschuva - Prozess.

Vor wenigen Monaten schrieb ich über eine Yeshiva ganz besonderer Art:

DERECH HAMELECH


Beide Yeshivot sind NUR für männliche Interessenten ! 


Es ist immer wichtig, egal, ob Männlein oder Weiblein, seinen Weg vorher zu kennen und diesbezüglich ein relig. Programm / Yeshiva auszuwählen.
Wer sich über nichts im Klaren ist, der besuche am besten zuerst ein generelles Vorbereitungsprogramm.

Wer Interesse hat, dem kann  ich gerne ein paar Tipps für Jerusalem geben. Es versteht sich von selbst, dass die Bewerber / innen jüdisch sein müssen !

Parashat Ha'azinu



Photo: Dixieyid



B"H


Die Thoralesung für diesen Schabbat


Der Schabbat zwischen dem Neujahrsfest Rosh HaShana und Yom Kippur trägt den Namen "Schabbat Teschuva".


Das Wort Teschuva kommt aus dem Hebräischen und hat seine Wurzeln im Verb "lashuv - zurückkehren". Man kehrt zu G - tt und Seiner Thora zurück. Die zweite Übersetzung des Wortes "Teschuva" lautet übersetzt "Antwort". Man findet jegliche Antworten auf sein Leben in der jüdischen Religion. Von daher werden im israelischen Alltag all jene, die religiös werden "Baalei Teshuva oder Chosrei Be'Teschuva" genannt, da sie zum eigentlichen Ursprung, sprich der Thora, zurückkehren.


An Rosh HaShana stehen wir vor G - tt und legen über alle unsere Taten des ausklingenden Jahres Rechenschaft ab. Es soll Bilanz gezogen werden und wir denken an unsere positiven sowie auch unsere negativen Taten und Eigenschaften. G - tt entscheidet über unser Leben im Neuen Jahr und Juden werden zwar an Rosh HaShana gerichtet, eine endgültige Entscheidung aber fällt erst am Yom Kippur. Die zehn Tage zwischen Rosh HaShana und Yom Kippur werden die 10 Tage der Umkehr (10 Days of Repentance, Aseret Yamei Teshuva) genannt. Falls G - ttes Entscheidung über unsere Zukunft noch in der Schwebe liegt, sollten wir G - tt in dieser Zeit mit guten Taten davon überzeugen, uns bis Yom Kippur in das "Buch des Lebens" einzutragen. Das gleiche gilt für den Schabbat Teshuva. Auch an ihm sollen wir in uns kehren und darüber nachdenken, was wir in unserem Leben positiv verändern können.


Auch die Thoralesung HA'AZINU handelt von Vergehen des jüdischen Volkes. G - tt sagt, dass wenn wir dieses und jenes nicht einhalten, wir unser Land verlieren und ins Exil (Galut) verbannt werden. Sobald wir jedoch Buße tun und die Thora einhalten, führt Er uns zurück nach Israel.


Parashat Ha'azinu ist in Versform als Lied verfasst und Moshe sprach diese Wort am letzten Tag seines Lebens. Er sprach von der Erschaffung der Welt bis hin zur Ankunft des Meschiach (Rabbeinu Bachya).


Israel ist das einzige Land auf der Erde, welches G - tt allein gehört und Er darüber bestimmt. Alle anderen Völker haben ihr eigenes Land und keinerlei Thora verpflichtete sie zu einem bestimmten Verhalten, damit sie ihr Land behalten. Bei Juden ist dies anders, denn wir sind verpflichtet die Thora einzuhalten, wenn wir unser Land behalten wollen. Tun wir es nicht, wartet die Diaspora (Galut) auf uns. Andere Religionen meinen aus der Thora herauszulesen, dass sobald Israel sündigt und G - tt sie in die Diaspora verweist, Er folglich auch Sein Volk verlässt. All jenen sei gesagt, dass sie die Thora völlig missinterpretieren, denn wir lesen unzählige Male, dass G - tt sagt, Er werde Sein Volk, die Juden, niemals verlassen. Auch in Ha'azinu ist das der Fall, wo es ausdrücklich heißt, dass Er Sein Volk genauso wieder zurückführen wird. Selbst Diaspora - Juden tragen immer die Shechinah (G - ttes Anwesenheit) mit sich. Nicht so intensiv wie zu Tempelzeiten, doch ist sie immer präsent.


Als ich begann, Ha'azinu zu lernen, machte mich gleich der erste Satz stutzig. Irgendwie kam mir der Inhalt bekannt vor und ich las einige Kommentatoren. Und siehe da, der Beginn von Ha'azinu sowie der Beginn der Buches Jesaja (Yeshayahu) sind fast identisch aber dennoch gegensätzlich.


In der Thora Haazinu heißt es:


"Ha'azinu HaShamaim vaAdaberah veTishma HaAretz imrei - fi".


"Höret, ihr Himmel, und Ich werde sprechen, und du Erde höre, die Worte aus Meinem Mund".




Dagegen heißt es in Yeshayahu (Buch Jesaja) 1:2:


"Shimu Shamaim veHaazinu Eretz ….."


"Höret ihr Himmel und höre Erde…"



Jetzt wird ein jeder sagen, dass da doch kein Unterschied sei. Richtig, in Übersetzungen gibt es keinerlei Unterschied, im hebräischen Original dagegen schon.


Die Worte "LeHa'azin" und "Lishmoa" bedeuten beide HöREN. Jemand hört etwas, doch kommt es darauf an wie.
LeHa'azin sagt man, wenn jemand genau hinhört und nicht nur oberflächlich oder nebenbei etwas hört.
Lishmoa bedeutet auch "Hören", aber setzt nicht unbedingt ein genaues Hinhören voraus.


In Ha'azinu werden die Himmel aufgefordert, genau zuzuhören und in Yeshayahu ist es umgekehrt. Dort wird das Land aufgefordert, sorgfältig hinzuhören.


Bevor ich auf die Erklärung eingehe, vorab die Frage, warum fordert G - tt durch Moshe die Himmel und die Erde überhaupt zum Zuhören auf ? Warum werden an dieser Stelle Himmel und Erde zu Zeugen ?
Siphre und Rashi geben die Antwort, indem sie sagen, dass Himmel und Erde auf ewig existieren und daher als Zeugen genannt werden.
Aber warum Zeugen ?
Damit spätere jüdische Generationen nicht auf die Idee kommen zu behaupten, niemals einen Bund mit G - tt eingegangen zu sein. Wer also kann dann das Gegenteil bezeugen ? Nur jene, deren Existenz zeitlos ist; nämlich Himmel und Erde (Raschi, Radak, Ibn Ezra).


Nun zurück zu der Frage, warum die zwei Sätze in der Thoralesung Ha'azinu und in Yeshayahu (Buch Jesaja) vollkommen gegensätzlich sind. Die Thorakommentatoren Rokeach, Rabbi Moshe Alshich und Rabbeinu Bachya sagen, dass als Moshe die Thoraworte sprach, er dem Himmel näher war als der Erde. Es war sein letzter Tag im Leben und von daher war er dem Himmel näher.


Der Prophet Jesaja (Yeshayahu) dagegen war der Erde naeher als dem Himmel und folglich forderte er die Erde auf, genau hinzuhören. Der Gaon aus Vilna schrieb einen brillianten Kommentar dazu. "Ein Mensch besteht immer aus zwei Seiten: der Körper ist auf der Erde und die Seele im Himmel. Und diesen zwei Seiten stehen die zwei Seiten der Thora gegenüber: die himmlische Thora und unsere weltliche mit ihren Mitzwot (Gesetzen). Ein religiöser Mensch, der nach der Thora lebt, ist in der Lage, diese beiden Hälften der Thora miteinander zu verbinden. Die Thora und die Mitzwot verbinden Himmel und Erde".


Himmel und Erde wurden also zu Zeugen. Aber was genau können diese beiden Zeugen überhaupt unternehmen, wenn die Juden sich von der Thora abwenden und den Bund nicht einhalten ?


Hierauf geben die Kommentatoren Radak, Rashi und Ibn Eza Antwort. Sünder werden vom Himmel und der Erde bestraft.
Wie ?
Die Antwort darauf ist ganz einfach. Die Erde kann, z.B., keine Ernte mehr hervorbringen und der Himmel kann den Regen verweigern. Nur G - tt allein entscheidet ob und wann es regnet.


Wie oft haben wir genau diese Situation schon erlebt, dass es in Israel während der Winterzeit nicht ausreichend regnete ? Obwohl wir ab Shemini Atzeret (am Ende vom Laubhüttenfestes Sukkot) im Amidah - Gebet (Shemona Esrei) für den Regen beten, kann es der Fall sein, dass unsere Bitte unerfüllt bleibt. Innerhalb der letzten Jahre riefen Rabbiner immer wieder zu Massengebeten an der Kotel (Klagemauer) auf, um für mehr Regen zu beten. Woanders mag man über den Regen schimpfen, in Israel aber ist er ein Segen.



Im Talmud Traktat Taanit 2a heisst es, dass wenn G - tt das Land richtet, Er ebenso festlegt, wieviel Regen fallen wird. In der Mischna (mündlichen Gesetzesüberlieferung G - ttes an Moshe) heißt es, dass wir das Gebet für Regen in das Amidah - Gebet einfügen, weil wir so die alleinige Macht G - ttes über den Regen anerkennen.


Nichts im Leben sollten wir jemals als selbstverständlich hinnehmen und schon gar nicht den Regen in Israel. In unserer heutigen Zeit moegen wir fast vergessen haben, wie sehr wir alle von unserem Erschaffer abhängen und realisieren das immer nur zu jener Zeit, in der es uns schlecht geht. Aber auch in Zeiten, in denen es uns gutgeht sollten wir keinesfalls alles als so selbstverständlich nehmen, denn schnell kann sich das Blatt wenden.


Die Haftarah zu Ha'azinu findet Ihr hier:
http://www.chabad.org/parshah/article_cdo/aid/566262/jewish/Haftorah-in-a-Nutshell.htm


Schabbat Schalom !

Mittwoch, September 23, 2009

Zum YOM KIPPUR

B"H


Was Du nicht willst, dass man Dir antut, tue auch keinem anderen an !

Nazipogrom in Lemberg und die Ermordung des Bobover Rebben

B"H


Ein seltenes Video, welches derzeit jüd. relig. Kreise schockt:




http://chassidicstories.blogspot.com/2009/09/nazipogrom-in-lemberg.html

Selichot an der Kotel (Klagemauer)

B"H

Die SELICHOT - Gebete halten nach wie vor an und hier einige Bilder dazu von der Jerusalemer Klagemauer (Kotel):












Sämtliche Bilder gibt es hier zu sehen:

http://www.bhol.co.il/news_read.asp?id=12419&cat_id=2

"KOL NIDRE" - Das missverstandene jüdische Gebet




B"H


Kurz nach Beginn des höchsten jüdischen Feiertages Yom Kippur (Beginn am kommenden Sonntag  abend) wird weltweit in den Synagogen das "KOL NIDRE" gesprochen. Bei dem Kol Nidre handelt es sich um kein Gebet, sondern ein Zitat mit einer jahrhunderte alten herzzerreißenden Melodie. In der Regel wird es vor dem Sonnenuntergang und somit vor dem Abendgebet Maariv gesagt.


Der "Kol Nidre Service" leitet den langen Yom Kippur G – ttesdienst ein und ist einer der Höhepunkte an diesem Feiertag. Der Thoraschrein (Aron HaKodesh) wird geöffnet und drei Thorarollen werden herausgenommen und auf die Bimah, den Tisch vor dem Thoraschrein, gelegt. Der sogenannte "Schaliach Zibur" nimmt eine der Rollen in seinen Arm und die zwei weiteren Rollen bekommt je ein geachtetes Gemeindemitglied. Es ist Brauch, dass die Männer einen Tallit (Gebetsmantel) bei dieser Zeremonie tragen. Der Schaliach Zibur ist in der heutigen Zeit meistens ein Rabbiner dessen Aufgabe darin besteht, das Kol Nidre vor dem offenen Thoraschrein dreimal vorzutragen.


Die Geschichte des Kol Nidre ist bis hin in die "Responsa der Geonim" (ca. 800 – 1000 nach Beginn der Zeitrechnung) zurückzuverfolgen. Der Inhalt des Kol Nidre besteht aus einer Annullierung von Schwüren und Versprechen, welche man im folgenden Jahr (bis zum nächsten Neujahrsfest Rosh HaShana) eingehen könnte.


Der berühmte Jerusalemer Chabad – Rabbiner, Rabbi Adin Steinsaltz, schreibt dazu in seinem Buch "A Guide to Jewish Prayer", dass diese Zeremonie eine emotionale Befreiung für einen jeden Anwesenden darstellt. Das Kol Nidre hat eine tiefe emotionale Bedeutung anhanddessen wir unsere Seele auf einen höheren Level bewegen und einen inneren Frieden für den Yom Kippur selbst herstellen.


Bei meinen Recherchen zu dem Thema mußte ich einmal wieder umso mehr feststellen, dass es schon zu frühester Zeit christlichen Widerstand gegen das Kol Nidre gab. Nicht zum ersten Mal hatte man ein jüdisches Ritual völlig missinterpretiert. Übrigens sind auch heute noch diverse christliche Hetzsites im Internet zu lesen, auf denen es heißt, dass Christen die besseren Geschäftspartner und überhaupt verläßlicher seien. Schließlich würden die Juden nur oberflächlich Versprechungen eingehen und wären danach in keinster Weise verpflichtet, diese einzuhalten, denn sie hätten ja das Kol Nidre. Mit diesen Worten begann schon der Haß im Mittelalter und hat sich bis heute aufrechterhalten.


Warum sagen wir das Kol Nidre ?
Besonders verärgerte Menschen sagen oft Dinge, die sie hinterher bereuen oder sie nach dem Zornesausbruch sofort vergessen. G – tt allerdings vergißt keine solcher Schwüre, auch wenn sie einem bloß unabsichtlich über die Lippen kamen (Beispiel: "Wenn Du nicht das und das machst, dann rede ich nicht mehr mit Dir).
Aus dem Grund annullieren wir von vornherein all unsere fälschlich ausgesprochenen Versprechungen und G – tt kann in einem Urteilsfalle nichts gegen uns verwenden. Mit Geschäftsgebaren etc. hat das Kol Nidre nichts zu tun.


Das Kol Nidre ist kein Einzelfall, denn ebenso kam es im Mittelalter von christlicher Seite aus schon zur Hetze gegen das jüdische "Aleinu – Gebet".




Avraham Fried singt KOL NIDRE.



Dienstag, September 22, 2009

Der Kampf um den Level

B"H

Innerhalb der nationalrelig. sowie haredischen (ultra - orthodoxen) Gesellschaft tobt ein Kampf um den eigenen Level: Wie relig. bin ich und bin ich nicht besser als mein Nachbar ?
In diversen Stadtteilen schaut man sich schon um, was der andere Part macht; wie die Kinder gekleidet sind (ja anständig) und wie fromm da jemand ist.

Mich hat dieses Vergleichsdenken schon immer genervt, doch kommt man in der relig. israel. Gesellschaft wohl kaum drumherum. Spätestens dann nicht, wenn man die eigenen Kinder unter die Haube bringen muss. In dem Moment wird beim etwaigen Ehepartner emsig darauf geachtet, dass er aus einem guten Stall (Haus) kommt und keine bösen Überraschungen auf einen warten.

Lösungsvorschläge ?

Keine, denn so funktioniert die Gesellschaft. Ob man das nun gutheißt oder nicht. Allerdings bedeutet dies nicht automatisch, dass ich mich dem anschließen muss. Es ist immer wichtig, auf sein eigenes Potential zu schauen und nicht auf das anderer.

Die Tage zwischen Rosh HaShana und dem am Sonntag abend beginnenden höchsten jüdischen Feiertag Yom Kippur werden "Aseret Yame'i Teschuva - die zehn Tage der Teschuva - Umkehr zu G - tt" genannt. In diesen Tagen haben Juden die Möglichkeit, das anstehende G - ttesurteil (erfolgend am Yom Kippur) über jeden Einzelnen zum Positiven zu ändern; ebenso zum Negativen, um dies auch einmal zu erwähnen.

Gehen wir aber vom Positiven aus:
An Rosh HaShana hat G - tt sozusagen drei Bücher vor sich liegen. Juden, deren gute Taten überwiegen, werden sofort ins "Buch des Lebens" eingetragen. Heißt, sie bekommen von G - tt ein weiteres Lebensjahr. Andere mit schlechten Taten erwartet kein so tolles Neues Jahr. Die Mehrheit der Juden aber befindet sich im Twilight. Es gibt gute und schlechte Taten und die Waagschale hält sich so in der Mitte. Wie also soll G - tt in dem Falle entscheiden ?

Wenn wir uns innerhalb dieser zehn Tage zwischen den beiden hohen Feiertagn einigermassen benehmen, Spenden geben, beten, eben unseren guten Willen zeigen, kann die positive Seite der Waagschale zu unseren Gunsten ausfallen. Aus diesem Grund sind derzeit viele Juden damit beschäftigt, vor G - tt einen guten Eindruck abzugeben. Selbst wenn dies nicht immer perfekt gelingt (wer ist schon perfekt), der Wille zählt letztendlich.

Ein jeder sollte in sich gehen und sich auf seinen persönlichen Level konzentrieren und seine Zeit nicht damit verschwenden, des Nachbarn Potential höher einzuschätzen.